Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2350
Bad Bocklet (Landkreis Bad Kissingen)

Brunnenhaus in den Kuranlagen

Bad Bocklet war bereits 1491 zusammen mit dem Amt und der Burg Aschach in den Besitz des Hochstifts Würzburg gekommen. Im Südwesten der Stadt liegt der Kurbereich. Um den Kurpark bilden mehrere symmetrisch angelegte Gebäudegruppen aus der zweiten Hälfte des 18. Jh. ein langgestrecktes Sechseck. Im Norden der ehemals würzburgisch-fürstbischöflichen Kuranlagen steht der Fürstenbau, eine zweigeschossige, verputzte Dreiflügelanlage mit Walmdächern, die im Kern 1766 entstand, aber 1980-1982 so gut wie komplett erneuert wurde. Im Süden des Parks, flankiert vom Saalbau und vom Badhaus, liegt der Brunnenbau oder Brunnentempel. Er wurde 1786-1787 vom Hofbaumeister Johann Philipp Geigel (1731-1800) für den vorletzten Würzburger Fürstbischof als Landesherrn, Franz Ludwig von Erthal (regierte 1779-1795), erbaut. Der Bau bildet eine nach Süden offene, eingeschossige Dreiflügelanlage mit Mansarddächern, wobei der Mitteltrakt als offenes Peristyl mit Säulenstellungen im Norden wie im Süden gestaltet ist; in der Mitte befindet sich das Brunnenbecken für die damals neugefaßte eisenhaltige Sprudelquelle (sog. Stahlquelle, neuerdings auch Balthasar-Neumann-Quelle genannt nach dem Schöpfer der ersten Quellfassung aus dem Jahre 1725). Der Stil der Anlage ist frühklassizistisch mit zwei Reihen zu je sechs Säulen in toskanischer Ordnung. Durch das offene Peristyl geht der Blick in die bis zur Dr.-Dengler-Promenade reichende Parklandschaft und dahinter in die freie Landschaft.

Vom Bauherrn selbst finden wir kein Wappen, wohl aber zwei Spolien seiner beiden direkten Amtsvorgänger. Karl Philipp von Greiffenclau-Vollraths ließ die von Pfarrer Schöppner unter Franz Christoph von Hutten 1724 entdeckte Quelle 1754 schon einmal neu fassen (2. Fassung) und das erste Badehaus errichten. Bocklet wurde damit Kurort für den fürstbischöflichen Hof. Sein Nachfolger Adam Friedrich von Seinsheim hat 1766 die Quelle, wie eine alte Inschrift auf dem Brunnenbecken besagte, "in Ruf gebracht". Er ließ das erste Kurhaus für Fremde errichten. Und schließlich hat Franz Ludwig von Erthal 1788 noch einmal die Quellfassung verändert (3. Fassung). Dieser Fürstbischof ließ auch den Kurgarten anlegen. Unter dem letzten Würzburger Fürstbischof, Georg Karl von Fechenbach, entstanden der Speisesaal und der sog. Neubau. Nach der Säkularisation wurde Bad Bocklet bayerisches Staatsbad, und König Ludwig I. von Bayern ließ 1835 die Quelle noch einmal neu fassen (4. Fassung), und die wiederum nächste Quellfassung wurde 1912 von Prinzregent Luitpold von Bayern eingeweiht. 1940 und 1948 wurde die Quelle jeweils neu gebohrt und 1950 noch einmal neu gefaßt (6. Fassung).

Auf der Ostseite der etwas vertieften Halle ist der Wappenstein des Fürstbischofs Adam Friedrich von Seinsheim angebracht. Von 1755-1757 ist er Fürstbischof nur von Würzburg, danach von Würzburg und Bamberg. Die Personalunion der Hochstifte Würzburg und Bamberg galt 1757-1795. Aus dieser Zeit stammt der hier zu sehende Stein. Die Inschrift im unteren Bereich nennt den Fürstbischof mit allen Titeln, ist aber in den Randzonen beschädigt. Das Wappen ist geviert mit wiederum geviertem Herzschild:

Hier haben wir eine der seltenen Darstellungen mit allen sechs möglichen Helmen und einem Fürstenhut zusätzlich auf dem oberen Schildrand. Das ist insbesondere hervorhebenswert, weil zum überwiegenden Teil die Wappendarstellungen dieses Fürstbischofs auf Helme verzichten und statt dessen nur einen Fürstenhut verwenden. Im einzelnen sind, obwohl im oberen Bereich beschädigt, zu erkennen:

Auf der Westseite der Halle ist gegenüber des zuvor beschriebenen Steines der auf 1754 datierte Wappenstein des Fürstbischofs Karl Philipp von Greiffenclau-Vollraths angebracht, der 1749-1754 im Hochstift Würzburg regierte. Der Wappenschild ist geviert:

Meist findet man Wappen dieses Fürstbischofs mit Fürstenhut und ohne Helme. Hier sehen wir eine der seltenen, vollständigen Darstellungen mit allen Helmen und Prachtstücken. Das Wappen wird mit hinter dem Schild schräggekreuztem Krummstab und Schwert geführt, direkt neben dem Schildrand, dazu ruht der Fürstenhut auf dem oberen Schildrand. Darüber sind die drei Helme zu sehen:

Dazu kommen an weiteren Prunkstücken noch zwei widersehende Greifen als Schildhalter und obendrüber ein gewaltiger hermelingestulpter Fürstenhut, aus dem ein beiderseits mit Schnüren hochgeraffter Wappenmantel herabfällt. Es ist die aufwendigste mir bekannte plastische Darstellung eines Wappens dieses Fürstbischofs.

Unter der aufwendigen Wappendarstellung befindet sich das Inschriftenfeld, in dem auch die Datierung auf das Jahr 1754 zu lesen ist ("Anno Nativitatis XP(ist)i 1754 Sub Regimine R(e)v(eren)d(issi)mi et Celsissimi S(acri) R(omani) I(mperii) Principis ac D(omi)ni Domini Clementissimi Caroli Philippi Ep(i)s(co)pi Herbipolensis et Franciae Orientalis Ducis ex avita L(iberum) Baronum de Greiffenclau a(b) Vollraths familia nati.........."). In der vorletzten und in der letzten Zeile des oberen Inschriftenblocks wurde der zuerst dort befindliche Text abgemeißelt und in tiefer liegendem Bereich neu betextet. Die untersten beiden Zeilen bilden als Chronogramm noch einmal die Jahreszahl 1754.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Band Bistümer
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.
Liste der Baudenkmäler:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmäler_in_Bad_Bocklet#Bad_Bocklet
Die Wappen der Hochstifte, Bistümer und Diözesanbischöfe im Heiligen Römischen Reich 1648-1803, hrsg. von Erwin Gatz, von Clemens Brodkorb, Reinhard Heydenreuter und Heribert Staufer, Schnell & Steiner Verlag 2007, ISBN 978-3-7954-1637-9
Brunnentempel:
https://de.wikipedia.org/wiki/Brunnenbau_(Bad_Bocklet)
Geschichte von Bad Bocklet:
http://www.badbocklet.de/rathaus-verwaltung/marktgemeinde/geschichte/index.html
Bad Bocklet:
http://franken-wiki.de/index.php/Bad_Bocklet

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