Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2295
Külsheim (Main-Tauber-Kreis, Regierungsbezirk Stuttgart)

Külsheimer Brunnen

Külsheim ist eine Brunnenstadt, die insgesamt 18 öffentliche Brunnen unterschiedlichsten Alters ihr Eigen nennt. Die Stadt erwählte einen davon, den bereits im 14. Jh. angelegten, dreischaligen Kapellenbrunnen bei der Katharinenkapelle sogar als heraldisches Wahrzeichen: Unter Bürgermeister Dr. Väth wurde der Dreischalenbrunnen im Jahre 1836 in das Stadtsiegel aufgenommen, und bis heute ist er auf blauem Feld golden mit silbernen Wasserstrahlen im Stadtwappen zu sehen. Zu den älteren Brunnen der Stadt Külsheim gehören neben dem Kapellenbrunnen der Badbrunnen, der Weedbrunnen, der obere Torbrunnen, der Römerbadbrunnen oder das Antoniusbrünnlein, der Edelsbrunnen und der Löchleinsbrunnen. Im 19. Jh. kamen 1881 der Gießbachbrunnen und 1888 der Boxhagelbrunnen hinzu. Im 20. Jh. errichtete man 1982 den Wilhelm-Grimm-Brunnen am Sportgelände, 1992 den Moretbrunnen am Ende der verkehrsberuhigten Hauptstraße, 1995 den Brunnen an der Kreuzung von Rathausstraße und Boxtalstraße sowie den Lindenwirtsbrunnen und 1997 den Spitalbrunnen am Ende des Gießbaches. Der neueste Brunnen aus dem 21. Jh. ist der 2005 errichtete Narrenbrunnen am Kirchberg.

 

Heraldischen Schmuck finden wir am Weedbrunnen (Abb. oben links). Ursprünglich stammte er aus dem späten 15. Jh. und wurde unter dem Kurfürsten Adolf von Nassau ca. 1462-1475 erbaut. Ein kleiner Bachlauf, der erst im Zuge der Stadtsanierung wieder in Form einer Rinne im Pflaster freigelegt wurde, leitete früher das Abwasser des Brunnens in einen kleinen Teich. Das Becken ist rund und mit muschelartigen Rippen versehen. Der runde Schaft besitzt aus rotem Sandstein vier aus Löwenmasken heraustretende Röhren. Darüber folgt ein kunstgeschichtlicher Sprung um 250 Jahre, denn die sandsteinerne Brunnenfigur wurde unter Philipp Karl von Eltz (reg. 1732-1743) aufgesetzt: Auf einem Wappensockel steht der hl. Johannes der Täufer mit einer Fahne an einer doppelt gekreuzten Fahnenstange in der Hand. Der Brunnen steht nicht mehr am ursprünglichen Standort, sondern wurde aus dem Verkehrsweg heraus um einige Meter zurückversetzt.

Das barocke, von zwei geflügelten Putten gehaltene Wappen unterhalb der Brunnenfigur ist das des Mainzer Fürsterzbischofs Philipp Karl von Eltz (reg. 1732-1743). Sein Wappen ist geviert, Feld 1 und 4: in Rot ein silbernes, hier ungewöhnlicherweise siebenspeichiges Rad, Erzstift Mainz, Feld 2 und 3: Stammwappen Eltz, geteilt, oben in Rot ein aus der Teilung wachsender goldener Löwe, unten ledig und silbern. Als Oberwappen findet man stets den Kurhut und Schwert sowie Krummstab (hier fehlrestauriert und wie das Schwert geformt) hinter dem Schild schräggekreuzt.

Der zweite Brunnen mit heraldischem Schmuck ist der Rathausbrunnen (Abb. oben), der, wie der Name bereits sagt, vor dem Rathaus zu finden ist. Mit 163 hl Fassungsvermögen des polygonalen Brunnenbassins handelt es sich um den größten der Külsheimer Brunnen. In der Mitte befindet sich ein steinerner Brunnenstock, aus dem vier Röhren entspringen, die jeweils aus dem Mund einer aus dem roten Sandstein herausgehauenen Fratze hervorkommen. Das Brunnen ist am Brunnenstock auf 1573 datiert. Ein Überlauf leitet Wasser zu einem kleinen, rechteckigen Trog aus dem Jahr 1604. Der Rathausbrunnen kommuniziert mit der der etwa 125 m entfernten Brunnenstube des Löchleinsbrunnen und wird von dort mit Wasser versorgt.

 

Oben auf dem zentralen Brunnenstock hält auf dem abschließenden Kompositkapitell ein Löwe den Wappenschild des zur Bauzeit amtierenden Mainzer Fürsterzbischofs, Daniel Brendel von Homburg (reg. 1555-1582). Sein Schild ist geviert, Feld 1 und 4: in Rot ein silbernes, sechsspeichiges Rad, Erzstift Mainz, Feld 2 und 3: in Gold ein roter Zickzackbalken (Sparrenbalken), Stammwappen der Brendel von Homburg.

 

Unter dem Kapitell befinden sich zwei weitere Wappen: Links ist das alte Külsheimer Stadtwappen zu sehen, welches das Mainzer Rad unter den Initialen S und K zeigt. Unter den beiden Wappen ist der Schriftzug "AL(L)EIN GOT(T) DI(E) E(H)R(E)" zu lesen; darunter befindet sich links ein zeittypisches Steinmetzzeichen. Das zweite Wappen (Vergrößerung oben rechts) ist das des damaligen Amtmannes, unter dessen Leitung der Brunnen entstanden ist, das war Johann Erstenberger. Über dem Schild sind die Initialen IE zu erkennen. Das Wappen ist silbern-rot zweimal gespalten und zweimal schräglinksgeteilt, die drei ganzen silbernen Rauten jeweils mit einem gekrümmten blauen Fisch (Barbe) belegt. Die Helmzier wird hier nicht dargestellt, das wäre gemäß der Beschreibung bei Wolfert, Tafel 26 Seite 225, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken eine golden gekrönte Meerjungfrau mit blauem Schwanz zwischen einem beiderseits wie der Schild bez. Flug. Das Wappen wird auch im Siebmacher Band: NÖ1 Seite: 85 Tafel: 41 beschrieben. Das ursprüngliche Wappen der Familie zeigte über einem Dreiberg drei schräggekreuzte Fische. 1562 erlangte die Familie den Reichsadelsstand, dann 1571 den Reichsritterstand mit dem Prädikat von Erstenberg zum Freyenthurm mit dem hier beschriebenen, geänderten Wappen.

Külsheimer Rathaus

Wenn wir uns vor dem Rathausbrunnen stehend umwenden und den Blick auf das alte Rathaus schweifen lassen, entdecken wir noch mehr Mainzer Räder, mit dem Buchstaben "K" als Stadtwappen für Külsheim adaptiert, dasjenige über der vorderen Fenstergruppe im massiven Unterbau auf das 1522 (Abb. unten) und ein weiteres über einem Torbogen auf das Jahr 1787 (Abb. oben) datiert.

Literatur, Quellen und Links:
Hinweistafel am Marktplatz zu allen Brunnen Külsheims
Die Brunnen von Külsheim:
http://www.kuelsheim.de/index.php?id=126
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben, insbesondere Band Bistümer
Philipp Karl von Eltz:
http://de.wikipedia.org/wiki/Philipp_Karl_von_Eltz-Kempenich
Heinz Duchhardt: Philipp Karl Freiherr von Eltz, in: Neue Deutsche Biographie, Band 20, Duncker & Humblot, Berlin 2001, ISBN 3-428-00201-6, S. 381 f., online:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118742213.html
Daniel Brendel von Homburg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Daniel_Brendel_von_Homburg
Anton Ph. Brück: Daniel Brendel von Homburg, in: Neue Deutsche Biographie, Bd. 3, Duncker & Humblot, Berlin 1957, ISBN 3-428-00184-2, S. 507 f.
http://www.deutsche-biographie.de/pnd101059434.html - http://daten.digitale-sammlungen.de/0001/bsb00016319/images/index.html?seite=521
Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983
Altes Rathaus:
http://www.kuelsheim.de/index.php?id=130

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