Bernhard Peter
Historische heraldische Exlibris (17)

Exlibris von Lorenz Rheude:
Ein in farbigem Rasterdruck ausgeführtes heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1915, entworfen von Lorenz M. Rheude (17.12.1863-1939) für Max Specht, Kaufmann und Bürger zu Hamburg. Das Wappen ist ein redendes, denn es ist geteilt, oben in Gold an einem schräggestellten braunen Eichenast mit nach rechts abstehenden grünen Blättern links ein rotbewehrter Schwarzspecht, unten in Blau zehn (4:3:2:1) silberne, sechsstrahlige Sterne. Auf dem schwarz-golden-blau-silbern bewulsteten Helm mit rechts schwarz-goldenen und links blau-silbernen Decken ein wachsender, nackter, wilder Mann, an Stirn und Hüfte laubumkränzt, in der erhobenen Rechten ein Eichenbruch mit drei grünen Blättern, die Linke eingestemmt. Das Wappen wird von einem in ein Rechteck einbeschriebenen Vierpaß gerahmt, wobei der Bogen jeweils oben und unten leicht gekielt ist. In den vier Ecken ist Platz für Vedouten mit Hamburger Sehenswürdigkeiten, oben links das 36 m hohe und 1906 eingeweihte Bismarck-Denkmal, unten links das Rathaus, unten rechts die Jacobikirche. In der Mitte unten ist das Stadtwappen Hamburgs, in Rot eine silberne Burg mit drei Türmen, der mittlere Turm mit einem Kreuz auf der Spitze, über den beiden Seitentürmen je ein silberner Stern. Darüber ist ein Hermesstab als Symbol der Händler. Oben befindet sich in der Mitte ein weiterer Schild mit dem Wappenbild des Herzogtums Lauenburg, innerhalb eines silbern-schwarz gestückten Bordes in Rot ein silberner Pferdekopf.

Exlibris von Lorenz Rheude:
Ein heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1900, entworfen von Lorenz M. Rheude (17.12.1863-1939) für Karl Graf zu Leiningen-Westerburg-Neu-Leiningen. Das in Buchdruck ausgeführte Exlibris ist am unteren Rand mittig im Druck monogrammiert und in römischen Zahlen datiert. Das Wappen ist geviert mit Herzschild: Feld 1 und 4: in Blau drei (2:1) silberne Adler (Stammwappen Leiningen). Der im Stammwappen vorhandene Turnierkragen wird von der Linie Leiningen-Westerburg nur höchst selten geführt. Feld 2 und 3: in Rot ein durchgehendes goldenes Kreuz, bewinkelt von 20 (4x 5 (2:1:2)) goldenen Kreuzchen (Stammwappen Westerburg). Herzschild: in Blau ein silberner Löwe mit einer gekrümmten, goldengestielten, silbernen Streitaxt oder Hellebarde, diese mit allen vier Pranken haltend (Gyldenløve-Danneskiold-Laurvig). Dazu gehören drei Helme: Helm 1 (Mitte): gekrönt, schwarzer Flug, beiderseits belegt mit einer roten Scheibe mit einem durchgehenden goldenen Kreuz, bewinkelt von je 5 (2:1:2) goldenen Kreuzchen (Herrschaft Westerburg), Helmdecken rot-golden. Helm 2 (rechts): gekrönt, grüner Obstbaum mit 5-7 silbernen Blüten (Grafschaft Leiningen), Helmdecken blau-silbern. Helm 3 (links): gekrönt, ein Pfauenstoß (für Schaumburg, siehe Detailausschnitt). Beschrieben wird das Wappen im Siebmacher, Band Gf, Seite: 20-24, Tafel: 39-52 etc.

Exlibris von Lorenz Rheude:
Ein heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1906, entworfen von Lorenz M. Rheude (17.12.1863-1939) für Walter Vogt, im Druck rechts unten monogrammiert und links unten datiert. Das Wappen zeigt in Rot drei gekreuzte, gestürzte, silberne Pfeile, unten begleitet von einer goldenen dreizinnigen Mauerkrone. Auf dem rot-silbern bewulsteten Helm mit rot-silbernen Decken ein offener roter Flug, je belegt mit zwei schräggekreuzten, gestürzten, silbernen Pfeilen. Es wird beschrieben in der Deutschen Wappenrolle, Band: XII, S.: 92, eingetragen unter der Nr. 5542/57. Die Familie stammt aus Langenreinsdorf, Krs. Werdau in Sachsen. Das Wappen wurde 1906, also im selben Jahr, in dem das Exlibris entstand, neu angenommen vom in Gotha ansässigen Verlagsbuchhändler Peter Walter Vogt (1873-1941) auf Antrag des in Kiel ansässigen Diplom-Landwirts und wissenschaftlichen Assistenten Hermann Vogt. Der Stammvater der Familie ist Görge Voytt, Bauer in Langenreinsdorf, gest. 1609. Zwei weitere Schilde belegen die beiden oberen Ecken, der rechte mit zwei Schindeln über einem sich aus einem Wellenschildfuß erhebenden Mühlrad, der linke mit einem pfahlweise gestellten Pfeil, überdeckt von einem Buchstaben "G", umrahmt von einem Buchstaben "U", wobei die beiden Buchstaben miteinander verbunden sind, Hinweise willkommen.

Während obige Farbvariante in grünlichem Ton gehalten ist, gibt es noch eine weitere Farbvariante in schwarzviolettem Ton, ansonsten inhaltsgleich:

 

Exlibris von Lorenz Rheude:
Ein heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1905, entworfen von Lorenz M. Rheude (17.12.1863-1939) für Christian Aichinger, im Druck rechts unten monogrammiert und datiert. Das hier linksgewendete Wappen Aichinger zeigt in Schwarz auf einem grünen Dreiberg einen aufgerichteten goldenen, rotgezungten Greifen, der in seinen Klauen einen aufrechten goldenen Zweig mit drei Eicheln hält. Auf dem schwarz-golden bewulsteten Helm der wachsende goldene Greif mit dem ebensolchen Zweig mit den drei Eicheln. Durch die Eicheln wird es zum redenden Wappen. Das Wappen ist nicht in den einschlägigen Sammlungen enthalten, die Tinkturen sind nach einem analogen farbigen Blatt aus dem "Wappensammler" angegeben. Das Motiv an sich ist kein Unikat, genau das gleiche Motiv (vorbehaltlich anderer Farben) wird z. B. von den Aichbichel (Aichpüchl) geführt (Siebmacher Band: Mä Seite: 257 Tafel: 181), aber mit einem Flug als Helmzier. Die Aichinger stammen ursprünglich aus Oberösterreich. Das Wappen ist in den Wipfel einer Eiche eingebaut, deren Äste im unteren Teil diverse Wappenschilde mit Jahresangaben tragen, Stationen der Familie im Laufe ihrer Geschichte. Mit "1763" bezeichnet ist z. B. das Wappen von Weiden in der Oberpfalz, halbgespalten und geteilt, oben rechts in Schwarz ein rot gekrönter, rot bewehrter goldener Löwe (gewendet), oben links die blau-silbernen bayerischen Rauten, unten in Rot auf grünem Dreiberg eine grüne Weide. 1763 zog ein Teil der Familie nach Weiden. Mit "1622" bezeichnet ist der Schild von Vohenstrauß, in Blau auf grünem Grund (Boden) ein linksgewendeter, golden bewehrter silberner Strauß mit goldenem Hufeisen im Schnabel, den ein roter Fuchs anspringt. 1622 verzeigte sich die Familie in diesen Ort. Ganz unten stehen zwei Schilde für die regionale Herkunft im Ganzen, heraldisch rechts Bayern (blau-silbern schräggerautet) und gegenüber Oberösterreich (gespalten, rechts in Schwarz ein goldener Adler, links dreimal von Silber und Rot gespalten). Mit "1550" bezeichnet ist der Wappenschild von Freistadt im Unteren Mühlviertel in Oberösterreich (in Rot ein silberner Balken), das gleiche Schildbild wie die Erzherzöge und Zeichen der damaligen landesfürstlichen Stadtherrschaft. Mit "1550-80" bezeichnet ist ein Berufswappen mit Gerber-Emblemen (in Rot zwei silberne schräggekreuzte Schabeisen, darunter ein goldener Ring). Ebenfalls unter die Berufssymbole einzuordnen ist der mit "1683" bezeichnete Schild mit einer goldenen Amtskette auf rotem Feld, das bezieht sich darauf, daß ein Familienmitglied im genannten Jahr Bürgermeister von Vohenstrauß war. Ein weiteres Berufswappen findet sich bei der Zahl "1891", in Blau ein goldener Holzbottich mit Merkurstab und Brauwerkzeugen, denn ein Zweig der Familie war bis zu diesem Jahr im kaufmännischen Bereich des Braugewerbes tätig. Eine weitere, "1904" erreichte Station der Familie war Regensburg (in Rot zwei schräggekreuzte silberne Schlüssel). Der "1676" bezeichnete Schild bezieht sich auf Floß im Bayerischen Wald (in Silber ein schwarzer, rot bewehrter Adler, heute anders: in Gold aus blauen Wellen wachsend ein rot gekrönter, schwarzer Adler), und der letzte Schild daneben ist wiederum ein Berufswappen, denn ein Familienmitglied war ab 1824 in Floss evangelischer Pfarrer (in Blau über grünem Dreiberg eine aufgeschlagene silberne Bibel, dahinter ein goldenes Kreuz hervorkommend). Diese Berufswappen sind freilich keine offiziellen Berufswappen, sondern individuell in Wappenschildform gebrachte Illustrationen. So wird die ganze Familiengeschichte in Form eines "Stammbaumes" mit den Wappenschilden illustriert.

Exlibris von Lorenz Rheude:
Ein heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1931, entworfen von Lorenz M. Rheude (17.12.1863-1939) für Andrew Joseph Onderdonk, im Druck in der Mitte unten monogrammiert und datiert, die Jahreszahl durch die LR-Ligatur unterbrochen. Der Schild ist grün mit Hermelin-Schildhaupt, auf dem grün-silbern bewulsteten Helm mit ebensolchen Decken ein wie der Schild bez. offener Flug. Das Hauptfeld des Schildes ist hier mit Rankenwerk ohne Signifikanz damasziert. Vier kleine Schilde sind in den vier Ecken zu sehen, heraldisch rechts oben das Wappen der Vereinigten Staaten, unter einem blauen Schildhaupt mit 13 (7:6) silbernen Sternen in Rot sechs silberne Pfähle. Dazu sei angemerkt, daß heute zwar die Flagge sieben rote und sechs silberne Streifen hat, das Wappen jedoch korrekterweise sieben silberne und sechs rote Plätze hat. Sowohl durch die Anzahl der Sterne als auch durch die der Streifen werden die dreizehn Gründungsstaaten der USA symbolisiert. Links oben sehen wir in rotem Feld drei (2:1) aufgeschlagene Bücher, die mit schwarzen Lettern VE-RI-TAS (Wahrheit) belegt sind, das ist das Wappen der 1636 gegründeten Universität Harvard (Cambridge, Massachusetts). Andrew Joseph Onderdonk hatte in Harvard Rechtswissenschaft studiert und wurde Rechtsanwalt an der Wall Street und Experte für internationales Recht. Auf die juristische Tätigkeit verweist das Symbol aus Waage und Schwert zwischen Eignernamen und Künstlersignatur. Der Schild rechts unten ist mit einem Landschaftsgemälde (ich nenne es nur ungern ein Wappen) gefüllt, das die Maßgaben des heraldischen Stils so gröblich verletzt, daß dieses Stilleben mit Schiffen auf dem Meer vor einem Sonnenuntergang hinter Bergen klar der Neuen Welt zuzurechnen ist. So ein ähnliches "Wappen" führt San Francisco. Ein ganz ähnliches, unheraldisches Stilleben und Landschaftsgemälde führt übrigens auch der Staat Kalifornien. Der berühmteste Onderdonk war ein anderer Andrew, der als Ingenieur die pazifische Eisenbahn in Kanada und den Uferdamm in San Francisco baute. Die Familie Onderdonk ist holländischen Ursprungs, darauf verweist der letzte Schild, in der heraldisch linken unteren Ecke, denn dort steht das Wappen des Königreiches der Niederlande, wie es von König Wilhelm I. am 24.08.1815 anläßlich der Gründung des Königreichs (Proklamation vom 16.3.1815) eingeführt und zuletzt durch einen Erlaß vom 23.04.1980 aktuell formuliert wurde. Es zeigt im blauen, mit goldenen Schindeln bestreuten Feld einen goldenen Löwen, golden gekrönt, rot gezungt und bewehrt, in seiner rechten Pranke ein silbernes, schräglinks erhobenes Schwert mit goldenem Griff, in der linken Pranke ein Bündel von sieben silbernen Pfeilen mit goldenen Spitzen, mit einem goldenen Band umwunden. Wir erkennen das alte Stammwappen des Hauses Nassau wieder, das allerdings um einige Details erweitert ist: Krone des Löwen sowie Pfeile und Schwert der Republik der Vereinigten Niederlande aus dem 17. Jahrhundert. Erst waren es 17 Pfeile, die die Einheit der Provinzen widerspiegeln sollten. Danach wurde die Anzahl der Pfeile reduziert, weil sich 1579 die sieben nördlichen Provinzen in der Union von Utrecht zur Republik der Sieben Vereinigten Niederlande zusammenschlossen, während die südlichen Provinzen die Union von Arras bildeten. Mit der offiziellen Unabhängigkeit der Republik 1648 wurde die Zahl der Pfeile entsprechend von 17 auf 7 reduziert.

Exlibris von Lorenz Rheude:
Ein heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1913, entworfen von Lorenz M. Rheude (17.12.1863-1939) für Fritz Baumeister (100 x 61 mm, farbiger Buchdruck, Witte, Bibliographie 3, 15 f., Thieme-Becker 16; Gutenberg 38.056, im Druck monogrammiert und datiert). Das redende Wappen der Familie Baumeister, hier eine von mehreren zeichnerischen Varianten, zeigt in Blau ein silbernes Haus mit drei Fenstern und drei spitzen, golden bedachten Dreiecksgiebeln. Über dieses Wappen ist ein roter Schräglinksbalken zur Differenzierung gezogen. Auf dem blau-silbern bewulsteten Helm mit rechts blau-silbernen, links silbern-blauen Decken ein wachsender Baumeister in blau-silbern gespaltenem Gewande mit Kragen in verwechselten Farben und mit blauer, silbern gestulpter Mütze und goldenem Stechzirkel in der Rechten zwischen einem rechts silbernen, links blauen Paar Büffelhörner. Heraldisch links oben sieht man das Stadtwappen von München, in Silber ein Mönch mit goldgeränderter schwarzer Kutte und roten Schuhen, in der Linken ein rotes Buch haltend, die Rechte zum Schwur erhoben. Gegenüber sieht man in schwarz-silbern-blau geteiltem Schild auf einem grünen Berg einen silbernen Zinnenturm mit blauem Tor und ebensolchen Fenstern. Ein solches Wappen führt seit 1857 die Stadt Neu-Ulm, allerdings ohne den grünen Berg. Der Zinnenturm steht für die Festung, die die Stadt einst umgab. Schwarz und Silber sind die Farben der Nachbarstadt Ulm, und Blau und Silber sind die bayerischen Farben.

Exlibris von Lorenz Rheude:
Ein heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1925, entworfen von Lorenz M. Rheude (17.12.1863-1939) für Dr. Walter Vogel, im Druck in der Mitte unten monogrammiert und datiert, die Jahreszahl durch die LR-Ligatur unterbrochen (89 x 64 mm, Buchdruck, Witte, Bibliographie 3, 15f., Thieme-Becker 16, Gutenberg 38.244). Das Wappen ist nicht in den einschlägigen Sammlungen enthalten, die Tinkturen ergeben sich durch die Schraffur: Rot-silbern im Zinnenschnitt geteilt, auf der mittleren Zinne sitzend ein rechtsgekehrter Vogel (redendes Wappen!), auf dem rot-silbern bewulsteten Helm mit ebensolchen Decken ein offener, rot-silbern übereck im Zinnenschnitt geteilter Flug. Das Vollwappen wird von einem leicht gekielten Bogen gerahmt, auf dessen oberen Abschnitten jeweils ein weiterer Wappenschild aufgelegt ist. Heraldisch rechts: Unter einem roten, mit drei silbernen Schildchen balkenweise belegten Schildhaupt schwarz-silbern gespalten mit zwei Büchern in verwechselten Tinkturen, das ist das Wappen des Exlibris-Vereins zu Berlin, die hier nicht dargestellte Helmzier wäre ein wachsender, auffliegender Schwan (A. M. Hildebrandt hat das zum Vergleich dienende Exlibris für den Exlibris-Verein geschaffen). Der zweite Schild ist das Stadtwappen von Frankfurt an der Oder: In Silber auf grünem Berg ein goldbewehrter, roter Hahn im Dreipaßbogen eines von zwei roten, spitzbedachten Zinnentürmen beseiteten offenen, roten Torbaus stehend, über der Mauer schwebt ein silberner Schild mit rotem Adler, auf den goldenbeknauften Dächern der Seitentürme steht je ein abgewendeter, widersehender, goldener, auffliegender Vogel, der breitbedachte Mittelturm ist an den Ecken je mit einem goldenen Kreuz versehen. Das älteste erhaltene Siegel der Stadt aus dem Jahre 1294 zeigt bereits das Wappen in seiner heutigen Form.

Die Farben sehen wir bei einem anderen Aufriß dieses Familienwappens, ebenfalls aus der Feder von Lorenz M. Rheude (17.12.1863-1939), es handelt sich um eine dreifarbige Lithographie (schwarz-rot-silbern) nach einer Tuschezeichnung. Die Helmdecken sind anders gestaltet als im zuvor vorgestellten Exlibris. Im Oberwappen offenbart sich ein Unterschied dieses undatierten Aufrisses zum genannten Exlibris, dort ist der Flug jeweils im Zinnenschnitt geteilt, hier ist er gerade geteilt. Außer dem eingedruckten Künstlermonogramm enthält der Wappendruck keine weiteren Angaben.

Exlibris von Lorenz Rheude:
Ein heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1921, entworfen von Lorenz M. Rheude (17.12.1863-1939) für Franz Xaver Westinger aus Trudering (ein Stadtteil von München, heute Stadtbezirk 15 Trudering-Riem), im Druck rechts unten monogrammiert und datiert, die Jahreszahl durch die LR-Ligatur unterbrochen. Das Wappen ist nicht in den einschlägigen Sammlungen enthalten, die Tinkturen ergeben sich durch die Schraffur: Dreimal schwarz-golden geteilt, in den schwarzen Plätzen vier (2:2) goldene Kugeln (Scheiben), auf dem schwarz-golden bewulsteten Helm mit ebensolchen Decken eine goldene Lilie. Das Vollwappen steht frei über der verzierten Tafel mit der Eignerbezeichnung innerhalb eines Rundbogens. Diesem folgend ist der Rahmen mit Jugendstil-Ornamenten verziert, die oben jeweils in drei, dem Bogen folgend gelegte Getreidehalme mit Ähren auslaufen. Das Lilienmotiv der Helmzier wird in den vier Ecken des Exlibris aufgegriffen.

Exlibris von Lorenz Rheude:
Ein heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1919, entworfen von Lorenz M. Rheude (17.12.1863-1939) für Anton Rauh, im Druck rechts unten monogrammiert und links unten datiert. Das nach links gewendete Wappen zeigt in einem von zwei aufsteigenden Spitzen geteilten Schild drei (1:2) Schildchen, auf dem Helm ein wachsender Jungfrauenrumpf, das Gewand mit zwei Spitzen geteilt, auf dem offenen Haar ein Blütenkranz. Das Wappen ist nicht in den einschlägigen Sammlungen enthalten, die Tinkturen sind mir unbekannt, Hinweise willkommen. Anton Rauh (1891-1977) war selbst Künstler, und dieses Wappen ist eine Adaptation des allgemeinen Künstlerwappens mit seinen drei Schildchen. Dieser vielseitige Künstler, der Portraits, Landschaften, Stilleben, Genreszenen, Exlibris etc. malte und zeichnete, lebte in Bamberg, so ist zu vermuten, daß auch der um eine Spitze verminderte fränkische Rechen Pate für das Wappen gestanden hat. In München war er übrigens ebenfalls tätig. Weitere Hinweise auf die künstlerische Tätigkeit des Eigners sind die am Rahmen aus Rosenzweigen aufgehängte Palette linkerhand und die Pinsel rechterhand.

Exlibris von Lorenz Rheude:
Ein heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1923, entworfen von Lorenz M. Rheude (17.12.1863-1939) für Wilhelm Nahde. Das Wappen der ursprünglich in Braunschweig und dann in Bernburg ansässigen Familie Nahde wird im Siebmacher beschrieben, Band: Bg12 Seite: 67 Tafel: 91. Es zeigt in Blau einen silbernen Balken, von drei (2:1) silbernen Kleeblättern begleitet. Auf dem blau-silbern bewulsteten Helm mit ebensolchen Decken ein aufrechtes silbernes Kleeblatt zwischen einem offenen blauen Flug, der beiderseits mit einem silbernen Kleeblatt über einem ebensolchen Balken belegt ist. Interessanterweise findet sich in der Familie Nahde ebenfalls ein Bezug zum Entwurf von Wappen: Julius Gotthelf Heinrich Nahde, geb. 21.8.1835 in Magdeburg, gest. 11.1.1907 in Berlin, war königlich-preußischer Wappenmaler und namentlich für das Heroldsamt tätig. Er war der älteste Sohn von Heinrich Wilhelm Christian Nahde, geb. 11.4.1797 in Bernburg, gest. 1852/53, und Agnes Lüdecke. Ein weiteres Familienmitglied, von dem Nachkommen in Leipzig, Köthen, Zerbst und Apolda lebten, war Johann Bernhard Nahde, geb. 14.7.1770 in Bernburg, gest. 12.6.1843 in Grenz bei Köthen, Sohn von Johann Christian Hermann Nahde (1765-1804) und Johanne Louise Dorothea Brückner, Enkel von Johann Heinrich Nahde (-1803) und Elisabeth Auguste Kohl. In den vier Ecken des Exlibris befinden sich vier einwärts geneigte Wappenschilde. Heraldisch rechts oben ist eine Stadtmauer mit offenem Tor und zwei Türmen zu sehen, zwischen denen eine Jungfrau einen Lorbeerkranz emporhält, das ist das Stadtwappen von Magdeburg, das heute so blasoniert wird: In Silber eine gezinnte, rote, schwarz gefugte Burg mit zwei spitzbedachten Türmen, geöffnetem goldenen Tor und hochgezogenem schwarzen Fallgatter; zwischen den Türmen wachsend eine grün gekleidete Jungfrau, in der erhobenen Rechten einen grünen Lorbeerkranz emporhaltend. Wilhelm Nahde stammte aus Magdeburg. Heraldisch links oben sieht man das Stadtwappen von München, in Silber ein Mönch mit goldgeränderter schwarzer Kutte und roten Schuhen, in der Linken ein rotes Buch haltend, die Rechte zum Schwur erhoben. Wilhelm Nahde war wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Bayerischen Staatsbibliothek München. Unten rechts ist das Wappen Sachsens, von Gold und Schwarz neunmal geteilt, darüber ein grüner schrägrechter Rautenkranz, hier gewendet. Unten links schließlich ist ein Wappen der Vereinigten Staaten zu sehen, unter einem blauen Schildhaupt mit 13 (7:6) silbernen Sternen (für die dreizehn Gründungsstaaten der USA) in Rot sechs silberne Pfähle (auch hier ergibt sich die Zahl 13, wobei aber zu differenzieren ist: Der Schild hat korrekterweise sieben silberne und sechs rote Plätze, im Gegensatz zur Flagge der USA, die sieben rote und sechs silberne Streifen hat. Rheude hat hier die äußeren Zonen als rot schraffiert, was streng genommen nicht für den Schild zutrifft). Wilhelm Nahde hatte einen engen Bezug zu den USA, er hat mehrere Aufsätze zur amerikanischen Literatur und Erzählungen über das amerikanische Leben veröffentlicht. Das Kleeblatt-Motiv findet sich überall im Exlibris wieder, auf dem Rahmen in Form eines Dreipasses, die Ecken sind zu einem Kleeblatt ausgezogen, selbst am Brustlatz des Helmes sieht man ein Kleeblatt zum Schmuck.

Literatur, Quellen und Links:
Elke Schutt-Kehm, Exlibris-Katalog des Gutenberg-Museums, 2. Teil, Band 1: A-K, 720 Seiten, 1685 Abb., Verlag Claus Wittal, Wiesbaden, 1998, ISBN 978-3-922 835-31-8.
Elke Schutt-Kehm, Exlibris-Katalog des Gutenberg-Museums, 2. Teil, Band 2: L-Z, 736 Seiten, 1795 Abb., Verlag Claus Wittal, Wiesbaden, 1998, ISBN 978-3-922 835-32-5
Claus Wittal, Eignerverzeichnis zum Exlibris-Katalog des Gutenberg-Museums, Verlag Claus Wittal, 2003, 336 Seiten, 595 Abb., ISBN 978-3-922 835-33-2
Siebmachers Wappenbücher
Deutsche Wappenrolle DWR Band: XII Seite: 92 Nummer: 5542/57
Aichinger-Exlibris: Wappensammler, Band 7, Roland, Verein zur Förderung der Stammkunde, Dresden
http://books.google.de/books?id=yd0SAAAAYAAJ (nur mit US-Adresse)

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