Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2368
Philippsthal an der Werra (Landkreis Hersfeld-Rotenburg)

Schloß Philippsthal

Die Schloßanlage:
Schloß Philippsthal im unteren Werratal präsentiert sich heute als geräumige Dreiflügelanlage, deren Trakte um einen dreieckigen, ca. 4000 m2 großen Innenhof gruppiert sind. Im Nordwesten befindet sich ein ca. 120 m langer, zwei- bis dreistöckiger Flügel, der zum Marktplatz und zum alten Ortskern gerichtet ist. Hier befindet sich ein Zugangstor zum Innenhof. Wo früher schon die landgräfliche Bibliothek untergebracht war, befindet sich heute die Gemeindebibliothek. Der Nordostflügel ist nach einem Brand 1976 vollständig erneuert worden und enthält anstelle des ehemaligen Gutstrakts ein Wohn- und Pflegeheim für Senioren aller Pflegestufen ("Residenz Ambiente") und mehrere Einzelhandelsgeschäfte. Hier ist keine historische Bausubstanz mehr vorhanden; allein der Charakter der geschlossenen Dreiflügelanlage wurde beibehalten. Nach Südosten wird der Innenhof schmaler und endet an einem Torhaus. Die Gebäude enden schon früher, so daß das Tor frei steht und eine Lücke zur Bebauung läßt. Der Südflügel ist von komplexer Struktur; im Westen steht ein dreigeschossiger Schloßflügel mit einem Durchgang zu einem bis an die Werra reichenden, vollständig mit einer Sandsteinmauer umgebenen Park, der ca. 50000 m2 groß ist und mehrere Seen enthält. Der Park wurde 2007-2008 saniert. An den Schloßflügel grenzt im Osten, südlich versetzt, die Schloßkirche an, die auf der Südseite mit einem Anbau erweitert wurde. Der ca. 50 m breite Schloßflügel enthält heute das Rathaus der Marktgemeinde Philippsthal mit einem schönen Sitzungssaal und Gastronomiebetriebe.

Abb.: Blick von Südwesten auf den südlichen Erweiterungsbau der Kirche

Sitz einer Hessen-Kasseler Nebenlinie:
Schloß Philippsthal ist zugleich das Ergebnis der Reformation und der Familienpolitik im Hause Hessen-Kassel. Hier befand sich einst ein hersfeldisches, bereits 1191 urkundlich erwähntes Benediktinerinnenkloster namens Kreuzberg, das später von Zisterzienserinnen übernommen wurde. 1525 wurden die Klostergebäude bis auf die Kirche im Bauernkrieg zerstört. Dieses Kloster wurde wie so viele andere Klöster während der Reformationszeit 1526 aufgehoben. Das Kloster war als landwirtschaftlicher Betrieb genutzt worden, nachdem die letzten Nonnen ausgezogen waren.

Unter den Söhnen des Landgrafen Wilhelm VI. von Hessen-Kassel (23.5.1629-16.7.1663), der 1648 Hersfeld bekam, kam es zur Teilung des landgräflichen Hauses. Sein dritter Sohn, Philipp Landgraf von Hessen-Philippsthal (14.12.1655-18.6.1721), vermählt am 16.4.1680 in Kassel mit Catharina Amalia Gräfin zu Solms-Laubach (26.12.1654-26.4.1736), übernahm von seinem in Kassel regierenden Bruder Karl das Kloster Kreuzburg, wo er seit 1685 saß, und gründete dort eine eigene landgräfliche Linie, die bis 1925 bestehende Linie Hessen-Philippsthal, die anfangs noch Hessen-Kreuzberg genannt wurde. Das ehemalige Kloster richtete er als Residenz her, und den Ort und das Schloß benannte er nach sich selbst.

Unter ihm und vor allem unter seinem Sohn Carl wurde das Kloster umgebaut: Aus dem Haus des Propstes wurde der Schloßflügel. Die beiden einstigen, wohl nicht vollendeten Kirchtürme wurden gekappt, in das Schloß integriert und zu Treppenhäusern und Verbindungsräumen umgebaut. Statt dessen erhielt die Kirche im Westen einen zentralen neuen Kirchturm. Der alte Westeingang wurde vermauert. Das südliche Seitenschiff der Klosterkirche, das bereits 1590 baulich abgeteilt und als landwirtschaftlicher Lagerraum genutzt worden war, wurde schloßartig umgebaut (Abb. oben) und bekam repräsentative Räume sowie die Fürstenloge zum Kirchenschiff hin, von der aus die landgräfliche Familie hinter großen Glasscheiben den Gottesdienst verfolgen konnte.

Als die Linie Hessen-Philippsthal 1925 nach insgesamt sieben Philippsthaler Landesherren erlosch, fiel der Besitz an Chlodwig Alexis Ernst Landgraf von Hessen-Philippsthal-Barchfeld (30.7.1876-17.11.1954) aus der 1721 von Philipps zweitem Sohn, Wilhelm, begründeten Nebenlinie. Diese Nebenlinie und die Linie Hessen-Rumpenheim sind übrigens die einzigen heute noch bestehenden Linien des landgräflichen Hauses, und als letztes Schloß verblieb der Linie Hessen-Philippsthal-Barchfeld Herleshausen. Landgraf Chlodwig nutzte Philippsthal als Wohnsitz. In der Folgezeit wurden die Gebäude unter anderem als Hilfskrankenhaus, als Büro der Reichsbahndirektion und bis 1982 als evangelisches Seniorenheim genutzt. Das gesamte Anwesen befindet sich seit 1985 in Gemeindebesitz.

Das Wappen am Torbogenhaus:
Das, wie der Schlußstein verrät, 1734 errichtete, zweistöckige Torbogenhaus mit Mansarddach bildet den östlichen Abschluß des Schloßkomplexes. Es war als repräsentativer Haupteingang zum Schloß gedacht, weil hier ca. 1,5 km flußaufwärts die verkehrsreiche Handelsstraße Via Regia zwischen Frankfurt und Leipzig über die alte Werrabrücke bei Vacha verlief. Das Torhaus wurde für Landgraf Carl I. von Hessen-Philippsthal (23.9.1682-8.5.1770) erbaut und 1976-1979 restauriert. Bis 1998 war hier eine Informationsstelle des Grenzzolldienstes, und seitdem hat man hier ein Grenzmuseum untergebracht.

Der Hauptschild des landgräflichen Wappens mittig über dem Torbogen des östlichen Torhauses ist gespalten und zweimal geteilt und belegt mit einem Herzschild: Feld 1: in Silber ein rotes Patriarchenkreuz, Fürstentum Hersfeld, Abtei Hersfeld, Feld 2: schwarz-golden geteilt, oben ein silberner, sechsstrahliger Stern, Grafschaft Ziegenhain, Feld 3: in Gold ein roter Löwe, eigentlich blau bewehrt und blau gekrönt, Grafschaft Katzenelnbogen, Feld 4: in Rot zwei goldene, eigentlich blau bewehrte schreitende Löwen übereinander, Grafschaft Diez, Feld 5: schwarz-golden geteilt, oben zwei achtstrahlige silberne Sterne, Grafschaft Nidda, Feld 6: in Rot ein silbernes genageltes Nesselblatt, belegt mit einem silbern-rot geteilten Schildchen, Grafschaft Schaumburg, Herzschild: in Blau ein silbern-rot mehrfach geteilter aufrechter Löwe, golden gekrönt und golden bewehrt, Landgrafschaft Hessen (Stammwappen).

Dazu werden fünf Helme geführt, Helm 1 (Mitte): auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken zwei Büffelhörner, außen besteckt mit Lindenzweigen, Landgrafschaft Hessen, Helm 2 (innen rechts): auf dem gekrönten Helm ein Pfauenfederstoß, Fürstentum Hersfeld, Abtei Hersfeld, Helm 3 (innen links): auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken hier ein schwarzer Ziegenadler, auf den Flügeln mit einem silbernen Stern belegt, meist jedoch ein springender oder wachsender Ziegenrumpf zwischen einem wie der Schild tingierten und mit je einem silbernen sechsstrahligen Stern belegten Flug (auch als ein geflügelter schwarz-gold geteilter Ziegenbock beschrieben), Grafschaft Ziegenhain, Helm 4 (rechts außen): auf dem Helm mit rot-goldenen Decken ein schwarzer Flug, beiderseits belegt mit einer wie der Schild tingierten Scheibe, Grafschaft Katzenelnbogen, Helm 5 (links außen): auf dem rot-silbern bewulsteten Helm mit rot-silbernen Decken fünf goldene Lanzen mit roten Fähnlein; jedes Fähnlein trägt eigentlich noch das Schildbild, das Nesselblatt; normalerweise wächst auf beiden Seiten der Fähnlein ein roter Pfeilschaft hervor, oben mit einem Pfauenwedel verziert, fehlt hier, Grafschaft Schaumburg.

Das Wappen am Südflügel:
Über dem hofseitigen Torbogen des Südflügels, rechts im Bild, befindet sich das Allianzwappen für Landgraf Carl I. von Hessen-Philippsthal (23.9.1682-8.5.1770) und seine Frau, Carolina Christina Herzogin von Sachsen-Eisenach (15.4.1699-25.7.1743), wie die Initialen auf den beiden Schriftbändern angeben: C L Z H P = Carl Landgraf zu Hessen-Philippsthal und C C L Z H P G H Z S E = Carolina Christina Landgräfin zu Hessen-Philippsthal geborene Herzogin zu Sachsen-Eisenach.

Landgraf Carl I. von Hessen-Philippsthal (23.9.1682-8.5.1770) war das zweite Kind und der älteste Sohn von Landgraf Philipp von Hessen-Philippsthal (14.12.1655-18.6.1721) und Catharina Amalia Gräfin zu Solms-Laubach (26.12.1654-26.4.1736). Die Ehe wurde am 24.11.1725 in Eisenach geschlossen. Der ovale Wappenschild hat den gleichen Aufbau wie zuvor beschrieben. Im Prinzip ist das das gleiche Wappen, das die Hauptlinie Hessen-Kassel seit 1642/1659 und bis 1736 führte. Den Landgrafen von Hessen-Kassel waren als Ergebnis des Westfälischen Friedens neue Gebiete zugesprochen werden: Die Abtei Hersfeld und die Grafschaft Schaumburg. 1606 war der letzte Abt der Abtei Hersfeld gestorben, 1648 fiel Hersfeld an Hessen-Kassel. Die alte Abtei war zuvor in ein weltliches Fürstentum umgewandelt worden. Nach dem Tod des letzten Grafen von Schaumburg wurden dessen Gebiete zwischen Lippe (daraus entstand dann Schaumburg-Lippe) und Hessen-Kassel aufgeteilt. Die Linie Hessen-Philippsthal führte als Abspaltung von Hessen-Kassel das Wappen der Hauptlinie.

Landgraf Carl I. von Hessen-Philippsthal, der in Schmalkalden geboren wurde, schlug eine militärische Laufbahn ein. 1701 trat er in dänische Dienste ein und kämpfte im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714). Am 10.3.1710 wurde er nach der Schlacht von Helsingborg, in der er sich ausgezeichnet hatte, zum Generalmajor erhoben; als solcher war er bis 1715 aktiv, zuletzt bei der Landung auf Rügen und der Belagerung von Stralsund. Am 6.6.1731 wurde er in Anerkennung seiner Leistungen in den dänischen Elefantenorden aufgenommen. Zwischenzeitlich sieht man ihn auch in französischen Diensten, dort wurde er am 13.3.1721 zum Generalleutnant ernannt, nachdem er für Frankreich schon seit 1715 als Generalmajor aktiv war. Im Jahre 1721 wurde er Landgraf, nachdem er bereits mit drei Jahren Erbprinz geworden war. Für das Kaiserreich war er danach noch als Feldmarschall-Leutnant im Dienst. Am väterlichen Schloß ließ er einige Umbau- und Ergänzungsbauten vornehmen, so ließ er ab 1731 im Park mit erheblichem Abstand zum Schloß die eingeschossige Orangerie als mit Arkaden errichten. Im selben Jahr ließ er am Südflügel der Residenz arbeiten; aus dieser Zeit stammt das oben abgebildete Allianzwappen. Ab 1733 ließ er die ehemalige Klosterkirche zur Schloßkirche erweitern und insbesondere mit dem südlichen Anbau und 1743 mit der Fürstengruft versehen, wo er auch selbst nach einer relativ langen Regierungszeit von 49 Jahren begraben wurde. Den Schloßpark im französischen (nördlicher Teil) und englischen (südlicher Teil) Stil im Süden des Schlosses ließ er ebenfalls anlegen und ummauern. Einst war der Park sogar noch größer und ging bis 1905 auf der anderen Werra-Seite weiter. Und 1734 ließ er den Torbogenbau errichten. Auch wenn sein Vater sich das ehemalige Kloster Kreuzberg bereits als Residenz hergerichtet hatte, erfolgte der grundlegende Umbau zum Schloß, zur heutigen Dreiflügelanlage, erst jetzt unter dem Landgrafen Carl.

Carolina Christina Herzogin von Sachsen-Eisenach (15.4.1699-25.7.1743) war die Tochter von Johann Wilhelm Herzog von Sachsen-Jena-Eisenach (17.10.1666-4.1.1729) und Christine Juliane Markgräfin von Baden-Durlach (12.9.1678-10.7.1707). Die Linie Sachsen-Eisenach entstand aus der Linie Sachsen-Weimar, diese aus der alten kursächsischen Linie und gehört damit zu den ernestinischen Herzogtümern. Carolina Christinas Großvater war Johann Georg I. Herzog von Sachsen-Eisenach (12.7.1634 - 19.9.1686). Dieser hatte am 29.5.1661 in Wallau Johannette Gräfin von Sayn und Wittgenstein (27.4.1632-1701) geheiratet, welche nach Prozessen mit der Schwester aus dem Familien-Fideikommiß Altenkirchen, Freusburg, Bendorf, Homburg etc. bekam (ihre Schwester bekam Hachenburg, Details s. u.), und deshalb kamen nun ein paar nur in dieser Linie vertretene Felder hinzu, die von Sayn, Wittgenstein, Homburg und Freusburg, alles Felder, welche die Grafen von Sayn-Wittgenstein führten. Johann Georg I. Herzog von Sachsen-Eisenach saß 1661 zu Friedewald, Freusburg, Altenkirchen und Bendorf, 1662 in Marksuhl, 1671 in Eisenach. Er starb auf der Jagd.

Seine Enkelin, Landgraf Carls Ehefrau, führt dementsprechend einen komplexen Schild, der zweimal gespalten und siebenmal geteilt ist und über den Feldern 8, 11 und 14 einen Herzschild trägt. Eigentlich ist das ein hochinteressanter Schild, der den nur von einer sächsischen Linie vollzogenen Übergang einiger Felder zeigt, leider ist er aber in sehr schlechtem Zustand. Im einzelnen bedeuten die Komponenten, farblich richtiggestellt: Feld 1: in Blau einwärts ein golden gekrönter und bewehrter Löwe, von Silber und Rot mehrmals geteilt, Landgrafschaft Thüringen, Feld 2: in Rot mit silbernem Schildchen ein goldenes Glevenrad, Herzogtum Kleve, Feld 3: in Gold ein schwarzer Löwe, Markgrafschaft Meißen, Feld 4: in Gold ein schwarzer Löwe einwärts, Herzogtum Jülich, hier alle Farbe verlorengegangen, Feld 5: in einem mit roten Herzen bestreuten goldenen Feld ein schwarzer Löwe, Grafschaft Orlamünde, Feld 6: in Silber ein roter Löwe, Herzogtum Berg, hier farblich ganz abweichend, Feld 7: in Schwarz ein goldener Adler, Pfalzgrafschaft Thüringen, Feld 9: in Blau ein golden gekrönter, goldener Adler, Pfalzgrafschaft Sachsen, Feld 10: in Gold zwei blaue Pfähle, Grafschaft Landsberg, Feld 12: in Silber eine fünfblättrige rote Rose, golden bebutzt, mit grünen Kelchblättern, Burggrafschaft Altenburg, Feld 13: in Blau ein von Gold und Silber geteilter Löwe, Herrschaft Pleissen, Feld 15: eigentlich in Silber zwei schwarze Pfähle, hier umgekehrt, Grafschaft Wittgenstein, Feld 16: in Silber 3 (2:1) im Dreipaß ausgeschlagene rote Seeblätter, Grafschaft Brehna, Feld 17: in Rot ein hersehender, goldener, doppelschwänziger Löwe, Grafschaft Sayn, Feld 18: in Silber eigentlich drei, hier nur zwei blaue Balken, Herrschaft Eisenberg (Isenberg), Feld 19: in Gold ein silbern-rot in drei Reihen geschachter Balken, hier vereinfacht, Grafschaft Mark, Feld 20: in Gold auf grünem Dreiberg eine schwarze Henne, gefürstete Grafschaft Henneberg, Feld 21: in Silber drei rote Sparren, Grafschaft Ravensberg, Feld 22: in Rot eine zweitürmige, silberne, schwarzgefugte Burg, Herrschaft Homburg, Feld 23: ledig und rot (hier mit struktureller Damaszierung, das ist kein motivischer Inhalt), Regalienfeld, Feld 24: in Schwarz ein silberner Schräglinksbalken, belegt mit drei schwarzen Eberköpfen, Reichsherrschaft Freusburg an der Sieg, Herzschild: von Schwarz und Gold neunmal geteilt, darüber ein grüner schrägrechter Rautenkranz, Herzogtum Sachsen.

Für die Zuordnung und die Farbgebung der vielen Löwen wurde ein farbig gefaßtes und gut erhaltenes Vergleichswappen an der Herrschaftsloge in der Schloßkirche herangezogen. Der prinzipielle Aufbau des in dieser Form nicht im Siebmacher enthaltenen Wappens wird ferner durch ein Exlibris des Herzog Johann Wilhelm von Sachsen-Jena-Eisenach bestätigt.

Sachsen-Eisenach und die Grafschaft Sayn-Altenkirchen:
Zum Verständnis des Auftretens dieser spannenden Felder 15, 17, 22 und 24 muß etwas weiter ausgeholt werden (und auch das kann hier nur eine Kurzform sein, denn die Verhältnisse sind aufgrund der vielen Linien und der Ereignisse des Dreißgjährigen Krieges extrem verworren):

Die an der mittleren Sieg gelegene Herrschaft Freusburg mit Betzdorf war zunächst Sitz der Edelherren von Freusburg. Als diese erloschen, kam sie an den mit letzteren verwandten Kölner Burggrafen Eberhard von Arenberg, dessen Frau Adelheid von Molsberg in erster Ehe mit einem Herren von Freusburg verheiratet gewesen war. Um 1220 kamen Burg und Herrschaft Freusburg an die Grafen von Sayn. Freusburg wurde 1378 dem Hochstift Trier zu Lehen aufgetragen. Freusburg wurde von Trier seit 1598 als heimgefallenes Lehen betrachtet, dazu von Graf Heinrich 1600/1602 an Trier verkauft, wiederbeansprucht, 1606 gewaltsam von Trier eingezogen, als der Mannesstamm der Grafen von Sayn aus dem Hause Sponheim mit Graf Heinrich am 17.1.1606 erlosch, 1633 von den Schweden für die Grafen von Sayn anderer Linie eingenommen, 1637 von Kurtrier eingenommen und 1639 vor dem Reichskammergericht verhandelt, im Detail noch weit verwickelter. Freusburg mußte jedenfalls 1652 an die Sayner Erbtöchter wieder herausgegeben werden. Es kam bei der Teilung zum Erbteil Sayn-Altenkirchen.

Die Reichsherrschaft Homburg kam im 13. Jh. durch die Heirat von Gottfried von Sayn mit Jutta von Isenburg an die Grafen von Sayn. Die Herrschaft lag im Oberbergischen und war von bergischem Besitz umgeben. Gottfried von Sayn übertrug 1276 sein Eigengut mit der Burg Homburg bei Marienberghausen an den König Rudolf von Habsburg und erhielt es als Lehen zurück. 1635 wurde Homburg kurzfristig Sitz einer Seitenlinie.

Die Grafschaft Wittgenstein fiel 1361 nach dem Erlöschen der Grafenfamilie im männlichen Hauptstamm 1357 aufgrund einer Heirat an das Haus Sayn, das sich fortan Sayn-Wittgenstein nannte. Sie mußten ihre Güter den Grafen von Nassau-Dillenburg zu Lehen auftragen; 1436 folgte eine Erbverbrüderung mit den Landgrafen von Hessen, denen sie ebenfalls 1439 ihre Güter zu Lehen auftrugen. 1603 wurde die Grafschaft geteilt in Sayn-Wittgenstein-Berleburg im Norden und Sayn-Wittgenstein-Wittgenstein im Süden. 1605/1607 teilte man in Sayn-Wittgenstein-Berleburg, Sayn-Wittgenstein-Sayn und Sayn-Wittgenstein-Wittgenstein (= Sayn-Wittgenstein-Hohenstein). Die Grafschaft Sayn fiel 1606 nach dem Tode des letzten Grafen Heinrich IV. an seine Nichte Anna Elisabeth von Sayn, die mit Wilhelm III. von Sayn-Wittgenstein-Sayn (1569-1623) verheiratet war. Durch den Tod Graf Wilhelms III. von Sayn-Wittgenstein fiel die Grafschaft 1623 an Graf Ernst zu Sayn-Wittgenstein und Homburg (1600-1632).

Im Jahre 1636 fand eine Erbteilung im Hause der Grafen Sayn-Wittgenstein-Sayn statt: Ludwig Graf von Sayn und Wittgenstein (8.9.1628-16.7.1636) zu Altenkirchen und Hachenburg aus der von Wilhelm III. begründeten Linie Sayn-Wittgenstein-Sayn war der Sohn von Ernst Graf zu Sayn und Wittgenstein in Sayn und dessen Frau Louise Juliana von Erbach (18.6.1603-28.9.1670) und starb kinderlos. Das besitzrechtliche Chaos in der Grafschaft Sayn war durch den Dreißigjährigen Krieg mittlerweile völlig undurchschaubar geworden. Erst der Friedensschluß von 1648 brachte wieder ein bißchen Ordnung, und es ist vor allem schwedischem Einfluß zu verdanken, daß die Friedensbestimmungen die Wiederherstellung der Grafschaft Sayn forderten und etliche verlorene Gebiete zurückkamen, darunter auch am 22.7.1652 Freusburg aus trierischer Hand, auch Bendorf kehrte zurück, ebenso bekam man die trierischen Rechte an Maxsain und Selters und den Besitz in Vallendar zurück.

Über Ludwigs Schwestern Ernestina Salentina und Johannette wurde nun das Erbe nach entsprechenden Prozessen und Verträgen am 23.8./2.9.1652 wie folgt aufgeteilt: Ernestina Salentina bekam Hachenburg; Johannette bekam Freusburg an der Sieg und das Kirchspiel Kirburg. 1662 wurde den saynischen Erbtöchtern die Herrschaft Altenkirchen und der Bann Maxsain zurückgeben, nachdem der Reichshofrat am 3.3.1661 einen entsprechenden Beschluß gefaßt hatte und Graf Christian von Sayn-Wittgenstein die Gebiete herausrücken mußte. 1662 wurde man auch wieder mit Altenkirchen belehnt. Infolge der Rückgaben wurde am 26.3.1662 der Teilungsvertrag von 1652 abgeändert (1. Friedewalder Vertrag). Johannette hatte sich zwischenzeitlich erneut verheiratet, und ihr zweiter Gemahl, Johann Georg I. Herzog von Sachsen-Eisenach, drang auf gerechte Verteilung. Ernestina Salentina - also Manderscheid - bekam nun das Kirchspiel Birnbach, die Vogtei Roßbach und Giershausen, Fiersbach, Hirzbach, Mehren, Nieder- und Obermaulsbach, Neuenhof vom Kirchspiel Mehren und den Hof Honneroth. Johannette - also Sachsen - bekam nun Altenkirchen, das Kirchspiel Altenkirchen, Ersfeld Forstmehren, Kraam und Rettersen vom Kirchspiel Mehren und den Hof Bergenhausen. Der Bann Maxsain bleibt gemeinsam. Diesem Vertrag folgte kurz darauf der 2. Friedewalder Vertrag vom 14./24.6.1662, der am 18./28.1.1668 bestätigt wurde, gefolgt von einem Gebietsaustausch am 24.2.1671 und am 27.10./6.11.1671, wo um jeden einzelnen Hof gerungen wurde. Das Fazit dieser ganzen Verträge waren zwei völlig neue, selbständige Territorien, die Reichsgrafschaften Sayn-Altenkirchen, durch Johannette im Besitz von Sachsen-Weimar-Eisenach, und Sayn-Hachenburg, durch Ernestina Salentina im Besitz von Manderscheid-Blankenheim. Beide Reichsterritorien gingen nun völlig unterschiedliche Wege.

Hier noch einmal die genealogischen Rahmenbedingungen für die komplexen Besitzübergänge:

Die Reichsgrafschaft Sayn-Altenkirchen nahm nun folgenden Weg: Obwohl man erbittert um sie prozessiert und gestritten hatte, interessierte sie die Besitzer nicht wirklich. In Altenkirchen regelte der herzogliche Statthalter die Angelegenheiten, Geheimrat Baron Johann Heinrich von Griesheim. Weder Herzog Johann Georg von Sachsen-Eisenach noch seine Frau waren oft in ihrer Altenkirchener Residenz, auch nicht, als die Witwe ab 1686 die Regentschaft für ihre Kinder übernahm. Sie bestimmte ihren Sohn Johann Wilhelm Herzog von Sachsen-Jena-Eisenach (17.10.1666-4.1.1729) 1685 testamentarisch zum Erben der Grafschaft Sayn. Schon im Jahre 1686 hatte er die Grafschaft als Apanage zu seiner standesgemäßen Lebenshaltung erhalten. Bereits 1688 hatte sich dieser als Graf von Sayn huldigen lassen. Dann trat die Mutter ihm am 26.4.1697 die Grafschaft Sayn endgültig, vollständig und vorzeitig ab. Die Grafschaft war im Prinzip zu einer Pfründe für die sächsischen Herzöge geworden, und sie wurde entsprechend gemolken. 1729 folgte ihm sein Sohn Wilhelm Heinrich Herzog von Sachsen-Eisenach (10.11.1691-26.7.1741), zur Abwechslung mal ein planmäßiger Übergang der Grafschaft Sayn-Altenkirchen. Doch dann gingen die Probleme weiter: Er starb 1741 kinderlos, und die Erbfolgefragen wurden wieder aktuell.

Vor diesem Hintergrund machten sich natürlich alle diejenigen Hoffnungen auf die Grafschaft Sayn, die als mögliche Erben in Frage kamen, natürlich auch die Schwester Wilhelm Heinrichs, Carolina Christina Herzogin von Sachsen-Eisenach (15.4.1699-25.7.1743), die "unseren" Carl I. Landgraf von Hessen-Philippsthal (23.9.1682-8.5.1770) geheiratet hatte, und dieser sah sich durchaus erbberechtigt. Carolina Christina konnte ihre Ansprüche nicht durchsetzen. Tatsächlich lief es anders: Man suchte den Erben unter den Nachkommen von Johannettas ältester Tochter, das war deren Enkel Karl Wilhelm Friedrich Markgraf von Brandenburg-Ansbach (12.5.1712-3.8.1757). Und so kam die Grafschaft Sayn-Altenkirchen von Sachsen-Weimar-Eisenach 1741 an Brandenburg-Ansbach. 1757 übernahm Markgraf Christian Friedrich Carl Alexander von Brandenburg-Ansbach die Landesherrschaft. Er war kinderlos und schloß einen Staatsvertrag mit seinem Vetter König Georg III. von Großbritannien über die Grafschaft Sayn-Altenkirchen, der die sich daraus ergebenden Rechte aber nicht in Anspruch nahm. 1791 kam die Grafschaft durch Verkauf seitens Markgraf Christian Friedrich Alexander von Brandenburg-Ansbach an Preußen und 1802-1806 zu Nassau-Usingen, 1806 zum Herzogtum Nassau, 1815 an Preußen.

Die Reichsgrafschaft Sayn-Hachenburg nahm ihrerseits folgenden Weg: Seit 1652 war Hachenburg Residenz des neuen Landesherren Graf Salentin. Der nächste Wechsel war im Jahre 1715, ebenfalls aufgrund einer Heirat kam das Territorium an die Burggrafen von Kirchberg, nun Burggrafen von Kirchberg Grafen zu Sayn-Wittgenstein. Das selbständige reichsunmittelbare Territorium Sayn-Hachenburg währte nach vier Generationen der Burggrafen von Kirchberg Grafen zu Sayn-Wittgenstein bis 1799. Letzter war Johann August Burggraf von Kirchberg Graf zu Sayn-Wittgenstein (6.6.1714-11.4.1799), der 1777 seinem Neffen in der Regierung gefolgt war. Da er selber keine Nachkommen hatte, ging das Erbe an die Tochter des besagten Neffen, an Louise Isabella Alexandra Augusta Henriette Friederike Maria Burggräfin von Kirchberg Gräfin von Sayn-Hachenburg (19.4.1772-6.1.1827), die am 31.7.1788 in Hachenburg Friedrich Wilhelm Fürst zu Nassau-Weilburg (25.10.1768-9.1.1816) geheiratet hatte. Sayn-Hachenburg war damit an Nassau-Weilburg gefallen und ging 1806 zusammen mit dem 1802 von Preußen an Nassau-Usingen gefallenen Sayn-Altenkirchen im neu gegründeten Herzogtum Nassau auf, wo es nach territorialen Teilverlusten 1815 bis 1866 verblieb und dann an Preußen kam.

Das Wappen außen am Nordwestflügel:
Am äußeren, zum Marktplatz gerichteten Tor des Nordwestflügels (Abb. oben) befindet sich eine Form des landgräflichen Wappens, wie sie ab 1815 von der Hauptlinie Hessen-Kassel, die inzwischen 1803 durch den Reichsdeputationshauptschluß zum Kurfürstentum geworden war, auch führte. Als Abspaltung von der Linie Hessen-Kassel vollzog Hessen-Philippsthal die 1803 und 1815 eingeführten Änderungen im Schild mit. Der wesentliche Zuwachs waren 1803 vier durch den Frieden von Lunéville erhaltene mainzische Ämter, die unter dem Titel des Fürstentums Fritzlar liefen. 1815 bekam Hessen-Kassel das ehemalige Fürstbistum Fulda als Großherzogtum. Die rheinische Niedergrafschaft Katzenelnbogen war verlorengegangen; das wurde durch das Großherzogtum Fulda und Teile Isenburgs kompensiert. Das Feld blieb trotzdem im Schild zur Aufrechterhaltung des Anspruchs.

Der Hauptschild ist zweimal gespalten und zweimal geteilt und mit einem Herzschild belegt: Feld 1: in Silber ein schwarzes durchgehendes Kreuz, Großherzogtum Fulda, Feld 2: geteilt, oben geviert mit Herzschild, Feld a und d: in Gold drei rote Sparren, Grafschaft Hanau, Feld b und c: in Gold vier rote Balken (kann variieren, frühere Darstellungen auch 7x rot-golden geteilt), Grafschaft Rieneck, Herzschild: geteilt von Rot und Gold, Herrschaft Münzenberg, unten: in Gold ein roter Löwe, blau bewehrt und blau gekrönt, Grafschaft Katzenelnbogen, Feld 3: in Silber ein rotes Patriarchenkreuz, Fürstentum Hersfeld, Abtei Hersfeld, Feld 4: schwarz-golden geteilt, oben ein silberner sechsstrahliger Stern, Grafschaft Ziegenhain, Feld 6: schwarz-golden geteilt, oben zwei achtstrahlige silberne Sterne, Grafschaft Nidda, Feld 7: in Blau ein schwebendes goldenes lateinisches Kreuz (Hochkreuz), Fürstentum Fritzlar, Feld 8: geteilt, oben: in Rot zwei goldene, blau bewehrte schreitende Löwen übereinander, Grafschaft Diez, unten: in Rot ein silbernes genageltes Nesselblatt, belegt mit einem silbern-rot geteilten Schildchen, Grafschaft Schaumburg, Feld 9: in Silber zwei schwarze Balken, Grafschaft bzw. Fürstentum Isenburg, Herzschild: in Blau ein silbern-rot mehrfach geteilter aufrechter Löwe, golden gekrönt und golden bewehrt, Landgrafschaft Hessen (Stammwappen).

Später kamen bei der Linie Hessen-Philippsthal noch zwei weitere Felder hinzu, zwischen Ziegenhain und Fritzlar befindet sich noch die Herrschaft Homburg (in Rot eine zweitürmige silberne Burg) und zwischen Nidda und Isenburg befindet sich noch die Herrschaft Freusburg (in Schwarz ein silberner Schräglinksbalken, belegt mit drei schwarzen Eberköpfen), Zutaten, die sich auf Hoffnungen durch die oben in extenso beschriebenen historisch-genealogischen Zusammenhänge stützten. Das ist hier noch nicht umgesetzt.

Auszug aus der Genealogie der Linie Hessen-Philippsthal:

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Hans und Doris Maresch: Hessens Schlösser und Burgen, Husum Verlag 2005, ISBN 3-89876-158-4, S. 206-207
Stammliste Hessen-Philippsthal:
https://de.wikipedia.org/wiki/Stammliste_des_Hauses_Hessen#Die_Nachkommen_Philipp_.28Hessen-Philippsthal.29_.28Philippsthal.29
Hessen-Philippsthal:
https://de.wikipedia.org/wiki/Hessen-Philippsthal
Schloß Philippsthal:
http://www.hersfelder-zeitung.de/bad-hersfeld/dinge-region-moegen-72-schloss-philippsthal-2858961.html
Hessen-Philippsthal-Barchfeld:
http://www.schlossaugustenau.com/geschichte-des-schlosses/meine-familie/die-landgfrafen-von-hessen-philippsthal-barchfeld/
Residenz Ambiente:
http://www.residenz-ambiente.de/residenzen/residenz/index.php?residenz=Philippsthal
Schloß Philippsthal:
http://regiowiki.hna.de/Schloss_Philippsthal
Schloß Philippsthal:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Philippsthal
Carl I. Landgraf von Hessen-Philippsthal, in: Hessische Biographien
http://www.lagis-hessen.de/pnd/137844743 - http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/bio/id/9982
Marianne Bein: Das Barockschloß Philippsthal, in: Kulturgeschichte: historische Stätten, Denkmäler, vergessene Orte und Museen im Kreis Hersfeld-Rotenburg, herausgegeben von Barbara Händler-Lachmann, Projektleitung: Adolf Corell, Barbara Händler-Lachmann und Susanne Hofmann, Hessisches Institut für Lehrerfortbildung Außenstelle Bad Hersfeld, Bad Hersfeld 1995, S. 220-222
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Territorialgeschichte: Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1
Burg und Herrschaft Freusburg:
http://www.ms-visucom.de/cgi-bin/ebidat.pl?id=46
Die Grafschaft Sayn:
http://argewe.lima-city.de/sonstiges1/Grafschaft_Sayn/6_Die_Grafschaft_Sayn.html
Hellmuth Gensicke: Landesgeschichte des Westerwaldes
Grafschaft Sayn:
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Chronologie Grafschaft Sayn:
http://www.bendorf-geschichte.de/bdf-0218.htm#Herzogtum%20Sachsen

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