Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2324
Oberuhldingen (zu Uhldingen-Mühlhofen, Bodenseekreis)

Kapelle St. Wolfgang in Oberuhldingen

Die aus dem 16. Jh. stammende Kapelle St. Wolfgang in Oberuhldingen ist ein schlichter, dem heiligen Wolfgang von Regensburg geweihter Bau mit dreiseitig geschlossenem Chor und auf jeder Flanke zwei Langhausfenstern. Auf dem Satteldach ist ein kleiner, achteckiger Dachreiter mit zwei historischen Glocken und mit Zwiebelhaube angebracht. Die westliche Giebelseite mit dem Zugangsportal trägt einen Wappenstein und darüber in einer Nische die Sandsteinstatue des hl. Wolfgang, wahrscheinlich eine Arbeit von Franz Joseph Feuchtmayer. Ein einziges Fenster von querovaler Form befindet sich oberhalb der Statue, bereits in Höhe der Dachschräge.

Über dem westlichen Portal ist das auf das Jahr 1711 datierte Wappen des Salemer Abtes Stephan I. Jung angebracht, der 1698-1725 amtierte. Dieser Abt ließ die ältere Kapelle im Stil des Barock ausstatten und verlieh ihr das jetzige Aussehen. Der Wappenstein ist sehr verwittert, und die Farbe ist nur noch in Resten vorhanden. Das Wappen dieses großen Bauabtes begegnet uns im nördlichen Bodenseeraum öfters, so z. B. ist es an Schloß Maurach zu finden, an der Südfassade des Schlosses Salem, als Deckengemälde des Kaisersaals in der Prälatur Salem, am Salemer Pfleghof in Stockach und am Pfarrhaus in Ostrach. Hier an St. Wolfgang besteht das Wappen nur aus den persönlichen Symbolen und wird durch eine eingebogene Spitze in drei Felder aufgeteilt, Feld 1: in Schwarz ein silberner, mit einem nach links schwimmenden goldenen Fisch belegter Balken, Feld 2: in Blau ein aufspringendes silbernes Einhorn, Feld 3: in Rot ein silberner Pelikan mit Jungen auf seinem Nest. Die eigentlichen heraldischen Symbole für das Kloster Salem selbst fehlen. Auf dem Wappenschild ruht eine Inful; schräg dahinter sind Krummstab und gestürztes Schwert gestellt. Zwei mit ihren Stielen schräggekreuzte Palmzweige rahmen den Wappenschild an drei Seiten ein.

Abt Stephan I. Jung wurde am 8.2.1664 geboren. Im Jahre 1698 wurde er zum Abt gewählt. Er wurde zum Erneuerer des durch einen Brand verwüsteten Klosters Salem, eine schier unglaubliche Leistung in einer durch diverse ruinöse Kriege geprägten Zeit. Niemand weiß, wie er alles wirklich finanzieren konnte: Er baute das Kloster Salem neu, er trug Schulden von 38624 fl. ab, er vermehrte den Kirchenschatz, er führte Prozesse um Territorialrechte, wovon allein derjenige mit den Hohenzollern mit 32000 fl. zu Buche schlug. Die Erneuerung der Salemer Kirchenorgel 1707 verschlang 20000 fl. Und der tägliche Unterhalt des Klosters mußte natürlich auch noch finanziert werden. Insgesamt gab er in einem Zeitraum von wenigen Jahren 450000 fl. aus, und niemand wußte, woher das Geld für all seine Bauprojekte eigentlich kam. Weiterhin baute er 1718 in Mimmenhausen die Klosterkaserne, was mit 12546 fl. zu Buche schlug.

Die Kriegskosten, die Abt Stephan Jung zu meistern hatte, waren ebenfalls immens: Im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) mußte das Kloster Salem zusammen mit dem Grafen von Montfort das gesamte kaiserlich-hannoveranische Kürassierregiment verpflegen, insgesamt kostete das das Kloster 150000 fl., wobei der Regimentsgeneral de la Tour den Abt insbesondere zum Schröpfen "auf dem Kieker hatte". Mit dem Sieg bei Höchstädt war erst einmal wieder Ruhe, doch die währte nicht lange, denn 1707 fielen die französischen Heere unter Marschall Villars in Württemberg ein und bedrohten Oberschwaben. Ihr Plan war, den Salemer Abt zur Erpressung von Lösegeld zu entführen. Er war zum Glück rechtzeitig in den Überlinger Klosterhof geflohen. Die Franzosen nahmen statt seiner zwei andere Geiseln, klauten 17 der besten Pferde und forderten eine riesige Summe. Am Ufer der Schussen konnten die verbündeten Geschädigten die Franzosen schließlich besiegen und Geiseln und Pferde wieder heimbringen. In den Türkenkriegen wurde das Kloster erneut mit Kontributionen geschröpft: Das Kloster mußte Kaiser Karl VI. 3800 fl. zahlen, dazu eine Türkensteuer von 912 fl.

Woher kam all das Geld? Der Abt verfügte anscheinend über ein größeres Vermögen ungeklärter Höhe und Herkunft. Man mutmaßt, daß geflohene Äbte aus Bebenhausen und Herrenalb, die im 30jährigen Krieg vertrieben worden waren und im Konstanzer Klosterhof Zuflucht gefunden hatten, sich durch Übereignung von Barschaften erkenntlich gezeigt haben könnten, auch wenn das alleine nicht die Bereitstellung solcher Summen erklärt. Ein wichtiges Mittel zur Erhöhung der regelmäßigen Klostereinkünfte waren die Verpfändung und die Verschreibung von Gütern und Vorrechten gegen nicht unerhebliche Summen - aber genau das war die Methode, mit Geld noch mehr Geld zu generieren: So verpfändete im Jahr 1715 Fürst Meinrad Karl Anton von Hohenzollern-Sigmaringen das Dorf Krauchenwies gegen eine Anleihe von 15000 fl. an Salem. Das brachte dem Kloster jährliche Einnahmen von 750 fl. Ebenfalls im Jahr 1715 kaufte der Abt von den Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen alle Rechte am Dorf Kalkreute für 12000 fl., einen Jagdbezirk in Levertsweiler, einen Hof und einen Forst. Im Grunde kostete das den Abt nichts, denn die Kaufsumme wurde mit der Pfandschuld der Sigmaringer verrechnet; die verbleibende Restschuld belief sich damit auf 3000 fl. Nachdem die Sigmaringer Krauchenwies ausgelöst hatten, verblieb Kalkreute dauerhaft bei Salem. Auch mit den Fürstenbergern machte der Abt solche Geschäfte: Fürst Frobenius von Fürstenberg-Heiligenberg bekam im Jahre 1719 32000 fl. für die Verpfändung von zwei Rittergütern in Efrizweiler und in Kluftern. Die Verpfändung lief auf 30 Jahre, 1749 verlängert auf weitere 20 Jahre. Das Kapital erhielt das Kloster 1771 zurück, wobei zwar Kaiserin Maria Theresia einschreiten mußte. Vorangegangen waren aber 50 Jahre gesicherte Einkünfte aus besagten Gütern.

Im Innern der Wolfgangskapelle gibt es weitere Wappenfundstellen: Der bauzeitliche Altar trägt in der Mitte unten auf dem von Franz Carl Stauder gemalte Altarbild mit einer Darstellung von Maria und Josef als Fürsprecher bei Gott für die Abtei Salem (im unteren Teil des Bildes ist eine Ansicht des Klosters Salem dargestellt) ein weiteres Wappen von Abt Stephan Jung und am linken Bildrand das etwas kleiner dargestellte Wappen von Abt Anselm I. Muotelsee (in Blau auf einem grünen Dreiberg eine aufrechte silberne Sichel mit braunem Griff, beiderseits begleitet von je einem goldenen, achtzackigen Stern).

Zur Übersicht ein Ausschnitt aus der Salemer Äbteliste unter Hervorhebung des mit einem bauplastischen Wappen vertretenen Abtes:

Literatur, Links und Quellen:
Reinhard Schneider: Die Geschichte Salems, in: Salem, 850 Jahre Reichsabtei und Schloß, Konstanz 1984.
Lebensdaten der Äbte:
http://www.leo-bw.de/web/guest/ergebnisliste-gross/-/Suchergebnis/liste/GROSS?_LEOBWSearchResult_WAR_sucheportlet_searchId=1459108115829&cur=1 ff.
Tafel mit allen Abtswappen:
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/75/Bodenseeraum_2012_ii_16.jpg
Liste der Äbte von Salem:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Äbte_von_Salem
Liste der Äbte von Salem:
http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Salem/Äbteliste
Alberich Siwek, Fridolin Schmid, Schw. Dr. Marcella Kugler O. Cist.: Die Zisterzienserabtei Salem: Der Orden, das Kloster, seine Äbte, hrsg. anläßlich der Gründung des Klosters vor 850 Jahren, hrsg. vom Erzb. Münsterpfarramt Salem, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen, 1984, S. 259-274
Ulrich Knapp: Auf den Spuren der Mönche - bauliche Zeugen der Zisterzienserabtei Salem zwischen Neckar und Bodensee, Schnell & Steiner Verlag, 1. Auflage 2009, 336 Seiten, ISBN-10: 3795422477, ISBN-13: 978-3795422479, S. 210-211
Wolfgangskapelle:
http://www.uhldingen-muehlhofen.de/de/Freizeit+Kultur/Historische-Kirchenbauten/St.-Wolfgang-Kapelle-

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