Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2402
Schlitz (Vogelsbergkreis)

Die Ottoburg in Schlitz

Die Ottoburg ist der jüngste der vier die Stadtburg Schlitz bereichernden Adelssitze und beherrscht die nordöstliche Seite der Altstadt. Sie steht relativ tief am abfallenden Gelände der Altstadt, überragt aber dennoch noch den darunterliegenden Talgrund des Flusses Schlitz. Die Ottoburg bildet den östlichen Abschluß des Marktplatzes, ist aber durch einen Vorgarten vom Marktgeschehen abgesetzt. Zur Marktseite hin handelt es sich um ein zweistöckiges, traufständiges frühbarockes Gebäude von schlichter Form, aber großzügigen Ausmaßen. Was wir heute sehen, ist im wesentlichen ein Neubau aus dem Jahre 1653, ein breitgelagertes, vielachsiges Massivgebäude. Für diesen Neubau wurden die Gräben hinter dem Haus teilweise zugeschüttet und die Wehrgänge der Stadtmauer abgerissen, ebenso im Weg stehende, mauerständige Häuser. Zum Tal hin schmücken zwei runde Ecktürme die Anlage, wobei der kleinere nordwestliche Turm, also der vom Marktplatz aus gesehen linke Turm, von der Stadtbefestigung übernommen wurde. Das zeigt deutlich, wie die Herren von Schlitz sich ihre Stadt immer mehr zu einer Ansammlung wohnlicher Schlösser umwandelten, selbst unter Verwendung nicht mehr zeitgemäßer Stadtbefestigungsanlagen und auf Kosten der Bürgerhäuser.

Es lassen sich vier Bauphasen unterscheiden, wobei nur wenige Spolien von einem älteren Vorgängerbau des 16. Jh. übernommen wurden. Bauherr des Gebäudes von 1653 war Otto Hartmann (Hermann) von Schlitz gen. von Görtz (8.4.1604-8.10.1657), Mitglied der "Fruchtbringenden Gesellschaft". Das Wappen an der Vorderfront des Gebäudes bezieht sich aber auf seinen Sohn, als der 1681 noch einmal umbaute. Die Ottoburg diente nach dem 2. Weltkrieg mehreren heimatvertriebenen Familien als Wohnung. Im Jahre 1955 gab es einen Brand im Dachstuhl. Danach diente die Ottoburg 1955-1990 als Jugendherberge. Das Anwesen befindet sich in Privatbesitz und ist vermietet. Unter anderem befinden sich hier die psychotherapeutische Praxis Dr. J. Boettcher, das Gräfliche Urkundenarchiv und ein Hausmuseum.

 

Das heraldisch rechte Wappen ist das der von Schlitz genannt Görtz, in Silber zwei schwarze, schrägrechte, oben dreimal gezinnte Balken (Zinnenschrägbalken). Das hier nicht dargestellte Kleinod wäre zu schwarz-silbernen Decken ein silberner, sparrenweise mit zwei schwarzen, schrägen, oben gezinnten Balken (Zinnenschrägbalken) belegter Flug (Siebmacher Band: Han Seite: 15 Tafel: 16, Band: He Seite: 10 Tafel: 10, Aschaffenburger Wappenbuch Tafel 16 Seite 226). Hier steht das Wappen für den Bauherrn Philipp Friedrich von Schlitz gen. von Görtz (14.5.1641-1695), den Sohn von Otto Hartmann (Hermann) von Schlitz gen. von Görtz (8.4.1604-8.10.1657) und dessen Frau Hedwig Margarethe von Canstein (1615-). Philipp Friedrich von Schlitz gen. von Görtz ist damit der Enkel von Wilhelm Balthasar von Schlitz gen. von Görtz und Margarethe Riedesel von Eisenbach, deren Epitaph in der Stadtkirche im Chor über dem Eingang zum südlichen Seitenraum angebracht ist. Philipp Friedrich Philip Friedrich war Domherr in Halberstadt und Ritterhauptmann der fränkischen Ritterschaft für den Kanton Rhön und Werra. Die Ottoburger Linie ist mit seinem Sohn Georg Heinrich von Schlitz gen. von Görtz (1675-19.2.1719) ausgestorben, vermählt mit Christina von Reventlow (1676-1713); er war Diplomat, engster Vertrauter und Minister König Karls XII. von Schweden und endete nach einem politischen Schauprozeß in Stockholm durch Enthauptung. Er hinterließ zwei Töchter.

Das Wappen heraldisch links ist das der von Minnigerode und zeigt in Rot einen silbernen Angelhaken. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu rot-silbernen Decken ein grüner Korb aus Flechtwerk, darin ein Pfauenschwanz, davor zehn abwechselnd rote und silberne Rosen, vier rote, sechs silberne, mit goldenen Stielen an einem aus dem Korb aufsteigenden goldenen Zweig (Siebmacher Band: PrGfN Seite: 15 Tafel: 11, Band: Schw Seite: 59 Tafel: 4; Grote, Geschlechts- und Wappenbuch des Königreichs Hannover und des Herzogtums Braunschweig). Hier steht das Wappen für Juliane Elisabetha von Minnigerode (1653-1687), Ehefrau von Philipp Friedrich von Schlitz gen. von Görtz (14.5.1641-1695). Sie wurde nur 34 Jahre alt. Juliane Elisabetha von Minnigerode war die Tochter von Hans von Minnigerode (1610-1676) und dessen Frau Sophie Hedwig von Ahlefeld.

Literatur, Links und Quellen:
Geschichte von Schlitz und Stadtrundgang: http://www.schlitz.de/index.php4?page=53&nav=42&ref=www.schlitz.de&sm=https%3A&sb=
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Historischer Stadtrundgang Schlitz
http://www.schlitz.de/Historischer-Stadtrundgang-Deutsch---Englisch,__p53.php4
Hans und Doris Maresch: Hessens Schlösser und Burgen, Husum Verlag 2005, ISBN 3-89876-158-4, S. 225-226
Genealogie:
http://geneagraphie.com/getperson.php?personID=I489805&tree=1 - http://geneagraphie.com/getperson.php?personID=I556980&tree=1 - http://geneagraphie.com/getperson.php?personID=I1628512&tree=1
Genealogie:
https://www.geni.com/people/Georg-Heinrich-von-Görtz/6000000001504212585
Ulrich G. Großmann: Renaissanceschlösser in Hessen: Ottoburg Schlitz:
http://schloesser.gnm.de/wiki/Schlitz,_Ottoburg
Burgen von Schlitz:
http://www.burgenwelt.org/deutschland/schlitz/schlitz.htm und http://burgenarchiv.de/Burgen/Burg_Schlitz_in_Hessen
Ottoburg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Ottoburg_(Schlitz)
Ottoburg Schlitz:
http://www.schlitz.de/index.php4?page=53&nav=42&ref=www.schlitz.de&sm=https%3A&sb=&hash=18
H. Grote, Geschlechts- und Wappenbuch des Königreichs Hannover und des Herzogtums Braunschweig
Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen - 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten, Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen, 3. Auflage 2000, ISBN 3-86134-228-6, S. 229-230.
Stadt Schlitz: Burgenstadt Schlitz - Historischer Rundgang. Schlitz, 1997.
Georg Heinrich von Görtz:
https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Heinrich_von_Görtz
von Schlitz gen. Görtz:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schlitz_(Adelsgeschlecht)
Ulrich G. Großmann: Renaissanceschlösser in Hessen - Architektur zwischen Reformation und Dreißigjährigem Krieg, Verlag Schnell & Steiner, 296 S, 2010, ISBN 978-3-7954-2168-7.

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