Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2301
Schlüsselau (zu Frensdorf, Landkreis Bamberg, Oberfranken)

Kloster Schlüsselau

Das Kloster Schlüsselau war ein Zisterzienserinnenkloster im gleichnamigen Ort in der Diözese Bamberg, das ca. 1260-1280 von Eberhard IV. von Greifenstein-Schlüsselberg (-1283) und seinem Sohn Konrad I. als Hauskloster und geplante Grablege auf ihrem Besitz gegründet wurde. Der ursprüngliche Name des Ortes war Seppendorf; und dieser Ort war in der Mitte des 13. Jh. an die Edelfreien von Schlüsselberg gekommen. Mit der Gründung wurde der Ortsname an den Namen der neuen Ortsherren angepaßt. Die ersten Nonnen, die sich hier ansiedelten, kamen aus dem Zisterzienserinnenkloster Mariaburghausen (Stadt Haßfurt). Anfangs entstammten alle Nonnen dem umliegenden Adel, erst ab dem 14. Jh. findet sich hier auch Nürnberger und Bamberger Patriziat wieder. Der Bamberger Bischof Arnold von Solms bestätigte am 1.8.1290 die Gründung seines Onkels Eberhard und konfirmierte seinen und seiner Nachfolger Schutz und den ungestörten Aufenthalt für die Nonnen und die für sie notwendigen Personen (familia) im Ort mit allen Rechten, Freiheiten und Gewohnheiten des Zisterzienserordens ohne Bevormundung seiner Kirche. Erst 1295 wurde das junge Kloster formell in den Zisterzienserorden aufgenommen. Die erste Äbtissin wurde Eberhards Tochter Gisela von Schlüsselberg (-1308). Erst unterstand Kloster Schlüsselau dem Kloster Ebrach, später dem Zisterzienserklosters Langheim bei Lichtenfels als geistlicher Aufsicht, wobei der jeweilige Abt als Visitator fungierte. Nach Giselas Tod folgte als Äbtissin Elisabeth von Eckersdorf (-1339). Danach übernahm Anna von Schlüsselberg dieses Amt, eine Tochter des letzten männlichen Schlüsselbergers Konrad II. und Enkelin Konrads I.

Diese wurde zur wichtigsten Äbtissin und konnte aufgrund der Abfindungen aus der Erbmasse ihres Vaters bis 1350 die Kirche fertigstellen, die Gottfried von Schlüsselberg (-1308) begonnen hatte, welcher auch das von seinem Onkel begonnene Kloster um 1300 fertigstellte. Das Problem war, daß mit dem Aussterben der Schlüsselberger auch 1347 die Klostervogtei (weltlicher militärischer Schutz) vakant wurde. Gegen andere Interessen erreichte Anna von Schlüsselberg, daß das Kloster unter kaiserlichen Schutz kam: Aus dem Jahr 1356 stammt ein kaiserlicher Schutzbrief, in dem Kaiser Karl IV. ihr die Rechte des Klosters bestätigte, das über eine eigene Hochgerichtsbarkeit verfügte. In diesem Schutzbrief vom 12.1.1356, der am 15.3.1538 noch einmal von Kaiser Karl V. vidimiert und konfirmiert wurde, ging es vor allem um folgende Rechte: Schutz durch das Reich und freie Wahl eines Schutzherrn, Steuerbefreiung, Befreiung vom Vogtrecht (eigentlich von der Vogteipflicht), Befreiung von Einquartierungen, Befreiung von der Ladung zu Gericht, Befreiung von niederer Gerichtsbarkeit, Gewährung der Zollfreiheit auf Nahrungsmittel, Bestätigung des Besitzes und der Urkunden darüber, Freiheit in der Pfründevergabe außer dem Kaiser und dem Reich gegenüber, freie Geschenkeannahme, Bestätigung derselben Privilegien, Rechte und Freiheiten wie die anderen Klöster des Zisterzienserordens.

Während ihrer Amtszeit konnte sie etlichen ehemaligen Familienbesitz für das Kloster retten: Am 25.9.1369 bestätigte Bischof Ludwig von Bamberg die Übergabe von Gütern des verstorbenen Konrad von Schlüsselberg und seiner Frau Leuchardis zu ihrem Anniversar in Wiesendorf, Weppersdorf und eines von Fritz Haut gekauften Hofes des Eberhard Haug zu Adelsdorf an Äbtissin Anna und den Konvent des Klosters Schlüsselau, und am 17.5.1373 übereignete Bischof Ludwig von Bamberg alle ehemaligen Güter des Konrad von Schlüsselberg in Adelsdorf, Weppersdorf, Willersdorf, Wiesendorf, den Zehnt zu Wiesendorf und alles an der Aisch Äbtissin Anna, und ihrem Konvent in Schlüsselau zum Gedenken an Konrad von Schlüsselberg und seine Frau Leukardis. Bischof Lamprecht von Bamberg bestätigte am 4.3.1375 der Äbtissin und dem Kloster die Freiheiten, Rechte und Privilegien seiner Vorgänger. Nach Anna von Schlüsselberg wurde Anna von Zollern Äbtissin, danach Osanna von Streitberg, Kunigunde von Stiebar, Elisabeth von Wiesenthau, Margarethe von Egloffstein, Brigitta Haut, Katharina von Aisch und als vorletzte Äbtissin Ursula von Truppach.

Der Bauernkrieg suchte das Kloster 1525 unter der Führung Georg Schneiders heim; die Gebäude wurden geplündert und zerstört. Beim zweiten Durchzug zündeten die Bauern nach der erneuten Plünderung das Kloster an. Erst 1528 kehrten die in den Schlüsselauer Hof am Kaulberg im sicheren Bamberg geflohenen Nonnen zurück und konnten Konventsgebäude und Kirche reparieren. Nachwuchsmangel, Mangel an Laienkräften und wirtschaftliche Misere ließen das Kloster am Rande des Existenzminimums vegetieren. Daran konnten auch die 1538 durch Kaiser Karl V. gewährten Privilegien nichts mehr ändern. Im Jahr 1553 wurden Kloster und Kirche im Zweiten Markgräflerkrieg von den Truppen des Markgrafen Albrecht Alcibiades von Kulmbach erneut zerstört. Davon sollte es sich nie wieder erholen; die Neubelebung blieb aus.

Das Kloster wurde 1554 im Einvernehmen mit der letzten Äbtissin, Brigitte von Stiebar, durch Fürstbischof Weigand von Redwitz und Papst Julius III. aufgelöst. Sie bekam gemäß Urkunde vom 1.8.1554 eine Leibrente ("Kompetenz") aus der bischöflichen Kammer in Höhe von "300 fl. rh., 100 Sümmer Korn, 150 Sümmer Hafer, 4 Sümmer Weizen, 4 Sümmer Gerste, 4 Sümmer Haidel, 2 Sümmer Hirse, 2 Sümmer Erbsen Bamberger Maß, dann 3 Zentner Karpfen, einen halben Zentner Hechte, einen halben Zentner Goldorfen (Orffen), eineinhalb Fuder Wein vom "alten Herrenberg", eineinhalb Fuder Wein vom Zehntwein, ferner 6 Schock Stroh und 35 Klafter Holz in ihre Wohnung im Schlüsselauer Hof in Bamberg, auch 5 1/2 Tagwerk Wiesengrund, die seit 1370 dem Kloster gehörende Wiese Schlüsselbergerin und die Fron zu Erlach, dazu eine einmalige Abfindung von 400 fl. wegen einer Forderung zu Ellersdorf". Nach ihrem Tod sollte die Kompetenz dem Domstift Bamberg zufallen. Das Epitaph der letzten Äbtissin befindet sich in der Buttenheimer Pfarrkirche. Der Grundbesitz des Klosters fiel an das Hochstift Bamberg, das hier ein Amt einrichtete. Vom alten Kloster haben sich nur ein paar Reste des Kreuzganges erhalten.

In den Jahren 1602/03 erfolgte der Wiederaufbau der Kirche unter Fürstbischof Johann Philipp von Gebsattel (reg. 1599-1609), wobei in Schlüsselau eine neue Pfarrei eingerichtet wurde und die frühere Abteikirche nun Pfarrkirche unter dem Patrozinium der Gottesmutter Maria und der schmerzreichen Dreifaltigkeit wurde. Die Kirche wurde durch den Fürstbischof neu ausgestattet und mit Silbergerät beschenkt. Er gab auch einen neuen Hochaltar in Auftrag, dessen Altarbild einen Gnadenstuhl des Malers Johann Georg Conrad nach einer Vorlage eines Holzschnittes von Albrecht Dürer von 1511 darstellte und womit er die Wallfahrt zur Heiligsten Dreifaltigkeit anstieß. Der Fürstbischof verlieh am 12.11.1602 dem aufgelösten Kloster und Helfgericht Siegel und Wappen, wobei er auf das Wappen der Gründer zurückgriff. Das Konventsgebäude wurde 1603-1608 ebenfalls wiederaufgebaut (sog. Gebsattelbau, Abb. oben insgesamt und unten das Portal), aber als fürstbischöfliches Amtsgebäude und im Stil der Zeit mit Spätrenaissanceportal und Volutengiebeln, um nun als Sitz von Pfarrer und bischöflicher Verwaltung des eingezogenen klösterlichen Grundbesitzes zu dienen. Die Kirche wurde 1730 innen von Martin Walther aus Bamberg barockisiert. Weitere Arbeiten an der Kirche folgen 1753/65. Der jüngste Teil ist die Westfassade, die 1895 ihr heutiges Gesicht bekam. Das heutige Westportal stammt aus dem 18. Jh. Später wurde das Ensemble noch einmal Sitz einer klösterlichen Gemeinschaft, als hier von 1949 bis 1968 aus Holland kommende Beschuhte Karmelitinnen lebten, die aber 1968 nach Erlangen-Büchenbach umzogen.

Der auf das Jahr 1608 datierte Wappenstein über dem Portal verweist auf den Bamberger Fürstbischof Johann Philipp von Gebsattel (regierte 1599-1609). Von den drei gebräuchlichen Kombinationsvarianten wurde hier die mit zwei separaten, einander zugeneigten Schilden gewählt, heraldisch rechts: in Gold ein rotbewehrter und rotgezungter, schwarzer Löwe, überdeckt von einer silbernen Schrägleiste, Hochstift Bamberg, hier aus Courtoisie gewendet, heraldisch links: in Rot Kopf und Hals eines silbernen Steinbocks, manchmal auch mit schwarzen Hörnern, von Gebsattel. In der Mitte über den beiden Schilden ruht die üppig verzierte Kaiserkrone mit zwei daraus herabfallenden, sich einmal überschlagenden und dann zur Seite wegwehenden Bändern. Schrägrechts hinter den Schilden steht das Vortragekreuz, schräglinks der Krummstab, beide sind in der Lücke zwischen beiden Schilden schräggekreuzt. Auf Helme wird verzichtet.

An der von einem Volutengiebel überhöhten, südöstlichen, dreiachsigen Stirnseite des Gebsattelbaus (Abb. unten links) ist in der Mitte zwischen den Fensters des Obergeschosses und denen des Erdgeschosses ein weitaus späteres Wappen angebracht, dessen üppige asymmetrische Rokoko-Formen mit dem Renaissance-Charakter des Gebäudes kontrastieren (Abb. unten rechts). Das Wappen des Bamberger Fürstbischofs Franz Konrad Graf von Stadion und Thannhausen (reg. 1753-1757) ist geteilt und zweimal gespalten, dazu ist ein Herzschild aufgelegt: Feld 1 und 6: in Schwarz 3 (hier 1:2, normalerweise aber 2:1 gestellt) goldene Tannenzapfen, Thannhausen, Feld 2 und 5: in Gold ein rotbewehrter und rotgezungter, schwarzer Löwe, überdeckt von einer silbernen Schrägleiste, Hochstift Bamberg, Feld 3 und 4: in Silber ein rotes Kreuz, Herzschild: in Schwarz drei goldene Wolfsangeln (Wolfsanker) mit der Öse nach unten und übereinander gestellt, Stammwappen der Grafen von Stadion. Auf dem Schild ruhen übereinander ein Fürstenhut und die Kaiserkrone, schrägrechts hinter dem Schild steht das gestürzte Schwert für die weltliche Landesherrschaft, schräglinks der Krummstab, dessen Krümme aber verlorengegangen ist. Auf Helme wird verzichtet.

 

Das einzige nicht geistliche Wappen an den Außenwänden der Klostergebäude ist hoch oben an der südwestlichen Giebelwand der Klosterkirche angebracht (Abb. unten). Es erinnert an die Herren von Schlüsselberg, die in Rot einen schräggestellten, silbernen Schlüssel führten, hier mit vierpaßförmig durchbrochenem Griff und mit einem Bart aus zwei gespiegelten Zinken mit kreuzförmigem Zwischenraum, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken der schräggestellte Schlüssel auf einem goldenen Dreiberg. Die Darstellungen des Wappens der Herren von Schlüsselberg sind variantenreich. In der Kirche befindet sich die Grabplatte des Kirchenstifters, Gottfried von Schlüsselberg, Rest eines ursprünglich auf vier Säulen in der Mitte des Presbyteriums aufgestellten Monumentes und eine der frühesten erhaltenen Grabplatten Frankens: Er führt auf dem prachtvoll skulptierten Relief im Schild den schräggestellten Schlüssel wie hier, aber auf dem Helm den Schlüssel auf einem fünfspitzigen Schirmbrett (Siebmacher Band: BayA1 Seite: 55 Tafel: 54). Alternativ, insbesondere im schwäbischen Raum, steht der Schlüssel senkrecht auf einem Dreiberg, im Schild wie in der Helmzier. In dem in Augsburg 1515-1650 entstandenen Wappenbuch des Nikolaus Bertschi (BSB Cod. icon. 308) wird das Wappen mit einem senkrecht gestellten, silbernen Schlüssel auf goldenem Dreiberg abgebildet, der Bart nach oben und vorne gerichtet, sowohl im Schild als auch in der Helmzier, zu rot-silbernen Decken.

Das hochadelige fränkische Geschlecht der Schlüsselberger, die neben dem Kloster Schlüsselau als Grablege auch die Stadt Schlüsselfeld gründeten, etablierte sich im Mittelalter in der Fränkischen Schweiz mit den Burgen Streitberg und Neideck an der wichtigen Fernstraße von Nürnberg nach Bayreuth und Hof und mit der Burg Schlüsselberg bei Waischenfeld. Weitere Besitzungen hatte die Familie in Adelsdorf, Greußen und Greifenstein. In der Anfangszeit nannte man sich wahlweise nach diesen Orten, doch ab 1219 setzte sich die Benennung nach ihrer wichtigsten Burg Schlüsselberg durch. Zeitweise war es eines der bedeutenderen Adelsgeschlechter in Franken, was auch der Umfang ihres Besitzes im Aischgrund und jeweils im Leinleiter-, Ailsbach-, Ahorn- und Aufseßtal verdeutlicht. Dazu kamen im Regnitztal Burg Senftenberg und im Steigerwald die Thüngfeld und die Stadt Schlüsselfeld. Burg Gößweinstein gehörte ihnen ebenso wie die Reichspfandschaft zu Heroldsberg, und beides sicherte ihr Gebiet gegen die Reichsstadt Nürnberg ab. Die Burgen Stierberg und Betzenstein wahrten die Schlüsselberger Interessen gegenüber den Landgrafen von Leuchtenberg und gegenüber den bayerischen Herzögen. 1278 bekam Gottfried I. von Schlüsselberg noch durch Heirat ehemals Wertheimer Besitz und mit der Henneburg über Stadtprozelten einen weiteren wehrhaften Sitz. Sicherlich war der Besitz vom westlichen Mainfranken bis zur Oberpfalz weit gestreut, aber man hatte seine Ministerialen gut im Griff, die die Besitzungen verwalteten. Der kämpferische Einsatz von Konrad II. von Schlüsselberg für König Ludwig den Bayern (s. u.) hatte ihm bedeutenden materiellen Verlust zugefügt, wofür er als Kompensation vom König die Burg Thurndorf und den Markt Eschenbach verpfändet bekam. Auf dem Höhepunkt seiner Macht besaß der letzte Schlüsselberger drei Städte, siebzehn Burgen und Besitzanteile und Rechte an sieben weiteren Burgen, dazu die Klostervogtei von Schlüsselau und Besitzungen in 72 Orten. Sein Besitz war an 39 Geschlechter zu Lehen vergeben; und 25 niederadlige Familien standen in den Diensten der Schlüsselberger. Mit Schnaid, Senftenberg, Neideck, Waischenfeld, Thurndorf und Eschenbach umfaßte sein Besitz sieben Centen oder Hochgerichtsbezirke.

 

Die Familie wurde zu einem Gegenspieler der Bamberger Fürstbischöfe. Im Jahre 1347 starb die Familie mit Konrad II. von Schlüsselberg, der 1322 von König Ludwig zum Reichssturmfähnrich ernannt und deshalb zeitweise bis 1336 mit der Reichsstadt Markgröningen (damals "Grüningen") belehnt wurde, wo er am Ostufer der Enz die Burg Schlüsselberg erbaute, als letztem Vertreter des Mannesstammes aus. Er war der Enkel des Stifters von Kloster Schlüsselau. Er vereinigte den gesamten schlüsselbergischen Besitz und alle Herrschaftsrechte. Einst war Konrad II. hochangesehen. Er erkämpfte am 9.11.1313 mit Herzog Ludwig von Bayern bei Gammelsdorf einen bedeutenden Sieg über die Österreicher. Der spätere König Ludwig der Bayer belohnte Konrad 1315 mit der Erhebung von Waischenfeld zur Stadt mit Marktbann, ein Dankeschön für dessen Rolle bei den der Königswahl vorausgehenden Wahlabsprachen. Auch Ebermannstadt inmitten schlüsselbergischen Territoriums wurde 1323 zur Stadt erhoben. Konrad trug 1322 in der Schlacht bei Mühldorf seinem in Aachen durch Erzbischof Peter von Mainz gekrönten König das Reichsbanner voran, als dieser den durch Erzbischof Heinrich von Köln in Bonn gleichzeitig gekrönten habsburgischen Gegenkönig Friedrich den Schönen besiegte. Als Ludwig sechs Jahre später in Rom ohne päpstliche Beteiligung zum Kaiser gekrönt wurde, zog Konrad mit ihm in Rom ein. Er trat sogar mehrfach als Zeuge in kaiserlichen Urkunden auf, so nah stand er ihm. Vielleicht stieg ihm das auch ein bißchen zu Kopf, jedenfalls hatte er keine Bedenken, mit jedem seiner Nachbarn Probleme zu bekommen.

Konrad war zusammen mit seinem König als Mitstreiter von Papst Johannes XXII. 1324 im Konflikt zwischen König und Papst exkommuniziert worden. Das Problematische daran war, daß der Papst kirchliche Strafmittel einseitig zur Bekämpfung seiner politischen Gegner verwendete, denn es ging ihm darum, Ludwig den Bayern vom Königtum auszuschließen und eine andere, vermutlich französische Thronkandidatur anzustoßen. Gerade wegen der politischen Brisanz wurde Ludwig dennoch von vielen Mächtigen unterstützt, insbesondere auch von jenen Orden, denen ihrerseits das Armutsideal ein politisches Instrument gegen die Macht des Papsttums war. Konrad von Schlüsselberg war trotz Kirchenbann ein frommer Mann, stiftete Pfarrkirchen wie in Waischenfeld und förderte insgesamt elf Klöster, allen voran natürlich Kloster Schlüsselau, "nostrum ac nostrorum progenitorum plantata", seiner und seiner Vorfahren Stiftung, dazu die Klöster in Heilsbronn, Langheim, Speinshart, Ebrach, Michelsberg, Bronnbach und die drei Bamberger Stifte St. Gangolf, St. Stephan und St. Theodor und dazu noch das Forchheimer Katharinenspital. Daß dies funktionierte und gesellschaftlich auch toleriert wurde, beweist, daß der Bann ein politisch motivierter Mißbrauch von Kirchenstrafen war und von den Zeitgenossen auch so gesehen wurde.

Doch ab 1343 kippte die Lage: Konrad von Schlüsselberg befand sich nicht nur mit dem Bamberger Fürstbischof Friedrich von Hohenlohe in Fehde, sondern auch noch mit dem Fürstbischof von Würzburg (zunächst Otto II. von Wolfskeel, später Albrecht von Hohenberg) und mit dem Burggrafen von Nürnberg, den er einst zu seinen Freunden gezählt hatte. Diese drei hatten sich auch gegen die fränkischen Reichsstädte Nürnberg, Rothenburg und Windsheim verbündet, mit denen wiederum Konrad verbündet war. Konrad hatte sich in eine ausweglose Sackgasse gebracht. Den genannten Gegnern war er als Kaisertreuer politisch zu mächtig und unbequem geworden, vor allem weil die Fürstbischöfe seit 1346 die Wahl des Luxemburger Gegenkönigs Markgraf Karl von Mähren, den Sohn König Johanns von Böhmen, unterstützten, den Konrad natürlich nicht anerkannte (was ihn vielleicht gerade noch gerettet hätte, aber zutiefst gegen seine ritterliche Ehre verstoßen hätte). Das Problem war auch, daß Konrad bekannterweise keinen männlichen Erben hatte; also versuchte jeder seiner Gegner, sich wegen der ungeklärten Zukunft des ausgedehnten Besitzes frühzeitig Ansprüche auf den nach seinem Tod anfallenden und zu verteilenden Kuchen zu sichern. Als Anlaß diente ihnen, daß Konrad bei seiner Burg Streitberg eine neue Zoll- und Geleitstation einrichtete, genau an der wichtigen Fernstraße von Nürnberg nach Bayreuth und Hof, was weder dem Burggrafen noch dem Bamberger Fürstbischof paßte. Daß er sich anschickte, die Mächtigen Frankens zu kontrollieren, war inakzeptabel, einfach größenwahnsinnig und zutiefst unklug, weil er damit seinen Gegnern einen Grund bot, gegen ihn vorzugehen. Der Burggraf von Nürnberg erhoffte sich vor allem eine Arrondierung seines Territoriums durch Lückenschluß zwischen den beiden Herrschaftsbereichen Cadolzburg/Ansbach einerseits und Plassenburg/Kulmbach/Bayreuth andererseits. Der Burggraf von Nürnberg grollte ihm ferner, weil Konrad die Juden in Schutz nahm, die ihm ihrerseits den Ausbau seiner Herrschaft im Frankenjura finanziert hatten - und natürlich die Kredite, die er wiederum dem Kaiser gewährt hatte. Der Kaiser wiederum hatte 1343 alle Schulden der Burggrafen von Nürnberg bei den Juden für gegenstandslos erklärt, um sie dadurch politisch gewinnen, ein glatter Rechtsbruch, dem Konrad nicht zu folgen bereit war, was eine Achterklärung vom kaiserlichen Landgericht Nürnberg nach sich zog.

So saß er zwischen politisch allen Stühlen und wurde zum selbstverschuldeten Opfer der Hausmacht- und Erwerbspolitik seiner fürstlichen Nachbarn. Militärisch besaß Konrad nicht die Macht, sich dennoch gegen diese drei mächtigen Gegner zu behaupten. Auf seiner gut befestigten Burg Neideck in der Fränkischen Schweiz wurde er vom vereinigten Heer seiner Feinde belagert und am 14.9.1347 durch einen Wurf aus einer burggräflichen Blide getötet, ca. 70jährig. Er wurde auch in Schlüsselau beigesetzt, aber als Exkommunizierter außerhalb der Kirche an der Außenmauer bestattet; ein Grabstein ist nicht vorhanden. Gebannt ist gebannt, und auch wenn sein Geld im Kloster hochwillkommen war, durfte er nicht in geweihter Erde und erst recht nicht in einer Kirche beigesetzt werden. Er hatte keinen männlichen Erben, aber mehrere Töchter aus zwei Ehen. Seine Tochter Anna aus erster Ehe war 1339-1379 Äbtissin des Klosters Schlüsselau, eine der wichtigsten und bedeutendsten Personen in diesem Amt. Einer der größten Nutznießer von Konrads Tod war das Hochstift Bamberg, dem ein Großteil des Schlüsselberger Erbes zufiel. Der andere Hauptteil ging an die Burggrafen von Nürnberg; die beiden Parteien hatten den Kuchen am 12.5.1349 im Iphofener Vertrag unter sich aufgeteilt. Konrads Töchter wurden finanziell abgefunden; und das Kloster Schlüsselau erhielt weiteren Grundbesitz. Aus den Mitteln wurde die von Annas Großonkel Gottfried von Schlüsselberg gestiftete Klosterkirche fertiggestellt.

Das Wappen der Schlüsselberger fand Eingang in mehrere fränkische Kommunalwappen in ihrem ehemaligen Herrschaftsbereich:

 

Ein viertes Wappen ist im Bereich des ehemaligen Klosterkomplexes zu finden, allerdings etwas abseits an einem modernen zweigeschossigen Gebäude jenseits der Hauptstraße als Spolie eingemauert. Dieses Wappen (Abb. oben rechts) ist das des Bamberger Fürstbischofs Johann Gottfried I. von Aschhausen (regierte 1609-1622), und zwar aus der Zeit, als er ausschließlich Fürstbischof von Bamberg und noch nicht zusätzlich von Würzburg war. Der Stein stammt also aus der Zeit von 1609 bis 1617. Der Schild ist geviert, Feld 1 und 4: in Gold ein rotbewehrter und rotgezungter, schwarzer Löwe, überdeckt von einer silbernen Schrägleiste, Hochstift Bamberg, Feld 2 und 3: in Rot ein silbernes fünfspeichiges Rad, das eigentliche Stammwappen der von Aschhausen. Der Schild, dessen Schmuckrand oben in eine Schnecke und unten in eine groteske Maske ausläuft, wird von zwei geflügelten Putten als Schildhalter flankiert. Auf dem Schild ruht die Kaiserkrone mit zwei daraus herabfallenden Bändern, schrägrechts hinter dem Schild steht das Vortragekreuz, schräglinks der Krummstab. Auf Helme wird verzichtet.

Abb. oben: Gesamtansicht des Komplexes aus Konventsgebäude und Klosterkirche. Die ersten drei der beschriebenen vier Wappen sind im Bild sukzessive von links nach rechts zu finden, das vierte im Rücken des Photographen auf der anderen Seite der Hauptstraße.

Literatur, Quellen und Links:
Kloster Schlüsselau: http://www.hdbg.eu/kloster/web/index.php/detail?id=KS0370
Geschichte des Klosters Schlüsselau:
http://www.hdbg.eu/kloster/web/index.php/detail/geschichte?id=KS0370
Pfarrkirche Schlüsselau:
http://www.foracheim.de/cms.php?cmspid=163
Renate Baumgärtel: Fürstbischof Johann Philipp von Gebsattel und die Kirche in Schlüsselau, Bamberg 1997
Renate Baumgärtel: Der Wiederaufbau des Klosters Schlüsselau, in: Günther Dippold: Der Vergangenheit auf der Spur, Bamberg 2006
Joachim Hotz: Zisterzienserklöster in Oberfranken Ebrach, Langheim, Sonnefeld, Himmelkron, Schlüsselau, München; Zürich: Schnell & Steiner, 1982, ISBN 3-7954-0842-3
Kloster Schlüsselau:
https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Schlüsselau
Kloster Schlüsselau:
http://franken-wiki.de/index.php/Kloster_Schlüsselau
Erich Schneider: Klöster und Stifte in Mainfranken, Würzburg 1993, S. 168-170
Tilmann Breuer et al. (Bearb.): Dehio. Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern I: Franken, München 1979, S. 750
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Band Bistümer
Herren von Schlüsselberg
https://de.wikipedia.org/wiki/Schlüsselberg_(Adelsgeschlecht)
Urkunden von Schlüsselau:
http://www.gda-old.bayern.de/findmittel/ead/findbuch.php?fb=650&lft=217&rgt=2836&id=212 - http://www.gda-old.bayern.de/findmittel/ead/findbuch.php?fb=650&lft=3269&rgt=5300&id=3264 - http://www.gda-old.bayern.de/findmittel/ead/findbuch.php?fb=650&lft=5351&rgt=5688&id=5346 - http://www.gda-old.bayern.de/findmittel/ead/findbuch.php?fb=650&lft=5731&rgt=6258&id=5726
Eberhard IV. von Schlüsselberg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Eberhard_IV._von_Schlüsselberg
Wappen der Herren von Schlüsselberg im Wappenbuch des Nikolaus Bertschi:
http://codicon.digitale-sammlungen.de//Blatt_bsb00001364,00193.html
Wappen der Gemeinde Altendorf
http://www.hdbg.eu/gemeinden/web/index.php/detail?rschl=9471111
Wappen der Gemeinde Adelsdorf
http://www.hdbg.eu/gemeinden/web/index.php/detail?rschl=9572111
Wappen des Landkreises Forchheim
http://www.hdbg.eu/gemeinden/web/index.php/detail?rschl=9474000
Wappen der Stadt Schlüsselfeld
http://www.hdbg.eu/gemeinden/web/index.php/detail?rschl=9471220
Wappen des Marktes Wiesenttal
http://www.hdbg.eu/gemeinden/web/index.php/detail?rschl=9474176
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Die Wappen der Hochstifte, Bistümer und Diözesanbischöfe im Heiligen Römischen Reich 1648-1803, hrsg. von Erwin Gatz, von Clemens Brodkorb, Reinhard Heydenreuter und Heribert Staufer, Schnell & Steiner Verlag 2007, ISBN 978-3-7954-1637-9
Das Ende der Schlüsselberger: Eugen Schöler, Fränkische Wappen erzählen Geschichte und Geschichten. Verlag Degener 1992, ISBN 3-7686-7012-0, S. 60
Konrad II. von Schlüsselberg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_II._von_Schlüsselberg
Exkommunikation von Konrad II. von Schlüsselberg http://www.infranken.de/regional/artikel_fuer_gemeinden/Die-Exkommunikation-von-Konrad-II-von-Schluesselberg-ist-verfallen;art154303,1097122
Rudolf Endres: von Schlüsselberg, in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 110-111, URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118844113.html
Rudolf Endres, Konrad von Schlüsselberg, in: Fränk. Lb. IV, 1971, S. 27-48
H. H. Hofmann, Territorienbildung in Franken im 14. Jh., in: ZBLG 31, 1968, S. 369-420
Gustav Voit, Die Schlüsselberger, Geschichte eines fränkischen Adelsgeschlechtes, Nürnberg 1988
Paul Oesterreicher: Der Reichsherr Gottfried von Schlüsselberg: Ein geschichtlicher Abriß, mit den Geschlechtstafeln der Reichsherrn von Schlüsselberg und von Weischenfeld, Bamberg 1821:
https://books.google.de/books?id=uediAAAAcAAJ, Stammtafeln teils widerlegt
Konrad von Schlüsselberg:
http://www.schmittroth.de/geschichte/burgen/ofr/neideck/Konrad1.htm
Burg Neideck:
http://tagungshotel-behringers.de/Burgruine-Neideck.1076.0.html?&L=0
Anna von Schlüsselberg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Anna_von_Schlüsselberg
Joachim Hotz: Zisterzienserklöster in Oberfranken. In: Große Kunstführer. Bd. 98, Schnell und Steiner, München, Zürich 1982, ISBN 3-7954-0842-3, S. 81.
Dieter J. Weiss: Das exemte Bistum Bamberg - die Bischofsreihe von 1522 bis 1693, Walter de Gruyter, 2000, 698 S., S. 336 -
https://books.google.de/books?id=L7KXSJFlF2EC

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