Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2361
Mackenzell (zu Hünfeld, Landkreis Fulda)

Das Wasserschloß Mackenzell

Schloß Mackenzell liegt am Rand westlich des alten Ortszentrum des gleichnamigen Ortes am rechten Ufer der Nüst, der in das 2 km nordwestlich gelegene Hünfeld eingemeindet wurde. Das Wasserschloß, das mehr einem ummauerten, wehrhaften Hof ähnelt, bildete früher eine rechteckige Insel mit je einer Ecke in jede Himmelsrichtung. Der Schloßgraben ist heute teilweise verlandet und trocken. Der Zugangsweg liegt seitlich und führt erst zu einem im südwestlichen Teil des einstigen Sees gelegenen Zwischenrondell, um dann mittig auf die Südwestseite der Hauptinsel zu führen. Mehrere Strebepfeiler sind außen an die unterschiedlich hohe, aus Bruchsteinen errichtete Umfassungsmauer des Hofes angesetzt, einige davon nachträglich. An der Nordecke befindet sich ein Rundturm, der einzige Wehrturm der Anlage, aus dem 16. Jh. stammend. Er besitzt zwei Massivgeschosse und einen Fachwerkaufsatz sowie kleine Schlüssellochschießscharten. An der Nordwestseite steht an die Außenmauer gelehnt ein Wirtschaftsgebäude (Abb. unten). Sein Untergeschoß ist massiv und stammt aus dem späten 15. oder 16. Jh., der Aufbau aus Fachwerk, das aber erst 1923 errichtet wurde. Zwischen Wirtschaftsgebäude und Rundturm steht ein niedriger Anbau.

Das eigentliche Herrenhaus (Abb. unten) steht im östlichen Eck, ist zweigeschossig mit steilem Satteldach und nimmt etwa ein Viertel der Inselfläche ein. Das Dachgeschoß wurde modern ausgebaut. Markant ist der in der Mitte der breiteren Seite nach Südwesten in den Hof vorspringende, rechteckige und dreigeschossige Treppenturm mit einer Spindel im Innern und einem Satteldach auf dem mit einem umlaufenden Gesims abgeteilten obersten Geschoß. Die Fenster sind unregelmäßig angeordnet ohne System, einzelne, zu zweien oder zu dreien gekuppelte Fenster wechseln. Heute wirkt das Herrenhaus, das seine jetzige Form im wesentlichen im ersten Viertel des 17. Jh. erhielt, im Gegensatz zum Wirtschaftsgebäude ziemlich heruntergekommen.

Der Ort Mackenzell kam bereits im Mittelalter an Fulda, das ihn erst dem Amt Aschenbach zuordnete, ab 1422 aber zum eigenen Amt und 1787 zum Oberamt machte. Es gab im Mittelalter einen Ortsadel, die Herren von Mackenzell. Diese Familie stellte mit Bertho III. im 13. Jh. einen Fuldaer Abt, der aber als äußerst unfähig gilt und nur ganz kurz an der Macht war. 1349 starben die Herren von Mackenzell aus. Eine zweite, abgegangene Burg aus dem 12. Jh. bestand übrigens im Ort südlich auf einem leichten Bergsporn in der Nähe der Herrenmühle. Schloß Mackenzell gehörte im Laufe der Zeit unterschiedlichen Familien, auch anteilig, den von Mackenzell, den von Biembach, den von Schenkenwald und den von Buchenau, welche schließlich im 14. Jh. den größten Teil der Burg besaßen. 1415 wurde Schloß Mackenzell Besitz des Fuldaer Fürstabts. Der Wappenstein über dem Eingang kündet von fürstäbtlichen Baumaßnahmen im Jahr 1535, als die Burg umgebaut wurde.

Mit dem Ende der geistlichen Fürstentümer kam Mackenzell 1803-1806 an das Fürstentum Nassau-Oranien-Fulda, wurde 1806-1810 unter Napoléon französisch und kam 1810-1813 zum Großherzogtum Frankfurt, bis es 1816 an Hessen kam, damals Kurfürstentum. Bis auf ein preußisches Intermezzo blieb der Ort dann hessisch. 1923 wurde das mittlerweile umgebaute Schloß als Oberförsterei genutzt. Dann kaufte die Gemeinde 1952 das Anwesen und vermietete dort Wohnungen. 1962 wurde das Schloß wieder in private Hände verkauft, und 1967-1968 zum Schloßhotel umgebaut. Danach kam das Schloß 1973 in den Besitz des Guttemplerordens, der hier ein Kurheim bzw. eine Fachklinik für suchtkranke Menschen betrieb. Heute werden die immer noch dem Guttempler-Hilfswerk gehörenden Gebäude zusammen mit den anderen in Besitz der Institution befindlichen Gebäuden im vorgelagerten Außenbereich seit dem 5.1.2016 von der Gemeinde als Flüchtlingsunterkunft für bis zu 90 Asylbewerber genutzt. Die mit dem Landkreis Fulda vereinbarte Laufzeit des Vertrages beträgt 5 Jahre. Die Wahl fiel wohl auf dieses Schloß, weil der Guttemplerorden viel Erfahrung in der Sozialarbeit einbringen kann.

Über dem südwestlichen Eingang in das Herrenhaus, das man durch den Treppenturm betritt, befindet sich ein auf das Jahr 1535 datierter Wappenstein des Fuldaer Fürstabtes Johann III. von Henneberg-Schleusingen (30.4.1503-5.5.1541, amtierte 1521/1529-1541). Es ist geviert mit Herzschild, Feld 1 und 4: geteilt, oben in Gold ein wachsender, schwarzer, goldenbewehrter Doppeladler, darüber schwebend eine goldene Krone, unten silbern-rot in zwei Reihen geschacht, Alt-Henneberg, Feld 2 und 3: in Gold auf grünem Dreiberg eine schwarze, hier linksgewendete Henne mit rotem Kamm und ebensolchem Kehllappen, redendes Wappen der gefürsteten Grafen von Henneberg, Neu-Henneberg, Herzschild: in Silber ein schwarzes durchgehendes Kreuz, Fürstabtei Fulda. Ganz ähnliche Wappen dieses Fürstabtes können in Hammelburg am Rathaus und in Bad Brückenau am Gemeindezentrum neben dem Pfarrhaus gefunden werden.

Johann III. von Henneberg-Schleusingen war der Sohn von Graf Wilhelm VI. von Henneberg-Schleusingen und Anastasia von Brandenburg. Er war zwar der älteste Sohn, wurde aber dennoch früh für den geistlichen Stand bestimmt, weil seine Brüder Wolfgang (1507-1537) und Georg Ernst (1511-1583) kräftiger waren. Er bekam den Namen nach seinem Großonkel Johann II., der bis 1513 Abt von Fulda war und als sein Taufpate fungierte. Johann III. studierte in Bamberg und Mainz. Er war als Domherr in mehreren Stiften vertreten, 1515-1538 in Straßburg, 1517-1541 in Mainz, 1518 in Köln und 1519-1523 auch in Bamberg. Es war absolut üblich, solche Pfründen zu sammeln und mehrere Eisen im Feuer zu haben, um überall Aufstiegsmöglichkeiten zu haben. Sein Vater hatte ihm dazu noch die Wege in Fulda geebnet, indem er am 17.8.1516 einen Vertrag mit dem Stiftskapitel Fulda geschlossen hatte, daß im Falle des Ablebens oder Rücktritts des amtierenden Abtes sein Sohn Johann III. zum Nachfolger gewählt werden solle.

1521 war es dann soweit: Sein Vorgänger lag zwar nicht im Sterben, wurde aber de facto abgesetzt. Johann III. weilte gerade zu Studienzwecken in Paris, als sein Vater ihn eilig zurückrief, obwohl der Sohn keine Lust auf dieses Amt hatte. Paris oder Mönchskutte - was ist einem achtzehnjährigen Grafensproß wohl lieber? Am 30.4.1521 wurde er von Kaiser Karl V. auf dem Wormser Reichstag zum Koadjutor bestimmt, und am 4.9.1521 übernahm er die Regierung in Fulda. Sein Vorgänger, der auf demselben Reichstag auf jede Regierungsgewalt verzichtete und dafür eine Pension bekam und den Abtstitel behalten durfte, starb aber erst am 29.4.1529. Johann III. hatte aber immer noch keine wirkliche Lust auf die Kutte, so wenig, daß ihn das Stiftskapitel am 20.1.1531 vertraglich zwang, am 24.2.1531 Profeß abzulegen und endlich die Kutte überzustreifen, wenn er nicht wolle, daß man einen anderen Abt wählt. Diese Drohung wirkte. Am 27.2.1531 konnte er dann endlich zum Abt gewählt werden, nachdem er die Fürstabtei schon 10 Jahre geleitet hatte. Und im Folgejahr wurde das Ganze auch noch durch die Abtsweihe wasserdicht gemacht, nachdem der Papst Clemens VII. die Wahl am 23.8.1532 bestätigt hatte. Auch die immer wieder hinausgeschobene Belehnung mit den Regalien durch den Kaiser erfolgte jetzt endlich.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, Band Bistümer
Ort Mackenzell:
https://de.wikipedia.org/wiki/Mackenzell
Mackenzell im Historischen Ortslexikon:
http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/6349
Wasserschloß Mackenzell:
https://www.heraldik-wiki.de/wiki/Wasserschloss_Mackenzell
Wasserschloß Mackenzell:
http://www.burgenwelt.org/deutschland/mackenzell/ge.htm
Wasserschloß Mackenzell:
http://schloesser.gnm.de/wiki/Mackenzell,_ehem._Schloss
Grundriß:
http://www.burgenwelt.org/deutschland/mackenzell/gr.htm - http://www.burgenwelt.org/deutschland/mackenzell/plan.jpg
Hans und Doris Maresch: Hessens Schlösser und Burgen, Husum Verlag 2005, ISBN 3-89876-158-4, S. 174-175
Informationstafeln an Schloß Mackenzell
Johann III. von Henneberg-Schleusingen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_III._von_Henneberg-Schleusingen
Josef Leinweber: Die Fuldaer Äbte und Bischöfe, Knecht Verlag Frankfurt am Main, 1989, ISBN 3-7820-0585-6, S. 103-106

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