Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2373
Gotha (Landkreis Gotha, Thüringen)

Das Cranach-Haus

Das Cranach-Haus steht am Hauptmarkt Nr. 17., am steilen Anstieg der Altstadt zum Schloßberg. Im Vorgängerbau dieses Hauses wohnte zu Beginn des 16. Jh. Lucas Cranach d. Ä. (um 1475-16.10.1553). Dessen erste Ehefrau Barbara Breng(e)bier (-1541) war die Tochter des Ratsherren und Gothaer Bürgermeisters Jobst Breng(e)bier (-1512), dem das Wohnhaus zuvor gehörte. Sie hatte um 1512 Lucas Cranach geheiratet, und über sie kam das Haus am oberen Hauptmarkt an den Maler. Später wurde das Haus Wohnsitz von Cranachs Tochter Ursula, die 1544 in Wittenberg Georg Dasch geheiratet hatte. Dieser frühere Bau fiel dem Stadtbrand von 1632 zum Opfer. Das heutige, zur Straße zwölfachsige und zweistöckige Gebäude entstand auf älteren Grundmauern zu Anfang des 18. Jh. Die ein älteres Tor umschließende Toreinfahrt aus Buckel- und Diamantquadern mit zwei nach innen geneigten Ovalfenstern (Ochsenaugenfenster) darüber liegt an der tiefsten Stelle des Geländes.

Von 1852 bis 1986 diente das geräumige Haus als Schulgebäude einer "Höheren Töchterschule", danach eine Hilfsschule für lernschwache Kinder. Im 19. Jh. wurde vom Ingenieur Hugo Mairich in den noch aus gotischer Zeit stammenden Keller dieses Hauses das Pumpwerk für die Wasserkunst am Schloßberg mit ihren Kaskaden und Fontänen eingebaut unter Verwendung einer Turbine der Gothaer Maschinenfabrik Briegleb & Hansen von 1895. Das Pumpwerk funktioniert immer noch. Die Wasserzuleitung ist wesentlich älter: Unter Landgraf Balthasar wurde 1366-1369 der Leinakanal angelegt, der die Wasserkunst speist. In neuerer Zeit wurde das Gebäude durch die KulTourStadt Gotha GmbH und den Urania Kultur- und Bildungsverein genutzt. Außerdem war hier eine polizeiliche Beratungsstelle zu Einbruchsschutz untergebracht, die aber zum 1.10.2016 in das Dienstgebäude der Landespolizeiinspektion Gotha, Schubertstraße 6 umgezogen ist.

Eine ältere Spolie ist rechts des Tores in die Fassade eingelassen, die noch vom Vorgängerbau stammt und einen Portalschlußstein aus der Mitte des 16. Jh. darstellt. Der Stein stammt aus der Zeit nach 1545. Zu sehen ist das Ehewappen des Ratsherrn Georg (auch: Jörgen) Dasch (Tasch) und seiner Frau Ursula Cranach. Georg Dasch (ca. 1510-1578) hatte in Wittenberg studiert, war Jurist und stammte aus Würzburg. Die beiden zogen um 1545 nach Gotha, und Georg Dasch war über viele Jahre Mitglied des Rates und Bürgermeister. Sein redendes Wappen zeigt eine Tasche (Pilgertasche). Die Farben sind unbekannt, Hinweise willkommen.

Ursula Cranach, die zuvor 1537 schon einmal verheiratet gewesen war, bevor sie 1544 Georg Dasch ehelichte, führt in Gold eine kriechende, rot gekrönte und schwarz geflügelte schwarze Schlange mit rotem Fingerring im Maul. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu schwarz-goldenen Decken auf einem Dornenzweiggeflecht die waagerecht kriechende Schlange mit goldenem Ring mit rotem Stein im Maul (vgl. Aschaffenburger Wappenbuch, Siebmacher Band Preußen, S. 110, T. 146, Band Bg1, S. 46, T. 62). Dieses Wappen ist dem Maler Lucas Cranach und seiner Familie am 6.1.1508 von Kurfürst Friedrich dem Weisen verliehen worden.

Man sollte glauben, Gotha sei eine Stadt des Glückes für den Maler gewesen: Er selbst findet hier eine Frau, kommt an eine Immobilie in erster Lage, seine Tochter Ursula verheiratet sich hierher in die besten Ratskreise, eine zweite Tochter verheiratet sich ebenfalls nach Gotha. Doch es kam auch anders: Einer der Schwiegersöhne wurde auf Gothas Marktplatz gevierteilt. Denn des Malers Tochter Barbara (-1601) hatte 1543 Christian Brück geheiratet, einen Politiker der Reformationszeit, der 1555 vom sächsischen Kurfürsten als Kanzler nach Gotha berufen wurde. Doch es war die Zeit der Streitereien der sächsischen Herzogtümer um die Kurwürde, und Brück war nicht klug genug, sich herauszuhalten. Statt dessen verstrickte er sich in die Machtkämpfe und in die Grumbachschen Händel und wurde 1567 zum Tode verurteilt und in aller Öffentlichkeit gevierteilt.

Literatur, Links und Quellen:
Hinweistafeln am Objekt
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Hartmut Ellrich: Auf den Spuren von Lucas Cranach d.Ä. Sutton Verlag 2012, 144 S., ISBN-10: 3954000210, ISBN-13: 978-3954000210 -
https://books.google.de/books?id=f5ppfDXrrPgC
Cranach-Haus:
http://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/kultur/detail/-/specific/Auf-den-Spuren-von-Lucas-Cranach-in-Gotha-1549406869
Lucas Cranach:
https://de.wikipedia.org/wiki/Lucas_Cranach_der_Ältere
Georg Dasch:
https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Dasch
Wege zu Cranach:
http://wege-zu-cranach.de/cranach-staedte/gotha.html
Wasserkunst:
http://www.gotha.de/leben-in-gotha/natur-umwelt/gewaesser-brunnen/brunnen/wasserkunst.html

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