Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2354
Bischofsheim an der Rhön (Landkreis Rhön-Grabfeld, Unterfranken)

Kloster und Klosterkirche Kreuzberg

Der Kreuzberg und sein Kloster gehören zwar formal zu Bischofsheim an der Rhön, bilden aber eine Welt für sich - nicht nur durch den räumlichen Abstand, sondern vor allem durch den Wechsel von dem beschaulichen, gemütlichen Städtchen zu einem Ausflugsschwerpunkt inmitten einer einmaligen Naturlandschaft, durch den Anstieg von 448 m Höhe auf 864 m (Kloster) bzw. 928 m Höhe (Gipfel), auf den höchsten Berg der fränkischen Rhön. Heiliger Berg der Franken, spirituelles Zentrum der Rhön - das war vielleicht früher. Das eigentlich reizvollste am Kloster Kreuzberg heute ist, den Trubel eines Ausflugsziels (der Kreuzberg hat jährlich ca. 500000-600000 Besucher und ist zusammen mit der Wasserkuppe das beliebteste Ausflugsziel der Rhön), den gar nicht klösterlichen Radau der Tages- und Hotelgäste (bis zu 250 Übernachtungsgäste sind möglich), der Wanderer im Sommer und der Wintersportler bei Schnee (auch im Winter wird es nicht spirituell, vielmehr liegt hier das größte Skigebiet mit den längsten Abfahrten der Rhön mit sicherer Schneeprognose), den Kommerz der Brauerei und der Klosterläden (der Kreuzberg ist eines der wirtschaftlich bedeutendsten Unternehmen der Region) und die Massenabfertigung in der Klosterschänke (an Wochenenden sind die Kapazitätsgrenzen überdeutlich) hinter sich zu lassen, wandern zu gehen und von da oben einen sehnsuchtsvollen und genießerischen Blick schweifen zu lassen, der bei gutem Wetter weit in das fränkische Land, die Hessische Rhön, den Vogelsberg, den Thüringer Wald und den Spessart reicht.

Die Wallfahrt auf den Kreuzberg entstand bereits zu Beginn der Christianisierung Frankens im Jahre 686. Zunächst war hier nur ein Kreuz aufgestellt, das aber im Bauernkrieg zerstört wurde. 1582 ließ man drei Kruzifixe errichten. Eine erste Kapelle entstand 1598. Die Anlage entstand 1681-1692 (Erhebung zum Konvent 1684, Weihe der Klosterkirche 1692) mit späteren Zubauten als Wallfahrtskirche und Kloster der Franziskaner, die die Wallfahrt seit 1590 zunächst von Dettelbach aus betreut hatten. 1706 entstand der Fürstenbau. 1710 wurde ein Kapellen-Kreuzweg angelegt, als einer der ersten auf deutschem Boden, und dabei wurden auch die drei Kreuze aus Stein erneuert. Damals war es die isolierte Lage inmitten einer einzigartigen Landschaft, die die Mönche inspirierte und hier ihre Idealvorstellung von Gottesnähe und Abgeschiedenheit Wirklichkeit werden ließ. Vielleicht begann der Sündenfall schon 1731, als die Franziskaner begannen, ihr eigenes Klosterbier an Ort und Stelle zu brauen und dafür ein Brauhaus errichteten. Daraus sind mittlerweile 8500 Hektoliter Jahresausstoß geworden. Heute haben die Ausflügler die Wallfahrer überrundet und den Nutzungskonflikt durch schiere Masse für sich entschieden, auch wenn es jährlich noch 70-80 Wallfahrten vor allem im Spätsommer und Frühherbst zum Kloster Kreuzberg gibt. Aber über 500000 Besucher stehen hier gegen 5 permanent im Kloster lebende Franziskanerbrüder. Die negativen Auswirkungen des Massenansturms sind überaus spürbar als Defizite bei der Besucherlenkung, der Umweltschonung und auch der Gebäudeerhaltung.

Zwischen den beiden linken Fenstern des ersten Obergeschosses der Klosterschenke (Fürstenbau) ist auf der Nordostseite ein Wappenstein des Würzburger Fürstbischofs Johann Philipp von Greiffenclau-Vollraths (regierte 1699-1719) angebracht. Die ovale Schildkartusche ist geviert, Feld 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken, Feld 2 und 3: von Greiffenclau-Vollraths, geviert, Feld a und d: silbern-blau geteilt, darüber ein goldenes Glevenrad, Stammwappen von Greiffenclau-Vollraths, Feld b und b: in Schwarz ein silberner Schräglinksbalken, Ippelbrunn, Feld 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine (von der Stange aus gesehen) rot-silbern gevierte, schräglinksgestellte und an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg. Das Wappen wird mit hinter dem Schild schräggekreuztem Krummstab (Ausschnittsvergrößerung unten rechts) und gestürztem Schwert geführt, dazu mit dem Fürstenhut in der Mitte, auf dem zusätzlich noch eine einzelne Helmzier zu sehen ist, eine goldene Greifenklaue mit silbern-blauer Befiederung, das Stammkleinod der von Greiffenclau.

 

Die Inschrift unter dem Wappen lautet: "SVb SerVo X(ris)tI fVIt Ista habItatIo CLaVstrI / FratrIbVs InfIrMIs eX pIetate Data / A DoMIno nostro regnante Ioanne PhILIppo / PrInCIpe pergrato pLena parata patet". Das birgt in den ersten beiden Zeilen das Chronogramm V + V + X + I + V + I + I + I + I + C + L + V + I + I + V + I + I + M + I + X + I + D = 5 + 5 + 10 + 1 + 5 + 1 + 1 + 1 + 1 + 100 + 50 + 5 + 1 + 1 + 5 + 1 + 1 + 1000 + 1 + 10 + 1 + 500 = 1706 und in den beiden letzten Zeilen noch einmal D + M + I + I + I + L + I + I + C + I + L = 500 + 1000 + 1 + 1 + 1 + 50 + 1 + 1 + 100 + 1 + 50 = 1706. Wer den dicken Punkt, der die beiden Chronogramme und Zeilenpaare voneinander trennt, nicht wahrnimmt, bekommt diese Jahreszahl auch noch einmal in arabischen Ziffern auf dem Sockel des Wappensteines: "GFP 1706 CE".

 

Die Klosterkirche wirkt von außen unprätentiös und franziskanisch-schlicht, nur mit einem Dachreiter anstelle eines Turmes. An der südwestlichen Giebelseite der Klosterkirche befinden sich zwei Wappensteine, einer mittig im gesprengten Schweifgiebel über dem Kirchenportal und einer seitlich an den Fassadenrücksprung links. Der große zentrale Wappenstein hat im unteren Bereich die Inschrift "IN CRVCE DOMINI NOSTRI IESV CHRISTI SALVS VITA ET RESVRECTIO NOSTRA 1681". Die rot abgesetzten Lettern suggerieren ein Chronogramm, doch wenn man nur die roten Buchstaben addiert, erhält man eine abweichende Jahreszahl, außerdem wäre es nicht "sauber" konstruiert, weil nicht alle vorhandenen Zahlzeichen rot hervorgehoben sind.

Die Wappenkomposition ist dreiteilig mit drei 1:2 gestellten, ovalen Schildkartuschen, alle mit einem Fürstenhut bekrönt. Der obere Schild verweist auf den Würzburger Fürstbischof Johann Gottfried von Guttenberg (regierte 1684-1698) und ist geviert, Feld 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken, Feld 2 und 3: in Blau eine goldene Rose mit doppelter Blattlage und mit goldenem Butzen, Stammwappen der von Guttenberg, Feld 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine (von der Stange aus gesehen) rot-silbern gevierte, an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräglinksgestellte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg.

Die beiden anderen Schildkartuschen gehören zu seinen beiden Amtsvorgängern. Diese bekommen aber jeweils nur das einfache Familienwappen, weil sie zur Zeit der Anfertigung des Steines eben keine amtierenden Fürstbischöfe mehr waren und keine Konkurrenz für den einen tatsächlichen Fürstbischof darstellten. Dennoch ist es eine bedeutungsmäßige Abwertung, wenn ihnen die Würzburger Felder vorenthalten werden. Daß es auch anders geht, beweist beispielsweise die Reihe der Fürstbischöfe an Stift Haug in Würzburg, wo jeder einzelne Fürstbischof mit dem vollen Amtswappen dargestellt wird. Heraldisch rechts unten ist die Kartusche für Peter Philipp von Dernbach (regierte 1675-1683), in Blau drei deichselförmig zusammengestellte goldene Seeblätter, begleitet von goldenen Schindeln. Heraldisch links unten wird das Familienwappen für Konrad Wilhelm von Wernau (regierte 1683-1684) dargestellt, in Silber ein schwarzer Schrägbalken (hier schräglinks, wohl aus gestalterischen Gründen, denn eigentlich wird er schrägrechts geführt), belegt mit drei goldenen Kugeln. Aber auch die Kartuschen der Amtsvorgänger werden mit einem Fürstenhut bekrönt, und die Position von gestürztem Schwert schrägrechts und Krummstab schräglinks im Zwickel zwischen den drei Kartuschen zeigen, daß die Komposition als Ganzes begriffen wurde und somit die beiden Amtsvorgänger nicht nur an den Insignien, sondern gedanklich auch an den Würzburger Feldern in der oberen Kartusche teilhaben dürfen. Die beiden oberen Zwickel der rechteckigen Tafel werden von geflügelten Engelsköpfen ausgefüllt. Unter allen drei Fürstbischöfen wurde an der Kreuzberger Klosteranlage gebaut, unter Johann Gottfried von Guttenberg wurde sie vollendet.

Seitlich am rückspringenden Anbau ist das im Hintergrund auf das Jahr 1727 datierte Wappen des Würzburger Fürstbischofs Christoph Franz von Hutten (1724-1729) angebracht. Das Wappen ist geviert, Feld 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken, Feld 2 und 3: in Rot zwei goldene Schrägbalken, Stammwappen der von Hutten zu Stolzenberg und Frankenberg, Feld 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte, schräglinksgestellte und an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg. Das Wappen wird mit seitlich hinter den Schild schräggestellten Insignien, Krummstab und Schwert, geführt, dazu drei Helme: Helm 1 (Mitte): ein wachsender bärtiger Männerrumpf, rot gekleidet mit goldenen Aufschlägen, auf dem Kopf eine mit drei Hahnenfederbüschen an der Spitze und im Stulp geschmückte Spitzmütze mit Aufschlag, Helmdecken rot-golden, Stammwappen der von Hutten, Helm 2 (rechts): ein Paar Büffelhörner, jeweils im Spitzenschnitt rot-silbern geteilt, Helmdecken rot-silbern, Herzogtum zu Franken, Helm 3 (links): eigentlich drei Straußenfedern in den Farben Silber, Rot und Blau (hier nur eine blaue) zwischen zwei rot-silbern gevierten Standarten mit goldenem Schaft, Helmdecken rot-silbern, Hochstift Würzburg.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Band Bistümer
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.
Die Wappen der Hochstifte, Bistümer und Diözesanbischöfe im Heiligen Römischen Reich 1648-1803, hrsg. von Erwin Gatz, von Clemens Brodkorb, Reinhard Heydenreuter und Heribert Staufer, Schnell & Steiner Verlag 2007, ISBN 978-3-7954-1637-9
Städtebauliches Entwicklungskonzept Kreuzberg
https://www.innenministerium.bayern.de/assets/stmi/buw/staedtebau/e4_dw_handlungsf_6_kreuzberg.pdf
Visualisierung des Klosters, virtueller Rundgang:
https://vtc.mi360.de/de/vt/xgBgNmQJmL/d/15940/siv/1 - https://vtc.mi360.de/de/vt/xgBgNmQJmL/d/8694/siv/1
Kloster Kreuzberg:
http://www.bischofsheim.info/kloster-kreuzberg.html
der Kreuzberg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Kreuzberg_(Rhön)
Franziskanerkloster:
http://franziskaner.net/haeuser/kreuzberg/
Kloster Kreuzberg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Kreuzberg
Kreuzberg:
http://www.kreuzberg-rhoen.org/ - http://www.rhoentourist.de/kreuzberg-rhoen.html
Christoph Franz von Hutten: https://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_Franz_von_Hutten
Friedrich Wilhelm Bautz: Christoph Franz von Hutten, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. 2, Bautz, Hamm 1990, ISBN 3-88309-032-8, Sp. 1221-1222.
Konrad Wilhelm von Wernau:
https://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_Wilhelm_von_Wernau
Peter Philipp von Dernbach:
https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Philipp_von_Dernbach
Christian Görzel: Peter Philipp von Dernbach, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. 22, Bautz, Nordhausen 2003, ISBN 3-88309-133-2, Sp. 1067-1069.
Alfred Wendehorst: Peter Philipp Graf von Dernbach, in: Neue Deutsche Biographie, Bd. 20, Duncker & Humblot, Berlin 2001, ISBN 3-428-00201-6, S. 228 f. -
https://www.deutsche-biographie.de/gnd118524801.html#ndbcontent - http://daten.digitale-sammlungen.de/0001/bsb00016338/images/index.html?seite=242
Johann Gottfried von Guttenberg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Gottfried_von_Guttenberg
Alfred Wendehorst: Johann Gottfried von Guttenberg, in: Neue Deutsche Biographie, Bd. 7, Duncker & Humblot, Berlin 1966, ISBN 3-428-00188-5, S. 352 -
https://www.deutsche-biographie.de/gnd118013289.html#ndbcontent - http://daten.digitale-sammlungen.de/0001/bsb00016325/images/index.html?seite=366
Johann Philipp von Greiffenclau-Vollraths
https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Philipp_von_Greiffenclau_zu_Vollraths
Johannes Kreuzenbeck: Johann Philipp von Greiffenclau-Vollraths, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. 31, Bautz, Nordhausen 2010, ISBN 978-3-88309-544-8, Sp. 537-538.
Winfried Romberg (Bearb.): Die Würzburger Bischöfe von 1617 bis 1684, Germania Sacra, Dritte Folge Nr. 4, die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz, das Bistum Würzburg 7, De Gruyter, Berlin 2011, ISBN 978-3-11-025183-8
https://rep.adw-goe.de/handle/11858/00-001S-0000-0023-999A-2 - https://rep.adw-goe.de/bitstream/handle/11858/00-001S-0000-0023-999A-2/3.F.%204%20Romberg%20Bischoefe.pdf?sequence=1
Winfried Romberg (Bearb.): Die Würzburger Bischöfe von 1684 bis 1746, Germania Sacra. Dritte Folge Nr. 8, die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz, das Bistum Würzburg 8, Berlin/Boston 2014.

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