Bernhard Peter
Mit Füßen getreten (1)

Heraldik zu unseren Füßen:
Normalerweise muß man sich die Hälse recken, um die Wappendarstellungen in großer Höhe an Fassaden oder über Portalen zu erkennen, und nicht selten werden die photographischen Möglichkeiten an ihre Grenzen geführt. Doch es gibt Heraldik auch zu unseren Füßen, insbesondere im Bereich kommunaler Heraldik, sei es als Pflaster-Mosaik auf öffentlichen Plätzen, seien es ins Pflaster eingelegte kunstvolle Metallarbeiten - Verschönerung öffentlicher Orte und Stärkung des Gemeinschaftsgefühls mittels des verbindenden Kommunalwappens.

Mosaike: Stadt Waldenburg, Wappen Hohenlohe als Mosaik aus Pflastersteinen, in Silber zwei schwarze Leoparden übereinander. Hier ein Mosaik aus groben Pflastersteinen, unten zwei Mosaike vor dem Rathauseingang in der Waldenburger Hauptstraße aus feineren, verglasten Steinchen:

Abb. links: Das Waldenburger Stadtwappen, das in dieser Form seit dem 16. Jh. nachgewiesen werden kann, ist geteilt, oben in Gold drei grüne Tannen nebeneinander, unten in Silber ein schreitender, hersehender schwarzer Löwe (Leopard) mit untergeschlagenem Schweif. Das Wappen ist eine Kombination aus zwei Komponenten: Oben wird redend der Wald stellvertretend für den Ortsnamen dargestellt, wo die Hohenloher, deren gemindertes Wappen die untere Hälfte des Stadtwappens bildet, ihre Burg hatten. Abb. rechts: Daneben ist ein weiteres Mosaikwappen für die französische Partnerstadt Sierck-les-Bains in der Region Lothringen (Département Moselle). Seit 1970 unterhalten die beiden Städte eine Partnerschaft. Die im Dreiländereck Frankreich-Luxemburg-Deutschland gelegene Stadt Sierck-les-Bains führt heute das alte Stammwappen der Herren von Sierck, welche die nahe Burg Meinsberg (Malbrouck) errichteten. Dieses alte Herrschaftswappen wird nun von einer Mauerkrone überhöht. Es zeigt in Gold einen roten Schrägbalken, belegt mit drei silbernen Jakobsmuscheln (Pilgermuscheln).

Abb.: In die Pflasterung des zentralen Stadtplatzes eingelegtes Wappen der Stadt Volkach (Landkreis Kitzingen). Das Wappen ist gespalten, rechts rot-silbern mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, links in Gold ein blauer Wellenschrägbalken. Die rechte Hälfte steht für das Herzogtum zu Franken und erinnert an die Herrschaft der Würzburger Fürstbischöfe, die linke Hälfte ist inspiriert vom Lauf des Maines in fruchtbarer Landschaft. Vor 1543 wurde ein anderes Wappen geführt, rechts wie beschrieben, links das Wappenbild der Grafen von Castell. Ursprünglich war Volkach ein Besitz der Grafen zu Castell, die den Besitz untereinander aufgeteilt hatten. Als diese in Geldnot waren, verpfändeten sie die mittlerweile in eine Hälfte (Hermann von Castell) und zwei Viertel (Ruprecht und Hermann, Söhne Heinrichs von Castell) aufgeteilte Stadt häppchenweise. Ruprecht verpfändete 1312 sein Viertel an Heinrich von Hohenlohe-Speckfeld (3/12). Ruprechts Bruder Hermann löste nach Ruprechts Tod dieses Viertel nicht ein, sondern verpfändete auch sein Viertel. Die Hohenloher besaßen nun 6/12 an Volkach. Heinrich von Hohenlohe verkaufte seine Hälfte an Volkach 1328 weiter an den Würzburger Fürstbischof Wolfram von Grumbach (6/12). Nun zur anderen Hälfte, die vorerst im Besitz der Grafen von Castell geblieben war: 1447 verpfändete Wilhelm von Castell seine Hälfte an der Stadt, wobei jeweils ein Drittel an Graf Otto von Henneberg (gegen 2998 fl.), an Konrad Schenk von Limpurg (gegen 3212 fl.) und an Konrad von Weinsberg (gegen 3500 fl.) ging. Der Bischof war Vormund der Söhne von Konrad von Weinsberg, und als solcher "verschob" er die Hälfte von deren Anteil (1/12) an die Schenken von Limpurg, die nun 3/12 an Volkach innehatten, während den Herren von Weinsberg nur noch 1/12 verblieb. 1457 löste der Würzburger Bischof Johann III. von Grumbach den Anteil der Schenken von Limpurg (3/12) und den der Herren von Weinsberg (1/12) ein. 1479 willigte der Graf von Castell in diesen Besitzübergang ein, allerding unter dem Vorbehalt der Wiedereinlösung. 1479 konnte der Würzburger Fürstbischof Rudolf von Scherenberg nun de facto 10/12 von Volkach als Besitz des Hochstifts betrachten. Neben Rudolf von Scherenberg hielt noch Graf Otto von Henneberg (2/12) Anteile an der Stadt. Die Mitbesitzer hatten jedoch keinerlei Interesse an Volkach und machten den Weg frei zum Erwerb der letzten Anteile im Jahr 1510, genausowenig wie die Grafen von Castell, die 1514 und 1520 auf ihre 1479 bzw. 1509 für den letzten Anteil eingeräumten Wiederkaufsrechte verzichteten. Bei diesem letzten Besitzübergang flossen im Jahr 1510 2998 fl. an die Grafen von Henneberg an Kaufsumme, im Jahr 1514 3780 fl. an Graf Johann von Castell und im Jahre 1520 1500 fl. an Graf Wolfgang von Castell zur Ablösung des Wiedereinlöserechts. Von 1520 bis zur Säkularisation waren die Würzburger Fürstbischöfe nun alleinige und unangefochtene Herren der Stadt, fast dreihundert Jahre lang. Als 1520 das Hochstift Würzburg nach und nach alle Anteile an der Stadt an sich gebracht hatte, war das alte Wappen nicht mehr zutreffend und wurde 1544 durch dieses hier ersetzt, das auch heute geführt wird. Ein Intermezzo gab es 1819-1952, in dieser Zeit wurden die Farben falsch verwendet, rechts Blau statt Rot, links kein Gold, sondern Silber als Feldfarbe. Das wurde glücklicherweise wieder 1952 korrigiert.

Eine Stadt mit sehr vielen Pflaster-Mosaiken ist Freiburg. Freiburgs Innenstadtpflaster ist äußerst lebhaft gestaltet. Vor vielen Häusern finden sich Rheinkiesel-Pflastermosaike mit Schmucksymbolen, typischen Hinweisen oder auch Wappen. Eine solche Gruppe von Wappen ist z. B. vor dem Basler Hof, der heute als Regierungspräsidium genutzt wird. Entsprechend der offiziellen Funktion des Gebäudes finden wir hier Heraldik des Landes Baden-Württemberg und andere Symbole der Landeshoheit aus der Geschichte Freiburgs. Ein ideales Photomotiv bei Regen, weil dann erst die Farben der feuchten Kiesel satt glänzen.

Freiburg, vor dem Basler Hof (Regierungspräsidium), Abb. links: Fränkischer Rechen (korrekt: von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, hier fehlerhaft), Abb. rechts: Wappen Badens (in Gold ein roter Schrägrechtsbalken).

Freiburg, vor dem Basler Hof (Regierungspräsidium), Abb. links: Wappen der Hohenzollern (von Silber und schwarz geviert), Abb. rechts: Wappen des Hochstifts Basel (in Silber ein roter Baselstab)

Freiburg, vor dem Basler Hof (Regierungspräsidium), Abb. links: Wappen Österreichs (in Rot ein silberner Balken), Abb. rechts: Wappen der Pfalz (in Schwarz ein goldener, rot bewehrter und ebenso gezungter und gekrönter Löwe)

Freiburg, vor dem Basler Hof (Regierungspräsidium): Als Bundesland Baden-Württemberg (ab 1952) führt das Land ein großes und ein kleines Landeswappen. Das kleine Landeswappen hat nur in Gold 3 schwarze schreitende rotgezungte Löwen übereinander. Das große Landeswappen ist der Schild der einstigen Herzöge von Schwaben, in Gold 3 schwarze schreitende rotgezungte Löwen übereinander. Auf dem oberen Schildrand sechs kleine Schildchen der ehemals wichtigsten Herrschaften auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes: Fränkischer Rechen, Hohenzollern, Baden, Württemberg, Pfalz, Österreich. Genau in dieser Reihenfolge sehen wir die Schildchen auch hier von heraldisch rechts nach links. Zum großen Landeswappen gehören eigentlich noch zwei Schildhalter, der badische Greif und der württembergische Hirsch, diese sind hier nicht dargestellt. Abb. links bei Sonnenschein, Abb. rechts bei Regen.

Abb.: Freiburg, Pflaster-Mosaik vor dem Sickingen-Palais. Das in Entsprechung zur Darstellung am Gebäude oval ausgeführte Wappen der Freiherren von Sickingen zeigt hier innerhalb eines rotes Bordes Schwarz fünf (2:1:2) silberne Kugeln.

Vor dem Rathaus sind in die Straßenpflasterung als Rheinkieselmosaike eingelegt die Stadtwappen von Freiburg und der Partnerstädte. Weitere Wappen befinden sich auf dem Bürgersteig direkt vor dem Rathaus, ein weiteres vor dem Nebeneingang innerhalb der Arkade.

Freiburg, Pflaster-Mosaik vor dem Rathaus. Abb. links: Stadtwappen von Besançon (Frankreich) - in Gold ein schwarzer Adler, in seinen Fängen zwei rote Säulen pfahlweise haltend (d'or à l'aigle de sable, tenant de ses serres deux colonnes de gueules brochant sur les ailes). Das Wappen geht auf eine Stiftung durch Kaiser Karl V zurück, wobei der Adler des Kaiserreiches aber nur mit einem Kopf übernommen wurde; die Säulen sind die Säulen des Herkules und ein Symbol für die gallo-römische Vergangenheit der Stadt. Unter napoleon wurde das Wappen zeitweise geändert, ab 1804 ersetzte der Löwe den imperialen Adler, dazu kam ein rotes Schildhaupt mit drei goldenen Bienen für eine "gute Stadt" nach dem Muster napoleonischer Heraldik dazu: D'or au lion de sable, adextré et senestré d'une colonne de gueules, surmonté d'une croisette de sable, au chef de gueules a trois abeilles d'or. Dieses wurde wieder zugunsten des Originalwappens aufgegeben. Abb. rechts: Stadtwappen von Innsbruck (Österreich) - in Rot eine von oben gesehene, balkenweise gelegte silberne Brücke mit zwei Pfeilern, ein redendes Wappen, welches die Brücke über den Inn darstellt. Die früheste Darstellung datiert auf 1267, in seiner heutigen Form wird das Innsbrucker Wappen seit 1325 verwendet, wobei die Farben seit 1547 bekannt sind. Hier ist eine Form gewählt, die die Pfeiler als steingefüllte Kästen wiedergibt.

Freiburg, Pflaster-Mosaik vor dem Rathaus. Abb. links: Stadtwappen von Padua (Italien, Lombardei), in Silber ein durchgehendes rotes Kreuz; der Schild ist golden gekrönt (Unterscheid zu Freiburg). Abb. rechts: Stadtwappen von Guildford (England, Surrey). Das Wappen zeigt innerhalb eines goldenen, mit drei schwarzen, rotbewehrten Krähen belegten Bordes über einem dreimal wellenförmig von Silber und Blau geteilten Wellenschildfuß in Schwarz auf einem grünen Berg zwischen zwei silbernen Wollsäcken eine silberne Burg mit drei Zinnentürmen, der mittlere Turm belegt mit einem von Frankreich und England gevierten Schildchen, die äußeren Türme mit spitzem Helm, die Mauer über dem Tor mit zwei Rosen balkenweise belegt, unter dem goldenen Fallgatter ein pfahlweise gestellter goldener Schlüssel, vor dem Tor liegend ein goldener, hersehender Löwe (sable, on a mount Vert between two woolpacks a castle with three towers Argent, the central one triple-towered and charged with a shield of the Royal Arms of France and England quarterly, the outer towers each surmounted by a spire, under the battlements two roses in fesse and within the open port beneath a portcullis a key all Or, on the mount before the port a lion couchant guardant also Or, the base barry wavy Argent and Azure, all within a bordure Or charged with three Cornish choughs proper). Zu diesem Stadtwappen würde noch eine Helmzier gehören, aus einer goldenen Krone, deren Zinken aus zwei Eicheln mit je einem Blätterpaar zwischen drei Ähren bestehen, wachsend ein silberner Löwe, um seinen Hals eine natürliche Schnur mit einem balkenweise gelegten schwarzen Schlüssel, zwischen den Pranken eine goldene Flachshechel haltend (out of a coronet composed of four ears of wheat and as many acorns slipped and leaved set alternately upon a rim Or, a demi-lion Argent about the neck a rope proper entwined there with a key fessewise Sable and between the forepaws a flaxbreaker Gold). Eine so detaillierte Wappendarstellung ist wirklich eine Herausforderung für ein Mosaik aus Rheinkieseln, so ist es nicht verwunderlich, wenn das königlich-englische Wappenschildchen nicht im Detail aufgelöst ist.

Hanau, Steinheim, Pflaster-Mosaik in der Schloßstraße. Das Wappen ist geviert, Feld 1 und 4: in Rot ein silbernes, sechsspeichiges Rad, Feld 2 und 3: in Silber zwei schwarze Balken. Es handelt sich um das Wappen eines Mainzer Fürstbischofs, denn das Motiv in Feld 1 und 4 ist das Mainzer Rad des Hochstifts.

Das gleiche Pflastermosaik, am PC entzerrt. Es handelt sich um das Wappen des Fürsterzbischofs Diether von Isenburg (reg. 1459-1461, erste Amtszeit, 1475-1482, zweite Amtszeit). Steinheim war 1425 durch Verkauf an das Hochstift Mainz gekommen.

Eine weitaus hochwertigere und qualitätvollere Variante in den öffentlichen Raum eingelegter kommunaler Wappendarstellungen sind in das Pflaster eingelassene Metallplatten (Bronzegüsse) mit den entsprechenden Wappendarstellungen. Eine solche finden wir zwischen dem Grabenübergang zum Hauptportal des Schlosses von Hardheim einerseits und dem Schüttungsbau andererseits. Um den Wappenschild der Stadt Hardheim sind kreisförmig insgesamt neun weitere Wappenschilde von sieben zu Hardheim gehörenden Ortsteilen und ehemals selbständigen Gemeinden sowie von zwei Partnergemeinden im europäischen Ausland angeordnet. Dieses im Zuge der Neugestaltung des Schloßplatzes angefertigte Arrangement wurde anläßlich des des Partnerschaftstreffens bei der 950-Jahrfeier der Gemeinde Hardheim im Mai 2000 der Öffentlichkeit übergeben.

Literatur:
Freiburger Stadtsiegel: Rosemarie Beck, Helmut Hartwig, Vom Adler zum Kreuz, Wappen in Freiburg erzählen Geschichte, 1993, Rombach Verlag Freiburg, ISBN 3-7930-0676-X.
Wappen Guildford:
http://www.civicheraldry.co.uk/weald_downs.html#guildford%20bc
Freiburgs Partnerstädte:
http://www.freiburg.de/servlet/PB/menu/1145583_l1/index.html
Wappen von Lemberg:
http://en.wikipedia.org/wiki/Coat_of_arms_of_Lviv
Siebmacher, Band Städte
Stadt Volkach: http://www.hdbg.eu/gemeinden/web/index.php/detail?rschl=9675174
Volkach:
http://de.wikipedia.org/wiki/Volkach
Volkach, Kulturpfad:
http://www.kulturpfad-grafen-castell.de/html/volkach.html
Besitzgeschichte von Volkach: Karl Friedrich Hohn, Johann Adam Stein, Atlas von Bayern: Geographisch-statistisch-historisches Handbuch zur Kenntniß des Zustandes von Bayern in seiner gegenwärtigen Beschaffenheit für alle Stände, 1840, online:
http://books.google.de/books?id=TyRKAAAAcAAJ, S. 90-93

Mit Füßen getreten (2): Kanaldeckel

Die Wappen des Hauses Hohenlohe
Baselstab
Der Fränkische Rechen
Die Entwicklung des Württemberger Wappens
Wappen der Wittelsbacher (1): Pfalz
Die Wappen der Markgrafen, Kurfürsten und Großherzöge von Baden

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