Bernhard Peter
Heraldik: Quellen, Literatur und Links

Rezensionen:

Heinrich Hussmann: Über deutsche Wappenkunst: Aufzeichnungen aus meinen Vorlesungen
Guido Pressler Verlag, Wiesbaden 1972

Zu diesem Buch habe ich eine enge persönliche Beziehung: Es war das erste Buch, das ich vor vielen Jahren, damals als Schüler, in die Hände bekam. Und es war etwas, das mich sofort ansprach: Ein didaktisches Tafelwerk, in dem die Information sorgfältig auf das Nötigste reduziert war, auf das Wichtige, auf das Wesentliche, fast eine Art Repetitorium oder Katechismus, in dem das edle Ursprüngliche in der Wappenkunst vom Verfall deutlich unterschieden und getrennt wird. Es war einfach, fast schlicht in Aufbau und Inhalt, aber gerade das macht es zu einem Werk, an das sich der Anfänger klammert. Erst viel später hat man den nötigen Hintergrund, um komplexen Phänomenen auf den Grund zu gehen, zu lernen, daß nicht alles schwarz oder weiß ist, daß auch die Zwischentöne ihre Berechtigung haben und gerade diese sogar interessant sind für Entwicklung und stilgeschichtliche Tendenzen. Und man wird als Fortgeschrittener auch reichlich Gelegenheit haben, sich die Haare darüber zu raufen, daß eben nicht alles so schön einfach ist wie in diesem Buch. Für den aber, der in die Heraldik einsteigt, ist ein Leitfaden wichtig, ein Buch, das den Leser durch das Dickicht der Meinungen und Ansichten und widersprechenden Quellen sicher führt: Hier ist es, von einer didaktischen Reinheit und Kompromißlosigkeit wie die Wappenfibel, Richtig und Falsch offen beim Namen nennend. Dem entspricht der Aufbau des 133 Seiten starken Werkes mit Tafeln in Reduzierung auf drei Farben unter Hervorhebung des Wichtigen. Und demjenigen, der sein erstes Wappen im Leben zeichnet, gibt der Band vielfältige Gestaltungshilfen und schafft Verständnis für Funktion, Proportion und richtige Wiedergabe der Einzelbestandteile. Und das Buch warnt vor Fallstricken mit plakativen Darstellungen von darstellerischen Fehlern. Einige Auffassungen des Autors mögen vom erfahrenen Leser durchaus abweichend beurteilt werden, doch das ist nicht der Punkt: Dieses Buch, als erweiterte Version basierend auf einem 1942 im Insel-Verlag erschienenen gleichnamigen Band, ist kein vertiefendes wissenschaftliches Werk der Wappenkunde, sondern es soll die Grundlagen schaffen für das Verständnis der Wappenkunst und Mut machen zu eigenen Wiedergaben. Es mag durchaus plakativ sein, aber genau das ist die Absicht, denn es ist entstanden aus Unterlagen von Heinrich Hussmanns Vorlesungen zum Thema, und es möchte sensibilisieren für Stil und Ästhetik der Heraldik und ermuntern, in diese Welt einzusteigen. Und es ist ein subjektives Buch, das deutlich Partei ergreift für die Schönheit der ursprünglichen Heraldik zu ihrer Blütezeit und Verfallsphänomene beim Namen nennt. Gerade wegen seines plakativen Charakters ist das Buch geeignet, dem Einsteiger, der leicht vor der Vielfalt der Regeln und Meinungen zurückschreckt, nicht nur eine leitende Richtschnur zu geben, sondern Begeisterung für die Heroldskunst zu vermitteln. Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Dieses Buch ist geeignet, die Herzen für die Heraldik zu gewinnen und dem Leser das Gefühl zu vermitteln, daß auch er diese Hilfswissenschaft verstehen kann.

Eckart Henning, Repetitorium Heraldicum - 150 Fragen & Antworten zur Wappenkunde.
BibSpider, Berlin 2010, 110 S., ISBN: 978-3-936960-43-3

Repetitorium, Frage und Antwort, wer erinnert sich da nicht an Pauken und Prüfungen. An Karteikarten oder an in der Mitte gefaltete Blätter mit verdeckter Antwort. Ja, das Buch folgt dem assoziierten Bild: Auf der Vorderseite eines jeden Blattes (insgesamt 41) sind die Fragen, insgesamt 150 Stück, auf der Rückseite beispielhafte Antworten. Und dieses Buch ist ein sehr sinnvolles Hilfsmittel für die, die ihr Wissen vor einer Prüfung in den Hilfswissenschaften überprüfen wollen. Dieses Bändchen ist damit ausdrücklich kein Lehrbuch, ohne das es nicht auskommt, sondern es fragt ab. Aber es ist mehr. Denn während man Fließtext auch einfach "konsumieren" kann, wird man hier auf jeder Seite erneut dazu angehalten, den aus anderen Quellen angelesenen Stoff zu reproduzieren, reorganisieren, innezuhalten und zu reflektieren. Und genau das kann auch dem nicht schaden, der meint, alle wichtigen heraldischen Werke gelesen zu haben, irgendwas hat jeder übersehen oder vergessen. Denn jede Frage stellt uns auf die Probe, exponiert uns vor uns selber, zwingt uns, eine Meinung zu bilden und sie mit der Musterantwort zu vergleichen. Und auch der fortgeschrittene Hilfswissenschaftler findet durchaus noch Fragen, die er sich selbst vorher noch nie so gestellt hat. Deshalb unterschätze man das Bändchen nicht - es ist eine Anleitung zur Reflexion des aus anderen Quellen angelesenen Wissens. Und dazu ist der Autor, Honorarprofessor für Archivwissenschaft und Historische Hilfswissenschaften der Neuzeit am Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität Berlin, ehem. Archivar am Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz und Direktor des Archivs zur Geschichte der Max-Planck-Gesellschaft in Dahlem, durch seine eigene Lehrtätigkeit und Erfahrung als Prüfer bestens qualifiziert. In ganz analoger Aufmachung existiert vom gleichen Autor übrigens der "HiWi-Test" rund um die historischen Hilfswissenschaften. Nacheinander werden die Themen Allgemeines, Angewandte Heraldik, Blasonierung, Familienheraldik, Geschichte, Gestaltung, Helm/Helmzier/Helmdecken, Heroldsbilder und gemeine Figuren, Irrlehren (ein besonders lobenswertes Kapitel, das mit vielen hartnäckig sich haltenden Vorurteilen aufräumt), Literatur, Prachtstücke, Quellen, Rang- und Würdezeichen, Recht, Schild und Schildteilungen, Staats-, Länder- und Kommunalwappen, Stilentwicklung, Tinkturen, Vereinswesen und Wappenbriefe behandelt. Welchen Mehrwert man sich von einer alphabetischen und nicht von einer inhaltlich aufeinander abgestimmten Reihenfolge der Kapitel verspricht, erschließt sich mir nicht, sagen wir einfach, in manch einer mündlichen Prüfung geht es eben auch sprunghaft zu. Wichtige Themen werden zwar etwas allzu kurz abgehandelt, so etwa die Blasonierung mit insgesamt nur 9 Fragen, oder die Heroldsbilder und gemeinen Figuren mit zusammen 5 Fragen sind auch etwas arg dünn repräsentiert, damit ist das Buch keine Paukhilfe, sondern eine Selbsteinschätzungshilfe, die die Gebiete streift und mal hier, mal dort das Prüfmaß anlegt und dabei auf akkumulatives Wissen verzichtet und lieber qualitatives Wissen abfragt. Platz wäre auf einigen Seiten eigentlich reichlich für noch mehr Fragen, ohne daß die Druckkosten höher würden. Natürlich wird man die Musterantworten beim Abgleich mit der eigenen Lösung oft mit einem "Ja, aber...." bedenken, und genau das ist der eigentliche Zweck: Reflexion, Diskussion, in Frage stellen, es ist eine Anleitung zum Nachdenken. Entsprechend diesem Nutzzweck ist die graphische Ausstattung dünn, im eigenen Text gibt es gerade einmal zwei simple Skizzen, und die wenigen Bildtafeln sind zum Großteil unveränderte Übernahmen aus der Wappenfibel (19. Aufl.), Tafel 1 hier entspricht S. 22 dort, Tafel 2 hier ist S. 108 dort, Tafel 3 hier ist S. 81 dort, Tafel 4 hier entspricht S. 87 dort, Tafel 5 gibt es in der Wappenfibel immerhin in Farbe auf S. 55, Tafel 8 hier ist S. 90 dort, Tafel 9 hier ist S. 49 dort, Tafel 10 hier enthält die Ritt-Zeichnungen von S. 178 dort, Tafel 11 hier ist identisch mit S. 107 dort, das Vorsatzblatt hier ist identisch mit S. 13 dort, das ist redundant und lästig, denn eigentlich sollte man zuerst die Wappenfibel lesen, ehe man sich abfragt, denn ohne vorbereitende Lektüre oder sonstige fachliche Beschäftigung mit der Thematik macht das Buch keinen Sinn, und um von Null anzufangen, ist die Wappenfibel nun mal ein bestens geeignetes Werk. Besser hätte man statt dessen die Frage-Kapitel weiter ausgebaut. Eine sehr gute Tat ist hinten der Abdruck der sog. "Berliner Erklärung" über heraldische Gestaltungsgrundsätze, es ist gut und richtig und vor allem nötig, dem Interessierten diese grundsätzlichen Merkmale heraldischen Stils mit auf den Weg zu geben. Fazit: Ein dünnes, modernes, gutes, kompaktes Repetitorium mit fachlich korrektem Inhalt, von dem man sich wünscht, daß es in Zukunft weiter ausgebaut wird, mehr Themen, mehr Fragen, mehr Aufgaben enthalten würde, und ganz vielleicht irgendwann zu einem neuen "Katechismus der Heraldik" in Frage-Antwort-Form werden könnte.

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