Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2299
Markt Einersheim (Landkreis Kitzingen, Unterfranken)

Das Schloß von Markt Einersheim

Vollrath Schenk und Graf von Limpurg (12.6.1641-19.8.1713), vermählt am 1.9.1673 in Speckfeld mit Sophia Eleonora von Limpurg-Gaildorf (29.9.1655-18.5.1722), verließ das Bergschloß Speckfeld und ließ ab 1685 im Zentrum von Markt Einersheim einen neuen Herrschaftssitz errichten (Von-Rechteren-Limpurg-Straße 10). Hauptproblem des Bergschlosses war die Unbequemlichkeit, nicht zuletzt der Wasserversorgung. Ab 1693 wurde das Bergschloß Speckfeld nicht mehr bewohnt und verfiel. Das neue Schloß war eine zweigeschossige Zweiflügelanlage mit einem kürzen, tieferen rückwärtigen Flügel im Norden und einem schmalen, langgestreckten Seitenflügel im Westen, der heute den östlichen Abschluß des Schloßgartens bildet. Rechterhand lagen die Wirtschaftsgebäude. Das Schloß wurde mit einem steinernen Unterbau und einem Obergeschoß in Fachwerkbauweise errichtet.

Nachdem Amalia Alexandrina Friderica Gräfin von Limpurg-Speckfeld (4.1.1689-2.4.1754), die Erbin der Herrschaft Speckfeld und der Schlösser in Markt Einersheim und in Sommerhausen, Joachim Heinrich Adolph Graf von Rechteren (28.12.1687-15.3.1719) geheiratet hatte, bezogen die Grafen von Rechteren, die sich ab 1745 von Rechteren-Limpurg-Speckfeld nannten, hier Quartier. Der Baubestand blieb bis ins 19. Jh. weitgehend unverändert. Erst 1859 wurden unter Friedrich Ludwig Graf zu Rechteren-Limpurg-Speckfeld (9.1.1811-23.4.1909) die vorderen Gebäude teilweise abgebrochen, um einem direkt an der Hauptstraße gelegenen, neugotischen, dreigeschossigen Sandsteinquaderbau mit mehreren Erkern, Fialen und einem Zwerchgiebel Platz zu machen. Eine Tordurchfahrt mit Korbbogen führt in den gepflegten Innenhof mit altem Baumbestand.

Die Grafen von Rechteren wurden 1806 mediatisiert und verloren dadurch ihre unmittelbaren Herrschaftsrechte. Ihre bislang zum fränkischen Reichskreis gehörende Herrschaft Speckfeld, die zu zwei Dritteln den Grafen von Rechteren und zu einem Drittel dem Grafen Pückler gehörte, wurde Bayern unterstellt. Die Grafen von Rechteren zählten aber weiter zum Hochadel und bewahrten sich bis 1918 standesherrliche Sonderrechte. Die Grafen von Rechteren-Limpurg-Speckfeld verkauften 1969 das Anwesen an Nikolaus Knauf, Inhaber der Gipswerke Knauf I südwestlich von Iphofen und Knauf II zwischen Iphofen und Markt Einersheim. Unter dem neuen Eigentümer wurde das Schloß liebevoll restauriert und ausgestattet. Das Schloß ist in Privatbesitz und nicht zu besichtigen.

Über der in den baumbestandenen Innenhof des Schlosses führenden Tordurchfahrt befindet sich ein auf das Jahr 1860 datierter Wappenstein mit einem Allianzwappen aus zwei einander zugeneigten Schilden für Friedrich Ludwig Graf zu Rechteren-Limpurg-Speckfeld (9.1.1811-23.4.1909) und seine Frau, Luitgarde Louise Charlotte Sophie Gräfin zu Erbach-Fürstenau (13.5.1817-10.4.1897). Der heraldisch rechte Schild ist geviert, Feld 1 und 4: in Gold ein durchgehendes rotes Kreuz (Rechteren, Grafen von Rechteren-Almelo), Feld 2 und 3: erneut geviert, Feld a und d: in Rot vier aufsteigende silberne Spitzen, Feld c und d: in Blau 5 (3:2) aufrechte silberne Heerkolben (Schenken von Limpurg). Der Aufbau ist insofern korrekt, als der Wappenträger genealogisch dem Mannesstamm Rechteren entstammt und die Grafschaft Limpurg-Speckfeld erheiratet wurde. Der heraldisch linke Schild ist ebenfalls geviert, Feld 1 und 4: rot-silbern geteilt mit drei (2:1) sechsstrahligen Sternen in verwechselten Farben (Grafen von Erbach), Feld 2 und 3: in Silber zwei rote Balken (Herrschaft Breuberg).

Genealogie zum Wappenstein, unter Hervorhebung der zum Wappen gehörenden Personen:

Für dieses Ehepaar gibt es auch ein Glasfenster mit farbigen Wappendarstellungen in der Pfarrkirche des Ortes (ohne Abb.), allerdings mit ein paar Vereinfachungen, die die heraldische Korrektheit empfindlich beeinträchtigen: Das Feld Rechteren ist stimmig, aber das Feld der Schenken von Limpurg vereinfacht die Quadrierung zu einer Teilung - nie wurde das Wappen von den Schenken geteilt geführt. Beide Kleinode werden zu einem kombiniert, der Hut mit der Feder zwischen zwei Büffelhörnern, wobei die Unterschlagung der Spitzenteilung großzügig durch eine dicke Bleiader verbrämt wird. Die Teilung (eigentlich Spaltung) der Fähnchen ist weiterhin gerade, kein Spitzenschnitt. Das Wappen Erbach wird auf das Stammwappen reduziert.

Literatur, Quellen und Links:
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Sehenswürdigkeiten in Markt Einersheim:
https://de.wikipedia.org/wiki/Markt_Einersheim#Kultur_und_Sehensw.C3.BCrdigkeiten
Sehenswertes in Markt Einersheim:
http://www.markt-einersheim.de/g_sehenswertes.html
Geschichte:
http://www.markt-einersheim.de/g_geschichte.html
Liste der Baudenkmäler:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmäler_in_Markt_Einersheim
Schloß Einersheim:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Einersheim
Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bayern I: Franken, München, Berlin 1999, ISBN 3-422-03051-4
Geschichte von Schloß Einersheim:
http://www.burgen-und-schloesser.net/bayern/schloss-einersheim/geschichte.html
Grafen von Rechteren-Limpurg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Rechteren-Limpurg - https://nl.wikipedia.org/wiki/Van_Rechteren
Schloß Rechteren:
http://www.kasteelonline.nl/rechteren.html
Limpurg-Rechteren:
http://wuerzburgwiki.de/wiki/Limpurg-Rechteren
Markt Einersheim auf den Seiten des Kulturpfades Castell:
http://www.kulturpfad-grafen-castell.de/html/markt_einersheim.html
Neueste Genealogie: Robert Haass: Adel: Böllerschüsse zum doppelten Ja-Wort, Artikel in der Mainpost vom 4.5.2007 -
http://www.mainpost.de/regional/kitzingen/Adel-Boellerschuesse-zum-doppelten-Ja-Wort;art773,3979856
zur Kirchenburg: Festschrift 150 Jahre Historische Burschenschaft Markt Einersheim, 2007, S. 77-80
http://www.burschenschaft-me.de/media/festschrift/festschrift.pdf
Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1
Nikolaus Knauf:
https://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaus_Knauf
Jane A. Baum, Hans-Peter Baum, Jesko Graf zu Dohna (Hrsg.): Die Abenteuer des Grafen Friedrich Reinhard von Rechteren-Limpurg im Mittelmeer und im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg 1770-1782, Mainfränkische Hefte, Heft 115, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. Würzburg, Bezirk Unterfranken, Gemeinde Sommerhausen, 1. Auflage 2016, ISBN 978-3-88778-484-3, 148 S. -
http://www.spurbuch.de/en/product-reader/product/die-abenteuer-des-grafen-friedrich-reinhard-von-rechteren-limpurg-im-mittelmeer-und-im-amerikanischen-unabhaengigkeitskrieg-1770.html

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