Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2362
Mackenzell (zu Hünfeld, Landkreis Fulda)

Die Herrenmühle in Mackenzell

Die Herrenmühle steht am südwestlichen Ortsrand von Mackenzell jenseits des Baches Nüst. Diese am alten Verbindungsweg nach Dammersbach erbaute Mühle war die Mühle der Ortsherrschaft, daher der Name. Die "Herren" waren die Fürstäbte von Fulda, denen der Ort gehörte. Eine herrschaftliche Mühle wird schon im Jahr 1334 erwähnt (Steinmühle); diese Mühlengebäude sind jedoch wesentlich jünger; sie wurden im ersten Viertel des 17. Jh. erbaut. Hier mußten auch die Bauern von Roßbach, Sargenzell und Haselstein 1617 ihre Feldfrucht mahlen lassen. Das mächtige, zweistöckige Gebäude mit Satteldach ist vollständig aus Stein erbaut. Vor dem Brand 1880 hatte die Mühle noch ein drittes Geschoß. Die rückwärtige, südöstliche Giebelwand stößt unmittelbar an die Nüst, wo der Mühlenmechanismus früher angebracht war. Er bestand aus zwei Mühlrädern, von denen eines einen Durchmesser von 6 m hatte. Seit 1960 erzeugte man nur noch Strom. Erst 1961 stellte die Mühle ihren Betrieb ein.

An der nordöstlichen Längsseite des Gebäudes ist eine hochrechteckige Wappentafel angebracht. Auf dem geschweiften und an den Enden gezipfelten Schriftband kann man nichts mehr erkennen. Das Wappen jedoch ist eindeutig als dasjenige des Fuldaer Fürstabtes Johann Friedrich von Schwalbach (regierte 1606-1622) zu identifizieren. Es ist geviert, Feld 1 und 4: in Silber ein schwarzes, durchgehendes Kreuz, Hochstift Fulda, Feld 2 und 3: in Rot schrägrechtsbalkenweise drei silberne Ringe, Stammwappen der von Schwalbach.

Das selten in bauplastischer Form zu findende Wappen dieses Fürstabtes wird mit zwei Helmen geführt, Helm 1 (rechts): auf dem gekrönten Helm mit schwarz-silbernen Decken eine Bischofsmütze, aus der noch zwei Fähnchen schräg nach außen herausragen, die jeweils gespalten sind, innen in Rot eine grüne Lilienstaude mit drei silbernen Blüten, außen in Gold ein schwarzer Adler am Spalt, durch die Inful ist senkrecht ein Bischofsstab gesteckt, Fürstabtei Fulda, Helm 2 (links): auf dem rot-silbern bewulsteten Helm mit rot-silbernen Decken zwei oben silberne, unten schwarze Büffelhörner zwischen zwei roten, mit je drei silbernen Ringen belegten Ohren. Die typischen Insignien wie Fürstenhut, Schwert und separater Krummstab fehlen.

Der Fürstabt Johann Friedrich von Schwalbach (lebte 1567/1568-8.12.1622) entstammte einem rheinländisch-hessischen Adelsgeschlecht mit dem gleichnamigen Stammsitz, heute Burgschwalbach im Taunus. Er war der älteste Sohn von Johann von Schwalbach d. J. und dessen Frau Anna von Hertingshausen. Seine Eltern waren lutherisch, er selbst trat zum Katholizismus über. Im Jahre 1583 schwor er im Stift Fulda auf. Bis 1584 studierte er an den Universitäten Dillingen und Mainz, danach bis 1585 als Alumnus des Päpstlichen Seminars am Fuldaer Jesuitengymnasium. 1590 empfing er die Priesterweihe. Zunächst war er 1590-1593 Propst der Propstei Michaelsberg in Fulda, dann 1593-1606 Dekan, Pförtner und Kellermeister in Fulda und zusätzlich Propst in Neuenberg. 1593-1601 war er Hofkämmerer und Siechmeister, 1601-1606 Propst in Blankenau und in Rohr. 1606 wurde er selber Chef, nachdem er am 22.3.1606 zum Abt von Fulda gewählt worden war, was der Papst am 14.8.1606 bestätigte. Sein Vorgänger im Amte des Abtes hatte eigentlich seinen Verwandten Reinhard Ludwig von Dalwig als Nachfolger favorisiert. Johann Friedrich von Schwalbach und Dalwig schlossen aber 1604 einen Vertrag des Inhalts, daß, wenn sich eine Wahl Schwalbachs abzeichnen solle, Dalwig ihm die Stimme geben solle und dafür die Propsteien Johannesberg und Petersberg, das Dekanat und das Kellereiamt des Stifts Fulda erhalten solle, zusätzlich zu den Propsteien, die er bereits hatte. Alle diese Bestimmungen nahm Johann Friedrich von Schwalbach auf Betreiben Dalwigs in seine Wahlkapitulation vom 21.3.1606 auf, dazu forderte dieser unersättliche Pfründensammler noch 1.) die Propstei Blankenburg und 2.) alle diese Pfründen auf Lebenszeit als Preis für seinen Kandidaturverzicht und seine Stimme. Dalwig war wohl etwas zu gierig, denn nach der Wahl dachte sich Johann Friedrich von Schwalbach "was kümmert mich mein Geschwätz von gestern" und entzog Dalwig 1607 alle Propsteien bis auf die von Holzkirchen und übertrug sie jungen Stiftskapitularen. Dalwig wurde stinksauer in Rom vorstellig und erreichte 1609 seine Wiedereinsetzung in alle Propsteien per päpstlichem Breve. Dennoch bekam er die Propsteien de facto nicht wieder, vielmehr entzog ihm Johann Friedrich von Schwalbach 1611 auch noch das Dekanat, und als Dalwig 1613 starb, war das Problem gelöst. Mit den Regalien wurde Johann Friedrich von Schwalbach am 12.9.1607 von Kaiser Rudolf II. belehnt. Er residierte zumeist in Schloß Neuhof bei Fulda.

Das Familienwappen der von Schwalbach wird beschrieben im Alten Siebmacher, im Siebmacher Band: NaA Seite: 37 Tafel: 60, Band: OstN Seite: 194 Tafel: 130 und Band: PrA Seite: 83 Tafel: 61, im Gruber, bei Zobel auf Tafel 307 und im Aschaffenburger Wappenbuch Tafel 27 Seite 212.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, Band Bistümer, ansonsten wie angegeben
Ort Mackenzell:
https://de.wikipedia.org/wiki/Mackenzell
Mackenzell im Historischen Ortslexikon:
http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/6349
Informationstafeln an der Herrenmühle
Johann Friedrich von Schwalbach:
http://www.lagis-hessen.de/pnd/104352558 (Hessische Biographie)
Josef Leinweber: Die Fuldaer Äbte und Bischöfe, Knecht Verlag Frankfurt am Main, 1989, ISBN 3-7820-0585-6, S. 121-124
von Schwalbach:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schwalbach_(Adelsgeschlecht)
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der 'landeskundlichen Vierteljahresblätter'
Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983
Rolf Zobel: Wappen an Mittelrhein und Mosel, Books on Demands GmbH, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-5292-3, 527 S.

Wasserschloß Mackenzell

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