Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2292
Sooß (Gemeinde Hürm, Bezirk Melk, Niederösterreich)

Schloß Sooß

Schloß Sooß liegt im Ortsteil Sooß der niederösterreichischen Gemeinde Hürm, ca. 6 km südöstlich von Melk. Ortsbeherrschend ist das Schloß, das sich in einen älteren und einen neueren Teil gliedert. Der ältere Teil ist eine ca. 60 m lange und bis zu 20 m breite Burganlage; sie liegt im Westen (im Photo rechts außerhalb des Bildausschnittes neben den Bäumen) und besteht aus einer ca. 8 m hohen Ruine eines einst mindestens viergeschossigen Bergfriedes, Resten einer 1,5 m dicken Ringmauer und einem abgesetzten Wohnturm, dem sog. Stöckl, der sein heutiges Aussehen im 16. und 17. Jh. erhielt. Der neuere Teil, das sog. Neue Schloß, erstreckt sich mit etlichen Anbauten breit in West-Ost-Richtung mit einem weitläufigen Park zu Füßen der dreistöckigen Gebäude mit vorgelagerter Terrasse und Freitreppe.

Die schloßartigen Gebäude, die in Erkenntnis der militärischen Bedeutungslosigkeit der Burganlage nach und nach an der Stelle einstiger Wirtschaftsbauten (Meierhof) unter Aufgabe der Burggebäude entstanden, beherbergen heute eine landwirtschaftliche Fachschule. Vom einstigen Renaissancebau aus dem 16. Jh. ist nach etlichen Umbauten nichts mehr zu erkennen, weil die Umbauten des ausgehenden 19. und des frühen 20. Jh. im historisierenden "Burgenstil" zu tiefgreifend waren und nur wenig alte Bausubstanz übrigließen. Der Stöckl und das Neue Schloß sind seit 1901 durch einen Schwibbogen miteinander verbunden.

Zunächst gehörte die Burg den Herren von Sooß, in ältester Schreibweise wird ab 1147 ein Hermann de Sazze erwähnt, dann Ende des 12. Jh. eine Gisela von Sooß. Die Herren von Sooß waren Gefolgsleute der Grafen von Schalla-Burghausen aus der Familie der Sighardinger und seit Anfang des 13. Jh. der Grafen von Plain, den Erben der Erstgenannten. Nachdem die Herren von Sooß 1369 ausgestorben und die Herrschaft Sooß landesfürstlich geworden war, wurde sie immer wieder neu verpfändet. Die Pfandnehmer wechselten ständig. So reihen sich die Namen der von Capellen, von Stubenberg, Grafen von Schaunberg, Grafen von Cilli, Schirmer, Rädler von Sichtenberg, Prätzl von Radeck, Reickher, von Neidegg, von Rindsmaul, von Hauer, von Mesuil, von Kaiserstein, Wurm und Zeller aneinander. Wenig ist durch die nachfolgenden radikalen Umbauten an Spuren dieser Familien geblieben. Unter Georg Graf Hoyos, der Schloß Sooß im ausgehenden 19. Jh. kaufte, wurde das heruntergekommene Anwesen völlig im Stil der Zeit umgebaut und renoviert und mit einer neuen Innenausstattung und einer Kunstsammlung versehen. Zum abfallenden Garten hin entstanden Arkaden, Altane und die große Terrasse. Doch das mit neuem Gesicht wiederauferstandene Schloß Sooß blieb nur 40 Jahre lang in dieser Familie, weil es 1938 unter Zwang an das Deutsche Reich verkauft wurde. Erst war das Anwesen eine Reichsforschungsanstalt und eine Samenzuchtanlage, dann, als sich das Kriegsglück umkehrte, Lazarett. 1945 requirierte die sowjetische Armee das Anwesen als ehemaliges deutsches Eigentum. Die niederösterreichische Landesbauernkammer pachtete 1946 die Gebäude zwecks Einrichtung einer landwirtschaftlichen Schule für Mädchen. 1955 kam Schloß Sooß an die Republik Österreich, und 1971 erwarb das Land Niederösterreich das Anwesen, nachdem es bereits 1961 die Führung der Mädchenfachschule übernommen hatte. Notwendige Umbauten für den Schulbetrieb veränderten die Gebäude weiter.

Es lassen sich nur wenige heraldische Spuren finden. Ein Allianzwappen ist über dem Osteingang neben dem hohen, quadratischen Turm zu finden: Das im Siebmacher Band: Un Seite: 250 Tafel: 192 sowie in Band: OÖ Seite: 136-137 Tafel: 40 beschriebene Wappen der ursprünglich aus Kastilien stammenden Freiherren von Hoyos heraldisch rechts ist geviert mit Herzschild, Feld 1 und 4: in Rot ein mit einem pfahlweise gestellten, goldenen Anker über silbernen Wellen belegter, blauer Pfahl, beiderseits in den roten Plätzen von einer abwärts hängenden, silbernen (oder auch goldenen) Kette begleitet, Feld 2 und 3: in Rot zwei schreitende silberne Löwen übereinander, Herzschild: innerhalb eines Hermelinbordes in Blau je ein aus dem rechten Obereck und dem linken Untereck wachsender goldener Drachenkopf, beide einen silbernen Schrägbalken mit dem Rachen haltend (Stammwappen Hoyos). Dieser Herzschild ist vom Motiv her ein typisches Konzept der spanischen Heraldik. Das seit 1555 geführte, vermehrte Wappen wird mit zwei gekrönten Helmen geführt, Helm 1 (rechts): auf dem Helm mit blau-silbernen Decken ein wachsender grüner Drache (Stammkleinod), Helm 2 (links): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein wachsender silberner Löwe. Die Devise lautet: Mea sorte content. Die ältere Linie der Grafen Hoyos, die 1628 reichsgräflich wurde, erlosch im Jahre 1718. Leopold Karl Graf Hoyos (1651-25.8.1699) aus der jüngeren Linie, ein direkter Vorfahr des Wappeneigners, wurde am 23.9.1674 Reichsgraf und österreichischer Graf.

Hier steht das Wappen für Georg Anton Maria Graf von Hoyos Freiherr zu Stichsenstein (21.1.1842-15.8.1904), Sohn von Ludwig Anton Graf Hoyos Freiherr zu Stichsenstein (19.9.1804-11.1.1858) und Camilla Gräfin Erdöd (Monyorókeréki és monoszlói Gróf Erdõdy Camilla, 1807-30.11.1896). Seine vier Urgroßeltern waren Johann Ernst Maximilian Franz de Paula Graf Hoyos (8.8.1766-14.1.1849), Maria Anna Juliane von Kuefstein (20.5.1775-2.2.1836), Sigmund Graf Erdöd (Monyorókeréki és monoszlói Gróf Erdõdy Zsigmond, 9.2.1775-27.10.1813) und Tolnai Festetics Maria (1.2.1774-20.1.1837). Georg Anton Maria Graf von Hoyos wurde in Zombor, Ungarn, geboren, und er verstarb in Beckett, England.

Hinter dem Sitz Stichsenstein verbirg sich die in heutiger Schreibweise Stixenstein genannte mittelalterliche Höhenburg über dem Sierningtal bei Ternitz in Niederösterreich. Hans von Hoyos kam 1547 durch Auslösung einer Pfandschaft in Besitz der Burg und der zugehörigen, ein riesiges Waldgebiet umfassenden Herrschaft, die er 1548 schließlich käuflich als Eigentum erwerben konnte, und renovierte 1549 die verwahrloste Anlage im Renaissancestil. Praktischerweise verlief unterhalb der Burg ein Talboden, der gesperrt und geflutet werden konnte. Ludwig Gomez Hoyos kam so auf die Idee, jedes hierdurch transportierte Faß Wein mit Abgaben zu "belegen", eine Wegelagerei, die der Kaiser 1585 abstellte. Die Burg wurde 1735 und 1802 durch Brände schwerst beschädigt und erst in den 20er Jahren des 19. Jh. teilweise wiederaufgebaut, hauptsächlich im Bereich der Vorburg. Seit 1937 gehört die Burg der Gemeinde Wien.

Mit dem anderen Wappen springen wir von der spanischen zur britischen Heraldik: Wir sehen das Wappen der Familie Whitehead, in Blau ein goldener, mit drei roten, golden bebutzten und grün bespitzten Rosen belegter Balken zwischen drei (2:1) silbernen Lilien, auf dem blau-golden bewulsteten Helm mit blau-goldenen Decken ein sitzender goldener Wolf, auf der Schulter belegt mit einer Scheibe, auf der eine silberne Lilie liegt. Die Devise lautet: "In spe vivo" - ich lebe in der Hoffnung. Englischer Blason: Azure, on a fesse or between three fleurs-de-lys per fesse argent and of the second, as many roses gules, barbed and seeded proper. Mantling azure and or. Crest: upon a wreath of the colours, a wolf sejant or, charged on the shoulder with a hurt, thereon a fleur-de-lys as in the arms.

Hier steht das Wappen für Alice Whitehead (31.3.1851-18.1.1936), die Ehefrau von Georg Anton Maria Graf von Hoyos. Die Ehe wurde 1869 geschlossen. Sie war die Tochter von Robert Whitehead (3.1.1823-14.11.1905) und Frances Maria Johnston (23.9.1821-9.4.1883). Alice wurde in Triest geboren und verstarb in Wien. Ihr Vater stammte aus Bolton, bis 1974 Lancashire, heute Greater Manchester zugehörig. Er war der Sohn eines Baumwoll-Bleichers. Robert Whitehead hat sich einen Namen als Ingenieur und Konstrukteur gemacht: Er begann nach dem Besuch des Manchester Mechanics Institute erst auf einer französischen Werft in Toulon, dann konstruierte er in Mailand Textilmaschinen. 1848 zog er nach Triest und konstruierte Maschinen für den Österreichischen Lloyd. Doch seinen wirtschaftlichen Durchbruch hatte er, nachdem er 1856 die Leitung einer Metallgießerei in Fiume (damals Ungarn, heute Rijeka in Kroatien) übernahm, wo er Dampfantriebe für Schiffe baute (Stabilimento Tecnico di Fiume). Außerdem baute er Lokomotiven. Da er seine Schiffsantriebe auch an die österreichisch-ungarische Marine verkaufte, kam er auch mit anderen militärischen Projekten in Berührung: Die Entwicklung des Torpedos mit eigenem Antrieb und eigener Steuerung gemeinsam mit dem Ingenieur Giovanni Luppis ab 1860 wurde seit der Präsentation des Prototyps 1866 zum Verkaufsschlager und zur Erfolgswaffe in beiden folgenden Weltkriegen. Roberts Tochter lernte ihren zukünftigen Ehemann in der Werft kennen, denn damals war Fregattenkapitän Georg Anton Maria Graf von Hoyos Befehlshaber des Kanonenbootes "Gemse", das in der väterlichen Werft auf Torpedos umgerüstet wurde und vor Ort etliche Experimente mit den neuen Konstruktionen durchführte.

Mehrere eigene Fabriken folgten, u. a. 1875 die Whitehead-Torpedo-Fabrik in Fiume. Eigentlich war das die 1873 bankrott gegangene Stabilimento Tecnico di Fiume, die er übernommen hatte und in seine private Fabrik umwandelte, aber später zu einer Aktiengesellschaft machte. Er eröffnete auch eine weitere Torpedo-Fabrik in Portland Harbour in Großbritannien. Die Whitehead-Werft in Fiume übernahm in den späten 1890er Jahren sein Schwiegersohn, Georg Anton Maria Graf von Hoyos, und führte sie unter dem neuen Namen Silurifico Whitehead. Die Konstruktion vor Ort leitete Roberts ältester Sohn, John Whitehead (-1902), als Werftdirektor. Dessen Tochter Agathe vermählte sich 1911 mit dem bekannten U-Boot-Kapitän Georg Ludwig von Trapp, der mit den Torpedos seines Schwiegergroßvaters im Ersten Weltkrieg nicht sparte. Seit 1910 wurden in der Whitehead-Werft auch U-Boote gebaut. Nach dem Tod von John leitete Graf Hoyos persönlich die Werft, allerdings blieben ihm nur zwei Jahre, bis auch er aus dem Leben schied. 1907 sollte die Firma an die Vickers Ltd. and Armstrong-Whitworth & Co. kommen, so daß die Fabrik bis zum Ersten Weltkrieg in britischer Hand blieb. 1914 wurde der Betrieb verstaatlicht. Im Zweiten Weltkrieg waren die Whitehead-Torpedos zwar bereits technisch veraltet, doch immerhin erledigten am 9.4.1940 zwei dieser aus der Kaholmen-Torpedobatterie abgeschossenen Uralt-Torpedos den 1939 in Dienst gestellten Schweren Kreuzer "Blücher" im Oslofjord.

 

Georg Anton Maria Graf von Hoyos und Alice Whitehead hatten sieben Kinder:

Literatur, Quellen und Links:
Schloß Sooß: http://www.burgen-austria.com/archive.php?id=602 - http://www.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/251 - http://www.wehrbauten.at/noe/niederoesterreich.html?/noe/sooss/sooss.html - http://austria-forum.org/af/Wissenssammlungen/Burgen_und_Schlösser/Niederösterreich/Sooß
Georg Clam-Martinic: Österreichisches Burgenlexikon, Linz, 1992, S. 192
Marina Kaltenegger, Thomas Kühtreiber, Gerhard Reichhalter, Patrick Schicht, Herwig Weigl: Burgen Mostviertel, hrsg. von Falko Daim, Wien, 2007, S. 132 ff.
Gerhard Floßmann: Der Bezirk Melk - Herzstück Niederösterreichs, Band II einer Bezirkskunde, Melk, 1994, S. 70 ff.
Rudolf Büttner: Burgen und Schlösser zwischen Araburg und Gresten, Niederösterreichs Burgen und Schlösser II/3, Birken-Reihe, Wien, 1975, S. 77 ff.
Landwirtschaftliche Fachschule Sooß, Fachrichtung Ländliches Betriebs- u. Haushaltsmanagement:
http://www.lfs-sooss.ac.at/de/schule__schueler/schloss_sooss/
Dehio Niederösterreich, Dehio-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs. Niederösterreich, neubearb. von Richard Kurt Donin, 3. Auflage, Wien 1953, Seite 130f
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Genealogie:
http://geneagraphie.com/getperson.php?personID=I370624&tree=1 - http://geneagraphie.com/getperson.php?personID=I370625&tree=1 - http://geneagraphie.com/getperson.php?personID=I595777&tree=1
Familie Whitehead:
https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Whitehead_(Ingenieur) - https://de.wikipedia.org/wiki/Whitehead-Werft - http://www.geni.com/people/Alice-Whitehead/6000000006282476437
Grafen Hoyos:
https://de.wikipedia.org/wiki/Hoyos_(Adelsgeschlecht) - https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Hoyos - http://www.geni.com/people/Georg-Anton-Graf-von-Hoyos/6000000006282595241 - http://geneall.net/de/name/1788526/edgar-viktor-john-robert-anton-georg-graf-hoyos-freiherr-zu-stichsenstein/ - http://geneall.net/de/name/258117/georg-anton-maria-graf-hoyos/ - https://de.wikisource.org/wiki/BLKÖ:Hoyos,_die_Grafen,_Genealogie - http://www.literature.at/viewer.alo?objid=11812&page=358&scale=3.33&viewmode=fullscreen
Burg Stixenstein:
https://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Stixenstein - http://www.burgen-austria.com/archive.php?id=486
Arthur Charles Fox-Davies: Armorial families: a directory of gentlemen of coat-armour (Volume 2), Verlag: T.C. & E.C. Jack, Edinburgh,
http://www.ebooksread.com/authors-eng/arthur-charles-fox-davies/armorial-families--a-directory-of-gentlemen-of-coat-armour-volume-2-dxo.shtml, S. 255 http://www.ebooksread.com/authors-eng/arthur-charles-fox-davies/armorial-families--a-directory-of-gentlemen-of-coat-armour-volume-2-dxo/page-255-armorial-families--a-directory-of-gentlemen-of-coat-armour-volume-2-dxo.shtml
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9

Ortsregister - Namensregister - Regional-Index
Zurück zur Übersicht Heraldik

Home

© Copyright / Urheberrecht an Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2015
Impressum
Bestandteil von
www.dr-bernhard-peter.de und www.heraldik-leitfaden.de