Bernhard Peter
Heraldik durch die Jahrhunderte: Wappenstile

Wappenformen und Variabilität:

Stilformen und Geschichte der Entwicklungen:

Vorheraldische Frühzeit: Glockenhelme oder Topfhelme, ohne Helmdecken, Bemalung als Kennzeichen, keine Wappen im heutigen Sinne

Frühgotisch, ca. 13. Jh: Schild rundspitz bzw. Dreiecksschild, Topfhelm oder Kübelhelm separat daneben oder auf dem Schild sitzend, erste plastische Figuren auf dem Helm. Schildbilder von plakativer Einfachheit mit hervorragender Fernwirkung prägen das Bild. Die ersten Formen einer Helmdecke kommen auf: Die Helme wurden mit einem Kopf- und Nackenschutz (Temperatur unter dem Helm bei Sonne!) aus Stoff überzogen bzw. geschmückt. Dieser reichte aber nur bis zur unteren Helmkante. Proportionen Schild : Helm : Helmzier = 2 : 1 : 1.

Frühgotisch, ca. Anfang 14. Jh: Schild rundspitz, Topfhelm auf dem Schild sitzend, mit der Verlängerung des Nackenschutzes entstehen kurze Helmdecken, keine Helmkrone, Farben nur "Metalle" und "Farben". Proportionen Schild : Helm : Helmzier = 3 : 2 : 3.

Hochgotisch, ca. Mitte 14. Jh.: Schild an den Seiten gerade und unten spitz, Stechhelm, kurze Helmdecke oder ein flatterndes Tuch, vereinzelt Helmkronen, als Farben: "Metalle", "Farben", vereinzelt "Pelzwerk", Proportionen Schild : Helm : Helmzier = 3 : 2,5 : 2. Das Oberwappen wird zunehmend größer dargestellt.

Hochgotisch, ca. Ende 14. Jh: Schilde rund oder spitz, Helmdecken länger und gezaddelt, bandförmig oder als gerafftes und flatterndes Tuch dargestellt. Die Helmdecken wurden ein- und zweiseitig ausgeführt und zeigten nach den Regeln innen Metall und außen Farbe. Entwicklung des Stechhelmes. Proportionen Schild : Helm : Helmzier : Helmdecke = 3 : 2 : 3 : 2. Dies sind die Proportionen, die bei einer heutigen Darstellung gewählt werden sollten. Die Wappen des Uradels tragen von nun an oft eine Helmkrone.

Spätgotisch, ca. Mitte 15. Jh: Dreieckschild verschwindet. Rundschilde ersetzen diese. Aufkommen des Tartschenschildes (mit Aussparung für Lanze), Stechhelm oder Bügelhelm, Helmdecken werden üppiger und zeigen stilisierte florale Formen. Proportionen Schild : Helm : Helmzier : Helmdecke = 3 : 2 : 3 : 2-3.

Spätgotisch, ca. Ende 15. Jh.: häufige Verwendung des Bügelhelmes, Stechhelm für Bürgerliche. Proportionen Schild : Helm : Helmzier : Helmdecke = 3 : 2 : 3 : 3-4.

Frührenaissance, ca. Anfang 16. Jh.: Helmdecken werden prächtiger und überwuchern die Wappen als ornamentales Füllwerk. Leere Schildflächen werden häufig damasziert und ornamentiert. Schilde werden symmetrisch. Proportionen Schild : Helm : Helmzier : Helmdecke = 5 : 3 : 4 : 4-5. Typische Darstellungsweise in der "Briefheraldik"

Renaissance-Wappen, ca. Mitte 16. Jh.: Schildformen weichen von der klassischen Form ab, erstes Auftreten von Kartuschenformen mit eingerollten Schildrändern. Damaszierungen sind ein beliebtes Spielfeld für die Kupferstecher. Opulente Darstellungen mit Liebe zur Prunkentfaltung. Die Helmdecken werden noch üppiger, gleichen schon fast perückenartigen Frisuren. Wildbewegte und üppige Ausdrucksformen. Helm: Sehr gerne wird der Spangenhelm benutzt. Proportionen Schild : Helm : Helmzier : Helmdecke = 5 : 4 : 6 : 4-5. Das Oberwappen, insbesondere die Helmzier, wird immer größer.

Spätrenaissance: Ende 16., Anfang 17. Jh.: Der heraldische Stil geht immer mehr verloren. Naturalismus, Aufnahme von Fremdkörpern, Formengut der Antike, Akanthus-Ornamenten und allegorischen Bildmotiven führt zum Verfall. Die Helmproportionen werden schlecht. Helmzierden und Schildformen werden immer bizarrer und verschnörkelter und detaillierter. Verlust an Erkennbarkeit und Aussagekraft. Besondere Bedeutung erlangen die Nebenbestandteile (Wappenzelte, Schildhalter, Wappenmäntel etc.).

Barock-Wappen: Mitte 17. Jh. verdrängten unheraldische Ornamente im Zeitstil am Schildrand Helm, Helmzier und Helmdecke. Die Beziehung zur heraldischen Formensprache ist erloschen. Allgemeine Verwendung von symmetrisch angeordneten Kartuschenelementen mit reich reliefiertem Rahmen. Barock und Rokoko standen der klassischen Heraldik verständnislos gegenüber. Oberwappen schrumpft. Die Helmdecken weichen Rollwerk. Ovale Kartuschen ersetzen den Schild. Proportionen Schild : Helm : Helmzier : Helmdecke = 5 : 2 : 3 : 3-4. Verwendung von Rangkronen ohne Helm. Erfindung neuer Pracht- und Nebenstücke, z. B. Kriegstrophäen oder Waffendekorationen.

Rokoko-Wappen, Mitte 18. Jh.: Die Kartuschen werden zunehmend detailliert, verspielt und asymmetrisch, reiche Ausstattung mit bizarrem Ornamentwerk.  Proportionen Schild : Helm : Helmzier = 4 : 1,5 : 2,5. Das Oberwappen schrumpft weiter. Insbesondere der Helm wird unheraldisch mickrig. Schilde mit allen Stilmerkmalen vereinigen sich schlecht mit Helm und Helmzier, deshalb ersetzte man diese meist durch eine heraldische Krone, auch auf Wappen, wo sie nicht erscheinen dürfte. Viel dekoratives Beiwerk.

Empire-Wappen, ca. Anfang 19. Jh.: Ende der Wappenstilformen, unheraldisches Beiwerk, Verlust klassischer Formen und Bedeutungen. Rechteckige Schilde mit kleiner Spitze unten. Blumengirlanden und Lorbeerranken. Proportionen unharmonisch. Proportionen Schild : Helm : Helmzier : Laubgirlanden = 5 : 2 : 3 : 3-5.  Rangabzeichen, Ordensdekorationen und unheraldische Embleme nehmen überhand. Machwerke aus dieser Zeit sind als Vorlagen unbrauchbar. Im Empire-Stil entwickelte sich die napolenische Heraldik.

Romantik und Historismus, Mitte 19. Jh.: Völlige Verfallszeit. In dieser Zeit entworfene Wappen sind sehr häufig historisierender Schrott, pomphaft überladen und heraldisch nicht ernst zu nehmen. Diese Zeit ist leider zugleich die Blütezeit der Wappenfälscher. Leider werden Darstellungen aus dieser Zeit von vielen Familien weiter gepflegt. Auch wenn ein Wappen im 19. Jahrhundert verliehen wurde - es besteht keinerlei Verpflichtung, die häufig den Geschmack des Heraldikers beleidigende äußere Form zu wahren. Es ist absolut zulässig und wünschenswert, heute die Darstellung im klassischen Stil (Gotik) zu wählen. Es ist keine Lüge, ein junges Wappen graphisch "rückzudatieren", nein, es handelt sich hier um eine Stilfrage, und es schadet auch Besitzern junger Wappen nicht, durch eine klassische Darstellung ihrer Kenntnis der Regeln Ausdruck zu verleihen.

Historismus und Jugendstil, Ende 19./Anfang 20. Jh.: Parallel zum völligen Niedergang setzt eine Entwicklung ein, die namhafte Künstler und Heraldiker wieder zur Rückbesinnung auf Gestaltungsprinzipien der Gotik und Renaissance bringt. Es werden sowohl klassische Gestaltungsweisen kopiert als auch weiterentwickelt. Bedeutende Werke wurden vor allem von Künstlern wie Hupp, Hildebrandt etc. geschaffen. Zeittypisch halten im Jugendstil Formen desselben Einzug, was sich besondern in den ansonsten tadellosen Arbeiten von Krahl wiederspiegelt.

Heute: Im 20. Jh. beobachten wir eine gewisse Versachlichung des Stils. In der ersten Hälfte des 20. Jh. wurden verschiedene künstlerische Sackgassen ausprobiert, wie die Einführung eines Stahlhelmes anstatt der mittelalterlichen Helme, die Individualisierung des Helmkleinods oder die moderne Nüchternheit, was sich alles weder bewährt noch durchgesetzt hat. Als angemessene Darstellung gilt heute eine Form im Sinne der Hochblüte der Heraldik, d. h. ein Stil des 14./15. Jh. Proportionen Schild : Helm : Helmzier = 3 : 2 : 3. Der optische Schwerpunkt des Aufrisses sollte in etwa in der Helmmitte liegen. Die Wappendarstellung ist übrigens grundsätzlich nur an die Blasonierung und nicht an den zur Entstehungszeit gültigen Stil gebunden. Man kann also auch in einem anderen Stil aufreißen, wenn man es wünscht. Es sollte jedoch stets der heraldische Stil sein (siehe dort).

Ein Beispiel aus der deutschen Hochgotik
Als Beispiel dient das Grabdenkmal des Grafen Heinrich IV. von Solms (gest. 1314) in der Klosterkirche des Klosters Altenberg an der Lahn.

Diese Grabfigur befindet sich in einer Nische des nördlichen Querhauses. Ursprünglich handelt es sich um eine Liegefigur auf einer Tumba, die man nachträglich abgearbeitet und sekundär in senkrechter Stellung angebracht hat. Das Tumbagrab ist typisch für diese Zeit. Die Rechte berührt das Halteband des Umhangs, die Linke ruht auf einem länglichen, gotischen Dreiecksschild mit einer exquisiten plastischen Löwendarstellung. Der Schild ist relativ stark konvex um seine Vertikalachse gebogen, überhaupt nicht hingegen um die Horizontalachse. Er ist wesentlich länger als breit und läuft kontinuierlich spitz zu. Seine drei Ränder sind stetig ohne Aus- oder Einbuchtungen. Der obere Rand ist gerade abgeschnitten.

Hier begegnet uns das Solmser Wappen in einer seiner frühesten Formen: Das Stammwappen der Grafen von Solms zeigt in Gold einen blauen Löwen, von blauen Schindeln begleitet. Das Wappen ist ohne Oberwappen dargestellt. Heinrich IV von Solms-Burgsolms (gest. 1314) war der Sohn von Marquard II. Graf v. Solms-Burgsolms und Agnes v. Sponheim. Er war mit Lisa v. Virneburg verheiratet. Seine Kinder waren Johannes I. Graf v. Solms-Burg-Solms, Dietrich I. v. Solms, Adelheid v. Solms, Benetzetlin v. Solms, Agnes v. Solms, Aleydis v. Solms und Katharina v. Solms.

(Verwendung der Innenaufnahme mit freundlicher Erlaubnis vom Königsberger Diakonissen Mutterhaus, Kloster Altenberg / Königsberger Diakonie, Wetzlar - ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle)

Ein Beispiel aus der süddeutschen Spätgotik
Dies ist ein gelungenes Beispiel aus der Spätgotik. Der Dreieckschild ist verschwunden. Eine Tartsche wird verwendet, die aber nur auf der einen Seite eine Aussparung für die Lanze hat und einem tatsächlich verwendeten Turnierschild gleicht. Beim Turnier wurde die Lanze in diese eingelegt; der zweite Auflagepunkt war der Rüsthaken, an der rechten Körperseite der Rüstung angebracht. So konnte man besser zielen und zugleich ein Widerlager beim Aufprall haben. Der Stechhelm mit seiner breiten "Schnute" wird typisch. Die Helmdecken werden üppiger gezaddelt, ohne überladen zu wirken, und zeigen stilisierte florale Formen. Die Proportionen Schild : Helm : Helmzier : Helmdecke = 3 : 2 : 3 : 2-3. Insgesamt ist das Wappen vertikal gestreckt, nicht nur durch die räumliche Vorgabe der Platte, sondern auch die nach oben neben die Helmzier und nach unten neben den Schild übergreifenden Helmdecken.

Diese Platte befindet sich auf der Nordseite von St. Michael in Schwäbisch Hall an einem Strebepfeiler beim nördlichen Chorportal und erinnert an Konrad Treutwein, gestorben am 2.9.1438.

Der Stein wird fast vollständig vom Wappen Treutwein/Trautwein unter einem flachen Eselsrückenbogen eingenommen, das die Fläche in sehr guten, heute als ideal empfundenen Proportionen füllt. Der Stein ist sehr gut erhalten und ein herausragendes Denkmal, wegen der Plastizität der vorbildlich gestalteten Helmdecken, der fein herausgearbeiteten Gesichtszüge und wegen der guten Proportionen, die genau dem entsprechen, was heute als richtungsweisend und vorbildlich anerkannt ist.

Das Wappen Treutwein/Trautwein zeigt im Schild in Rot einen Kopf und Schultern eines silbern bekleideten, bärtigen Juden mit silbernem Spitzhut, von dem eine Schnur auf die Brust herabhängt, unten mit einer durch einen Knauf befestigten Schlinge. Vgl. Siebmacher WüA, Seite 70, Tafel 43. Helmzier wachsend der silberne Judenrumpf aus dem Schild. Helmdecken rot-silbern. Im Rumohrschen Wappenbuch sind die Schnüre auf dem Hut rot dargestellt.

Ein Beispiel aus der deutschen Renaissance
Dieses Wappen ist das der Familie Ebner und befindet sich an der Adler-Apotheke in Regensburg und stammt von 1590. Es zeigt (Siebmacher, Bürgerliche 2, Seite 2, Tafel 2) in Gold einen blauen Schrägbalken, belegt mit drei sechsstrahligen goldenen Sternen. Die Helmzier ist ein wachsender Männerrumpf in golden-blau gespaltener Gewandung mit gespreizten blauen und goldenen Adlerflügeln statt der Arme, Schnurrbart und blau-goldener Stirnbinde bzw. turbanartigem Kopfputz, belegt mit drei goldenen Sternen und versehen mit abflatternden Bändern. Helmdecken blau-golden.

So schön kann ein Wappen der Renaissance sein! Zuerst fällt die sorgfältige Arbeit auf. Jedes Detail ist klar gearbeitet und akzentuiert, jede einzelne Linie hat Sinn und Berechtigung. Mit großer Liebe zum Detail werden die Einzelteile herausgearbeitet, die Plastizität ist atemberaubend. Die Lust am Gestalten bezieht sich vor allem auf das Oberwappen, wo die Erwartungen und Maße beispielsweise für die Helmdecke schnell zu klein werden. Insgesamt spiegeln die Proportionen aber das wieder, was wir als klassisch empfiinden; die Gesamtkomposition ist ausgewogen. Die Helmdecken sind üppig, wild bewegt und beim näheren Hinsehen sogar im oberen Bereich asymmetrisch. Der Helm entspricht den Helmtypen, die aus der Zeit auch real überliefert sind. Der Schild ist eine Kartuschenform, er hat die klassische Tartsche als Ausgangspunkt, ist symmtrisch geworden mit Aussparung an beiden Seiten, hat aber noch nicht die Entwicklung zur vollen Renaissance-Kartusche mit eingerollten Enden durchlaufen. Der Mittelgrat der Tartsche ist noch zu sehen.

Ein Beispiel im britischen Jacobean Style
Aus der zweiten Hälfte des 18. Jh. stammt dieses Exlibris im Jacobean Style für Sir John Hussey Delaval (17.3.1728-17.5.1808), den ersten und letzten Lord Delaval. Auf einem Sockel mit drei konkav eingezogenen Seiten lehnen zwei ovale Schildkartuschen seines Allianzwappens mit Susannah Robinson gegeneinander, umrahmt von floralem Rankenwerk, das unter einer Löwenmaske im unteren Zwickel zwischen den Kartuschen entspringt. Auf Bändern, die am Sockel seitlich durch Ringe gezogen sind, steht die Devise: DIEU ME CONDUISE - Gott leite mich. Hinter den beiden Schilden ist die Tragekonstruktion zu einem Postament verjüngt, auf dem die Helmzier ruht; darüber ist eine Eichenlaubgirlande aufgehängt und füllt die oberen Zwickel des Blattes. John Hussey Delaval war der Sohn von Captain Francis Blake Delaval (27.12.1692-9.12.1752) und Rhoda Apreece, of Washingley, der Tochter von Robert Apreece und Sarah Hussey und damit die Enkelin und Erbin von Sir Thomas Hussey, 2nd Baronet, of Doddington. John wurde am 1.7.1761 zum Baronet erhoben und am 17.10.1783 zum Baron Delaval, of Redford, County Wicklow. Letzterer war zunächst ein unter der Koalitionsregierung neu geschaffener Titel in der irischen Peerage, am 21.8.1786 wurde es nach einem politischen Seitenwechsel unter Pitt auch ein Titel in der Peerage Großbritanniens, als Baron Delaval, of Seaton Delaval. Am 9.8.1759 folgte John Delaval seiner Mutter auf dem Landsitz der Hussey in Doddington als Besitzer nach, und er nahm den Namen Hussey zusätzlich an.

 

Auf diesem Blatt wird John Hussey Delaval noch als Baronet bezeichnet, ferner ist im ersten Feld das Schildchen mit der Hand als Zeichen eines Baronets zu sehen. Es muß also nach der Hochzeit 1750, nach der Annahme des Namens Hussey 1759, nach der Erhebung zum Baronet 1761 und vor 1771, als sein älterer Bruder starb und John Familienchef wurde (also das Cadency Mark nicht mehr nötig war), und sowieso vor 1783 entstanden sein, als er Baron wurde und seine Frau verstarb.

Ein Beispiel aus dem süddeutschen Rokoko
Hier ein typisches Rokoko-Wappen aus der Fassade der Wallfahrtskirche Birnau am Bodensee (erbaut 1747-1750 unter Abt Anselm Schwab). Das, was mal ein Schild war, ist vollkommen verschwunden. Helme und Helmdecken sucht man auch vergeblich. Dafür reichlich asymmetrisches Rahmenwerk und bizarres Ornamentwerk, ganz obendrauf ein zur Seite geneigter Putto mit Bischofsmütze, daneben ein Abtsstab. Eigentlich hat das zeittypische dekorative Beiwerk so überhand genommen, daß der Schild mit seinem Inhalt zur Nebensache wird, auch wenn er durch Vergoldung hervorgehoben ist. Totalvergoldung übrigens, heraldische Farbgebung ist nicht mehr gefragt und auch unwichtig geworden. Die Schildfläche ist unförmig vorgewölbt und beugt sich der Auflösung der Formen und Flächen in bewegte Konturen und Profile, dem Gesetz von Bewegung und Gegenbewegung. Die Details des Schildbildes sind relativ schwach durchkonturiert. Das Wappen ist zum Ornament geworden, Teil des architektonisch-dekorativen Gesamtkonzeptes.

Ein Beispiel aus der deutschen "Verfallszeit"
Hier sprechen wir nicht mehr von einem Stil, sondern nur noch von Unvermögen. Dieses Wappen stammt von einem Grabstein vor der ehemaligen Klosterkirche Corvey bei Höxter in Westfalen. Der Stein datiert von 1711 und ist für "Domicella Angela Dorot(h)ea von und zu (de et in) Amelunxen", die am 16.2.1711 im Alter von 47 Jahren verstarb. Die Darstellung ist ein Musterbeispiel dafür, wie die heraldische Kunst darniederlag: Der Schild hat von der Form her mehr Ähnlichkeit mit einem Messing-Türschild als mit einem spätmittelalterlichen Schild, die Aussparungen an den Seiten sind der schwache Abglanz einer einzelnen asymmetrischen Ausbuchtung auf der rechten oberen Seitenkante, wo einst die Lanze beim Stechen eingelegt wurde. Die Proportionen stimmen nicht, die Krone ist überdimensioniert, der Helm besteht nur aus Sehspalten (wo kommen Nase und Kinn des Trägers hin?), die Helmzier ist zu niedrig, die Helmdecke einfallslos. Kenntnisse über die Wurzeln dessen, was abgebildet wird, sind offensichtlich nicht mehr vorhanden. Ganz abgesehen von der lieblosen, verwaschenen Formgebung, die nicht im mindesten etwas darstellt, das Stil zu nennen sich lohnen würde.

Doch das Allerschlimmste ist das Schildbild: Das Wappen von Amelunxen zeigt in Wirklichkeit in Rot zwei Pfähle von silbern-blauem pfahlförmigen Eisenhutfeh. Doch hier können wir sehen, was der Unverstand einer späteren Zeit daraus gemacht hat! Hier finden sich zwei Stapel von "Stahlhelmen"! Schlimmer kann man gar nicht illustrieren, was in der heraldischen Verfallszeit geschah: Eisenhutfeh sind stilisierte Felle des Eichhörnchens, eine Sorte von Pelzwerk, die in ihrer charakteristischen Form stilisiert wurden und in der Zeit, als man kein reales Fell mehr auf dem Schild anbrachte, zur heraldischen Graphik wurden und aufgrund ihrer Form, die Eisenhüten jener Zeit ähnelte, so genannt wurde. Und hier zu Beginn des 18. Jh. hatte man komplett vergessen, was das einmal war - und die ganze Ignoranz eines dekadenten Zeitalters schlägt zu und bildet Stahlhelme ab! Wie gut, daß der Name druntersteht, sonst hätte man es nicht erkannt.

Ein Beispiel im britischen Chippendale Style
Dieses undatierte, aus dem 18. Jh. stammende Exlibris im Chippendale-Stil von nicht identifiziertem Künstler zeigt das Wappen von William Abbot (1733-1826), Fellow of St. John's College in Cambridge. William Abbot war der Sohn von William Abbot, Master Mariner, und stammte aus Ramsgate. Er machte 1757 seinen Magister Artium. 1759 wurde er Moderator. Er war an St. John's College 1761-1767 ein berühmter Tutor für Mathematik, der zuvor bereits 1754 Senior Wrangler geworden war, also der beste Mathematiker unter den Studenten. 1764 machte er seinen Baccalaureus Divinitatis. Das Wappen zeigt in Rot einen goldenen Sparren zwischen drei (2:1) ebensolchen Birnen (engl.: Gules a chevron between three pears Or). Die Helmzier ist auf einen zu einem Postament ausgezogenen, asymmetrischen Fortsatz der Kartusche gesetzt worden, man sieht auf einem Wulst eine goldene Krone, aus der ein ebensolcher Einhornkopf hervorkommt zwischen zwei silbernen Straußenfedern (engl.: out of a ducal coronet an unicorn head Or between two ostrich feathers Argent). Die Devise lautet: NEC TEMERE NEC TIMIDE - neither rashly nor timidly - weder unbesonnen noch furchtsam.

 

Ein Beispiel aus dem deutschen Klassizismus
Über dem Seitenportal der kath. Pfarrkirche St. Oswald von 1801 in Stralsbach (Burkardroth) befindet sich das Wappen des Würzburger Fürstbischofs Georg Karl von Fechenbach (regierte 1795-1802/1808), des letzten Würzburger Fürstbischofs vor der Säkularisation. 1802 kam es zur Niederlegung der Würzburger Ämter. 1805 wurde er zum Bischof von Bamberg als Nachfolger seines Onkels gewählt. Also kann dieses Wappen nur in der Zeit zwischen 1795 und 1802/1805 geführt worden sein, denn seine späteren Wappen, wie das an seinem Epitaph im Würzburger Dom, enthalten noch die Bamberger Symbole und sind daher geviert mit Herzschild.
Zeittypisch sind die klassizistischen Laubgirlanden, die aus dem Fürstenhut herabhängen und um den Schildrand geschlungen sind, als gäbe es keine Kohärenz zwischen diesem und dem Schildinhalt. Ebenfalls zeittypisch sind die mißgestalteten Proportionen mit viel zu kleinen Prunkstücken in Relation zur Kartusche. Unter der Kartusche sieht man einen Palmwedel und ein Blütengebinde, von einer Schlinge der Laubgirlanden gehalten.

 

Ein Beispiel aus dem deutschen Historismus

Ein heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1893 von Clemens Kissel (3.5.1849 - 25.12.1911) für G. H. W. Werner, Buchdrucker in Langen (Hessen, Landkreis Offenbach). Die Komposition folgt stilistisch der Neo-Renaissance, man bedient sich überlieferter Vorbilder zur Gestaltung; das Vollwappen ist in eine ovale Kartusche eingepaßt, die an vier Stellen Rollwerk aufweist. Oben stellt eine phantasievolle Maske die Verbindung zum Namensfeld her, unten befindet sich ein weiteres Schildchen mit Ortsbezug, zu beiden Seiten stehen Figuren auf säulengetragenen Podesten, über ihnen schließen Fruchtgebinde jeweils die Lücke zur ausgreifenden Ornamentik, der Formenkanon der Renaissance und des Manierismus steht überall Pate.

Das Wappen ist ein redendes, denn es bezieht sich auf eine mögliche Interpretation des Namens "Werner" und stellt im Schild einen Geharnischten dar, wobei sich "Wer(n)" entweder mit der Bedeutung "(be)wahren", "sich vorsehen, etwas gewahren" oder mit "wehren" assoziiert werden kann, "(h)er" aber von "heri" = "Menge, Heer(schar)" kommt. Der Geharnischte läßt sich entsprechend der möglichen Bedeutungen als Hüter, Wächter oder Krieger interpretieren. Und auf dem bewulsteten Helm findet sich als Helmzier ein wachsender, nach hinten abgewinkelter Schwertarm. (Bildquelle: Clemens Kissel, 25 Bücherzeichen, entworfen und ausgeführt von Clemens Kissel zu Mainz, J. A. Stargardt Verlag, Berlin 1894.)

Ein Beispiel aus dem österreichischen Jugendstil

Ein Exlibris von Ernst Krahl (1858-1926) für Raimund Reichsritter und Edler Herr von Manner. Das Vollwappen ist eingebunden in einen Jugendstil-Rahmen, unten trapezförmig, oben mit drei Bögen und mit die Ecken ausfüllendem Laubwerk. Die üppigen Helmdecken schlingen sich um das Stabwerk des Rahmens und verschmelzen teilweise mit ihm. Der Übergang der textilen Helmdecke in das Ornament- und Rahmenwerk ist stilistisch vor dem Hintergrund der Zeit zu sehen. Insbesondere im unteren Bereich greift die zum Ornament gewordene Helmdecke bis weit unter den Wappenschild, wo sich die Bögen beider Seiten treffen und verschmelzen. Der Künstler greift in seinen heraldischen Arbeiten oft die Formensprache des Wiener Jugendstils auf.

Das Wappen ist geviert mit Herzschild. Feld 1 und 4: in Schwarz ein goldener, rotgezungter, einwärtsgekehrter, doppelschwänziger Löwe, Feld 2 und 3: in Rot ein silberner Schräglinksbalken. Herzschild: in Rot auf grünem Grund ein silberner Geharnischter mit umgürteten Schwert, dessen Helm mit drei Straußenfedern in den Farben rot-silbern-rot besteckt ist, mit der Rechten eine Partisane bei Fuß haltend, die Linke eingestemmt. Zwei gekrönte Helme: Helm 1 (rechts): Auf einem von Schwarz und Gold geteilten Flügel der Löwe in verwechselten Farben, Helmdecken schwarz-golden. Helm 2 (links): Auf einem von Silber und Rot geteilten Flügel der Geharnischte, Helmdecken rot-silbern.

Blütezeit - Blütezeiten? Verfallszeit - Verfallszeiten? Heraldik durch die Jahrhunderte
Als Blütezeit der Heraldik, und so wird dieser Begriff hier auch verwendet, bezeichnet man im allgemeinen die Zeit der Gotik und der Renaissance, also die Zeit, in der Heraldik, höfisch-ritterliche Kultur und darstellende Kunst und Ästhetik eine nie zuvor dagewesene und sich nachher nicht wiederholende produktive Einheit bildeten. Im 13. Jh. entstehen bereits wichtige historische Wappenrollen. Seit dem 14. Jh. entstehen gestalterisch hervorragende Wappen, die große Blütezeit der Heraldik beginnt, und die ersten Dokumente systematischer Aufzeichnung von Wappen wie in der Züricher Wappenrolle belegen die gesamtgesellschaftliche Stellung, die das Wappenwesen einzunehmen beginnt. Näheres Hinsehen zeigt, daß man eigentlich nicht von "der" Blütezeit sprechen kann, sondern daß mehrere verschiedene Blütezeiten und Verfallszeiten aufeinander folgten und sich gegenseitig überlagerten.

Wie der kurzgefaßte Abriß der Stilformen und Geschichte gezeigt hat, sind alleine in der sog. "Blütezeit" vom 14.-16. Jh. schon mehrere einzelne Blütezeiten erfaßt. Die formative Periode der Heraldik war die Blütezeit der ritterlichen Kultur, während die Darstellungen noch schlicht waren. Zunehmend verlagert sich der Schwerpunkt auf Heraldik als Kunstform, und in der Renaissance waren namhafte Künstler an der Schaffung und Zeichnung von Wappen beteiligt. Der Blütezeit der Ritterheere (mit entsprechender Gebrauchsheraldik) folgte eine Blütezeit der Turniere (mit entsprechender Repräsentationsheraldik), und parallel entstand eine städtische Kultur der Patrizier und Bürger, die ihrerseits die Heraldik zur Blüte brachte (mit entsprechendem künstlerischen Anspruch).

Umgekehrt ist in dieser Entwicklung auch enthalten, daß die wirtschaftliche Initiative und auch Potenz zunehmend vom verarmenden und von Kriegen mitgenommenen landsässigen Adel auf die Städte überging, und mit dem kulturellen Aufblühen der Städte auch die Bildungsinitiative von den Klöstern auf die produktiven und erfolgreichen Gesellschaftsschichten der Städte überging, und damit Patrizier und Bürger zunehmend Kulturträger und damit Auftraggeber künstlerischer und auch heraldischer Arbeiten wurden, seien es Einzelkunstwerke oder Wappensammlungen oder heraldisch verzierte Stiftungen wie Wappenfenster o.ä., oder auch die Funeralheraldik.

Auch wenn man den Verlust einfacher Gestaltungsformen bedauert, gehört die Renaissance zu den fruchtbarsten Perioden der Heraldik. Bedeutende Künstler ihrer Zeit widmeten sich auch der künstlerischen Gestaltung von Wappen, z. B. Lucas Cranach, Albrecht Dürer, Jost Amman, Hans Baldung gen. Grien, Hans Burgkmaier, Hans Holbein, Virgil Solis u.v.a.m. Die Heraldik als Kunstform wurde ein wichtiger Zweig der darstellenden Künste. Zu dieser Blüte der Heraldik führte auch das wirtschaftlich und politisch erstarkende Bürgertum in den Städten, so daß neue Kreise Zugang zum Wappenwesen suchten und es als geeignete Form der Repräsentation annahmen. In der Renaissance entstanden auch viele der wichtigsten historischen Wappensammlungen und heraldischen Zeugnisse an Objekten.

Mit der Abschaffung der Turniere und entsprechenden höfisch-ritterlichen Repräsentation, mit der Verlagerung der Aufgaben der Herolde, ging zunehmend das Verständnis der darstellenden Künstler für Sinn und Zweck der Heraldik verloren.

Anfang des 17. Jh. nimmt jedoch eine der größten heraldischen Sammlungen Deutschlands ihren Anfang, mit Johann Siebmachers Publikationen wurde der Grundstein zur bedeutendsten Wappensammlung deutscher Sprache gelegt.

Das Verständnis für Farbe als Informationsträger ging verloren, vor allem aber das für die Form. Immer weniger erinnerte an die Herkunft der Formen von den ritterlichen Schutzwaffen, die Formen wurden zum Ornament, Teile des Oberwappens gingen verloren oder wurden zunehmend mißverstanden, die einzelnen Proportionen wurden bis zum Grotesken verschoben, und immer mehr wurden die heraldischen Erkennungszeichen in ersatzweise angebrachte Ornamente integriert. Der heraldische Stil mit seiner prägnanten Klarheit machte detailreichen Darstellungen im Stile der Zeit Platz. Eine parallele Entwicklung ist bei der Blasonierung zu beobachten, die Kanzleiheraldik wird immer geschraubter und schwülstiger, eine Entwicklung, die bis weit ins 19. Jh. andauert.

Und doch gab es im Barock Lichtblicke: Denn im 17. Jh. begann die wissenschaftliche Erforschung der Heraldik, als deren Stammvater Philipp Jacob Spener gilt, sowie sein Sohn Christian Maximilian Spener. Auch Johann Christoph Gatterer ist der beginnenden wissenschaftlichen Heraldik zuzurechnen.

Mit dem beginnenden Niedergang des darstellerischen Anspruches und der stilistischen Qualität, was sich insbesondere schmerzlich im Vergleich mit der künstlerisch herausragenden Arbeiten der Renaissance zeigte, entstanden andererseits wiederum bedeutende Wappensammlungen, die auch heute noch die Grundlage unseres Wissens bilden, und mit dem völligen Formverlust der Heraldik mangels Verständniskontinuität in Barock und Rokoko begann die wissenschaftliche Aufarbeitung der Heraldik. Man könnte auch sagen, daß aus der Verdrängung heraldischer Selbstverständlichkeiten aus dem täglichen Bewußtsein die Notwendigkeit einer wissenschaftlichen Durchdringung entstand, und die Wegbereiter der wissenschaftlichen Heraldik wurden genau dann tätig, als die darstellerische Qualität am schlimmsten darniederlag. Bereits 1822 wure die erste Professur für Heraldik und Sphagristik eingerichtet, an der Universität Bonn.

Eine weitere große Blütezeit kann man am Ende des 19. Jh. / zu Anfang des 20. Jh. wahrnehmen. Dies geht einher mit der Entdeckung der Heraldik als Forschungsgegenstand, und ebenfalls mit einer neu erwachten Kultur des Buches und der Exlibris, ein Bereich, in dem exzellente Gestaltungen entstehen. In diese Zeit fällt auch die Gründung der maßgeblichen heraldischen Vereine Herold (1869) in Berlin, Adler (1870) in Wien und Kleeblatt in Hannover (1888), die erheblichen Anteil an der Wiedererweckung heraldischer Wissenschaft und Kunst haben. Diese Vereine schufen wissenschaftliche Standards, die Künstler dieser Zeit ästhetische. Der Name Gritzner steht für Systematisierung der Terminologie, der Name Seyler für die Erforschung der Geschichte der Heraldik. Begleitend wurden von namhaften Wissenschaftlern umfangreiche Sammlungen engelegt, so entstand in dieser Zeit das gewaltige Werk des Neuen Siebmachers.

Durch den Historismus begünstigt, wechselte die Wahrnehmung der Heraldik, und man besann sich wieder auf die zeitlos schöne Ästhetik des 14., 15., 16. Jh. Man befreite die überlieferten Formen vom Schwulst vergangener Jahrhunderte und besann sich wieder auf den Kern der Heraldik als Schnittstelle von Wissenschaft und Kunst. Dem Historismus entsprechend kopierte man zuerst die alten Stile, aber man versuchte auch, die Idee dieser Stile zu erfassen und diese Stile in ihrem Geiste zu perfektionieren, allen voran schuf Otto Hupp Werke, die gotischer waren als die Gotik. Namhafte Künstler wie Hildebrandt, Hupp, Rheude, v. Dachenhausen arbeiteten zusammen mit Wissenschaftlern oder waren beides in einer Person, um der Heraldik zu einer weiteren Blütezeit zu verhelfen, die einherging mit einer bürgerlichen Kultur der Bücher, der Exlibris, der papierenen Repräsentation.

Und das 20./21. Jh? Das Ende des Kaiserreiches und die Errichtung der Republik war ein Aufbruch in eine bürgerliche Kultur, in der breitere Schichten Zugang zum Wappenwesen fanden, viele Wappenneustiftungen bürgerlicher Familien fanden statt, ebenso blühte die kommunale Heraldik. Das Ende der Weimarer Republik und die Wirtschaftskrise, der Aufstieg des 3. Reiches markieren jedoch ein Ende der bürgerlichen Kultur. Totalitäre Systeme hatten ihre eigene Symbolik, und vor allem hatten sie ihre eigene Art des Umgangs mit Geschichte. Beides war der Entwicklung der Heraldik nicht förderlich.

Erst mit der Abschaffung der totalitären Systeme war ein Neubeginn im Wappenwesen möglich, in den alten Bundesländern früher als in den neuen, wobei die heraldischen Vereine eine wichtige Rolle bei der Wappenberatung, Beurteilung und Dokumentation spielen. Die stilistischen Herausforderungen der Neuzeit liegen im angemessenen Einsatz der neuen technischen Hilfsmittel bei der Wappengestaltung, die wissenschaftlichen Herausforderungen liegen in den Möglichkeiten der EDV-Technik und der neuen Zugänglichkeit historischer Quellen durch Digitalisierung, eine Herausforderung in Bezug auf Rezeption und Gebrauch ist der Trend zu Logoisierung von Heraldik. Auf der einen Seite werden heraldische Quellen und Vorbilder durch Digitalisierung der Bestände von Bibliotheken einer breiteren Öffentlichkeit denn je zugänglich, auf der anderen Seite wird es für die einem guten heraldischen Stil verpflichteten Heraldiker und heraldischen Vereine immer schwerer, stilistische Standards zu bewahren und zu vermitteln, das Unverzichtbare zwischen Rückblick und Moderne zu bewahren und Aufklärungsarbeit zu leisten. Ein wichtiger Markstein ist die Formulierung der "Berliner Erklärung über heraldische Gestaltungsgrundsätze" vom 24.4.2009 als Maßgabe für als heute angemessen angesehenen Stil. Positiv ist jedoch vor allem, daß die Hinwendung zum Interesse an Geschichte, Familiengeschichte und Wappen ein anhaltender Trend in der Bevölkerung ist, eine Chance für die Heraldik und Garant für deren Überleben als lebendige Tradition.

Literatur, Links und Quellen:
Heinrich Hussmann: Über deutsche Wappenkunst: Aufzeichnungen aus meinen Vorlesungen, Guido Pressler Verlag, Wiesbaden 1972
Wappenfibel, Handbuch der Heraldik, hrsg. "Herold", Verein für Heraldik, Genealogie und verwandte Wissenschaften, Verlag Degener, Neustadt 1981
Walter Leonhard: Das große Buch der Wappenkunst, Bechtermünz Verlag 2000, Callwey Verlag 1978
Georg Scheibelreiter: Heraldik, Oldenbourg Verlag Wien/München 2006, ISBN 3-7029-0479-4 (Österreich) und 3-486-57751-4 (Deutschland)

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