Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2290
Scheibbs (Bezirk Scheibbs, Niederösterreich)

Das Rathaus von Scheibbs

Am Nordrand des langrechteckigen Rathausplatzes bildet das Scheibbser Rathaus den Platzabschluß, so wie der Baukörper der Pfarrkirche am südlichen Ende als Pendant. Die Verwaltung von Scheibbs unterstand früher dem jeweiligen Marktrichter, der die Aufgaben eines Bürgermeisters wahrnahm und dem acht Geschworene in der Funktion von Räten zur Seite standen. Bürgermeister und Geschworene bildeten den Inneren Rat; vier Genannte bildeten den Äußeren Rat. Nur wer ein Haus in der Stadt sein Eigen nannte und ein Gewerbe ausübte, kam als Ratsbürger in Frage. Zur Bestellung des jeweiligen Marktrichters mußte der Prior der Kartause Gaming seine Zustimmung geben. Die Kartause Gaming wurde 1330 von Albrecht II. von Habsburg, Herzog von Österreich und der Steiermark, und von seinem Bruder Otto gestiftet. 1338 wurde der Markt Scheibbs von Herzog Albrecht II. der Kartause geschenkt und war fortan Verwaltungszentrum und wirtschaftlicher Mittelpunkt der Klosterherrschaft von Gaming. Der Markt Scheibbs wurde Sitz der Richterämter Gaming, Lunz, Jeßnitz, Puchberg, Struden und Heuberg, und der Klosteramtmann richtete hier nicht nur über die Bewohner von Scheibbs selbst, sondern über alle Untertanen der mit dem Hauptamt Scheibbs zusammengelegten anderen Ämter auch. 1352 bekam der Markt Scheibbs Stadtrechte; die Grundherrschaft lag aber weiterhin bei Gaming. Das Patronatsrecht über Scheibbs lag 1327-1437 bei der Kartause Mauerbach und kam danach ebenfalls an Gaming. Die Ratsgeschäfte fanden im Haus des jeweiligen Marktrichters statt. Erst 1538 kauften die Bürger von Scheibbs dieses Rathaus, in das man fortan die Ratsgeschäfte verlegte. 1591 wurde es weiter ausgebaut; dabei wurden der Hof gepflastert und das Dach teilweise mit Dachziegeln gedeckt. 1849 wurde das Rathaus umgebaut und erhielt seine heutige Gestalt. Erst 1850 wurden Bürgermeister als Leiter der Stadt eingesetzt, dem Jahr, in dem Scheibbs Bezirkshauptstadt wurde. 1906 wurde das Rathaus weiter ausgebaut. Seit 2011 befindet sich das Scheibbser Stadtarchiv im Erdgeschoß des Rathauses.

Im Obergeschoß ist zwischen den beiden mittleren Fenstern eine Darstellung des Stadtwappens von Scheibbs aus bemalten Fliesen eingelassen. Es zeigt in schwarz-silbern gespaltenem Schild drei (2:1) Wurfscheiben (redendes Wappen!) in verwechselten Farben, auf dem schwarz-silbern bewulsteten Helm mit schwarz-silbernen Decken ein wachsender, nackter wilder Mann mit blauer Leibbinde mit abflatternden Enden, in der ausgestreckten Rechten eine silberne Wurfscheibe haltend, die Linke eingestemmt.

Dieses Wappen wurde der Stadt am 2.9.1537 von König Ferdinand I. als Anerkennung für ihren Widerstand gegen die türkischen Heere verliehen. Bereits 1527 hatte eine kleine türkische Kriegergruppe die Kartause Gaming belagert, konnte sie aber nicht einnehmen. 1528 kamen dann größere türkische Kriegergruppen, die Scheibbs und die Kartause Gaming angriffen, und auch in den nachfolgenden Jahren kam es in der Region immer wieder zu Kämpfen gegen die Türken. Ernster wurde die Gefahr eineinhalb Jahrhunderte später, als 1683 zweihundert türkische Krieger vor den Mauern von Scheibbs standen, deren Tortürme und Ringmauern aber zum Glück 1664 ausgebessert und verstärkt worden waren, so daß sie die Stadt nicht erstürmen konnten.

 

Im originalen Wappenbrief wird freilich eine altertümliche Formulierung gewählt: "Ein Schild, der Länge nach geteilt, die hintere Hälfte weiß oder silberfarbig, die vordere Hälfte schwarz. Im ganzen Schild drei runde Scheiben, im Driangel gestellt." Die Wiedergabe am Rathaus ist mit dem roten Hintergrund und den vier Putten am unteren Rand eine Darstellung, die in all diesen Details sehr nah an der Abbildung im Wappenbrief ist. Das Wappen wird im Siebmacher Band: St Seite: 171 Tafel: 200 beschrieben. Am Rathaus hängt auch die Stadtflagge, die den Wappenschild auf ein weiß-schwarz längsgestreiftes Tuch legt, so daß auch hier das Prinzip der verwechselten Farben durchgängig für maximalen Kontrast sorgt.

Literatur, Quellen und Links:
Scheibbs: https://de.wikipedia.org/wiki/Scheibbs
Gemeinde Scheibbs:
http://www.scheibbs.gv.at/stadtgemeinde/
Chronik der Gemeinde Scheibbs:
http://www.scheibbs.gv.at/stadtgemeinde/chronik/
Stadtarchiv Scheibbs:
http://www.stadtarchiv-scheibbs.findbuch.net/php/main.php?ar_id=3752
Wappen von Scheibbs:
https://de.wikipedia.org/wiki/Scheibbs#Wappen
Urkunde zum Wappen:
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/29/Sb_wappen.jpg
Wappenbrief:
http://www.stadtarchiv-scheibbs.findbuch.net/php/main.php?ar_id=3752#30312d55726bx1 - http://www.stadtarchiv-scheibbs.findbuch.net/php/view.php?ar_id=3752&be_id=44&ve_id=26322&count=
Informationstafel am Rathaus
Wappen Scheibbs:
http://www.ngw.nl/heraldrywiki/index.php?title=Scheibbs

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