Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2305
Großostheim (Landkreis Aschaffenburg, Unterfranken)

Das Nöthigsgut (Bachgaumuseum)

Das Nöthigsgut (Marktplatz 1) ist ein größerer städtebaulicher Komplex am Nordende des Großostheimer Marktplatzes, der sich zwischen Kanzleistraße und Pfarrgasse erstreckt. Das historische Fachwerkensemble ist heute neben der Pfarrkirche die Hauptzierde der Altstadt. Mehrere Häuser mit steinernem Erdgeschoß und Fachwerkobergeschossen umschließen einen unregelmäßig zugeschnittenen Hof. An das Haupthaus (sog. Hohes Haus) ist rückwärtig ein polygonaler Treppenturm angebaut, ebenso an der östlichen Ecke des rechts im Bild angeschnittenen Fachwerkhauses (sog. Kleines Haus von 1579). Im Hohen Haus liegen die ehemaligen Wohnräume, die z. T. stuckverziert sind. Es handelt sich bei der Anlage um einen ehemaligen Lehenshof der Mainzer Dompröpste, dessen Gebäude über einen Zeitraum von 1421-1629 erbaut wurden. Wer dieses Lehen innehatte, konnte oder mußte den kirchlichen Zehnt in Großostheim und Pflaumheim erheben und abzüglich seiner Entlohnung an den Mainzer Dompropst abführen. Im Laufe der Zeit hatten verschiedene Familien den Hof inne, die Clebiz, die Kühlbrot, die Schad etc. Den Namen trägt das Ensemble nach einer Familie Nöthig, die 1762-1921 Pächter des Gutes war.

Heute befindet sich im marktseitigen Teil des Ensembles mit dem Hohen Haus das 1974 gegründete und am 12.10.1975 eingeweihte Bachgaumuseum mit Exponaten zu regionalem Handwerk, zum Weinanbau und zur Landwirtschaft im 19. Jh. sowie zu Glas und Keramik, Kleidung und bürgerlichem Wohnen, Kirche und Volkfrömmigkeit, Schule und Spielzeug vergangener Zeiten etc. auf über 1100 m² Ausstellungsfläche. Die Pflege und Einrichtung des Museums ist die Hauptaufgabe des 1949 gegründeten Geschichts- und Kulturvereins. Im Jahr 1989 wurde die gesamte Lehenshofanlage generalsaniert und rund um das Museum in ein Kulturzentrum umgewandelt. Das Museum wurde nach einem Umbau 2008 neueröffnet. Im nördlichen Teil befindet sich die Musikschule. Das 1421 errichtete sog. Gotische Haus mit Zierfachwerk und Wabenglasfenstern wird aufgrund der großen Räumlichkeiten heute für Feierlichkeiten und Veranstaltungen genutzt. Neben dem Hohen Haus und dem Gotischen Haus, dem immerhin ältesten Wohngebäude im Landkreis Aschaffenburg, gibt es noch das Kleine Haus aus dem Jahr 1579, ehemalige Stallungen, Scheunen, sonstige Ökonomiegebäude und einen Weinkeller innerhalb des Ensembles. Vom Markt her wird das Ensemble über ein großes Hoftor zugänglich.

Gemäß Inschrift ".... AEDES GENS MEMORIRSE PHILIPPVS SCHAD GENS ANTIQVA NOBILITATA DOMO VLTIMVS EX OSTHEIM PASSVS....." (5.-7. Zeile) kann der stark zerstörte Wappenstein über dem rundbogigen, auf 1571 datierten Türdurchgang Philipp Schad von Ostheim zugeordnet werden, der bis 1581 Obervogt und Centgraf in Ostheim war.

Mit ihm erlosch die Familie, die zu Beginn des 16. Jh. urkundlich auftaucht und mehrere Centgrafen im Bachgau gestellt hatte, im Jahr 1581. Der Name Philipp wurde in der Familie häufig vergeben. Ein Erster dieses Namens kommt 1514 als Stifter eines Altarbenefiziums zu Großwallstadt vor. 1531 gibt es einen Philipp Schad d. J. als "Fauth" (Vogt) zu Ostheim und 1538 einen als Centgraf. Vom Alter her muß der letzte Philipp zu einer dritten Generation gehören. Ein weiterer Philipp Schad wird als Stiftskapitular und Propst von Blankenau 1569-1580 geführt, der nicht identisch mit dem Erbauer des Hohen Hauses ist. Johann Schad von Ostheim erscheint als Schultheiß zu Hammelburg.

Philipp Schad von Ostheim führt einen oberhalben Steinbock im Wappen. Was vordergründig wie ein Hirschgeweih aussieht, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Höcker eines Steinbocksgehörns, und auch der Kinnbart weist das Tier als Bock aus. Als Helmzier führt Philipp Schad von Ostheim drei Straußenfedern.

Das Wappen der Schad oder Schade von Ostheim taucht auch am sog. Stumpfen Turm der Großostheimer Stadtbefestigung auf (ohne Abb.); dort verweist das um 1520 entstandene Relief auf den damaligen Centgrafen ("ZINTGRA..."), in Kombination mit den Wappen des Vicedomus Hamann Echter von Mespelbrunn und des Kurfürsten Albrecht von Brandenburg als Mainzer Fürsterzbischof. Wolfert gibt die Tinkturen des Wappens wie folgt an: In Grün ein oberhalber silberner Steinbock, auf dem grün-silbern bewulsteten Helm mit ebensolchen Decken ein schwarzer Federstoß. Anstelle eines Federbusches sehen wir hier als Variante drei klar definierte Straußenfedern.

Ein Widerhall dieses Wappens ist im Kommunalwappen von Großostheim zu finden, welches golden-schwarz geteilt ist, oben ein oberhalber, schwarzer Bock; unten drei (2:1) silberne Kleeblätter. Dieses am 7.12.1910 von Prinzregent Luitpold verliehene Wappen ist eine Kombination aus dem geminderten Wappen der Schad von Ostheim und dem der 1573 im Mannesstamm erloschenen Familie Clebiz von Nalsbach, die in Großostheim sowie in Klein- und Großwallstadt begütert war. Beide Familien waren untereinander durch Heirat verbunden.

Literatur, Quellen und Links:
Siebmachers Wappenbücher
Hinweistafeln vor Ort
Liste der Baudenkmäler:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmäler_in_Großostheim#Gro.C3.9Fostheim
Sehenswürdigkeiten in Großostheim:
http://www.grossostheim.de/tourismus/kunst-kultur/sehenswuerdigkeiten/druckansicht.html
Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983, Tafel 47 Seite 224
Großostheimer Renaissance:
www.spessartprojekt.de/kulturwege/bachgau_4/bachgau_4_folder.pdf
Bachgaumuseum:
http://bachgaumuseum.de/
Musikschule Nöthigsgut:
http://www.grossostheim.de/leben-wohnen/bildung/musikschule-noethigsgut
Geschichtsverein:
http://bachgaumuseum.de/index.php/geschichtsverein.html
Bachgaumuseum:
http://www.spessart-mainland.de/?content=kultur&mo=3&angebot_id=0.74816500-1259592088
Förderpreis:
http://www.bezirk-unterfranken.de/heimatpflege/denkmalpflege/3700.Foerderpreis_Jahr_.html
Sehenswürdigkeiten in Großostheim:
http://www.grossostheim.de/tourismus/kunst-kultur/sehenswuerdigkeiten/druckansicht.html
Was bedeuten die Kleeblätter? Artikel in: Wolfgang Hartmann: 1200 Jahre Großostheim, Großostheim 1999.
Wappen von Großostheim:
http://www.hdbg.eu/gemeinden/web/index.php/detail?rschl=9671122
Klemens Stadler: Deutsche Wappen, Bd. 4, Bremen 1965, S. 65
1200 Jahre Großostheim, Festschrift zur 1200-Jahr-Feier der Marktgemeinde, Großostheim 1999
Wappen von Großostheim:
http://www.ngw.nl/heraldrywiki/index.php?title=Großostheim

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