Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2330
Levertsweiler (zu Ostrach, Landkreis Sigmaringen)

Das Levertsweiler Pfarrhaus

In Levertsweiler bekam das Kloster Salem im 13. Jh. erste Rechte. Eigentlich war der Ort ein Lehen der Grafen von Sigmaringen, welches an die Herren von Laiterberg vergeben worden war. Sie besaßen aber nicht den gesamten Ort, denn ein Teil war 1273 der Deutschordenskommende Altshausen geschenkt worden. Im Jahre 1277 bekam das Kloster Salem von Ortolf von Laiterberg die niedere Gerichtsbarkeit übertragen. Mit diesem Fuß in der Tür wurde Besitz im Ort hinzuerworben, bis im Jahre 1700 schließlich Levertsweiler mit allen Rechten zum Salemer Oberamt Ostrach gehörte. Neben Salem, das die Ortsherrschaft hatte, hatte noch das Kloster der Dominikanerinnen von Habsthal ein paar Höfe und Güter in seinem Besitz. Heraldische Spuren der klösterlichen Ortsherrschaft finden wir am Pfarrhaus (St.-Lucia-Weg 2), einem zweigeschossigen, verputzten Bau mit sehr steilem Walmdach und mit 5 Fensterachsen auf der längeren und 4 auf der kürzeren Seite. Für ein dörfliches Pfarrhaus ist dieser Bau von erstaunlich guter Proportionierung und nobler Gesamtwirkung; bei dem Neubau hatte Johann Kaspar Bagnato seine Hände im Spiel, wobei das exakte Ausmaß seines Anteils unbekannt ist. Gesichert ist lediglich, daß er von den 4122 fl. (Gulden) 33 xr. (Kreuzer) 5 hlr. (Heller) Gesamtkosten des Baus am 5.5.1753 eine "Verehrung" von 12 fl. 45 xr. für einen "Augenschein" beim Pfarrhausbau erhielt. Stilistisch verwandt ist das 4 Jahre später gebaute Pfarrhaus in Schemmerberg; vermutlich diente dasjenige in Levertsweiler dem anderen als Vorbild. Ein weiterer im Auftrag des Klosters Salem errichteter Bau in Levertsweiler ist die Zehntscheuer aus dem Jahre 1755, die aber ohne Wappenstein ist.

An der fünfachsigen Südostseite des Pfarrhauses befindet sich über dem dortigen Haupteingang ein in einen zweiteiligen Ziergiebel eingepaßter Wappenstein, der auf das Jahr 1753 datiert ist und aus der Werkstatt von Johann Anton Feuchtmayer stammt. Interessant ist, daß hier die Jahreszahl offensichtlich korrigiert wurde: Statt MDCC LIII stand dort noch klar erkennbar ursprünglich MCCC LIII, ein wenig plausibles Datum. Im oberen Bereich sind die Initialen des Bauherrn zu lesen, AAIS = Anselmus Abbas in Salem.

Das individuelle Wappen des Salemer Abtes Anselm II. Schwab, welcher als Abt von 1746 bis 1778 amtierte, ist - mit ergänzten Tinkturen - geviert mit Herzschild, Feld 1: in Silber ein schräglinksgelegter, schwarzer Anker, auf dessen Schaft ein Vogel (Fasan?)mit erhobenen Flügeln sitzt, Feld 2: in Blau eine schwebende goldene Krone, Feld 3: in Rot ein schwebendes silbernes Tatzenkreuz, Feld 4: in Purpur oder Rot auf schwarzem Boden stehend ein silbernes Lamm, Herzschild: in Blau ein auffliegender silberner Schwan auf einem Dreiberg. Über dem asymmetrischen Schild sieht man einen halblinksgedrehten Engelskopf mit Inful, während das gestürzte Schwert schrägrechts und der Abtsstab schräglinks hinter dem Schild aufragen. Andere Darstellungen dieses Abtswappens findet man z. B. im ehemaligen Kloster Salem im Deckenstuck der Prälatur, genauer im Empfangszimmer des Abtes bzw. Vorzimmer des Sekretärs, am Fohlenhof in Salem-Stefansfeld, weiterhin an und in der Wallfahrtskirche Birnau und ferner auf der Äbtewappentafel. Das Wappen für Abt Anselm II. Schwab wird auch im Siebmacher Band: Klö Seite: 77-78 Tafel: 90-91 beschrieben; die dortigen Angaben sind unbrauchbar und irreführend wie der ganze Abschnitt über Kloster Salem.

Das Wappen ist in der hiesigen Darstellung nicht die ausführlichste und komplexeste Form, denn dafür würde diese Komposition mit fünf Inhalten noch einmal einem weiteren Schild mit den vier üblichen Klostersymbolen aufgelegt, so daß insgesamt drei Ebenen mit neun verschiedenen heraldischen Inhalten zu sehen wären. Der Zisterzienserbalken begegnet uns im Wappen der ehemaligen Gemeinde Levertsweiler, welches geteilt war, oben in Silber auf grünem Dreiberg eine rote Leiter, unten in Schwarz ein in zwei Reihen rot-silbern geschachter Schrägbalken. Nach der Eingemeindung sind die Teilorte unter dem Ostracher Wappen vereinigt (siehe dort), welches ebenfalls den Zisterzienserbalken hat.

 

Abt Anselm II. Schwab stammte aus Füssen, wo er am 9.1.1713 geboren wurde und den bürgerlichen Namen Franz Meinrad Schwab erhielt; Anselm ist sein Klostername. Am 6.6.1746 wurde er unter der Leitung vom Kaisheimer Abt Coelestin zum Abt von Salem gewählt. Er war einer der bautätigsten Äbte von Salem, und um das alles finanzieren zu können, mußte er ein sehr guter Wirtschafter sein. Das Mittel der Wahl zur Generierung regelmäßiger Einkünfte waren Pfandschaftskontrakte mit klammen Adelshäusern. Im Jahr 1755 schloß Salem einen Pfandschaftsvertrag mit dem Hause Fürstenberg: Gegen ein Darlehen von 32000 fl. bekam Salem die Ortschaften Kluftern und Efrizweiler. 1756 kam ein ähnlicher Vertrag mit Graf Marquard Willibald Schenk von Castell zustande: Gegen 192000 fl. wurden die Herrschaften Hausen i. T. und Stetten am kalten Markt mit allen Rechten und Zugehörungen, mit Schloß Hausen, mit Neidingen bei Thiergarten, mit Glashütte, Nusplingen und Presteneck auf 44 Jahre an Salem als Pfand gegeben mit dem Recht auf sofortige oder jährliche Auslösung nach Ablauf besagter Frist. Die Auslösung fand nie statt. Ebenfalls 1756 schloß der Abt einen Kontrakt mit Kaiserin Maria Theresia: Gegen ein Darlehen von 150000 fl. bekam Salem die Kameralgefälle (Einnahmen aus Regalien, Zöllen, indirekten Steuern etc., die direkt in die Hof- oder Länderkammer flossen) der Herrschaft Wasserburg am Bodensee auf 30 Jahre zum Pfand (wurde aber schon 1782 ausgelöst).

Der rastlose Abt Anselm II. Schwab erlitt 1768 einen Unfall mit der Kutsche bei Freiburg, bei dem er sich eine Rippenverletzung zuzog und von dem er sich nie mehr ganz erholen sollte. An seinem 65. Geburtstag, am 9.1.1778, verschlechterte sich sein Gesundheitszustand (vermutlich Pleuritis) und warf ihn auf Krankenlager. Anläßlich einer Reise nach Kirchberg im Mai verschlimmerten sich seine Beschwerden erneut; er hatte sich zu viel zugemutet und war im Grunde nicht geeignet für einen Transport. Am 22.5.1778 verstarb der Abt bei der Heimreise beim Zwischenhalt in Maurach.

Zur Übersicht ein Ausschnitt aus der Salemer Äbteliste unter Hervorhebung des mit einem bauplastischen Wappen vertretenen Abtes:

Literatur, Links und Quellen:
Reinhard Schneider: Die Geschichte Salems, in: Salem, 850 Jahre Reichsabtei und Schloß, Konstanz 1984.
Lebensdaten der Äbte:
http://www.leo-bw.de/web/guest/ergebnisliste-gross/-/Suchergebnis/liste/GROSS?_LEOBWSearchResult_WAR_sucheportlet_searchId=1459108115829&cur=1 ff.
Tafel mit allen Abtswappen:
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/75/Bodenseeraum_2012_ii_16.jpg
Liste der Äbte von Salem:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Äbte_von_Salem
Liste der Äbte von Salem:
http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Salem/Äbteliste
Alberich Siwek, Fridolin Schmid, Schw. Dr. Marcella Kugler O. Cist.: Die Zisterzienserabtei Salem: Der Orden, das Kloster, seine Äbte, hrsg. anläßlich der Gründung des Klosters vor 850 Jahren, hrsg. vom Erzb. Münsterpfarramt Salem, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen, 1984, S. 284-313
Ulrich Knapp: Auf den Spuren der Mönche - bauliche Zeugen der Zisterzienserabtei Salem zwischen Neckar und Bodensee, Schnell & Steiner Verlag, 1. Auflage 2009, 336 Seiten, ISBN-10: 3795422477, ISBN-13: 978-3795422479, S. 250-252
Anselm Schwab:
http://www.sueddeutscher-barock.ch/In-Bauherr/s-z/Salem_Schwab.html
Anselm Schwab:
https://de.wikipedia.org/wiki/Anselm_II._Schwab
Anselm Schwab:
http://www.salem.de/wissenswert-amuesant/persoenlichkeiten/anselm-ii-schwab/
Abtswappen: 1765
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/27/Salem_Mappa_1765.jpg
Abtswappen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Salem_1765.jpg
Abtswappen:
http://www.oberschwaben-tipps.de/wp-content/uploads/2014/10/44-Vergoldeter-Stuck-Abtei-Salem.jpg

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