Bernhard Peter
Französische Heraldik:
Einfachere Beispiel-Blasonierungen
mit Erläuterungen

Beispiel 1: Freiherren von der Heyden
Diese mittlerweile erloschene Familie gehört zum rheinländisch-luxemburgischen Uradel.

Was liegt vor? Ein Schild (écu), dessen Grundfarbe silbern (argent) ist, trägt ein "pièce", einen Balken (la fasce). Wir sagen im Deutschen "In Silber", im Französischen "de", "von Silber", also "D'argent". Im Deutschen stellen wir Adjektive voran, also "ein schwarzer Balken", im Französischen ist der Balken "von Schwarz", also "une fasce de sable" mit hintangestellter Farbbezeichnung. Der Balken wird von gemeinen Figuren (les meubles) begleitet, das können wir wörtlich übersetzen: "accompagnée". Der Löwe ist "le lion", die Farbbezeichnung wird nachgestellt, also: "....accompagnée de trois lions de gueules". Nun, was für ein Löwe ist es? Steigt er, dann ist er "rampant", schreitet er, dann ist er "passant", schaut er her, ist er "la tête posée de face" oder "taré en front". Hier ist es ein steigender Löwe, wiewohl es auch eine Variante mit schreitenden Löwen bei diesem Wappen gibt. Nehmen wir alles zusammen, dann entspricht der deutschen Blasonierung "In Silber ein schwarzer Balken, begleitet von 3 (2:1) roten Löwen" im Französischen "D'argent à la fasce de sable, accompagnée de trois lions rampants de gueules". Die Helmzier (le cimier) wäre ein wachsender (issant), roter (de gueules) Löwe (le lion), die Helmdecken wären rot-silbern. Oder noch einfacher: Ein Löwe wie im Schild, wachsend. Also: Cimier un lion issant de l'écu.

Vokabeln:

  • l'écu = Schild
  • d'argent = silbern
  • de sable = schwarz
  • de gueules = rot
  • pièce = Heroldsstück
  • la fasce = Balken
  • les meubles = gemeine Figuren
  • accompagné de = begleitet von
  • le lion = Löwe
  • rampant = steigend - Eselsbrücke: "Rampe hoch"
  • passant = schreitend - Eselsbrücke: "passierend"
  • issant = hervorkommend, wachsend
  • regardant = widersehend
  • la tête posée de face = taré en front = hersehend
  • le cimier = Helmzier
  • de l'écu = wie im Schild

Beispiel 2: Lontzen, gen. Roben
Dieses Geschlecht stammt aus der Eifel und kam auch in Luxemburg vor.

Wo fangen wir an? Wir lassen erst einmal die Abweichungen weg und gehen von einem goldenen (or) Schild (écu) aus, der als Grundstruktur und Heroldsbild (pièce) ein rotes (de gueules) Kreuz (la croix) trägt: "D'or à la croix de gueules". Das Wörtchen "à" ist ein vielfältig verwendbares Wort, um Belegungen und sonstige Verbindungen anzuzeigen. Nun wird das Kreuz näher durch im Deutschen vorangestellte, im Französischen nachgestellte Adjektive beschrieben: Es ist gedornt (engreslé), also "D'or à la croix engreslée de gueules". jetzt zu den Abweichungen: Das erste Viertel ist nämlich abweichend von silberner Grundfarbe: "le premier quartier d'argent", und es ist mit einem Stern belegt. Das "belegt mit" wird im Französischen am einfachsten mit "à" gelöst: "le premier quartier à une étoile". Der Stern muß näher bezeichnet werden, denn er ist schwarz (de sable) und sechsstrahlig (à six rais). Insgesamt ergibt sich für die deutsche Blasonierung "In Gold ein gedorntes, durchgehendes rotes Kreuz, das erste Viertel silbern und belegt mit einem schwarzen, fünf- bis sechsstrahligen Stern. " im Französischen "D'or à la croix engreslée de gueules, le premier quartier d'argent à une étoile à six rais de sable". Nun zur Helmzier. Nach Loutsch ist das ein wie der Schild bez. rundes Schirmbrett, besetzt mit drei schwarzen Straußenfedern, oder auch eine goldene Lilie. Helmdecken rot-golden. Schirmbrett - hierfür wird das selbe Wort benutzt, das auch einen Computerbildschirm bezeichnet: "L'écran m.". Es ist wie der Schild bezeichnet: "aux armes de l'écu". Und es ist rund (rond). Es wird überhöht (surmonté, wörtl. überstiegen) von drei schwarzen (de sable) Straußenfedern (plumes d'autruche). Also insgesamt: "Cimier un écran rond aux armes de l'écu, surmonté de trois plumes d'autruche de sable." Nach Gruber ist die Helmzier übrigens eine mit schwarzen Hahnenfedern besteckte goldene Kugel.

Vokabeln:

  • l'écu = Schild
  • d'or = golden
  • de sable = schwarz
  • d'argent = silbern
  • de gueules = rot
  • pièce = Heroldsstück
  • la croix = das Kreuz
  • engreslé = gedornt
  • le quartier = das Viertel
  • le premier quartier = das 1. Viertel
  • une étoile = ein Stern
  • six = sechs
  • le rai = Strahl
  • à six rais = sechsstrahlig
  • le cimier = Helmzier
  • l'écran m. = Schirmbrett
  • rond = rund
  • surmonté de = überhöht von
  • aux armes de l'écu = mit den Inhalten des Schildes
  • la plume = die Feder
  • l'autruche f. = der Strauß
  • une plume d'autruche = eine Straußenfeder

Beispiel 3: de Feller
Die de Feller gehörten zum luxemburgischen Adel und erhielten den Reichsadelsstand 28.1.1741 für Dominique de Feller, Sekretär des Rates von Brabant. Die Familie ist mittlerweile erloschen.

Wir sehen ein Heroldsbild, das von drei gleichen gemeinen Figuren begleitet wird. Also ist die Reihenfolge der Ansprache: Grundfarbe des Schildes (écu), dann das "pièce", dann die gemeinen Figuren (meubles). Die Grundfarbe des Schildes ist blau, und im Französischen wird aus "In Blau" ein "Von Blau" - "D'azur". Das "pièce" ist ein Sparren (le chevron). Er ist golden (d'or), die Farbbezeichnung wird nachgestellt. Schild und Sparren werden mit der Allerweltsverknüpfung "à" verbunden. Nun zu den Kleeblättern: Wenn der Sparren selbst damit belegt wäre, würde man wieder mit "à" weitermachen, da er aber begleitet wird, übersetzen wir das wörtlich: "accompagné", wobei sich die Form des Adjektivs nach dem pièce richtet, ist es la fasce, der Balken, heißt es accompagnée, hier ist es le chevron, also accompagné. Von was begleitet? Das Kleeblatt ist le trèfle, und es ist silbern (d'argent). Die Stellung ergibt sich aus der Dreizahl der Objekte, passend zu den drei Lücken, deshalb sind die Angaben ausreichend. Also lautet der deutsche Blason "In Blau ein goldener Sparren, begleitet von drei (2:1) silbernen Kleeblättern" im Französischen "D'azur au chevron d'or, accompagné de trois trèfles d'argent." Zur Helmzier: Immer taucht das Kleeblatt aus dem Schild auf, entweder alleine ("Un trèfle de l'écu), oder auch zwischen einem rechts blauen und links silbernen Flug (parfois entre un vol d'azur et d'argent). Es findet sich auch folgende Beschreibung: Auf dem Helm mit blau-goldenen Decken ein schwarzer Kremphut ("Südwester") mit schwarzem Bande, welches rechts (vorn) mit einem silbernen Kleeblatt besteckt ist (ou un chaperon de sable portant un trèfle de l'écu).

Vokabeln:

  • l'écu = der Schild
  • d'azur = blau
  • d'or = golden
  • d'argent = silbern
  • de sable = schwarz
  • le chevron = der Sparren
  • la pièce = das Heroldsbild
  • accompagné de = begleitet von
  • un trèfle = ein Kleeblatt
  • trois = drei
  • parfois = manchmal
  • un vol = ein Flug
  • un chaperon = Kappe, Turnierhut
  • porter = tragen
  • portant = tragend
  • ou = oder

Beispiel 4: von Kesselstatt
Hier das Wappen der Reichsfreiherren und späteren Reichsgrafen von Kesselstatt, wie es nach 1711 und nach der Kombination des kesselstattschen Drachens mit dem Orsbeckschen Wappen geführt wurde:

Neue Schwierigkeit: Uns begegnet in dieser Serie zum ersten Mal ein Herzschild. Wir haben zwei Möglichkeiten, das zu beschreiben: Ein Herzschild wird écu en coeur genannt, un écusson en abîme, un écusson en coeur. Oder man sagt einfach: "sur le tout" und macht mit den Inhalten des Herzschildes weiter. Hier begegnet uns eine Möglichkeit, ein Blasonierungs-Universalwort einzusetzen: "brochant". Dieses Wort bedeutet, daß ein Objekt über alles darunterliegende hinweggeht, sich über andere Linien hinüberzieht, etwas überdeckt, vor etwas liegt - wie eine Brosche über Teile der Kleidung spannt. Also, um es ganz genau zu machen, kann man schreiben: "un écusson en coeur brochant", wenn man betonen will, daß der Herzschild über allem liegt und nicht ein Schildchen irgendwo in einen freien Platz gequetscht wurde. Beginnen wir mit dem Hauptschild: Das Grundfeld ist golden, also beginnen wir mit "D'or". Das Heroldsbild ist ein Andreas- oder Schragenkreuz (le sautoir). Beide werden mit der Universalverknüpfung "à" verbunden. Nun kommen die gemeinen Figuren (meubles), die Seeblätter (feuilles de nénuphar). Nénuphar ist die Seerose. Der Schragen wird von den vier (quatre) Blättern bewinkelt, der Schragen ist also "cantonné de". Das Verb "cantonner" bedeutet unterbringen, einquartieren. Der Herzschild ist belegt (chargé = beladen) mit einem roten Drachen. Eine geflügelte Drachenschlange ohne Beine, aber mit Flügeln wäre un serpent dragonné ailé, ein Drache mit Flügeln und mit Beinen wäre ein dragon ailé, und ein Drache ohne Flügel, aber mit vier Beinen, also ein Lindwurm, wäre ein dragon à quatre pattes. Nehmen wir alles zusammen, haben wir für den deutschen Blason "In Gold ein rotes Schragenkreuz, bewinkelt von vier grünen, rund ausgeschnittenen, aufrechten Seeblättern, Herzschild: In Silber ein roter Drache" das französische Äquivalent: "D'or au sautoir de gueules cantonné de quatre feuilles de nénuphar de sinople, un écusson en coeur brochant d'argent, chargé d'un dragon ailé de gueules." Oder kürzer: "D'or au sautoir de gueules cantonné de quatre feuilles de nénuphar de sinople, sur le tout d'argent, au dragon ailé de gueules." Nun zur Helmzier: Zu Kesselstatt gehört der rote Drache wachsend (un dragon ailé issant de gueules), Helmdecken rot-silbern. Zu Orsbeck gehört ein silberner, rotgezungter Pferderumpf mit rotem Zaum und roten Zügeln (une tête de cheval issante, lampassé de gueules), Helmdecke rot-silbern. Im reichsgräflichen Wappen kommt noch ein schwarzer Adler als Helmzier vor (une aigle de sable).

Vokabeln:

  • l'écu = der Schild
  • un écu en coeur = ein Herzschild
  • un écusson en abîme = Herzschild
  • l'abîme m. = die Kluft
  • un écusson en coeur = Herzschild
  • brochant = etwas broschierend, über etwas liegen, an etwas geheftet sein
  • le sautoir = das Andreas- oder Schragenkreuz
  • les meubles = die gemeinen Figuren
  • la feuille = das Blatt
  • le nénuphar = die Seerose
  • issant = wachsend, hervorkommend
  • la tête = der Kopf
  • sur le tout = über allem
  • quatre = vier
  • cantonner = einquartieren, unterbringen
  • charger de = beladen, belegen mit
  • le dragon = der Drache
  • ailé = geflügelt
  • le serpent = die Schlange
  • la patte = die Pfote, Pranke, Tatze
  • d'or = golden
  • d'argent = silbern
  • de sinople = grün
  • une aigle = der Adler
  • lampassé = gezungt
  • le cheval = das Pferd

Beispiel 5: Freiherren de Mesnil
Die Freiherren de Mesnil (de Mesnil de Volkrange) sind eine französische und luxemburgische Familie, ein uradeliges Geschlecht aus der Gegend von Bastogne. Sie hieß früher angeblich d'Hyves. 2.12.1709 spanischer und 3.5.1721 Reichsfreiherrenstand für Jean Francois Joseph de Mesnil. Bestätigung in den Niederlanden.

Wir haben hier zwei Elemente verschiedener Art gleicher Farbe, aber unterschiedlicher Sorte. Zum einen haben wir mit den drei Balken ein "pièce", zum anderen haben wir mit dem Stern ein "meuble". Beide sind Rot. Im Deutschen hätten wir kein Problem damit, zu formulieren: In Silber drei rote Balken, zwischen dem obersten und dem mittleren ein fünfstrahliger roter Stern. Die französische Blasonierung hat die doppelte Nennung einer Farbe eigentlich gar nicht gerne. Man versucht nun irgendwie, eine zweifache Farbnennung zu vermeiden, wenn es ohne Verlust der Eindeutigkeit möglich ist. Typische Worte dazu sind: du même (genauso tingiert), du premier (wie ersterer tingiert), du second (wie der zweite tingiert), de la figure (wie die Figur tingiert), du champ (wie das Feld tingiert), du meuble (wie die gemeine Figur tingiert), oder, wie wir es schon weiter oben hatten, de l'un en l'autre (in verwechselten Farben) usw. Im Deutschen würde so etwas ungewöhnlich klingen und länger sein als vorher: In Silber drei rote Balken, zwischen dem obersten und dem mittleren ein fünfstrahliger Stern von Balkenfarbe. Im Französischen ist es jedoch guter Stil, zu sagen, der Stern sei "du même", von gleicher Farbe wie die Balken. Also beginnen wir: Feldfarbe - pièce - meuble: Feldfarbe = D'argent. Pièce = drei rote Balken = trois fasces de gueules. Meuble = ein Stern = une étoile, näher spezifiziert hinsichtlich seiner Lage: une étoile entre les deux premières fasces. Nehmen wir alles zusammen: D'argent à trois fasces de gueules, une étoile du même entre les deux premières - kurz und ohne jede verbale Redundanz. Nun zur Helmzier: Auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein fünfstrahliger roter Stern oben angestemmt zwischen einem silbernen, mit je drei roten Balken belegten Adlerflug. Hier haben wir auch zweimal die Farbe Rot, doch ein "du même" würde hier nicht genau klären, ob es sich auf die Farbe Silber oder auf die Farbe Rot bezieht, daher: Cimier: Une étoile de gueules entre un vol d'argent à trois fasces de gueules.

Vokabeln:

  • du même = genauso
  • du premier = wie ersterer
  • du second = wie der zweite
  • la figure = die Figur
  • le champ = das Feld
  • de l'un en l'autre = in verwechselten Farben
  • une étoile = ein Stern
  • entre = zwischen
  • premier, première = erste/erster
  • un vol = ein Flug

Beispiel 6: Freiherren de Traux
Die Freiherren de Traux bzw. Traux de Wardin sind luxemburgischer Uradel (d'ancienne noblesse), erstmalig mit Wernard de Traux, Herr von Ozo, 1484 erschienen. Ein Familienzweig (une branche), der nach Österreich ausgewandert war (émigrée en Autriche), bekam am 26.4.1803 den Reichsfreiherrenstand für Pierre Joseph de Traux als Freiherr Traux de Wardin. 3.12.1844 Anerkennung durch König Leopold I. Weitere Zweige in Belgien.

Hier kommt die Anordnung mehrerer gleichartiger Elemente im Schild ins Spiel. "Rangé" bedeutet "angeordnet", "posé" bedeutet "gelegt". "Rangé" bezieht sich auf eine Gruppe gleicher Elemente, "posé" bezieht sich auf das einzelne Element. Hier stehen die Rauten (la fusée, les fusées) senkrecht, also liegt der Normalfall vor, und es braucht kein "posées" beschrieben zu werden. Aber die Rauten sind deutlich "rangées", nämlich in Form eines Balkens: "Rangées en fasce". Alternative Anordnungen wären die Anordnung schrägbalkenweise (rangées en bande) oder schräglinksbalkenweise (rangées en barre) oder gar pfahlweise (rangées en pal). Die Rauten stehen "normal", also vertikal (posées à plomb = lotrecht). Da das der Normalfall ist, wird es bei freistehenden Rauten nicht erwähnt. Also wäre das zugrundeliegende System bislang: "D'argent à cinq fusées de gueules rangées en fasce". Jetzt zu den Kleinteilen: Hier begegnet uns eine der wichtigsten Figuren der französischen Heraldik, identitätsstiftendes Symbol Frankreichs, die Lilie, die fleur de lis. Freilich hier nicht auf Blau, sondern der mittleren roten Raute aufgelegt. "Aufgelegt" - dieses Erreichen einer neuen Ebene wird mit "chargé, chargée" eingeleitet, "beladen, belegt". Die mittlere Raute ist "chargée de qc" - was jetzt näher präzisiert wird. Insgesamt haben wir: D'argent à cinq fusées de gueules rangées en fasce, celle du milieu chargée d'une fleur de lis d'or - zu deutsch: In Silber fünf rote Rauten balkenweise, die mittlere mit einer goldenen Lilie belegt. Der Stammhelm trägt einen golden bewehrten, schwarzen, oberhalben Hirsch - un daim naissant de sable, accorné d'or. Der Hirsch wird hier als Damhirsch (le daim) präzisiert, der üblichere Ausdruck für einen Hirsch ist "le cerf". "Gehörnt" ist "accorné". Hier wird im Blason das Wort "naissant" benutzt, das ist etwas anderes als "issant". Bedeutet letzteres "wachsend", so ist ersteres "oberhalb". Später kamen noch zwei weitere Helme hinzu, ein wachsender silberner Adler, auf Brust und Flügeln mit den Wecken aus dem Schild belegt, ferner ein rotgezungter, rotbewehrter wachsender goldener Löwe.

Vokabeln:

  • ranger = ordnen, reihen, anordnen
  • rangé, rangée = angeordnet
  • poser = setzen, stellen, legen
  • posé = gelegt
  • (rangés, rangées) en fasce = balkenweise
  • (rangés, rangées) en bande = schrägbalkenweise
  • (rangés, rangées) en barre = schräglinksbalkenweise
  • (rangés, rangées) en pal = pfahlweise
  • à plomb = lotrecht
  • la fusée = die Raute (außerhalb der Heraldik: die Rakete)
  • la fleur = die Blüte
  • le lis = le lys = die Lilie
  • la fleur de lis = la fleur de lys = die Lilienblüte, her. Lilie
  • charger = beladen, belegen, befrachten
  • chargé, chargée de qc. = belegt, beladen mit etw.
  • cel, celle = derjenige, diejenige
  • le milieu = die Mitte
  • celle du milieu = die in der Mitte
  • un daim = ein Damhirsch
  • naissant = entstehend, her. oberhalb
  • la corne = das Horn, das Gehörn
  • accorné, accornée = gehörnt
  • le cerf = der Hirsch
  • ancien, ancienne = alt
  • la noblesse = der Adel
  • émigrer = auswandern
  • Autriche = Österreich
  • une branche = ein Zweig

Beispiel 7: Comte de Briey, Baron de Landres
Die Grafen de Briey und Freiherren von Landres sind lothringer Uradel, ferner kommt das Geschlecht in Luxemburg vor. Ihr erster Name war de Landres, nach einem kleinen Dorf in Meurthe et Moselle, danach nannten sie sich nach ihrem neuen Wohnort Briey.

Hier begegnen uns modifizierte Objekte: In Gold schwebend drei unten zugespitzte rote Pfähle. Die neuen, jetzt benötigten Adjektive sind alésé = schwebend = abgeledigt = alaisé einerseits und fiché = fußgespitzt andererseits. Beide werden dem Substantiv nachgestellt, aber noch vor der Farbbezeichnung gelistet.

Bei der Gelegenheit ein paar allgemeine Worte zur Reihenfolge eines französischen Blasons: Man beginnt grundsätzlich und immer mit dem Schild. Erst wenn der gesamte Schild abgearbeitet ist, kommt man zum Oberwappen. Das ist im Deutschen nicht anders. Im Schild beginnt man immer mit dem Feld. Schildteilungen werden zuerst angesprochen (la lecture du blason débute par son partitionnement, s'il existe), dann die "pièces", dann die "meubles". Auch dies ist im Deutschen prinzipiell genauso, wenn auch nicht so starr in der Ausformulierung. Im vorliegenden Fall haben wir keine Teilung, der Punkt entfällt, wir beginnen also mit dem Feld und seiner Farbe (dans ce cas on commence avec l'émail du champ principal), dann kommen die Objekte mit ihren Farben (suivi par des charges avec leur émaux), hier eine gemeine Figur, die wir aber aus einem pièce ableiten. Wären mehrere Objekte vorhanden, beginnt man immer mit dem Hauptobjekt und geht dann zu den Nebenobjekten über (lorsqu'on a plusieurs charges, on blasonne en priorité les pièces et les meubles principaux). Die pièces werden vor den meubles beschrieben (les pièces sont énumérées avant les meubles), da letztere meistens den ersteren aufliegen oder sich in ihrer Lage an ihnen orientieren. Haben wir mehrere Objekte, so sind die in der Schildmitte immer die wichtigsten, und mit diesen beginnt man.

Wie geht man nun bei einem pièce weiter vor? Man beginnt mit seinem Namen (le nom), bei mehreren identischen pièces kommt vorher noch deren Anzahl (le nombre), der Name wird gefolgt vom Umriß (le contour) des pièce, sofern die Linie keine gerade ist (ist es gebogen, gezähnt, gezinnt, gedornt?) und seinem Zustand (l'état), wenn er vom Normalzustand abweicht (failli = verstutzt, ausgebrochen, fiché, alésé etc.). Danach kommt in der Reihenfolge die Farbe des pièce (l'émail), danach seine flächige Gestaltung, sofern eine vorliegt, also wenn das pièce "rempli" ist mit irgendwas (geschacht, gerautet, bestreut, besät etc.). Wenn all dies in der Ebene des pièce abgearbeitet ist, springt man zur nächsthöheren Ebene und beschreibt die meubles, die auf dem pièce als charge liegen. Ehe wir diese besprechen, noch eine Ausnahme: Haben wir eine mehrfache regelmäßige Teilung (un rebattement) und sind die pièces Teil derselben, wird die Anzahl der Farbbezeichnung nachgestellt (Bsp.: Palé d'azur et d'argent de six pièces = palé d'azur et d'argent (6) - von Blau und Silber zu sechs Plätzen gespalten).

Für die meubles geht man nun analog vor: Anzahl (sofern abweichend von 1), Name, besondere Charakteristika (caractéristique particulière), Haltung (la posture), Lage und Orientierung (l'orientation) in Bezug auf die Schildränder (sofern abweichend von Normalstellung, si l'une diffère de sa caractéristique par défaut), Farbe, Attribute, sofern farblich abweichend (Zunge, Kralle, Hörner etc.). Im Deutschen kann man sagen drei (1) rote (2), silbernbewehrte (3) und -gezungte (4), schreitende (5) Löwen (6) - im Französischen ist eine andere Reihenfolge zwingend: trois (1) lions (6) passants (5) de gueules (2), armés (3) et lampassés d'argent (4), entsprechend der oben geforderten Reihenfolge. Die Lage auf dem Schild bei mehreren gleichen meubles (la position sur l'écu), eingeleitet durch "rangé, rangée" und die Orientierung in Bezug auf die Schildränder (l'orientation), eingeleitet durch "posé, posée), wurden bereits im vorherigen Beispiel erläutert.

Also haben wir hier, um auf die Grafen von Briey zurückzukommen: D'or à trois pals alésés et fichés de gueules, entsprechend der Reihenfolge l'émail du champ (fond de l'écu) - charges (le nombre - le nom - l'état - l'émail). Helmzier: Auf dem gekrönten Helme schwebend ein roter Hut, gehalten von zwei auswärtsgebogenen, durch die Krempe gestochenen grünen Palmzweigen. Decken rot-golden. Cimier: Un chapeau de gueules, percé aux bord de deux palmes de sinople.

Vokabeln:

  • le pal = der Pfahl
  • le palé = mehrfach gespalten
  • alésé = alaisé = schwebend = abgeledigt
  • fiché = fußgespitzt
  • débuter = beginnen
  • le début = der Beginn
  • le partitionnement = die Schildaufteilung
  • le cas = der Fall
  • commencer = beginnen, anfangen
  • l'émail du champ = Feldfarbe
  • suivre = folgen
  • plusieur, plusieurs = mehrere
  • principal, principaux = hauptsächlich
  • énumérer = aufzählen
  • avant = vor
  • le nom = der Name
  • le nombre = die Anzahl
  • le contour = der Umriß
  • l'état = der Zustand
  • failli = verstutzt, ausgebrochen
  • remplir = füllen, ausfüllen
  • un rebattement = eine mehrfache regelmäßige Teilung
  • le fond de l'écu = Schildfarbe
  • le chapeau = der Hut
  • percer = durchstechen
  • le bord = der Rand
  • la palme = der Palmwedel

Beispiel 8: de Villers
Dieses luxemburgische Geschlecht (eines der vielen dieses Namens) führt folgendes Wappen: Schwarz, mit silbernen Lilien besät. Perrinet de Villers, 1374 Gefangener in Bäsweiler, führte 7 (3:3:1) Lilien und darüber einen Turnierkragen.

Dieses Wappen führt uns zur vertieften Diskussion des Begriffes "semé". Dieser bedeutet sowohl "besät" als auch "bestreut". Im Deutschen wird das strikt unterschieden, "besät" ist eine regelmäßige Belegung einer Fläche mit identischen Figuren unbestimmter Anzahl, wobei die Einzelelemente am Rand abgeschnitten werden. "Bestreut" dagegen bedeutet, daß die Einzelelemente zur Gänze innerhalb der Schildgrenzen zu liegen kommen und nicht abgeschnitten werden, ferner als Konsequenz eine Aufgabe der Regelmäßigkeit der Anordnung. Die Wappenbilderordnung des Herolds ist die einzige Quelle, die eine Unterscheidung gemäß "semé" = "besät", "semé ancien" = "bestreut" angibt. Auf Nachfrage ist jedoch der Begriff "semé ancien" in Frankreich unbekannt, und in der französischen Literatur konnte er bis jetzt nicht verifiziert werden. Im Französischen gibt es nur "semé" im Blason für beide Fälle, obwohl es durchaus zutreffend ist, daß man vor dem 17. Jh. in Frankreich in entsprechenden Darstellungen die Figuren am Rand abgeschnitten hat, später jedoch nicht mehr. Dies ist jedoch eine ästhetische Entwicklung, im Blason wird es nicht unterschieden.

Da es sich nur um ein einziges mustergenerierendes Element handelt, nämlich die Lilie (fleur de lis), lautet der korrekte Blason: "De sable semé de fleurs de lis d'argent". Wenn besagter Perrinet de Villers über den Lilien einen Turnierkragen führt, wäre das ein "lambel", und da er über den Lilien liegt, wäre es "un lambel brochant".

Vokabeln:

  • semé = besät, bestreut
  • de sable = schwarz
  • d'argent = silbern
  • le lambel = der Turnierkragen
  • la fleur de lis (lys) = Lilienblüte, Lilie
  • brochant = darüberliegend

Beispiel 9: de Kessel
Die Familie gehört zum Jülich-limburgischen und luxemburgischen Adel. Ihr Stammsitz ist Kessel an der Maas. Die rheinische Linie ist längst erloschen. Eine andere Linie ließ sich in Antwerpen nieder und bekam 1725 eine kaiserliche Adelsanerkennung. Weitere Diplome 1744, 1751, 1841, 1843 für verschiedene Linien. In Deutsch wäre der Blason: In Silber fünf (1:3:1) mit den Spitzen aneinanderhängende rote Rauten (auch: Würfel). Helmzier ein schwarzer, goldenbewehrter Rabe, Helmdecken rot-silbern.

Mit diesem Beispiel beschäftigen wir uns mit der Beschreibung von übergeordneten Strukturen aus identischen Einzelelementen. Wenige Einzelelemente, die unverbunden sind, kann man so beschreiben:

Werden es mehr Einzelelemente, greift man wie im Deutschen auf die Angabe der Anzahl pro Zeile zurück. Aus n (x:y:z) Objekte wird im Französischen: "n figures posées x, y et z". Ergeben sich durch die Stellung bestimmte übergeordnete Figuren, die einen Eigennamen tragen, werden diese stattdessen benutzt und mit "en" zugeordnet. Adjuvant kann man auch eine beliebige Figur assoziieren und schreiben "rangé en forme de XYZ", wie auch im Deutschen. Achtung: Man sagt "sept figures rangées en barre, aber immer "sept figures posées 2, 3 et 2". Welches Wort benutzt wird, erfordert manchmal ein bißchen Fingerspitzengefühl:

Werden die einzelnen Objekte aus ihrer Individualität herausgenommen und verbunden, stehen z. B. folgende Vokabeln zur Verfügung:

Zurück zum Beispiel:

Wären es mehr Rauten oder allgemein eine unbestimmte Anzahl, könnte man es einfach als Würfelkreuz bezeichnen (carreaux rangés en croix). Wäre die Mitte nicht existent, sondern einfach vier längliche Rauten zu einem Kreuz zusammengestellt, könnte man es als Rauten-Kreuz titulieren (croix losangée). So aber sind es genau 5 Rauten, also "cinq losanges rangées en croix". Wären die Rauten jeweils innen gefenstert, hätte man also ein Fensterrautenkreuz, spräche man von "cinq mâcles rangés en croix". Nehmen wir im vorliegenden Beispiel die Farben hinzu: "D'argent à cinq losanges de gueules rangées en croix". Rein theoretisch ist damit noch nicht definiert, ob die Rauten frei stehen oder aneinanderstoßen. Deshalb wird das jetzt wasserdicht gemacht: "D'argent à cinq losanges de gueules, accolées et aboutées en croix", jetzt wissen wir, daß sie sich sowohl horizontal als auch vertikal mit den Spitzen berühren und gemeinsam ein Kreuz bilden.

Jetzt brauchen wir noch die Helmzier: ein schwarzer, goldenbewehrter Rabe - "un corbeau, becqué et membré d'or". Dabei begegnet uns ein neues Wort: "membré" bedeutet hier "mit..... Beinen", ein Wort, welches für farblich abweichende Gließmaßen benutzt wird, denn "armé" wären ja nur die Krallen, die "Waffen", nicht die ganzen Beine.

Vokabeln:

  • la coté = die Seite
  • à la coté de = an der Seite von
  • l'un à coté de l'autre = nebeneinander.
  • affronté = opposé = einander zugekehrt
  • adossé = voneinander abgekehrt
  • l'un sur l'autre = übereinander.
  • contrepassant = gegengewendet
  • contrepassant, le premier contourné = verkehrt gegengewendet
  • la pyramide = die Pyramide
  • en pyramide = pyramidenweise
  • en forme de pile = keilförmig
  • le chevron = der Sparren
  • le chevron couché = der rechte Seitensparren
  • la croix = das Kreuz
  • la croix latine = das lateinische Kreuz, das Hochkreuz
  • un éventail = der Fächer
  • le cercle = der Kreis
  • en cercle = kreisförmig
  • abouter = aneinanderfügen, verbinden, zusammenfügen
  • accoler = anbauen, anbinden, anfügen, anschließen
  • réunir = verbinden, vereinigen
  • joindre = verbinden, anfügen
  • les carreaux rangés en croix = das Würfelkreuz
  • la croix losangée = das Rauten-Kreuz
  • mâcle = Fensterraute
  • mâcles rangés en croix = Fensterrautenkreuz
  • le corbeau = der Rabe
  • becqué = geschnäbelt (Sonderform von bewehrt)
  • membré = "begliedert", "mit..... Beinen"
  • l'étoile = der Stern

Quellen, Literatur und Links
Dr. Jean-Claude Loutsch, Armorial du pays de Luxembourg, 1974, Publications Nationales Du Ministère des Arts et des Sciences, Imprimerie Saint-Paul, Société Anonyme, Luxembourg
Wappenbilderordnung, Symbolorum armoralium ordo, hrsg. vom HEROLD, bearbeitet von Jürgen Arndt und Werner Seeger, Skizzen von Lothar Müller-Westphal, Verlag Degener, 2. Auflage 1996, Band 1 und 2
Herrn Laurent Granier ein herzliches Dankeschön für die Erörterung des Themas

Frankreich: Blasonierungs-Vokabular - einfache Blasonierungs-Bsp. - komplexe Blasonierungs-Bsp.
Übung: frz. Kommunalwappen - Bilddevisen

Übersicht

Home

© Copyright Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2009
Impressum
Bestandteil von
www.dr-bernhard-peter.de