Bernhard Peter
Besondere Motive: Kirchenfahne, Gonfalon

Was ist eine Kirchenfahne?
Eine Kirchenfahne bezeichnet eine bei zeremoniellen Anlässen der katholischen Kirche benutzte Fahne besonderer Machart: Sie wird an einer Querstange an mehreren Ringen oder Stoffschlaufen aufgehängt und hängt von dieser senkrecht herunter. Unten ist sie mehrfach (meist zweimal) eingeschnitten, so daß drei Lätze (besserer Ausdruck: Hängel, auch: Lappen) entstehen, die unten mit Fransen besetzt sein können. In der Regel ist der mittlere Hängel länger als die beiden seitlichen gleicher Breite. Eine solche Kirchenfahne wird auch Gonfalon genannt. Gonfalon mit „L“ im Unterschied zum Gonfanon mit „N“, welches ein von berittenen Kriegern an einer Lanze befestigtes schmales Tuch bezeichnet, dessen Längsachse senkrecht zur Fahnenstange steht, eine Frühform der Fahne. Das Gonfanon ist ein typischer Kampfwimpel in Schlacht und Turnier und auch Träger heraldischer Motive der Besitzer, im Gegensatz zum zeremoniellen Gonfalon. Beide Begriffe werden aber in der Literatur leider nicht immer sauber unterschieden. Vom Gonfalon leitet sich auch der Titel eines Gonfaloniere delle Chiesa ab, eine vom Papst verliehene Würde der katholischen Kirche, zu deutsch Bannerträger der Kirche. Nicht jede Vortragefahne oder Prozessionsfahne (vexillum, an einem Querholz getragene, hängende Fahne) ist auch ein Gonfalon, erst die typisch eingeschnittene Form macht es dazu. Das Vorkommen einer Kirchenfahne in Wappen symbolisierte häufig die Würde eines Fahnenträgers oder die einer Schutzherrschaft über wichtige Kirchen. Eine weitere mögliche Begründung für dieses Symbol ist ein Lehensverhältnis zu einer Kirchvogtei. Die Abbildung einer Kirchenfahne in der Heraldik zeigt typischerweise ein unten zweimal vertikal eingeschnittenes Tuch zu drei Hängeln, oben mit den charakteristischen Ringen, aber - soweit nicht abweichend angegeben - ohne das Querholz zur Aufhängung.

Ein Beispiel:
Das Wappen der Auvergne, der Provinz und des Herzogtums: In Gold eine rote Kirchenfahne zu drei Hängeln, grün bordiert und mit drei grünen Ringen versehen.

Die Pfalzgrafen von Tübingen und Grafen von Montfort
Die Grafen von Montfort und die Grafen von Werdenberg sind eines Stammes wie die Pfalzgrafen von Tübingen. Die Grafen im Nagoldgau und Sülchgau nannten sich gegen Ende des 11. Jh. Grafen von Tübingen. Spätestens ab 1146 waren sie Pfalzgrafen von Schwaben, jetzt Pfalzgrafen von Tübingen genannt. Ihr Gebiet vergrößerte sich gewaltig durch eine Schlüsselerbschaft: Um 1160 beerbten sie die Bregenzer Linie der Udalrichinger, die Grafen von Bregenz: Hugo Pfalzgraf v. Tübingen (gest. 18.12.1182, Sohn von Hugo Pfalzgraf v. Tübingen, gest. 1152, und Hemma v. Zollern), hatte Elisabeth v. Bregenz u. Pfullendorf (gest. nach 1187, Erbtochter von Rudolf II. Graf v. Bregenz, gest. 1160, und Wulfhild v. Bayern) geheiratet. Kaum vereint, wurden diese Gebiete aber wieder auf verschiedene Linien aufgeteilt: Hugo Pfalzgraf v. Tübingen (gest. 18.12.1182) hatte zwei Söhne, Rudolf I (ca. 1160 - 17.3.1219) erbte die Tübinger Pfalz, Hugo bekam die Grafschaft Montfort und wurde als Hugo I. Graf v. Montfort (ca. 1170 - ca. 1230/1237) bekannt. Dazu unten mehr.

Die Pfalzgrafen von Tübingen
Die Pfalzgrafen von Tübingen hatten als Gebiete neben Tübingen Herrenberg, Böblingen, Sindelfingen, die Vogtei über Blaubeuren und den Reichsforst Schönbuch. Außerhalb dieses klassischen Gebietes bekamen sie durch weibliche Erbfolge Gießen über Mathilde von Gleiberg, welches sie aber 1265 an die Landgrafen von Hessen veräußerten. Nach 1219 teilten sich die Pfalzgrafen von Tübingen in mehrere Linien auf: Horb, Herrenberg, Böblingen, Asperg. Rudolf I (ca. 1160 - 17.3.1219), Erbe der Tübinger Pfalzgrafschaft, hatte aus der Ehe mit Mathilde v. Gleiberg (gest. 1206) drei Söhne, Hugo V. Pfalzgraf v. Tübingen (ca. 1185 - 26.7.1216) und Rudolf II. Pfalzgraf v. Tübingen (ca. 1185 - 1.11.1247) sowie Wilhelm Graf v. Asperg-Giessen (ca. 1190 - ca. 1252/1256). Hugo V. Pfalzgraf v. Tübingen (ca. 1185 - 26.7.1216) hatte nur einen Sohn, Konrad I. Rudolf II. Pfalzgraf v. Tübingen (ca. 1185 - 1.11.1247) hatte als Söhne die Begründer der Linien zu Horb und zu Herrenberg, Hugo III. Pfalzgraf v. Tübingen-Horb (- ca. 1267) und Rudolf III. Graf v. Tübingen-Herrenberg (-12.5.1277). Wilhelm Graf v. Asperg-Giessen (ca. 1190 - ca. 1252/1256) hatte Söhne, die zu den Begründern weiterer Linien wurden: Rudolf IV. Graf v. Tübingen-Böblingen (- 12.5.1277) und Ulrich I. Graf v. Tübingen-Asperg (- 5.8.1283). Innerhalb kürzester Zeit waren die Pfalzgrafen somit in viele verschiedene Linien aufgespalten. Lange konnten sich die Pfalzgrafen jedoch nicht halten, sie verloren nach und nach all ihre Gebiete vor allem durch Verkauf an die Grafen von Württemberg. Die Linie Tübingen-Horb endete mit Ludwig Graf v. Tübingen-Horb (- 1294), der die Herrschaft nach seinen Brüdern Hugo IV. Graf v. Tübingen-Horb und Otto Graf v. Tübingen-Horb übernahm. Alle drei waren Söhne von Hugo III. Pfalzgraf v. Tübingen-Horb (- ca. 1267), dem Begründer der Linie. 1342 ging Tübingen selbst gegen 20000 Pfund Heller an die Württemberger Grafen, die 1308 Asperg und 1340 Beilstein erworben hatten. Als letzte der alten Herrschaften wurde 1381 Herrenberg verkauft. Der letzte Herrenberger Graf war Konrad II. Pfalzgraf v. Tübingen-Herrenberg (- 1391), er hatte zwar einen Sohn namens Heinrich III. v. Tübingen-Herrenberg, der aber vor dem Vater starb. Konrad II. Graf v. Tübingen-Lichteneck, Sohn von Gottfried III. Graf v. Tübingen-Böblingen, begründete die Linie Tübingen-Lichteneck. Die gleichnamige Burg im Breisgau wurde Mitte des 14. Jh. erheiratet. Die letzte Linie der Pfalzgrafen von Tübingen starb 1634 mit Georg Eberhard Graf v. Tübingen-Lichteneck (1604 - 16.9.1634) im Mannesstamme und mit seiner Nichte Elisabeth Bernhardine v. Tübingen Herrin zu Lichteneck (11.10.1624 - 4.11.1666) endgültig aus.

Pfalzgrafen von Tübingen, Linien Tübingen,
Herrenberg, Böblingen, Lichteneck und Horb
Pfalzgrafen von Tübingen, Linie Asperg
nach der Züricher Wappenrolle

Wappen der Pfalzgrafen von Tübingen
Das Wappen der Pfalzgrafen von Tübingen ist: In Gold eine rote Kirchenfahne mit drei Hängeln und drei ebensolchen Ringen. Alle Linien der Pfalzgrafen von Tübingen: Tübingen, Herrenberg, Böblingen, Lichteneck und Horb führten das pfalzgräfliche Wappen wie beschrieben. Im Siebmacher ist die Helmzier der Pfalzgrafen von Tübingen eine rote Bischofsmütze (Inful) mit goldenen Verzierungen (Borten) an den Kanten, Helmdecken rot-golden. Referenzen: Siebmacher, Band NÖ2, S. 542, T. 267, Band St, S. 24, T. 46, Band WüA, S. 15, T. 8, vgl. auch Band WüA, S. 263, T. 151

In der Züricher Wappenrolle findet sich die Linie Asperg mit einem farbverwechselten Schild abgebildet, eine goldene Kirchenfahne in rotem Feld. Helmzier sind dort zwei goldene Stangen, die oben mit Pfauenspiegeln besetzt sind, verbunden durch einen Querstab, an dem zwei Schildchen mit der Kirchenfahne hängen, an den Stangen seitwärts außen jeweils ein Fähnlein mit dem Schildbild, Decken rot. Asperg im Siebmacher: Band WüA, S. 2, T. 9. Bei Conrad Grünenberg abweichend, größere Glaubwürdigkeit scheint die Züricher Wappenrolle als Zeitzeuge zu besitzen.

Die Erben der Pfalzgrafen von Tübingen: Kommunale Heraldik
Im ehemaligen Herrschaftsgebiet künden heute noch viele kommunale Wappen von der einstigen Herrschaft der Tübinger Pfalzgrafen. Einige Beispiele:

Stadt Tübingen: In Gold eine rote Kirchenfahne mit drei Lätzen an drei roten Trageringen. Auf dem Schild zwei schräg gekreuzte, mit roten, golden geschlitzten Puffärmeln bekleidete Männerarme, die zwei mit Spitzen aufwärts zeigende Hirschstangen halten. Schon im Jahre 1272 zeigt das Stadtsiegel das Wappen der Pfalzgrafen von Tübingen. Das besondere Oberwappen mit den Landsknechtarmen und den Hirschstangen, das in seiner Art wohl einzigartig ist, wurde der Stadt von Herzog Ulrich von Württemberg am 18.08.1514 als Ehrenzeichen für die Treue der Tübinger Bürger beim Bauernaufstand des Armen Konrad verliehen.

Stadt Herrenberg (Baden-Württemberg): In Rot eine goldene Kirchenfahne mit drei Lätzen an drei goldenen Trageringen. Es handelt sich um das Wappen der Pfalzgrafen von Tübingen mit invertierten Farben. Vgl. Siebmacher, Band St, S. 293, T. 284, dort ist die Tingierung wie bei den Pfalzgrafen von Tübingen. Die Farbverwechslung scheint auf den alten Siebmacher zurückzugehen und sich eingebürgert zu haben.

Stadt Böblingen (Baden-Württemberg): In Gold eine rote Kirchenfahne mit drei Lätzen an drei roten Trageringen. Es handelt sich um das Wappen der Pfalzgrafen von Tübingen, diese waren Gründer der Stadt Böblingen. Vom Tübinger Wappen unterscheidet es sich nur durch das fehlende Oberwappen.

Landkreis Böblingen (Baden-Württemberg), seit 1947, 1974 bestätigt: In Gold unter einer liegenden schwarzen Hirschstange eine rote Kirchenfahne mit drei Lätzen an drei schwarzen Trageringen. Das Wappen ergänzt die Erinnerung an die Pfalzgrafen von Tübingen um eine der württembergischen Hirschstangen.

Oferdingen (heute Stadtteil von Reutlingen), Wappen von 1953: Unter blauem Schildhaupt mit drei balkenweise gestellten, sechsstrahligen, goldenen Sternen in Gold eine dreilätzige rote Kirchenfahne an drei ebensolchen Ringen. Die Sterne erinnern an den Besitz des Klosters Zwiefalten, die Kirchenfahne an die Tübinger Pfalzgrafen, die die Ortsherrschaft 1342 an Württemberg verkauft haben.

Kirchdorf an der Iller (Gemeinde im Landkreis Biberach): In gespaltenem Schild vorne in Gold zwei schräggekreuzte brennende rote Kerzen, hinten in Rot eine goldene dreilätzige Kirchenfahne mit drei goldenen Trageringen. Kirchdorf kam um das Jahr 1000 an die Grafschaft Bregenz, ca. 1150 an die Pfalzgrafen von Tübingen, daher das Wappenbild. 1342 wurde der Ort an die Württemberger veräußert.

Habsthal (Ortsteil der Gemeinde Ostrach im Landkreis Sigmaringen): In geteiltem Schild oben in Gold eine dreilätzige rote Kirchenfahne, unten in Rot ein stehender goldener Hirsch.

Spaltung von Montfort und Werdenberg
Im 13. Jh. spaltete sich die Linie der Grafen von Werdenberg von den Grafen von Montfort ab. Zurück zu den beiden Söhnen des Hugo Pfalzgraf v. Tübingen (gest. 18.12.1182), Rudolf I (ca. 1160 - 17.3.1219) und Hugo I. Graf v. Montfort (ca. 1170 - ca. 1230/1237). Letzterer hatte mit Mathilde v. Eschenbach-Schnabelburg folgende Kinder: Rudolf I. Graf v. Werdenberg, Hugo II. Graf v. Montfort (ca. 1195 - 8.11.1260), Heinrich v. Montfort Bischof v. Chur (ca. 1200 - 14.11.1272), Friedrich v. Montfort (ca. 1200 - nach 16.11.1283) sowie Elisabeth v. Montfort. Hier setzt die weitere Aufsplitterung der Linien ein: Die Hauptlinien Montfort und Werdenberg trennen sich. Rudolf begründet die Linie Werdenberg, Hugo setzt die Linie Montfort fort. 1277 kommt Heiligenberg durch Kauf vom letzten Heiligenberger Grafen Berthold zum Besitz der Grafen von Montfort hinzu, und seitdem nennen sie sich Grafen von Montfort-Heiligenberg. Seitdem sind Werdenberg und Heiligenberg heraldisch verbunden und kommen auch so später zusammen ins Fürstenberger Wappen.

Die Grafen von Montfort und ihre Linien
Die Grafen von Montfort werden mit Hugo II. Graf v. Montfort (ca. 1195 - 8.11.1260) fortgesetzt, dessen Kinder mit Elisabeth v. Berg-Schelklingen begründen die Montfortschen Unterlinien Feldkirch, Bregenz und Tettnang: Rudolf II. Graf v. Montfort-Feldkirch (vor 1244 - 19.10.1302), Ulrich I. Graf v. Montfort-Bregenz (vor 1255 - ca. 1287/1289), Hugo III. Graf v. Montfort-Tettnang (vor 1244 - 1309), der vierte Sohn wird geistlich: Friedrich III. v. Montfort Bischof v. Chur (- 3.6.1290).

Die Linie Feldkirch verläuft über Hugo IV. Graf v. Montfort-Feldkirch (- 11.8.1310) und dessen kinderlosen Bruder Ulrich II. Graf v. Montfort-Feldkirch (- 17.2.1350), des ersteren drei Söhne Berthold I. Graf v. Montfort-Feldkirch (kinderlos), Hugo VI. (VII) Graf v. Montfort-Feldkirch (2 Töchter), Rudolf IV. Graf v. Montfort-Feldkirch (- 13.3.1375), bis zu des letzteren Sohn Rudolf V. Graf v. Montfort-Feldkirch (vor 1357 - 13.11.1390), mit dem die Linie Feldkirch im Mannesstamme ausstarb. Jener Rudolph war erst in einer geistlichen Laufbahn, wir sehen ihn 1329 als Domherrn und 1357-1368 als Dompropst zu Chur, 1359 war er Domherr zu Konstanz, 1367 resignierte er, was den Stamm aber nicht überleben ließ, 22.5.1375 verkaufte er seine Besitzungen (Feldkirch mit der namengebenden Burg Montfort) an Leopold III. v. Österreich.

Die Linie Bregenz (ältere Linie) begann mit Ulrich I. Graf v. Montfort-Bregenz (vor 1255 - ca. 1287/1289), aus der Ehe mit Agnes v. Helfenstein entsproß Sohn Hugo V. Graf v. Montfort-Bregenz (- 26.7.1338), der kinderlos war, die Linie beschloß und ca. 1290 Sigmaringen an Österreich verkaufte.

Die überlebende Linie war die zu Tettnang. Hugo III. Graf v. Montfort-Tettnang (vor 1244 - 1309) hatte mit Margareta v. Gundelfingen zwei Söhne, Hugo VI. v. Montfort (- 3.8.1298) schlug eine geistliche Laufbahn ein, Wilhelm II. Graf v. Montfort-Tettnang setzte den Stamm fort. In dritter Ehe mit Kunigunde v. Rappoltstein bekam er die ersehnten Söhne geschenkt: Wilhelm III. Graf v. Montfort-Bregenz, Begründer der jüngeren Bregenzer Linie, und Heinrich IV. Graf v. Montfort-Tettnang.

Heinrich IV. Graf v. Montfort-Tettnang, 1354 zu Tettnang, 1364 Feldhauptmann zu Florenz, 1380 in päpstlichen Diensten in Italien, 1386 zu Wasserburg, in Langenargen, Rotenfels und Scheer, 1394 zu Gertringen, hatte in zweiter Ehe mit Adelheid Gräfin v. Habsburg-Laufenburg drei Söhne: Rudolf VI. Graf v. Montfort zu Rothenfels, Heinrich V. Graf v. Montfort-Tettnang und Wilhelm V. Graf v. Montfort-Tettnang.

Der letzte im Mannesstamm der Linie zu Tettnang ist Ulrich IX. Graf v. Montfort zu Rothenfels (- 16.3.1574), Sohn von Hugo XVI. Graf v. Montfort-Rothenfels-Wasserburg (- 1564) und Ursula v. Solms-Lich, Enkel von Hugo XV. Graf v. Montfort-Rothenfels-Wasserburg und Anna Sibylla v. Zweibrücken-Lichtenberg (- 3.3.1531), Urenkel von Hugo XIII. Graf v. Montfort-Rothenfels-Wasserburg (- 16.10.1491) und Elisabeth v. Werdenberg (- 9.2.1488), Ururenkel von dem oben erwähnten Wilhelm V. Graf v. Montfort-Tettnang und Kunigunde v. Werdenberg-Heiligenberg-Bludenz. Wir sehen zum einen, daß diese Linie Tettnang zur Linie Montfort-Rothenfels wurde, ehe sie erlosch, und zum andern, daß vielfältige Verbindungen zum verwandten Haus Werdenberg bestanden. 1565 wurde Rothenfels an Königsegg veräußert.

Die jüngere Bregenzer Linie wurde über Wilhelm IV. Graf v. Montfort, dessen Söhne Konrad Graf v. Montfort-Bregenz und Hugo XII. Graf v. Montfort-Bregenz u. Pfannenberg, des letzteren Sohn Stefan I. Graf v. Montfort-Bregenz, dann über Hermann I. Graf v. Montfort-Bregenz aus einer anderen Verzweigung, dessen Kinder Hermann II. Graf v. Montfort-Bregenz, Georg I. Graf v. Montfort-Bregenz (1434-1447, kinderlos) und Johann III. Graf v. Montfort-Bregenz (- 1469, kinderlos) fortgesetzt. Bregenz wurde 1451/1523 an Österreich verkauft. Über Hermanns II Söhne wurde der Stamm fortgesetzt, wobei Bregenz aufgegeben wurde und die Linie zu Tettnang wurde. Der Letzte dieses Stammes ist Anton III. Graf v. Montfort (16.11.1723 - 25.11.1787, kaiserlicher Oberst, kinderlos), Sohn von Maximilian Joseph Ernst Graf v. Montfort-Tettnang (20.1.1700 - 17.3.1759) und Maria Antonia Eusebia v. Waldburg zu Trauchburg (27.1.1691 - 3.4.1767), Enkel von Anton II. Graf v. Montfort (26.11.1670 - 7.12.1733) und Maria Anna Leopoldina v. Thun (26.11.1664 - 1733), Urenkel von Johann VIII. Graf v. Montfort-Tettnang (25.11.1627 - 12.9.1686) und Maria Katharina v. Sulz (16.6.1630 - 2.11.1685/3.12.1686), Ururenkel von Hugo IV. Graf v. Montfort-Tettnang (1.4.1599 - 2.7.1662) und Johanna Euphrosyne Gräfin v. Waldburg zu Wolfegg u. Zeil (1.3.1596 - 1651) und Urururenkel von Johann VI. Graf v. Montfort-Tettnang (- 21.2.1619) und Sibylla Gräfin Fugger (4.10.1572 - 14.4.1616). 1779/1780 wurde Tettnang an Österreich verkauft. 1805 kam Tettnang an Bayern, 1810 ohne Wasserburg (das bei Bayern blieb) an Württemberg.

Montfort-Tettnang,
Montfort-Bregenz

Montfort-Tettnang,
Montfort-Bregenz

Montfort-Feldkirch

Wappen der Grafen von Montfort
Als Linie der stammesverwandten Pfalzgrafen von Tübingen behielten die Grafen von Montfort das Wappenbild bei, änderten aber die Farben. Das Wappen der Grafen von Montfort zeigt in Silber eine rote Kirchenfahne mit drei Hängeln und oben drei Trageringen, die sowohl rot als auch golden vorkommen. Die Grafen von Montfort-Tettnang führten nach der Züricher Wappenrolle als Helmzier einen infulartigen roten Beutelstand, die beiden Zipfel mit einer silbernen Kugel besteckt. Daraus wird später eine rote (silberne) Inful mit silbernern (roten) Verzierungen (Bordierungen), vgl. Siebmachers Wappenbücher. Im Scheiblerschen Wappenbuch ist die Helmzier ein wachsender, rot gekleideter Mannesrumpf, auf dem Haupt eine rote Inful mit zwei silbernen Kugeln an den beiden Spitzen und abflatternden roten Bändern, ähnlich ist in den Siebmacherschen Wappenbüchern ebenfalls ein wachsender Bischof mit rot-silberner Inful und einem Gewand, welches wie der Schild bez. ist, verzeichnet, ein hübsches Beispiel für die Entwicklung der Helmzier zu komplexeren Formen und ihre Umdeutung. Helmdecken rot-silbern. Referenzen: Siebmacher, Band NÖ1, S. 303, T. 161, Band NÖ2, S. 542, T. 267, Band Salz, S. 42, T. 17, Band WüA, S. 20, T. 19, Band WüA, S. 250.

Die Züricher Wappenrolle kennt noch Montfort-Kur (Chur): In Gold eine rote Kirchenfahne mit drei Lätzen. Als Helmzier ein infulartiger roten Beutelstand, die beiden Zipfel mit einer silbernen Kugel besteckt (identisch mit der Zier der Montfort-Tettnang).

Weiterhin listet die Züricher Wappenrolle die Montfort-Veldkirch / Montfort-Feldkirch: In Gold eine rote Kirchenfahne mit drei Lätzen. Als Helmzier ein mit Pfauenfedern eingefaßtes Schirmbrett, welches das Schildbild wiederholt.

Heusenstamm, St. Cäcilia, Wappen der Maria Theresia von Montfort (gest. 1751).

Die Erben der Grafen von Montfort: Kommunale Heraldik
Im ehemaligen Herrschaftsgebiet künden heute noch viele kommunale Wappen von der einstigen Herrschaft der Grafen von Montfort, die rote Kirchenfahne in Silber ist fast allgegenwärtig. Einige Beispiele:

Vorarlberg (österreichisches Bundesland, einst wichtiges Montfort-Herrschaftsgebiet): In Silber eine rote Kirchenfahne mit drei Lätzen. Früher war noch ein komplexeres Wappen in Gebrauch: Im Diplom vom 20.08.1864 hat das Wappen 3x 3 Felder: Bregenz, Sonnenberg, Feldkirch; Bludenz, Montfort (Herzschild), Hohenems; Dornbirn, Montafon (eingebogene Spitze), Bregenzerwald. 1918 nach Ausrufung der Republik wurde allein das alte Wappen der Grafen von Montfort, der Herzschild des bisherigen Wappens, zum Landeswappen erklärt. Die Kirchenfahne wird sehr genau definiert: „Auf dem silbernen Schild ruht das mit drei gleich breiten, schwarz befransten Lätzen versehene rote Montfortische Banner, das am oberen Rande drei rote Ringe trägt. Das obere Feld des Banners ist mit zwei, die Lätze sind mit drei schwarzen Querlinien durchzogen.“ Eine Präzision, die der Moderne angehört und der mittelalterlichen Variationsbreite nicht entspricht.

Feldkirch (Stadt im österreichischen Bundesland Vorarlberg): In Silber eine schwarze Kirchenfahne mit drei Lätzen. Die Stadt wurde von den Grafen von Montfort regiert, und Hugo von Montfort erbaute die Schattenburg über der Stadt sowie die Feldkircher Neustadt. 1375 wurde die Stadt von den Habsburgern erworben. Das Wappen der Grafen von Montfort begegnet uns hier mit anderen Farben (vgl. Werdenberg). Korrekter wäre für Feldkirch eine rote Kirchenfahne in Gold, denn das war das wirkliche Wappen der Montfort-Feldkirch. Vgl. Siebmacher, Band St, S. 12, T. 21.

Neukirch (Gemeinde im Bodenseekreis): In Silber eine rote Kirchenfahne mit drei Lätzen und drei roten Trageringen über einem mit einem roten, schräglinks gelegten Abtspedum gekreuzten roten, schrägrechts gelegten Schwert, Griff nach oben. Das Gemeindegebiet gehörte früher zur Grafschaft Tettnang und war Herrschaftsgebiet der Grafen von Montfort.

Kressbronn (Ort am Bodensee), Wappen von 1935: In Silber eine rote Kirchenfahne mit drei Lätzen über zwei schwarzen Kirschbüscheln. Bis 1780 gehörte Kressbronn zur Herrschaft der Grafen von Montfort. Die Kirschen symbolisieren den Obstanbau in dem Bodenseeort.

Meckenbeuren (Gemeinde im Bodenseekreis), Wappen von 1938: Gespalten, vorne in Silber eine dreilätzige rote Kirchenfahne mit drei roten Ringen, hinten in Rot ein aufgerichteter silberner Windhund mit schwarzem Halsband. Meckenbeuren – zumindest die östliche Hälfte – gehörte von 1539 bis 1780 zur Herrschaft der Grafen von Montfort. Der Windhund stammt als Motiv aus dem Wappen der Familie Hundbiss (auch Huntpiss), welche als Besitzer der Herrschaft Brochenzell eine Rolle spielten.

Balderschwang (Gemeinde im Landkreis Oberallgäu, Bayern), Wappen von 1985: In Silber über grünem Dreiberg eine dreilätzige rote Kirchenfahne mit goldenen Fransen und drei goldenen Ringen, der eine goldene heraldische Lilie aufgelegt ist. Die Fahne nimmt Bezug auf die Grafen von Montfort, die von 1311 bis ins 16. Jh. über das Gemeindegebiet herrschten. Der Dreiberg steht für die hohe Lage des Ortes, und die Lilie als Attribut des Hl. Antonius steht für dessen Patronat über die dörfliche Pfarrkirche.

Blaichach (Gemeinde im Landkreis Oberallgäu, Bayern), Wappen von 1966: In Silber über zwei schräg gekreuzten grünen Eichenblättern eine dreilätzige rote Kirchenfahne, der nebeneinander drei schräg gestellte goldene Quadrate aufgelegt sind. Die Fahne nimmt Bezug auf die Grafen von Montfort. Die spezielle Form mit den drei Wecken nimmt Bezug auf eine Darstellung an einem Taufstein der örtlichen Kirche. Früher fiel das wohl unter künstlerische Freiheit, heute wird diesem Detail unterscheidende Bedeutung beigemessen. Das Eichenlaub steht redend für den Ortsnamen, den man als „bei den Eichen“ deutete.

Röthenbach (Gemeinde im Landkreis Oberallgäu, Bayern), Wappen von 1979: Geteilt, oben von Silber und Rot gespalten, darauf schräggekreuzt ein Schlüssel und ein Schwert in verwechselten Farben, Griffe jeweils schräg nach unten gerichtet, unten in Silber eine dreilätzige rote Kirchenfahne mit goldenen Fransen und drei ebensolchen Ringen. Das Dorf stand im Mittelalter unter der Herrschaft der Grafen von Montfort. Das Kloster Mehrerau, der wichtigste Grundbesitzer in Röthenbach, war das Hauskloster der Grafen von Montfort.

Langenargen (Gemeinde im Bodenseekreis), Wappen von 1899: In Silber eine rote Kirchenfahne mit drei Lätzen, goldenen Quasten und ebensolchen Ringen, die Fahne belegt mit einem schwarz-golden gespickelten Innenfeld. Das Wappen der Grafen von Montfort wurde mit der Innenverzierung modifiziert, wobei man sicherlich durch eine Darstellung am Flügelaltar von 1483 in der Dorfkirche inspiriert wurde.

Füramoos (Dorf, 1975 in Eberhardzell im Landkreis Biberach eingemeindet): Gespalten, vorne in Rot eine silberne Balkenwaage mit zwei Schalen, hinten in Silber eine dreilätzige rote Kirchenfahne an drei ebensolchen Ringen. Graf Rudolf von Montfort-Brengenz hat 1143 das Gut Füramoos dem Benediktinerkloster Ochsenhausen geschenkt.

Landkreis Lindau (Bodensee): Unter blau-silbern schrägrechts gewecktem Schildhaupt in Silber über einem blauem Wellenbalken vorne eine grüne Linde und hinten eine dreilätzige rote Kirchenfahne mit goldenen Fransen und drei roten Trageringen.

Weiler-Simmerberg (Gemeinde im Landkreis Lindau, Bodensee): Im Wolkenschnitt schräggeteilt von Silber und Rot; oben eine golden befranste rote Sturmfahne mit drei goldenen Ringen. Bezug auf die ehemaligen Herren, die Grafen von Montfort.

Weißensberg (Gemeinde im Landkreis Lindau, Bodensee): Gespalten, vorne in Silber eine dreilätzige rote Kirchenfahne mit goldenen Fransen, hinten in Blau ein schwebendes goldenes Doppelkreuz. Bezug auf die ehemaligen Herren, die Grafen von Montfort.

Hergensweiler (Gemeinde im Landkreis Lindau, Bodensee): In Silber eine breite, dreilätzige rote Kirchenfahne mit goldenen Fransen, darüber nebeneinander zwei grüne Lindenblätter, darunter eine rote Lilie. Bezug auf die ehemaligen Herren, die Grafen von Montfort.

Missen-Wilhams (Dorf im Landkreis Oberallgäu, Bayern), Wappen von 1964: In Gold ein schwarzer Grenzstein, diesem aufgelegt übereinander zwei Schilde; der obere silbern mit einer dreilätzigen roten Kirchenfahne, der untere rot mit einem silbernen Balken. Missen war einst Bestandteil der Herrschaft Montfort-Rothenfels, Wilhams gehörte aber einst zur Herrschaft Hohenegg (habsburgisch). Beide wurden zu einer neuen Gemeinde zusammengeschlossen.

Die Grafen von Werdenberg und ihre Linien
Diese 1258 abgespaltene Linie nennt sich seit 1264 nach der gleichnamigen Burg bei St. Gallen. Zurück zu Rudolf I. Graf v. Werdenberg, Sohn von Hugo I. Graf v. Montfort und Mathilde v. Eschenbach-Schnabelburg, der zum Begründer der Linie der Grafen von Werdenberg wurde, die sich im 13. Jh. von den Grafen von Montfort abspaltete. Seine Kinder aus der Ehe mit Clementia v. Kyburg waren (neben anderen) Hugo I. Graf v. Werdenberg u. Heiligenberg (vor 1247 - 7.12.1280) und Hartmann I. Graf v. Werdenberg u. Sargans, womit wir die nächste Spaltung des Geschlechtes nachvollzogen hätten in die beiden Hauptlinien Werdenberg-Heiligenberg und Werdenberg-Sargans.

Hartmanns Sohn Rudolf II folgt in Sargans, aber diese Linie erlischt mit ihm, denn er hat lediglich eine einzige Tochter. Sein Onkel hat aber reichlich Enkel, die Sargans beerben und unter sich aufteilen:

In Werdenberg-Heiligenberg folgte Sohn Hugo II. Graf v. Werdenberg-Heiligenberg nach, dessen Söhne eine weitere Aufspaltung vollzogen: Hugo IV. Cocles Graf v. Werdenberg setzte die Hauptlinie fort, Heinrich II. v. Werdenberg schlug die geistliche Laufbahn ein und wurde Bischof v. Konstanz (- 16.10.1323), Albrecht I. Graf v. Werdenberg-Heiligenberg-Rheineck begründete die Linie zu Rheineck (Rheinegg), Heinrich wurde Graf v. Werdenberg-Alpeck, Rudolf III. Graf v. Werdenberg war ohne dynastische Bedeutung, Hartmann III. wurde Graf v. Werdenberg-Sargans-Vaduz (- 27.8.1354), Rudolf IV. wurde Graf v. Werdenberg-Sargans-Vaz (- 27.12.1361), ohne dynastische Bedeutung waren die weiteren Geschwister Albrecht II. Graf v. Werdenberg, Ulrich v. Werdenberg (- 10.2.1358), Hugo v. Werdenberg sowie Margareta v. Werdenberg.

Die Linie Werdenberg-Sargans-Vaz erlischt mit Georg II. Graf v. Werdenberg-Sargans (- 23.2.1504), Sohn von Heinrich IX. Graf v. Werdenberg-Sonnenberg und Agnes v. Matsch, Enkel von Johann I. Graf v. Werdenberg-Sargans und Anna v. Räzüns, Urenkel von Rudolf IV. Graf v. Werdenberg-Sargans (- 27.12.1361, s. o.) und Ursula v. Vaz (- 4.4.1367). Georg II. Graf v. Werdenberg-Sargans (- 23.2.1504), der letzte dieser Linie, verkauft 1453/1482 Sargans an die Schweizer Eidgenossen, ferner 1455/1463 Sonnenberg an Waldburg.

Die Linie Werdenberg-Sargans-Vaduz erlischt mit Hartmann IV. v. Werdenberg Bischof v. Chur (- 6.9.1416), Sohn des Begründers Hartmann III. Graf v. Werdenberg-Sargans-Vaduz (- 27.8.1354, s. o.), 1360 Johanniter-Komtur, 1388-1412 Elekt von Chur, 1413 Bischof von Chur.

Die Linie Alpeck erlischt mit Konrad v. Werdenberg-Alpeck, Sohn von Heinrich VIII. v. Werdenberg-Alpeck (- 23.8.1388), Enkel von Eberhard I. Graf v. Werdenberg-Schmalnegg (- 28.5.1383). 1383 wurde Alpeck an Ulm verkauft.

Die Linie, die am längsten überlebte, war die Linie Werdenberg-Trochtelfingen. Der Letzte war Christoph Graf v. Werdenberg-Heiligenberg-Sigmaringen (- 1534), Sohn von Georg III. Graf v. Werdenberg-Sargans-Trochtelfingen (- 12.3.1500) und Katharina Markgräfin v. Baden (15.1.1449 - 1484), Enkel von Johann IV. Graf v. Werdenberg-Heiligenberg (ca. 1416 - 27.4.1460) und Elisabeth v. Württemberg, Urenkel von Eberhard III. Graf v. Werdenberg-Trochtelfingen und Anna v. Zimmern (- 1.3.1445), Ururenkel von Heinrich VII. Graf v. Werdenberg und Agnes v. Teck.

Wappen der Grafen von Werdenberg
Die Grafen von Werdenberg nutzten ebenfalls das gleiche Schildbild wie die Pfalzgrafen von Tübingen und die Grafen von Montfort, allerdings mit variierten Tingierungen, je nach Linie:

Werdenberg-Heiligenberg Werdenberg-Sargans zu Vaduz

Grafen von Werdenberg-Heiligenberg: In Silber eine schwarze Kirchenfahne mit drei Lätzen. Nach der Züricher Wappenrolle als Helmzier ein goldener Flügel.

Grafen von Werdenberg-Sargans zu Vaduz: In Schwarz eine silberne Kirchenfahne mit drei Lätzen. Dieses ist nicht in der Züricher Wappenrolle abgebildet.

Grafen von Werdenberg-Sargans
Werdenberg-Sargans-Trochtelfingen
Grafen von Werdenberg-
Trochtelfingen-Heiligenberg

Grafen von Werdenberg-Sargans und Werdenberg-Sargans-Trochtelfingen (Trochtelfingen, Sigmaringen): In Rot eine silberne Kirchenfahne mit drei Lätzen. Dieses ist auch in der Züricher Wappenrolle abgebildet. Helmzier dort eine rote Bischofsmütze mit silbernen Verzierungen und silbernen Kugeln an den zwei Spitzen. Im Bruderschaftsbuch St. Christophori am Arlberg: Helmzier eine rote Bischofsmütze. Variante ein rot gekleideter, wachsender Mannesrumpf mit einer rot-silbernen Bischofsmütze mit abfliegenden Bändern auf dem Haupt.

Später wurde das Wappen geviert, als Heiligenberg ererbt wurde, 1 und 4: In Silber eine rote Kirchenfahne mit drei Lätzen. 2 und 3 in Silber ein schwarzer, schrägrechter Zickzackbalken.

Das Wappen dieser Linie mit dieser Farbkombination fand später Eingang in das Fürstenbergische Wappen.

Referenzen: Siebmacher, Band NÖ2, S. 542, T. 268 und 269, Band FstM, S. 30, T. 63, vgl. auch Band: ÖSchl Seite: 101 Tafel: 53 (anderes Geschlecht gleichen Namens Werdenberg ohne jeden genealogischen Bezug, das fälschlicherweise die Kirchenfahne als Herzschild verliehen bekam).

Die Erben der Grafen von Werdenberg: Kommunale Heraldik
Im ehemaligen Herrschaftsgebiet künden heute noch viele kommunale Wappen von der einstigen Herrschaft der Grafen von Werdenberg, wobei sich auch die verschiedenen Farbkombinationen der verschiedenen Linien widerspiegeln. Einige Beispiele:

Vaduz (Fürstentum Liechtenstein): Geviert, 1 und 4 in Silber eine Krone, mit silbernem Bügel, rotem Kreuz, rot gefüllt und hermelinverbrämt. 2 und 3: In Rot eine silberne Kirchenfahne mit drei Lätzen und drei silbernen Ringen. Das Wappen in dieser Form ersetzte 1978 ein vorheriges aus dem Jahre 1932, das in unheraldisch bildlicher Abbildung Schloß Vaduz abbildete. Dieses neue Wappenbild nimmt deutlich Bezug auf die Geschichte unter der Linie werdenberg-Sargans-Vaduz.

Salmendingen (Stadtteil von Burladingen, Zollernalbkreis): Gespalten, vorne in Silber drei schwarze Wolfsangeln (Wolfsanker) pfahlweise, hinten in Schwarz eine silberne Kirchenfahne mit drei Lätzen. Der vordere Teil erinnert an die Herren von Salmendingen (Herren des Ortes im 13. und 14. Jh.), der hintere Teil erinnert an die Grafen von Werdenberg zu Trochtelfingen, Herren des Ortes 1401 bis 1534.

Unterschmeien (Stadtteil von Sigmaringen): In geteiltem Schild oben in Schwarz ein silberner Wellenbalken, unten in Silber eine dreilätzige schwarze Kirchenfahne.

Oberschmeien (Stadtteil von Sigmaringen): In geteiltem Schild oben in Schwarz ein silbernes Mühlrad, unten in Silber eine dreilätzige schwarze Kirchenfahne.

Vilsingen (Ortsteil von Inzigkofen, Baden-Württemberg): In geteiltem Schild oben in Silber eine dreilätzige schwarze Kirchenfahne, unten in Schwarz ein unterhalbes silbernes Rad.

Hochberg (Bingen, Landkreis Sigmaringen): In Silber ein roter Balken, darüber ein rot bezungter schwarzer Eberkopf mit goldenen Hauern und goldenem Kragen, darunter eine dreilätzige schwarze Kirchenfahne.

Jungnau (Landkreis Sigmaringen, 1974 in Sigmaringen eingemeindet), Wappen von 1949: In geteiltem Schild oben in Blau eine silberne Schere, unten in Silber eine dreilätzige schwarze Kirchenfahne. Die silberne Schere auf blauem Grund verweist auf die Herren von Jungingen, die Fahne auf die Grafen von Werdenberg, die beide einst Besitzer von Jungnau waren.

Storzingen (Ortsteil von Stetten am kalten Markt): Geteilt, oben in Rot auf goldenem Dreiberg eine silberne Raute, unten in Silber eine dreilätzige schwarze Kirchenfahne.

Langenau (Stadt im Alb-Donau-Kreis): Geteilt und halbgespalten, oben in Gold ein schwarzes Pferd, unten vorne in Rot eine silberne, dreilätzige Kirchenfahne, hinten von Schwarz und Silber geteilt. Die Kirchenfahne verweist auf die Werdenberger als Herren von Albeck. Die Farben schwarz und Silber verweisen auf Ulm. Im Stadtwappen von 1885 war die Fahne übrigens rot in Gold.

Aislingen (Markt im Landkreis Dillingen, Bayern) Gespalten von Rot und Silber; vorne auf grünem Berg eine silberne Kapelle mit Kuppeldach und Laterne, hinten eine dreilätzige, golden befranste rote Kirchenfahne an drei goldenen Ringen. Das vordere Symbol ist die Aislinger Kapelle, entgegen dem heraldischen Stil nicht typisiert. Die Kirchenfahne hinten erinnert an die Grafen von Werdenberg, 1280 bis 1489 Grundherren in Aislingen. Unter ihrer Herrschaft wurde der Ort zum Markt. Rot und Silber erinnern an die dem anschließenden Verkauf folgende Augsburger Herrschaft (Farben des Hochstiftes).

Steinhilben (heute Stadtteil von Trochtelfingen, Landkreis Reutlingen), Wappen von 1952: In geteiltem Schild oben in Silber auf grünem Dreiberg ein wachsender, feuerspeiender, rot bewehrter, schwarzer Drache, unten in Schwarz eine dreilätzige silberne Kirchenfahne. Steinhilben ist alter Besitz der Pfalzgrafen von Tübingen und gelangt über mehrere Hände später an Heinrich von Werdenberg. Bis 1534 ist es werdenbergisch, nach dem Aussterben der Werdenberger gelangt es an Fürstenberg.

Mägerkingen (heute Stadtteil von Trochtelfingen, Landkreis Reutlingen): Unter einem goldenen Schildhaupt mit einer liegenden, schwarzen Hirschstange in Rot eine dreilätzige silberne Kirchenfahne an drei ebensolchen Ringen.

Die Erben der Grafen von Werdenberg: Haus Fürstenberg
Graf Friedrich II von Fürstenberg hatte sich mit der Erbtochter des letzten Grafen von Werdenberg, Christoph von Werdenberg und Heiligenberg, vermählt, dadurch kamen die Grafschaften Werdenberg und Heiligenberg an Fürstenberg.

Das Wappen ist wie folgt aufgebaut: Im von blauen und silbernen Doppelwolken eingefaßten goldenen Schild ein blau bewehrter roter Adler (Stammwappen), belegt mit geviertem Herzschild; Feld 1 und 4 in Rot eine silberne Kirchenfahne mit drei Lätzen und drei Ringen (Werdenberg), Feld 2 und 3 in Silber ein schwarzer, schräger Zickzackbalken („eine schwarze Stiege“, Heiligenberg), normalerweise schrägrechts.

Drei Helme:

Fürstlicher Wappenmantel mit Fürstenhut, als Schildhalter sind zwei silberne Engel üblich.

Mehr: Die Wappen der Grafen und Fürsten von Fürstenberg

Die Kirchenfahne als Element in klösterlichen Wappen:
Viel häufiger in klösterlichen Wappen ist zwar das Osterlamm, das ein kleines Banner mit einem Vorderfuß hält (bekanntestes Beispiel: Prüm). Aber es finden sich auch Beispiele für die klassische dreilätzige Kirchenfahne:

Kloster Murbach und Lüders, Kardinal Andreas v. Österreich, 1558-1600, 1589 Bischof von Konstanz, 1591 Bischof von Brixen, 1598 Gouverneur der spanischen Niederlande, Abt von Reichenau, 1587 wurde er Administrator der Abtei Murbach und Lüders und führte folgendes Wappen: Quadriert mit Herzschild. Hauptschild: Feld 1: In Silber drei rote Schräglinksbalken, überdeckt mit einem goldenen Pfahl (Markgrafschaft Burgau). Feld 2: Geteilt von Silber und Rot. Feld 3: In Gold drei schwarze Hirschstangen übereinander (Herzogtum Württemberrg). Feld 4: In Silber eine rote Kirchenfahne mit drei Lätzen (Grafschaft Montfort). Herzschild quadriert: Feld 1: In Rot ein silberner Balken (Stammwappen Österreich). Feld 2: In Gold ein roter, blau gekrönter Löwe (Haus Habsburg). Feld 3: im blauen Feld aus einer silbernen Wolke herauskommend ein Arm in roter Kleidung mit silbernen Aufschlägen und Schwurhand (Lüders). Feld 4: In Silber ein aufspringender schwarzer Windhund mit goldenem Halsband (Murbach). Über dem Schild Kardinalshut mit Fiocchi. Siebmacher, Band Klö, S. 4, T. 5.

Chorherrenstift Wengen bei Ulm, Propst Nicolaus Bucher, 1785: 3 (2:1) gestellte Schilde. Schild 1: In Gold ein schräglinks gelegtes Buch. Schild 2: In Silber eine schrägrechts liegende rote Kirchenfahne mit drei Hängeln. Schild 3: In Rot ein silberner Elefant. Siebmacher, Band Klö, S. 89, T. 100.

Benediktinerabtei Anhausen an der Brenz, das Wappen ist quadriert: Feld 1 in Gold eine rote Kirchenfahne mit drei Hängeln (die Abtei wurde angeblich von den Pfalzgrafen Mangold von Tübingen erst in Langenau gestiftet und später verlegt). Feld 2 und 3 in Rot ein von Silber und Schwarz geschachter Schrägrechtsbalken. Feld 4 eine Armbrust. Siebmacher, Band Klö, S. 34, T. 57.

Spurensuche: Die Kirchenfahne von Feldkirch im Wappen der Fürsten von Thurn und Taxis
Betrachten wir das Wappen der Fürsten von Thurn und Taxis in seiner letzten, heute noch gültigen Form, so fällt uns die Komponente mit der roten Kirchenfahne in Gold ins Auge, die ihre Herkunft von Montfort-Feldkirch ableitet.

Abb.: Schloß Taxis bei Dischingen, Gemälde auf der Außenwand.

Komplette Wappenbeschreibung des heutigen Wappens der Fürsten v. Thurn u. Taxis: Hauptschild geviert, mit eingepfropfter, eingebogener silberner Spitze, darin auf grünem Boden ein grüner Baum, vor dessen Stamm ein blauer Fisch angeheftet (Neresheim). 1. Viertel (Reichsstift Buchau): Erneut geviert; 1 und 4 (durch Mittelschild teilweise verdeckt) geviert: a und d in Gold drei übereinander schreitende schwarze Löwen (Hohenstaufen), b und c von Schwarz und Silber senkrecht gerautet. 2. und 3. in Grün ein oben rechts von goldenen Sonne, links von zunehmendem gesichteten goldenen oder silbernen Monde bewinkeltes rotes Tatzenkreuz (Grafen von Kesselberg, Stifter von Buchau). 2. Viertel (Kloster Obermarchtal): vordere Flanke in Gold eine rote Kirchenfahne mit drei Lätzen und drei Ringen (Pfalzgrafen von Tübingen), hinten von blauem Kürsch mit einem Hermelinpfahl (Bregenz). 3. Viertel (ehemalige Abtei St. Ulrich und Afra in Augsburg) geviert, 1. in Blau ein silberner Schräglinksbalken, begleitet von 4 klimmenden goldenen Löwen (Grafschaft Dillingen), 2. (durch Mittelschild teilweise verdeckt) und 3. in Schwarz drei silberne Balken, überdeckt von einem goldenen Löwen, 4. in Schwarz ein goldenes Kleeblattkreuz. 4. Viertel geviert; 1. (verdeckt) und 4. in Blau ein goldener Fels, 2. und 3. in Rot ein schwebendes silbernes Kreuz (Fürstentum Krotoschin/Krotoszyn). Mittelschild gespalten und zweimal geteilt (in 6 Felder geteilt) 1. und 4. des Mittelschildes in Silber ein dreizinniger roter Turm mit blauem Tor und ohne Fenster, hinter welchem zwei blaue Glevenzepter (ursprünglich und auch hier: blaue Stäbe, goldene Gleven) gekreuzt sind (della Torre, Thurn), Feld 2 und 3 des Mittelschildes in Gold ein golden (Variante: blau) gekrönter roter Löwe (Valsassina), 5. in Silber eine schwarze Schafschurschere, mit der Öffnung nach oben gelegt (Scheer, Scherenberg), 6. in Gold ein ungekrönter roter Löwe (Friedberg). Herzschild blau, darin ein schreitender silberner Dachs (Stammwappen de Taxis). Siebmacher, Band FstA, S. 261, T. 349 und 350, Band FstM, S. 20, T. 40, Band Kro, S. 189, T. 138, Band Un, S. 668, T. 463.

Abb.: Schloß Taxis bei Dischingen, Gemälde auf der Außenwand, Detailvergrößerung. Die rote Kirchenfahne in Gold ist deutlich oben rechts der Mitte zu erkennen. Leichte farbliche Abweichungen durch Verblassen der Farben.

Zu Feld 2 des Hauptschildes: Eine mögliche Erklärung wäre, daß es sich um Montfort-Feldkirch und Bregenz handelt. Ab 1786 wurde die Familie auch endlich Territorialherr, denn sie kaufte 1785 die schwäbische gefürstete Grafschaft Friedberg-Scheer von den Reichserbtruchsessen Waldburg und wurde 1786 Landesherr. Scheer war einst alter Besitz der Grafen von Montfort, deshalb kommen nun Bregenz und Feldkirch ins Wappen. Dies würde die Kirchenfahne erklären, aber nicht notwendigerweise Bregenz. Eine andere, plausiblere Erklärung wäre, daß der Hauptschild weitgehend die Gebietszuwächse durch den Reichsdeputationshauptschluß 1803 widerspiegelt, als die Familie zur Kompensation der 1802 verlorenen linksrheinischen Gebiete die Reichsabtei Buchau, die Reichsstadt Buchau, die Reichsabtei Obermarchtal, Neresheim, das Amt Ostrach mit der Herrschaft Schemmerberg und die Klöster in Ennetach und Sießen mit insgesamt 530 Quadratkilometern bekamen. Hieraus ergäbe sich ein alternativer Bezug des zweiten Viertels des Hauptschildes zu den Pfalzgrafen von Tübingen als Stifter der Abtei Obermarchtal und dem Abteiwappen selbst. Bis ins 16. Jh. führte die Abtei das Wappen der Pfalzgrafen von Tübingen als Gründer und das eigentliche Abteiwappen, ein Schlüssel gekreuzt mit einem Schwert, wobei die Äbte dann jeweils noch ihr persönliches Wappenbild hinzufügten. Abt Johannes III. Riedgasser (1591–1599) fügte dann noch das Wappen der Grafen von Bregenz hinzu, wobei das natürlich eine fiktive Zuordnung ist, also ein erst im 16. Jh. nachträglich geschaffenes Wappenbild. Vater des Gedankens war, daß Hugo Pfalzgraf von Tübingen, der Neugründer des Klosters als Prämonstratenserstift, mit Elisabeth von Bregenz und Pfullendorf verheiratet gewesen war, Tochter des Grafen Rudolf II. von Bregenz und Erbin von Bregenz, Montfort und Sigmaringen. Beide lebten im 12. Jh. Weil durch die Säkularisierung und den Reichsdeputationshauptschluß das aufgelöste Kloster mit seinen Ländereien an die Thurn und Taxis kam, fanden so die Wappenbilder der Pfalzgrafen von Tübingen und das fiktive der Grafen von Bregenz Eingang in das vermehrte Wappen.

Fürst von Buchau wurden die Thurn und Taxis am 25.2.1803. Einige der Komponenten erinnern zugleich an wichtige Etappen beim Ausbau des Postnetzes: 1638 wurde Bregenz vorderösterreichische Poststation des Postkurses Innsbruck - Schaffhausen als Folge der Streckenverlegung. Um 1770 wurde in Bregenz ein vorderösterreichisches Oberpostamt eingerichtet, und 1770 wurde die Linie Bregenz - Lindau eröffnet. 1771 bekam Feldkirch ein Postamt, welches täglich von Bregenz über Hohenems angeritten wurde.

Mehr: Die Wappen der Grafen und Fürsten von Thurn und Taxis

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenwerk
Genealogien:
Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Deutsche Wappenrolle, Band 1-72
Gert Oswald: Lexikon der Heraldik. Von Apfelkreuz bis Zwillingsbalken. Battenberg-Verlag, 2. Auflage 2006, ISBN: 3-86646-010-4
Siebmachers großes Wappenbuch, Sonderband B1: Wappenbilder-Ordnung, Bd. 1, Degener Verlag, ISBN 3-87947-114-2
Siebmachers großes Wappenbuch, Sonderband B2; Wappenbilder-Ordnung Bd. 2. 1991. 393 S. 7 Tafeln mit zahlr. Abb. Festeinband, Degener Verlag, ISBN 3-87947-100-2
Arnaud Bunel:
www.heraldique-europeenne.org
Bayerische Gemeinden und ihre Wappen:
http://www.hdbg.de/gemeinden2/bayerns-gemeinden_suche-gemeinden.php
Geschichtliche Hintergründe: Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1
Rottenburger Jahrbuch für Kirchengeschichte, Bd. 22 (2003).
Herrn Alois Lenz und Herrn Andreas Praefcke ein herzliches Dankeschön für wertvolle Hinweise.

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