Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2342
Romrod (Vogelsbergkreis)

evangelische Stadtkirche Romrod

Romrod, einst Sitz eines gleichnamigen Herrengeschlechts, kam 1385 in den Besitz der Landgrafen und wurde ein beliebtes Jagdrevier derselben. Unter Landgraf Philipp dem Großmütigen (13.11.1504-31.3.1567) wurde Romrod Stadt. 1526 wurde in Romrod die Reformation eingeführt. Nach dem Tod des Landgrafen Philipp 1567 kam Romrod bei der anschließenden Erbteilung unter den vier Söhnen an Ludwig IV. von Hessen-Marburg (27.5.1537-9.10.1604). Bei der nächsten Erbteilung nach Ludwigs IV. Tod im Jahre 1604 kam Romrod an Hessen-Darmstadt, wo Ludwigs IV. Neffe, Ludwig V. Landgraf von Hessen-Darmstadt (24.9.1577-1626), seit 1596 regierte.

Die Grundsteinlegung für diese evangelische Stadtkirche, die den ersten protestantischen Kirchenneubau der Region darstellt, fand im Jahre 1677 am 28.4. statt, als Landgraf Ludwig VI. von Hessen-Darmstadt an der Regierung war. Der Rohbau wurde 1680 erst nach seinem Tod fertiggestellt. Die Ausstattung zog sich noch ein Jahrzehnt hin, so daß am 1.6.1690 die Einweihung stattfand. Es gibt zwei Prunkportale, von denen nur das westliche, das in das Untergeschoß des Turmes führt, mit Wappen geschmückt ist.

 

Bei dem dreiteiligen Allianzwappen handelt es sich um dasjenige von Landgraf Ludwig VI. von Hessen-Darmstadt (25.1.1630-24.4.1678) und seinen beiden Ehefrauen. Er hatte in erster Ehe im Jahr 1650 auf Schloß Gottorf in Schleswig Maria Elisabeth Herzogin von Schleswig-Holstein-Gottorp (6.6.1634-17.6.1665) geheiratet und danach in zweiter Ehe am 5.12.1666 auf Friedenstein in Gotha Elisabeth Dorothea Herzogin von Sachsen-Gotha-Altenburg (8.1.1640-24.8.1709).

Aus erster Ehe stammte der Sohn Ludwig VII. Landgraf von Hessen-Darmstadt (22.6.1658-30.8.1678), der seinen Vater aber nur um kurze Zeit überlebte, denn der frischgebackene Landgraf starb an dem Tage, da er mit Erdmutha Dorothea von Sachsen-Zeitz Beilager halten wollte. Seine beiden Brüder waren schon vor ihm verstorben. Danach wurde ein Sohn aus zweiter Ehe 1678 Landgraf, Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt (15.12.1667-12.9.1739), der die Linie fortsetzte, sich 1688 selbständig machte und 1736 Hanau-Lichtenberg erwarb.

In der Mitte befindet sich das landgräflich-hessische Wappen in einfacher Form, in Blau ein silbern-rot mehrfach geteilter Löwe, golden gekrönt und golden bewehrt. Zu sehen ist nur der schlichte Löwe des Stammwappens; die Teilungen sind nicht aufgelöst; auf alle weiteren Felder wurde verzichtet.

Heraldisch rechts befindet sich der Wappenschild der ersten Ehefrau, Maria Elisabeth Herzogin von Schleswig-Holstein-Gottorp (6.6.1634-17.6.1665). Sie war die Tochter von Friedrich III. Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorp (22.12.1597-10.8.1659) und Maria Elisabeth Herzogin von Sachsen (22.11.1610-24.6.1684) und führte das holsteinische silberne, genagelte Nesselblatt auf rotem Grund mit einem Schildchen in der Mitte. Heraldisch links befindet sich der Wappenschild der zweiten Ehefrau, Elisabeth Dorothea Herzogin von Sachsen-Gotha-Altenburg (8.1.1640-24.8.1709). Sie war die Tochter von Ernst I. Herzog von Sachsen-Gotha-Altenburg (25.12.1601-26.3.1675) und Elisabeth Sophia Herzogin von Sachsen-Altenburg (10.10.1619-20.12.1680) und führte den Schild von Schwarz und Gold neunmal geteilt, darüber ein grüner schrägrechter Rautenkranz. In der Zeit von 1678 bis 1688 leitete sie als Regentin die Regierungsgeschäfte, bis ihr Sohn Ernst Ludwig 21 Jahre alt wurde.

Der Südeingang ist noch üppiger geschmückt als der Westeingang, mit drei Köpfen und einer Maske rings um das Zentralfeld und zwei grotesken Köpfen an den Enden der seitlichen Schnecken, enthält aber weder Wappen noch Inschriften.

Literatur, Links und Quellen:
Hinweistafel an der Kirche
Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Geschichte von Romrod:
http://www.romrod.de/index.php?id=39 - http://www.romrod.de/index.php?id=42

Schloß Romrod

Die Entwicklung des Hessischen Wappens
Sächsische Wappen (1), Ernestinische Linie

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