Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2343
Romrod (Vogelsbergkreis)

Schloß Romrod

Schloß Romrod ist eine mittelalterliche Burg des 12. und 13. Jh., die unter Landgraf Ludwig IV. von Hessen-Marburg 1578-1579 und 1586-1588 zum Schloß umgebaut wurde. Im Mittelalter war die Burg Sitz der Herren von Romrod. Deren Wappen, in Gold eine schwebende schwarze Burg mit zwei Zinnentürmen, auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken zwei schwarze, gestümmelte Äste, wird beschrieben im Aschaffenburger Wappenbuch Tafel 67 Seite 144, im Siebmacher Band: He Seite: 23 Tafel: 26, Band: SaAE Seite: 18 Tafel: 13, Band: ThüA Seite: 18 Tafel: 13. Burg und Amt gingen in der Mitte des 14. Jh. an mehrere Erben als Ganerbenburg, als der Hauptstamm mit dem kinderlosen Ludwig von Romrod, der mit Metze von Eisenbach verheiratet war, erlosch. Die anderen Erben, Ludwigs Schwester Agnes von Romrod, vermählt mit Werner von Westerburg, und Metze von Romrod, verheiratete von Lißberg, verkauften ihre Anteile, und der Besitz war zunächst zwischen den Herren von Erfe und den Landgrafen geteilt.

Die Herren von Romrod insgesamt waren damit aber noch nicht erloschen, denn es gab u. a. als letztes noch eine zu Schrecksbach begüterte Nebenlinie, die noch 1859 von Otto Titan von Hefner zur (blühenden) althessischen Ritterschaft gerechnet wird, wobei andere Quellen diese Linie am 28.2.1844 mit Carl Friedrich Wilhelm Christian von Romrod zu Schrecksbach überzeugend erlöschen lassen. Der Familiensitz Niederbeisheim bestand bis zum Jahr 1716, als er an die von Huyne verkauft wurde. Es gibt aber auch Spuren der Familie in Franken: Ein Nikolaus von Romrod gen. Schmidburg war im 15. Jh. Stadtschultheiß von Aschaffenburg. Eine Spur zur Weiterexistenz dieser Familie an anderem Ort ist z. B. der Grabstein der aus Oberfladungen stammenden Amalia von Romrod (20.9.1592-18.12.1658) in der Stadtkirche Gunzenhausen mit dem Wappen der Herren von Romrod; und das Romrod-Wappen taucht auch in den Ahnenproben ihrer Nachkommen auf. In Thüringen erloschen die dortigen Zweige im 17. oder sogar erst 18. Jh., bezeugt ist noch Wolf Lorenz von Romrod um 1660 auf Nieder-Bibra und Rosa (im Landkreis Schmalkalden-Meiningen).

Zurück zu Burg Romrod: 1385 ging die Burg ganz an die hessischen Landgrafen über; damals regierte Landgraf Hermann II. Romrod wurde Sitz eines hessischen Amtes. Die Landgrafen entdeckten in der Folgezeit die Wälder um Romrod als Jagdrevier und nutzten das zum Schloß ausgebaute Romrod als Stützpunkt für ihre Jagdgesellschaften.

Den Zustand der ersten mittelalterlichen Burg muß man sich anders vorstellen als der heutige Baubestand suggeriert: In der Mitte der unregelmäßig runden Ringmauer stand der Bergfried, der auch die Zisterne bzw. den Brunnen im Untergeschoß enthielt. Entlang der Ringmauer befanden sich randständig mehrere Einzelgebäude, im Westen der romanische Saalgeschoßbau (Herrenbau), im Norden die Küche, im Nordosten die Kemenate und im Osten ein Wohnturm. Den Hof füllten weitere Nebengebäude wie aus Bohlen gezimmerte Häuser und Ställe. Entsprechend wenig Platz war im Innern der Burg für Verkehrsflächen, ganz im Gegensatz zu heute. Diese mittelalterliche Burg brannte mehrfach ab und wurde mehrfach umgestaltet. Durch neue Zubauten wandelte sich der Außenumriß von unregelmäßig rund zu vieleckig, und die Innenbebauung wuchs entlang der Mauer zusammen, bis fast überall Gebäude den immer kleiner werdenden Hof umstanden.

Als die Landgrafen die Burg übernahmen, räumten sie erst einmal auf: Es sollte keine Residenz werden, aber wohnlich sollte es schon sein. Alle überflüssigen Bauten im Burghof wurden abgerissen: Der romanische Bergfried in der Hofmitte, der Wohnturm im Osten, und der Anbau an den Saalbau wurden abgerissen, die hölzernen Bauten sowieso. Mit dem Schutt schuf man im Hof ein ca. 1 m hohes Packlager, damit der weniger feucht und schlammig war. An neuen Bauten entstand im 16. Jh. der Kanzleiturm im Südosten des Hofes. Der Küchenbau wurde modernisiert. Der viergeschossige Herrenbau, ein rechtwinkliger Längsbau mit Mansarddach, der im Süden über die ursprüngliche mittelalterliche Ringmauer hinausreicht und den Grundriß dort eckig macht, erhielt hofseitig neue Fassaden. Alle Bauten erhielten Schmuckelemente und Fenster im Stil der Renaissance. Im Grunde wurde alles Mittelalterliche unter Beibehaltung der mittlerweile fast rechteckigen Außenmauern entfernt, und in die alten Mauern kamen neue Gebäude, die dem neuzeitlichen herrschaftlichen Wohngefühl besser entsprachen.

 

Romrod wechselte im Laufe seiner Geschichte zwischen unterschiedlichen hessischen Linien: 1567 kam es an Hessen-Marburg, 1604 an Hessen-Darmstadt. Danach geriet Schloß Romrod wieder etwas in Vergessenheit. Als Jagdsitz wurde Jagdschloß Jägertal in der Nähe gebaut, das besser geeignet war für die Unterbringung von Hundemeuten etc. für die in Mode kommende Parforcejagd. Erst im 19. Jh. wurde das zeitweise wieder nur als Amtssitz verwendete Schloß Romrod von den hessischen Großherzögen als Sommerfrische wiederentdeckt, und 1878-1885 erfolgte eine Renovierung unter Großherzog Ludwig IV. von Hessen-Darmstadt. Dabei wurde sinngemäß ergänzt. Der polygonale Treppenturm vor dem Nordgiebel des Herrenbaus erhielt damals seinen Fachwerkaufbau. Strebepfeiler wurden ergänzt, wie man zumindest bei einem, der direkt unter einem Aborterker angebracht ist, gut ablesen kann.

Großherzog Ernst Ludwig (Ernst Ludwig Albrecht Carl Wilhelm Großherzog von Hessen und bei Rhein, 25.11.1868-9.10.1937), seit 1892 an der Regierung, stockte den Kanzleibau 1894/95 um ein fünftes Geschoß auf. 1896 legte er den Park an, nachdem er die umgebenden Häuser aufgekauft und abgerissen hatte. Nachdem der Großherzog am 9.11.1918 von den Arbeiter- und Soldatenräten abgesetzt und Hessen zur Republik erklärt worden war, beließ man ihm das Schloß in Romrod bis zu seinem Lebensende 1937 im Alter von 69 Jahren. Durch einen Flugzeugabsturz wurde die Familie noch im selben Jahr fast komplett ausgelöscht. Mit dem jüngsten Sohn des letzten Großherzogs, Prinz Ludwig (Ludwig Hermann Alexander Chlodwig Prinz von Hessen und bei Rhein, geb. am 20.11.1908), erlosch das Hessen-Darmstädter Fürstenhaus am 30.5.1968. Prinzen Moritz von Hessen-Kassel war adoptiert worden. Das wertvolle Inventar kam nach Schloß Kranichstein bei Darmstadt. Erst 1938 ging Schloß Romrod in Staatsbesitz über. Schloß Romrod gehört heute der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die hier auch seit 2000 in einem kleinen Zwischenbau (Torwächterhaus) einen Sitz unterhält (Hauptsitz in Bonn). Der überwiegende Teil des Schlosses ist Hotel.

Über dem im Nordwesten liegenden, spitzbogigen und mit Fase profilierten Tor ist außen ein stark verwitterter Wappenstein der hessischen Landgrafen aus dem 16. Jh. angebracht. Der Schild besitzt eine seltene Anordnung, bei der nicht der hessische Löwe auf dem winzigen Herzschild zu sehen ist, sondern der Stern von Ziegenhain. Das Wappen ist also geviert, Feld 1: in Blau ein silbern-rot mehrfach geteilter Löwe, golden gekrönt und golden bewehrt, Landgrafschaft Hessen (Stammwappen), Feld 2: in Gold ein roter hersehender Löwe, blau bewehrt und blau gekrönt, Grafschaft Katzenelnbogen, Feld 3: schwarz-golden geteilt, oben zwei achtstrahlige silberne Sterne, Grafschaft Nidda, Feld 4: in Rot zwei goldene, blau bewehrte schreitende Löwen übereinander, Grafschaft Diez, Herzschild: schwarz-golden geteilt, oben ein silberner sechsstrahliger Stern, Grafschaft Ziegenhain. Heraldisch mag diese Anordnung nicht logisch zu sein, weil das Stammwappen in den Herzschild gehört, aber zum einen war Ziegenhain nicht gerade eine Kleinigkeit, als es an Hessen fiel, sondern ein großes Territorium, eine richtige territoriale "Sahneschnitte", und zum anderen bekam man das Gebiet nicht unangefochten, sondern mußte sich erst in 45 Jahre dauerndem Erbstreit gegen Hohenlohe durchsetzen, bis man unter finanziellen Opfern gewann.

An der südlichen Außenmauer des Schlosses ist eine aus Erz gegossene Plastik angebracht, die ebenfalls vier Wappenschilde enthält, stilistisch ca. Ende des 19. Jh. Im Zentrum ist unter dem aus einer Krone herabfallenden Wappenzelt kein Wappen, sondern eine Profildarstellung von Großherzog Ludwig IV. des Großherzogtums Hessen-Darmstadt zu sehen. Diese Tafel ist eine Stiftung der Familie Buderus, wahrscheinlich in Erinnerung an den Krieg 1870/71, in dem der Großherzog Kommandeur der hessischen Division war. Das große Hirschgeweih darunter zeigt, daß der Dargestellte Schloß Romrod als Jagdgebiet schätzte. In großherzoglich-hessischer Zeit fanden hier Jagden mit illustren Gästen statt, darunter auch der russische Zar Nikolaus II. und Großfürst Sergej, die mit dem Großherzogshaus über die jeweiligen Frauen verschwägert waren.

 

In den vier Ecken sind vier tartschenförmige Wappenschilde angebracht. Mit diesen Schilden werden die vier wichtigsten Städte bzw. Provinzen des Großherzogtums dargestellt. Der Schild heraldisch oben rechts hat in Blau einen mit einer Kugel belegten Balken, oben ein Löwe, unten eine Lilie. Dabei handelt es sich um ein altes, bis 1917 geführtes Stadtwappen der Stadt Darmstadt, das allerdings nicht der Farbregel entsprach: Von Rot und Blau durch einen schwarzen, mit einer silbernen Kugel belegten Balken geteilt, oben ein wachsender, goldener Löwe, unten eine silberne Lilie. Im Jahre 1917 wurde der Balken mit der Kugel abgeschafft, weiterhin wurden die Farben des oberen Feldes invertiert, so daß das heute geführte Stadtwappen von Darmstadt geteilt ist, oben in Gold ein roter, blau bewehrter und ebenso gezungter, aus der Teilung wachsender Löwe, unten in Blau eine silberne Lilie.

Der Schild heraldisch links oben ist geviert, Feld 1 und 4: ein sechsspeichiges Rad, Feld 2 und 3: ein Kreuz. Vermutlich handelt es sich hier um den Versuch, Mainz darzustellen. Dabei wurde dann aber irrtümlich nicht das städtische Wappen der Stadt Mainz genommen, sondern das eines längst verflossenen Mainzer Fürstbischofs (bessere Ideen willkommen).

 

Der Schild heraldisch unten rechts zeigt dem ersten Anschein nach in Blau einen Greifen, überdeckt vom Buchstaben "J" und dieser überhöht von einer Krone. Hierbei handelt es sich um ein altes, bis 1916 geführtes Stadtwappen der Stadt Gießen. Tatsächlich zeigt dieses aber in Blau eine silberne, gotische Minuskel "g", rechts und links schwarz geflügelt, von einer goldenen Krone überhöht, durch die Öffnung des "g"s schreitend ein roter Löwe. Die größeren Zinken der Krone sind als behelmte Stadttürme dargestellt, die kleineren dazwischen als Blattzinken. Was an der hiesigen Darstellung schlecht wahrgenommen wird: Der Buchstabe geht also hinter dem Löwen weiter und bildet tatsächlich ein "g", und die Flügel sitzen am Buchstaben und nicht am Löwen. Seit 1916 führt die Stadt Gießen in Silber einen blau bewehrten und schwarz geflügelten roten Löwen, nur 1977-1979 unterbrochen, als man Gießen und Wetzlar kurzfristig zur Stadt Lahn vereinigte, was sich aber nicht bewährte. Danach nahm Gießen wieder das Wappen von 1916 an.

Der Schild heraldisch unten links zeigt in Rot einen schräggestellten Schlüssel, der Bart nach oben und rechts gelegt, begleitet von acht Tatzenkreuzchen. Vermutlich handelt es sich hier um den Versuch, Worms darzustellen. Dabei wurde dann aber nicht das städtische Wappen der Stadt Worms (in Rot ein schräggestellter silberner Schlüssel, oben links begleitet von einem goldenen Stern) genommen, sondern das des ehemaligen Hochstifts Worms, wobei die vertikalen Schraffurlinien in der Gußplastik Rot indizieren, die Feldfarbe der Stadt, nicht die des Hochstifts, die Schwarz wäre. Das Wappen ist also irrtümlich ein Hybrid aus der städtischen Farbe und der hochstiftlichen Symbolik (bessere Ideen willkommen).

Literatur, Links und Quellen:
Schloß Romrod, Baugeschichte: http://schloesser.gnm.de/wiki/Romrod,_Schloss
Schloß Romrod:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Romrod
Denkmalakademie:
http://www.denkmalakademie.de/
Hotel:
http://www.schloss-romrod.com/ - Geschichte: http://www.schloss-romrod.com/index.asp?Historie=&cmd=02_05
Schloß Romrod:
http://www.denkmalpflege-hessen.de/LFDH4_DDM_2001-03/body_index.html
Schloß Romrod:
http://www.vhghessen.de/mhg/2003_nf43/2003_02_034.htm - http://www.vhghessen.de/mhg/2003_nf43/2003_02_035.htm - http://www.vhghessen.de/mhg/2003_nf43/2003_02_036.htm
Geschichte von Schloß Romrod:
http://www.burgen-und-schloesser.net/hessen/schloss-romrod/geschichte.html
Geschichte von Romrod:
http://www.romrod.de/index.php?id=42 - http://www.romrod.de/index.php?id=39 - http://www.romrod.de/index.php?id=40
Stadtwappen Darmstadt:
http://www.ngw.nl/heraldrywiki/index.php?title=Darmstadt
Stadtwappen Darmstadt:
http://www.stadtrally.de/Wappen/swdarmstadt.htm
Stadtwappen Gießen:
http://www.ngw.nl/heraldrywiki/index.php?title=Giessen_(Hessen)
Stadtwappen Gießen:
https://www.giessen.de/index.phtml?La=1&sNavID=1894.115&mNavID=1894.115&object=tx%7C1894.114.1&kat=&kuo=1&sub=0
Stadtwappen Worms:
http://www.worms.de/de/kultur/stadtgeschichte/wussten-sie-es/liste/2013-01_Wormser_Stern.php
Großherzog Ludwig IV.:
https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_IV._(Hessen-Darmstadt)
Ein herzliches Dankeschön an Herrn Horst Blaschko für wertvolle Hinweise
Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983, Tafel 67 Seite 144
Herren von Romrod:
https://de.wikibooks.org/wiki/Die_Herren_von_Romrod und insbesondere https://de.wikibooks.org/wiki/Die_Herren_von_Romrod:_Das_Geschlecht_bis_1455
Ein herzliches Dankeschön an Frau Siglinde Buchner für wertvolle Hinweise zu den Herren von Romrod
Siglinde Buchner: Der Oberamtmann Ludwig von Zocha (*1578, +1653), eine familienkundliche Untersuchung, in: Alt-Gunzenhausen, Heft 67, 2012, S. 65-92, insbes. S. 68, 72 und 77.

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