Bernhard Peter
Wappen bei morganatischen Ehen (2)

Der Prinz von Nassau und die Grafen von Merenberg
Die historischen Herren von Merenberg, spätere Grafen von Gleiberg, führten einen goldenen Schragen, bewinkelt von a) 4 (1:2:1) goldenen Kreuzchen, b) 4 (1:2:1) vierblättrigen Rosenblüten, c) 12 (4x 3) goldenen Kreuzchen oder d) das Feld mit goldenen Kreuzchen bestreut. Oder es wurde nur der Schragen ohne Beizeichen verwendet. Über die ursprüngliche Schildfarbe gibt es widersprüchliche Angaben zwischen Grün und Blau; beide kommen vor (Siebmacher Band: NaA Seite: 8 Tafel: 11, Gruber, Zobel Tafel 221).

Heute begegnet uns das Wappen der erloschenen Herren von Merenberg in erster Linie als Feld im zusammengesetzten Wappen des Hauses Nassau (Walrams Stamm). Festgelegt wurde die Farbe Grün durch die Annahme des Wappens durch das Haus Nassau und Verwendung in dieser Form, genau wie die Zahl der Kreuzchen auf 12 festgelegt wurde, auch wenn anfangs noch Varianten mit Kleeblättchen verwendet wurden. Die Helmzier ist ein mit dem Schildbild belegtes Schirmbrett, vier- oder häufiger sechseckig, an den freien Ecken mit Pfauenfedern oder Quasten besteckt. Im nassauischen Wappen wird gerne ein rautenförmiges Schirmbrett verwendet.

Nachdem durch die Heirat von Johann I. Graf v. Nassau-Weilburg, Sohn von Gerlach I. Graf v. Nassau-Wiesbaden und dessen Frau Agnes v. Hessen, mit seiner ersten Frau Gertrud v. Merenberg, Erbtochter von Hartrad VI. v. Merenberg und dessen Frau Lisa v. Sayn, besagte Herrschaft in die Familie gekommen ist, weil deren Familie 1328 im Mannesstamm ausgestorben ist, konnte zwar deren Wappen als Element geführt werden, es fand jedoch erst im frühen 16. Jh. tatsächliche Aufnahme, und zwar als Herzschild über dem von Nassau und Saarbrücken gevierten Hauptschild. Das ist eigentlich nicht korrekt, denn der Herzschild wäre eigentlich der Platz für das Stammwappen, und der Hauptschild müßte von Saarbrücken und Merenberg geviert sein. Das Wappen hat folgende Form:

Dazu drei Helme:

Wappenschild von Nassau-Saarbrücken bzw. Nassau-Weilburg im 16. Jh. (gem. Siegelführung u. Darstellungen an Schloß Weilburg) Wappenschild der Herren von Merenberg (eine der Varianten) und heutiges Wappen des Marktfleckens Merenberg (Gemeindewappen) Grafen von Merenberg (seit 1868, nach Siebmacher PrGfE Seite 10, Tafel 7)

Als Element verblieb Merenberg in den sich später entwickelnden komplexen, vielfeldrigen Wappen des Hauses Nassau, und so findet es sich auch im großen Staatswappen des Großherzogtums Luxemburg von 1898 wieder. Einer der heutigen Abkömmlinge, der Großherzog Henri von Luxemburg, trägt immer noch den Titel eines Herren von Merenberg.

Das alte Wappen der Herren von Merenberg begegnet uns heute außerdem noch in der Kommunalheraldik: Der Marktflecken Merenberg im Landkreis Limburg-Weilburg führt das Wappen der ehemaligen Ortsherrschaft als Kommunalwappen, in Grün ein durchgehendes goldenes Schragenkreuz, bewinkelt von zwölf (4x 3) goldenen Kreuzchen. In gleicher Weise hatte das Symbol Eingang in das Wappen des vom 1.7.1867 bis zum 30.6.1974 bestehenden Oberlahnkreises gefunden, geviert, Feld 1: in Blau mit goldenen Schindeln ein goldener Löwe (Nassau), Feld 2: in Grün ein goldenes Schragenkreuz, begleitet von 12 (4x 3) Kreuzchen (Merenberg), Feld 3: in Silber ein rotes, durchgehendes Kreuz (Hochstift Trier), Feld 4: in Silber drei rote Pfähle mit einem blauen rechten Obereck (Runkel).

Zu einer ganz anderen Verwendung des Merenberger Namens und Wappens kam es anläßlich einer morganatischen Ehe im Haus Nassau. Nikolaus Wilhelm Prinz v. Nassau (2.9.1832-18.9.1905), General der Infanterie und Sohn von Georg Wilhelm August Heinrich Belgicus Herzog zu Nassau (14.6.1792-2.8.1839) und dessen Frau Pauline Friederica Marie Prinzessin v. Württemberg (25.2.1810-7.7.1856), hatte am 1.7.1868 in London unstandesgemäß geheiratet: Seine Angebetete war die in St. Petersburg geborene Natalja Alexandrowna Puschkina (4.6.1836-23.3.1913), Tochter des russischen Schriftstellers, Dichters und kaiserlich-russischen Kammerjunkers Aljeksandr Sergejevitsch Puschkin und dessen Frau Nadeschda Nikolaevna Gontscharova. Auf der einen Seite ein nassauischer Prinz, auf der anderen Seite die Enkelin des russischen Gardeoffiziers Sergej Lwowitsch Puschkin - das war absolut unstandesgemäß! Zumal seine morganatisch angetraute Ehefrau erst am 18.5.1868 von ihrem ersten Mann, kaiserlich-russischer Generallieutenant und General-Adjutant Michel Leontjewitsch Doubelt, geschieden worden war. Deshalb erhielt die frischgebackene Ehefrau am 29.7.1868 den waldeckschen Grafenstand als Gräfin von Merenberg, und die Kinder aus dieser Verbindung trugen den gleichen Titel. Hier hatte Fürst Georg Viktor von Waldeck-Pyrmont hilfreich eingegriffen, aber so ganz neutral war das nicht, denn er war der Schwager des Heiratenden, Nikolaus Wilhelm Prinz v. Nassau: Dessen ältere Schwester Helene Wilhelmine Henriette Pauline Mariane Prinzessin v. Nassau (12.8.1831-27.10.1888) hatte am 26.9.1853 in Biebrich Georg Victor Fürst zu Waldeck u. Pyrmont (14.1.1831-12.5.1893) geheiratet. Dieser Grafenstand wurde vom Königreich Preußen am 22.7.1881 anerkannt.

Zugleich mit Namen und Titel lebte auch das Merenberger Wappen wieder auf, diesmal jedoch in einer Form, die sich deutlich von der im Nassauer Gesamtwappen unterscheidet. Sowohl die Feldfarbe als auch die Form der Kreuzchen ist nach Siebmacher PrGfE Seite 10, Tafel 7 eine spezielle, die eine Verwechslung mit dem echten Anspruch der Nassauer auf diese historische Herrschaft ausschließt, zugleich aber das Motiv der Herrschaft in die nassauischen Farben taucht, wobei betont sei, daß das alte Wappen der Herren von Merenberg durchaus in beiden Farbvarianten überliefert ist: In Blau ein goldenes Andreaskreuz, begleitet in jedem Winkel von drei gegen die Winkel zu je 2:1 gestellten goldenen Kreuzchen, deren drei obere Arme in kleine Kugeln ausgehen. Kleinod: rautenförmiges, wie der Schild bez. Schirmbrett, an den Ecken besetzt mit roten Quasten, Decken blau-golden.

Mit einem dieser Nachkommen schließt sich der Kreis zu einem der echten Erben des Titels und Anspruchs auf Merenberg: Georg Nikolas Graf v. Merenberg (13.2.1871-31.5.1948) kam 1907 in der sog. Merenberg-Affäre auf die Idee, einen Thronfolgeanspruch auf das Großherzogtum Luxemburg und einen materiellen Anspruch auf das Familienvermögen der Großherzöge von Nassau zu erheben. Er fühlte sich anläßlich des bevorstehenden Erlöschen der fürstlichen Nassauer Linie durch eine Bestimmung von 1783 dazu ermutigt, welche festlegte, daß im Falle des Aussterbens der fürstlichen Agnaten des Hauses Nassau die nichtfürstlichen Agnaten noch vor den fürstlichen Erbtöchtern zur Thronfolge berufen seien. Die Luxemburger lösten das Problem ganz geschickt, indem sie in das Landesgesetz die Thronfolge fürstlicher Erbtöchter aufnahmen, und alle weiteren, insbesondere finanziellen Ansprüche gegen das Haus Nassau wurden in einem Vergleich mit einer Jahresrente gegen Anspruchsverzicht aus der Welt geschafft.

Das Haus Solms und die von Schönau
Im Hause Solms gab es einen weiteren Fall: Friedrich Wilhelm Karl Ludwig Georg Alfred Alexander Prinz zu Solms-Braunfels (27.7.1812-13.11.1875) war hier das schwarze Schaf der Familie: Der Prinz zu Solms machte seiner Familie nicht nur dadurch Unehre, daß er 1839 eine viermonatige Gefängnisstrafe wegen unerlaubten Entfernens vom preußischen Militärdienst absitzen mußte, sondern vor allem, weil er 1834 eine Bürgerliche heiratete; nämlich Louise Auguste Stephanie Beyrich. Das war eine heimliche und morganatische Ehe, aus der drei Kinder entsprangen. Das war alles vor allem äußerst unpassend, weil seine verwitwete Mutter inzwischen Königin von Hannover war, und die Familie machte reichlichen Druck: Karl mußte sich, um seine Stellung und seine Karriere zu retten, 1841 von seiner Liebe scheiden lassen. Wie zu diesen Zeiten üblich, ging er eine Zeitlang nach Übersee, um die Wogen zu glätten und das Geschehene vergessen zu machen, wobei er in Texas zum Gründer der Siedlung New Braunfels wurde, und er ging nach seiner Rückkehr 1845 eine standesgemäße, zweite Ehe ein und setzte seine militärische Karriere fort, bis er 1868 als k.u.k. Feldmarschall-Lieutenant und Oberst-Inhaber eines Dragoner-Regimentes den Abschied nahm. Den Abschied versüßte die Familie Solms seiner Louise und seinen Kindern nicht nur mit einer Apanage, sondern auch am 25.3.1841 mit der Erhebung in den großherzoglich hessischen Adelsstand zu Darmstadt als Louise von Schönau. Diesen Titel trugen auch Karls Nachkommen mit ihr. Am 20.3.1912 wurde Karl von Schönau, Privatier in München, in der königlich bayerischen Adelsklasse immatrikuliert.

Das Wappen der von Schönau wird im Siebmacher Band: He Seite: 25 Tafel: 28 beschrieben: Geteilt, oben in Blau eine silberne Rose, unten in Gold ein schwarzer Pfeil, auf dem Helm mit blau-silbernen Decken zwischen einem goldenen Flug ein blaubefleckter silberner Rüdenkopf.

Die Markgrafen von Brandenburg und die Freiherren von Kotzau
Die echten Herren von Kotzau gehörten zum fränkischen Adel, und sie waren Erbschenken der Markgrafen von Brandenburg-Bayreuth. Die Familie, deren Namen noch in den Ortsnamen Oberkotzau und Unterkotzau im Landkreis Hof weiterlebt, erlosch im 17. Jh. in der jüngeren Linie mit Hektor von Kotzau, Bamberger Domdechant, am 1.1.1619, und in der älteren Linie mit Wolf Christian von Kotzau, der bei einem Duell getötet wurde, im Jahre 1661. Die von der älteren Linie abgezweigte egerländische Linie erlosch mit Hans Adam von Kotzau im Jahre 1640. Diese Familie führte in Rot einen widersehenden, silbernen Widder mit goldenen Hörnern, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken das Schildbild, so läßt sich das Wappen z. B. im Scheiblerschen Wappenbuch und im Ingeram-Codex finden, desgl. im Siebmacher Band: ThüA Seite: 62 Tafel: 48, Siebmacher BayA1 Seite 114 Tafel 114 alternativ mit einem roten und mit einem silbernen Flügel als Kleinod.

Nur knapp 40 Jahre später wurden Name und Wappen wiederbelebt. Georg Albrecht Markgraf v. Brandenburg-Kulmbach (7.12.1666-14.1.1703) war in Regina Magdalena Lutz (22.4.1678-27.10.1755) verliebt und wollte sie heiraten, die Tochter des markgräflichen Amtmannes zu Oberkotzau und Rates Johann Peter Lutz, ein durch und durch verdienter, aber bürgerlicher Verwaltungsbeamter des Markgrafen. Die Familie Lutz führte übrigens als Wappen zwei senkrecht gestellte, nach innen gekrümmte Fische, der rechte aufrecht, der linke gestürzt, bewinkelt von vier (1:2:1) Sternen, auf dem Helm das Schildbild zwischen zwei Büffelhörnern. Dieses im Siebmacher Band: Bg3 Seite: 64 Tafel: 69 beschriebene Wappen sehen wir z. B. im Ehewappen in der Martinskirche in Kautendorf, dort aber mit geraden Fischen und nur drei Sternen in den Farben Blau und Silber.

Die nichtstandesgemäße Eheschließung verlief dramatisch: Die Nachricht von der Liebe zwischen den Beiden platzte sowohl in Berlin bei Kurfürst Friedrich III. von Preußen als auch in Bayreuth bei Markgraf Christian Ernst und in Ansbach bei Markgraf Georg Friedrich wie eine Bombe, und die ganze Familie war dagegen. Der Brautvater Johann Peter Lutz wurde von seinem Dienstherrn gemobbt und schließlich als Kastner nach Lichtenberg in die tiefste Provinz versetzt. Der Bräutigam wurde bespitzelt, und als das herauskam, ließ dieser die für die spitzelnde Dienerschaft verantwortliche Anna Katharina Frank im Keller des Oberkotzauer Schlosses erschießen, und er kam wegen dieser Handlung selbst in Arrest. Was echte Liebe ist, läßt sich auch nicht bremsen, wenn keiner der eingeschüchterten Priester in markgräflichen Landen zur Vornahme der Trauung bereit ist: Man heiratete dann eben morganatisch in Böhmen, so geschehen am 27.4.1699 in Maria Loreto in Altkinsberg bei Cheb.

Nun war die Katastrophe gegen alle Bemühungen der Familie doch geschehen, und man bemühte sich um Schadensbegrenzung: Man gab der Familie eine Apanage sowie das Schloß Oberkotzau als Residenz, und man belebte Namen und Wappen derer von Kotzau wieder: Die Bürgerliche Regina Magdalene Lutz mutierte zur Madame de Kotzau. Die Sprößlinge dieser Familie führten das alte Wappen der Herren von Kotzau ohne jeden genealogischen Zusammenhang und ohne jede Berechtigung außer markgräflicher Macht, das Wappen eines ausgestorbenen Geschlechts neu zu verleihen. Erst am 19.6.1738 kam es zu einer Änderung, als Georg Albrechts Nachkommen, die beiden Brüder Friedrich Christian Wilhelm v. Kotzau und Friedrich August v. Kotzau (ein dritter Sohn war in früher Kindheit verstorben), von Kaiser Karl VI. zu Laxenburg in den Reichsfreiherrnstand erhoben wurden und das Wappen durch Hinzunahme eines Rückschildes gebessert wurde.

     
Herren von Kotzau (alt und neu)       Freiherren von Kotzau (ab 1738)

Das neue Wappen der Reichsfreiherren von Kotzau, wie es 1738 verliehen wurde, ist geviert mit Herzschild, Feld 1 und 4: in Silber ein blauer Adler, Feld 2 und 3: in Rot zwei goldene Schrägbalken, Herzschild: in Rot ein widersehender, schreitender, silberner Widder mit goldenen Hörnern (erloschene von Kotzau). Dazu werden drei gekrönte Helme geführt: Helm 1 (Mitte): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken der Widder wie im Herzschild, Helm 2 (rechts): auf dem Helm mit blau-silbernen Decken der blaue Adler, Helm 3 (links): auf dem Helm mit rot-goldenen Decken fünf abwechselnd von Gold und Rot und Rot und Gold geteilte Fahnen, rechts zwei, links drei (so nach Siebmacher Band: Han Seite: 30 Tafel: 31, exakte Anzahl und Darstellung variiert je nach Quelle). Das vermehrte Wappen wird außerdem beschrieben im Siebmacher Band Bay Seite 43 Tafel 42 sowie bei Grote.

Die Familie der Freiherren von Kotzau, welche am 13.3.1813 im Königreich Bayern bei der Freiherrenklasse immatrikuliert wurden, und deren Freiherrenstand am 9.7.1839 im Königreich Hannover anerkannt wurde, ist 1976 erloschen.

Nichtsukzessionsfähige württembergische Linien (1): die Grafen von Urach
Auf Herzog Heinrich v. Württemberg (3.7.1772-28.7.1838) und seine im Jahre 1798 morganatisch angetraute Ehefrau Christiane Karoline Alexis gehen die Gräfinnen von Urach zurück:

Christiane Karoline Alexei war bereits am 6.9.1807 zur Freifrau von Hochberg und Rottenburg erhoben worden. Das Wappen nach dem württembergischen Freiherrendiplom vom 6.9.1807 (Siebmacher Band: FstB Seite: 56 Tafel: 102) ist gespalten, rechts silbern-rot geteilt, links in Silber auf schwebendem grünen Grund eine rote, zweitürmige, blau bedachte Burg, zwei Helme: Helm 1 (rechts): auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein silbern-rot übereck geteiltes Paar Büffelhörner, Helm 2 (links): auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken auf grünen Grund eine rote, zweitürmige, blaubedachte Burg.

   
Freifrau von Hochberg u. Rottenburg
Diplom vom 6.9.1807
    Grafen von Urach
Diplome 16.1.1821 u. 13.11.1825

Die Grafen von Urach führten nach königlich-württembergischen Diplomen vom 16.1.1821 und vom 13.11.1825 (Siebmacher Band: FstB Seite: 56 Tafel: 102) in Gold einen schwarzen, rotgezungten Löwen, auf dem gräflich gekrönten Helm mit schwarz-goldenen Decken ein rotes Jagdhorn (Hifthorn) mit blauem (!) Band und goldenen Beschlägen, mit drei Straußenfedern (blau-silbern-rot) im Mundloch. Das Diplom von 1821 war für die Tochter Marie in zeitlichem Bezug zu ihrer Hochzeit, das von 1825 für Schwestern und ihre Mutter, die bisherige Freifrau von Hochberg und Rottenburg.

Die Grafen von Urach des 19. Jh. dürfen auf keinen Fall verwechselt werden mit den mittelalterlichen Grafen von Urach, aus denen die Grafen von Freiburg und die Grafen von Fürstenberg hervorgingen. Die Uracher Linie selbst endete ca. 1261 mit dem Tod des Grafen Berthold d. J. Hier wurde lediglich der Name eines seit dem Aussterben der echten Grafen von Urach württembergischen Territoriums zur Ausstattung einer aus einer morganatischen Ehe entstandenen, nicht sukzessionsberechtigten Linie verwendet.

Nichtsukzessionsfähige württembergische Linien (2): die Herzöge und Fürsten von Urach
Auf Herzog Wilhelm von Württemberg (27.12.1761-10.8.1830) gehen mehrere nicht sukzessionsfähige Linien zurück, weil sie Ergebnis einer nicht standesgemäßen, morganatischen Ehe waren, die Grafen von Württemberg und die Herzöge von Urach (seit 1863).

     
Königreich Württemberg
seit 1817
      Herzöge und Fürsten von Urach
Diplom vom 10.1.1868

Die Herzöge und Fürsten von Urach bekamen ein eigenes Wappen von König Karl I. (1864-1891) mit württembergischem Diplom vom 10.1.1868: Es bestand aus dem aus Württemberg (in Gold drei schwarze Hirschstangen übereinander) und Schwaben (in Gold 3 schwarze, schreitende Löwen mit jeweils roter rechter erhobener Vorderpranke übereinander) gespaltenen Schild, dazu ein in den Farben abgewandeltes württembergisches Kleinod, auf dem ungekröntem Helm mit schwarz (!)-goldenen Decken ein rotes Jagdhorn (Hifthorn) mit blauem (!) Band und goldenen Beschlägen, mit drei Straußenfedern (blau-silbern-rot) im Mundloch. Als Schildhalter dienen ein schwarzer, ungekrönter Löwe und ein goldener Hirsch. Die rechten Vorderpranken aller Löwen im Wappen sind rot (!). Dazu ein aus einer Herzogskrone herabfallender Wappenmantel, purpurn und mit Hermelin gefüttert (Ströhl, Deutsche Wappenrolle, Siebmacher Band: FstB Seite: 56 Tafel: 101).

Nichtsukzessionsfähige württembergische Linien (3): die Fürsten und Herzöge von Teck
Eine andere, ebenfalls nicht sukzessionsfähige Linie geht auf Alexander Herzog v. Württemberg (9.9.1804-4.7.1885) zurück, der in morganatischer Ehe Claudina Rhedey geheiratet hatte. Für die Abkömmlinge wurde der Name Teck wiederbelebt.

Das hat nichts zu tun mit den historischen Herzögen von Teck. Von diesen Abkömmlingen der Zähringer starb die Linie Teck-Oberndorf bereits 1363 mit den Kindern von Hermann II. aus, d. h. mit Beatrix, die Linie Teck-Owen 1439 mit Ludwig IV., Patriarch von Aquileia, der in Basel verstarb. Beide Linien waren zum Schluß verarmt. 1374 wurden Gebiete an die Grafen von Hohenberg verkauft. Der Erwerb der Herrschaft Mindelheim 1365 brachte nicht lange Freude. 1386 hatten die Herzöge von Teck schon das Stammland um die Burg Teck an die Grafen von Württemberg verkauft, und 1495 bekamen die frischgebackenen Herzöge von Württemberg auch den Titel der Herzöge von Teck.

Für die Nachkommen aus der eingangs erwähnten morganatischen Ehe zwischen Alexander Herzog v. Württemberg (9.9.1804-4.7.1885) und Claudina Rhedey wurde der alte Titel reaktiviert, und sie wurden die neuen Herzöge von Teck:

Die morganatisch geehelichte Claudina Rhedey wurde zur Gräfin von Hohenstein. Das Wappen nach dem österreichischen Diplom vom 16.5.1835 zeigt in goldenem, mit roten Herzchen bestreutem Schild einen golden gekrönten, rot gezungten, schwarzen Löwen, der in der rechten Vorderpranke ein silbernes, ankerendiges Kreuz hält. Auf dem Schild ein neunperlige Rangkrone, Schildhalter zwei goldene, widersehende Pferde mit Halsband und daranhängender Kette, auf einem blauen Band mit der Devise "Vertrau auf Gott" in gotischer Schrift stehend (Siebmacher Band: FstB Seite: 55 Tafel: 99)

Die Fürsten und Fürstinnen von Teck führten gemäß Diplomen vom 1.12.1863, 21./27.1.1864 und 16.9.1870 einen gevierten Schild, Feld 1 und 4: Teck, schwarz-golden schräggerautet, Feld 2 und 3: Württemberg, in Gold drei schwarze Hirschstangen übereinander, dazu zwei Helme, Helm 1 (rechts): auf dem gekrönten Helm mit schwarz-goldenen Decken ein wachsender, schwarz-golden schräggerauteter Brackenrumpf, Helm 2 (links): auf dem gekrönten Helm mit schwarz-goldenen Decken ein rotes Jagdhorn (Hifthorn) mit goldenem Band und goldenen Beschlägen, mit drei Straußenfedern (blau-silbern-rot) im Mundloch. Schildhalter: zwei goldene, widersehende, rotgezungte, ungekrönte Löwen, diese stehen auf einem Band mit der Devise "Vertrau auf Gott". Dazu ein aus einem Fürstenhut herabfallender Wappenmantel, purpurn und mit Hermelin gefüttert (Siebmacher Band: FstB Seite: 55 Tafel: 98).

Gräfin von Hohenstein
Diplom vom 16.5.1835
Fürsten von Teck
Diplome
1863, 1864, 1870
Herzöge von Teck
Diplom vom 16.9.1871

Die neuen Herzöge von Teck bekamen ebenfalls ein eigenes Wappen von König Karl I. (1864-1891) mit Diplom vom 16.9.1871 für Franz: Es bestand aus dem aus Württemberg (in Gold drei schwarze Hirschstangen übereinander) und Schwaben (in Gold 3 schwarze, schreitende Löwen mit jeweils roter rechter erhobener Vorderpranke übereinander) gespaltenen Schild, an der Herzstelle mit dem Wappen Teck (schwarz-golden schräggerautet) belegt, auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken ein schwarz-golden schräggeweckter Brackenkopf mit rot ausgeschlagener Zunge (Kleinod Teck). Die Schildhalter, ein schwarzer Löwe und ein naturfarbener, also brauner (!) Hirsch, stehen auf einem Band mit der Devise "Vertrau auf Gott". Dazu ein aus einer Herzogskrone herabfallender Wappenmantel, purpurn und mit Hermelin gefüttert (Ströhl, Deutsche Wappenrolle, Siebmacher Band: FstB Seite: 55 Tafel: 97).

Anhand der obigen Genealogie sehen wir auch zwei interessante Details:

Nun zu dem Wappen von Mary Victoria Augusta Luisa Olga Pauline Claudine Agnes Prinzessin v. Teck (26.5.1867-24.3.1953) als Königin von Großbritannien: Ihr Wappen ist ein Ehewappen, also gespalten aus dem Wappen des Ehemannes und dem der Ehefrau. Das Wappen des Ehemannes ist das moderne Königswappen in seiner letzten Form, wie es das Haus Windsor führt. Das Wappen der Ehefrau ist geviert aus den Wappen von Mutter und Vater. Denn über ihren Vater ist sie Prinzessin von Teck, aber ihre Mutter Mary Adelaide Wilhelmine Elizabeth of Cambridge Princess of Great Britain (27.11.1833-27.10.1897) war als Tochter von Adolphus Frederick Duke of Cambridge (24.2.1774-8.7.1850) und Enkelin von König George III. von England und Hannover (4.6.1738-29.1.1820) selbst eine Prinzessin von Großbritannien, aber aus dem Hause Hannover, weswegen man nun in den Feldern 1 und 4 ihrer Wappenhälfte ein "veraltetes" britisches Königswappen sieht, mit dem entsprechenden Turnierkragen der Prinzessin, die ihre Mutter war. Da das englische Königshaus höherrangig ist als das württembergische Herzogshaus, steht es in den höherwertigen Feldern. So fanden die württembergischen Hirschstangen und die "morganatischen", rotbetatzten Löwen der Herzöge von Teck Eingang in ein britisches Herrscherwappen! Das Ehewappen als Königin Mary ist also wie folgt aufgebaut:

Prunkstücke: Band des Hosenbandordens, Krone, Schildhalter: goldener, rotbewehrter, hersehender, königlich gekrönter Löwe rechts und naturfarbener Hirsch links, wobei dieser Hirsch auch noch eine Erinnerung an das Haus Württemberg und aufgrund seiner Farbe insbesondere an die Herzöge von Teck darstellt.

Nichtsukzessionsfähige württembergische Linien (4): die von Grünhof
Und einen dritten, aber sehr kurzlebigen Fall gibt es im Hause Württemberg: Er geht auf Ernst Herzog v. Württemberg (11.8.1807-26.10.1868) zurück, der eine morganatische Ehe mit Anna Katharina Nathalie Eschborn einging:

Die unstandesgemäße Braut bekam am 21.8.1860, also drei Tage nach der Eheschließung den Adelstitel "von Grünhof", den auch die einzige Tochter aus dieser Ehe führte. Das zugehörige Wappen hatte keinerlei Bezug zu dem des Hauses Württemberg mehr und war geviert, Feld 1 und 4: in Grün eine goldene Harfe in Form eines y, Feld 2 und 3: in Silber zwei zu einem Kranze gebogene, unten sich kreuzende, grüne Ölzweige, auf dem gekrönten goldenen (!) Helm mit grün-silbernen Decken die umgewendete goldene Harfe zwischen den beiden grünen Ölzweigen (Ströhl, Deutsche Wappenrolle).

Das Haus Hessen und die Freiherren von Nidda
Nidda - waren das nicht eigentlich Grafen? Richtig, die historische Grafschaft Nidda
bestand fast 400 Jahre lang, ehe sie an Hessen kam. Erstmals genannt werden die Grafen von Nidda im Jahre 1104. Die Grafen von Nidda (alte Linie, die echten Niddaer Grafen) sind ca. zwischen 1194 und 1207 im Mannesstamm mit Berthold II. von Nidda erloschen, vermutlich um 1206. Mechthild von Nidda, die Schwester des letzten Niddaer Grafen, beide Kinder von Berthold I. Graf v. Nidda und Enkel von Vokold Graf v. Nidda u. v. d. Malsburg sowie einer Liutgard, war mit Graf Rudolf II von Ziegenhain verheiratet. Nidda kam also an Ziegenhain über die Erbin Mechthild.

Die Grafschaft wurde im Jahre 1258 durch Erbteilung in zwei Linien aufgespalten. Es entstanden die Linie zu Ziegenhain und die zu Nidda. Gottfried IV. Graf v. Ziegenhain u. Nidda, gest. 15.11.1250, und sein Bruder Berthold I. Graf v. Ziegenhain u. Nidda, gest. 6.8.1258, haben die ungeteilte Grafschaft gemeinsam verwaltet; die Teilung wird erst unter den Söhnen dieser Brüder vollzogen, und zwar unter Vermittlung der beiden Lehnsherren, der Äbte von Fulda und Hersfeld, und des Erzbischofs von Mainz, Ludwig II. bekam dabei Nidda, Gottfried V. bekam Ziegenhain, und so wurde Gottfried zum Begründer der Linie zu Nidda, Berthold zum Begründer der Linie Ziegenhain. Beide Linien bestanden nebeneinander bis zum Jahre 1311. Wiedervereinigt wurden die Linien, als Graf Johann I. von der Ziegenhainer Linie Lukardis, die Erbtochter aus der Niddaer Linie heiratete. Nidda fiel somit 1311 wieder an die Linie zu Ziegenhain zurück, und die Grafschaft war wiedervereint. Diese Genealogie erklärt auch die enge Verwandtschaft der Wappen beider Grafschaften. Das Wappen der älteren Grafen von Nidda aus dem Hause Malsburg ist unbekannt. Die späteren Linien gehen aber genealogisch auf eine gemeinsame Wurzel zurück, was die Verwandtschaft der Farben und Motive als Wappen-Differenzierung erklärt. Das ältere Wappen ist der einzelne Stern von Ziegenhain, die Differenzierung ist der doppelte Stern von Nidda. Der frühestmögliche Zeitpunkt dieser Differenzierung ist die Erbteilung von 1258.

Der Übergang der Grafschaft Ziegenhain-Nidda an Hessen vollzog sich juristisch in mehreren Stufen: Eigentlich war es ein Lehen von Fulda, doch Johann II. Graf v. Ziegenhain (-14.2.1450) ließ sich 1420 von Kaiser Sigismund direkt mit der Grafschaft Nidda, Burg und Stadt, der Grafschaft Ziegenhain, dazu mit den Zöllen zu Treysa und Gemünden belehnen, ein geschickter politischer Schachzug, der Fulda ausbootete. Die Grafschaft war damit neben Hessen und dem Erzbistum Mainz ein territoriales Schwergewicht, das jetzt politisch auf gleicher Ebene verhandeln konnte, denn es war neben den Genannten die drittgrößte Macht im betreffenden Großraum. Obwohl die beiden letztgenannten auf die Grafschaft "geierten", als das Aussterben der Familie abzusehen war, gab Graf Johann den Landgrafen den Vorzug und schloß am 29.6.1428 einen Schutzvertrag mit den Hessen ab, auch vor dem Hintergrund des militärischen Sieges von Landgraf Ludwig dem Friedfertigen bei Fritzlar und Fulda 1427, gefolgt von der Auftragung der Grafschaft zu Lehen am 2.2.1437 für den Todesfall. Die Abteien Fulda und Hersfeld, deren Äbte nominell Lehnsherren über das Gebiet waren, wurden durch eine finanzielle Abfindung dazu bewogen, am 2.2.1437 den Kontrakt zu befürworten und den Weg für den Übergang der Grafschaften an den Landgrafen zu ebnen. Der Übergang dieser territorialen "Sahneschnitte" an die Landgrafen blieb nicht unangefochten, die Grafen von Hohenlohe machten Ansprüche geltend - und nahmen auch die entsprechenden Elemente in ihr Wappen auf - vergeblich, denn 1495 wurde der 45 Jahre dauernde „hessisch-hohenlohische Erbstreit" endgültig zugunsten der Landgrafen entschieden, wobei immerhin noch die Landgrafen von Hessen den Hohenloher Grafen das Niddaer Ziegenhainer Land für 9000 Gulden abgekauft hatten, um Rechtsfrieden zu haben. Die Landgrafen von Hessen führten die Felder Ziegenhain und Nidda seitdem als feste Bestandteile in ihren mehrfeldrigen Wappen, was sich erst im Wappen des Großherzogtums Hessen änderte.

Anläßlich einer morganatischen Ehe wurde nun der Name dieses wichtigen Territoriums im 19. Jh. wiederentdeckt für die daraus entstehende nichtsukzessionsfähige Linie. Heinrich Ludwig Wilhelm Adalbert Waldemar Alexander Prinz v. Hessen und bei Rhein (28.11.1838-16.9.1900) hatte am 28.2.1878 in Darmstadt Caroline Willich gen. v. Pöllnitz (5.11.1848-6.1.1879) morganatisch geheiratet. Nur nahm man als Titel nicht den der Grafen von Nidda, sondern den der neu erfundenen Freiherren von Nidda, den sie am Tag ihrer Eheschließung erhielt. Als Wappen nahm man unverändert den alten Schild und die alte Helmzier der Grafen von Nidda aus dem Hause Ziegenhain, schwarz-golden geteilt, oben zwei achtstrahlige silberne Sterne nebeneinander, auf dem schwarz-golden bewulsteten Helm mit schwarz-goldenen Decken ein wie der Schild bez. Flug (Ströhl, Deutsche Wappenrolle, S. 37).

Genealogie zu den drei hier beschriebenen hessischen morganatischen Linien:

Das Haus Hessen und die Freiherren von Dornberg
Die historischen Herren von Dornberg waren ein edelfreies südhessisches Geschlecht mit gleichnamigem Stammsitz bei Groß-Gerau, welches 1257 mit Konrad von Dornberg im Mannesstamm erloschen ist. Die Freiherren von Dornberg führten drei (2:1) Rauten im Schild, wobei das Motiv zwar auf Siegeln aus den Jahren 1246 und 1256 nachgewiesen werden kann, nicht aber die Farbe. Es wird davon ausgegangen, daß die von Dornberg, die Kuche von Dornberg und die von Wallbrunn alle eines Stammes und Wappens sind, deshalb wäre das historische Wappen vermutlich ebenfalls in Blau drei (2:1) silberne Rauten. Für die v. Wallbrunn wird eine silberne Raute zwischen zwei blauen, je mit einer silbernen Raute belegten Büffelhörnern als Kleinod angegeben (Siebmacher Band: Wü Seite: 13 Tafel: 17, Band: Bö Seite: 96 Tafel: 55, Band: Erg Seite: 43, Band: He Seite: 29 Tafel: 33, Band: PrGfE Seite: 48 Tafel: 32, Band: Bad Seite: 82 Tafel: 49), für die Kuche von Dornberg auf dem Helm mit blau-silbernen Decken ein Flug, mit je drei silbernen Rauten schrägbalkenweise belegt, rechts schräglinks, links schrägrechts (Aschaffenburger Wappenbuch). Nach dem Aussterben der Herren von Dornberg kam ihr Gebiet an die Grafen von Katzenelnbogen, und mit deren Aussterben dann an Hessen. Es handelt sich um ein Kleinterritorium, das nie separat in einem hessischen Wappen als Feld auftaucht.

     
alte Herren von Dornberg
historisches Wappen in vermuteten Tinkturen
      neue Freiherren von Dornberg
Neuschöpfung 23.9.1892/4.10.1893

Im 19. Jh. werden der Titel und das Wappen jedoch anläßlich einer morganatischen Ehe wiederbelebt: Der bereits oben im Zusammenhang mit den Freiherren von Nidda vorgestellte Heinrich Ludwig Wilhelm Adalbert Waldemar Alexander Prinz v. Hessen und bei Rhein (28.11.1838-16.9.1900) heiratete nach der nur kurzen Ehe mit seiner ersten Frau am 20.9.1892 in Darmstadt ein zweites Mal zur linken Hand, diesmal Emilie Mathilde Hedwig Hrzic v. Topuska (6.5.1868-23.2.1961). Sie wurde am 23.9.1892/4.10.1893 zur Frau v. Dornberg und am 14.9.1895 zur Freifrau von Dornberg erhoben (Genealogie s. o.). Für dieses neugeschaffene Adelsgeschlecht wurde das Motiv der historischen Herren von Dornberg wiederbelebt, aber in anderen Farben und mit einem veränderten Kleinod: In Rot drei (2:1) silberne Rauten, auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken eine silberne Raute zwischen zwei roten Büffelhörnern (Ströhl, Deutsche Wappenrolle, S. 37, Siebmacher Band: Kro Seite: 220 Tafel: 159).

Das Haus Hessen und die Herren von Lichtenberg
Die historische Herrschaft Lichtenberg liegt im Elsaß, und das dort ansässige Adelsgeschlecht hatte Territorien bei Haguenau und Straßburg inne, und die Burg Lichtenberg lag bei Buchsweiler (Bouxwiller). Schlüsselfigur für den Übergang an neue Herren war Ludwig V. v. Lichtenberg (12.5.1417-25.2.1471), Sohn von Ludwig IV. Herr v. Lichtenberg (-28.8.1434) und Anna v. Baden. Seine beiden Töchter aus der Ehe mit Elisabeth v. Hohenlohe-Weikersheim erbten 1481 nach dem Tod ihres kinderlosen Onkels Jakob v. Lichtenberg jeweils eine Hälfte der Herrschaft Lichtenberg. Das war 1.) Anna v. Lichtenberg (25.10.1442-1474), die Philipp I. Graf v. Hanau-Babenhausen (8.5.1417-10.5.1480) geheiratet hatte, und 2.) Elisabeth v. Lichtenberg (9.8.1444-21.1.1495), die Simon VII. Wecker Graf v. Zweibrücken-Bitsch (1446-22.7.1499) geheiratet hatte. Die erste Ehe führte zu einer Aufspaltung der Hanauischen Linien in eine ältere Linie Hanau-Münzenberg und eine jüngere Linie Hanau-Lichtenberg. Die Grafen von Zweibrücken-Lichtenberg starben 1570 mit Graf Jacob (19.7.1510-1570) im Mannesstamm aus, und das Erbe fiel an Hanau-Lichtenberg, so daß die Grafschaft wieder vereint war, denn Ludowike Margarete v. Zweibrücken-Lichtenberg (1540-15.12.1569), Tochter von Jacob Graf v. Zweibrücken-Lichtenberg und Katharina v. Honstein-Klettenberg, hatte am 14.10.1560 in Bitsch Philipp V. Graf v. Hanau-Lichtenberg (21.2.1541-2.6.1599) geheiratet. Ihr Sohn war Johann Reinhard I. Graf v. Hanau u. Zweibrücken Herr v. Lichtenberg u. Ochsenstein (13.2.1569-19.11.1625).

Die Herren von Lichtenberg führten innerhalb eines roten Bordes in Silber einen schwarzen Löwen (Siebmacher Band: Souv3 Seite: 69 Tafel: 85). Die Grafen von Zweibrücken-Lichtenberg nahmen das Element in ihr Wappen auf (Siebmacher Band: Souv3 Seite: 86 Tafel: 96); ihr Schild war geviert mit Herzschild, Feld 1: in Gold drei rote Sparren (Grafschaft Hanau), Feld 2: in Gold ein roter Löwe (Grafschaft Zweibrücken), Feld 3: innerhalb eines roten Bordes in Silber ein schwarzer Löwe (Herrschaft Lichtenberg), Feld 4: in Rot zwei silberne Balken (Herrschaft Ochsenstein), Herzschild: rot mit goldenem Bord (Bitsch, Bitche). Die Grafen und späteren Fürsten von Hanau-Lichtenberg wiederum starben 1736 mit Johann Reinhard III. Fürst v. Hanau-Lichtenberg (1665-28.3.1736) aus, mit ihm erlosch das gesamte Haus Hanau, und das Erbe fiel an Hessen, denn des letzten Fürsten Tochter, Charlotte Christiana Magdalena Johanna Gräfin v. Hanau-Lichtenberg (2.5.1700-1726), hatte am 5.4.1717 in Philippruhe Ludwig VIII. Landgraf v. Hessen-Darmstadt (5.4.1691-17.10.1768) geheiratet. Daß nicht das gesamte Territorium an Hessen-Darmstadt fiel, sondern nur Hanau-Lichtenberg, liegt an einem 1643 mit Hessen-Kassel geschlossenen Erbvertrag, das nun den Hanau-Münzenberger Anteil bekam, der zuvor an Hanau-Lichtenberg gefallen war.

     
alte Herren von Lichtenberg
ging an Hanau-Lichtenberg
      neue Herren von Lichtenberg
Neuschöpfung 15.4.1884/7.6.1890

Seit 1736 war also Hessen-Darmstadt Erbe der elsässischen Herrschaft Lichtenberg, und nun wurden rund anderthalb Jahrhunderte später Name und Wappen anläßlich einer morganatischen Ehe im 19. Jh. wiederentdeckt. Auslöser war der Bruder des oben bereits zweimal erwähnten Heinrich Prinz v. Hessen und bei Rhein, Wilhelm Ludwig Friedrich Georg Emil Philipp Gustav Ferdinand Prinz v. Hessen und bei Rhein (16.11.1845-24.5.1900), der am 24.2.1884 eine morganatische Ehe mit Luise Marie Josefine Bender (11.8.1857-24.2.1942) eingegangen war. Am 15.4.1884 erfolgte die Erhebung in den Adelsstand als Frau v. Lichtenberg, das Diplom ist vom 7.6.1890, und diesen Namen trugen die Abkömmlinge aus dieser Ehe (Genealogie s. o.). Das Wappen zeigt das leicht modifizierte historische Motiv der Herren von Lichtenberg, innerhalb eines roten Bordes in Silber ein schwarzer, gekrönter Löwe, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein wachsender silberner Schwan mit goldenem Schnabel (Ströhl, Deutsche Wappenrolle, S. 37).

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher (insbes. Band Fürsten und Landesfürsten)
J. Siebmachers Grosses Wappenbuch Band E. Württembergisches Adels- und Wappenbuch. Im Auftrage des Württembergischen Altertumsvereins begonnen von Otto v. Alberti, Bauer & Raspe 1975 (Reprint), 1112 Texts. mit 4132 Wappen + 122 S. Figurenverzeichnis.
Hugo Gerard Ströhl, Deutsche Wappenrolle, Reprint von 1897, Komet Verlag Köln, ISBN 3-89836-545-X
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9, wobei angemerkt werden muß, daß die angegebenen frühen Genealogien in diesem Werk nicht präzise sind
Detlev Schwennicke (Hrsg.): Europäische Stammtafeln, Bd. III, Teilband 2: Nichtstandesgemäße und illegitime Nachkommen der regierenden Häuser Europas, Frankfurt am Main 1983
Joachim Kühn, Ehen zur linken Hand in der europäischen Geschichte, Stuttgart 1968
Hermann Schulze, Die Hausgesetze der regierenden deutschen Fürstenhäuser, 1-3, Jena 1862-1883
http://www.adelsrecht.de/Lexikon/M/Morganatische_Ehe/morganatische_ehe.html
Emil Abt, Mißheiraten in den deutschen Fürstenhäusern unter besonderer Berücksichtigung der standesherrlichen Familien, Heidelberg 1911
Christoph Gnant, Die Bestimmungen über die Mißheiraten in den Wahlkapitulationen, Adler 18 (1995/1996), 320 ff.
Herren von Merenberg:
http://de.wikipedia.org/wiki/Merenberg_(Adelsgeschlecht)
Geschichte von Burg und Herrschaft Merenberg:
http://merenberg-online.de/gemeinde/ortsteile/geschichte_merenberg.htm - http://merenberg-online.de/gemeinde/ortsteile/geschichte_merenberg_2.htm - http://merenberg-online.de/gemeinde/ortsteile/geschichte_merenberg_3.htm
Merenberg-Affäre: Hans von Frisch, Die Rechte des Grafen Georg von Merenberg auf den Thron des Großherzogtums Luxemburg, Verlag E. Wertheim 1907
Natalja Alexandrowna Puschkina
http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/bio/id/6131
Georg Nikolas Graf v. Merenberg
http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/bio/id/7141
Nikolaus Wilhelm Prinz v. Nassau
http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/bio/id/3723
Burg Merenberg:
http://www.burgenwelt.de/merenberg/ge.htm - http://www.burg-merenberg.de/chronik.htm
Genealogien Solms/Schönau:
http://www.angelfire.com/realm/gotha/gotha/solms.html
Friedrich Wilhelm Karl Ludwig Georg Alfred Alexander Prinz zu Solms-Braunfels
http://www.lagis-hessen.de/pnd/112147313
Schönau: Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band XIII, Band 128 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 2002
Friedrich Wilhelm Karl Ludwig Georg Alfred Alexander Prinz zu Solms-Braunfels
http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_zu_Solms-Braunfels
Georg Albrecht Markgraf v. Brandenburg-Bayreuth-Kulmbach:
http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Albrecht_von_Brandenburg-Kulmbach_(1619-1666)
Georg Albrecht Markgraf v. Brandenburg-Kulmbach
http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Albrecht_von_Brandenburg-Kulmbach_(1666-1703)
von Kotzau:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kotzau
von Kotzau: Scheiblersches Wappenbuch (Bayerische Staatsbibliothek Cod.icon. 312 c), Folio 290, Alter Siebmacher II, 3. Abt. Seite 12, Codex Ingeram.
Siebmacher Band: BayA1 Seite: 114 Tafel: 114, Band: ThüA Seite: 62 Tafel: 48, vermehrtes Wappen Band: Bay Seite: 43 Tafel: 42, Band: Han Seite: 30 Tafel: 31, Band: Pr Seite: 50 Tafel: 64, Band: Sa Seite: 12 Tafel: 11.
von Kotzau: Historisches Taschenbuch des Adels im Königreich Hannover, 1840, S. 183
von Kotzau:
http://www.schlossarchiv.de/herren/k/KO/Kotzau.htm
von Kotzau: Gotha. Genealog. Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser, Teil B, 91. Jg. 1941, S. 227
Alban von Dobeneck, Geschichte des ausgestorbenen Geschlechtes von Kotzau, in: Archiv für die Geschichte von Oberfranken, Bayreuth 1909, S. 1-111.
Allianzwappen in Kautendorf:
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kautendorf_Kirche_063.jpg
Johann Peter Lutz:
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e2/JohannPeterLutz.JPG
Wappen der Freiherren von Kotzau: Dr. H. Grote, Geschlechts- und Wappenbuch des Königreichs Hannover und des Herzogtums Braunschweig.
Herzöge von Teck:
http://de.wikipedia.org/wiki/Herz%C3%B6ge_von_Teck
Stammfolge der Herzöge von Teck:
http://de.wikipedia.org/wiki/Stammliste_der_Herz%C3%B6ge_von_Teck
Wappen von Königin Mary:
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Queen_Mary_of_Teck_Standard.svg - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Coat_of_Arms_of_Mary_of_Teck.svg
Martin Röhling, Die Geschichte der Grafen von Nidda und der Grafen von Ziegenhain, Niddaer Geschichtsblätter Heft Nr. 9, 2005, hrsg. vom Niddaer Heimatmuseum e. V., ISBN 3-9803915-9-0
Hessische Familienkunde Heft Nr. 2/2005

Homepage über die Geschichte der Grafen von Ziegenhain und Nidda:
http://www.grafschaft-ziegenhain.de/ - insbesondere http://www.grafschaft-ziegenhain.de/frame_haupt.html
Ein herzliches Dankeschön an Herrn Martin Röhling aus Nidda für wertvolle Hinweise
Dornberg: http://de.wikipedia.org/wiki/Dornberg_%28Adelsgeschlecht%29
Dornberg: Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983, Tafel 24 Seite 223
Herrschaft Lichtenberg:
http://de.wikipedia.org/wiki/Herrschaft_Lichtenberg, http://de.wikipedia.org/wiki/Grafschaft_Hanau-Lichtenberg, http://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Lichtenberg_%28Elsass%29
historische Herren von Lichtenberg:
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/fb/XIngeram_Codex_093f-Liechtenberg.jpg

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