Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2307
Dörlesberg (zu Wertheim, Main-Tauber-Kreis)

Die Kirche St. Dorothea in Dörlesberg

Im Ortszentrum von Dörlesberg steht die Kirche St. Dorothea mit einschiffigem Langhaus, fünfseitigem Chor und dem Haupteingang in der westlichen Giebelseite, in der oben in einer Nische die Kirchenpatronin mit einem mit Blumen und Früchten gefüllten Körbchen zu sehen ist. Die Kirche wurde 1721-1722 erbaut; der Bauherr war der baufreudige Bronnbacher Abt Joseph Hartmann. Dörlesberg gehörte früher dem Kloster Triefenstein, und bis 1543 hatte das Kloster das Patronatsrecht über die hiesige Kirche und die Pfarrei inne. Erst dann gingen diese Rechte auf das Kloster Bronnbach über, das durch die räumliche Nähe die Betreuung besser ausüben konnte. Dörlesberg war ein lange Zeit zwischen den Grafen von Wertheim (Vogteirecht über das Kloster, protestantischer Einfluß) und ihren Rechtsnachfolgern einerseits und dem Kloster Bronnbach andererseits umstrittener Besitz, wobei der Streit auch vor dem Reichskammergericht in Speyer ausgetragen wurde. Erst in einem Vergleich von 1672 einigte man sich, und Dörlesberg wurde 1674 endgültig der Herrschaft des Klosters Bronnbach unterstellt, welches in dieser Angelegenheit im Würzburger Fürstbischof einen wichtigen Fürsprecher hatte. Im Zuge der nun folgenden, vom Hochstift Würzburg unterstützten Rekatholisierung wurde die alte Kirche abgerissen und in repräsentativerer Form neu errichtet. Erst durch die Säkularisation zugunsten der Fürsten von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg wurde die ab 1806 zu Baden gehörende Gemeinde selbständig, aber die Fürsten übten bis 1971 das Patronatsrecht aus. In dieser Entwicklung besitzt die Dörlesberger Kirche etliche Parallelen zur Reicholzheimer Kirche. Der im Nordwesten angebaute Turm und die im Südosten angebaute Seitenkapelle sind jüngeren Datums und kamen erst anläßlich einer Kirchenerweiterung und -verlängerung nach Westen um eine Fensterachse im Jahr 1910 hinzu, wobei auch die Westfassade unter Verwendung alter Architekturelemente und Schmucksteine und unter Rückgriff auf barocke Bauformen neu gestaltet wurde. Die Trennlinie zwischen alt und neu ist gut zu sehen: Der Altbau ist verputzt; der Neubau ist hingegen flächig in Rotsandstein ausgeführt.

 

Über dem Eingangsportal ist ein Wappenstein des Klosters Bronnbach in der Öffnung des gesprengten Segmentbogengiebels angebracht. Das aus rotem Sandstein gefertigte Wappen ist weder datiert noch besitzt es eine zuweisende Inschrift. Die üppig verzierte, barocke Ovalkartusche, über die oben ein infuliertes Brustbild gestülpt ist und hinter der schrägrechts der Abtsstab mit nach links abflatterndem Sudarium zu sehen ist, ist durch eine eingebogene Spitze in drei Felder unterteilt. Dabei enthalten die Felder 1 und 2 die für die Abtei Bronnbach typischen Symbole, Feld 1: in Schwarz ein schräglinksgelegter goldener Krummstab (Abtsstab), darüber schrägrechts ein rot-silbern in zwei Reihen geschachter Schrägbalken (Schrägrechtsbalken) für den Zisterzienserorden (kleiner Fehler des Steinmetzen: Der Stab reicht zu weit in den Balken, so daß es aussieht wie durchgesteckt), Feld 2: in Blau ein goldener, schräggelegter Schalenbrunnen mit über dem Becken noch zwei Brunnenschalen übereinander und silbern fließendem Wasser, auf der obersten Schale liegend ein Fisch, ein redendes Symbol für Bronnbach. Diese beiden Elemente tauchen in allen Wappen der späten Bronnbacher Äbte auf und stehen für die Abtei selbst. Die früheren, vorbarocken Äbte zeigten diesen Aufbau noch nicht und führten reine Privatwappen.

Die eingebogene Spitze (Feld 3) enthält das persönliche Symbol des Abtes Joseph Hartmann, der als 49. Abt 1699-22.12.1724 die Geschicke des Klosters lenkte, in Grün auf einem Grund oder Boden ein frontal dargestellter, goldener Geharnischter mit Helm, welcher in seiner ausgestreckten Rechten eine Blume (oder mehrblütige Pflanze) hält und die Linke in die Hüfte stemmt. Das gleiche Wappen befindet als gemalte Version innen in der Kirche am Chorbogenscheitel, und von dort lassen sich auch die authentischen Farben wie oben angegeben ableiten. Vor allem läßt sich dort der Fisch auf der obersten Brunnenschale gut verifizieren, der im Relief schlecht zu erkennen ist. Abt Joseph Hartmann hatte im Jahre 1716 auch die Ebenmühle mit dem umgebenden Grundbesitz käuflich erworben und dort ein Sommerhaus errichten lassen, welches aber leider abgerissen worden ist.

Ein Vergleichswappen befindet sich am Refektorium des nahen Bronnbacher Klosters. Weitere Wappen von Abt Joseph Hartmann befinden sich im Kloster am 1710 entstandenen Thron des Landesfürsten auf der Rückwand als Holzeinlegearbeit, am 1704/06 entstandenen Stephanusaltar und über dem Nordeingang des Krankenhauses. Das Motiv aus Feld 3 findet sich als Einzelwappen über dem Eingang zum Gasthaus von 1715. Ein weiteres Wappen von 1713 ist über dem Portal der Kirche in Reicholzheim zu sehen, und noch eines am historischen Rathaus von Allersheim, das heute als Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr dient.

Auf der Nordseite der Kirche ist dieser Inschriftenstein in die Wand des Altbaus eingelassen (Abb. unten): Die Inschrift bezieht sich auf das Jahr 1674 (12. Zeile) und den Abt Franz (Franciscus) Wundert (7. Zeile). Vor allem ist dieser Stein ein Dokument der Rekatholisierung der Gemeinde, die in den Religionswirren zwischen 1553 und 1612 vollständig zum protestantischen Glauben konvertiert war, aber am 1.4.1674 konnte der Abt vermelden, daß die Rekatholisierung "durch sonderbare Schickung Gottes und viel Müh und Sorgfalt" gelungen sei, was er mit diesem Stein an der verbesserten Kirche dokumentierte, ehe sein Amtsnachfolger neu bauen ließ.

Das Pfarrhaus in Dörlesberg

Wenige Schritte nach Westen steht an der Hauptstraße des Ortes (Hundheimer Straße 62) das örtliche Pfarrhaus, über dessen Rechteckportal ein weiteres Wappen eines Bronnbacher Abtes angebracht ist. Es ist klein, von geringer künstlerischer Qualität und an anderen Orten weit besser zu sehen. Der von barocken Zierformen eingefaßte, unregelmäßige Wappenschild ist durch eine eingebogene Spitze in drei Felder unterteilt, Feld 1: in Schwarz ein schräglinksgelegter goldener Krummstab (Abtsstab), darüber schrägrechts ein rot-silbern in zwei Reihen geschachter Schrägbalken (Schrägrechtsbalken) für den Zisterzienserorden (hier völlig falsch angestrichen), Feld 2: in Blau ein goldener, schräggelegter Schalenbrunnen mit zwei Brunnenschalen übereinander und fließendem Wasser, ein redendes Symbol für Bronnbach. Der Schalenbrunnen im Feld 2 ist zugleich ein Abbild der in Bronnbach vorhandenen echten Schalenbrunnen, von denen einer im Wirtschaftshof hinter dem Bursariushaus und neben dem Keltergebäude steht, ein anderer im Barockgarten, und ein weiterer nach Külsheim verbracht wurde. Die eingebogene Spitze enthält das persönliche Symbol des Abtes Engelbert Schäffner, in Grün auf einem Grund frontal ein Mann im Rock, in jeder der ausgestreckten Hände einen Schlüssel haltend, die Bärte nach oben und auswärts gerichtet.

 

Vergleichswappen befinden sich am Refektorium und am Bursariat des Klosters Bronnbach sowie am Sockel des Brückenheiligen Nepomuk auf der Tauberbrücke. Es gibt ein weiteres, viertes Vergleichswappen am Allersheimer Pfarrhaus. Hier am Dörlesberger Pfarrhaus ist die Konstruktion über dem eigentlichen Schildäquivalent interessant: Aus der oben durch die Ornamente gebildeten "mittleren Kerbe" wächst der Mann mit den Schlüsseln wie ein Kleinod ohne Helm heraus, um selbst noch von einem geflügelten, infulierten Engelskopf überhöht zu werden, hinter dem der Krummstab des Abtes schräglinks herausragt. Die Buchstaben auf dem eigentlichen Schlußstein des oberen Türgewändes lauten FEAB - Frater Engelbert Abt von Bronnbach; alternativ könnte das "F" auch für "fecit" stehen.

Zur Übersicht die Liste der Bronnbacher Äbte:

Literatur, Links und Quellen:
St. Dorothea: http://www.kath-kuelsheim-bronnbach.de/html/die_kirche301.html
Ortschronik:
http://www.doerlesberg.de/doerlesberg.asp?Fx=TM.20
Pfarrkirchen der Seelsorgeeinheit Bronnbach - Reicholzheim St. Georg - Dörlesberg St. Dorothea, Schnell Kunstführer 2798, Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2012
Wappen der Abtei Bronnbach: Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983, Tafel 97 Seite 245
Vergleichswappen am Refektorium Bronnbach:
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kloster_Bronnbach_Wappen_Refektorium_20070714_1.jpg
Wappen am Bursariat Bronnbach:
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e7/Kloster_Bronnbach_Wappen_Bursariat_20070714.jpg
Vergleichswappen Abt Hartmann:
http://www.tripota.uni-trier.de/single_picture.php?signatur=121_port_3623 und http://www.tripota.uni-trier.de/single_picture.php?signatur=121_port_3624 = Exlibris von Johann Salver (1638-1718)
Exlibris des Abtes Hartmann: Thieme-Becker, Bd. XXIX, 1935, S. 360
Äbteliste:
http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Bronnbach/Äbte
Geschichte Kloster Bronnbach:
http://www.kloster-bronnbach.de/showpage.php?Kloster/Geschichte/1153_1803&SiteID=39
Kloster Bronnbach:
http://www.leo-bw.de/detail-gis/-/Detail/details/DOKUMENT/labw_kloester/188/Zisterzienserabtei+Bronnbach
Kloster Bronnbach:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Bronnbach
Kloster Bronnbach:
http://www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/kloester/zisterz/bronnb/bronnbach1.htm
Kloster Bronnbach: Jahrbuch für das Badner Land. (Badische Heimat). 1985 S. 107 - 114
Alfred Friese, Die Zisterzienserabtei Bronnbach, Mainfränkische Hefte, Heft 30, 1958
Leonhard Scherg, die Zisterzienserabtei Bronnbach im Mittelalter, Mainfränkische Studien, Bd. 14, 1976
Kloster Bronnbach: Adolph von Oechelhäuser, die Kunstdenkmäler des  Großherzogtums  Baden,  Bd. 4,  Kreis  Mosbach, l. Abt. Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Wertheim, Freiburg i. B., 1896
Bronnbacher Äbte: Joachim Heinrich Jäck, Galerie der vorzüglichsten Klöster Deutschlands, Nürnberg 1831, S. 105-108, online:
http://books.google.de/books?id=assDAAAAcAAJ
Gerhard Wissmann, Kloster Bronnbach, ein Gang durch die Geschichte der ehemaligen Zisterzienserabtei im Taubertal, hrsg. von der Sparkasse Tauberbischofsheim

Ortsregister - Namensregister - Regional-Index
Zurück zur Übersicht Heraldik

Home

© Copyright / Urheberrecht an Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2016
Impressum
Bestandteil von
www.dr-bernhard-peter.de und www.heraldik-leitfaden.de