Bernhard Peter
Plädoyer für besseres Deutsch in Blasonierungen

Anglizismen - Plädoyer für gutes Deutsch in Blasons
Achtung: Im angelsächsischen Raum und in der französischen Heraldik wird eine andere und vor allem starrere Reihenfolge der Ansprache gewählt. Dies ist für den deutschen Sprachraum nicht bindend, auch wenn einige moderne Heraldiker versuchen, die englischen Regeln in die deutsche Blasonierungskunst einzuführen. Die Blasonierung in Deutschland ist jedoch nie dem in den Nachbarländern üblichen strengen Formalismus gefolgt, also besteht auch heute kein Grund, das einzuführen, genauso wie übermäßige Anglizismen in der deutschen Sprache überflüssig sind. Und genauso wie die Sprachpest "Denglisch" führt das zu einer Verhunzung - deutsche Blasons sind in der Regel eine lesbare Aufzählung von Ansprachen mit korrekter Wortstellung und Grammatik. Korrekte Ansprache kann durchaus mit guter Lesbarkeit einhergehen, das hat deutsche Heraldik schon immer positiv von der in den Nachbarländern abgehoben.

Im Englischen mag eine andere Reihenfolge korrekt sein - aber dann bitte auch in englischer Fachsprache. Wir behandeln hier den deutschsprachigen Raum, und da ist das genausowenig üblich wie morgens beim Bäcker zu sagen: "Wollen Brötchen bitte drei, belegt mit Wurst Scheibe Rot und Salat Grün, verbunden mit Butter Gold."

Veraltete, unverständliche und unterstellende Ausdrücke - Plädoyer für gutes Deutsch in Blasons
Viele, gerade ältere Wappenbücher, allen voran der Siebmacher, verwenden Ausdrücke, die nicht nur nicht mehr verstanden werden, sondern auch nicht geeignet sind, Verwendung in kurzen, präzisen und zugleich verständlichen Blasonierungen zu finden. Man sollte sie kennen, um alte Blasons zu verstehen, gleichzeitig sollte man diese Ausdrücke sehr kritisch sehen. Sie wurden geschaffen, um eine möglichst geschraubte und verklausulierte Fachsprache zu schaffen, um sie gegen Nichtfachleute abzugrenzen, und um Unterschiede zu schaffen, wo im Geiste guter Heraldik einfach keine wahrgenommen würden. Tatsächlich haben sich diese Formulierungen selbst ins sprachliche Abseits gebracht, denn sie sind kein Werk der heraldischen Blütezeit, sondern der späteren Papier- und Kanzleiheraldik. Vielfach werden Angaben gemacht, die einfach irrelevant sind, oft Vermutungen ausgesprochen oder den Wappenfiguren Absichten unterstellt. Heutzutage kann man sie belächeln, denn wir schätzen heute einen Stil der Fachsprache, der prägnant und verständlich zugleich ist. Beispiele für solche antiquierten Ausdrücke:

Bessere Blasonierungen: korrekte Präpositionen
Oft begegnen uns in Blasonierungen falsch verwendete Präpositionen. Ein solches Beispiel mangelnden Sprachgefühls ist die falsche Verwendung der Präposition "Über".

Was ist der Unterschied zwischen "auf" und "über"? Am einfachsten wird es an einigen Beispielen klar:

Nun finden wir Blasonierungen wie folgt:

Was ist jetzt bei einer Helmzier korrekt: "AUF" oder "ÜBER"? Wenn das Haus im obersten Beispiel einstürzt, stürzt der Schornstein mit, aber der Mond bleibt an Ort und Stelle. Wenn man das Regal an einen anderen Ort schiebt und vorsichtig war, ist das Buch gleich mit am neuen Ort, bleibt das Bild aber an der Wand hängen. Ergo: Wenn der gerüstete Ritter beim Angaloppieren zum Turnier die Helmzier AUF dem Helm hat, reitet diese mit. Wenn er sie ÜBER dem Helm hat, bleibt die Helmzier schwebend in der Luft hängen, während der seines Kleinods beraubte Ritter nach vorne prescht.

Fazit: "Auf dem Helm..." ist eine korrekte Formulierung, denn die Helmzier ist auf dem Helm befestigt; "über dem Helm....." ist nicht richtig, weil die Helmzier nicht darüber schwebt und weil kein Zwischenraum zwischen Helm und Helmzier ist, der das Wort "über" rechtfertigt. Helm und Helmzier sind eine konstruktive Einheit.

Literatur und Quellen:
1) Eike Pies, Neues Bergisches Wappenbuch bürgerlicher Familien, Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 1, 1998, ISBN 3-87947-111-8

Korrektes Zählen - Plädoyer für gutes Deutsch in Blasons
Die Blasonierungssprache ist eine schwere Sprache. Häufig geht bei den Blasons vor lauter Konzentration auf die korrekte Ansprache aber die korrekte Grammatik verloren, wie man leider immer wieder feststellen muß, selbst bei der Durchsicht von Einträgen in sehr renommierten Wappenrollen. Prädestiniert für's "Verzählen" durch schlechte Grammatik sind paarig vorkommende Objekte in der Helmzier:

Doch leider findet man in der Praxis Beispiele schlechter, unkorrekter Grammatik wie die folgenden (fiktiven), die alle die Anzahl "zwei" beschreiben wollen, aber es nicht tun:

Korrekt ist hingegen, wenn man "2" will:

Schlampigkeit im grammatikalischen Ausdruck führt zu Mißverständnissen. Und wie man sieht, läßt sich grammatikalische Korrektheit absolut mit der geforderten Kürze eines Blasons vereinbaren.

Bessere Blasonierungen: trägerbezogene Deskriptoren
Eine der Grundregeln heraldischer Beschreibung (Blasonierung) ist, daß die Richtungs-Deskriptoren "rechts" und "links" vom Schildträger aus gesehen werden. Die optisch linke Kante des Schildes ist die rechte Seite, die optisch rechte Kante ist die linke Seite. Das gehört zum "Kleinen Einmaleins" der Heraldik und braucht hier nicht vertieft zu werden. Alternativ kann auch statt "rechts" der Begriff "vorne" verwendet werden, weil man den Schild ja meist am linken Arm schräg vor sich hält, mal mehr vor sich, mal mehr seitlich, aber immer so, daß die rechte Außenkante weiter nach vorne zeigt, vom Träger weg, auf den Gegner zu. Und analog kann man statt "links" den Begriff "hinten" verwenden. Das ist für den Schild in Ordnung. Wohlgemerkt: Für den Schild, und nur für diesen!

Viel interessanter ist die Betrachtung des Oberwappens: Auch hier gilt, daß rechts und links so definiert sind, wie es vom Ritter selbst gesehen und wahrgenommen wird. Stellen wir uns einen echten Gerüsteten vor, oder nein, noch viel besser, stellen wir uns vor, wir wären ein Ritter, der gerade seine Rüstung angelegt hat. Wenn man einen Helm aufhat, ist rechts die Stelle etwa über des Ritters rechtem Ohr und links etwa die Stelle über seinem linken Ohr. Was ist, wenn etwas in der Symmetrieebene des Helmes ist? Es ist weder rechts noch links, korrekt. Ist es weiter vorne, so etwa über seiner Stirn, nennt man es "vorn", ist es weiter hinten, etwa über seinem Hinterhaupt, nennt man es "hinten". Soweit zur Topographie der runden Metallfläche auf unserem Schädeldach.

Nun werden die meisten Schilde und Helme in der Heraldik gemalt und nicht getragen. Beim Schild muß man nicht umdenken, denn es gibt nur eine einzige sinnvolle Darstellung: Von vorne. Denn von der Seite wäre es ein breiter Strich, und von hinten, naja, man sähe ein paar Schlaufen. Und wie glücklich sind wir, daß "rechts" und "links" bei einer Darstellung auf dem Papier auch "rechts" und "links" aus der Sicht des Schildträgers entsprechen.

Anders beim Oberwappen: Nehmen wir als Beispiel einen Helm, der ein Paar Büffelhörner als Helmzier hat. Wir stellen uns vor, es stünde ein leibhaftiger Ritter vor uns, und wir gingen um ihn herum. Über seinem rechten Ohr sehen wir ein rotes Horn, über seinem linken Ohr ein goldenes Horn. Also würden wir blasonieren: Auf dem Helm ein rechtes rotes und ein linkes goldenes Büffelhorn (oder eine der sinnvollen Alternativen, z. B. auf dem Helm ein rechts rotes, links goldenes Paar Büffelhörner). Jetzt malen wir den Ritter (das Wappen) in Frontalansicht: Klarer Fall, der Blason bleibt: Auf dem Helm ein rechtes rotes und ein linkes goldenes Büffelhorn. Jetzt malen wir den Ritter von seiner linken Seite, das entspricht einer Wappendarstellung im Profil. Da es nicht sein kann, daß der Blason sich ändert, während wir um den selben Ritter herumschreiten, bildlich gesehen, muß der gleiche Blason gelten, obwohl das rote Büffelhorn jetzt verdeckt hinten liegt und das goldene Horn sich dominant in den Vordergrund der Darstellung drängt. Jetzt heiratet der Ritter und wir malen ein Ehewappen. Der Helm wird dem seiner Ehefrau zugedreht und blickt nach links, vorne, uns zugewandt ist jetzt das rote Horn, hinten das goldene Horn. Wir nennen das nun vordere aber weiterhin das "rechte" und das nun hintere weiterhin das "linke" Horn.

Da es also nicht sein kann, daß beim Drehen des Helmes die Deskriptoren "rechts", "links", "vorne", "hinten" wechseln und damit je nach Zeichnung drei verschiedene Blasonierungen nötig werden, ist es ein Muß, mit mitdrehenden Deskriptoren zu arbeiten, also mit Bezeichnungen, die sich auf den Kopf des Ritters und seinen Blickwinkel beziehen, und nicht auf den Papierrand. Eine Position in der Mitte über der Stirn des Ritters ist immer "vorne" und wird bei einer Profildarstellung nicht zu "rechts". Und eine Position über dem linken Ohr des Ritters ist immer "links" und wird in einem Ehewappen nicht zu "hinten".

Wenn wir bei einem Wappen nur den Blason sehen, und keine Zeichnung haben, sind wir berechtigt, diesen Blason wörtlich zu erfüllen. Und zwar in jeder Perspektive, zu der wir je nach zeichnerischen Fähigkeiten und Zusammenhang Lust haben! Wenn ein Oberwappen blasoniert wird als "nach rechts hockende Gans", bedeutet das wörtlich, daß die Vorderseite der Gans mit Kopf und Hals rechts ist, also über dem rechten Ohr des Ritters. In einer normalen Profildarstellung müßten wir also von der Logik her den Allerwertesten der Gans zu sehen bekommen. Nur - hat der Blasonierungskünstler das auch gemeint? Oder: "Helmzier ein rechtswachsender Löwe". Der Löwe wächst nach rechts, streckt also seine beiden Vorderpfoten vom Träger aus gesehen nach rechts, also über dessen rechte Schulter. Und in einer Profildarstellung sehen wir den Schweif, so vorhanden, und in einem Ehewappen beim Mann sehen wir den Löwen von vorne. War das gemeint?

Mit Sicherheit nicht. Der Blasonierungskünstler hatte eine Profildarstellung vor Augen und hat seine Deskriptoren an den Papierkanten ausgerichtet. Im Profil geht normalerweise ein wachsender Löwe, der normalerweise nach vorne geht, in Bezug auf das Papier optisch nach links, also "papier-heraldisch" nach rechts. Nun ist aber jeder Wappenzeichner frei, die in seinen Augen optimale Darstellung zu wählen, und wenn er will, kann er z. B. ein Ehewappen zeichnen, wo das Wappen des Mannes gewendet und die Helmzier gedreht wird. Würde man jetzt die "papier-heraldische" Definition beibehalten, und die Definition weiter an den Papierkanten festmachen, würde bei einer solchen Blasonierung der Löwe nicht in der Lage sein, die Helmzier des Eheweibes anzublicken. Ergo muß etwas an der Annahme falsch sein: "Rechts" und "links", "vorne" und "hinten" müssen auf den Kopf des Trägers des Helmes bezogen werden und dürfen sich nicht auf die Papier-Ebene beziehen.

Nehmen wir einen Fall wie folgt: Schild rot-silbern gespalten, Helmzier ein Kamm mit sechs Spitzen, die vorderen drei rot, die hinteren drei silbern. Also so eine Art "Iro". Das von vorne frontal zu zeichnen, ist nicht sinnvoll, da es einen Strich ergäbe. In der Profildarstellung liegt optisch links, "papier-heraldisch" rechts der rote Teil des Kammes. Es ist aber falsch, das als "rechts" zu blasonieren, denn dann würde der Kamm nicht wie bei einem "Iro" verlaufen, sondern von einem Ohr zum anderen, wenn wir die Deskriptoren auf den Träger beziehen. Wenn wir jedoch die Deskriptoren auf die Papierebene beziehen, würden beim Ehewappen die vorderen Spitzen auf einmal silbern statt rot, die hinteren umgekehrt. Und dies darf erst recht nicht sein, denn das wäre ein anderes Oberwappen. Und einmal so und einmal anders die Bezugsebene zu definieren ist haltlos, weil jegliche Eindeutigkeit ins Schwimmen geriete, ließen wir dieses zu:

Ein Blason muß so abgefaßt sein, daß jemand das Wappen in jedem Zusammenhang richtig zeichnen können muß, ohne eine Abbildung gesehen zu haben.

Umgekehrt gedacht: Wenn bei einem Flug, dessen Flügel normalerweise rechts und links auf dem Helm stehen, die Deskriptoren "vorne" und "hinten" zum Einsatz kommen, ist das verfehlt, es sei denn, die Flügel stehen ausnahmsweise in Linie hintereinander entlang des Scheitels, was diese Begriffe rechtfertigen würde. Solch ein Oberwappen ist mir jedoch nicht bekannt.

Besonders schlimm ist es, wenn wachsende Figuren, die üblicherweise - sofern nichts Abweichendes angegeben wird - die gleiche Blickrichtung wie der Helmträger haben, als "rechtswachsend" blasoniert werden. Der Schreiber hat natürlich eine Profildarstellung vor Augen, doch tatsächlich beschreibt er eine um 90° gedrehte Figur, die uns in einer Profildarstellung den Hintern zeigen würde.

Und wie sicher reitet ein Ritter, wenn sich seine rechte Hälfte der Helmdecke "vorne" befindet? Das wird mit Sicherheit ein Blindflug. Leider findet man in der Literatur oft solchen verbalen Unsinn wie "Stechhelm mit vorne rot-silbernen und hinten blau-goldenen Decken". So was kann nur von Autoren geschrieben werden, die überhaupt kein räumliches Vorstellungsvermögen besitzen und noch nie einen dreidimensionalen Ritter gesehen haben. Denn dieser bedauernswerte Wicht hätte in seinem Nacken ein blau-goldenes Tuch und vor seinem Augenschlitz ein rot-silbernes Tuch. Selbstverständlich können sinnvoll angeordnete Helmdecken nur "rechts" oder links", nie aber "vorne" sein. Denn alles, was aus Trägersicht "vorne" ist, hängt vor dem Gesicht und behindert ziemlich. Und da man sein Gegenüber beim Aufeinandertreffen auch meistens direkt anschaut, kann es auch aus gegnerischer Sicht keinen Zweifel geben: Es gibt nur "rechts" oder "links", denn "vorne wäre wie ein Vorhang zwischen den beiden.

Diese Überlegungen sollen dafür sensibilisieren, beim Blasonieren mehr an den Wappenträger zu denken, denn hinter jedem zweidimensionalen Abbild steht eine gedachte dreidimensionale Realität, und die Richtungs-Deskriptoren sollten ausschließlich auf den Träger bezogene sein, weil sonst ein einheitlicher Blason bei immer zulässigen Darstellungen aus verschiedenen Blickwinkeln nicht möglich ist. Bei Verwendung "mitdrehender Deskriptoren" gibt es keine Probleme. Hier fordere ich von allen Autoren und Blasonierungskünstlern etwas besseres Mitdenken!

Werfen wir nun einen Blick in die Literatur für ein paar repräsentative Beispiele, die genau diese Problematik aufwerfen:

Deshalb: Beim Blasonieren DENKEN!

Literatur und Quellen:
1) Eike Pies, Neues Bergisches Wappenbuch bürgerlicher Familien, Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 1, 1998, ISBN 3-87947-111-8
2) Wappenregister der GwF, Zugriff 20.11.2009
3) Siebmacher Bayern A1 S. 65, bei Aichhaim
4) Deutsche Wappenrolle DWR Band: XLVI Seite: 28 Nummer: 8588/86
5) Genealogisches Handbuch bürgerlicher Familien
6) Karl Borchardt, Rothenburger Wappenb
uch. Patrizier und Ehrbare: Die Wappen im Geschlechterbuch des Johann Friedrich Christoph Schrag (1703–1780) zu Rothenburg ob der Tauber. J. Siebmachers großes Wappenbuch, Neue Folge: Die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Bd. 3; 2007. 208 S. mit 402 farb. und 1 s/w-Abb., Festeinband, ISBN: 978-3-87947-117-1

Bessere Blasonierungen: "heraldisch", "stilisiert" und "natürlich"
Es gibt manche Objekte, die uns in der Heraldik in mehreren Formen begegnen. Das betrifft z. B. Rosen und Lilien. Grundsätzlich gilt in der Heraldik immer der heraldische Stil, zu dem eine Stilisierung gehört. Das heißt, daß eine Rose grundsätzlich und standardmäßig eine stilisierte Rose ist und daß eine Lilie grundsätzlich und standardmäßig eine stilisierte Lilie ist. Genauso werden Rosen und Lilien seit dem Beginn der heraldischen Kunst im Normalfall dargestellt, so finden wir sie auf mittelalterlichen darstellerischen Zeugnissen, auf Epitaphien, in historischen Wappenbüchern, auf alten Urkunden, und genau so werden Rosen und Lilien in guter Tradition auch heute dargestellt, sofern nichts anders festgelegt ist.

Daneben hat sich aber eine zweite Möglichkeit entwickelt, die betreffenden Objekte nicht stilisiert, sondern in ihrer Form nach der Natur abzubilden. Ästhetisch mag man das kontrovers diskutieren, das ist hier aber nicht der Punkt. Es gibt diese Darstellung, und sie wird als "natürlich" bezeichnet. Eine natürliche Rose ist also eine Rose, deren Darstellung von der standardmäßigen Stilisierung dadurch abweicht, daß sie im Umriß der Wahrnehmung einer im Garten wachsenden Rose entspricht, bei der Lilie analog. Da das eine Abweichung vom Standard ist, wird diese Abweichung im Blason erwähnt: "eine natürliche Rose", "eine natürliche Lilie". So ist es korrekt, Abweichungen werden erwähnt, und wenn nichts anderes erwähnt wird, gilt der Stil, der der standardmäßige ist, eben der gewachsene Stil mit seinen Stilmitteln der Stilisierung, Abstrahierung, Vereinfachung etc. Dem entsprechen auch die meisten Rosen oder Lilien in ihrer Darstellung, und da ein wichtiges Prinzip der Blasonierungskunst ist, Selbstverständliches und Überflüssiges wegzulassen, weiß jeder, wie er eine "Rose" oder "Lilie" zu zeichnen hat.

Genauer besehen, sollten wir noch ein bißchen weiter differenzieren: Was ist natürlich, die Form oder die Farbe oder beides? Eine "natürliche" Figur ist nicht heraldisch stilisiert, sondern der echten, in der Natur vorkommenden Form nach gezeichnet. Sie kann dennoch in heraldischen Grundfarben tingiert sein. Hat die Figur außerdem noch die naturgleichen Farben, spricht man von einem Objekt in natürlichen Farben oder einer naturfarbenen Figur. Liegt beides vor, würde man, wenn man unmißverständlich präzise sein möchte, von einer natürlichen Figur in natürlichen Farben sprechen, andernfalls entweder von einer z. B. roten, natürlichen Rose, oder von einer Rose in natürlichen Farben. Dabei entsprechen im ersten Fall die Farbe, im zweiten Fall die Form den heraldischen Grunderwartungen und sind im ersten Fall die Form, im zweiten Fall die Farbe nach der natürlichen Vorlage ausgeführt. Eine natürliche Lilie in natürlichen Farben folgt hingegen in jeder Hinsicht dem Original im Garten.

Nun kommen aber einige Autoren auf die Idee, in Blasonierungen die Begriffe "eine heraldische Rose" und "eine heraldische Lilie" zu verwenden, insbesondere im Bereich der Kommunalwappen, leider auch bei manchen Familienwappen. Dieses ist in meinen Augen eine nutzlose Redundanz - selbstverständlich sind wir beim Thema Heraldik und nicht beim Skat. Warum darauf hinweisen, daß es um Heraldik geht? Diese Autoren schreiben "eine heraldische Rose", meinen aber "eine stilisierte Rose" - denn da sowohl stilisierte als auch natürliche Rosen in der Heraldik vorkommen, ist "eine heraldische Rose" zu schreiben, nicht nur redundant, sondern auch ungeeignet. Gute Blasonierung bedeutet, Überflüssiges wegzulassen, und in einer heraldischen Beschreibung darauf hinzuweisen, daß wir uns beim Thema Heraldik befinden - überflüssiger geht es kaum. Umgekehrt gäbe es auch kein Halten, und wir würden Blasons erhalten wie "In heraldischem Gold über heraldisch abgeteiltem rotem Schildfuß eine heraldische rote Rose, überhöht von einer heraldischen, heraldisch blauen Mondsichel". Spätestens jetzt dürfte dem Leser klar werden, was für ein Unfug ein solcher Hinweis ist, etwas sei "heraldisch", wenn wir uns in der Heraldik bewegen.

Aber sind wir mal großzügig und setzen "heraldisch" mit "stilisiert" gleich, weil eben jenes gemeint ist. Ist es richtig oder notwendig, darauf hinzuweisen, daß ein Objekt stilisiert ist? Beides nicht! Da in der Heraldik die Stilisierung ein Merkmal des als korrekt empfundenen Stiles ist, ist es auch hier absolut redundant, das zu erwähnen. Ohne Zusätze gilt der Standardstil, Abweichungen werden erwähnt. Deshalb wird eine Stilisierung nicht erwähnt, wohl aber eine abweichende "natürliche" Darstellung. Wer hingegen meint, die naturgetreue Abbildung als normal anzusehen und die Stilisierung als bemerkenswert zu betrachten, stellt sich selbst damit außerhalb der die geschichtliche Entwicklung widerspiegelnden Begrifflichkeit. Es kann ja wohl nicht sein, daß Jahrhunderte stilprägender stilisierter Darstellungen bei diesen Autoren so weit in Vergessenheit geraten sind, daß sie heute extra darauf hinweisen, daß eine Abbildung im Wappen nicht ihrem Blümchen im eigenen Garten entspricht, sondern "heraldisch" sei.

Fassen wir zusammen: Es wird nicht erwähnt, wenn etwas dem üblichen heraldischen Stil folgt und stilisiert ist, denn das ist der Normalfall, aus historischen und ästhetischen Gründen. Eine naturnahe, nicht-stilisierte Darstellung bezeichnen wir als "natürlich", wenn es die Form betrifft, bzw. als "naturfarben", wennn es die Tinktur betrifft. Alles andere ist redundant und unpassend.

Das Unwesen mit "ge....." und "be..." - Plädoyer für gutes Deutsch in Blasons
Solche "ge..."- und "be...."-Worte helfen nicht nur Nebensätze zu vermeiden, sondern auch eine Eigenschaft eindeutig einem Objekt zuzuordnen, wenn dies durch Nebensätze nur mit einem weitaus höheren Aufwand möglich wäre, insbesondere bei mehreren in Frage kommenden und zu unterscheidenden Objekten. Hier ist jedoch ein gewisses Augenmaß notwendig, welches Maß einer sprachlichen Verfremdung dem Sinn eines kurzen und prägnanten Blasons noch förderlich ist und ab wann der gute Stil leidet. Insbesonders das 19. Jh. schrieb gerne hochverklausulierte Blasons, während man heute sprachliche Klarheit mehr schätzt. Eine Zurückhaltung mit "ge-" und "be-"-Worten ist wohltuend, zumal altmodische Blasons davon überquellen und oft "ge-" und "be-" gerade grammatikalisch falsch eingesetzt werden, man möchte meinen, gerade weil es so viel schöner geschwollen klingt. Ein grausames Bsp. aus dem Siebmacher (Mayr, WüA, S. 223. T. 124): "ein in # Harnisch gearmierten und bis auf die Knie gestellten Mannsbild...". Auch sollte man bedenken, wann man "be..." und wann "ge..." verwendet - es heißt z. B. "goldengegrifftes Schwert" und nicht "goldenbegrifftes Schwert" - denn mit einem "Begriff" hat das rein gar nichts zu tun.

Ebenso weckt das Wort "beflügelt" andere Assoziationen als "geflügelt", wenn man einen wachsenden Frauenrumpf beschreibt. Man kann nicht wahllos "be" und "ge" austauschen - man beachte nur die unterschiedliche Bedeutung von "be-trübt" und ge-trübt" in der deutschen Sprache, ebenso von "be-richtet" und "ge-richtet" oder von "be-stellt" und "ge-stellt". Deshalb sollte man beim Blasonieren immer überlegen, ob es sich um Definition von etwas Assoziiertem handelt (z. B. "mit einem Stern besteckt", "mit einem Kleeblatt belegt", "von einer Kugel begleitet") oder um eine Beschreibung einer fest mit dem Objekt verbundenen Eigenschaft (z. B. "pfahlweise gestellt", "golden gezungt", "blau geflügelt"). Ein Helm ist selbstverständlich be-wulstet (unabhängiges zweites Objekt auf dem ersten!), ein ge-wulsteter Helm dürfte unpraktisch sein (Formveränderung des Helmes selbst).

Wenn ein Objekt mit einem oder mehreren anderen Objekten assoziiert ist, ist häufig ein "be...." angemessen: besät, bestreut, besteckt, belegt. Wenn ein Objekt selbst eine Veränderung erfährt, ist meistens ein "ge....." richtig: Gestellt, geknickt, gespalten, geteilt, gewendet, etc. Nehmen wir als weiteres Beispiel einen Stulphut: Das ist ein durchgehendes Teil, von dem man den unteren Teil nimmt und nach außen umknickt und hochklappt. Der Hut ist also ge-stulpt. Leider gibt es immer wieder "Sprachkünstler", die daraus ein be-stulpt machen. Nicht nur, daß es das Wort nicht gibt, in Analogie würde man so einen Hut bezeichnen, an den man außen ein paar Stulpe drangetackert hätte, analog zu be-sät-, be-streut o.ä. Wer jedoch sagen will, daß der Hut selbst unten umgeknickt ist, sollte ausschließlich ge-stulpt verwenden. Schließlich hätte im letzten Satz ja auch jeder um-ge-knickt gesagt, und nicht be-knickt, denn das wäre verbal höchstens be-knackt.

Grammatikalisch handelt es sich dabei zudem häufig um ein fiktives Partizip von Verben, das oder die es eigentlich nicht gibt. Der Verständlichkeit zukömmlich ist es, solche Wortungetüme zu umgehen: Aus "ein in # Harnisch gearmierten und bis auf die Knie gestellten Mannsbild..." wird ganz einfach eine "Dreiviertelfigur eines schwarzen Geharnischten"! Und statt 12 Worten hat man nur vier. Und aus dem "silbernen, goldbezäumten und ebenso bemähnten Roß" wird ganz einfach ein "silbernes Pferd mit goldener Mähne und ebensolchem Zaumzeug", nur zwei Worte mehr, aber erheblich klarer, denn die Verben "bezäumen" und "bemähnen" sucht man im Duden vergeblich. Und aus dem "golden-bebandeten goldenen Hifthorn" (DWR 71, 11020/06) kann ein "goldenes Hifthorn mit einem ebensolchen Band" oder ein "goldenes Hifthorn mit einem Band gleicher Farbe" werden, denn auch das Verb "bebanden" sucht man vergeblich. Noch schlimmer ist es, wenn ein Blasonierungskünstler die farblich abweichenden, z. B. roten Klauen eines Tieres anspricht: Weder "be-klaut" noch "ge-klaut" ist hier angemessen, sondern allein "mit roten Klauen", denn dieses ganze sprachliche Unwesen mit "be-" und "ge-" führt zu vermeidbaren Mißverständnissen, denn das Tier ist weder ein Dieb noch ein bestohlenes Opfer, sondern hat einfach andersfarbige Klauen. Das Wörtchen "mit" läßt viele dieser altertümlichen Wortungetüme verschwinden, auf die nur zurückgegriffen werden sollte, wenn sich nur dergestalt Mißverständnisse und Fehlzuordnungen von Eigenschaften vermeiden lassen.

Blasonierungssprache soll einfach, präzise, prägnant, kurz und verständlich sein. Die Zeiten, in denen man sich in künstlich geschraubte Verklausulierungen flüchtete, um dergestalt eine Art Herrschaftswissen zu erzeugen, sind doch nun wirklich vorbei. Die deutsche Sprache ist so schön, warum sie verhunzen? Warum muß ein Löwe z. B. "bekront" sein anstelle von "gekrönt"? Warum ist ein "behalsbandeter Hund" heraldischer als ein "Hund mit Halsband?" Sind sogar 3 Buchstaben weniger. Wenn wir Heraldik aus dem Muff der Kanzleien des 19. Jh. rausholen wollen, müssen wir auch so blasonieren, daß es wohlklingt und deutsche Sprache ist, die man versteht.

Bessere Blasonierungen: Halbmond
Ein Vollmond ist kreisrund, ein Halbmond ist ein Halbkreis. Das weiß jeder, der die Mondphasen am Himmel betrachtet. Warum wird dann so häufig eine Mondsichel, die außen konvex und innen konkav ist, als Halbmond bezeichnet? Und ein "gesichteter Halbmond" wäre, wenn man das korrekt umsetzte, in der Tat ein ziemlich aufgedunsenes Mondgesicht. Nein, ihr Blasonierer, habt Mut, die Dinge als das zu bezeichnen, was sie sind, und alles, was ein Viertelmond oder schmäler ist, auch eine Mondsichel zu nennen! Diese 2 Buchstaben mehr verkraftet jeder Blason im Namen der Richtigkeit und Präzision.

Bessere Blasonierungen: Rosen
Ich finde oft Formulierungen wie "eine golden besamte Rose". Der "Samen" einer Rose sind die kleinen schwarzen Nüßchen, die sich im Innern einer Hagebutte (die Sammelfrucht) befinden, botanisch genauer sind diese Nüßchen die eigentlichen Früchte der Rose, und der Samen steckt da drin. Eine Rose hat entweder eine Blüte, die zum Bestäuben einlädt, oder, wenn alles verblüht und vorbei ist, Samen und Früchte. Nicht beides zugleich. Das Gelbe, was man im Innern einer Rosenblüte sieht, sind Staubgefäße. Man spricht heraldisch auch von einem Butzen, also wäre korrekt: eine rote Rose mit goldenen Straubgefäßen oder Staubblättern, oder, heraldisch üblicher, "eine golden bebutzte Rose", weil man alle Staubgefäße auf einmal als "Butzen" (Verdickung) wahrnimmt. Es ist leider oft geübte Praxis, "besamt" zu sagen, dennoch möchte ich dazu anregen, beim Blasonieren mehr nachzudenken: Der Blason wird dadurch nicht länger oder schlechter.

Bessere Blasonierungen, bunt gemischte Beispiele:
Hier sind einige Beispiele aus der Literatur aufgelistet, die in meinen Augen verbesserungswürdige Blasonierungen haben. Es soll daran exemplarisch gezeigt werden, was wichtig ist, was hingegen redundant, und wie man daraus eine gute Blasonierung machen kann.

Abeler des Stammes Welp aus Birgte/Kreis Steinfurt in (Wuppertal-) Elberfeld, gefunden im Neuen Bergischen Wappenbuch: "Im schräggestellten roten Rundschild ein oben mit einer Krone besetzter goldener Pokal, kreisförmig begleitet von zwölf zur Mitte gerichteten silbernen Silberpappelblättern." (Vorher). Die Schrägstellung des Schildes wird bei einer Blasonierung nicht angegeben. Denn ein Wappen wird dadurch kein anderes Wappen, daß man einen Schild rechtsneigt, linksneigt oder gerade stellt. Das unterliegt der künstlerischen Freiheit und ist eine Frage der ausgewogenen Gesamtkomposition. Und da es überhaupt keinen Sinn macht, Angaben zu tätigen, über die man sich als aufreißender Künstler bedenkenlos hinwegsetzen kann, hat das auch nichts in einer guten Blasonierung verloren. Die Angabe "Rundschild" ist erstens falsch, weil ein runder Schild ein kreisrunder Schild ist, wie ihn die Wikinger geführt haben, gemeint ist sicherlich ein Halbrundschild, und zweitens absolut überflüssig. Jeder Zeichner darf dieses Wappen gerade, schrägrechtsgeneigt, schräglinksgeneigt, mit Halbrundschild, mit Dreieckschild, mit Tartsche zeichnen, wie er will. Und da er sich bedenkenlos über solche Angaben hinwegsetzen kann, ist die Angabe irreführend und überflüssig. Der bessere Blason lautet also: "In Rot ein oben mit einer Krone besetzter goldener Pokal, kreisförmig begleitet von zwölf zur Mitte gerichteten silbernen Silberpappelblättern." (Nachher). Aus 21 Wörtern wurden nur 19, und das Konstrukt ist um einige Zentimeter kürzer und um einige Klarheit reicher. 1)

Achenbach I in (Wuppertal-) Barmen (recte: Ackherer/Ackerer), gefunden im Neuen Bergischen Wappenbuch: "Im geraden silbernen Rundschild ein schrägrechter blauer Balken, der mit einem zusammengebundenen goldenen Ährenbündel belegt ist; begleitet rechts oben und links unten von je einer rechtsschrägen schwarzen Pflugschar. Auf dem golden bekrönten Bügelhelm [?] mit rechts schwarz-goldener und links blau-silberner Helmdecke eine aus einem blauen Ärmel wachsende silberne Hand, die das rechtsschräge goldene Ährenbündel hält." (Vorher). Die gerade Stellung des Schildes wird bei einer Blasonierung nicht angegeben. Zur Angabe "Rundschild" siehe oben. "Schrägrechts" kann zu "schräg" verkürzt werden, denn ohne nähere Präzisierung gilt immer rechts. Peinlicherweise zeigt die zugehörige Abbildung, daß heraldisch rechts und links verwechselt wurden. Ferner ist ein Bündel, wie der Name schon sagt, immer gebunden. "Bügelhelm" kann durch "Helm" ersetzt werden, und eine Helmkrone ist normalerweise immer golden. Die Angaben zur Position der Pflugscharen können alle durch das Wort "zwischen" ersetzt werden. Der bessere Blason zur Abbildung lautet also: "In Silber ein blauer, mit einem goldenen Ährenbündel belegter Schräglinksbalken zwischen zwei schräglinksgelegten schwarzen Pflugscharen. Auf dem gekrönten Helm mit rechts schwarz-goldenen und links blau-silbernen Helmdecken eine aus einem blauen Ärmel wachsende silberne Hand, die das schräglinksgestellte goldene Ährenbündel hält." (Nachher). Aus 56 Worten wurden nur 42 Worte. 1)

Altgelt aus Siegen, gefunden im Neuen Bergischen Wappenbuch: "Im geradegestellten gespaltenen Tartschenschild rechts ein halber roter Adler in Silber, links in Blau ein linksschräger silberner Balken, belegt mit einer blauen Lilie. Auf dem Bügelhelm [?] mit goldenem Halskleinod und rot-silbernen Helmdecken ein offener silberner Adlerflug." (Vorher). Die Stellung des Schildes wird in einem guten Blason nie angegeben, die Art der Schildform wird auch nie angegeben, beides ist redundant. Die Feldfarbe sollte gleich vorne in Zusammenhang mit der entscheidenden Tatsache des Vorliegens einer Spaltung erwähnt werden. Es wird nicht angegeben, welche Hälfte des Adlers abgebildet wird, es wird auch nicht erwähnt, daß diese Hälfte an die Spaltlinie anstößt, diese Angaben sind aber wichtig, sonst könnte es auch eine linke, schwebende Hälfte sein. Also wird daraus "ein halber Adler am Spalt", das ist eindeutig. Einen Balken kann man auf mehrere Art mit einer Lilie belegen, ohne Angabe steht sie normal, also senkrecht. In der zugehörigen Abbildung liegt sie aber schrägrechts, das weicht ab und wird "schräggelegt" oder "nach der Figur gelegt" blasoniert. Die Art des Helmes ist redundant, über die Angemessenheit eines Bügelhelms für Bürgerliche kann man trefflich an anderer Stelle diskutieren, das Halskleinod ist fehl am Platze und erst recht fehl in einer Blasonierung. Eine berechtigterweise vorhandene Münze am Helmhals kann gemeldet werden, in der Regel ist es aber redundant. Eine Münze am Helmhals ist ursprünglich Zeichen der Mitgliedschaft in einer Turniergesellschaft. Die Abbildung derselben hängt also von gesellschaftlichen, historischen und familiären Umständen ab. Es gab aber eine Zeit, wo man ohne Rücksicht auf diese solche Münzen abbildete. Das zu bewerten, ist hier nicht der Ort. Das für uns Wichtige ist: Durch Hinzufügen oder Weglassen dieser Münze entsteht - unabhängig von der Diskussion der Angemessenheit - kein neues Wappen. Daher ist die Erwähnung in der Blasonierung m. E. auch überflüssig. Die Angabe, daß der Adlerflug offen ist, ist ebenfalls redundant. Ursprünglich bestand kein Unterschied in der Wappenbeschreibung zwischen offenem und geschlossenem Flug, und die später getroffene Unterscheidung ist weder notwendig noch begründet noch nützlich. Sie ist nicht notwendig, weil durch die andere Darstellung kein neues Wappen entsteht. Sie ist nicht begründet, weil beide Wappendarstellungen als dreidimensionales Original exakt gleich sind. Und sie ist schließlich nicht nützlich, weil es eine Einschränkung für den Zeichner darstellt, die insofern inakzeptabel für diesen ist, als sie nicht bedeutungsrelevant ist. Der Zeichner hat die Freiheit, die im Zusammenhang optimale Anordnung zu wählen. Deshalb wäre, obwohl historische Blasonierungen diese Unterscheidung treffen, in meinen Augen die Angabe "offen" oder "geschlossen" in heutigen, zeitgemäßen Blasonierungen überflüssig. Ferner ist im vorliegenden Fall wieder rechts und links verwechselt worden, der Text spricht von linksschräg, tatsächlich wird aber ein rechtsschräger Balken abgebildet. Insgesamt lautet der bessere Blason zur Abbildung also: "Gespalten, rechts in Silber ein halber roter Adler am Spalt, links in Blau ein silberner Schrägbalken, belegt mit einer schräggestellten, blauen Lilie. Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein silberner Flug." (Nachher). Aus 37 Wörtern wurden 32 Wörter, und die Richtigkeit und Präzision wurde erheblich gesteigert. 1)

Bemberg vom Bemberghof/Bauerschaft Elfringhausen bei Hattingen/Ruhr, gefunden im Neuen Bergischen Wappenbuch: "Im geradegestellten, im oberen Drittel geteilten Schild oben in Blau drei sechsstrahlige goldene Sterne, unten in Silber ein blauer Fels. Auf dem Bügelhelm [?] mit goldenem Halskleinod und blau-silbernen Decken mit ebensolchem Wulst ein silberner Pelikan mit offenen Schwingen und goldenem Schnabel, der mit seinem Blut drei silberne Jungtiere im silbernen Nest füttert. (Vorher). Zu "geradegestellt" siehe oben. Ein "im oberen Drittel geteilter Schild" wird Schildhaupt genannt, und der Fachausdruck, sofern gegeben, kann und soll verwendet werden. "Fels" ist nicht präzise genug, zumal die Abbildung deutlich 1:2:3 Rundungen zeigt, es sich also um einen Sechsberg handelt. Auch hier ist das Verwenden vorhandener Fachbegriffe besserer Stil. Zum goldenen Halskleinod und zum Bügelhelm siehe oben. Die Darstellung eines Pelikans ist immer die, daß er seine Jungen mit Blut aus seiner Brust füttert, wegen der allgemein bekannten und verstandenen Ikonographie ist das im Wort "Pelikan" inbegriffen. Verbesserte Version: "Unter einem blauen Schildhaupt mit drei balkenweise gestellten, sechsstrahligen, goldenen Sternen in Silber ein blauer Sechsberg. Auf dem Helm mit blau-silbernen Decken ein silberner, flugbereiter, goldbewehrter Pelikan mit drei Jungen in silbernem Nest. (Nachher). Aus 53 Wörtern wurden nur 34 Wörter. 1)

Langehenning, gefunden im Wappenregister der GwF: "Schräggeteilt Gold und Grün, ein Gold-Grün geschachteter Schrägbalken, oben Gold, unter Grün gesäumt, vorne ein Pflugschar Grün mit der Spitze aufwärts nach der Teilung gelegt, hinten eine Hopfenranke Gold mit zwei Dolden. Decken Grün- Gold, auf Grün-goldenem Wulst zwei aufrecht gegeneinander gestellte (Post-) Hörner Gold, aus deren Trichter ein Eichensproß mit einem Eichenblatt Grün und beidseits je einer Eichel Gold erwächst." (Vorher). Das ist kein Deutsch, denn die Art der Teilung und Farben werden hier als unzusammenhängende Begriffe stakkatoähnlich aneinandergehängt, ohne eine Beziehung zu den Worten zu schaffen, eine Unart, die sich durch die gesamte Blasonierung zieht. Die Groß- und Kleinschreibung ist erratisch. Die Abfolge von Subjekt und Adjektiv im Deutschen ist dem Schreiber offensichtlich unbekannt, genausowenig die Flexion von Adjektiven und der Genus von Pflugschar. Die normale Reihenfolge ist, und dies entspricht auch der Wappenbilderordnung, daß man zuerst oben beginnt, dann zum unteren Feld kommt. Ferner ist die Nennung der beiden Farben in dieser Häufigkeit redundant, da fast alles schön der Farbregel gehorcht und die Farben immer alternieren, kann man die Farben der beiden Hauptfelder nennen und ansonsten auf die "verwechselten Farben" zurückgreifen. Die Formulierung "Schräggeteilt Gold und Grün" zeigt ferner, daß der Blasonschreiber von seinen ganzen Farben selbst so verwirrt war, daß er Grün und Gold verwechselt hat, denn Grün ist oben, und Gold ist unten. Das Wort "geschachteter" paßt zu einem Bergwerk, wo man das Vorhandensein von Schächten beschreibt, aber das zu einem Schach passende Wort lautet "geschacht, geschachte, geschachter". Der Unterschied zwischen einem Hifthorn und einem Posthorn ist die kreisrunde "Schlaufe" des Rohres. Jetzt wollen wir diesen Unfug verbessern: Die Basiskonstruktion ist: Von Grün und Gold schräggeteilt, und dahinein wird beschrieben, mit was geteilt wird: Von Grün und Gold schräggeteilt mit einem beiderseits gesäumten, golden-grün geschachten Schrägbalken. Und das wird ergänzt durch die begleitenden Objekte: "Von Grün und Gold schräggeteilt mit einem beiderseits gesäumten, golden-grün geschachten Schrägbalken, oben eine Hopfenranke mit zwei Hopfenzapfen, unten eine schräggestellte Pflugschar, alles in verwechselten Farben. Auf dem grün-golden bewulsteten Helm mit ebensolchen Decken ein aufrechter goldener Eichensproß mit einem grünen Blatt zwischen zwei Eicheln, aus den beiden Mündungen zweier gegeneinandergestellter goldener Hifthörner ohne Band hervorwachsend." (Nachher). Aus einem geradebrechten Blason mit 63 Wörtern wird ein verständliches Deutsch mit 58 Wörtern, ein geringer Gewinn an Kürze, aber ein großer Gewinn an Richtigkeit und Verständlichkeit. 2)

Kurze Blasons sind erstrebenswert, und vielfach lassen sich lange Formulierungen durch treffend eingesetzte Fachausdrücke kurz und knapp auf den Punkt bringen. Ein Beispiel für einen sehr brauchbaren Fachausdruck ist "ÜBERECK GETEILT". Den Fachausdruck benutzt man, wenn ein Flug rechts und links geteilt ist, bei dem einen Flügel aber die Farben ausgetauscht sind. Man beginnt mit der Farbnennung heraldisch rechts oben. Drei Umformulierungen: "zwischen zwei geteilten (rechts silbern-blauen und links blau-silbernen) Büffelhörnern" (Caspari aus Enkirch/Mosel, 1)) wird zu "zwischen zwei silbern-blau übereck geteilten Büffelhörnern". Analog: "ein übereck geteilter offener Adlerflug, der rechte Flügel Rot über Silber, der linke Flügel Silber über Rot" (Clarenbach aus Clarenbach im Bergischen Land, 1)) wird zu "ein rot-silbern übereck geteilter Adlerflug", und "zwischen einem übereck geteilten offenen Adlerflug (der rechte Flügel Schwarz über Gold, der linke Flügel Gold über Schwarz)" (Colsman(n) aus Pommern, 1)) wird zu "zwischen einem schwarz-golden übereck geteilten Adlerflug". Jeweils präzise, kurz, frei von Redundanzen.

Literatur und Quellen:
1) Eike Pies, Neues Bergisches Wappenbuch bürgerlicher Familien, Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 1, 1998, ISBN 3-87947-111-8
2) Wappenregister der GwF, Zugriff 18.11.2009
Herrn Dieter Linder ein herzliches Dankeschön für das Beispiel mit "be-klaut" und "ge-klaut"

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