Bernhard Peter
Historische heraldische Exlibris (48)

Exlibris von Carl Leonhard Becker/Adolf M. Hildebrandt:
Für dieses Blatt, für August F. Ammann angefertigt, gibt es eine doppelte Urheberschaft, weil das eigentliche gestalterische Werk eine Arbeit von Prof. Adolf M. Hildebrandt (1844-1918) aus dem Jahre 1906 ist (hier zu finden: Exlibris (01)), und im optisch rechten unteren Eck finden wir seine AH-Ligatur. Dieses Werk wurde aber vom Kupferstecher Carl Leonhard Becker (5.5.1843-6.1.1917) neu in Szene gesetzt, als unglaublich feine Radierung auf Büttenpapier (Gesamtgröße 11.8 x 8.5 cm, Sujet 10.1 x 7.1 cm), und seine Stechersignatur finden wir im Fußsteg. Das Wappen zeigt in Silber einen mit drei balkenweise gelegten, goldenen, sechsstrahligen Sternen belegten roten Schildhauptpfahl, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein wachsender Rumpf ohne Arme mit goldenem Haar, dessen Kleid wie der Schild bez. ist. Die Wappendarstellung vor dunklem Hintergrund wird bogenförmig umgeben von Weinreben mit Blättern und Trauben. In den unteren beiden Ecken befinden sich zwei weitere Wappenschilde, heraldisch rechts rot mit einem schwebenden griechischen Kreuz (Schweiz), heraldisch links silbern-blau schräggeteilt (Stadt Zürich).

 

Die Familie Ammann aus Zürich ("civ. Tigur. = civis Tigurensis, Züricher Bürger) ist verzeichnet im Siebmacher Band Bg3, S. 57, T. 61. Hier handelt es sich wohl um August Julius Ferdinand Ammann (1850-1924) aus der Linie der Thalwiler Ammann, der Fernhandelskaufmann für Geschäfte in Ostasien und Indien war. Es war begeisterter Exlibris-Sammler und schenkte 1919 dem Schweizerischen Landesmuseum seine Sammlung, und seine Bibliothek bekamen sowohl diese Institution als auch die Züricher Zentralbibliothek.

Die Ausschnittsvergrößerung zeigt die unglaubliche Feinheit des Becker-Stiches, deren Detailreichtum weit über den der Hildebrandt-Vorlage hinausgeht.

Exlibris von Oskar Roick:
Ein heraldisches Exlibris von Oskar Roick (28.3.1870-11.12.1926) aus dem Jahr 1912 (Datierung auf dem kartuschenartig verzierten Schlußstein des Bogens) für Otto Haak (Buchdruck auf leicht hellgrünem Papier, insgesamt 12.6 x 8.4 cm, Sujet 10.9 x 6.6 cm). Das rechtsgewendete Wappen ist auf einer im Hintergrund mit einer Balustrade abgeschlossenen Terrasse unter einem verzierten Bogen neben einem Fahnenschwenker positioniert, der zwar in eingedrehter Stellung steht, sich aber über die Schulter dem Betrachter zuwendet. Dessen über das Haak-Wappen wehende Fahne zeigt einen Adler, dem der silbern-schwarz gevierte Hohenzollernschild auf die Brust gelegt wurde. Das Wappen Haak zeigt in Rot ein goldenes Andreaskreuz, mit zwei schwarzen, schräggekreuzten Feuerhaken belegt, auf dem rot-golden bewulsteten Helm mit rot-goldenen Decken ein goldener Löwe wachsend zwischen einem roten Flug, einen schwarzen Feuerhaken pfahlweise vor sich haltend. Die Signatur des Künstlers befindet sich an der optisch linken Säulenbasis am Rande des Sujets. Die detailreiche Zeichnung ist noch ganz vom üppigen Stil des Historismus beeinflußt.

 

Im Hintergrund fällt der Blick über die Balustrade auf eine Stadtansicht, die sich als Berlin, dem Wohnort des Eigners, identifizieren läßt, zum einen anhand des neben dem Eignerwappen aufgestellten kleinen Schildchens mit dem Stadtteilwappen von Charlottenburg (Abb. unten rechts, in Gold ein blaues Stadttor mit offenem schwarzem Fallgatter, die beiden gezinnten Flankierungstürme mit Kegeldächern, der ebenfalls gezinnte Mittelbau mit einem Walmdach, das oben mit zwei abgewendeten Flaggen besteckt ist, die rechte schwarz-silbern, die linke silbern-rot geteilt. Die Seitentürme sind belegt mit je einem Schild, rechts in Silber ein goldengekrönter und ebenso bewehrter schwarzer preußischer Adler mit goldenen Kleeblattstengeln auf den Flügeln und auf der Brust belegt mit dem goldenen Monogramm FR, überhöht von einer goldenen Königskrone; links in Rot ein silbernes springendes Pferd), welches 1705 verliehen wurde, im wesentlichen unverändert beibehalten wurde und am 7.1.1957 durch den Senat von Berlin (West) verliehen wurde. 2001 erfolgte die Bezirks-, Namens- und Wappenvereinigung mit Wilmersdorf zum neuen urbanen Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Zum anderen läßt sich Charlottenburg identifizieren anhand des mit seinen 89 m die Stadtteil-Silhouette beherrschenden Turmes des 1899-1905 von den Architekten Heinrich Reinhardt & Georg Süßenguth erbauten Rathauses von Charlottenburg.

 

Die Fußfeld-Kartusche nennt den Eigner und wird von zwei Wappenschilden flankiert, heraldisch rechts Hamburg (in Rot eine silberne Burg mit drei Türmen, der mittlere Turm mit einem Kreuz auf der Spitze, über den beiden Seitentürmen je ein silberner Stern) für die Herkunft des Eigners, heraldisch links (Abb. oben links) Lychen im Landkreis Uckermark (in Rot über blau-silbernem Wellenschildfuß eine silberne Burg mit zwei Zinnentürmen, belegt mit je einem Fenster, und einer torlosen, gezinnten und gequaderten Mauer dazwischen, darüber schwebend zwischen zwei sechsstrahligen silbernen Sternen ein silberner Schild mit einem golden bewehrten roten Adler). In den beiden oberen Bogenzwickeln sehen wir noch die Wappenschilde des Königreichs Preußen (in Silber ein gekrönter schwarzer Adler mit Kleestengeln, auf der Brust das Monogramm "FR", in den Fängen das preußische Königszepter mit Adler obendrauf und den Reichsapfel) und der Markgrafschaft Brandenburg (in Silber ein gekrönter roter Adler mit Kleestengeln, auf der Brust ein Schildchen mit dem Zepter für den Erzkämmerer, der in Blau ein goldenes Reichszepter führte, in den Fängen Zepter und Schwert).

Exlibris von Lorenz Rheude
Das nachfolgend gezeigte Exlibris ist von Lorenz M. Rheude (17.12.1863-1939) aus München für Otto Haak, ein hochrechteckiger brauner Buchdruck aus dem Jahre 1908 auf beigefarbenem Papier (Gesamtmaße 14.2 x 7.8 cm, Sujet 12.3 x 6.1 cm). Die Künstlersignatur, die klassische LR-Ligatur, befindet sich optisch rechts unten außerhalb des dicken Randstriches. Die Datierung in zwei Ziffernpaaren befindet sich unterhalb der Überschrift "Bücherei". Das linksgewendete Wappen Haak folgt der zuvor gegebenen Beschreibung. Das Vollwappen wird auf mit feinen Schraffuren strukturiertem Untergrund von einem gotischen Eselsrückenbogen gerahmt, die beiden Inschriftenzonen (Kopffeld und Fußfeld) wirken wie aus Stein in vertieftem Feld herausgearbeitet. Drei kleinere Wappenschilde stehen oberhalb des Bogenfeldes, aufrecht in der Mitte das Wappen der Hohenzollernmonarchie mit dem Adler und dem gevierten Brustschild, heraldisch rechts das Wappen Hamburgs (s. o.) und gegenüber das Wappen Berlins (in Silber ein aufrechter schwarzer Bär).

 

Unten eine Farbvariation, brauner Buchdruck auf grünlich-braunem Papier, identischer Größe und identischen Inhalts. Der Schild ist stark asymmetrisch verzerrt mit einem vertikalen Mittelfalz; die abgesägte obere Ecke und die konkave vordere Seite lassen Tartschenformen anklingen. Die Helmdecken zeigen eine komplexe gegenseitige Durchdringung der jeweils im Bogen nach oben und nach unten geführten Bahnen.

 

Exlibris von Lorenz Rheude
Und noch ein Haak! Dieses heraldische Exlibris aus dem Jahre 1915 wurde von Lorenz M. Rheude (17.12.1863-1939) aus München für Otto Haak, den wohl größten Auftraggeber für Exlibriskünstler aller Zeiten, geschaffen (dunkel-olivgrüner Buchdruck auf beigefarbenem Papier). Das Blatt (insgesamt 8.7 x 7.4 cm, Sujet 7 x 5.3 cm) hat einen nach Briefmarkenart gezähnten Rand, wohl in größeren Bögen gedruckt und zum einzelnen Herauslösen perforiert. Unten ist ein schlichtes Rechteckfeld mit der Eignerbezeichnung abgesetzt, darüber ist ein kreisrundes, dunkelgrundiges Medaillon mit der linksgewendeten Haak-Helmzier. In den beiden oberen Zwickeln befindet sich die in zwei Ziffernpaare aufgeteilte Datierung, in den beiden unteren Zwickeln befinden sich, in den Kreis überlappend hineinragend, zwei Wappenschilde, heraldisch rechts Hamburg, heraldisch links Haak (Beschreibung s. o.). Optisch rechts unter dem Haak-Schild ist das Blatt im Druck monogrammiert. Interessant ist hier die künstlerisch vollkommen separate Behandlung des Haak'schen Schildes und des Oberwappens in nicht aufeinander, sondern auf die Erfordernisse der Gesamtkomposition abgestimmten Proportionen.

Exlibris von Lorenz Rheude
Dieses heraldische Exlibris aus dem Jahre 1911 wurde von Lorenz M. Rheude (17.12.1863-1939) aus München entworfen und führt die Serie der Blätter für Otto Haak fort. Es handelt sich um eine bräunliche Autotypie, um einen Rasterdruck auf chamoisfarbenem Papier (insgesamt 13.2 x 10.5 cm, Sujet 11.4 x 8.8 cm). Die typische Rheude-Signatur, die LR-Ligatur, befindet sich in der Mitte der Banderole mit dem Motto "niemals verzagen", die sich unterhalb des geneigten Schildes an diesem entlangzieht. Das rechtsgewendete Haak-Wappen folgt der oben gegebenen Beschreibung. Das Vollwappen wird umgeben von einem Doppelrahmen aus dünnem Astwerk, der innere oben rundbogig geschlossen und unten die Eignerbezeichnung "Bibliothekzeichen Otto Haak 1911" durch eine Querverstrebung abtrennend, der äußere dem dicken rechteckigen äußeren Rahmen folgend. Neun weitere Wappenschilde zwischen innerem und äußerem Rahmen illustrieren die für den Eigner wichtigen Lebensstationen.

Die oberen drei Schilde, der mittlere aufrecht und beide Astwerkrahmen überlappend, die beiden äußeren einwärts geneigt, zeigen die Wappen der Markgrafschaft Brandenburg (in Silber ein mit dem Kurhut gekrönter roter Adler mit Kleestengeln, auf der Brust ein Schildchen mit dem Zepter für den Erzkämmerer, der in Blau ein goldenes Reichszepter führte, in den Fängen Schwert und Zepter), der Hohenzollern-Monarchie (Adler mit silbern-schwarz geviertem Brustschild) und des Königreichs Preußen (in Silber ein königlich gekrönter schwarzer Adler mit Kleestengeln, auf der Brust das Monogramm "FR", in den Fängen das preußische Königszepter mit Adler obendrauf und den Reichsapfel).

   

Die drei optisch linken Schilde, die aufrecht übereinander die Lücke zwischen innerem und äußerem Rahmen füllen, zeigen die Wappen der Städte Berlin (in Silber ein aufrechter schwarzer Bär), Hamburg (in Rot eine silberne Burg mit drei Türmen, der mittlere Turm mit einem Kreuz auf der Spitze, über den beiden Seitentürmen je ein silberner Stern) und Lychen im Landkreis Uckermark (in Rot über blau-silbernem Wellenschildfuß eine silberne Burg mit zwei spitzbedachten Türmen und einer torlosen, gezinnten und gequaderten Mauer dazwischen, zwischen den Türmen schwebend zwei sechsstrahlige silberne Sterne, die Mauer belegt mit einem silbernen Schild mit einem golden bewehrten roten Adler, eine vom weiter oben beschriebenen Wappen abweichende Variation).

   

Die drei optisch rechten Schilde zeigen die Wappen der Städte Templin im Landkreis Uckermark (in Silber der brandenburgische rote Adler, in geminderter Form, ohne Krone, ohne Zepter und ohne Reichsapfel), Prenzlau im Landkreis Uckermark (geteilt von Silber über Rot, oben ein durch einen stahlfarbenen Bügelhelm mit goldenem Flug verkappter goldbewehrter roter Adler, unten ein silberner Schwan auf blauem Wasser) und Gransee im Landkreis Oberhavel (in Silber eine rote Burg mit geöffnetem goldenem Tor, halb hochgezogenem Fallgitter und drei runden Zinnentürmen, der mittlere höher, jeweils blaubedacht mit goldenem Knauf und mit einem schwarzen Fenster).

   

Zum Prenzlauer Wappen: Ursprünglich hatte die Stadt den Adler der Markgrafen von Brandenburg im Siegel. Nach einem politischen Zwischenfall, der dazu geeignet war, an der Loyalität der Stadt zu zweifeln, wurde vom Markgraf die Behelmung als eine Art Minderung angeordnet. 1705 kam der Schwan zusätzlich in das Wappen, weil König Friedrich I. von Preußen mit der Stadt und den umliegenden Seen die Schwanenjagd verband. Seit 1997 führt die Stadt das Wappen minimal farblich variiert: Von Silber und Rot geteilt, oben ein golden bewehrter roter Adler mit einem über den Kopf gestülpten goldenen Spangenhelm, darauf ein roter Flug, unten ein auf blauen Wellen schwimmender silberner Schwan. Zum Wappen von Templin: Heute führt Templin in Silber, bestreut mit 14 grünen Kleeblättern, einen goldbewehrten roten Adler. Ein Siegel aus dem 14. Jh. zeigt den brandenburgischen Adler und die Kleeblätter. Letztere kamen zwischenzeitlich außer Gebrauch, und auf Anregung des Staatsarchivs und schließlich auf Beschluß der Stadt wurden die Kleeblätter erneut in das Stadtwappen aufgenommen. Zum Wappen Gransee: Das älteste Siegel der Stadt mit diesem Wappenmotiv, beschriftet mit dem seit dem 14. Jh. gebräuchlichen Namen "Granzoye", datiert von 1627.

Exlibris von Roderich von Haken:
Dieses ist ein heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1912, entworfen von Roderich von Haken (8.9.1867-1929) für Otto Haak (schwarzer Buchdruck auf cremefarbenem Papier, Gesamtgröße 11.6 x 9.1 cm; Sujet 9.9 x 7.4 cm). Das Haak-Wappen folgt der zuvor gegebenen Beschreibung. Wäre das Blatt nicht unten entlang des kreisförmigen Schriftbandes im Druck signiert, würde man diese Komposition anhand typischer Stilmerkmale auch so jederzeit Roderich (Rodo) von Haken zuordnen können: kreisförmige Inschriftenbänder, die starke 45°-Neigung des Schildes in Profilansicht, die bogenförmig wie ein kurzes, luftiges Röckchen nach oben fliegenden beiderseitigen Helmdecken, die Zerschlitzung derselben in eine nach oben fließende Woge gleichgestalteter Zipfel - all das findet man sehr häufig in seinen Arbeiten, die dadurch eine typische Dynamik erhalten. In genau diesem Stil existieren übrigens zwei ähnliche Kompositionen des gleichen Künstlers für den gleichen Eigner (Exlibris (16)). Etwas unglücklich wirkt sich dieses Gestaltungsschema hier nur auf die Jahreszahl aus, bei der die "1" separat vor der Helmdecke steht, das mittlere Ziffernpaar zwischen linker Helmdecke und Helmzier und die letzte Ziffer ebenfalls einzeln zwischen Helmzier und rechter Decke zu finden ist. Wo die beiden anderen erwähnten Gestaltungen einen Rahmen aus lanzenartigen Stangen haben, wird die hier vorliegende Komposition nur von einer dünnen Linie mit abgerundeten Ecken umschlossen, und die Schrift "EX + LIBRIS" befindet sich in dem umschlossenen Freiraum in vertikaler Anordnung, auf zwei Züge aufgeteilt. Es ist eine der wenigen Kompositionen für Otto Haak ohne jeden regionalen heraldischen Bezug.

 

Exlibris von Lorenz Rheude
Dieses Exlibris aus dem Jahre 1902 ist von Lorenz M. Rheude (17.12.1863-1939) aus München, ebenfalls für den unersättlichen Sammler und unermüdlichen Auftraggeber Otto Haak (Buchdruck auf bläulichem Papier, insgesamt 10.9 x 8.8 cm, Sujet 9.4 x 7.3 cm). Das Blatt ist mal nicht mit der typischen LR-Ligatur im Druck monogrammiert, sondern mit dem Frakturnamenszug "L. Rheude fec". Das linksgewendete Wappen Haak folgt der zuvor gegebenen Beschreibung. Die Darstellung vor einem typischen Rheude-Hintergrund aus lauter aneinandergesetzten Kreisen, die in summa wie eine im Nanako-Stil punzierte Oberfläche wirken, ist ein eigenwilliger Mischstil, denn einerseits folgen die lebhaft gezaddelten und beschwingt im Raum wehenden Helmdecken einer klassischen, gotisierenden Formensprache, andererseits weist der Stil ohne Schraffuren, aber mit hart konturierten Glanzschatten auf die frühe Moderne. Die sich daraus ergebenden harten Übergänge haben nichts mit dem sonst bei Rheude üblichen liebevollen Modellieren im Raum mittels Schattierungen oder Schraffuren gemeinsam, wirken hier etwas experimentell, verweisen andererseits auch auf die Sicherheit des Künstlers in jeder nur denkbaren graphischen Ausdrucksform. Es bleibt jedoch Geschmackssache, was bei im Original metallischen Oberflächen durchaus natürlichen Lichtreflexen nahekommen mag, wirkt bei Stoff und Federn deplaciert. Diese schlagartigen Hell-Dunkel-Übergänge durch die Glanzschattentechnik setzt sich auf den rahmenartig angeordneten Banderolen fort, mit der umlaufenden Beschriftung "1902 - Dies Buch gehört - Otto Haak - gebürtig aus Hamburg".

In den vier durch entsprechende Ausbuchtungen der Banderole geschaffenen Ecken befinden sich die Wappenschilde der Stadt Hamburg (s.o.), der Stadt Berlin (s.o.) und der Markgrafschaft Brandenburg (s.o.), und im vierten Schild ist ein mit einem Baselstab belegtes, mit dem Schnitt nach rechts gelegtes, geschlossenes Buch (Hinweise willkommen). Alle vier zeigen auch die entsprechende Schattentechnik mit abruptem, bogenförmig verlaufendem Hell-Dunkel-Wechsel, die uns auch bei Rheudes Blatt für Berrsche begegnet.

   

Exlibris von Ernst Krahl:
Dies ist ein undatiertes (ca. 1910) und in dieser Version unsigniertes heraldisches Exlibris, das von Ernst Krahl (1858-1926) gezeichnet wurde und danach von Seinmann in Buchsholz geschnitten wurde. Der Holzschnitt wurde auf Büttenpapier gedruckt. Dieses Blatt gibt es auch mit den beiden Künstlersignaturen rechts und links oberhalb der das Schriftfeld abgrenzenden Linie. Diese Blätter mit der Bezeichnung "Ex libris artium Alfredi Walcheri Equitis de Molthein" waren nur für Bücher über Kunst und Kunstgeschichte der Privatbibliothek des Eigners Alfred Walcher Ritter von Molthein (-1928) aus Wien reserviert. Er war Kunsthistoriker und kaufte 1917 Schloß Feldegg in Pram / Grieskirchen als Sommersitz. Er rettete das Schloß vor dem Untergang und begann mit umfangreichen Renovierungsmaßnahmen.

Das Wappen zeigt eine eingebogene Spitze, Feld 1 und 2: in Rot ein silberner Wellenbalken, darüber ein eiserner Anker, Feld 3: in Silber ein aus einer roten Zinnenmauer wachsender doppelschwänziger roter Löwe, der in der rechten Pranke einen grünen Palmzweig hält. Zwei gekrönte Helme, beide mit rot-silbernen Decken, Helm 1 (rechts): ein rechts roter und links silberner Flug, beiderseits mit einem Wellenbalken in Gegenfarbe belegt, Helm 2 (links): ein wachsender doppelschwänziger roter Löwe, der in der rechten Pranke einen grünen Palmzweig hält. Die Familie Walcher Ritter von Molthein war einst ein Kupferschmiedgeschlecht aus Absam in Tirol, das in einem Zweig über Moldautein in Böhmen nach Wien kam. Johann Georg Walcher (5.1.1785-19.12.1854), Oberbuchhalter der k. k. privil. Österreichischen Nationalbank, bekam am 17.11.1854 per Diplom den österreichischen Adelstand mit dem Prädikat "von Molthein" verliehen. Dessen einziger Sohn Leopold Walcher von Molthein, k. k. Ministerialrat und General-Konsul in Palermo, bekam am 10.10.1873 per Diplom den österreichischen Ritterstand verliehen. Das hier wiedergegebene Wappen entspricht dem des Diplomes von 1873.

Exlibris von Emil Doepler
Dies ist eine auf 1891 datierte Arbeit von Emil Doepler d. J. (29.10.1855-21.12.1922) für August Bachofen von Echt (91 x 66 mm, farbige Lithographie; Witte, Bibliographie 1, 160; Thieme-Becker 9; Vollmer 1; Gutenberg 19.833). Vor einem Hintergrund eines im Radialfugenschnitt strukturierten gemauerten Torbogens steht heraldisch rechts ein Trompeter mit über das Knie reichenden Stulpenstiefeln, in der rechten Hand eine Trompete gegen den Oberschenkel stützend, die Linke eingestemmt, den Blick aus dem Bild gerichtet. Viele Gegenstände deuten auf den musikalischen und militärischen Bereich, so zu Füßen des Trompeters eine Trommel und eine Kesselpauke, und im optisch rechten unteren Ecke ein Kanonenrohr, ein Säbel, ein Bogen mit einem Köcher voller Pfeile und ein Rundschild. Oben steht auf dem Mauerwerk die Devise "Respice finem" - "denk an das Ende". Das Blatt ist oben links im Druck monogrammiert und oben rechts datiert, jeweils unter der Devise. Es gehört zu einer ganzen Gruppe von insgesamt vier Exlibris, die der gleiche Künstler für die Familie angefertigt hatte, für Adolf d. J. B. v. E., für August B. v. E., Reiner B. v. E. und Albertine d. J. B. v. E., alle von herausragender künstlerischer Qualität und in ähnlicher Aufmachung, hergestellt bei der Hof-Kunstanstalt C. A. Starke in Görlitz.

Das Wappen der Bachofen von Echt zeigt im goldenen Schild schreitend ein schwarzes Lamm (manchmal noch auf grünem Boden, auch hier ist ein solcher gezeichnet, aufgrund der verwendeten Druckfarben nicht grün, sondern golden), auf dem gekrönten Helm mit schwarz-goldenen Decken das schwarze Lamm wachsend zwischen einem ebenfalls schwarzen Flug. Die älteste Linie der Bachofen von Echt mit den Farben schwarz-golden, der auch der Eigner dieses Blattes angehört, führt seit der preußischen Adelsanerkennung vom 16.2.1830 das Lamm in der Helmzier wachsend und zusätzlich zwischen einem schwarzen Adlerflug. Das Wappen wird im Siebmacher beschrieben in den Bänden Sa, Seite: 7, Tafel: 6, Pr, Seite: 34, Tafel: 39, Pr, Seite: 77, Tafel: 99, und SchwA, Seite: 4, Tafel: 2. Von dem gleichen Blatt gibt es neben der Farblithographie auch noch eine Schwarz-weiß-Version identischen Inhalts (91 x 66 mm, Lithographie; Witte, Bibliographie 1, 160; Thieme-Becker 9; Vollmer 1; Gutenberg 19.833). Stilistisch bedenklich ist hier die Gestaltung des Schildes selbst, eine asymmetrische Kartusche mit eingerollten und barock ausgezogenen Rändern, die so gar nicht zu dem klassisch dargestellten Oberwappen passen will.

Exlibris von Emil Doepler
Dies ist eine gleichfalls auf 1891 datierte Arbeit von Emil Doepler d. J. (29.10.1855-21.12.1922) für Adolf d. J. Bachofen von Echt (85 x 60 mm, zweifarbige Lithographie; Witte, Bibliographie 1, 160; Thieme-Becker 9; Vollmer 1; Gutenberg 19.831). Vor einem dunklen Hintergrund steht unter einem Bogen und einem Schriftband mit der Devise "Respice finem" - "denk an das Ende" heraldisch rechts ein Jäger, in der rechten Hand eine Armbrust, eine schmale Tasche umgebunden, an der linken Seite mit einem Schwert gegürtet. Seine Linke ruht auf dem Stechhelm des Wappens, sein Blick geht zur gegenüberliegenden Seite, wo ein Hubertus-Hirsch mit dem Gekreuzigten zwischen den Geweihstangen steht. Das Blatt ist unten links im Druck monogrammiert und datiert. Es gehört zur gleichen, oben erwähnten Gruppe von insgesamt vier Exlibris, die der gleiche Künstler für die Familie angefertigt hatte. Die Beschreibung des Wappens folgt dem zuvor Gesagten.

Eine Farbvarietät:

Literatur, Quellen und Links:
Elke Schutt-Kehm, Exlibris-Katalog des Gutenberg-Museums, 2. Teil, Band 1: A-K, 720 Seiten, 1685 Abb., Verlag Claus Wittal, Wiesbaden, 1998, ISBN 978-3-922 835-31-8.
Elke Schutt-Kehm, Exlibris-Katalog des Gutenberg-Museums, 2. Teil, Band 2: L-Z, 736 Seiten, 1795 Abb., Verlag Claus Wittal, Wiesbaden, 1998, ISBN 978-3-922 835-32-5
Claus Wittal, Eignerverzeichnis zum Exlibris-Katalog des Gutenberg-Museums, Verlag Claus Wittal, 2003, 336 Seiten, 595 Abb., ISBN 978-3-922 835-33-2
Siebmachers Wappenbücher
Hinweise und Zuordnungen des jeweiligen Exlibris-Händlers
Rathaus Charlottenburg:
http://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/bezirk/lexikon/rathauscharl.html
Wappen Lychen: Lexikon Städte und Wappen der DDR, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, Hrsg.: Heinz Gröschel, 3. Auflage, 1985
Wappen Charlottenburg:
www.berlinerwappen.de
Wappen Prenzlau: Lexikon Städte und Wappen der DDR, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, Hrsg.: Heinz Gröschel, 3. Auflage, 1985
Wappen Prenzlau: Hauptsatzung, § 2, Abs.1,
http://service.brandenburg.de/lis/detail.php?template=wappen_text_d&id=17131
Wappen Templin: Siebmacher Band: St Seite: 109 Tafel: 140
Wappen Templin: Lexikon Städte und Wappen der DDR, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, Hrsg.: Heinz Gröschel, 3. Auflage, 1985
Wappen Templin: Hauptsatzung, § 2, Abs. 2
Wappen Gransee: Lexikon der Städte und Wappen der DDR, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, Hrsg.: Heinz Gröschel, 3. Auflage, 1985
Wappen Gransee: Siebmacher Band: St Seite: 142 Tafel: 173
Walcher von Molthein:
http://www.coresno.com/aktuell/61-kategorie-beitraege/1375-lex-walcher-molthein.html
Walcher von Molthein: Genealogisches Taschenbuch der adeligen Häuser Österreichs 1905, 1910/11
Walcher von Molthein: Brünner Taschenbuch 3 (1878), 4 (1879, 12 (1887), 15 (1890), 18 (1893)

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