Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2414
Lauterbach (Vogelsbergkreis)

ev. Stadtkirche Lauterbach: Epitaph für Hermann VI. Riedesel und seine Frau,
Margarethe von der Malsburg

Auch dieses ehemals im Chor der Lauterbacher Marienkirche aufgestellte und 1906 an seinen heutigen Standort unter der Empore versetzte Doppelepitaph besteht aus farbig gefaßtem Sandstein und ist ein Werk des Bildhauers Andreas Herber. Wie so viele andere in der Lauterbacher Stadtkirche wurde es beim Umsetzen wegen der geringeren zur Verfügung stehenden Raumhöhe unten abgeschnitten und auf ein neues Fundament gesetzt, so daß es nur teilweise erhalten ist und die wichtige Inschriftenzone fehlt. Wir haben zwar insgesamt 20 Wappen (es handelt sich damit um das Lauterbacher Epitaph mit den meisten Wappendarstellungen), aber keinen einzigen Buchstaben personenbezogenen Text. Der einzige vorhandene Text befindet sich im Dreiecksgiebel und ist ein programmatisches Bibelzitat: "Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum, wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn" (Römer 14:8). Die Einordnung in die Familiengenealogie erschließt sich dem Betrachter heute allein anhand der Wappen.

                   

Das im Vergleich zu den anderen Doppelepitaphien relativ schmale Epitaph besitzt keine die figürliche Darstellung der beiden Ehepartner einrahmende Bogenstellung, folgt aber dem typischen, auch bei den anderen Epitaphien realisierten Schema mit den beiden einander rechts und links eines Gekreuzigten zuwendenden Ehepartnern. Der barhäuptige und spitzbärtige Ehemann ist gerüstet und wird mit einer goldenen Halskrause und einer goldenen, vierfachen Brustkette dargestellt. Den Helm hat er neben sein rechtes Knie gelegt. Neben seinem linken Fuß kauert ein Löwe. Zu Füßen der Ehepartner sind die Kinder dargestellt, insgesamt zehn; in der Literatur werden jedoch nur neun gelistet. Zu Füßen des Ehemannes sind die Söhne, zu Füßen der Ehefrau die Töchter dargestellt, letztere wie Orgelpfeifen der Größe nach von innen nach außen zunehmend.

Dieses Doppelepitaph ist für Hermann VI. Riedesel von Eisenbach (1512-3.3.1560), der im Alter von 48 Jahren verstarb, und seine Frau, Margarethe von der Malsburg (ca. 1523-19.12.1565), die im 42. Lebensjahr verstarb. Die Eltern von Hermann VI. Riedesel von Eisenbach waren Johann VII. Riedesel zu Eisenbach (ca. 1490-24.5.1550), Herr auf Eisenbach und Neumark,1542 mit Neumark belehnt, 1531 Erbkammermarschall Fürstlicher Kammersekretär zu Weimar, Gevatter des Dr. Martin Luther, und Klara von Cronberg, (-1.12.1520). Klara war Johanns erste Ehefrau. Danach heiratete er noch zweimal, in zweiter Ehe Ottilie von Amsdorf-Scopa und in dritter Ehe Susanna von Eichelsheim (kinderlos).

 

Die Großeltern von Hermann VI. Riedesel von Eisenbach waren väterlicherseits Hermann IV. Riedesel zu Eisenbach (1463-11.10.1529) und Agnes von Hopffgarten, und mütterlicherseits Johann VII von Cronberg (-19.4.1506), Amtmann zu Oppenheim, Vicedomus zu Aschaffenburg, und dessen Frau Klara von Helmstadt. Die Urgroßeltern waren väterlicherseits Hermann III. Riedesel zu Eisenbach, Katharina von Hatzfeld, Hieronymus von Hopffgarten und Sibylle von Brandenstein. Mütterlicherseits waren die vier Urgroßeltern Hartmut XI. von Cronberg (1452-1471), dessen Frau Elisabeth von Sickingen, Jakob von Helmstadt/Helmstatt (-1522) und dessen Frau Adelheid von Flersheim.

 

Hermanns VI. Riedesel Ehefrau, Margarethe von der Malsburg (ca. 1523-19.12.1565), hatte als Eltern Hermann von der Malsburg (-1557), hessischer Hof- und Feldmarschall, württembergischer Generalfeldmarschall, hessischer Drost zu Scharfenberg und Liebenau, Herr auf Eicheberg, Lahn, Eisungen und Ottenstein, bekam 1535 Elmarshausen und Oeringhausen zu Lehen, und Anna von Hundelshausen. Margarethes Großeltern waren väterlicherseits Otto VI. von der Malsburg (-1504) und dessen Frau Beata von Schachten, mütterlicherseits Heimbrod von Hundelshausen (ca. 1466-ca. 1516) und dessen Frau Catharine von Herda-Brandenburg. Margarethes Urgroßeltern sind nur teilweise namentlich bekannt, es waren väterlicherseits Otto V. von der Malsburg (-1476) und Nesa/Nessa von Boineburg sowie Dietrich von Schachten und dessen Frau aus der Familie der von Schläger gen. Schleyer, mütterlicherseits waren es Heinrich von Hundelshausen zu Berneburg (ca. 1406-ca. 1434) und seine Frau aus der Familie der von Löwenstein, sowie zwei weitere Personen aus den Familien von Herda und von Schlitz gen. Görtz.

 

Abb. links: Mit diesem Wappen eröffnen wir die Schwertseite mit den acht Ahnenwappen des Ehemannes, Hermann VI. Riedesel von Eisenbach (1512-3.3.1560). Das erste und oberste Wappen der heraldisch rechts angebrachten, vertikalen Reihe ist das der Riedesel von Eisenbach, in Gold ein schwarzer Eselskopf mit einem dreiblättrigen grünen Riedgras im Maule, auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken ein Flug, beiderseits mit einem goldenen Schildchen mit dem schwarzen Eselskopf und den grünen Riedgrasblättern belegt (Siebmacher Band: He Seite: 22 Tafel: 24, Band: NaA Seite: 34 Tafel: 56, Westfälisches Wappenbuch, Münchener Kalender 1917). Abb. rechts: Das zweite Wappen der Reihe ist das der Herren von Cronberg, in der Variante des Kronenstammes, geviert, Feld 1 und 4: in Silber vier (2:2) blaue Eisenhütlein, Feld 2 und 3 rot, in Feld 2 eine goldene Laubkrone, Feld 3 ledig, auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein schwarzer Federbusch (Aschaffenburger Wappenbuch, Tafel 20 Seite 39, 43, 71, 87, 117-117, 123, 124, Siebmacher Band: NaA Seite: 4 Tafel: 4, Band: GfA Seite: 6 Tafel: 6, Scheiblersches Wappenbuch Folio 409).

 

Abb. links: Wappen der thüringischen von Hopfgarten (Hopffgarten), hier in Gold zwei schräggekreuzte, schwarze Streitgabeln mit silbernem Stiel, auf dem Helm mit silbern-schwarzen Decken auf einem niedrigen, schwarzen, silbern aufgeschlagenen Turnierhut eine kurze schwarze Halterung mit abwechselnd roten und silbernen Straußenfedern darauf. In der Literatur wird das Wappen farblich anders beschrieben, typischerweise in Silber zwei schräggekreuzte, goldene Streitgabeln mit schwarzem Stiel, auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken ein hoher goldener Hut mit schwarzem Aufschlag, oben mit schwarzen Hahnenfedern besteckt (Siebmacher Band: Sa Seite: 2 Tafel: 2, Band: Sa Seite: 33 Tafel: 36, Band: SchwA Seite: 16 Tafel: 10, Band: Schw Seite: 58 Tafel: 3, Band: Erg Seite: 31 Tafel: 14, Band: Ha Seite: 11 Tafel: 10, Band: Lip Seite: 3 Tafel: 3, Band: Me Seite: 11 Tafel: 8, Band: Pr Seite: 177 Tafel: 225, Band: Pr Seite: 13 Tafel: 14, Band: PrGfN Seite: 33 Tafel: 25, Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser, Teil A, 40. Jg. 1941, S. 179; dsgl., 1. Jg. 1900, S. 431; Alter Siebmacher). Die Farbigkeit unterliegt in den Belegen einer gewissen Variationsbreite. Im Alten Siebmacher sind in Silber zwei schräggekreuzte, schwarze Streitgabeln mit goldenem Stiel zu sehen. An mehreren Epitaphien ist als Feldfarbe Gold zu erkennen, so auch in der Schlitzer Stadtkirche. Abb. rechts: gewendetes Wappen der schwäbischen von Helmstadt (Helmstatt), in Silber ein flugbereiter (auffliegender) schwarzer Rabe, auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein schwarzes und ein silbernes Büffelhorn (Otto Hupp, Münchener Kalender 1918; Siebmacher Band: Bad Seite: 9 Tafel: 7, Band: Bay Seite: 12 Tafel: 6, Band: Lot Seite: 27 Tafel: 19; Scheiblersches Wappenbuch Folio 119). Bei dieser Familie handelt es sich um Uradel des Kraichgaues, der zur Reichsritterschaft gehörte und sich nach dem gleichnamigen Ort bei Sinsheim nannte. Es besteht eine Stammesgenossenschaft mit den Göler von Ravensberg und den von Mentzingen. Nach dem Erwerb der Grafschaft Mörchingen in Lothringen 1742 erlangte das Geschlecht in Frankreich die Anerkennung des Grafenstandes.

 

Abb. links: Wappen der von Hatzfeld, geviert: Feld 1 und 4: in Silber drei (2:1) rote Mispelblüten (von Wildenberg/Wildenburg), Feld 2 und 3: in Gold ein schwarzer Maueranker (Hatzfeld), auf dem Helm mit rot-goldenen Decken zwischen einem goldenen und jeweils mit einem schwarzen Maueranker belegten Flug ein wachsender schwarz gewandeter bärtiger Männerrumpf, hier mit einer silbernen, schwarz gestulpten Mütze (Siebmacher Band: Na Seite: 2 Tafel: 2, Band: FstA Seite: 94 Tafel: 116-117, Aschaffenburger Wappenbuch, Wappenbuch des Westfälischen Adels). Abb. rechts: Wappen der von Sickingen, in Schwarz fünf (2:1:2) silberne Kugeln, auf dem Helm mit eigentlich schwarz-goldenen Decken ein wachsender goldener Schwanenhals, am Rücken mit drei roten Kugeln besteckt, jeweils mit einem schwarzen Hahnenfederbusch besetzt (Scheiblersches Wappenbuch Folio 92; Siebmacher Band: NÖ2 Seite: 138 Tafel: 57-58; Aschaffenburger Wappenbuch Tafel 26 Seite 76, 117, 123, 124; Otto Hupp, Münchener Kalender 1903; Gruber). Auch diese Familie zählt zum Kraichgauer Uradel. Die Familie ist stammesverwandt mit dem erloschenen Geschlecht von Flehingen, die auch ein ähnliches Wappen führten. Der Stammsitz Sickingen ist heute ein Ortsteil der Gemeinde Oberderdingen im Landkreis Karlsruhe.

 

Abb. links: Wappen der zum Uradel Thüringens gehörenden von Brandenstein, hier in Silber, nach Literatur aber in Gold ein aufspringender schwarzer (naturfarbener) Wolf mit einer silbernen, rotbewehrten Gans im Rachen, auf dem Helm mit hier schwarz-silbernen, nach Literatur aber schwarz-goldenen Decken ein wachsender schwarzer Wolfsrumpf mit einer silbernen, rotbewehrten Gans im Rachen (Otto Hupp, Münchener Kalender 1915; Siebmacher Band: Reu Seite: 1-2 Tafel: 1; Band: SchwA Seite: 7 Tafel: 3, Band: Pr Seite: 36 Tafel: 43). Abb. rechts: Wappen der von Flersheim (Flörsheim), zweimal blau-silbern-rot geteilt, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken eine wachsende Jungfrau mit rotem Gewand und Stirnreif, statt der Arme zwei blau-silbern-rot geteilte Flügel (Gruber S. 40-41, Scheiblersches Wappenbuch Folio 306, Berliner Wappenbuch, Zobel Tafel 103).

 

Abb. links: Wappen der von der Malsburg, geteilt, oben in Gold ein schreitender, roter Löwe, unten in Blau drei (2:1) silberne Rosen, auf dem Helm mit rechts blau-silbernen und links rot-goldenen Decken zwei ausgestreckte, rot gekleidete Arme, dazwischen ein goldengekrönter schwarzer Ochsenkopf (Band: Pr Seite: 54 Tafel: 69, Band: PrE Seite: 131 Tafel: 111, Band: PrE Seite: 212 Tafel: 184, Band: SaA Seite: 103 Tafel: 67, Band: He Seite: 19 Tafel: 20, Jahrbuch des Deutschen Adels, Bd. 2, 1898). Abb. rechts: Wappen der von Hundelshausen, von Rot, Silber und Schwarz geteilt, auf dem Helm mit hier rechts rot-silbernen und links silbern-schwarzen, eigentlich nur schwarz-silbernen Decken ein von Rot, Silber und Schwarz geteilter Flug (Siebmacher Band: He Seite: 14 Tafel: 15, Band: PrE Seite: 104 Tafel: 88, Band: PrE Seite: 201 Tafel: 175, Band: ThüA Seite: 60 Tafel: 46, Jahrbuch des Deutschen Adels, Bd. 3, 1898).

 

Abb. links: Wappen der von Schachten, in Silber ein hier schräglinks liegender, gestümmelter roter Rosenzweig, oben mit zwei Rosen, unten mit einer Rose besetzt, auf dem Helm mit eigentlich rot-silbernen Decken ein sitzender, natürlicher Luchs vor einer eigentlich roten Säule, die oben mit sieben hier schwarzen Hahnenfedern besteckt ist (die Farben von Säule und Federn werden in der Literatur auch anders angegeben; Siebmacher Band: He Seite: 24 Tafel: 26, Band: Pr Seite: 346 Tafel: 400; Westfälisches Wappenbuch; Jahrbuch des Deutschen Adels, Bd. 2, 1898). Abb. rechts: Wappen der von Herda, in Rot ein schwarz gekleideter Mannesrumpf mit schwarzen Eselsohren, auf dem Helm mit hier rot-schwarz-silbernen, eigentlich nur rot-silbernen Decken wachsend der schwarz gekleidete Mannesrumpf mit schwarzem Haar und ebensolchen Eselsohren (Siebmacher Band: Pr Seite: 166 Tafel: 214, Band: OstN Seite: 65 Tafel: 45, Band: Sa Seite: 32 Tafel: 35, Band: SaA Seite: 69 Tafel: 44).

 

Abb. links: Wappen der von Boineburg, hier schwarz-silbern geviert, auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein silbern-schwarz übereck geteiltes Paar Büffelhörner (Otto Hupp, Münchener Kalender 1931; Aschaffenburger Wappenbuch Tafel 20 Seite 114, 102; Siebmacher Band: He Seite: 4 Tafel: 3, Band: Sa Seite: 8 Tafel: 7). Abb. rechts: gewendetes Wappen der von Löwenstein, silbern-rot geteilt mit einem gekrönten Löwen in verwechselten Farben, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein Busch abwechselnd roter und silberner Straußenfedern, davor ein Kranz aus abwechselnd roten und silbernen Rosen (Siebmacher Band: He Seite: 18 Tafel: 19, Band: PrE Seite: 128 Tafel: 109). Diese zum hessischen Uradel gehörende Familie stammt eigentlich aus dem Ort Bischhausen zwischen Gilsa und Zimmersrode und nannte sich von Bischofshausen. Erst als die Familie im 13. Jh. die Burg Löwenstein errichtete, nannte sie sich nach dieser von Löwenstein. Die Familie spaltete sich in drei Linien, die nach den Ehefrauen der jeweils ersten jeder Linie von Löwenstein genannt Schweinsberg, Westerburg und Romrod. Die beiden ersten Linien führten das alte Wappen der von Bischofshausen mit dem rot-silbern schräglinks im Zinnenschnitt geteilten Schild, in dem unten eine nach rechts gerichtete Wurfspeerspitze liegt, weiter. Nur die Linie von Löwenstein genannt Romrod, auch genannt Löwenstein, änderte ihr Wappen in den Löwen in verwechselten Farben, wie wir es auch hier sehen. Die Linie Löwenstein-Westerburg erlosch 1492, die Linie Löwenstein-Schweinsberg 1660. Den von Löwenstein gehörten die Dörfer Kerstenhausen, Zwesten, Schiffelborn, Römersberg, Gilsa, Bischhausen, Ober- und Niederurf, Betzigerode, Reptich und Wickershof.

 

Abb. links: Wappen der von Schleyer, in Schwarz drei (2:1) silberne Schlägel, auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein aufrechter silberner Schlägel zwischen zwei silbern-schwarz übereck geteilten Büffelhörnern (Siebmacher Band: OstN Seite: 187 Tafel: 125). Abb. rechts: Wappen der von Schlitz genannt Görtz, in Silber zwei schwarze, schrägrechte, oben dreimal gezinnte Balken (Zinnenschrägbalken), auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein silberner, sparrenweise mit zwei schwarzen, schrägen, oben gezinnten Balken (Zinnenschrägbalken) belegter Flug (Siebmacher Band: Han Seite: 15 Tafel: 16, Band: He Seite: 10 Tafel: 10, Aschaffenburger Wappenbuch Tafel 16 Seite 226).

 

Es sind insgesamt 10 Kinder zu sehen, fünf Jungen und fünf Mädchen. In der Literatur sind jedoch nur 4 Söhne zu finden; die fünf Mädchen sind alle namentlich bekannt. Die Söhne gliedern sich in drei in Rüstungen gekleidete, die also das Erwachsenenalter erreicht haben, und zwei im weißen Hemdchen, die zu dem Zeitpunkt entweder noch ein Kleinkind waren oder früh verstorben sind. Hermann VIII. von Riedesel zu Eisenbach, gen. der Schwarze, wurde am 18.3.1543 geboren und starb am 12.6.1589 in Limoges (siehe sein Epitaph in Lauterbach), Johann VIII. von Riedesel zu Eisenbach, der spätere Erbmarschall und hessische Geheime Rat, im Jahr 1544. Er starb am 22.9.1609. Diese beiden sind mit Sicherheit in den gerüsteten Knaben wiederzuerkennen. 1546/48 wurde Volprecht (Volpert) II. von Riedesel zu Eisenbach geboren, der 1570 Walpurga Beatha von Berlepsch heiratete und am 1.3.1610 verstarb, und 1555 Konrad III. von Riedesel zu Eisenbach, der aber jung verstarb. Als der Vater starb, waren die namentlich bekannten Söhne also 5, 7, 16 und 17 Jahre alt. Der dritte, erwachsene Sohn ist in seiner Identität nicht geklärt.

Die fünf Töchter bilden zwei Gruppen: Die zwei größten und ältesten sind verheiratet und haben vor sich jeweils ein Allianzwappen mit dem ihres Ehemannes. Sie tragen auch eine andere Kopfbedeckung als die drei unverheirateten Töchter. Die Reihe beginnt optisch rechts außen mit der ca. 1547 geborene Catharina von Riedesel zu Eisenbach, die am 27.8.1562 in Lichtenau Anton von Wersabe heiratete. Sein Schild ist von Schwarz und Silber gespalten (in der Lit. auch genau andersherum). Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu schwarz-silbernen Decken ein Paar Büffelhörner, das rechte schwarz, das linke silbern (Grote, Geschlechts- und Wappenbuch des Königreichs Hannover und des Herzogtums Braunschweig; Siebmacher Band: MeA Seite: 116 Tafel: 66, Band: PrE Seite: 181 Tafel: 158).

Die zweitälteste Tochter ist Anna von Riedesel zu Eisenbach; sie hatte am 16.9.1565 Johann Eberhard von Cronberg (1547- 8.10.1617) geheiratet, Amtmann zu Alzenau und Burggraf von Friedberg, letzter des Flügelstammes. Sein Schild in der Variante des Flügelstammes (anderer Stamm als oben in der Ahnenprobe!) ist geviert, Feld 1 und 4: rot und ledig, Feld 2 und 3: in Silber vier (2:2) blaue Eisenhütlein. Wesentlichste Merkmale sind das Fehlen des den Kronenstamm markierenden Differenzierungszeichens, der Krone(n), und eine andere Helmzier. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu rot-silbernen Decken ein insgesamt wie der Schild bezeichneter Flug. Da die Heirat erst am 16.9.1565 stattfand, wurde das Epitaph als erst danach angefertigt. Ihrer beider Ehewappen ist in der Burg Friedberg mehrfach am Kronberger Hof (Schloß, Burggrafiat) zu sehen. Eine weitere Querverbindung gibt es zum Leonhardi-Schloß im Zentrum von Groß-Karben (Burg-Gräfenröder-Straße 2), wo wir das Allianzwappen dieser beiden Eheleute am Brunnen, an einem vermauerten Torbogen an einem Nebengebäude an der südlichen Grundstücksgrenze, und an einer vermauerten Pforte mit rundbogig ausgeschnittenem Sturz am Nordrand des Komplexes zur Westlichen Ringstraße hin finden.

Die anderen drei Töchter, die hier am Epitaph noch unvermählt sind, waren Klara von Riedesel zu Eisenbach, die am 16.9.1568 Friedrich von Benningen und am 25.5.1579 in Gräfenhausen Hans Heinrich von Heusenstamm heiratete, Sidonie von Riedesel zu Eisenbach, welche am 16. Februar 1574 in Hersfeld Georg von Schachten heiratete, und Ursula von Riedesel zu Eisenbach, die am 24. Juni 1589 in Eisenbach Alexander von der Tann ehelichte. Da diese Ehen am Epitaph noch nicht berücksichtigt sind, ergibt sich der 16.9.1568 wiederum als Obergrenze der Datierung.

Die genealogische Graphik zeigt die Rolle dieses Epitaphs im Zusammenhang der Gruppe: Sowohl der Vater des Ehemannes als auch drei Söhne sind ebenfalls mit Grabdenkmälern vertreten, allerdings besitzt davon nur dasjenige des Sohnes Hermann VIII. Riedesel von Eisenbach heraldischen Schmuck (siehe dort); die anderen sind ohne Wappendarstellungen. Das Epitaph der Tochter Sidonie und ihres Ehemannes Georg von Schachten ist in der Stadtkirche Schlitz zu sehen, mit ausführlicher Ahnenprobe (siehe dort).

Literatur, Links und Quellen:
Stadtkirche Lauterbach: http://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/66164
Stadtkirche Lauterbach:
http://www.ev-kirche-lauterbach.de/stadtkirche.html
Stadtkirche Lauterbach:
http://www.lauterbach-hessen.de/tourismus/stadtfuehrungen/ev-stadtkirche.html
Stadtkirche Lauterbach:
https://de.wikipedia.org/wiki/Stadtkirche_Lauterbach
von Riedesel:
https://de.wikipedia.org/wiki/Riedesel - http://www.riedesel.org/
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Denkmaltopographie Stadt Lauterbach, S. 252.
Hermann VI. Riedesel, gest. 1560, und seine Frau Margarethe geb. von der Malsburg, gest. 1565, Lauterbach, in: Grabdenkmäler
http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/gdm/id/1754
Veröffentlichung der Innenaufnahmen mit freundlicher Genehmigung von Frau Pfarrerin Göbel und Herrn Dr. Berthold Riedesel Freiherr zu Eisenbach vom 19./23.1.2017, wofür ihnen an dieser Stelle herzlich gedankt sei.
Kramm: Andreas Herber, S. 75
von Hatzfeld:
https://de.wikipedia.org/wiki/Hatzfeld_(Adelsgeschlecht)
von Hopfgarten:
https://de.wikipedia.org/wiki/Hopffgarten
von Brandenstein:
https://de.wikipedia.org/wiki/Brandenstein_(Adelsgeschlecht)
von Cronberg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Kronberg_(Adelsgeschlecht)
von Sickingen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Sickingen_(Adelsgeschlecht)
von Helmstadt:
https://de.wikipedia.org/wiki/Helmstatt_(Adelsgeschlecht)
von Flersheim:
https://de.wikipedia.org/wiki/Flersheim_(Adelsgeschlecht)
von der Malsburg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Malsburg_(Adelsgeschlecht)
von Boineburg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Boyneburg_(Adelsgeschlecht)
von Schachten:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schachten_(Adelsgeschlecht)
von Löwenstein:
https://de.wikipedia.org/wiki/Löwenstein_(Adelsgeschlecht)
Burg Löwenstein:
https://de.wikipedia.org/wiki/Burgruine_Löwenstein_(Hessen)
von Schlitz genannt Görtz:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schlitz_(Adelsgeschlecht)
Rudolf Buttlar-Elberberg: Stammbuch der Althessischen Ritterschaft, Kassel 1888:
http://gdz.sub.uni-goettingen.de/dms/load/img/?PID=PPN513401067 - http://gdz.sub.uni-goettingen.de/download/PPN513401067/PPN513401067___LOG_0001.pdf
Genealogie:
http://geneagraphie.com/getperson.php?personID=I417163&tree=1 - http://geneagraphie.com/getperson.php?personID=I417164&tree=1 - http://geneagraphie.com/getperson.php?personID=I486408&tree=1 - http://geneagraphie.com/getperson.php?personID=I486409&tree=1 - http://geneagraphie.com/getperson.php?personID=I486399&tree=1 - http://geneagraphie.com/getperson.php?personID=I486411&tree=1 - http://geneagraphie.com/getperson.php?personID=I600351&tree=1 - http://geneagraphie.com/getperson.php?personID=I600352&tree=1 - http://geneagraphie.com/getperson.php?personID=I417162&tree=1 - http://geneagraphie.com/getperson.php?personID=I534637&tree=1 - http://geneagraphie.com/getperson.php?personID=I534638&tree=1 und abhängige Seiten.
Genealogie und Kinder:
https://gedbas.genealogy.net/person/show/1173728221

ev. Stadtkirche, Georg Wolf von Rotenhan - ev. Stadtkirche, Hermann XII. Riedesel - ev. Stadtkirche, Hermann VII. Riedesel - ev. Stadtkirche, Hermann VIII. Riedesel - ev. Stadtkirche, Hermann V. Riedesel - ev. Stadtkirche, Volprecht I. Riedesel und Appolonia Waldbott von Bassenheim - ev. Stadtkirche, Hans Volpert Riedesel und Anna von Trümbach - ev. Stadtkirche, Konrad II. Riedesel und Anna von Boineburg

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