Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2319
Schemmerberg (zu Schemmerhofen, Landkreis Biberach)

ehemaliger Salemer Pfleghof

Im seit der Gemeindereform des Jahres 1974 zu Schemmerhofen gehörenden Ort Schemmerberg gibt es heraldische Spuren der ehemaligen Salemer Ortsherrschaft. Das Dorf war ursprünglich geteilt und gehörte anteilig den Grafen von Wartstein und den Herren von Sulmetingen als österreichisches Lehen. Das Kloster Salem kaufte erst den Wartsteiner Anteil und dann auch den Sulmetinger Anteil, so daß es seit 1496 die ganze Dorfherrschaft innehatte. Das Kloster Salem richtete 1497 ein Gericht in Schemmerberg ein, das eigentlich der Gerichtsbarkeit der Landvogtei Schwaben unterstand. Wegen der Abgelegenheit erhielt es die Erlaubnis dazu. Ab 1742 besaß Salem im Ort auch die hohe Gerichtsbarkeit. Unter Abt Konstantin Miller gelang es dem Kloster Salem, von Maria Theresia im Jahre 1743 für 27000 Gulden die landesherrliche Gerechtsame, also die Herrschaft und die Hoheitsrechte über Schemmerberg zu erhalten.

Die Salemer Äbte errichteten im Ort in der Nähe der Riß einen Pfleghof, der 1737-1738 nach Entwürfen von Maurermeister Lorenz Rüscher erbaut wurde. Die Zimmermannsarbeiten führte Georg Hepp aus, die Maurerarbeiten Michael Bohnenberger, und die örtliche Bauleitung hatte der Palier Jakob Moosbrugger. Geplant war eine landwirtschaftliche Anlage von drei Flügeln um einen rechteckigen Hof, wovon aber nur zwei Flügel erbaut wurden: Im Nordwesten entstand das Viehhaus, das aber 1862 teilweise umgestaltet und in der zweiten Hälfte des 20. Jh. abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt wurde. Nur die Grundmauern sind noch in den Stallungen Fuchs erhalten. Im Nordosten entstand ein doppelfunktionelles Gebäude, eine Kombination aus Pferdestallung und Kornschütte bzw. Fruchtkasten. Die vierte Seite sollte sich im ursprünglichen Entwurf zu einem Garten hin öffnen, und die noch fehlende Seite wurde nie in Angriff genommen. Als mit der Säkularisation der Klosterbesitz aufgelöst wurde, kam die Ortsherrschaft 1803 an die Fürsten von Thurn und Taxis. 1896 fiel der Ort an das Königreich Württemberg. Der stattliche, breitgelagerte, zweigeschossige Nordostflügel mit Walmdach und mit zehn Fensterachsen im Obergeschoß wurde zunächst Forstamt, dann privatisiert. Heute wird der Bau (Schloßgasse 10, Abb. unten) als privates Wohnhaus genutzt.

Zwischen dem dritten und vierten, von links gezählten Fenster des Obergeschosses ist ein Wappenstein für den Salemer Abt Konstantin Miller in die Wand eingelassen (Abb. unten, Detail ganz unten), der 1725-1745 als Abt amtierte. Es ist nicht farbig gefaßt. Das variantenreich wiedergegebene Wappen ist durch eine eingebogene Spitze in drei Felder geteilt, Feld 1: durch einen goldenen Balken blau-rot geteilt, oben ein oberhalbes Mühlrad mit fünf sichtbaren Speichen, unten ledig (die hier verwendete plastische Damaszierung ist heraldisch nicht signifikant), Feld 2: in Blau ein goldener Balken, oben von einer gestürzten, mit den Spitzen nach unten gerichteten, goldenen, gesichteten Mondsichel und unten von drei (2:1) sechszackigen, goldenen Sternen begleitet, Feld 3: in Silber ein schwebendes rotes Tatzenkreuz. Über der ornamental eingefaßten, ovalen und unten beiderseits eingebuchteten Kartusche trägt ein Puttenkopf eine Inful. Schrägrechts ragt hinter der Kartusche der Krummstab hervor, schräglinks das gestürzte Schwert für die weltliche Herrschaft. In der Wappenkartusche werden nur personengebundene Motive verwendet, keine Wappensymbole für die Abtei selbst.

Die hier ergänzten Tinkturen ergeben sich aus der Äbtewappentafel in Salem, nach einem Vergleichswappen auf einem Gemälde im Abteimuseum im ehemaligen Abteigebäude und nach der ursprünglichen, nach der Restaurierung nicht mehr vorhandenen Farbfassung des Wappens am Marstall in Salem. Ein weiteres, aber monochromes Vergleichswappen ist in der Kirche des Klosters Wald vorne an einem Mensa-Sockel zu finden. In der Pfarrkirche St. Georg in Frankenhofen, Stadt Ehingen (Donau) findet man ein farbig gefaßtes Vergleichswappen, bei dem nur das Kreuz fehlt und die Balken nicht eindeutig abgesetzt sind. Bei jener Wappendarstellung ruht die Inful auf einem Kissen, und als Schildhalter dienen zwei silberne Schwäne oder Pelikane. In Salem findet sich dieses Wappen ferner als Supraporte über dem Eingang zum Sommerrefektorium und am Kachelofen von Daniel Mayer im Sommerrefektorium, im schmiedeeisernen Treppenhausgitter der Abtei sowie auf der Tür des gotischen Sakristeiportals im südlichen Querhausarm der Klosterkirche. Weiterhin begegnet uns dieses Wappen in der Pfarrkirche St. Michael in Bachhaupten (ehem. Salemer Priorat, heute Gemeinde Ostrach, Landkreis Sigmaringen) in Holz geschnitzt am Kanzelaufgang und im Deckenstuck.

Wenn auch hier keine klosterspezifischen Wappensymbole innerhalb des Schildes auftauchen, so finden wir diese im früheren Gemeindewappen, welches 1958 verliehen wurde und bis zur Eingemeindung Gültigkeit hatte: Der Schild ist golden-schwarz zinnenförmig gespalten, links mit einem mit der Krümme nach links gewendeten Abtsstab belegt, um dessen Schaft der goldene Buchstabe S geschlungen ist. Die Zinnenspaltung ist dem Wappen der Grafen von Wartstein (Siebmacher Band: WüA Seite: 28 Tafel: 25) entlehnt; die gemeine Figur ist eines der von der Abtei Salem verwendeten heraldischen Symbole.

Konstantin Miller stammt aus Konstanz und wurde 1681 geboren. Im Jahr 1700 trat er ins Kloster ein. Er erhielt 1705 die Priesterweihe. Eine Zeitlang verwaltete er für das Kloster wirtschaftlich erfolgreich die Pflege Pfullendorf. Am 25.4.1725 wurde er unter dem Vorsitz des Abts Rogerius von Kaisersheim vom Konvent mit seinen 50 Wahlberechtigten mit 42 Stimmen zum neuen Abt von Salem gewählt. Konstantin Miller war ein bescheidener Mensch und mußte von seinen Mitbrüdern zur Annahme der Wahl gedrängt werden. Die Abtswahl wurde am 22.5.1725 vom Generalabt und am 19.12.1725 von Rom bestätigt. Der Generalabt des Ordens ernannte Abt Konstantin zum Generalvikar der Oberdeutschen Kongregation. Der Bestätigung aus Rom vorangegangen war ein Geschachere um die Gebühren, weil Salem wegen der auferlegten Kriegskosten (Österreichischer Erbfolgekrieg) knapp bei Kasse war. Über den Vizekanzler von Schönborn und den Fürstabt von St. Blasien trat man an den Kaiser heran, damit der sich für eine Gebührenminderung einsetzte. Immerhin konnte man eine Minderung von 4500 Scudi Normalpreis auf 3004 Scudi (das entsprach 6008 Rheinischen Gulden) Sonderpreis heraushandeln. Dann konnte endlich die Abtsweihe am 28.4.1727 durch den Konstanzer Fürstbischof Johann Franz Schenck von Stauffenberg in Gegenwart der Äbte von Ochsenhausen und Weingarten stattfinden.

Abt Konstantin galt als Mann der Tatkraft, Klugheit und Standhaftigkeit und zugleich als Vorbild an Frömmigkeit und Gottesfurcht. Abt Konstantin wurde aber auch ein Bauabt: In Salem ließ er die im Außenbau fertiggestellten Klostergebäude weiter ausbauen und innen ausschmücken. Unter ihm entstanden repräsentative Bauten im äußeren Klosterbereich wie der Marstall und das untere Tor, wofür er den Deutschordensbaumeister Johann Caspar Bagnato engagierte. Er wurde einer der größten Auftraggeber für Josef Anton Feuchtmayer, der für ihn 1726-1745 etliche Altäre, Büsten, Stifterfiguren, holzgeschnitzte Flachreliefs, Portalgestaltungen, Beichtstühle, Spiegelrahmen und Stukkaturen und schließlich auch ein Epitaph anfertigte. Auch dieser Wappenstein stammt wahrscheinlich aus der Werkstatt von Josef Anton Feuchtmayer. Oben wurde bereits erwähnt, daß Abt Konstantin Miller von Maria Theresia 1743 gegen entsprechende Zahlungen die landesherrliche Gerechtsame, also die Herrschaft und die Hoheitsrechte über Schemmerberg erhalten hatte - auch konnte er für 12000 Gulden die Regalien über Ostrach als "immerwährendes Lehen" von Österreich bekommen. Der Abt starb am 22.2.1745 im 64. Lebensjahr nach bald 20jähriger Amtszeit.

Zur Übersicht ein Ausschnitt aus der Salemer Äbteliste unter Hervorhebung des mit einem bauplastischen Wappen vertretenen Abtes:

Literatur, Links und Quellen:
Reinhard Schneider: Die Geschichte Salems, in: Salem, 850 Jahre Reichsabtei und Schloß, Konstanz 1984.
Herrschaftsgebiet der Reichsabtei:
http://www.sueddeutscher-barock.ch/Bilder_jpg/grafik/s/Salem_HerrschaftGr.jpg
Lebensdaten der Äbte:
http://www.leo-bw.de/web/guest/ergebnisliste-gross/-/Suchergebnis/liste/GROSS?_LEOBWSearchResult_WAR_sucheportlet_searchId=1459108115829&cur=1 ff.
Schemmerberg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schemmerberg - http://www.schemmerberg.org/
Geschichte von Schemmerberg:
http://www.schemmerhofen.de/,Lde/Home/Gemeinde+_+Daten/Schemmerberg.html
Spurensuche in Schemmerberg:
http://www.schemmerberg.org/historisch/
Äbte von Salem:
http://www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/bodensee/kloester/salem/aebte.htm
Tafel mit allen Abtswappen:
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/75/Bodenseeraum_2012_ii_16.jpg
Reichsabtei Salem:
https://de.wikipedia.org/wiki/Reichsabtei_Salem
Salem heute:
http://www.salem.de/start/
Liste der Äbte von Salem:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Äbte_von_Salem
Liste der Äbte von Salem:
http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Salem/Äbteliste
Wappen in Frankenhofen:
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Frankenhofen_Pfarrkirche_Wappen_Abt_Salem.jpg
Alberich Siwek, Fridolin Schmid, Schw. Dr. Marcella Kugler O. Cist.: Die Zisterzienserabtei Salem: Der Orden, das Kloster, seine Äbte, hrsg. anläßlich der Gründung des Klosters vor 850 Jahren, hrsg. vom Erzb. Münsterpfarramt Salem, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen, 1984, S. 274-278
Ulrich Knapp: Auf den Spuren der Mönche - bauliche Zeugen der Zisterzienserabtei Salem zwischen Neckar und Bodensee, Schnell & Steiner Verlag, 1. Auflage 2009, 336 Seiten, ISBN-10: 3795422477, ISBN-13: 978-3795422479, S. 271-272

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