Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2291
Ybbs an der Donau (Bezirk Melk, Niederösterreich)

Grabplatten an der Pfarrkirche St. Lorenz

An St. Lorenz in Ybbs an der Donau, einer spätgotischen, anstelle des alten Burggebäudes unter dem Wiener Dombaumeister Laurenz Spenning erbauten, 1512 unter der Führung des landesfürstlichen Pflegers Hanns Geyer vollendeten und nach dem Stadtbrand von 1716 ab 1721 mit barocker Einrichtung ausgestatteten Stadtpfarrkirche, sind außen zwei hervorragend gearbeitete Grabplatten aus rotem Marmor eingelassen.

 

Die erste Platte für Melchior Geyer von Osterburg zu Kröllendorf in Niederösterreich ist zweigeteilt und besitzt oben ein Inschriften- und unten ein Wappenfeld. Die Inschrift lautet: "HI(ER) LI(E)GT BEGRAB(EN) DER ED(E)L UND VESTE MELCHIOR GEIR VO(N) OSTERBURG ZV KHROLLENDORF DER GESTORBEN IST IM 15...... DEM GOT(T) GN(A)EDIG SEIN WOLLE AVCH MARGARETA SEIN(E) EHELICHE HAVSFRAW EIN(E) GEPOR(E)NE PFEILIN VON HASELBACH DIE GESTORBEN IST DEN 17. JULIUM 1558 IA(H)R DER GOT(T) GENA(E)DIG SEIN WOLLE".

 

Das Wappen der Geyer von Osterburg, einer Linie der Geyer von Geyersberg (Geyersperg), ist geviert: Feld 1 und 4: in Gold ein schwarzer, rotbewehrter, hier linksgewendeter Geier (Stammwappen), Feld 2 und 3: in Blau auf einem roten Dreiberg ein goldener, sechszackiger Stern (Fuchs von Kandelberg). Dazu werden zwei Helme geführt: Helm 1 (rechts): auf dem gekrönten Helm mit schwarz-goldenen Decken auf einem Herzogshut ein schwarzer, rotbewehrter Geier (Stammkleinod), Helm 2 (links): auf dem blau-golden bewulsteten Helm mit blau-goldenen Decken auf einem roten Dreiberg ein goldener, sechszackiger Stern zwischen zwei blau-golden übereck geteilten Büffelhörnern (Fuchs von Kandelberg). Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Bad Seite: 51 Tafel: 31 und im Band: OÖ Seite: 64 Tafel: 27.

Die Familie stammte eigentlich aus Franken, wo die Stammburg Geyersberg bei Coburg zu finden ist. Von da breitete sich die Familie nach Sachsen und nach Österreich aus. Die Vereinigung des Stammwappens mit dem der Fuchs von Kandelberg beruht auf der 1502 geschlossenen Ehe zwischen Hanns Geyer von Geyersberg (-8.9.1525) und Walburga Fuchs von Kandelberg, seiner zweiten Ehefrau, die er nach der Ehe mit Anna Polhauser geheiratet hatte. Besagter Hanns Geyer war es, der aus Franken nach Österreich kam, erst 1483 als Regensburger Hauptmann und Pfleger zu Pöchlarn in Erscheinung trat, dann in kaiserliche Dienste trat, Mauteinnehmer zu Ybbs wurde, es schließlich zum kaiserlichen Rat, Rentmeister, Hofbaumeister und Schatzmeister brachte. 1504 kaufte er das Gut Hart in Niederösterreich, kurz darauf Haindorf. 1508 erschien er unter der Ritterschaft auf dem Landtag zu Krems. Er bekam 1510 von Kaiser Maximilian I. die Pflege und Herrschaft Karlsbach samt Freyenstein auf Lebenszeit. Am 29.12.1514 kaufte er von Johann I. Graf von Hardegg die Herrschaft und Burg Osterberg (Osterburg). 1515 erwarb er das Gut Hernals bei Wien. Von Kaiser Maximilian wurde er mit diesen Besitzungen belehnt unter der Maßgabe, daß er seine noch außer Landes befindlichen Verwandten zu sich holen und in Österreich ansiedeln solle. Die Söhne dieses Hanns Geyer von Geyersberg zu Osterburg wurden gemeinsam mit ihren Vettern am 16.1.1531 von Kaiser Ferdinand I. mit Osterberg, Haindorf und Hernals belehnt. Am 5.5.1536 wurde in einem entsprechenden Diplom die Vereinigung der Wappen Geyer und Fuchs von Kandelberg im vermehrten Schild wie oben beschrieben genehmigt.

Das in der Inschrift erwähnte Kröllendorf verweist jedoch nicht auf die Linie des Hanns Geyer, sondern auf die seines Bruders Balthasar Geyer von Geyersberg, dem seine erste Gemahlin, Barbara Schirmer, Kröllendorf in die Ehe einbrachte. Balthasar heiratete noch ein zweites Mal, diesmal Helena von Hohenfeld. Beide Ehen blieben kinderlos. Balthasar vermachte seine Güter an seine Neffen, den Kindern seiner Brüder Eucharius Geyer, vermählt mit Magdalena Radlbrunner, und Melchior Geyer, lt. Siebmacher vermählt mit Margaretha von Wallenfels (Waldenfels). Diese Neffen und Erben von Kröllendorf waren Nicasius, Adam und Balthasar Geyer.

 

Das Wappen der altbayerischen Pfeil von Haselbach für Melchiors Ehefrau Margaretha Pfeil von Haselbach ist heraldisch links zu sehen. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: BayA1 Seite: 23 Tafel: 19, und im Band: BayA3 Seite: 6 Tafel: 4. Der Schild zeigt in Gold einen schwarzen Löwen mit Doppelschwanz und mit einem bärtigen Manneskopf, der mit einer roten Kappe bedeckt ist, deren beide Enden je eine goldene Schnur tragen, die unter dem Kinn verknotet ist und deren lang herabhängende Enden je eine goldene Quaste tragen. Auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken wird als Kleinod das Schildbild wachsend geführt. Die Familie ist am 16.5.1620 mit Christoph (Kristof) Johann Pfeil von Haselbach (Haslbach, Haslpach) erloschen; sein Grabstein ist in Kelheim. Margaretha Pfeil von Haselbach wird weder bei Wißgrill noch im Siebmacher erwähnt.

 

Die zweite Platte außen an der Pfarrkirche ist für Hanns Wagner, den obersten Fischmeister ob und unter der Enns. Sie trägt im oberen Teil die Inschrift: "HIE(R) LI(E)GT BEGRABEN DER RÖ(MISCH) KAY(SERLICHEN) M(AJESTÄ)T OBERSTER VISCHMAISTER UND SALZWARTER DER NI(E)DER O(E)STERR(E)ICHISCHEN LANDE HANNS WAGNER UND ELISABET(H) UND MARGRET PAYD(E) SEIN(E) EHELICH(EN) HAUSFRAWEN GOT(T) HELF(E) IHNEN UND ALLEN GLÄUBIGEN SE(E)LLEN AMEN. 1519". Hanns Wagner wurde 1502 vom Kaiser zu seinem Fischmeister in Österreich unter der Enns bestellt, allerdings mit Ausnahme der Stadt Krems, wo der bisherige Fischmeister bleiben sollte, außerdem wurde er zum kaiserlichen Salzgeber in Ybbs aufgenommen. Dafür bekam er ein Pferd, einen Gehilfen und einem Jahressold von 130 Rheinischen Gulden. Im Jahre 1503 wurden ihm vom Kaiser zusammen mit dem kaiserlichen Baumeister Hanns Geyer 200 Rheinische Gulden ausgezahlt, wovon sie ein neues Mauthaus zu Ybbs bauen sollten.

 

Das insbesondere im Bereich der Helmdecken hervorragend gearbeitete Wappen Wagner ist ein redendes, denn es zeigt im Schild über einem Dreiberg das obere Viertel eines Wagenrades, ein Felgenstück mit drei Speichen und entsprechendem Nabenstück, auf dem gekrönten Helm auf einem Dreiberg das untere Viertel eines Wagenrades, ein Felgenstück mit drei Speichen und entsprechendem Nabenstück, zwischen zwei S-förmig gekrümmten, gestürzten Fischen.

 

Die Inschrift erwähnt die beiden Ehefrauen des Hanns Wagner, Elisabeth und Margret, allerdings ohne ihre Geburtsnamen. Ihre beiden Schilde befinden sich in den beiden oberen Zwickeln des Wappenfeldes der Grabplatte, jeweils nach innen geneigt. Mangels Familiennamen und Kleinoden bleibt nur die Beschreibung: Das heraldisch rechte Wappen für die erste Ehefrau zeigt drei Sparren, begleitet von drei (2:1) Rosen. Das heraldisch linke Wappen für die zweite Ehefrau zeigt im Schild einen Doppelspringer. Namen, Tinkturen, Kleinode sind unbekannt - Hinweise willkommen.

 

Literatur, Quellen und Links:
Sehenswürdigkeiten in Ybbs: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_denkmalgeschützten_Objekte_in_Ybbs_an_der_Donau - https://de.wikipedia.org/wiki/Ybbs_an_der_Donau#Kultur_und_Sehensw.C3.BCrdigkeiten
Genealogie der Geyer von Geyersberg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Stammliste_der_Geyer_von_Geyersperg
Genealogie der Geyer von Geyersberg zu Osterburg: Franz Karl Wißgrill: Schauplatz des landsässigen niederösterreichischen Adels vom Herren- und Ritterstande, 3. Band, 1797, online:
https://books.google.de/books?id=e-hkAAAAcAAJ S. S. 291
Geyer von Geyersberg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Geyer_von_Geyersperg
Hans Geyer von Geyersberg zu Osterburg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Geyer_von_Osterburg
Osterburg auf Burgen-Austria:
http://www.burgen-austria.com/archive.php?id=1392
RI XIV,4,2 n. 19775a, in: Regesta Imperii Online, URL:
http://www.regesta-imperii.de/id/1502-06-01_3_0_14_4_1_242_19775a - http://www.regesta-imperii.de/regesten/14-4-2-maximilian/nr/1502-06-01_3_0_14_4_1_242_19775a.html
Berichte und Mitteilungen des Altertumsvereines zu Wien, hrsg. vom Verein für Geschichte der Stadt Wien, 1876
https://archive.org/details/berichteundmitt11wiengoog, S. 126 ff
RI XIV,4,1 n. 17481, in: Regesta Imperii Online, URL:
http://www.regesta-imperii.de/id/1503-08-11_3_0_14_4_0_1752_17481 - http://www.regesta-imperii.de/en/regesten/14-4-1-maximilian/nr/1503-08-11_3_0_14_4_0_1752_17481.html
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