Bernhard Peter
Historische heraldische Exlibris (47)

Exlibris von Georg Otto:
Ein heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1902, entworfen von Georg Otto (6.9.1868-17.5.1939) für Veit Adolf Freiherr von Seckendorff auf Meuselwitz (einfarbiger, Klischeedruck, braun auf beige, 9,5 x 5,3 cm). Der Schild zeigt in Silber zwei rote, unten verbundene und achtförmig miteinander verschlungene Lindenzweige mit acht nach außen gerichteten Blättern. Traditionell wird das Motiv so dargestellt, daß alle Blätter nach außen weisen, hier ist der besondere "Pfiff" der graphischen Darstellung, daß die jeweils drei unteren Blätter zuerst nach innen entspringen, sich dann aber, den Hauptast überkreuzend, nach außen biegen, was die graphische Spannung des Motivs erhöht. Die Helmzier ist ein roter, hermelingestulpter Hut, mit schwarzen Hahnenfedern besteckt. Eine bemerkenswerte graphische Idee des Künstlers ist hier, daß die Hahnenfedern wie ein Flechtwerk verwoben sind. Die Helmdecken sind rot-silbern (Siebmacher Band: Bay Seite: 22 Tafel: 15-16, Bad Seite: 76 Tafel: 45, Bay Seite: 57 Tafel: 60, Brau Seite: 9 Tafel: 7, He Seite: 26 Tafel: 28, Pr Seite: 27 Tafel: 30, Pr Seite: 64 Tafel: 82, Pr Seite: 374 Tafel: 422, Reu Seite: 9 Tafel: 7, Sa Seite: 16 Tafel: 15, Wü Seite: 4 Tafel: 4, Wü Seite: 11 Tafel: 14).

 

Für diese Darstellung wurde mit einer Schaller ein in der Heraldik eher selten repräsentierter Helm gewählt. Das Motiv der Lindenzweige wird für den äußeren Rahmen aufgegriffen. Seit dem 17. Jh. besaßen die v. Seckendorff das Rittergut Meuselwitz in Thüringen, ein ehemaliger Besitz der v. Bünau. Veit Adolf Freiherr von Seckendorff, gest. 15.4.1943, war der letzte Gutsherr auf Meuselwitz bei Altenburg, denn sein ältester Sohn und Erbe Veit-Ludwig Freiherr von Seckendorff konnte aus beruflichen Gründen nicht den Gutsbetrieb persönlich führen, und am 20.2.1945 mußte die Familie erleben, wie durch eine Verwechslung mit einer Munitionsfabrik in Meuselwitz das Schloß Meuselwitz Ziel von 207 Bomben und einer Luftmine wurde. Der Einmarsch der Roten Armee am 1.7.1945 und die anschließende Bodenreform brachten 300 Jahre Seckendorff-Geschichte in Meuselwitz zu einem jähen Ende. Vom Schloß sind nur noch ein Park und eine spätbarocke Orangerie übrig. Das Meuselwitzer Stadtwappen hat noch eine Erinnerung an die Zeit unter den v. Seckendorff, denn es hat ein Oberwappen mit den verschlungenen roten Lindenzweigen als Helmzier zu schwarz-goldenen Decken.

Exlibris von Oskar Roick:
Ein heraldisches Exlibris aus dem Jahre 1906, entworfen von Oskar Julius Roick (28.3.1870-11.12.1926) aus Berlin-Charlottenburg für Hans Hohneck aus Dresden. Das 131 x 91 mm messende und als einfarbiger Buchdruck ausgeführte Blatt wird beschrieben bei Witte, Bibliographie 3, 27 und bei Gutenberg unter Nr. 38.670. Das Blatt ist im Druck datiert, zu finden rechts unterhalb der Goethebüste, aber nur auf der Rückseite per Stempel vom Urheber signiert. Neben der erwähnten Büste schaffen Globus, Bücherreihe, Tintenfaß mit Feder, gesiegelte Dokumente und Eule eine dick aufgetragene Bildungs-Symbolik im Blatt. Im oberen Teil des Blattes dominieren drei Gruppen von Veilchenblüten. Die Devise lautet: "Labor improbus omnia vincit" - mühsame Arbeit besiegt alles, ein umgestelltes Zitat aus Vergil, Georgica 1, 145f., wo der Übergang vom Goldenen Zeit unter dem Regiment des Gottes Saturn zu der darauf folgenden Herrschaft unter dem Gott Jupiter beschrieben wird, der den Erfindungsgeist des Menschengeschlechts herausfordert. Das zentrale Vollwappen in der Mitte des Blattes ist gemäß Schraffur silbern-schwarz geschacht, auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein silbern-schwarz geschachtes Paar Büffelhörner. Ein solches Wappen findet sich nicht in den einschlägigen Sammlungen zum Namen Hohneck, es würde dort auch kollidieren mit älteren, inhaltsgleichen Schildbildern. Das Wappen hat eine namentliche und inhaltliche Beziehung zu dem der ausgestorbenen Familie von Hoheneck, die ein schwarz-silbern geschachtes Feld mit goldenem Freiviertel führten, genealogisch aber überhaupt nichts mit dem Eigner zu tun haben. Das Schildbild ohne Freiviertel kollidiert aber mit dem der v. Baden, wenngleich diese einen Flug als Helmzier führten. Somit ist dieses Wappen eine sehr kritisch zu sehende Neuannahme. Oben befinden sich zwei weitere Wappenschilde mit regionalem Bezug, jeweils einwärts geneigt. Optisch oben links ist das sächsische Wappen, von Schwarz und Gold neunmal geteilt, darüber ein grüner schrägrechter Rautenkranz, hier gewendet. Gegenüber ist das Stadtwappen von Dresden zu sehen, gespalten, vorne in Gold ein rotbewehrter und -gezungter schwarzer Löwe, hinten in Gold zwei schwarze Pfähle. Der schwarze Löwe in Gold ist das Wappen der Markgrafen von Meißen, das alte Wettiner Wappen. Die zwei Pfähle leiten sich ab vom Wappen der Markgrafen von Landsberg. Diese sog. Landsberger Pfähle sind jedoch richtig blau in goldenem Felde, doch diese Kombination führt bereits die Stadt Leipzig. Folglich wurden die Dresdener Pfähle schwarz zur Unterscheidung.

 

Exlibris von Bodo von Bose:
Dieses 1910 entstandene Bücherzeichen wurde von Bodo von Bose (24.9.1873-17.1.1915) gezeichnet, und es ist für Sibylle von Wurmb. Das 80 x 63 mm messende und als Buchdruck ausgeführte Blatt wird beschrieben bei Witte, Bibliographie 1, 90, jedoch nicht bei Gutenberg. Es ist im Druck monogrammiert (rechte Seite, ein Drittel der Blatthöhe, ein innerhalb eines Bordes gespaltenes kleines Bose-Wappenschildchen zwischen den Initialen BB) und datiert (optisch rechte untere Ecke). Unterhalb des Schildes zieht sich ein halbkreisförmig gebogenes Schriftband mit der Devise "Nil me fatalia terrent" entlang, zu deutsch: "Niemals schrecken mich Widrigkeiten". Klassisch lautet das vollständige Zitat aus Vergils Aeneiden: "Nil me fatalia terrent, si qua phryges prae se iactant, responsa deorum; sat fatis venerique datum, tetigere quod arua fertilis ausoniae troes." Das Familienwappen der von Wurmb zeigt in Blau einen goldenen, rotbewehrten, feuerspeienden Drachen (Lindwurm) mit zwei Beinen und Flügeln, auf dem Helm mit blau-goldenen Decken das Schildbild. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Pr Seite: 461 Tafel: 500 sowie in Dr. H. Grote's Geschlechts- und Wappenbuch des Königreichs Hannover und des Herzogtums Braunschweig.

Das Stammwappen fand Eingang in zwei kombinierte Wappen: Die Herren Wurmb von Zinck haben einen gevierten Schild, Feld 1 und 4: in Blau ein goldener Drache (Lindwurm, von Wurmb), Feld 2 und 3: in Silber ein silbernes Stiergehörn mit roten Spitzen (von Zinck). Zwei Helme: Helm 1 (rechts): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken das Stiergehörn (von Zinck), Helm 2 (links): auf dem Helm mit blau-goldenen Decken der goldene Drache (Lindwurm, von Wurmb). Das Wappen der Herren Wurmb von Zinck wird beschrieben im Siebmacher Band: Pr Seite: 461 Tafel: 500, Band: Sa Seite: 53 Tafel: 62, Band: SaAE Seite: 34 Tafel: 26. Die Herren von Witzleben-Wurmb führen als weiterer Familienzusammenschluß in Blau einen golden Drachen oder Lindwurm (von Wurmb), auf einen an der Nabelstelle liegenden Schildchen stehend, der von Silber und Rot dreimal gestürzt gesparrt ist (Stammwappen von Witzleben). Das Oberwappen ist eine Kombination, auf dem  Helm mit blau-goldenen Decken (von Wurmb) ein roter Hut mit aufgeschlagener Krempe, aus der zwei nach außen geneigte schwarze Schäfte hervorragen, die zu beiden Seiten mit je 4 roten Lindenblättern und oben mit je 5 abwechselnd roten und schwarzen Straußenfedern besteckt sind (von Witzleben).

Exlibris von Oskar Roick:
Ein heraldisches Exlibris ohne Jahresangabe, diesmal entworfen von Oskar Julius Roick (28.3.1870-11.12.1926) aus Berlin für Frieda Freifrau von Richthofen. In einem klassizistisch anmutenden Rechteckrahmen mit Friesen und Girlanden ist unten ein Sockelfeld mit der Nennung der Bucheignerin in drei verschiedenen Schrifttypen zu sehen, und auf diesem Sockel sind zwei Putten zu sehen, der linke vor einer Staffelei sitzend und von Malutensilien umgeben, der rechte stehend und mit aus dem zentralen runden Feld herabhängenden Girlanden hantierend. In diesem runden Zentralfeld ist ein Allianzwappen aus zwei unter einer siebenperligen Rangkrone zusammengestellten, einander zugeneigten Schilden zu sehen. Das undatierte, 105 x 69 mm messende und in Buchdruck ausgeführte Blatt wird beschrieben bei Witte, Bibliographie 3, 27 und bei Gutenberg Nr. 38.697. Am unteren Rand ist das Blatt im Druck signiert. Frieda Freifrau von Richthofen (1849-1930) ist eine geb. Freiin Grote, und sie ist die zweite Ehefrau von Arwed Freiherr von Richthofen (1845-1910), Offizier, königlicher Rittmeister im Magdeburger Dragoner-Regiment Nr. 6. Dieser, dessen vom gleichen Künstler gestaltetes und stilistisch sehr ähnliches Bücherzeichen in der vorherigen Gruppe beschrieben wurde, hatte sich in erster Ehe am 21.4.1873 mit Auguste Margarethe Friederike Helene Wilhelmine Mathilde von Baumbach (geb. 1854) vermählt, dann in 2. Ehe mit Frieda geb. Freiin Grote. Aber auch für Frieda war es die zweite Ehe, denn sie war die Witwe von Prof. Dr. jur. Karl Theresius von Richthofen (30.5.1811-7.3.1888) aus Damsdorf (Linie Kohlhöhe, Damsdorfer Haus), übrigens ein Vetter ihres zweiten Mannes. Rein theoretisch könnte diese Wappenkombination auch für ihren ersten Mann stehen, doch sind die Bücherzeichen für Arwed und Frieda so ähnlich, mit exakt den gleichen drei Schrifttypen im Eignerfeld z. B., daß man hier von einem absichtlichen Partner-Look ausgehen darf.

 

Der Wappenschild der Freiherren von Richthofen ist hier gewendet und ist gespalten und halbgeteilt, Feld 1: in Gold ein auf einem roten Stuhl sitzender, schwarzgekleideter Richter (Praetor) mit Zepter (Stammwappen), Feld 2: in Rot auf grünem Boden (eigentlich ein Dreiberg) ein silberner (oder naturfarbener) Kranich, in der erhobenen rechten Klaue einen goldenen Stein haltend, Feld 3: in Silber ein goldener halber Flug (Flügel), mit den Saxen zum Spalt gelegt. Der Wappenschild der Freiherren Grote (i. a. ohne "von" entgegen der allgemeinen Entwicklung, auch Nichtherkunftsbezeichnungen als Namen mit dem "von" zu versehen), einem niedersächsischen, insbesondere lüneburgischen Geschlecht, zeigt in Silber ein rot gezäumtes, schreitendes, schwarzes Pferd mit roten Zügeln. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu schwarz-silbernen Decken ein schwarzer Federbusch (je nach Quelle als Hahnenfedern, als Reiherfedern, als Pfauenfedern oder als Straußenfedern angesprochen, in Grotes Geschlechts- und Wappenbuch des Königreichs Hannover und des Herzogtums Braunschweig und bei Hupp sogar als Birkhahnfedern, eine nicht als solche eindeutig belegbare und eher zeitbedingte neuere Interpretation einer historisch variantenreich dargestellten Zier). Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: BraA Seite: 35 Tafel: 20, Band: PrGfN Seite: 32 Tafel: 24, Band: Han Seite: 8 Tafel: 8 etc.

Exlibris von Adolf Hildebrandt
Ein heraldisches Exlibris ohne Jahresangabe, entworfen von Adolf M. Hildebrandt (16.6.1844-30.3.1918) für das Archiv des fürstlichen Hauses Leiningen in Amorbach. Der 7,7 x 9,1 cm messende einfarbige Druck mit der AH-Ligatur für den Künstler in der optisch rechten unteren Ecke zeigt das Wappen Leiningen, in Blau drei (2:1) silberne Adler, darüber ein dreilätziger roter Turnierkragen. Auf dem Schild ruht ein mit Hermelin aufgeschlagener Fürstenhut. Zu beiden Seiten ist eine stilisierte beblätterte Staude mit Fruchtstand als Dekoration zu sehen. Die fürstliche Linie des Gesamthauses Leiningen, die einzige aktuell verbliebene, geht zurück auf die Linie Leiningen-Dagsburg-Hardenburg, deren Vertreter 1779 in den Reichsfürstenstand erhoben wurden. Diese Linie entstand aus der Linie Dagsburg im Jahre 1560 per Teilung, das andere Teilungsprodukt war Leiningen-Dagsburg-Falkenburg, eine Linie, die in ihren drei 1658 entstandenen Unterlinien Dagsburg, Heidesheim und Guntersblum in den Jahren 1706, 1766 und 1774 bzw. in zwei Nebenlinien 1910 und 1925 erlosch. Die besagte Linie Leiningen-Dagsburg geht auf die jüngere Linie der Leininger zurück; es sind damit im Gegensatz zu den Grafen von Leiningen-Westerburg, dem zweiten gräflichen Haus dieses Namens, Abkömmlinge der Grafen von Leiningen aus dem Hause Saarbrücken im durchgehenden Mannesstamm. Der Turnierkragen findet sich bei den Abkömmlingen der jüngeren Linie, während die Grafen von Leiningen-Westerburg den Turnierkragen nicht führen, obwohl sie eigentlich vom Mannesstamm her in die ältere Linie eingeheiratete Westerburger sind. Die fürstliche Stammfolge:

Das Blatt wurde also entweder unter Ernst Leopold Victor Carl August Joseph Emich Fürst zu Leiningen oder unter seinem Sohn Emich Eduard Carl Fürst zu Leiningen Pfalzgraf zu Mosbach Graf zu Dürn angefertigt.

Exlibris von Lorenz Rheude:
Ein heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1901, entworfen von Lorenz M. Rheude (17.12.1863-1.5.1939) für Friedrich Gustav Amberger (1869-1948), Genealoge, Verleger und Buchdruckereibesitzer in Zürich. Seine Buchdruckerei war vorher unter dem Namen David Bürkli bekannt. Das Exlibris ist als mehrfarbiger Rasterdruck ausgeführt. Die Künstlersignatur ist optisch rechts unten zu finden: "Lor. M. Rheude inv. et fec." Das Wappen Amberger zeigt in Blau auf grünem Boden ein aus dem Rand hervorkommendes, auf einer Freitreppe stehendes Tor, darauf eine abgebrochene Säule, an dem Tor erhebt sich ein silberner Hirsch mit goldenem Geweih, das Ganze wird überhöht von vier goldenen Sternen. Das hier nicht dargestellte Kleinod wäre lt. Siebmacher auf dem golden gekrönten Helm mit blau-goldenen Decken drei Straußenfedern (blau-golden-blau). Ein farbiges Vergleichsexlibris weist die Farben grün-golden-blau auf. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Bg5 Seite: 71 Tafel: 81, Band: Bg7 Seite: 61 Tafel: 61, ferner im Bergischen Wappenbuch. Gegenüber den dortigen Beschreibungen erscheint hier der Wappenschild gewendet. Die Züricher Familie kommt auch im Rheinland vor; die im Siebmacher postulierte Herkunft aus Tirol ist irrig. Vier weitere, jeweils nach innen geneigte Schilde mit Regionalbezug umgeben das zentral gestellte Familienwappen: Heraldisch oben rechts ist das Wappen der Schweizerischen Eidgenossenschaft, in Rot ein schwebendes silbernes Kreuz, heraldisch links oben das der Stadt Zürich, von Silber und Blau schräggeteilt, rechts unten das der Stadt Solothurn, rot-silbern geteilt, und links unten das der Stadt Basel, in Silber ein schwarzer Baselstab. Die gleichnamigen Kantone führen jeweils das gleiche Wappenbild. Fritz Amberger war selbst ein begeisterter Exlibris-Sammler, seine Sammlung befindet sich heute in der Zentralbibliothek Zürich, graphische Sammlung und Photoarchiv.

Exlibris von Georg Otto für Haak
Ein heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1903, entworfen von Georg Otto (6.9.1868-17.5.1939) für Otto Haak. Das linksgewendete Wappen Haak zeigt in Rot ein goldenes Andreaskreuz, mit zwei schwarzen, schräggekreuzten Feuerhaken belegt, auf dem rot-golden bewulsteten Helm ein goldener Löwe wachsend zwischen einem roten Flug, einen schwarzen Feuerhaken pfahlweise vor sich haltend. Die Helmdecken werden zuerst rechts rot-golden und links schwarz-golden angegeben, seit 1903 führt der Eigentümer die Decken auf beiden Seiten rot-golden. Die Wappenbeschreibung findet sich in Siebmacher, Band Bg5, S. 23, T. 27 sowie Bg7, S. 22. Im Bogenscheitel des Rahmens befindet sich das Wappen der Stadt Hamburg, in Rot eine silberne Burg mit drei Türmen, der mittlere Turm mit einem Kreuz auf der Spitze, über den beiden Seitentürmen je ein silberner Stern, für die Herkunft des Eigners stehend.

 

Exlibris von Clemens Kissel
Ein heraldisches Exlibris ohne Jahresangabe, entworfen von Clemens Kissel (3.5.1849 - 25.12.1911) für Elfriede Vogel. Zu beiden Seiten des Schriftbandes mit der Eignernennung stehen die Künstlerinitialen C und K. Das von zwei Lorbeerzweigen eingerahmte Vollwappen ist redend und zeigt im Schild und auf dem Helm jeweils einen auffliegenden Vogel mit einem Ring im Schnabel, gemäß der Schraffur der Helmdecken sollten die Tinkturen Blau und Silber sein (ohne Literaturbeleg, Hinweise willkommen). Die beiden unten die Stadtsilhouette von Mainz flankierenden Schilde sind das Stadtwappen von Mainz (in einer zeittypischen Form, unter einem roten Schildhaupt in Silber zwei durch ein rotes Kreuz verbundene, schräg gestellte, sechsspeichige, rote Wagenräder) und das Wappen von Hessen (in Blau ein silbern-rot neunmal geteilter aufrechter Löwe). Die Notenzeile am Fuße des Blattes läßt die jüdische Pianistin und Pädagogin Elfriede Vogel, geb. am 27.10.1883 in Mainz, gest. am 25.3.1942 durch Suizid, als Eignerin des Blattes vermuten.

 

Exlibris von Adolf M. Hildebrandt
Ein heraldisches Exlibris, mit dem Datum des 7.7.1902 versehen, entworfen von Adolf M. Hildebrandt (16.6.1844-30.3.1918) für Therese Béringuier geb. Mittenzwey. Das 118 x 86 mm messende und in Buchdruck ausgeführte Blatt wird beschrieben bei Witte, Bibliographie 2, 35; Thieme-Becker 17; Gutenberg 4180. Das Künstlermonogramm ist rechts unterhalb des eingerollten Endes des Schriftbandes mit dem Datum zu sehen. Rechts und links einer stilisierten Pflanze sind zwei Vollwappen als Ehewappen einander zugewandt. Heraldisch rechts ist das Wappen Béringuier, geviert, Feld 1 und 4: in Blau eine goldene Lilie, Feld 2 und 3: in Silber zwei schwarze Balken. Auf dem gekrönten Helm mit rechts blau-goldenen und links schwarz-silbernen Decken eine goldene Lilie. Das Wappen findet sich im Siebmacher Band: Bg4 Seite: 2 Tafel: 2. Heraldisch links ist das Wappen Mittenzwey zu sehen, ein schönes redendes Motiv, denn es zeigt einen in der Mitte mit einer rechten Stufe gebrochenen Balken, auf dem Helm ein hoher Hut, der mit dem in der Mitte mit einer rechten Stufe gebrochenen Balken belegt ist, aus der Krone an der Hutspitze drei Hahnenfedern hervorkommend (Hinweise zu den Tinkturen willkommen). Das rechte Wappen steht für Dr. jur. Richard Louis Leopold Béringuier, Sproß einer Hugenottenfamilie, geb. 4.3.1854 in Berlin als Sohn von Louis Béringuier und Anna geb. Tuch, gest. 9.3.1916 bei Wilna im Krieg als Kriegsfreiwilliger und Leiter eines Etappenpferde-Depots in Rußland, aber an Herzversagen und nicht durch Fremdeinwirkung. Richard Béringuier hatte das betreffende Wappen im Jahre 1880 angenommen. Er war im zivilen Leben Gerichtsassessor in Berlin und Amtsrichter beim Königlichen Amtsgericht I. Er war außerdem tätiges Mitglied im Verein "Herold" und Vorsitzender des Vereins für die Geschichte Berlins von 1899 bis 1916. Therese Mittenzwey, verwitwete Beisiegel, war nach Anna Steffens (gest. 1891) und Claire La Quiante (gest. 1896) die dritte Ehefrau von Richard Béringuier, und das eingedruckte Datum ist das Hochzeitsdatum. Das vom gleichen Künstler gestaltete Exlibris des Ehemannes ist bereits in dieser Sammlung vertreten.

 

Exlibris von Gustav Adolf Closs
Dieses Exlibris ohne Jahresangabe wurde entworfen von Gustav Adolf Closs (6.5.1864-3.9.1938) für die Familie Kretschmer. Bis auf die Eignernennung und die eingedruckte Künstlersignatur ist das Blatt schlicht und schmucklos. Das Wappen zeigt in Schwarz vier silberne Balken, überdeckt von einem roten Greifen, in den Vorderklauen ein blaues Buch mit goldenem Schnitt haltend, dessen Decken von einem einmal nach rechts gestuften goldenen Pfahl belegt ist, auf dem Helm mit rechts schwarz-silbernen und links rot-silbernen Decken wachsend der rote Greif mit dem Buch wie im Schild. Die Familie hat ihre Wurzeln in Greisau, Krs. Neisse/Oberschlesien, wobei der älteste nachweisbare Vorfahr der Bauer George Kretschmar war, der um 1645 geboren und am 16.9.1714 beerdigt wurde (Deutsches Geschlechterbuch Bd. 125, S. 211 ff.). Das Wappen, von Closs selbst entworfen, wurde von Hans Kretschmer im Jahre 1920 neu angenommen. Dieser, am 12.7.1887 in Görlitz geboren, war Verlagsbuchhändler und Druckereiinhaber, und zwar erst in Görlitz, nachdem er am 27.1.1919 den renommierten und in genealogisch und heraldisch interessierten Kreisen wohlbekannten C. A. Starke Verlag übernommen hatte. 1923 kam noch als Neuerwerb die Handelsdruckerei A. Müller hinzu, und 1928 wurden seine Druckereien zu einem einzigen genealogisch-heraldischen Fachverlag vereinigt. Der Wappenstifter war Inhaber desselben. Er begründete ferner die Zeitschrift „Archiv für Sippenforschung“, außerdem gab er 1929-1944 das "Genealogische Handbuch der baltischen Ritterschaften" heraus. Nach der Enteignung des Verlags 1946 in Görlitz siedelte Kretschmer 1950 nach Glücksburg um, und seit 1958 hatte er seinen Firmensitz in Limburg an der Lahn. Hans Kretschmer war seit 1968 Träger des Bundesverdienstkreuzes. Der Wappenstifter verstarb im Jahre 1976, und der Verlag wurde erst von Anneliese Kretschmer (1903-1998) weitergeführt, dann von Hans-Jürgen Kretschmer (geb. 1924). Das Wappen wurde am 1.9.1922 in die Deutsche Wappenrolle unter der Nummer: 1223/22 eingetragen und in der DWR Band: XXVII Seite: 26 publiziert, dort allerdings mit einem etwas abweichenden Aufriß von Heinz Ritt, dem der verstutzte Pfahl auf dem Buchdeckel fehlt.

Literatur, Quellen und Links:
Elke Schutt-Kehm, Exlibris-Katalog des Gutenberg-Museums, 2. Teil, Band 1: A-K, 720 Seiten, 1685 Abb., Verlag Claus Wittal, Wiesbaden, 1998, ISBN 978-3-922 835-31-8.
Elke Schutt-Kehm, Exlibris-Katalog des Gutenberg-Museums, 2. Teil, Band 2: L-Z, 736 Seiten, 1795 Abb., Verlag Claus Wittal, Wiesbaden, 1998, ISBN 978-3-922 835-32-5
Claus Wittal, Eignerverzeichnis zum Exlibris-Katalog des Gutenberg-Museums, Verlag Claus Wittal, 2003, 336 Seiten, 595 Abb., ISBN 978-3-922 835-33-2
Siebmachers Wappenbücher
Kretschmer: Deutsche Wappenrolle Band: XXVII Seite: 26 und Deutsches Geschlechterbuch Bd. 125, S. 211 ff.
Kretschmer:
http://www.starkeverlag.de/stocks/History/Geschichte/Geschichte.htm - http://www.starkeverlag.de/startsites/portrait.html
Béringuier:
http://www.diegeschichteberlins.de/geschichteberlins/persoenlichkeiten/persoenlichkeiteag/436-beringuier.html
Béringuier, Richard. In: Gesellschaft von Berlin, Jg. 1 1889/90, Berlin 1889 S. 26
Elfriede Vogel:
http://www.lexm.uni-hamburg.de/object/lexm_lexmperson_00003065
Amberger: Bergisches Wappenbuch bürgerlicher Familien
Amberger: Eike Pies, Neues Bergisches Wappenbuch bürgerlicher Familien, Bauer & Raspe Verlag, 1998, S. 5, T. 2
Fritz Amberger: Genealogie der Familie Amberger, Zürich 1905.
Leiningen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Leiningen_%28Adelsgeschlecht%29
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Fürstenhaus zu Leiningen: http://www.fuerst-leiningen.de/de/_willkommen.html
Familienverband von Richthofen:
http://www.richthofen.de/
Familiengeschichte von Richthofen:
http://www.richthofen.de/allgemein/historisches/die-familie-im-ueberblick.html
Familie von Richthofen im 19. Jh. und 20. Jh.:
http://www.richthofen.de/allgemein/historisches/persoenlichkeiten/richthofens-im-19-und-20-jahrhundert.html
Wappengalerie von Richthofen:
http://www.richthofen.de/allgemein/historisches/wappengalerie.html
Emil Karl Heinrich Frhr. Praetorius von Richthofen, Geschichte der Familie Praetorius von Richthofen, Baensch 1884, Teil 1 und 2:
http://www.hengelsberg.de/daten/vRichthofen/Familiengeschichte-Richthofen-I.pdf und http://www.hengelsberg.de/daten/vRichthofen/Familiengeschichte-Richthofen-II.pdf
Häuser der Familie von Richthofen:
http://www.richthofen.de/allgemein/historisches/haeuser-und-orte/barzdorf.html
Familie von Richthofen: GHdA, Adelslexikon, Bd. XI (2000).
Familie von Richthofen: GHdA, Frhrl. Häuser, Bd. XIX (1996).
Grote: Dr. H. Grote, Geschlechts- und Wappenbuch des Königreichs Hannover und des Herzogtums Braunschweig.
Grote: Otto Hupp, Münchener Kalender 1925, Buch u. Kunstdruckerei AG, München und Regensburg, 1925.
Familie von Wurmb:
http://www.vonwurmb.de/start.htm - Familiengeschichte: http://www.vonwurmb.de/chronik/familienchronik.htm - Wappen von Wurmb: http://www.vonwurmb.de/wappen/wappen.htm
von Wurmb: Dr. H. Grote, Geschlechts- und Wappenbuch des Königreichs Hannover und des Herzogtums Braunschweig.
Seckendorff:
http://www.schnaudertal.de/meuselwitz/dieletztenjahrederseckendorffs.htm
Seckendorff:
http://www.schnaudertal.de/meuselwitz/friedhof.htm
Seckendorff:
http://geo.viaregia.org/testbed/Material.Datenbank/Sehenswuerdigkeiten/Hist.Bauwerke/Friedhoefe/Altenburg/Friedhof.Meuselwitz.html

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