Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2349
Bad Bocklet (Landkreis Bad Kissingen)

kath. Kirche St. Mauritius

Das Kirchenensemble trägt den Namen "St. Laurentius und St. Mauritius", weil die beiden zugehörigen Kirchen zwei verschiedenen Patronen gewidmet sind: Die alte Kirche (Kirchweg 7) ist St. Mauritius, und die im Osten davon, rechts des Friedhofs gelegene moderne Kirche ist St. Laurentius, die am 20.9.1959 geweiht wurde. Hier ist nur die alte Kirche von Interesse, die am Rande des Ortskernes inmitten des Friedhofes steht: Über einer steilen Treppenanlage zur Von-Hutten-Straße ragt ein zweigeschossiger Westturm auf, dessen Untergeschoß als Vorhalle ausgebildet ist. Er ist relativ niedrig und ohne außen sichtbare Geschoßteilung. Ein Spitzhelm schließt ihn nach oben ab. Daran schließt sich ein geosteter Saalbau von ca. 1600 im Stile der sog. Echtergotik mit eingezogenem, halbrund geschlossenem Chor an. Die je zwei Langhausfenster sind zweibahnig und haben überall das gleiche Maßwerk; die Chorfenster wurden rechteckig erneuert. Baudaten oder Datierungen sind nicht vorhanden. Vermutlich wurde ein bereits bestehender Turm echterzeitlich umgebaut und mit einem neuen Kirchenschiff versehen. Beide Kirchen gehören heute zur Pfarreiengemeinschaft Heiliges Kreuz Bad Bocklet.

 

Über dem spitzbogigen Turmportal im Westen, welches in die Vorhalle des Kirchenraumes führt, befindet sich das bauzeitliche Wappen des Landesherrn, des Würzburger Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn (reg. 1573-1617). Sein Schild ist geviert: Feld 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken, Feld 2 und 3: in Blau ein silberner Schrägbalken, belegt mit drei blauen Ringen, Stammwappen der Echter von Mespelbrunn, Feld 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte, an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg. Der ovale Schild wird von üppiger Renaissance-Ornamentik eingefaßt, mit Beschlagwerk, Fruchtgebinden, Tüchern und einer Löwenmaske mit Girlanden. Im Hintergrund des Wappensteines sind die Initialen B und K sowie ein Steinmetzzeichen zu erkennen.

Das Wappen wird mit allen drei zugehörigen Helmen dargestellt, wobei allerdings die Bügel der Helme und Teile der Helmdecken zerstört sind: Helm 1 (Mitte): ein Paar blauer Büffelhörner, jeweils belegt mit einem silbernen Schrägbalken, der wiederum mit drei blauen Ringen belegt ist, Helmdecken blau-silbern, Stammkleinod der Echter von Mespelbrunn, Helm 2 (rechts): ein Paar Büffelhörner, jeweils im Spitzenschnitt rot-silbern geteilt, Helmdecken rot-silbern, Herzogtum zu Franken, Helm 3 (links): auf einem roten, silbern aufgeschlagenen Fürstenhut drei Straußenfedern in den Farben Silber, Rot und Blau zwischen zwei rot-silbern gevierten Standarten mit goldenem Schaft, Helmdecken rot-silbern, Hochstift Würzburg.

Im Inneren der Kirche gibt es noch ein wenig Heraldik: Im Vorraum der Kirche, also im unteren Geschoß des Turmes, befindet sich ein Kindergrabmal mit einem Vollwappen und vier Wappenschilden der Ahnenprobe (ohne Abb.). Das Hauptwappen gehört den von Burdian, einer in Bad Bocklet und Münnerstadt ansässigen Familie, die in Rot ein armloses, naturfarbenes Meerweib mit einem silbernen Fischschwanz führte, auf dem Helm die Schildfigur (Alter Siebmacher von 1605, Siebmacher Band: BayA2 Seite: 17 Tafel: 11, Rietstap/Rolland: "de gueules à une sirène sans bras au naturel, la queue d'argent. Cimier la sirène"). Dieses selten anzutreffende Wappen ist noch in Krautheim zu sehen, an einem in der Kirche befindlichen Epitaph für den 1625 verstorbenen Alexander von Giech.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Band Bistümer
Julius Echter von Mespelbrunn:
http://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Echter_von_Mespelbrunn
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.
Rietstap/Rolland
Liste der Baudenkmäler:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmäler_in_Bad_Bocklet#Bad_Bocklet
Pfarreiengemeinschaft Bad Bocklet:
http://www.pg-bad-bocklet.de/unsere-gemeinden/bad-bocklet/
Epitaph in Krautheim:
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/54/Epitaph_2%2C_Kirche_Krautheim%2C_Volkach.JPG
von Burdian im alten Siebmacher:
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Siebmacher106-Burdian.jpg
Barbara Schock-Werner, Die Bauten im Fürstbistum Würzburg unter Julius Echter von Mespelbrunn, 536 S., Schnell & Steiner Verlag 2005, ISBN-10: 379541623X, ISBN-13: 978-3795416232, S. 222.

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