Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2335
Geislingen (Zollernalbkreis)

Das Geislinger Stauffenberg-Schloß

Das südlich der Geislinger Pfarrkirche St. Ulrich zu findende Schloß von Geislingen ist eine nach Südwesten offene Dreiflügelanlage mit Mansarddach auf fast quadratischem Grundriß, ringsum umgeben von einem mächtigen, trockenen, ausgemauerten Graben mit umlaufender Sandsteinbalustrade. Der Zugang liegt im Nordosten, wo eine steinerne Brücke den einst wassergefüllten Schloßgraben überspannt. Ein zweiter Wassergraben zog sich einst noch weiter außerhalb um das Schloß, in Resten auf drei Seiten zu erkennen. Der Zwischenraum zwischen beiden Gräben ist parkartig gestaltet. Das jetzige spätbarocke und in Teilen klassizistische Äußere täuscht darüber hinweg, daß die Wurzeln des Geislinger Schlosses mindestens ins 14. Jh. reichen. Aus dieser Zeit stammt wohl auch bereits der Graben, so daß die heutige Form des Schlosses die damaligen Ausdehnungen nachzeichnet, die im Mittelalter freilich von mehreren Baugruppen eingenommen wurde. Als die Burg zum Schloß umgebaut wurde, behielt man den Wassergraben. Er war aus Gründen der Verteidigung sicherlich nicht mehr notwendig, aber er war ein Symbol adeliger Herrschaft und schuf eine Distanz zur Welt draußen im Ort.

Zurück zu den Anfängen: Die ältesten Steine lassen sich in der Kapelle finden, dem einzigem noch original im Zustand von 1580 erhaltenem Raum des Schlosses. Der später vermauerte Chorbogen gehört zu den ältesten Werksteinen. Ein Schlußstein im Emporengewölbe stammt aus dem 15. Jh. und trägt u. a. ein Wappen der von Bubenhofen, die damit als erste Eigentümer dokumentiert sind. Mehrere Umbauten in den folgenden Jahrhunderten sind belegt. Die Herren von Bubenhofen, damals das bedeutsamste Rittergeschlecht des Raumes und zeitweise die Ortsherren von Geislingen, nannten sich nach der bis auf ein Bodendenkmal abgegangene Wasserburg Bubenhofen zwischen Rosenfeld und Binsdorf im sog. Bubenhofer Tal zwischen Geislingen und Heiligenzimmern. In Geislingen, das sie schon in der ersten Hälfte des 14. Jh. zu ihrem neuen Herrschaftsmittelpunkt gemacht hatten, besaß die Familie ihre Grablege. Wolf von Bubenhofen, genannt "der Ältere", Sohn von Heinrich I., ließ um 1426 in Geislingen neben der alten herrschaftlichen Burg ein neues Schloß errichten. Sein neues Gebäude bildet bis heute den Grundbau des nordwestlichen Flügels. Die beiden heute noch zu sehenden Wassergräben wurden damals bereits angelegt.

Wirtschaftliche Engpässe, aufwendige Lebensführung und Prachtentfaltung sowie Verlust des Rückhalts durch die Herzöge von Württemberg (einerseits fiel Hans Kaspar von Bubenhofen in Ungnade und andererseits kam es zur zeitweisen Vertreibung des Herzogs) führten zu einem wirtschaftlichen Niedergang der einst bedeutenden und sehr schnell sehr wohlhabend gewordenen Familie im 16. Jh. Wolf von Bubenhofen, genannt "der Ältere", hatte die Familie zu einem kometenhaften Aufstieg gebracht, Wolf von Bubenhofen, genannt "der Jüngere", ruinierte die Familie. Die Herren von Bubenhofen mußten Territorien veräußern, ein jäher Wechsel des Schicksals für die einst wohlhabendste Familie Schwabens, deren Angehörige nun mit rasantem Tempo von Gläubigern zu Schuldnern mutierten. Auch das neue Schloß in Geislingen ging wegen Überschuldung nach Beschlagnahmung durch das Hofgericht Rottweil 1516 zunächst als Pfand an Hans von Weitlingen und dann 1527 zusammen mit dem Dorf und umliegendem Bubenhofen-Besitz an Hans von Stotzingen (Epitaphien und Totenschilde in der Pfarrkirche), nach Verarmung dieser Familie durch die Folgen des Dreißigjährigen Krieges im Jahre 1666 an General Schütz von Pürschütz und schließlich am 24.4.1698 an die Schenk von Stauffenberg, die 34000 fl. dafür aufbrachten. Zu der Zeit waren die von Bubenhofen nur noch ein Schatten ihrer einstigen Bedeutung. Das 1722 in den Freiherrenstand erhobene Geschlecht starb 1814 mit Wilhelm Freiherr von Bubenhofen, königlich bayerischer Generalmajor, im Mannesstamm aus. Die Erwerber waren zunächst die fünf Söhne von Wolf Friedrich Schenk von Stauffenberg aus dem Lautlinger Zweig der Wilflinger Linie. Am 28.10.1698 teilten die fünf Brüder den Besitz. Der neue Eigentümer des Rittergutes Geislingen, Johann Wilhelm Schenk von Stauffenberg, ließ erst einmal die Nebengebäude im heutigen Schloßgarten abreißen und 1716 den Porzellanpavillon in der Nordecke des Schloßgartens erbauen.

Den tiefgreifendsten Umbau erfuhr das Geislinger Schloß 1782-1784 unter Damian Hugo Friedrich Anton Freiherr Schenk von Stauffenberg: Dieser ließ ganze Teile des Schlosses, den Nordost- und den Südostflügel, neu bauen und alles in der äußeren Erscheinung vereinheitlichen. Dabei wurde das Schloß auf seine heutige, in Bezug auf den von der einstigen Burg übernommenen Graben maximale Ausdehnung gebracht. Nur der ältere Nordwestflügel, also der rechts der Einfahrt, wurde übernommen und diente als Maß für die neuerbauten Trakte, um ein symmetrisches Gesamtbild zu erhalten. Er bekam nur ein neues Dach. Stauffenbergs Verwalter Köhler und der Baumeister Joseph Ruf aus Gutenzell fertigten die Pläne an. Ein witziges Detail ist, daß man zuerst zwar eine U-Form konzipierte, aber genau andersherum: Beide Flügel sollten hinten mit einem dreiläufigen Treppenhaus verbunden werden. Verwirklicht wurde das Gegenteil, ein vorne geschlossenes U mit einer Einfahrt in den hinten offenen Hof.

 

Im Jahre 1786 gefiel dem Besitzer der alte Nordwestflügel nicht mehr: Die Raumaufteilung wurde grundlegend verändert: Die Obergeschosse bekamen parallel zum Hof Flure. Die Fenster wurden dem Geschmack des 18. Jh. neu dimensioniert, vereinheitlicht und regelmäßig angeordnet. Erschlossen wurden die Geschosse im Nordwestflügel über einen nicht mehr vorhandenen Treppenturm. Wo der einmal stand, kann man im Innenhof anhand der Maueransätze und der fehlenden Fenster nachvollziehen. Der Südostflügel wurde über ein Treppenhaus erschlossen, welches man über eine hofseitige, polygonal geschnittene Freitreppe mit sieben Stufen zum Haupteingang erreichte. Genau so wollte man das eigentlich auch mit dem älteren Nordflügel machen, aber zu diesem Umbau kam es nie. 1789 legte der Besitzer auf der erhöhten Partie zwischen den beiden Schloßgräben einen formalen Garten und einen Park an und gestaltete den oktogonalen Porzellanpavillon (Abb. oben rechts) innen neu mit blauen und rotbräunlichen Fayencekacheln nach Delfter Art, welche biblische Darstellungen zeigen.

Das Einfahrtstor mit Korbbogen zum Innenhof ist klassizistisch und weist eine dorische Ordnung auf. In diesem Nordostflügel lagen die Haupträume des Schlosses, im ersten Obergeschoß ein 60 Quadratmeter großer Saal mit Nebenräumen und im zweiten Obergeschoß die Appartements für den Schloßherrn und seine Frau. Das Tor trägt die Jahreszahl MDCCLXXXIII (1783).

Über dem Portal der nach Nordosten gerichteten Vorderfront befindet sich ein Allianzwappen von Damian Hugo Friedrich Anton Freiherr (später Graf) Schenk von Stauffenberg (22.11.1735-30.11.1803), kurmainzischer geheimer Rat, der am 15.8.1791 Reichsgraf wurde, und von seiner Frau, Maria Antonia Philippine Walburga von Kageneck (2.5.1748-5.7.1821). Die beiden hatten am 13.10.1766 geheiratet. Der Stil des Wappensteines ist klassizistisch mit den typischen Lorbeergirlanden und Schmuckrosetten.

Der in Meersburg geborene und in Dillingen aufgewachsene Schloßbesitzer war der Sohn von Lothar Philipp Ludwig Hartmann Schenk Freiherr von Stauffenberg (8.7.1694-12.10.1758) und Maria Johanna Josepha Gräfin Schenk von Castell (-31.10.1779). Maria Antonia Philippine Walburga von Kageneck war die Tochter des kaiserlichen Kämmerers Johann Friedrich Fridolin Freiherr (später Graf) von Kageneck (14.2.1707-2.4.1783) und Anna Maria Franziska Eleonore von Andlau-Birseck (23.2.1717-13.12.1780).

Der Schloßbesitzer hatte in Straßburg studiert. Er bekleidete zunächst das Amt des Oberstallmeisters des Augsburger Fürstbischofs und das eines Geheimen Rates und Kämmerers des Mainzer Kurfürsten. Als sein Vater 1758 starb, erbte er die Güter in Jettingen, Baisingen und Eberstall. Durch den frühen Tod seines jüngsten, unvermählt gebliebenen Bruders, Franz Xaver Schenk Graf von Stauffenberg (3.12.1742-1.3.1762) und durch den Tod seines Onkels, Philipp Johann Franz Joseph Schenk Freiherr von Stauffenberg (9.11.1695-22.1.1768), erbte er die Güter Lautlingen, Rißtissen und Geislingen. Das bedeutet, daß er das Schloß erst 1762 übernommen hatte und erst danach die oben beschriebenen, tiefgreifenden Umbauten vornahm und anläßlich des Umbaus sein Allianzwappen vorblendete.

Die Nachkommen des Paares waren Maria Joseph Schenk Gräfin von Stauffenberg (10.10.1767-15.10.1796), Johann Baptist Schenk Graf von Stauffenberg (6.4.1769-9.4.1769), Johann Ignaz Schenk Graf von Stauffenberg (30.7.1770-12.3.1807), vermählt mit Maria Josepha Anna Walburga Schenk von Castell Gräfin zu Schelkingen und Berg (20.11.1776-20.7.1850), Johann Friedrich Schenk Graf von Stauffenberg (29.10.1771-7.4.1785), Maria Crescentia Schenk Gräfin von Stauffenberg (3.2.1773-) und Clemens Wenzeslaus Maria Johann Nepomuk Franz Ignaz Schenk Graf von Stauffenberg (3.9.1777-2.7.1833), mit dem der Familienzweig ausstarb. Den Reichsfreiherrenstand hatte die Familie bereits in beiden Linien 1698 von Kaiser Leopold I. erhalten. Der Besitzer des Geislinger Schlosses aus der Wilflinger Linie wurde am 15.8.1791 von Kaiser Leopold II. in den Reichsgrafenstand erhoben. Seine Linie wurde 1813 in Bayern immatrikuliert.

Diese Standeserhebungen honorierten vor allem den gesellschaftlichen Aufstieg der Familie, die sich in der Stiftsfähigkeit niederschlug, d. h. die prinzipielle Akzeptanz in den Domkapiteln, was sich eindrucksvoll durch das Stellen zweier Fürstbischöfe, einen in Bamberg, einen in Konstanz. Weiterhin wurde natürlich auch der vermehrten Besitzausstattung Rechnung getragen: Die Wilflinger Linie hatte kurz vor der Erhebung in den Reichsfreiherrenstand die Güter in Geislingen und Baisingen hinzuerworben, und die Amerdinger Linie die Güter Greifenstein und Burggrub. Der Erwerb der Güter Eberstall und Jettingen bereitete die nächste Standeserhöhung vor, die von Damian Hugo Friedrich Anton Schenk Graf von Stauffenberg 1791 selbst beantragt wurde. Dazu erweiterte er die Schlösser in Geislingen und in Rißtissen: Das Geislinger Schloß bekam 1782-1784 den beschriebenen Umbau, und das Schloß in Rißtissen wurde um ein Stockwerk erhöht, weiterhin wurden die Amtsgebäude erneuert, und 1787 wurde die dortige Kirche erneuert. All das waren Maßnahmen, um sich im Vorfeld finanzkräftig, standesgemäß und standeserhöhungswürdig zu präsentieren. Das wurde im Grafendiplom auch entsprechend honoriert, indem expressiv verbis erwähnt wurde, daß er seine Familiengüter in derart gute Verfassung gebracht habe, daß er und seine Nachkommen des Reichsgrafenstandes würdig seien. Durch die Mediatisierung am 28.11.1805 gelangten bei der Wilflinger Linie die Herrschaften Wilflingen, Baisingen und Geislingen unter württembergische, die Herrschaften Jettingen und Eberstall unter bayerische Landeshoheit, ein Schicksal, das sie mit den Herrschaften der Amerdinger Linie, Amerdingen, Greifenstein und Burggrub, teilten.

Die Wilflinger Linie erlosch aber 1833 mit Damian Hugos jüngstem Sohn. In den Jahren 1826/27 war zwischen der Wilflinger Linie und der Amerdinger Linie eine fideikommissarische Vereinbarung getroffen worden, die in den 1830 geschlossenen Neresheimer Familienvertrag mündete, der als Erbvertrag vorsah, daß im Falle des Erlöschens alle Besitzungen der Wilflinger Linie an die Amerdinger Linie fallen sollten. 1833 übernahm Freiherr Friedrich Schenk von Stauffenberg aus der Amerdinger Linie den Geislinger Besitz.

Eine zweite Grafenstandserhebung gab es für den anderen Teil der Familie: Der königlich-bayerische Kämmerer und erbliche Reichsrat Franz Ludwig Freiherr Schenk von Stauffenberg wurde 1874 von König Ludwig II. in Anerkennung der hohen Verdienste als Präsident der Kammer der Reichsräte in den Grafenstand erhoben, so daß es seitdem wieder einen gräflichen Zweig gibt.

Das gewendete Wappen der zum schwäbischen Uradel gerechneten Schenk von Stauffenberg, Erbschenken der Grafen von Zollern, heraldisch rechts zeigt in Silber einen roten Balken, oben und unten begleitet von einem blauen, rotgezungten Löwen, auf dem Helm mit blau-silbernen Decken ein silbern gestulpter, blauer Hut, auf diesem zwei auswärtsgeneigte und je mit sechs schwarzen Hahnenfedern besteckte goldene Schalmeien. Es wird beschrieben im Siebmacher Band: Bay Seite: 58 Tafel: 61 etc., im Aschaffenburger Wappenbuch Tafel 3, Seite 212 und im Münchener Kalender 1908.

Das Wappen der elsässischen, vor allem in Straßburg beheimateten und dort zum Patriziat gehörenden, sich nach der Französischen Revolution nach Baden wendenden von Kageneck heraldisch links zeigt in Rot einen silbernen Schrägbalken, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein wachsender, in ein rotes, mit einem silbernen Schrägbalken belegtes Gewand gekleideter, bärtiger Mannesrumpf, auf dem Kopf eine rote, silbern aufgeschlagene Zipfelmütze. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Bad Seite: 10 Tafel: 8, Els Seite: 12 Tafel: 14, Bad Seite: 57 Tafel: 35, im Münchener Kalender 1934 und ist ferner eingetragen in der Deutschen Wappenrolle DWR Band: XXVII Seite: 22 unter Nummer: 6815/74. Es gibt etliche Varianten der Helmzier je nach Linie, von denen etliche im Siebmacher und im Stett- und Ammeisterbuch der Stadt Straßburg wiedergegeben sind. Die Helmzier mit dem wachsenden Mannesrumpf ist die am häufigsten anzutreffende, die der einzig überlebenden und bis heute bestehenden Linie.

Von der Familie gibt es mehrere freiherrliche und gräfliche Zweige: Der Vizestatthalter in den vorderösterreichischen Landen und den vier Rheinstädten, Johann Friedrich von Kageneck (1633-1705), wurde von Kaiser Leopold I. am 22.9.1671 zu Wien in den Reichsfreiherrenstand erhoben. Der Freiherrenstand wurde am 6.8.1773 vom französischen König zu Compiègne anerkannt und auf das Gesamtgeschlecht ausgedehnt. Johann Friedrichs Enkel, der kaiserliche Kämmerer Johann Friedrich Fridolin Freiherr von Kageneck (14.2.1707-2.4.1783), erhielt am 8.1.1771 von Kaiser Joseph II. per Diplom den Reichsgrafenstand. Dabei wurde das Wappen um einen zweiten Helm vermehrt, der zu rot-silbernen Helmdecken drei Straußenfedern trug, eine silberne zwischen zwei roten. Diese gräfliche Linie verwendete zwei Schildhalter, einwärtssehende Geharnischte mit offenem Visierhelm, der mit drei roten Straußenfedern besteckt ist. Die Ritter tragen das Schwert an einer roten Schärpe und in der Rechten bzw. Linken eine Fahne an schwarzer Stange mit goldener Spitze, die rechts in Blau drei (2:1) goldene Lerchen und links in Gold einen golden gekrönten, schwarzen Doppeladler mit blauem Brustschild mit drei (2:1) goldenen Römern zeigt.

Johann Friedrich Fridolin Freiherr von Kageneck, Herr zu Munzingen, Bleichheim, Umkirch, Merdingen, Weiler, Hipsheim im Elsaß, Mitherr zu Waltershofen und Hugstetten, kurfürstlich kölnischer Kammerherr, kaiserlicher Wirklicher Kämmerer, hatte neben der Tochter Maria Antonia, die den hier relevanten Grafen Schenk von Stauffenberg heiratete, einen einzigen Sohn, Heinrich Hermann Graf von Kageneck (7.5.1738-1.11.1790). Dessen zwei Söhne begründeten zwei verschiedene gräfliche Linien. Stifter der älteren Linie ist Heinrich Hyacinth Graf von Kageneck (13.4.1774-24.5.1829), Besitzer des Fideikommisses Munzingen. Sein jüngerer Bruder, Philipp Joseph Graf von Kageneck (3.8.1788-29.11.1850), großherzoglich-badischer Kammerherr, war der Begründer der Linie von Stegen.

Und es gibt noch eine interessante Querverbindung: Die Schwester der hier wichtigen Maria Antonia Philippine Walburga Gräfin von Kageneck, Maria Beatrix Antonia Aloysia Gräfin von Kageneck (8.12.1754-23.11.1828) hatte Franz Georg Carl Joseph Johann Nepomuk Fürst von Metternich-Winneburg und Beilstein (9.3.1746-11.8.1818) geheiratet. Unsere hier am Schloßportal mit ihrem Wappen vertretene Maria Antonia ist damit die Tante des berühmten Haus-, Hof- und Staatskanzlers Clemens Wenceslaus Nepomuk Lothar Fürst von Metternich-Winneburg und Beilstein, Herzog von Portella und Graf von Königswart (15.5.1773-11.6.1859), der 40 Jahre lang die Seele der auswärtigen und inneren Politik Österreichs war.

Schloß Geislingen war im 19. Jh. 33 Jahre lang nicht bewohnt. Erst am 15.7.1866 wurde es nach Renovierung wieder von einem Familienmitglied, Dr. h.c. Franz August Schenk von Stauffenberg, und von seiner Frau Ida von Geldern und zwei Kindern bezogen. Als ersterer 1901 verstarb, folgte erneuter Leerstand. Der Besitz kam an seinen Sohn, Dr. h.c. Franz Wilhelm Schenk von Stauffenberg. Die Gemeinde Geislingen erwarb das Schloß am 29.12.1925 tauschweise (endgültiger Besitzübergang am 22.7.1927) und nutzte das Gebäude, das bereits vom 22.10.1904-17.9.1905 ca. 60 obdachlosen Binsdorfer Kindern nach dem dortigen Stadtbrand als Unterkunft gedient hatte, im südöstlichen Teil als Schule mit zwei Lehrerwohnungen und eine Hausmeisterwohnung und 1946 auch noch als Gemeindeverwaltung. 1963 zog letztere in ein neues Rathaus um, 1965 bezog die Schule ein neues Quartier. Das Schloß stand 1968 kurz vor dem Abriß, was glücklicherweise verhindert werden konnte, so daß die Stadt Geislingen ihr Wahrzeichen behalten konnte. Nach einer 1974-1985 mit entsprechenden Landesmitteln durchgeführten umfangreichen Außensanierung, Dacherneuerung und Parkgestaltung zogen 1985 die Stadtbibliothek und das Stadtarchiv in den Nordwestflügel, während die anderen Räume im südöstlichen Flügel von örtlichen Vereinen genutzt werden. Der miterworbene äußere Schloßgarten mit dem Weiher wurde zum heutigen Freibad der Stadt umgestaltet.

Literatur, Links und Quellen:
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Hinweistafeln am Schloß
Otto Hupp, Münchener Kalender 1908 und 1934
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983, Tafel 3, Seite 212
von Kageneck:
https://de.wikipedia.org/wiki/Kageneck_(Adelsgeschlecht)
von Kageneck:
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kindlervonknobloch1898bd2/0224?sid=f66f4217a7d71f5969ecf5a9d46a88d5 ff.
Schenk von Stauffenberg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Stauffenberg_(Adelsgeschlecht)
Jakobus Kaffanke, Edwin Ernst Weber, Thomas Krause: Es lebe das "Geheime Deutschland"!: Claus Schenk Graf von Stauffenberg; Person, Motivation, Rezeption; Beiträge des Sigmaringer Claus-von-Stauffenberg-Symposiums von 11. Juli 2009, LIT Verlag Münster, 2011, 217 S., ISBN-10: 3643101449, ISBN-13: 978-3643101440, insbes. S. 39-41,
https://books.google.de/books?id=6bAypNeiKBAC
Genealogie der Schenk von Stauffenberg:
http://genealogy.euweb.cz/german/staufenbg3.html
Schloß Geislingen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Wasserschloß_Geislingen
Geislinger Wasserschloß:
http://www.stadt-geislingen.de/2444_DEU_WWW.php
Geislinger Wasserschloß:
http://www.myheimat.de/geislingen/kultur/schenk-von-stauffenbergs-schloss-zu-geislingen-d2613932.html
Vandalismus an Schloß Geislingen:
http://www.burgerbe.de/2015/05/30/schloss-geislingen-taeter-nach-vandalismus-schaden-erwischt-26766/
Wolfgang Willig: Landadel-Schlösser in Baden-Württemberg, eine kulturhistorische Spurensuche, Selbstverlag Willig, Balingen, 1. Auflage 2010, ISBN 978-3-9813887-0-1, S. 167-168.
Bäume im Schloßpark:
http://www.monumentaltrees.com/de/deu/badenwurttemberg/zollernalbkreis/10598_geislingenzollernalbkreis/

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