Bernhard Peter
Damaszierungen in der Heraldik

Damaszierungen
Damaszierungen sind flächenfüllende Muster ohne Bedeutung, sie traten im 15. Jh. auf und haben keine heraldische Aussage. In der frühen Form handelt es sich um gekreuzte Linien, Punkte, Rosetten, später wurden es Ranken. Ihr Vorbild haben Damaszierungen in Siegeln, wo leere Felder ausgefüllt wurden und so mangels Farbwiedergabe voneinander unterschieden werden konnten, ohne jetzt schon eine Form von Farbangabe zu sein. Die Verwendung von Damaszierungen ist eine Stilfrage. Damaszierungen haben heraldisch nichts zu bedeuten, werden auch nicht blasoniert, sie sind eine rein graphische Spielerei, um leere Flächen zu füllen. Insbesondere wenn andere Partien sehr kleinteilig sind, nimmt man damit großen Flächen die optische Schwere. Ein Photo-Beispiel aus Weilburg an der Lahn (Wappen von Isenburg-Büdingen, die silbernen Flächen sind damasziert):

Waren in der Renaissance sehr beliebt, heute tendiert man mehr zur klaren graphischen Aussage. Prinzipiell können Metall- und Farbflächen gleichermaßen damasziert werden. Anscheinend wurden in der späteren Zeit aber besonders gerne Metallflächen (gold oder silber) damasziert, vielleicht unter dem Eindruck entsprechender Metallarbeiten. Der Gebrauch der Damaszierungen ist dem Künstler überlassen. Wer ein Wappen aufreißt, entscheidet nach seinem Geschmack darüber. Flächen, die mit einer gemeinen Figur belegt sind, werden üblicherweise nicht damasziert. Es entsteht durch Hinzufügen oder Weglassen von Damaszierungen kein neues Wappen. Heute wirkt es leicht manieriert. Wer sie anwenden will, sollte immer überlegen, ob er damit nicht eine klare graphische Aussage ruinieren könnte, denn Damaszierungen passen nicht zu jedem Wappen, können einigen aber wiederum den letzten Schliff verpassen. Es kommt immer auf den Stil und die Gesamtwirkung an.

Ein weiteres Photobeispiel aus Meersburg am Bodensee: Es ist das Wappen des Konstanzer Fürstbischofs Marquard Rudolf von Rodt (1689-1704) am Haus am Schloßplatz 11. In den Feldern 2 und 3 ist sein Familienwappen untergebracht. Sowohl die goldenen (besonders schön) als auch die silbernen und roten Flächen sind damasziert. Hier werden keine "Borde" oder "Ranken" blasoniert, das Feld ist schlicht "Gold". In der eingebogenen Spitze handelt es sich aber um Wolken, das ist wiederum Motiv, kein Ornament. Die eingebogene Spitze ist mit gemeinen Figuren belegt, daher wird hier der goldene Hintergrund nicht damasziert.

Ein nächstes Photobeispiel aus dem Heidelberger Schloß, am Ruprechtsbau, aber erst von 1534: Hier ist der ganze Schild damasziert - der Schild ist also eigentlich leer. Warum dies? Es ist hier aus dem Zusammenhang gerissen, tatsächlich neigen sich drei zusammengestellte Schilde zu, und der dritte Schild in der Mitte enthält nur die Damaszierung (Regalienschild), während die beiden anderen den Pfälzer Löwen und die Wittelsbacher Rauten zeigen. In der späteren Entwicklung kommt in den mittleren Schild der Reichsapfel als Symbol des Erztruchsessenamtes.

Zusammenfassung:

Literatur, Links und Quellen:
Heinrich Hussmann: Über deutsche Wappenkunst: Aufzeichnungen aus meinen Vorlesungen, Guido Pressler Verlag, Wiesbaden 1972
Wappenfibel, Handbuch der Heraldik, hrsg. "Herold", Verein für Heraldik, Genealogie und verwandte Wissenschaften, Verlag Degener, Neustadt 1981
Walter Leonhard: Das große Buch der Wappenkunst, Bechtermünz Verlag 2000, Callwey Verlag 1978
Georg Scheibelreiter: Heraldik, Oldenbourg Verlag Wien/München 2006, ISBN 3-7029-0479-4 (Österreich) und 3-486-57751-4 (Deutschland)

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