Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2400
Schlitz (Vogelsbergkreis)

Die Vorderburg in Schlitz

Der alte, erhöht gelegene Ortskern von Schlitz bildet eine Stadtburg und wird von seinen vier historischen, befestigten Geschlechtersitzen geprägt: Im Norden liegt die Vorderburg westlich des dortigen Stadtzugangs, sie folgt mit ihren Gebäuden dem nördlichen und westlichen Verlauf der Stadtbefestigung und erhebt sich im Westen steil über dem Sengelbach. Nur durch den Bereich der evangelischen Stadtkirche mit angrenzendem Gemeindehaus getrennt, bildet die Hinterburg den südwestlichen Schwerpunkt der Altstadtbebauung. Im Südosten prägt die Schachtenburg das Ortsbild, und im Nordosten die Ottoburg. Vier innerhalb der Stadtmauer befindliche und teilweise in diese integrierte Geschlechtersitze umgeben damit die Altstadt von Schlitz, im Südosten der Stadt noch ergänzt durch das neuere Schloß Hallenburg im Talgrund beim Fluß Schlitz, die heutige Landesmusikakademie Hessen. Diese unterschiedlichen Sitze wurden von zwei Familien erbaut, den von Schachten und den von Schlitz gen. von Görtz, wobei die Aufspaltung in unterschiedliche Familienzweige die Errichtung mehrere Geschlechtersitze innerhalb des verfügbaren städtischen Raumes notwendig machte. Vielfach werden diese Sitze als Burgen angesprochen, was nicht korrekt ist, weil sie innerhalb der städtischen Befestigung liegen und diese nutzen, teils ihr aufsitzen, und keine selbständigen Befestigungen darstellen. Vielmehr sind es private Abschnitte einer Stadtburg. Die Vorderburg ist das größte Gebäudeensemble der Altstadt und nimmt ca. ein Siebtel der Grundfläche der Stadtburg ein.

Wie konnte eine Familie die Stadt so vollständig unter ihre Kontrolle bringen? Im Jahre 812 wurde die Siedlung Schlitz anläßlich der Einweihung einer Kirche urkundlich erwähnt. Die Abtei Fulda trieb die Christianisierung des Gebietes voran, förderte den Kirchenbau und unterstellte die Verwaltung der Ländereien weltlichen Vögten, die den Schutz der Gebiete übernahmen. Das Vogtlehen über Schlitz hatten zunächst die Grafen von Ziegenhain. 1116 kam das Vogtlehen an die Herren von Schlitz, die sich in mehrere Linien teilten, von denen nur die der von Schlitz genannt Görtz übrigblieb. Ermenoldus de Slitese ist der erste urkundlich erwähnte Herr von Schlitz. Der Beiname "genannt von Görtz" wurde ab 1408 geführt. Die Herren von Schlitz befestigten den Ort durch zwei erste, um 1200 entstandene Wehranlagen, eine auf dem Schlitzberg und eine andere, Niederschlitz (Unterschlitz) als Sperriegel an der alten Hersfelder Landstraße, in der Nähe, ca. 900 m nordöstlich unterhalb der Altstadt nicht weit vom inzwischen stillgelegten Bahnhof. Erstere bekam später weitere Anlagen beigesellt, letztere wurde 1265 vom Abt Bertho von Leibolz in einer Stiftsfehde zwischen Fulda und Hersfeld zerstört und ist heute ein abgegangener Burgstall. Der gleiche Abt zerstörte auch die Burg Seeburg, ca. 1100 m westlich und etwas oberhalb vom Ortsteil Hartershausen gelegen. Wenn wir diese Ruinen dazurechnen, sind es sogar insgesamt sieben Burgen und Geschlechtersitze in und bei Schlitz.

Die Herren von Schlitz waren zwar zunächst offiziell nur Inhaber des Vogtlehens. Doch sie schafften es, sich von Fulda zu lösen, bis zum Ende des 14. Jh. die vollständige Kontrolle über den Ort zu bekommen und eine Quasiselbständigkeit zu erreichen. Ort und Burg Schlitz erhielten 1418 die Gerichtsbarkeit. Wahrscheinlich zwischen 1418 und 1439 bekam Schlitz das Stadtrecht, welches 1439 erstmalig erwähnt wird, ebenfalls noch im 15. Jh. gefolgt vom Marktrecht. Konstantin von Schlitz bekam 1490 die Erbmarschallwürde des Stifts Fulda. Die Herren von Schlitz waren im 16. Jh. in der fränkischen Reichsritterschaft im Ritterkanton Rhön-Werra organisiert. Eustachius von Schlitz erhielt 1563 vom Fuldaer Fürstabt das Pfarrbesetzungsrecht, das er nutzte, um die Reformation in der Stadt einzuführen. Im späten 16. Jh. änderte sich die Rolle der die Stadt so stark prägenden Familie: Sie wurden übermächtig und nahmen den Bürgern die meisten Stadtfreiheiten wieder. Die Geschlechtersitze, nun Wohnburgen, wurden mehr und größer und fraßen die bisherige Stadtstruktur auf. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde die Loslösung von Fulda eine vollständige. Ein Zweig der Familie wurde 1677 in den Reichsfreiherrenstand erhoben. Bis ins frühe 18. Jh. hatte der Senior der aus den unterschiedlichen Linien gebildeten Ganerbengemeinschaft seinen Sitz auf der Vorderburg. Nach dem Aussterben der Vorderburger Linie im Mannesstamm ging 1720 der gesamte Besitz an die Hallenburger Linie über.

 

Die von Schlitz genannt Görtz wurden 1726 mit Friedrich Wilhelm von Schlitz genannt von Görtz, hannoverscher Kammerpräsident und Staatsminister, von Kaiser Karl VI. in den Reichsgrafenstand erhoben. Die Lehnsherrschaft Fuldas endete 1803. Erst mit dem Ende des Alten Reiches 1806 kam die inzwischen reichsunmittelbare Grafschaft Schlitz zum Großherzogtum Hessen-Darmstadt, und die Stadt fiel danach in Verarmung und Bedeutungslosigkeit, was andererseits die fast komplette Erhaltung der historischen Bausubstanz bewirkte: Niemand hatte in dem trostlosen Notstandsgebiet Geld, irgend etwas neu zu bauen. Die Familie spaltete sich im 18. Jh. in zwei Linien, eine heute noch bestehende, ältere, gräfliche zu Schlitz, deren gegenwärtiges Oberhaupt Rüdiger-Maria Graf und Herr von Schlitz gen. von Görtz (1939-) ist, und die jüngere, freiherrliche in Niedersachsen (Braunschweig und Hannover), die sich Görtz-Wrisberg nennt.

Die Vorderburg, die Schlitzer Hauptburg, ist eine stumpfwinklige Zweiflügelanlage und besitzt als ältesten Teil den aus dem 14. Jh. stammenden Bergfried auf viereckigem Grundriß nahe der Knickstelle der Anlage. Der größere Südwestflügel hofseitig links des Bergfrieds entstand im Kern im 15. Jh. Um 1565 wurde hofseitig rechts der Nordostflügel an- und kompliziert um den Bergfried herumgebaut, und auch der ältere Flügel wurde bei der Gelegenheit von Eustachius von Schlitz gen. Görtz ausgebaut. Ein inneres Portal, das vom Turm in den Südwestflügel hineinführt, ist auf 1565 datiert. An den offenen Enden besitzen beide Flügel einen dreigeschossigen Giebel. Der Nordostflügel besitzt im Norden noch einen Zwerchgiebel, und hier endet auch der Südwestflügel mit einem weiteren Giebel. Um 1600 kam es zu diversen Umbauten. Beide Flügel sind dreigeschossig und aus Bruchstein mit Eckquaderung und Werksteinteilen aufgemauert. Der Bergfried wurde nachträglich zum Treppenturm umgebaut. Das Treppenhaus stammt aus dem 18. Jh. Um 1920 wurde der Eingang an die heutige Stelle verlegt. Die Vorderburg ist heute Eigentum der Stadt Schlitz und wird als Heimatmuseum und Festsaal genutzt. Der in Fachwerk ausgeführte Verlängerungsbau auf der Westseite der Stadtburg wird als Hotel geführt (zweite Abb. von oben).

 

Der Bogen des in das im Bergfried untergebrachte Treppenhaus führenden Spitzbogenportals, das auf 1565 datiert ist, ist in spätgotischer Weise gestäbt. Das eigentlich Interessante an diesem Eingang vom Typ eines Sitznischenportals sind die beiden Baldachinabschlüsse seitlich unter dem Bogenansatz: Während die unteren Sitzkonsolen am unteren Ende des Gewändes eine elegante, runde, unten spitz zulaufende Form mit Kanneluren haben, wirken die beiden oberen Baldachinabschlüsse kantig und klobig, wie sie würfelförmig über dem gekehlten Seitengewände vorspringen und mit dem eleganten Spitzbogengewände darüber kontrastieren. Doch die würfelförmig wirkende Form (genau besehen ist der Grundriß trapezförmig) hat ihre Ursache darin, daß diese Konsolsteine jeweils Wappendarstellungen tragen, drei auf den sichtbaren Seiten und noch eine in seitlicher Verlängerung auf der Hauswand.

Beide Baldachinabschlüsse zusammen ergeben eine Ahnenprobe für den Bauherrn, Eustachius von Schlitz gen. von Görtz (1527-1598), Erbmarschall des Stiftes Fulda, und seine Frau, Agnes von der Hees (-1577). Die Beiden hatten 1562 geheiratet. Auf dem optisch linken Konsolstein ist eine 4er-Ahnenprobe für den Ehemann zu finden, wobei das wichtigste Wappen, das der väterlichen Stammlinie, auf der dem Eintretenden zugewandten Stirnfläche angebracht ist. Das zweitwichtigste, dasjenige der mütterlichen Stammlinie, ist auf der Innenseite angebracht. Auf der Außenfläche und auf der Wandfläche daneben folgen die beiden Großmütter, so daß sich von optisch links nach rechts folgende Reihenfolge der Wichtigkeit ergibt: 4-3-1-2. Die Eltern von Eustachius von Schlitz gen. von Görtz (1527-1598) waren Friedrich IV. von Schlitz gen. von Görtz (-1560) und dessen Frau Catharina von Boineburg (-7.11.1555), und die Großeltern waren väterlicherseits Simon von Schlitz gen. Görtz und Anna Klüppel von Elkershausen sowie mütterlicherseits Ludwig von Boineburg (1466-1537) und Mathilde von Hörda/Herda.

 

Das Wappen optisch ganz links ist das der von Herda, in Rot ein schwarz oder silbern gekleideter Mannesrumpf in Frontalansicht mit schwarzen Eselsohren, auf dem Helm mit rot-schwarzen oder rot-silbernen Decken wachsend der schwarz oder silbern gekleidete Mannesrumpf mit schwarzen Eselsohren (Siebmacher Band: Pr Seite: 166 Tafel: 214, Band: OstN Seite: 65 Tafel: 45, Band: Sa Seite: 32 Tafel: 35, Band: SaA Seite: 69 Tafel: 44). Hier steht das Wappen für die Großmutter mütterlicherseits, Mathilde von Hörda/Herda, die Ehefrau von Ludwig von Boineburg. (1466-1537). Daneben folgt als nächstes das Wappen der von Elkershausen gen. Klüppel, in Rot drei (2:1) aufrechte silberne Beile mit schwarzem Stiel, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein wachsender, rotgekleideter Mannesrumpf mit roten Eselsohren mit drei silbernen Beilen auf der Außenseite (Aschaffenburger Wappenbuch, Tafel 74 Seite 152). Hier steht das Wappen für die Großmutter des Bauherrn väterlicherseits, Anna Klüppel von Elkershausen, Ehefrau von Simon von Schlitz gen. Görtz.

 

Das Wappen auf der dem Eintretenden zugewandten Stirnseite ist das gewendete der von Schlitz genannt Görtz, in Silber zwei schwarze, schrägrechte, oben dreimal gezinnte Balken (Zinnenschrägbalken), auf dem gekrönten Helm mit schwarz-silbernen Decken ein silberner, sparrenweise mit zwei schwarzen, schrägen, oben gezinnten Balken (Zinnenschrägbalken) belegter Flug (Siebmacher Band: Han Seite: 15 Tafel: 16, Band: He Seite: 10 Tafel: 10, Aschaffenburger Wappenbuch Tafel 16 Seite 226). Hier steht das Wappen für den Bauherrn, Eustachius von Schlitz gen. von Görtz (1527-1598), seinen Vater Friedrich IV. von Schlitz gen. von Görtz (-1560) und seinen Großvater väterlicherseits, Simon von Schlitz gen. Görtz. Das Wappen auf der Innenfläche des würfelförmigen Konsolsteines ist das der von Boineburg, silbern-schwarz geviert, auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein schwarz-silbern übereck geteiltes Paar Büffelhörner (Siebmacher Band: He Seite: 4 Tafel: 3, Band: Sa Seite: 8 Tafel: 7, Aschaffenburger Wappenbuch Tafel 20 Seite 114, 102, Münchener Kalender 1931). Hier steht es für Catharina von Boineburg (-7.11.1555), Mutter des Bauherrn, Ehefrau von Friedrich IV. von Schlitz gen. von Görtz (-1560), und den Großvater mütterlicherseits, Ludwig von Boineburg (1466-1537).

Ganz analog sind auf dem optisch rechten Baldachinabschluß die vier Ahnenwappen für die Ehefrau des Bauherrn angebracht, Agnes von der Hees. Genau wie bei dem Pendant auf der anderen Seite befindet sich das wichtigste Wappen auf der dem Eintretenden zugewandten Fläche. Doch dann ist die Reihenfolge eine andere: Das zweitwichtigste Wappen für die Mutter der Probandin ist nicht optisch links, sondern rechts daneben auf der Außenfläche zu finden. Erst dann geht es für die Großmutter väterlicherseits auf die Innenfläche, während die Großmutter mütterlicherseits wiederum ganz außen auf der angrenzenden Wandfläche zu finden ist, genau wie gegenüber. Insgesamt ergibt sich somit von optisch links nach rechts folgende Reihenfolge der Wichtigkeit: 3-1-2-4. Die Eltern von Agnes von der Hees waren Valentin Wolf von der Hees (-1559) und dessen Frau Margaretha Katharina von Buchenau (-1559), ihre Großeltern väterlicherseits Adam von der Hees und Margaretha von Schutzbar gen. Milchling, sowie ihre Großeltern mütterlicherseits Georg von Buchenau und Dorothea von Breidenbach gen. Breidenstein.

 

Optisch ganz links auf der Innenfläche des Baldachinabschlusses, der Tür zugewandt, befindet sich das Wappen der von Schutzbar gen. Milchling, in Silber drei schwarze Kugeln (2:1), deren Stiele deichselförmig verbunden sind, auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein silberner Flug, beiderseits belegt mit drei schwarzen Kugeln (2:1), deren Stiele deichselförmig verbunden sind (Siebmacher Band: Bad Seite: 75 Tafel: 45, Band: He Seite: 25 Tafel: 28, Band: PrE Seite: 204 Tafel: 177, Aschaffenburger Wappenbuch Tafel 62 Seite 122, 143). Das Wappen steht hier die Großmutter väterlicherseits, Margaretha von Schutzbar gen. Milchling, Ehefrau des Adam von der Hees. Hier sei auf die parallele Ahnenprobe in der Schlitzer Stadtkirche hingewiesen am Epitaph für Wilhelm Balthasar von Schlitz gen. von Görtz (6.1.1568-17.1.1636), den Sohn des Bauherrenpaares am Portal der Vorderburg. Alle anderen sieben Ahnenwappen gehen d'accord, außer dem für besagte Großmutter (dort Urgroßmutter): Dort wird nämlich das Wappen der von Dernbach wiedergegeben. Beide Familien haben zwar ein sehr ähnliches Schildbild, aber unterschiedliche Farben und vor allem unterschiedliche Kleinode. Da das Portal zu Lebzeiten des Bauherrn angefertigt und geschmückt wurde, also seiner persönlichen Kontrolle unterlag, ist eher am in Bezug auf den Sohn postum, also zwei Generationen später angefertigten Epitaph von einem Fehler auszugehen. Optisch rechts daneben befindet sich auf der Hauptschauseite, die dem Eintretenden zugewandt ist, das Wappen der von der Hees; es zeigt in Rot einen silbernen Balken, oben von zwei silbernen Mühleisen begleitet, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken der Schild angestemmt zwischen zwei roten, je mit einem silbernen Balken belegten Büffelhörnern (Westfälisches Wappenbuch, Aschaffenburger Wappenbuch, Rietstap, Siebmacher Band: NaA Seite: 25 Tafel: 38). Das Wappen steht hier für die Ehefrau des Bauherrn, Agnes von der Hees, ihren Vater, Valentin Wolf von der Hees (-1559), und ihren Großvater väterlicherseits, Adam von der Hees.

 

Das dritte Wappen, auf der Außenseite des Konsolsteines, ist das der Herren von Buchenau, in Gold ein grüner Sittich mit rotem Halsband, auf dem Helm mit grün-goldenen Decken ein grüner Sittich mit rotem Halsband sitzend zwischen einem goldenen Flug (Siebmacher Band: BayA3 Seite: 165 Tafel: 115, Band: NaA Seite: 17 Tafel: 23, Band: PrE Seite: 33 Tafel: 26, Band: ThüA Seite: 95 Tafel: 74, Aschaffenburger Wappenbuch Tafel 58 Seite 153). Hier steht das Wappen für die Mutter der Bauherrin, Margaretha Katharina von Buchenau (-1559), und den Großvater mütterlicherseits, Georg von Buchenau. Das letzte Wappen ganz außen auf der angrenzenden Wandfläche ist das der von Breidenbach gen. Breidenstein; es ist geviert, Feld 1 und 4: in Gold eine blaue Wolfsangel (Doppelhaken), in Form von Kleeblättern dreimal durchbrochen, Feld 2 und 3: in Gold ein rotes Mühleisen (doppeltes Wolfseisen, Maueranker), auf dem Helm mit rot-goldenen Decken ein sitzender roter Wolf zwischen einem mit dem Schildinhalt belegten Flug (Aschaffenburger Wappenbuch Tafel 78 Seite 124, Siebmacher Band: He Seite: 5 Tafel: 3-4, Band: Pr Seite: 98 Tafel: 127, Band: Bay Seite: 71 Tafel: 78). Das Wappen steht hier für die Großmutter mütterlicherseits, Dorothea von Breidenbach gen. Breidenstein, Ehefrau von Georg von Buchenau. Diese Wappenkonstellation gibt es, wie zuvor erwähnt, auch in Farbe am Epitaph in der evangelischen Stadtkirche, als Teil einer umfassenderen Ahnenprobe für den Sohn des Bauherrenpaares.

Hofseitig besitzt der Südwestflügel ein nachträglich eingebautes Kellerfenster, das offensichtlich ein zweitverwendetes Element ist, weil es viel zu aufwendig mit Beschlagwerk geschmückt ist für ein simples Kellerfenster. Vielleicht war es früher einmal ein Portal. Zwischen einem rundbogigen Rahmen und der segmentbogigen Öffnung entsteht ein großes Bogenfeld. Das mit Beschlagwerk überzogene Bogenfeld trägt zwei schöne Steinmetzzeichen und die Datierung auf das Jahr 1600. Der zuvor vorgestellte Bauherr Eustachius von Schlitz gen. von Görtz war zwei Jahre zuvor verstorben, daher haben wir es nun mit seinem Sohn zu tun, der das Erbe angetreten, den Besitz übernommen und die Burg der Eltern weiter ausgebaut hat.

Das bezeugen auch die beiden Wappenschilde in den Bogenzwickeln: Wilhelm Balthasar von Schlitz gen. von Görtz (6.1.1568-17.1.1636), Sohn von Eustachius von Schlitz gen. von Görtz (1527-1598) und dessen Frau Agnes von der Hees, hatte Margarethe Riedesel von Eisenbach (23.5.1571-25.11.1613) geheiratet, die Tochter von Volprecht Riedesel von Eisenbach (1548-1.3.1610) und Walburge Beate von Berlepsch (1552-27.3.1608).

 

Heraldisch rechts befindet der Wappenschild der von Schlitz gen. Görtz wie beschrieben; gegenüber sieht man den Schild der Riedesel von Eisenbach, in Gold ein schwarzer Eselskopf in Frontalansicht mit einem dreiblättrigen Riedgras im Maule. Beide Schilde sind ringsum mit kunstvoll nach vorne und nach hinten eingerollten Rändern versehen.

Literatur, Links und Quellen:
Vorderburg Schlitz: http://www.schlitz.de/index.php4?page=53&nav=42&ref=www.schlitz.de&sm=https%3A&sb=&hash=8
Vorderburg Schlitz:
https://de.wikipedia.org/wiki/Vorderburg_(Schlitz)
Hotel Vorderburg:
http://hotel-vorderburg.de/
Ulrich G. Großmann: Renaissanceschlösser in Hessen: Vorderburg Schlitz:
http://schloesser.gnm.de/wiki/Schlitz,_Vorderburg
Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen - 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen, 3. Auflage. 2000, ISBN 3-86134-228-6, S. 229-230.
Stadt Schlitz: Burgenstadt Schlitz - Historischer Rundgang. Schlitz, 1997.
Burgen von Schlitz:
http://www.burgenwelt.org/deutschland/schlitz/schlitz.htm und http://burgenarchiv.de/Burgen/Burg_Schlitz_in_Hessen
Schlösser, Burgen, alte Mauern. Herausgegeben vom Hessendienst der Staatskanzlei, Wiesbaden 1990, ISBN 3-89214-017-0. S. 311, 312
von Schlitz gen. Görtz:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schlitz_(Adelsgeschlecht)
neuere Genealogie der von Schlitz gen. Görtz
http://www.angelfire.com/realm/gotha/gotha/schlitz.html
ältere Genealogie der von Schlitz gen. Görtz: Gothaisches genealogisches Taschenbuch der gräflichen Häuser, Band 47, S. 307 ff. -
https://books.google.de/books?id=BP1gAAAAcAAJ&pg=PA307#v=onepage&q&f=false
Dehio, Hessen, 1982, S. 782 f.
Geschichte von Schlitz und Stadtrundgang:
http://www.schlitz.de/index.php4?page=53&nav=42&ref=www.schlitz.de&sm=https%3A&sb=
Historischer Stadtrundgang Schlitz
http://www.schlitz.de/Historischer-Stadtrundgang-Deutsch---Englisch,__p53.php4
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Johannes Hohlfeld: Ahnentafeln berühmter Deutscher, Folge 4, Leipzig 1938, Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte Stamm- und Ahnentafelwerk der Zentralstelle, 306
Genealogie:
http://geneagraphie.com/getperson.php?personID=I489803&tree=1 - http://geneagraphie.com/getperson.php?personID=I538340&tree=1 - http://geneagraphie.com/getperson.php?personID=I538341&tree=1 - http://geneagraphie.com/getperson.php?personID=I417139&tree=1 - http://geneagraphie.com/getperson.php?personID=I417139&tree=1
Hans und Doris Maresch: Hessens Schlösser und Burgen, Husum Verlag 2005, ISBN 3-89876-158-4, S. 225-226
Ulrich G. Großmann: Renaissanceschlösser in Hessen - Architektur zwischen Reformation und Dreißigjährigem Krieg, Verlag Schnell & Steiner, 296 S, 2010, ISBN 978-3-7954-2168-7.

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