Bernhard Peter
Wappen der Trierer Fürstbischöfe

Die Geschichte der Wappen der Trierer Fürstbischöfe - Teil (1): 1362-1711

Unterscheide:

Abb. links: Kilianskapelle im Osten des Kreuzganges des Trierer Domes, Außenseite. Abb. rechts: Eingangsportal zum Domvikariat in Trier.

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Balduin von Luxemburg (1307-1354)

Geviert:

Abb.: Trier, Grabenstraße 20, Photo aber per EDV modifiziert und richtiggestellt, weil der Anstrich am Objekt fehlerhaft ist

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Kuno II Graf von Falkenstein (1362-1388) und Werner Graf von Falkenstein (1388-1418)

Geviert:

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Otto v. Ziegenhain (1418/19-13.11.1430)

 
Variante 1: gespalten
  • rechts in Silber ein durchgehendes rotes Kreuz, Fürstbistum Trier
  • links schwarz-golden geteilt, oben ein silberner sechsstrahliger Stern, Ziegenhain
Variante 2: geviert
  • Feld 1 und 4: in Silber ein durchgehendes rotes Kreuz, Fürstbistum Trier
  • Feld 2 und 3: schwarz-golden geteilt, oben ein silberner sechsstrahliger Stern, Ziegenhain
 

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:

Abb.: Abdruck des Siegels von Fürstbischof Otto von Ziegenhain im Staatsarchiv Koblenz, mit getrennten Schilden für Hochstifts- und Familienwappen.


Raban von Helmstatt (1430-1439)

Geviert:

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Jakob I von Sierck (1439-1456)

Das Wappen ist vom Fürstbistum Trier und vom Stammwappen geviert

Abb. links: Wallfahrtskirche Klausen (Eifel). Im Beispiel sind die Schrägrechtsbalken zu Schräglinksbalken geworden, zudem ist das Trierer Kreuz an ungewohnter Position. Das komplette Wappen ist gewendet. Abb. rechts: Münstermaifeld, Ecke Herrenstraße/Obertorstraße.

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Johann II. von Baden (1456-1503)

Das Wappen ist vom Fürstbistum Trier und vom Stammwappen geviert:

Bildbeispiel: Wallfahrtskirche Klausen (Eifel).

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Jakob II. von Baden (1503-1511)

Das Wappen ist identisch mit dem seines Vorgängers und vom Fürstbistum Trier und vom Stammwappen geviert:

Abb.: Trier, Grabenstraße 20, entweder das Wappen von Jakob II. oder von Johann II. von Baden

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Richard von Greiffenclau zu Vollraths (1511-1531)

Da keine weiteren Bistümer von ihm regiert wurden, ist sein Wappen immer gleich dargestellt. Eigentlich hat das Wappen Greiffenclau-Vollraths einen aus Greiffenclau und Ippelbrunn gevierten Schild (vgl. Monographie Greiffenclau), die Ippelbrunner Felder fallen weg, was der Klarheit der Darstellung insgesamt zugute kommt. Das Wappen ist vom Fürstbistum Trier und vom Stammwappen geviert:

Mögliche Helme wären:

Auf seinem Grabdenkmal im Trierer Dom ist nur die Bischofsmütze realisiert.

Abb. links: Schloß Montabaur, Wappen an der Außenmauer des Vierflügelbaues. Abb. rechts: Strier, Sternstraße 6.

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Johann III. von Metzenhausen (1531-1540)

Da keine weiteren Bistümer von ihm regiert wurden, ist sein Wappen immer gleich dargestellt. Das Wappen ist stets vom Fürstbistum Trier und vom Stammwappen geviert, und Prüm fehlt noch:

Das Wappen hat meist nur einen Helm, und der trägt eine Komposithelmzier:

Die Metzenhausen-Helmzier wäre ein Gupf, der oben mit einem Hahnenfederbusch zwischen je zwei Weizenähren besteckt ist, Helmdecken schwarz-silbern.

 

Bildbeispiele: Abb. links: Burg Limburg, datiert auf 1534. Abb. rechts: Zell an der Mosel, Haus Caspary.

Bildbeispiel: Burg Limburg, über einer Tür.

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Johann IV. Ludwig von Hagen zur Motten (1540-1547)

Sein Wappen ist geviert:

Bildbeispiel: Zell an der Mosel, kurfürstliches Schloß

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Graf Johann von Isenburg, Johann V. von Isenburg (1547-1556)

Sein Wappen, nach einem Hauptsiegel von 1548 im Münchener Kalender 1934 abgebildet, ist geviert:

 

Drei Helme, im Münchener Kalender 1934 abgebildet:

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Johann VI. von der Leyen (1556-1567)

Sein Wappen ist geviert:

Drei mögliche Helme (ohne vorliegenden Beleg):

Laut Siebmacher wird der Helm 2 als einzelner Helm geführt.

Beispiel: Koblenz, Alte Burg, Renaissance-Portal

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Jakob III. von Eltz (1567-1581)

Im ersten Teil seiner Amtszeit (1567-1576) ist das Wappen vom Fürstbistum Trier und vom Stammwappen geviert, und Prüm fehlt noch:

Ab 1576 wird dem Wappen Prüm als Herzschild aufgelegt. Eigentlich wollte Prüm nie zu Trier. Trier wollte aber schon immer Prüm haben. Denn eine reiche Abtei mit riesigem Streubesitz weckt Begehrlichkeiten. Schon 1235 hatte man versucht, Prüm in ein Bistum zu verwandeln und Trier zu unterstellen. Bereits im Jahre 1554 hatte der Erzbischof von Trier beim Papst eine Union mit der Fürstabtei Prüm beantragt - Vorwand waren reformatorische Bestrebungen. Als der letzte Fürstabt, Christoph von Manderscheid-Kayl, im Jahre 1576 verstarb, schaffte der Erzbischof von Trier, Jakob III. von Eltz (1567-1581), Tatsachen: Er erschien in Prüm und ließ sich als Nachfolger einführen - gegen den Widerstand der Mönche, aber mit Zustimmung von Papst und Kaiser. Im Grunde war diese „Inkorporierung“ ein Akt von oben gebilligter Besetzung. Das neue Wappen sah jetzt folgendermaßen aus:

Drei Helme:

Am Grabaltar im Trierer Dom sind alle drei Helme realisiert. Darstellungen sind auch nur mit Bischofsmütze oder nur mit dem Trierer Schirmbrett möglich.

Abb.: Moderne Umsetzung in der kath. Pfarrkirche St. Salvator Prüm

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Johann VII. von Schönenberg (1581-1599)

Das Wappen beinhaltet jetzt wie bei allen nachfolgenden Erzbischöfen und Kurfürsten immer auch die Fürstabtei Prüm. Inhaltlichen Variationen ist es nicht unterworfen, denn Trier war sein einziges Bistum.

Drei Helme:

Bildbeispiel: Koblenz, Jesuitenkloster, Westportal

Am Grabaltar im Trierer Dom, am Jesuitenkolleg Koblenz sowie am Johannesaltar im Trierer Dom sind alle drei Helme realisiert, am Schloß in Montabaur nur Helm 2. An der Bertradaburg in Mürlenbach findet sich ein vereinfachter Schild ohne Prüm.

Bildbeispiel: Schloß Montabaur, Außenseite des Torgebäudes über der Durchfahrt. Helmzier ungewöhnlich gestreckt und hoch.

Es gibt eine "Kurzform", bei der dem Trierer Kreuz lediglich das Familienwappen als Herzschild aufgelegt wird. Dabei wird Prüm weggelassen. Abb.: Petrusbrunnen auf dem Trierer Hauptmarkt.

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Lothar von Metternich (1599-1623)

Das Wappen ist wie folgt aufgebaut

Drei Helme:

Bildbeispiel: Kurfürstliches Palais Trier, Innenhof, Ostflügel

Am Allerheiligenaltar im Trierer Dom sind alle drei Helme realisiert, desgleichen am kurfürstlichen Palais in Trier. Im Siebmacher, Bistümer ist zu lesen, daß Metternich Prüm aus seinem Schild verbannt hätte. Die Darstellung am Allerheiligenaltar im Trierer Dom enthält dagegen eindeutig einen Herzschild mit Prüm, ebenso weitere bauplastische Darstellungen wie im Innenhof des kurfürstlichen Palais in Trier. Es gibt aber auch Belege ohne den Prümer Schild wie am Rathaus in Bernkastel, so daß davon ausgegangen werden kann, daß er beide Varianten geführt hat.

Bildbeispiel: Rathaus in Bernkastel (Mosel)

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Philipp Christoph von Sötern (1623-1652)

Er war bereits 1610 Bischof von Speyer und Propst von Weißenburg und wurde erst 1623 Erzbischof und Kurfürst von Trier, also enthalten alle seine Wappen als Trierer Kurfürst die Elemente Speyer und Weißenburg (was damals schon zu Speyer gehörte). Das Wappen ist wie folgt aufgebaut:

Drei Helme:

Am Grabaltar im Trierer Dom sind alle drei Helme wie beschrieben realisiert.

Bildbeispiel: Petersburgportal in Trier. Die Wappendarstellung kann nicht verleugnen, daß das Tor mehrfach bis zur Unkenntlichkeit "restauriert" wurde.

Ergänzung zu Weißenburg: Die Propstei wurde von Speyer einverleibt. Deswegen finden wir Weißenburg immer dann im Wappen der Trierer Kurfürsten, wenn sie zugleich Bischof von Speyer waren. Auch wenn das Weißenburger Wappen meist in Rot eine silberne Burg ist, überhöht von einer goldenen Krone, wird sie auch gerne mit einem schrägrechts durchgesteckten Prälatenstab dargestellt. Dieses Detail wird bei den aufwendigen und komplexen zusammengesetzten Wappen gerne gespart - vgl. Orsbeck, da ist es schön zu sehen.

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Karl Kaspar von der Leyen (1652-1676)

Trier war sein einziges Bistum, deshalb ist sein Wappen klassisch nur aus dem Fürstbistum Trier und Familienwappen geviert mit Prüm als Herzschild. Im Detail:

In der Westapsis des Trierer Domes wird das Wappen von einer Bischofsmütze und einem Fürstenhut überhöht. Es wären aber auch folgende drei Helme möglich:

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Johann Hugo von Orsbeck (1676-1711)

Er war bereits 1675 Bischof von Speyer und Propst von Weißenburg und wurde erst 1676 Erzbischof und Kurfürst von Trier, also enthalten alle seine Wappen als Trierer Kurfürst die Elemente Speyer und Weißenburg. Das Wappen ist wie folgt aufgebaut

Das Wappen trägt in vollständiger Ausstattung fünf Helme:

All diese 5 Helme sind am Grabaltar im Trierer Dom realisiert. Dem Stile der Zeit entsprechend geht man aber auch schon dazu über, sämtliche Helme wegzulassen und nur einen Fürstenhut über das in eine Kartusche einbeschriebene Wappen zu setzen, wie z. B. in Montabaur oder an der Pagerie in Koblenz, weiterhin an der Ostaußenseite der als Chorscheitelrotunde im späten 17. Jh. erbauten Heiltumskapelle des Trierer Domes (Heiligrockkapelle), stets vom Astwerk der Bäume verborgen. Schwert und Krummstab verweisen jeweils auf den Rang eines Fürstbischofs mit geistlicher und weltlicher Macht.

Bildbeispiel: Schloß Montabaur, Außenseite der Einfahrt zur zentralen Vierflügelanlage.

Bildbeispiel: Koblenz, Pagerie

Von diesem Wappen finden wir auch eine vereinfachte Version:

Bildbeispiel: Schloß Montabaur, eines der drei Wappen über den Eingängen der zentralen Vierflügelanlage.

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Literatur:
Siehe zusätzlich allgemeines Quellenverzeichnis bzw. die bei den jeweiligen Objekten angegebenen Quellen.
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Band Bistümer
Die Wappen der Hochstifte, Bistümer und Diözesanbischöfe im Heiligen Römischen Reich 1648-1803, hrsg. von Erwin Gatz, von Clemens Brodkorb, Reinhard Heydenreuter und Heribert Staufer, Schnell & Steiner Verlag 2007, ISBN 978-3-7954-1637-9

Die Wappen der Fürstbischöfe und Bischöfe von Trier - Teil (1) - Teil (2)

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Veröffentlichung der Aufnahme aus dem Innenhof des kurfürstlichen Palais Trier mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Kleinbauer, Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier, vom 27.12.2007, an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön.

Veröffentlichung der Aufnahmen aus der kath. Pfarrkirche St. Salvator Prüm mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Pfarrer Robert Lürtzener vom 03.12.2007, an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön.

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