Bernhard Peter
Historische heraldische Exlibris (21)

Exlibris von Adolf M. Hildebrandt:
Ein heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1890, entworfen von Prof. Adolf M. Hildebrandt (1844-1918) für Georg Lange (105 x 75 mm, mehrfarbige Lithographie, Witte, Bibliographie 2, 35; Thieme-Becker 17; Gutenberg 25.653; Leiningen-Westerburg 43). Weder eine Jahresangabe noch ein Künstlermonogramm finden sich auf dem Blatt. Das in Frontalansicht gezeichnete Eignerwappen ist vor rostrotem Hintergrund in eine phantasievolle gelbliche architektonische Rahmung mit Zinnenreihe als oberem Abschluß eingestellt, der mit schwarzen Kleeranken überzogen ist. Das Wappen zeigt unter silbernem, mit drei blauen, golden bebutzten Rosen belegtem Schildhaupt in Blau zwei schräggekreuzte silberne Stockanker (Admiralitätsanker), auf dem blau-silbern bewulsteten Helm mit blau-silbernen Decken ein aufrechter silberner Stockanker zwischen zwei blau-silbern übereck geteilten Büffelhörnern. Das Wappen wird im Siebmacher, Band: Bg4 Seite: 61 Tafel: 70 beschrieben. Es handelt sich um eine Familie aus Riga, wohin 1768 Gerhard Dietrich Lange eingewandert ist. Ein Friedrich Woldemar Lange, geb. 31.1.1822, war in Riga Kaufmann, Ehrenbürger, Ratsherr und Assessor des Stadt-Consistoriums. Er heiratete Ida Dorothea Elisabeth Berg, und ihrer beider Erstgeborener war Georg Gerhard Woldemar Lange, geb. 12.7.1856, der in Dorpat Jura studierte, dann als Redakteur des "Rigaer Tagblattes" arbeitete und dann eine Stelle bei der Rigaer Steuerverwaltung fand. Die Vornamen "Gerhard Woldemar" führten übrigens neben ihm auch alle seine fünf Brüder.

Exlibris von Adolf M. Hildebrandt:
Ein heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1897, entworfen von Prof. Adolf M. Hildebrandt (1844-1918) für Carl Lackner (96 x 62 mm, Lithographie schwarz auf weiß, Witte, Bibliographie 2, 35; Thieme-Becker 17; Gutenberg 25.652). In ein Rechteckfeld mit der Eignerinschrift, welches von drei unten miteinander verflochtenen Orchideenstengeln (Frauenschuh) beherrscht wird, ist asymmetrisch das Feld mit dem Eignerwappen eingepaßt. Das Blatt ist im Druck mit der AH-Ligatur monogrammiert und rechts und links der Helmzier im Innenfeld datiert. Das Wappen zeigt in Blau einen natürlichen, auf einem Bein stehenden Storch, auf dem blau-silbern bewulsteten Helm mit blau-silbernen Decken ein natürlicher, auf einem Bein stehender Storch zwischen zwei silbern-blau übereck geteilten Büffelhörnern. Das Wappen wird im Siebmacher in Band: Bg1 Seite: 27 Tafel: 31 beschrieben unter der Angabe von Tirol als Herkunft.

Exlibris von Adolf M. Hildebrandt:
Ein heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1893, entworfen von Prof. Adolf M. Hildebrandt (1844-1918) für seine Frau Marie Hildebrandt (89 x 72 mm, Buchdruck, Witte, Bibliographie 2, 35; Thieme-Becker 17; nicht bei Gutenberg; Leiningen-Westerburg 73). Das Wappen ist als Ehewappen gespalten, vorne das Wappen des Ehemannes (in Blau ein schrägrechts gelegter silberner Baumstamm mit fünf gestümmelten Ästen, Wappen Hildebrandt), hinten das Wappen der Ehefrau (gespalten und im Spitzenschnitt geteilt). Es ist eine klassische Schildform gewählt worden, dafür zitiert der äußere Umriß der Komposition die Form des typischen Frauenwappens, die Raute (vgl. Rautenschild). Das Künstlermonogramm befindet sich in der unteren Spitze der mit Blumen (Nelken) vor dunklem Hintergrund ausgefüllten Raute. Marie war eine geborene Ottenberg, sie hatten am 24.5.1881 in Wernigerode geheiratet. Ein Wappen Ottenberg ist in der DWR Nr. 4431/43. Inspirierend auf die Wappengestaltung Ottenberg könnte sich das Wappen Ottenberger ausgewirkt haben (silbern-schwarz gespalten, vorn zwei aufsteigende schwarze, hinten zwei absteigende silberne Spitzen, Siebmacher Band: BayA1 Seite: 115 Tafel: 116). Das Paar hatte zwei Söhne und eine Tochter. Letztere, Elisabeth Hildebrandt (1884-1944), war ebenfalls Heraldikerin und Genealogin, sie hatte als einziges der drei Kinder die Interessen und vor allem auch das Talent des Vaters geerbt, so daß sie freischaffende Graphikerin wurde. Ihre Arbeiten sind freilich in einem gänzlich anderen, modernen Stil gehalten.

Exlibris von Adolf M. Hildebrandt:
Ein heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1888, entworfen von Prof. Adolf M. Hildebrandt (1844-1918) für Gustav Adelbert Seyler (99 x 74 mm, zweifarbige Lithographie, Witte, Bibliographie 2, 35; Thieme-Becker 17; Gutenberg 4237). Gustav Adelbert Seyler (19.3.1846-19.3.1935), Sohn eines evangelischen Pfarrers, ist einer der bekanntesten, kenntnisreichsten und fruchtbarsten Heraldiker, nicht nur weil er mehrere Bände des gewaltigen Siebmacherschen Wappenwerkes als Autor bzw. Coautor zusammengestellt hat, mit Schwerpunkt auf den bürgerlichen Geschlechtern (Siebmacher Bürgerliche Band 10, 11, 12, 13) und auf dem abgestorbenen bayerischen (BayA1, BayA2; BayA3) und württembergischen Adel (WüA), weiterhin auf den Wappen der deutschen Landesfürsten (Souv2, Souv3, Souv4), sondern auch weil einige grundlegende Werke der Heraldik aus seiner Feder stammen wie z. B. Geschichte der Heraldik, Nürnberg, 1885-1889 (Einführungsband zu J. Siebmachers Großem Wappenbuch). Insgesamt publizierte er ca. 50 Buch- und Zeitschriftentitel.

Nach der Schulzeit in Erlangen und Augsburg machte er eine Ausbildung als Buchhändler, die dann von einer fachjournalistischen Laufbahn gefolgt wurde, denn danach wurde er 1872 Redakteur des "Herold", 1874 des Amberger Tagblattes, 1875 der "Deutschen Nachrichten", und 1889 der ersten Ausgaben des Genealogischen Handbuches Bürgerlicher Familien. 1881 wurde er Lektor und Bibliothekar in Berlin am preußischen Ministerium für Handel und Gewerbe. Seine Herkunft aus Franken (er wurde in Willmars im heutigen Landkreis Rhön-Grabfeld geboren, früher sächsisch, seit 1814 bayerisch) äußert sich hier in dem Fränkischen Rechen im heraldisch rechten oberen Eck des Blattes, von Rot und Silber mit drei Spitzen geteilt. Die Familie stammt eigentlich aus Weißenstadt im ehem. Fürstentum Brandenburg-Bayreuth; der älteste nachweisbare Vorfahr ist ein am 31.8.1609 verstorbener Hans Seyler, Bürgermeister und Wagnermeister. Gustav Adelbert Seyler zog nach Berlin, wo er nicht nur als Heraldiker und Bibliothekar, sondern auch als Politiker und Geheimer Rechnungsrat tätig war, und dies wird durch das Berliner Stadtwappen im linken oberen Eck dargestellt, in Silber ein aufrechter, schwarzer, rotgezungter Bär. Seyler war Mitglied im Exlibris-Verein Berlin (seit dem 24.5.1891), im Verein Herold (seit dem 16.3.1870, ab 1909 als Ehrenmitglied), sowie korrespondierendes Mitglied des Vereins Adler und der Schweizerischen Heraldischen Gesellschaft. Zwanzig Jahre lang war Seyler Schriftführer des Vereins HEROLD zu Berlin, 1889-1909, und Schriftleiter der Zeitschrift war er 1872-1874.

Sein eigenes Wappen zeigt in von Silber und Rot im Spitzenschnitt geteilten Schild drei (2:1) schräggestellte Kleeblätter in verwechselten Farben, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken einen silbernen, rotbewehrten Hahn mit rotem Kamm und ebensolchem Kehllappen, desgleichen die beiden obersten Schwanzfedern. Es wird beschrieben im Siebmacher Band: Bg9 Seite: 10 Tafel: 11 sowie im Band: Bg11 Seite: 10 Tafel: 14. G. A. Seyler nahm dieses Wappen am 24.12.1872 an und optimierte 1888 noch die Stellung der Kleeblätter. Darüber hinaus ist es auf Antrag von Friedrich Seyler, Großneffe des Heraldikers und Gymnasiallehrer in Regensburg, im Jahre 1974 in die Deutsche Wappenrolle eingetragen worden in DWR Band: XXVII Seite: 31 unter Nummer: 6853/74. Der dort verzeichnete Neuaufriß stammt von Lothar Müller-Westphal und hat im Gegensatz zu diesem Exlibris noch einen rot-silbernen Wulst; die Führungsberechtigung schließt alle Nachkommen im Mannesstamm des oben erwähnten Hans Seyler ein. Für ein weiteres Exlibris vgl. Gruppe 35.

Exlibris von Adolf M. Hildebrandt:
Ein heraldisches Exlibris ohne Jahresangabe, entworfen von Prof. Adolf M. Hildebrandt (1844-1918) für Woldemar Fhr. von Mengden (102 x 72 mm, zweifarbige Lithographie, Witte, Bibliographie 2, 35; Thieme-Becker 17; Gutenberg 4215). Das Blatt ist rechts unten im Druck monogrammiert. Das zentrale Vollwappen zeigt das der livländischen Familie der Freiherren von Mengden, die seit 1653 reichsfreiherrlich waren. Das Stammwappen zeigt in Silber zwei schwarze Balken, auf dem schwarz-silbern bewulsteten Helm mit ebensolchen Decken ein rechts silberner, links schwarzer Flug. Diese Helmzier ist das Kennzeichen der livländischen Linie, während die westfälische Linie zwei jeweils mit den beiden schwarzen Balken belegte silberne Straußenfedern als Kleinod führt. Der Stammsitz beider Linien liegt bei Mengede in der Grafschaft Mark. Im Siebmacher Band: Pr Seite: 259 Tafel: 310 wird eine Variante der Helmzier mit dem Stammschild zwischen einem silbernen Flug beschrieben.

Das vermehrte freiherrliche Wappen nach dem Diplom von 1653 ist geviert mit Schildfuß und Herzschild: Feld 1: in Gold ein schwebender geharnischter Arm, eine Edelkrone haltend, Feld 2: in Blau ein goldener Löwe, linksgewendet, in der Rechten ein silbernes Pfeilbündel haltend, in der Linken einen einzelnen Pfeil, Feld 3: in Blau ein schwarzer Greif mit silbernem Türkensäbel in der Klaue, Feld 4: in Gold ein linksgewendeter schwebender geharnischter Arm mit Morgenstern (Streitkolben) in der Faust, Schildfuß: in Silber ein goldener fünfstrahliger Stern über einem grünen Dreiberg, Herzschild: in Silber zwei schwarze Balken. Drei gekrönte Helme: Helm 1 (rechts): ein wachsender schwarzer Greif mit silbernem Türkensäbel in der Klaue, Decken blau-golden, Helm 2: vor offenem silbern-schwarzem Fluge acht (4:4) abwechselnd goldene und blaue Fähnlein, Decken schwarz-silbern, Helm 3: ein wachsender goldener Löwe, ein silbernes Pfeilbündel in der Rechten haltend und einen einzeln Pfeil in der Linken, Decken blau-golden. Schildhalter rechts ein widersehender, schwarz-golden geteilter, silbern bewehrter Greif, links ein widersehender golden-schwarz geteilter Löwe. Das reichsgräfliche Wappen von 1774/78 macht entscheidende Farbveränderungen bei ansonsten gleichen Motiven, dabei wird z. B. auch die Farbe des Stammwappens geändert, ein seltener Vorgang: Der Stern wird sechsstrahlig und blau, die Balken des Herzschildes werden rot, Feld 2 und 3 bekommen als Feldfarbe Rot, der Greif ist nicht mehr blau, sondern golden, und die Pfeile sind golden statt silbern. Die Fähnchen von Helm 2 sind jetzt komplett blau, und die Decken sind alle rot-golden. Und der Stammhelm wird auch verändert, der Flug des mittleren Helmes ist nun ganz schwarz. Schildhalter rechts ein widersehender, goldener Greif mit silbernem Türkensäbel in der rechten Klaue, links ein widersehender goldener Löwe, ein goldenes Pfeilbündel in der linken Vorderpranke haltend.

Das Wappen wird beschrieben im Westfälischen Wappenbuch und im Siebmacher Band: Ost Seite: 77 Tafel: 18, Band: Ost Seite: 171 Tafel: 46, Band: Ost Seite: 363 Tafel: 134, Band: Ost Seite: 491, Band: Pr Seite: 259 Tafel: 310. Im Siebmacher werden die äußeren Helmkleinode nach außen gewendet abgebildet. In der Abbildung im Westfälischen Wappenbuch finden sich Elemente aus freiherrlichem und gräflichem Wappen.

Vier Wappenschilde sind auf dem Rahmen in den vier Ecken angebracht, der mit seinen beiden schwarzen dicken Linien das Motiv des Stammschildes aufgreift und mit Kleeblättern bestreut ist. Heraldisch oben rechts finden sich die beiden Balken der von Mengden, unten rechts ist der Schild der v. Fölkersam, in Silber ein rotes Wagenrad, aus dem oben ein Stück der Felge und die sechste Speiche ausgebrochen sind (Siebmacher Band: Ost Seite: 144 Tafel: 34, Band: Ost Seite: 292 Tafel: 97, Band: Pr Seite: 129 Tafel: 173, Band: SchlA3 Seite: 131 Tafel: 85). Oben links ist das Wappen der livländisch-kurländischen Frhrn. v. Bruiningk, in Rot über einem von Gold und Schwarz in 3 Reihen geschachten Schildfuß ein silberner Pegasus mit grünem Kleeblatt im Maul (Siebmacher Band: Ost Seite: 131 Tafel: 30, Helm 1 wäre ein silberner Flug zu rot-silbernen Decken, Helm 2 ein silbern gestulpter, hoher, schwarz-golden geschachter Hut mit zwei Federn in den Farben Gold und Silber im Stulp zu schwarz-goldenen Decken), und unten links ist vermutlich eine Variante des Wappens der pommerschen v. Brockhausen (Bruchausen), in Blau unter drei balkenweise gelegten goldenen Sternen ein aufspringender silberner Fuchs mit Schwert (so nicht in der Lit., Hinweise willkommen).

Exlibris von Lorenz Rheude:
Ein heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1918, entworfen von Lorenz M. Rheude (1863-1939) für Hans Ewald v. Reutter (Lichtdruck, 10,3 x 6,8 cm). Das Wappen wird im Siebmacher Band: Sa Seite: 44 Tafel: 50 beschrieben, und es ist ein anläßlich der Adelserhebung des königlich-sächsischen Leutnants Karl Eduard Reutter am 24.12.1826 in Dresden geschaffenes Wappen, wobei Elemente zweier älterer Wappen gleichnamiger Familien kombiniert wurden. In jedem Fall wurde das Wappen ("Reutter" = Reiter) ein redendes. Das Wappen zeigt in Blau einen auf einem silbernen Pferd reitenden Geharnischten mit geschlossenem Helmvisier, eine Streitaxt in der Rechten erhebend, auf dem gekrönten Helm mit blau-silbernen Decken ein silbern-blau schräglinksgeteiltes Einhorn wachsend zwischen einem Paar Büffelhörner, rechts silbern, links blau. Zwei nach innen geneigte Schilde ergänzen die Komposition, heraldisch rechts der gewendete sächsische Schild (von Schwarz und Gold neunmal geteilt, darüber ein grüner schrägrechter Rautenkranz, hier gewendet), gegenüber der Adlerschild mit dem österreichischen Bindenschild auf der Brust (in Gold ein schwarzer Doppeladler mit Schwert und Reichsapfel in den Fängen, beide Köpfe gekrönt, belegt mit einem roten Brustschild mit silbernem Balken). Man kann darüber spekulieren, ob hier Bezug genommen wird auf die Ehe zwischen dem sächsischen König Anton (27.12.1755 - 6.6.1836), der aber erst 1827 den Thron bestieg, und seiner zweiten Frau Maria Theresia Josephine Charlotte Johanna Erzherzogin v. Österreich (14.1.1767 - 7.11.1827), oder ob ein anderer Bezug zu Österreich bestand.

Exlibris von Adolf M. Hildebrandt:
Ein heraldisches Exlibris um ca. 1900, entworfen von Prof. Adolf M. Hildebrandt (1844-1918) für Albert Andreae (Gutenberg 25.608, Lithographie, 8,6 x 6,1 cm). Das unten etwas schief bemessene Exlibris baut auf der Initiale "A" für den Namen (in diesem Fall sogar für Vor- und Familiennamen) auf, um dessen oberen Strich sich das Schriftband mit dem Eignernamen schlingt, und dessen Buchstabenkörper von dem Vollwappen bedeckt ist. Die Helmdecken schlingen sich teilweise um die Partien des Buchstabens. Das Wappen zeigt in Silber ein rotes Andreaskreuz (Schragen, redendes Wappen, Symbol für das Martyrium des Hl. Andreas), von vier roten Rosen bewinkelt, auf dem rot-silbern bewulsteten Helm mit ebensolchen Decken ein beiderseits mit dem Schildbild belegten offenen Flug. Es wird beschrieben im Siebmacher Band: Bg2 Seite: 12 Tafel: 21, Band: Bg1 Seite: 45 Tafel: 61, Band: Bg3 Seite: 19 Tafel: 21 und Band: Bg9 Seite: 17 Tafel: 21. Der Original-Wappenbrief der bürgerlichen Familie, die seit 1674 in Frankfurt am Main ansässig ist, stammt vom 10.9.1554 und ist für den Theologen und Reformator Dr. Jacob Andreae ausgestellt. Im Siebmacher Band: Bg2 Seite: 12 Tafel: 21 wird das Andreaskreuz als schwebend dargestellt, was nicht zutrifft, in Siebmacher Band: Bg9 Seite: 17 Tafel: 21 und Band: Bg1 Seite: 45 Tafel: 61 ist es korrekt wie hier wiedergegeben. In Siebmacher Band: BayA1 Seite: 127 Tafel: 132 ist es wiederum schwebend, dazu fehlen im Kleinod die Rosen. Der Helm in dieser Darstellung zeigt die für den Künstler so typische Perspektivenmischung, die in mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Wappenbüchern durchaus nicht ohne Vorbild ist, aber besser gelöst werden könnte, insbesondere der sich daraus ergebende Sitz des Wulstes und des Kleinodes gibt aus heutiger Sicht Anlaß zu Kritik.

An diesem Wappen hängt eine hochinteressante Verbindung: Der Enkel des oben erwähnten Dr. Jacob Andreae (25.3.1528 - 7.1.1590), lutherischer Theologe, Former der schwäbischen und der lutherischen Konkordie und Universitätskanzler in Tübingen, war Johann Valentin Andreae (17.8.1586 - 27.6.1654). Dieser war ebenfalls ein bedeutender lutherisch-calvinistischer Theologe und Schriftsteller, der allerdings in Tübingen von der Uni flog und erst viel später seine Studien vollenden konnte. Eines seiner frühen Werke war die Schrift "Chymische Hochzeit Christiani Rosencreutz", wobei der Name und das Symbol des Protagonisten "Rosenkreuz" eine Anspielung auf sein eigenes Wappen mit den Rosen und dem (Andreas)kreuz war. Damit wurde er entgegen seiner Absicht einer der Begründer der Rosenkreuz-Legende und der entsprechenden Gemeinschaft, und obwohl er seine Schrift später als "Jugendsünde" relativierte und sich abwertend über die Alchimie äußerte, konnte er nicht verhindern, daß der Geheimbund der Rosenkreuzer diese Utopien zur Grundlage machte. Andreaes wesentliche Idee in dieser Schrift war die Verschmelzung von Christentum, Ethik und zeitgenössischer Wissenschaft innerhalb einer Wissenschaftlergemeinschaft. So wurde das Andreae-Wappen berühmt. Daß jedoch der Exlibris-Besitzer Albert Andreae tatsächlich ein Nachkomme des Dr. Jacob Andreae ist, konnte bisher nicht verifiziert werden, was die Möglichkeit einer Usurpation beeinhaltet.

Exlibris von Lorenz Rheude:
Ein auf 1906 datiertes heraldisches Exlibris, entworfen von Lorenz M. Rheude (1863-1939) für Johannes Junge (Klischeedruck in Blaugrau, 9,9 x 8,0 cm). Das Blatt wird hier in zwei Farbvarianten wiedergegeben. Die Familie Junge stammt aus Rußdorf-Königshain in der Oberlausitz und verbreitete sich über Mitteldeutschland und Bayern, die Familie hatte u. a. die Universitätsdruckerei in Erlangen inne, so war auch der Eigner Johannes Junge (12.11.1885 - 7.5.1951) nach dem Besuch der Erlanger Realschule und dem Wehrdienst in München ab 1908 im elterlichen Betrieb als Buchdrucker tätig. Nach seiner Verwundung im WK I war er 1919-43 Redakteur des Erlanger Tagblatts. Daneben war er begeisterter Photograph seiner Heimat und hinterließ eine große photographische Dokumentation von Erlangen und Franken in den 30er und 40er Jahren.

Das Wappen Junge zeigt in blauem Schild einen silbernen Wechselzinnenbalken über einem silbernen, oben gezinnten Balken. Auf dem blau-silbern bewulsteten Helm ein wachsender, silberner, goldenbewehrter, goldengekrönter, flugbereiter Schwan, Helmdecken blau-silbern. Im Siebmacher findet sich das Wappen im Band Bg13, S. 31, T. 21. Das Wappen ist hier frontal dargestellt, und die Wiedergabe der Helmzier in dieser Frontalansicht erlaubt zwar herrlich ausgebreitete Schwingen, doch die hier gefundene Lösung für die Frontaldarstellung des Schwanenhalses zeigt deutlich, wie problematisch allgemein Vorderansichten von Tieren sind. Wenn selbst ein großer Künstler wie Rheude sich zu so einer unglücklichen Biegung des Halses entschließt, um den Kopf dann doch noch seitlich zu zeichnen, wird deutlich, daß für solche Tiere allgemein Darstellungen im Profil oder Halbprofil einfach besser und harmonischer aussehen. Das Zentralfeld umgibt ein einreihig geschachter Rand, wobei jedes Feld mit einer abwechselnd schrägrechts und schräglinks gelegten Schachfigur belegt ist.

Exlibris von Adolf M. Hildebrandt:
Ein undatiertes heraldisches Exlibris (ca. um 1900), entworfen von Prof. Adolf M. Hildebrandt (1844-1918) für Herrn Rud. Curt von Münchow (Klischeedruck, 8,0 x 5,8 cm). Das Wappen zeigt in Silber drei (2:1) schwarze Mohrenköpfe mit rot-golden gewundenen Stirnbinden. Auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein Busch schwarzer Hahnenfedern oder grüner Schilfblätter oder Palmzweige (je nach Quelle, vgl. Siebmacher Band: Pr Seite: 19 Tafel: 21, Band: BraA Seite: 64 Tafel: 37, Band: PrA Seite: 51 Tafel: 38, Westfälisches Wappenbuch). Die Familie, deren Name historisch die unterschiedlichsten Schreibweisen erfuhr, von Monachus über Monechow und Monnichowe zu Mönchow, bis sich ab der Mitte des 18. Jh. die Schreibweise Münchow durchsetzte, gehört zum pommerschen Uradel. Der Stammsitz Mönchow gehört heute zu Usedom. Eine Linie wurde 1741 zu preußischen Grafen, sie erlosch wieder 1860 im Mannesstamm, das Wappen hatte einen zweiten Helm (rechts) mit einem schwarzen Flug mit goldenen Kleestengeln, zu schwarz-silbernen Decken, dazu als Schildhalter zwei preußische Adler.

Exlibris von Adolf M. Hildebrandt:
Ein heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1893, entworfen von Prof. Adolf M. Hildebrandt (1844-1918) für Otto Ludwig August von Dassel (Witte, Bibliographie 2, 35; Thieme-Becker 17; Gutenberg 4188; Leiningen-Westerburg 79, Gutenberg 25.625, 92 x 63 mm). Der Eigner lebte vom 18.12.1861 bis zum 5.6.1908 und war sächsischer Berufsoffizier, seit 1906 im Rang eines Majors, und er war Bezirksoffizier in Döbeln. Er war der Sohn von Hermann von Dassel und Bertha von Minnigerode. Der Eigner war vermählt mit Maria Edle Straka von Hohenwald. Otto von Dassel war Mitglied der drei heraldischen Vereine Herold, Kleeblatt und Adler, und er war der Begründer und Herausgeber der "Familiengeschichtlichen Blätter". Ferner verfaßte er mehrere Aufsätze über Grabdenkmäler und niedersächsische Heraldik. Das Wappen zeigt in Silber einen roten Balken, aus dem nach oben zwei nach außen gestellte grüne Lindenblätter wachsen, nach unten ein ebensolches gestürzt (alternative Blasonierung: In Silber drei (2:1) grüne Lindenblätter im Dreipaß, darüber ein roter Balken). Auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein aufrechter Zweig mit drei (1:2) Lindenblättern zwischen zwei silbernen, mit einem roten Balken belegten Büffelhörnern. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Pr Seite: 113 Tafel: 151 mit ganz falsch gezeichneten Blättern, Band: PrE Seite: 47 Tafel: 38, wo es abweichend Kleeblätter sind und die Farben des rechten Büffelhornes umgekehrt abgebildet sind, Band: Han Seite: 23 Tafel: 25 mit schwebenden Linden- oder Efeu-Blättern. Es wird ferner im Westfälischen Wappenbuch abgebildet, exakt wie hier im Exlibris (die Stammheimat ist zwar im Raum Hannover, ein Zweig war aber in Westfalen bei Höxter begütert). Es handelt sich um ein Patriziergeschlecht aus Lüneburg, welches am 15.10.1638 eine kaiserliche Adelserhebung und eine Wappenbestätigung nebst Vermehrung desselben bekam. Die Begünstigten waren die Kinder des Lüneburger Bürgermeisters Georg Dassel. Von da an gab es zwei Formen des Wappens, denn die Lüneburger Linie führte das Stammwappen weiter, wie man an diesem Exlibris sieht. Und die Linie zu Hoppensen führt das vermehrte Wappen, geteilt, oben in Silber ein schreitender goldener Löwe, unten rot-silbern geteilt mit drei in den Dreipaß gestellten grünen Lindenblättern. Der Helm blieb der des Stammhelmes. Dieses vermehrte Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Han Seite: 23 Tafel: 25, sowie im Geschlechts- und Wappenbuch des Königreichs Hannover und des Herzogtums Braunschweig von Dr. H. Grote. Dieses Beispiel zeigt, wie sehr die zweifelhafte Ehre sogenannter Wappen"verbesserungen" zum Fluch werden konnte, nicht nur wird im ver"besserten" Wappen zweimal gegen die Farbregel verstoßen, oben Gold auf Silber, unten Grün auf Rot, sondern es wird auch die wunderschöne Harmonie des Dreipasses und die Ausgewogenheit der Komposition zerstört. Ein Musterbeispiel, wie "gut gemeinte" Eingriffe heraldisch und graphisch das Gegenteil bewirken. In diesem Exlibris sehen wir zum Glück das unveränderte Stammwappen der Familie.

Sechs kleinere Schilde ohne Oberwappen umgeben das rechteckige Zentralfeld innerhalb eines Rahmens aus zierlichen floralen Arabesken im florentinischen Stil. In der Mitte ist heraldisch rechts das silberne Niedersachsenroß in rotem Feld zu sehen, gegenüber das Lüneburgische Wappen, golden und besät mit roten Herzen, darin ein blauer Löwe, rotbewehrt und rotgezungt. Da in der rechten oberen Ecke sich das Wappenbild Dassel wiederholt, stellen die anderen Schilde offensichtlich eine Ahnenprobe dar, links oben in Blau ein silbern geharnischter Arm mit einem kurzen Schwert oder einem Dolch in der Faust (unbekannt, Hinweise willkommen)), unten zweimal spiegelbildlich in Rot ein silberner Angelhaken (v. Minnigerode). Das ist eine Familie aus dem Eichsfeld; die hier nicht dargestellte Helmzier wäre z. B. möglicherweise ein grüner Flechtkorb, darin ein Pfauenschwanz, davor zehn abwechselnd rote und silberne Rosen, vier rote, sechs silberne, mit goldenen Stielen an einem aus dem Korb aufsteigenden goldenen Zweig, so nach Grote, vgl. auch Siebmacher Band: PrGfN Seite: 15 Tafel: 11, dort auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken fünf abwechselnd rote und silberne Straußenfedern, jede mit einer Rose in Gegenfarbe belegt, offensichtlich gibt es beim Helmschmuck viele Varianten, weitere Quellen siehe Siebmacher Band: AnhA Seite: 41 Tafel: 23, Band: Han Seite: 13 Tafel: 14, Band: Pr Seite: 265 Tafel: 316, Band: PrE Seite: 136 Tafel: 116, Band: SchlA3 Seite: 143 Tafel: 93, Band: Schw Seite: 59 Tafel: 4. Ganz ähnliche Wappen führten übrigens die braunschweigischen v. Riemen (ausgestorben im 15. Jh.) und die eichsfeldischen v. Backelshayn, alle drei sind vermutlich stammesverwandt. Unten eine rote Farbvariante (Lithographie, rot auf weiß, Witte, Bibliographie 2, 35; Thieme-Becker 17; Gutenberg 4188; Leiningen-Westerburg 79), darunter noch eine grüne Farbvariante.

Literatur, Quellen und Links:
Elke Schutt-Kehm, Exlibris-Katalog des Gutenberg-Museums, 2. Teil, Band 1: A-K, 720 Seiten, 1685 Abb., Verlag Claus Wittal, Wiesbaden, 1998, ISBN 978-3-922 835-31-8.
Elke Schutt-Kehm, Exlibris-Katalog des Gutenberg-Museums, 2. Teil, Band 2: L-Z, 736 Seiten, 1795 Abb., Verlag Claus Wittal, Wiesbaden, 1998, ISBN 978-3-922 835-32-5
Claus Wittal, Eignerverzeichnis zum Exlibris-Katalog des Gutenberg-Museums, Verlag Claus Wittal, 2003, 336 Seiten, 595 Abb., ISBN 978-3-922 835-33-2
Siebmachers Wappenbücher
Genealogie der Familie Lange aus Riga:
http://dspace.utlib.ee/dspace/bitstream/10062/10211/3/despalm_bergmann.pdf.txt
Literatur G. A. Seyler:
https://portal.d-nb.de/opac.htm?query=Woe%3D117460192&method=simpleSearch
Max von Spießen (Hrsg.): Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Zeichnungen von Professor Ad. M. Hildebrandt, 1. Band, Görlitz 1901 - 1903.
Johannes Junge:
http://www.fen-net.de/er/hedayati/persoenlichkeiten/persoenlichkeiten.html#Junge
Geschlechtsverband der von Münchow: http://www.von-muenchow.de
Wappen v. Münchow:
http://www.von-muenchow.de/Wappen.htm
Geschichte der v. Münchow:
http://www.von-muenchow.de/Geschichte.htm
Genealogie v. Münchow:
http://www.von-muenchow.de/images/GHdA_1971.PDF und http://www.von-muenchow.de/images/Gotha_Adel_1905.PDF
Dr. H. Grote, Geschlechts- und Wappenbuch des Königreichs Hannover und des Herzogtums Braunschweig.
Genealogie Andreae:
http://worldroots.com/ged/andreae/IXA.html.
Herrn J. v. Wackerbarth ein herzliches Dankeschön für wertvolle und interessante Hinweise.
Siebmachers großes Wappenbuch, Sonderband H: Jürgen Arndt: Biographisches Lexikon der Heraldiker; 1992. XXIV und 664 S. mit zahlr. Wappenabb., Festeinband, Degener Verlag, ISBN 3-87947-109-6

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