Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2329
Salem (Bodenseekreis)

Der Fohlenhof in Salem-Stefansfeld

Salem-Stefansfeld ist der Ortsteil, der dem Kloster Salem im Osten desselben am nächsten liegt. In der Schloßstraße stehen in genauer Verlängerung der durch alle drei Höfe des Salemer Abteigebäudes (Schlosses), den Kaisersaal und den Garten verlaufenden Mittelachse außerhalb des ummauerten Klosterbezirks weitere zum Kloster gehörende Bauten, darunter die Stuterei mit Fohlenhof. Früher befand sich auf diesem Gelände eine Ziegelei, die bis zum Ende des 17. Jh. bestand. Im Zuge der Neugestaltung des Klosters durch Franz Beer wurde auch dieser Außenbereich dem Gesamtkonzept unterworfen und mit neuen Zweckbauten bebaut. Der Ortsteil trägt seinen Namen Stefansfeld zur Erinnerung an den damaligen Abt Stephan Jung. Der Bereich wurde später unter Abt Anselm II. Schwab ab 1760 noch einmal umgestaltet: Die Stuterei wurde umgebaut, wobei auch die unten beschriebenen Wappensteine angebracht wurden, und zwischen dieser und der ab 1710 als kreuzförmiger Zentralbau mit vier gleichlangen Armen erbauten Kapelle St. Maria de Victoria entstand noch eine im Vergleich zur Stuterei kürzere, aber breitere Reitschule.

An jeder Schmalseite des langgezogenen Baus befindet sich eine vermauerte, elegant gerahmte Pforte mit einer Wappendarstellung im gesprengten Schweifgiebel. Beide Wappendarstellungen sind stark verwittert. Diejenige auf der Ostseite, an der sich die Zufahrt zum Betriebsgelände befindet, trägt auf einer asymmetrischen Rokoko-Kartusche eines des Klostersymbole der Abtei Salem (Tinkturen anhand von Vergleichsbeispielen ergänzt), in Schwarz ein goldener Löwe, der einen goldenen, von einem „S“ umschlungenen Krummstab in den Vorderpranken hält. Dieser Löwe mit Krummstab und "S" wird als Neben- oder Konventswappen auch alleine verwendet, so. z. B. auch im Kaisersaal der Abtei Salem (Südwand), dort der Löwe linksgewendet und der Abtsstab silbern mit goldener, über die Kartuschenbegrenzung hinausragender Krümme, oder im Stuck des ehemaligen Empfangszimmers der Sommerabtei, dort in einer Rocaillekartusche mit architektonischem Hintergrund. Der Kartusche sitzt oben ein halbrechts gedrehter Engelskopf auf.

 

Die Wappendarstellung an der Westseite des Gebäudes hingegen ist schwerer zugänglich, weil hier ein kleiner, eingefriedeter Garten an den Stefansfelder Kanal grenzt. Hier ist jedoch das individuelle Wappen des Bauherrn zu finden, das undatierte Wappen des Salemer Abtes Anselm II. Schwab. Er amtierte als Abt von 1746 bis 1778. Das Abtswappen ist - mit ergänzten Tinkturen - geviert mit Herzschild, Feld 1: in Silber ein schräglinksgelegter, schwarzer Anker, auf dessen Schaft ein Vogel (Fasan?) sitzt, Feld 2: in Blau eine goldene Krone, Feld 3: in Rot ein schwebendes silbernes Tatzenkreuz, Feld 4: in Purpur oder Rot auf schwarzem Boden stehend ein silbernes Lamm, Herzschild: in Blau ein silberner Schwan auf einem Dreiberg. Über der Rocaille-Kartusche sieht man einen halblinksgedrehten Engelskopf mit Inful, während der Abtsstab schrägrechts hinter den Rocaille-Ornamenten der Kartusche aufragt. Am heraldisch linken Rand kann man noch den Griff des gestürzten Schwertes erkennen. Andere Darstellungen dieses Abtswappens findet man z. B. im ehemaligen Kloster Salem im Deckenstuck der Prälatur, genauer im Empfangszimmer des Abtes bzw. Vorzimmer des Sekretärs, am Pfarrhaus in Levertsweiler, weiterhin an und in der Wallfahrtskirche Birnau und ferner auf der Äbtewappentafel. Das Wappen für Abt Anselm II. Schwab wird auch im Siebmacher Band: Klö Seite: 77-78 Tafel: 90-91 beschrieben; die dortigen Angaben sind unbrauchbar und irreführend wie der ganze Abschnitt über Kloster Salem.

Abt Anselm II. Schwab stammte aus Füssen, wo er am 9.1.1713 geboren wurde und den bürgerlichen Namen Franz Meinrad Schwab erhielt; Anselm ist sein Klostername. Sein Vater war Franz Benedikt Schwab, Kaufmann und zeitweise Bürgermeister der Stadt. Mit 18 Jahren trat Franz Meinrad als Bruder Anselm im Herbst 1731 in das Kloster Salem ein. Ein Jahr später legte er die feierlichen Gelübde ab. Er studierte in Salzburg Theologie und wurde 1737 mit 24 Jahren in Konstanz zum Priester geweiht. Seine theologischen Studien hatte er am Vortag, am 5.4.1737, in Konstanz mit dem "Cura-Examen" vor der bischöflichen Kommission erfolgreich beendet. Zunächst wurde er in Salem zum Dozenten bestimmt. Unter Abt Konstantin Miller (1725-1745) wurde er Novizenmeister. Am 6.6.1746 wurde er unter der Leitung vom Kaisheimer Abt Coelestin zum Abt von Salem gewählt. Er war zwar erst 33 Jahre alt, doch die Zustimmung zu seiner Person war so groß, daß er im ersten Wahlgang 31 von 45 Stimmen erhielt. Er war ein bescheidener Mensch, der vom Wahlpräses zur Annahme der Wahl gedrängt werden mußte.

Nach der erfolgreichen Wahl folgte das übliche Spielchen der päpstlichen Bestätigung mit vorangehenden Tax-Verhandlungen. Wichtigstes Ziel für die Abtei war die Minderung der Bestätigungstaxe, mit der die päpstliche Kurie als wohlhabend angesehene deutsche Abteien regelmäßig bis aufs Blut schröpfte. Also wurde in Rom gejammert, was nur ging: Der Vorgänger, Stephan II. Enroth, war viel zu früh gestorben, so daß man zwei Abtswahlen innerhalb einer Jahresfrist hatte, eine finanzielle Ausnahmesituation. Das Kloster hatte sich durch Bauten verausgabt, denn der Salemer Kirchturm hatte gebaut werden müssen, und man hatte schon hohe Ausgaben in Birnau gehabt. Außerdem hatte das gallische Winterlager 3000 fl. gekostet. Von den armen Untertanen sei nichts mehr zu holen, und man hatte sogar Schulden. Man hätte extrem hohe Verwaltungskosten, weil die Klosterbesitzungen so weit auseinander lägen, somit bräuchte man viel mehr Angestellte allein dafür, was alles kostet, kostet, kostet. Täglich müßte das Kloster 70 Religiosen und über 200 Bedienstete mit Essen versorgen, außerdem versorgte man das ganze Jahr über Bedürftige und Gäste. Dazu kämen noch leidliche Ausgaben für Reich und Krieg: In jedem Jahr hätte Salem 57 fl. an den Kaiser, 200 fl. an das schwäbische Äbtekolleg und 12000 fl. an den Schwäbischen Kreis sowie für den Unterhalt von 60 Fußsoldaten und 14 Berittenen zu zahlen. Für Prokuratoren und Agenten zur Interessensvertretung in den wichtigen Metropolen der Welt wie Wien oder Rom etc. zahlte man jährlich eine Pension von 300 fl. Man muß schon extrem hartherzig sein, um sich diesem Gejammere zu verschließen, also wurde die Bestätigungstaxe auf 1395 fl. reduziert. Dann konnte am 20.11.1746 die feierliche Abtsweihe durch den Konstanzer Fürstbischof Kasimir Anton von Sickingen durchgeführt werden. Das war ein Anlaß, um Glanz und Pomp zu zeigen, denn der ganze fürstbischöfliche Hofstaat erschien in Salem, und alle wichtigen Personen wurden bei dieser Gelegenheit mit entsprechenden Honoraren bedacht. Wenn man diese Benediktionsverehrungen zusammenrechnet, wurden noch einmal 1329 fl. allein dafür ausgegeben, fast noch einmal so viel wie die Bestätigungstaxe. Gut, daß man vorher in Rom so gejammert hatte.

Abt Anselm Schwab war ein Produkt seiner Zeit und als solcher ein durch und durch selbstbewußter Leiter eines freien Reichsklosters mit Pontifikalrechten, und er gedachte dies auch zu feiern: Der fürstliche Absolutismus brachte die Verpflichtung zur prunkvollen Repräsentation mit sich. Dazu gehörten vorrangig seine Bauten. Dazu gehören aber auch seine Ambitionen, Nähe zu Kaiser und Reich zu demonstrieren. So kam er auf die Idee, 1748 an Kaiser Franz I. heranzutreten mit der Bitte, ihn zum kaiserlichen Geheimrat zu ernennen. Solche Eitelkeit wäre bei mittelalterlichem Klosterverständnis ein Brüller gewesen, doch im Barock war das durchaus ein Mittel, sich und dem Kloster zusätzliche Ehre angedeihen zu lassen. Am 30.4.1748 zeigte der Kaiser großes Verständnis für diese Bitte und kam ihr nach. Dazu gab es sogar ein zweites kaiserliches Dekret, durch das er auch Geheimrat von Maria Theresia wurde. Im kaiserlichen Dekret gab es zudem einen kleinen Fehler: Man hatte den Abt versehentlich als "Fürsten" tituliert. Das nahm der Abt als Ausrede, sich mit "Excellentissimus" titulieren zu lassen, wenngleich diese Anrede eigentlich nur echten Fürsten zustand und nicht "Fürsten per Versehen". Abt Anselm konnte sich nun mit folgendem vollständigen Titel schmücken: "Hochwürdiger und des Heiligen Römischen Reiches Prälat und Herr des königlich eximierten, konsistorialen und unmittelbar freien Reichsstifts und Münsters der allerseligsten Jungfrau Maria von Salem regierender Abt, der beiden kaiserlich-königlichen und königlich-apostolischen Majestäten wirklicher Geheimer Rat sowie des schwäbischen Reichsprälatenkollegiums Kondirektor und des Zisterzienserordens in Oberdeutschland Generalvikar." Im Jahre 168 wurde Abt Anselm Direktor des schwäbischen Reichsprälatenkollegiums. Auch im äußeren Erscheinungsbild paßte sich Abt Anselm seinen weltlichen "Kollegen" an und trug bei feierlichen Anlässen eine gepuderte Perücke, sehr ungewöhnlich für einen Abt. Er wollte auch noch kaiserlicher Gesandter beim schwäbischen Kreis werden, doch das wollte die Kreisregierung nicht. Ebenso wurde Anderes verhindert, was er sich noch vorstellte: Er wollte das Salemer Münster mit zwei steinernen Türmen an der Westfassade ausstatten, was ein Bruch der Ordensprinzipien gewesen wäre, weshalb der Konvent das nicht unterstützte. Vielmehr verlangte der Konvent einen hölzernen Dachreiter wie bei Zisterzienserkirchen üblich. Einen kleinen Triumph gönnt man dem Abt direkt nach dieser Vereitelung seiner stolzen Pläne: Für den Bau des Dachreiters engagierte er dann wenigstens den bekannten Deutschordensbaumeister Johann Kaspar Bagnato. Wenn schon nur Dachreiter, dann wenigstens vom Feinsten.

Zur Übersicht ein Ausschnitt aus der Salemer Äbteliste unter Hervorhebung des mit einem bauplastischen Wappen vertretenen Abtes:

Literatur, Links und Quellen:
Reinhard Schneider: Die Geschichte Salems, in: Salem, 850 Jahre Reichsabtei und Schloß, Konstanz 1984.
Lebensdaten der Äbte:
http://www.leo-bw.de/web/guest/ergebnisliste-gross/-/Suchergebnis/liste/GROSS?_LEOBWSearchResult_WAR_sucheportlet_searchId=1459108115829&cur=1 ff.
Tafel mit allen Abtswappen:
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/75/Bodenseeraum_2012_ii_16.jpg
Liste der Äbte von Salem:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Äbte_von_Salem
Liste der Äbte von Salem:
http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Salem/Äbteliste
Alberich Siwek, Fridolin Schmid, Schw. Dr. Marcella Kugler O. Cist.: Die Zisterzienserabtei Salem: Der Orden, das Kloster, seine Äbte, hrsg. anläßlich der Gründung des Klosters vor 850 Jahren, hrsg. vom Erzb. Münsterpfarramt Salem, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen, 1984, S. 284-313
Ulrich Knapp: Auf den Spuren der Mönche - bauliche Zeugen der Zisterzienserabtei Salem zwischen Neckar und Bodensee, Schnell & Steiner Verlag, 1. Auflage 2009, 336 Seiten, ISBN-10: 3795422477, ISBN-13: 978-3795422479, S. 128-129
Anselm Schwab:
http://www.sueddeutscher-barock.ch/In-Bauherr/s-z/Salem_Schwab.html
Anselm Schwab:
https://de.wikipedia.org/wiki/Anselm_II._Schwab
Anselm Schwab:
http://www.salem.de/wissenswert-amuesant/persoenlichkeiten/anselm-ii-schwab/
Abtswappen: 1765
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/27/Salem_Mappa_1765.jpg
Abtswappen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Salem_1765.jpg
Abtswappen:
http://www.oberschwaben-tipps.de/wp-content/uploads/2014/10/44-Vergoldeter-Stuck-Abtei-Salem.jpg

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