Bernhard Peter
Besondere Motive: Der Frauenarm mit Hängeärmel

Was ist ein Hängeärmel?
Dieses Wappenbild ist zugleich Spiegel mittelalterlicher Moderichtungen und auch spätmittelalterlicher Modetorheiten. Es gab trichterartig weite Ärmel, lange, röhrenförmige Hängeärmel mit seitlichem, entweder durchgehendem oder nicht durchgehendem Schlitz zum Austritt der Arme, unten offene oder sackartig geschlossene Hängeärmel, Eselsohrärmel, bei denen der Arm sich frei bewegen konnte, die Rückseite aber zungenförmig verlängert war, und sackartige Anhängsel am Ärmel. Werfen wir einen ganz kurzen Blick auf die Entwicklung der Ärmelmode:

Diese Formen entwickelten sich in der Gotik. Die höfische Kleidung der Romanik war schlicht und weit, und mit dem Übergang zur Gotik kam Körpernähe ins Spiel, vor allem aber faszinierte das Spiel mit Wechsel zwischen Enge und Weite, zwischen Körperbetonung einerseits und Maßlosigkeit andererseits, was an Cotte und Surcot hohe Anforderungen hinsichtlich des Schnittes stellte. So kam es zu der Mode der Schleppen, der Betonung der Taille und eben auch zu den überlangen Hängeärmeln. Das traditionelle Untergewand war die Cotte, das Obergewand war im 12. Jh. ein Bliaut, meist zu beiden Seiten bis zur Hüfte geschlitzt und offen, und im 13. Jh. ein Surcot. Der Bliaut in frühgotischer Zeit entwickelte die trichterförmig erweiterten Ärmel, die bis zum Ellenbogen offen sein konnten, und bei angewinkeltem Arm blieb der Stoff aufgrund des Schlitzes hängen - der Hängeärmel war für die Mode entdeckt. Dabei gab es zwei Varianten für die Damenwelt, die eine erweiterte den Ärmel ab dem Ellenbogen trichterförmig, und dabei konnte der untere Zipfel durchaus bis ans Knie reichen. Die andere Variante liegt den halben Unterarm entlang eng an und erweitert sich plötzlich und bringt es auf noch größere Längen, bis zum Boden konnten die Zipfel reichen. Ein frühgotisches Surcot, im Gegensatz zum Bliaut gefüttert, hatte ebenfalls Schleppe und bis ca. 1200 lange Hängeärmel.

Dabei waren Hängeärmel bei weitem nicht auf die Damenwelt beschränkt, eine Darstellung um 1200 zeigt einen Reiter, dessen Ärmel sind wie vertikale Röhren geschnitten, unten offen, und der abgewinkelte Unterarm tritt seitlich aus dieser Röhre durch einen Schlitz aus und hält die Zügel. Daß wir das heraldische Motiv aber als Frauenarm ansprechen, liegt an anderen Umständen:

Diese als Schmuck getragenen Hängeärmel wurden als separate Teile gefertigt und am Übergewand der Damen angenestelt. In der höfischen Literatur werden sie erwähnt, sie stellten - da gut abnehmbar - bei Turnieren ein Pfand der Zuneigung dar. Man konnte sie also abnesteln, ohne den Arm zu entblößen, denn darunter war ja noch der Ärmel der Cotte. Diese Rolle, die der Ärmel bei höfischen Turnieren spielte, erklärt auch seinen Eingang in die Heraldik, entweder als losgelöster Ärmel wie beim Wappen der englischen Hastings, oder in situ mit dem Arm wie in der Heraldik einiger moselländisch-rheinländischer Familien, wie unten ausgeführt werden wird.

Diese Extravaganzen verschwanden später wieder, und Mode der Hochgotik drückte sich mehr in der Art, ein Gewand zu tragen, aus, im Faltenwurf klassischer hochgotischer Gewänder. Der Faltenwurf der Hochgotik ist auch ein anderer als in der Frühgotik, war die Frühgotik bestimmt von einem Wechselspiel zwischen horizontalen und vertikalen Falten, so dominiert in der Hochgotik die Vertikale. Die Hängeärmel verschwanden, die Ärmel sind gerade Schlupfärmel, eng geschnitten und bisweilen in einer Reihe geknöpft.

Erst gegen Ende des 13. Jh. werden die Ärmel wieder weiter, bei Männern und bei Frauen. Das 14. Jh. wurde eine Zeit des steten Wandels der Form des Surcots, und der Zuschnitt der Ärmel wurde das modische Leitmotiv, in schneller Folge immer neue Moden hervorbringend. Die Ärmel weiteten sich bis ca. 1320 zu trichterförmig geschnittenen Tütenärmeln. Am Anfang des 14. Jh. finden wir auch wieder kurze Hängeärmel, aber nicht so extrem wie in der ersten Phase. Eine weitere Entwicklung waren die Eselsohrärmel um 1320-1330, mit einem zungenförmigen Lappen an der Rückseite, der etwa bis zur Hand reichte.

Diese Eselsohrärmel verschwanden wieder, als das halblange Surcot der Männer durch neue Kleidungsstücke, Cotardie ab 1340 und später die körpernah geschnittene Schecke ab 1350, abgelöst wurde. Ersatz fand sich in Form am Oberarm befestigter langer Bänder (Flatterbänder). Die Obergewänder der Männer wurden jetzt schrittweise enger und kürzer.

Eine dritte Phase der modisch auffälligen Ärmel gibt es in der Spätgotik, als die Kleidung wieder weiter und fülliger wurde und die gefütterte Houppelarde die Schecke in der Männerkleidung ersetzte. Die Houppelarde war ein weites Obergewand unterschiedlicher Länge, und der weite Schnitt auch der Ärmel erzeugte Sack-, Beutel, Tüten- oder Trichterärmel. Sackärmel sind extrem voluminös geschnittene Ärmel, die sich dann rapide zum Handgelenk hin verjüngen und eng abschließen. Ab 1410 sind Beutelärmel nachweisbar, unten geschlossen wie ein Sack, und in der Ellenbogenbeuge befindet sich ein senkrechter Schlitz zum Durchstecken des Unterarmes. Eine weitere Variante hat am unteren Ende ein "zweites" Bündchen, falls man den Ärmel anders tragen möchte. Eine weitere Spielart sind Scheinärmel, die an der Schulter angenäht wurden. Die Houppelarde wurde übrigens auch von der Damenwelt übernommen.

Und die geschlitzten Hängeärmel finden sich selbst im 15. Jh. wieder in der burgundischen Männermode.

Warum war diese Weite Mode? Weite bedeutet Stoffverbrauch, und je mehr Stoff verwendet wurde, desto deutlicher konnte Wohlstand präsentiert werden. Vor allem, weil die riesigen Ärmel umgeschlagen wurden und man so die meist kostbare Fütterung sehen konnte. Außerdem waren solche Gewänder gewiß nicht praktisch und zum Arbeiten gedacht - also galt die einfache Regel: Je weiter die Ärmel, desto wohlhabender und vornehmer war der Träger.

In der Heraldik begegnen uns die Ärmel in verschiedenen Formen, beutelförmig mit seitlichem Loch, welches ornamental eingefaßt sein kann, trichterförmig und bei angewinkeltem Arm zusammengeschoben oder gar mit vom Handgelenk herabfallendem Beutel. Die exakte Form des Motivs ist eine Frage der Zeit der Darstellung.

Ein Beleg aus einem frühen Wappenbuch ist das Wappen Villiers im Armorial le Breton, dort befindet sich ein Arm mit Hängeärmel, offensichtlich aus Hermelin, in einem blau-golden geteilten Schild (oder golden mit blauem Schildhaupt). Daneben findet sich im selben Armorial le Breton ein unbezeichnetes Wappen mit rotem Ärmel in goldenem Feld.

Frauenarm mit Hängeärmel - eine mittelrheinisch-moselländische Wappengruppe
Besonders gehäuft finden wir historische Wappen mit dem Frauenarm und Hängeärmel im Gebiet von Mosel und Mittelrhein, wobei der Schwerpunkt an der Mosel liegt. Das Motiv ist das Gleiche, nur die Farben wechseln, und manchmal hält die Hand nicht einen Fingerring, sondern eine Blume (Rose). Es finden sich auffällig viele Burgmänner auf der Neuerburg in der Eifel darunter, ob diese Gemeinsamkeit kausal sein könnte, ist nicht beweisbar. Auch kommen viele aus benachbarten Dörfern, so die v. Lößnich, die v. Cröv, die v. Lieser und die v. d. Leyen, so daß eine mögliche Stammesverwandtschaft naheliegt, genauso bei den v. Arras und den v. Wolmerath.

von Lössnich, von Lösnich, von Lößnich: In Rot ein aus dem linken Schildrand kommender silberner Frauenarm mit sackartig herabhängendem Hängeärmel, die Hand hält eine Blume. So siegelt 1268 Johann von Losenich. Lößnich ist ein Ort an der Mosel, in der Nähe von Bernkastel gelegen. Beschreibung bei Hauptmann und Zobel Tafel 209.
von Lössnich, von Lösnich, von Lößnich: In Rot ein aus dem linken Schildrand kommender silberner Frauenarm mit Hängeärmel, die Hand hält einen Fingerring. 1285 zeigt ein Siegel von Hermannus de Lusinig den Ring. So führt das Wappen auch Conradus miles, dominus in Losenych 1339. Beschreibung bei Hauptmann und Zobel Tafel 209.
von Lössnich, von Lösnich, von Lößnich, von Lesnich: In rotem, mit goldenen Steckkreuzchen bestreutem Feld ein aus dem linken Schildrand hervorkommender silberner Frauenarm mit Hängeärmel, einen goldenen Fingerring mit blauem Stein haltend. So führt Konrad von Lossenich, Burgmann auf der Neuerburg um 1320, das Wappen, und so wurde es von den Bayer von Boppard in ihr Wappen aufgenommen. Helmzier ein niedriger roter Hut, dessen breite Krempe beiderseits mit einem Pfauenstoß besteckt ist, Decken rot-silbern. Beschreibung bei Hauptmann, Gruber S. 80-81 und Zobel Tafel 209.
Das Wappen der von Lößnich lebt fort im vermehrten Wappen der Bayer von Boppard: Geviert, Feld 1 und 4: in Silber ein schwarzer, rot bewehrter und gezungter, golden gekrönter Löwe, Feld 2 und 3: in rotem, mit goldenen Steckkreuzchen bestreutem Feld ein aus dem linken Schildrand hervorkommender silberner Frauenarm mit Hängeärmel mit goldenen Verzierungen, einen goldenen Fingerring mit blauem Stein haltend. Auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein wachsender schwarzer, rot bewehrter und gezungter, golden gekrönter Löwenrumpf zwischen einem silbernen Flug, alternativ ein mit zwei Pfauenfedern besteckter Turnierhut von Hermelin. Beschreibung bei Loutsch und Zobel Tafel 42.
von Buning, Buming, Buning von der Neuerburg: In Schwarz ein aus dem linken Schildrand kommender goldener Frauenarm mit sackartig herabhängendem Hängeärmel, die Hand hält einen goldenen Fingerring. Auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken ein Pfauenstoß. So wird das Wappen geführt von Arnold Buning, trierischer Burgmann auf der Neuerburg um 1340. Beschreibung bei Hauptmann, Gruber S. 102-103 und Zobel Tafel 243.
von der Leyen, von Ley, von Leyen: In Schwarz ein aus dem linken Schildrand kommender silberner Frauenarm mit Hängeärmel und mit goldenen Verzierungen, die Hand hält einen goldenen Fingerring. Auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein goldener Ring zwischen einem schwarzen Flug. So führt es Peter von der Leyen, Ritter 1375, ebenso Junker Peter auf einem Siegel von 1449 und Wilhelm v. d. Leyen. Die Familie stammt aus dem Dorf Leyen bei Ürzig an der Mosel. Beschreibung bei Hauptmann, Gruber S. 82-83 und Zobel Tafel 196.
von der Leyen, von Ley, von Leyen: In schwarzem, mit goldenen Kreuzchen bestreutem Feld ein aus dem linken Schildrand kommender silberner Frauenarm mit Hängeärmel und mit goldenen Verzierungen, die Hand hält einen goldenen Fingerring. Diese differenzierte Variante führten Heinrich und Nikolaus v. Leyen um 1331, sie waren Burgmänner zu Neuerburg und Saarburg. Mit den anderen, später gefürsteten v. d. Leyen haben sie nichts zu tun, Ley bedeutet einfach Fels und ist daher in der Gegend ein häufiger Ortsname. Beschreibung bei Hauptmann, Gruber S. 82-83 und Zobel Tafel 196.
Vrays von der Neuerburg, Fraeß von der Neuerburg: In Silber ein aus dem linken Schildrand kommender roter Frauenarm mit sackartig herabhängendem Hängeärmel, die Hand hält einen goldenen Fingerring. Helmzier unbekannt. So führte es ein Johann Vrays, trierischer Burgmann auf der Neuerburg um 1340. Beschreibung bei Hauptmann und Gruber S. 100-101.
von Arras: In Gold ein aus dem linken Schildrand kommender roter Frauenarm mit Hängeärmel, die Hand hält einen goldenen Fingerring. Auf dem Helm mit rot-goldenen Decken der Schild zwischen zwei Büffelhörnern, die außen mit je 5 Kugeln besteckt sind. So führte es 1331 Hermann v. Arras, der in Cochem Burgmann war und sich ab 1359 Hermann Durrenstoisser (Dürenstoßer) von Arras nannte. 1340 findet sich das Wappen so im Balduineum. 1381 siegelt Hermann v. Arras genauso. Arras ist ein Burgsitz in der Nähe von Alf an der Mosel. Die Familie hatte ein Lehen in Wolmerath und ist vermutlich mit den v. Wolmerath stammesverwandt. Beschreibung bei Hauptmann, Gruber S. 8-9 und Zobel Tafel 14.
von Wolmerath, von Walmerath: In Gold ein aus dem linken Schildrand kommender roter Frauenarm mit Hängeärmel, die Hand hält einen goldenen Fingerring. Helmzier unbekannt. So führt das Wappen Wilhelm von Wolmeroide, Burgmann auf Burg Manderscheid um 1340 (Balduineum), genauso 1368 Johann Brabant von Wolmerode, Edelknecht. Wolmerath liegt bei Lützerath, bei Cochem weg von der Mosel landeinwärts. Beschreibung bei Hauptmann, Gruber S. 136-137 und Zobel Tafel 358.
von Lieser, von Lysur: In Rot ein aus dem linken Schildrand kommender blauer Frauenarm mit sackartig herabhängendem Hängeärmel, die Hand hält einen goldenen Fingerring. Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein roter, silbern aufgeschlagener Turnierhut, in dessen Stulp zwei Pfauenstöße (drei Pfauenfedern) stecken. So führt das Wappen Joh. v. Lieser 1421. Das Dorf Lieser liegt bei Bernkastel an der Mosel, so daß auch bei dieser Familie der regionale Bezug gegeben ist. Beschreibung bei Gruber S. 84-85 und Zobel Tafel 200.
von Lieser: In Rot ein aus dem linken Schildrand kommender silberner Frauenarm mit Hängeärmel, die Hand hält einen goldenen Fingerring. Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken eine silberne und eine blaue Straußenfeder. So ist das Wappen um 1340 belegt. Beschreibung bei Zobel Tafel 200. Genau das gleiche Schildbild führt 1421 Johann von Lieser, Amtmann in Welschbillig, 1485 Eberhard von Lieser und 1347 Emmerich von Lieser (von Lysere), dieser jedoch als Herzschild auf ein kurtrierisches Wappen aufgelegt, denn dieser wohlgeborene Knecht war Ministeriale des Hochstifts. Auch aus dieser Familie finden wir Burgmänner in Neuerburg. Beschreibung bei Hauptmann und Zobel Tafel 200.
von Cröv: In Rot ein aus dem linken Schildrand kommender blau-silbern gefehter Frauenarm mit Hängeärmel, die Hand hält einen goldenen Fingerring. So führt das Wappen Richard von Cröv, Burgmann zu Neuerburg, um 1340. Von diesem Wappen gibt es eine Variante mit einem silbernen Bockskopf in der Hauptstelle, dies ist 1330 und 1352 für einen anderen Ritter Richard von Cröv als Beizeichen belegt. Bei dieser Familie haben wir wieder die doppelte Gemeinsamkeit, Moseldorf und Burgmann auf der Neuerburg. Beschreibung bei Hauptmann, Gruber S. 74-75 und Zobel Tafel 183.
von Malberg: In Rot ein aus dem linken Schildrand kommender blau-silbern gefehter Frauenarm mit Hängeärmel, die Hand hält einen goldenen Fingerring. So führt das Wappen um 1340 Adolph von Malberg, trierischer Burgmann auf Burg Malberg in der Eifel. Es ist genau das gleiche Schildbild wie bei den von Cröv, und es steht zu vermuten, daß er dieser Familie entstammte und nur den Namen der Burg annahm, auf der er diente. Beschreibung bei Hauptmann, Gruber S. 90-91 und Zobel Tafel 216.
Wolfskehl von Vetzberg, Wolfskehlen: In Blau ein aus dem linken Schildrand kommender silberner Frauenarm mit sackartig herabhängendem Hängeärmel, die Hand hält einen goldenen Fingerring. Die Helmzier sind zwei silberne Arme mit sackartig gepufften Ärmeln, wobei die Hände gemeinsam einen Ring emporhalten. Die Helmdecken werden blau-silbern geführt. Es handelt sich im Gegensatz zu allen anderen vorherigen Familien um eine weitverzweigte hessische Familie, die auch im Mittelrheintal wichtig war; die Burg Vetzberg liegt bei Gießen. Die Familie kommt im Nassauischen seit dem 14. Jh. vor und erlosch 1609. Beschreibung bei Hauptmann, Gruber S. 64-65 und Zobel Tafel 377.
Wolfskehl zur Wolkenburg: In Blau ein aus dem linken Schildrand kommender silberner Frauenarm mit sackartig herabhängendem Hängeärmel, die Hand hält eine rote Blume (Rose). Diese Linie ist ein Zweig der Wolfskehl von Vetzberg, auch sie sind am Rhein anzutreffen. Beschreibung bei Hauptmann und Zobel Tafel 378.

Frauenarm mit Hängeärmel - Photobeispiele
In Kirchen des Rhein- und Moseltales sowie in Luxemburg finden wir Beispiele für die genannte Wappengruppe an Epitaphien:

Abb. links: Oppenheim, Katharinenkirche, Grabplatte für Anna von Wolfskehl, geb. v. Gemmingen, gest. 1504, mit dem gewendeten Wolfskehl-Wappen. Der Ärmel ist hier richtig taschenförmig gearbeitet mit seitlichem Durchtrittsloch für den Arm. Man beachte die beiden spangenartigen Verzierungen und den Saum rund um das ovale Loch des unten beutelförmig geschlossenen Ärmels. Abb. rechts: Dekanatskirche Wiltz, Epitaph für Catherine de Wiltz (Katharina von Wiltz) mit dem um Lößnich vermehrten Wappen der Bayer von Boppard mit dem Frauenarm in den Feldern 2 und 3. Hier ist es ein durch die angewinkelte Stellung geraffter trichterförmiger Ärmel.

Abb. links: Oppenheim, Katharinenkirche, Epitaph für Hans von Wolfskehl, einer der vier Eck-Wappenschilde. Abb. rechts: Gleiches Epitaph, oben mittig angebrachtes Vollwappen Wolfskehl. Man beachte die Verzierungen am Oberarm und rund um das ovale Loch. Der Ärmel ist unten beutelförmig geschlossen.

Abb. links: ev. Pfarrkirche St. Peter in Bacharach, Epitaph des Johann Friedrich von Wolfskehl zu Vetzberg, Wappen der Wolfskehl(en) zu Vetzberg. Abb. rechts: Ausschnittsvergrößerung des Schildes. Hier hat der Ärmel mehr die Form einer zwischen Ellenbogen und Austrittsloch für den Unterarm aufgepufften Blase.

Abb.: Gewölbeschlußstein in der Pfarrkirche St. Martin in Septfontaines (Großherzogtum Luxemburg). Vermehrtes Wappen der Beyer von Boppard: Geviert, Feld 1 und 4: in Silber ein schwarzer, rot bewehrter und gezungter, golden gekrönter Löwe, Feld 2 und 3: in rotem, mit goldenen Steckkreuzchen bestreutem Feld ein aus dem linken Schildrand hervorkommender silberner Frauenarm mit Hängeärmel mit goldenen Verzierungen, einen goldenen Fingerring mit blauem Stein haltend.

Abb.: Florstadt-Staden, Schloß Ysenburg, Wappenschild für Margaretha Wolfskehl von Vetzberg, Tochter von Vinzenz Wolfskehl von Vetzberg und Catharina Clara Spiegel von Diesenberg, Ehefrau des Emmerich von Carben zu Staden, Regimentsburgmann und Baumeister zu Friedberg.

Abb.: Das "Schwarzer-Ritter-Kreuz" in Brodenbach an der Mosel, ein von Cuno von Pyrmont und von Ehrenberg (ca. 1375/1380-1447) gestiftetes Votivkreuz mit Ahnenprobe, darunter das hier wiedergegebene, gewendete Wappen der Großmutter väterlicherseits, Lisa von Lösnich (-7.9.1399), die in erster Ehe Cuno von Pyrmont (erw. 1330-1351) geheiratet hatte. Sie war die Tochter von Conrad von Lösnich sen. (1315-1347) und Adelheid von Bruch (-1341) und sie war die letzte ihrer Familie, weil ihr einziger Bruder, Conrad von Lösnich jun. (1342-1372), vermählt mit Idberga von Bornheim, ohne männliche Nachkommen als letztes männliches Familienmitglied verschied. Lisas erste, 1330 geschlossene Ehe währte aufgrund des frühen Todes von Cuno nur kurz, und daraufhin heiratete sie nach 1351 in zweiter Ehe Heinrich Beyer von Boppard (-1376), mit dem sie zwei Söhne hatte, Conrad und Heinrich. Aufgrund des Aussterbens der von Lösnich mit Lisa kamen die Beyer von Boppard an Besitz und Wappen und quadrierten ab Lisas Sohn Conrad Beyer von Boppard ihr Löwenwappen mit dem Frauenarm der von Lösnich. Die Herrschaft der Ritter von Lösnich mit der Stammburg und der kleinen, aber reichsunmittelbaren Herrschaft Lösnich an der Mosel im heutigen Landkreis Bernkastel-Wittlich ging eigentlich jeweils anteilig an beide Familien, an die Beyer von Boppard und an die Ritter von Pyrmont, aber nur erstere nahmen das Motiv in ihr Wappen auf, denn die Pyrmonter Anteile an Lösnich gingen am 12.9.1400 als Wittum an die Schwiegertochter von Heinrich von Pyrmont, und nach dessen Tod verkaufte sein Sohn am 14.9.1409 an seinen Onkel Conrad Beyer von Boppard und dessen Söhne Dietrich und Heinrich, so daß die Beyer jetzt beide Teile des Lösnicher Erbes an Herrschaft und Burg besaßen, und sie blieben alleinige Ortsherren bis 1598. Lisa von Lösnich und Heinrich Beyer wurden im Kloster Marienberg in Boppard beerdigt, und ihre Grabplatte von herausragender künstlerischer Qualität befindet sich im Bode-Museum in Berlin, während das Kloster selbst mittlerweile ein verwahrlostes und verkommenes Elend ist.

Abb.: Der gleiche, aus Courtoisie gewendete Wappenschild für die zuvor erwähnte Lisa von Lösnich in der Ahnenprobe des Cuno von Pyrmont und von Ehrenberg (ca. 1375/1380-1447) an seiner Grabplatte im Stiftskreuzgang von Karden an der Mosel, aus stark vom Zahn der Zeit angenagtem Sandstein.

Literatur, Quellen und Links:
Verwendung der Aufnahmen aus der Katharinenkirche zu Oppenheim mit freundlicher Erlaubnis von Frau Pfarrerin Manuela Rimbach-Sator vom 19.06.2008 (http://www.katharinen-kirche.de), wofür ihr an dieser Stelle ganz herzlich gedankt sei.
Veröffentlichung der Innenaufnahmen aus St. Peter in Bacharach mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Pfarrer Timm Harder vom 11.5.2010, wofür ihm an dieser Stelle ganz herzlich gedankt sei.
Veröffentlichung der Innenaufnahmen aus der Dekanatskirche Wiltz mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Dechant Martin Molitor vom 11.5.2010, wofür ihm an dieser Stelle ganz herzlich gedankt sei.
Veröffentlichung der Innenaufnahmen aus der Pfarrkirche St. Martin in Septfontaines mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Pfarrer Joel Santer vom 6.6.2010, wofür ihm an dieser Stelle ganz herzlich gedankt sei.
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der "landeskundlichen Vierteljahresblätter".
Rolf Zobel: Wappen an Mittelrhein und Mosel, Books on Demands GmbH, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-5292-3, 527 S.
Felix Hauptmann (1856-1934), Zehn mittelrheinische Wappengruppen, Jahrbuch der Heraldischen Gesellschaft "Adler" in Wien 1900, 10, S. 1–43, http://edocs.ub.uni-frankfurt.de/volltexte/2008/10203/ und http://edocs.ub.uni-frankfurt.de/volltexte/2008/10203/pdf/E001616955.pdf
Ulrich Lehnart, Kleidung und Waffen der Früh und Hochgotik 1150-1320, Karfunkel-Verlag Wald-Michelbach 2001, ISBN 3-935616-00-7
Ulrich Lehnart, Kleidung und Waffen der Spätgotik I 1320-1370, Karfunkel-Verlag Wald-Michelbach 2000, ISBN 3-9805642-8-2
Ulrich Lehnart, Kleidung und Waffen der Spätgotik II 1370-1420, Karfunkel-Verlag Wald-Michelbach 2003, ISBN 3-935616-11-2
Ulrich Lehnart, Kleidung und Waffen der Spätgotik III 1420-1480, Karfunkel-Verlag Wald-Michelbach 2005, ISBN 3-935616-17-1
Herbert Norris, Medieval Costume and Fashion, Dover Publications, 1999, ISBN 0-486-40486-2
Ortschronik: Brodenbach an der Mosel, Ereignisse und Jahresdaten aus zwei Jahrtausenden, gesammelt von Klaus Hammes und Dieter Rogge, Brodenbach 2008, S. 38-40, online:
www.brodenbach-mosel.de/fileadmin/pdf/seiten/tourist-info/brodenbach-chronik.pdf
Dieter Rogge: Der "Schwarze Ritter" von Brodenbach, in: Moselkiesel Bd. 3, ISBN 3-9806059-1-4, Kobern-Gondorf 2002
Siebmachers Wappenwerk
Stammtafel der von Lösnich:
http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Stammtafel_Ritter_von_Loesnich_13_14_Jh.pdf
Cuno von Pyrmont:
http://de.wikipedia.org/wiki/Cuno_von_Pyrmont_und_von_Ehrenberg
von Lösnich:
http://de.wikipedia.org/wiki/Herrschaft_Lösnich - http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Ritter_von_Lösnich - http://de.wikipedia.org/wiki/Lisa_von_Lösnich

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