Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2280
Pfarrkirchen bei Bad Hall (Bezirk Steyr-Land, Oberösterreich)

Schloß Mühlgrub

Schloß Mühlgrub (4540 Bad Hall, Mühlgruber Straße 42) ist eine ca. 2 km südlich von Bad Hall auf einer Anhöhe oberhalb des Sulzbaches gelegene, rechteckige, zweigeschossige Anlage, deren vier Flügel einen schmalen und langen Hof umschließen. Es ist auch als Grueb im Traunviertel bekannt. Es besitzt zwei Türme, einen vorgekröpften, runden Eckturm mit einem Kegeldach an der Ostecke und einen viereckigen Turm mit einem Pyramidendach in der Mitte der südwestlichen Schmalseite, in den Innenhof eingerückt. Der Haupteingang, ein schönes Quaderportal, liegt in der nordöstlichen Schmalseite. Dahinter liegt eine Torhalle, durch die man in den gepflasterten, leicht nach hinten ansteigenden Innenhof gelangt, an dessen Ende der vorerwähnte Turm dominiert.

Das Schloß ist in Privatbesitz, aber aufgrund seiner gewerblichen Nutzung für den Interessierten zugänglich, weil der heutige Besitzer, Walter Striegl, und Brigitte Moser hier seit 2001 eine Verkaufsausstellung für Garten- und Wohnaccessoires im Landhausstil betreiben, die ehemalige Firma "Country Home Style", die heutige "Schloß Mühlgrub Betriebsges. m. b. H." Außerdem sind zwei Gastronomiebetriebe hier untergebracht, zum einen seit 2006 das von Josef und Regina Nadolph betriebene Restaurant "Castello", zum anderen seit 2007 das von Walter Striegl betriebene Eventlokal "Red Rooster" im renovierten Gewölbekeller.

Schloß Mühlgrub hieß anfangs nur Grub und war ein klösterlicher Freihof. 1299 wird es erstmals in einem Urbar erwähnt; damals war es ein Besitz des Stifts Kremsmünster, das ihn der Familie von Asperg zu Lehen gegeben hatte. Der letzte der Familie auf Mühlgrub war Wolfgang von Asperg. Ihm gehörte aber nur die Hälfte; die andere Hälfte besaß sein Verwandter Hans Pucher. Erst als durch die Ehe zwischen des Erstgenannten Erbtochter Barbara von Asperg mit Hans Mühlwanger der Ansitz 1415 an diese Familie kam, bzw. die eine Hälfte, denn die andere Hälfte wurde hinzugekauft, wurde er in Mühl-Grub umbenannt. Hans Mühlwanger baute den Ansitz völlig im Stile der Renaissance um. Danach folgten viele verschiedene Besitzer: 1529 wurde das Anwesen von einem anderen Hans Mühlwanger an den Kaufmann Hans Greimatschmied verkauft, 1544 an Hieronymus Prändl von Weissenbach, 1550 an den kaiserlichen Rat und Salzamtmann in Gmunden, Hans Wuecherer, der auch einen Steinbruch und eine Ziegelei betrieb. Dieser war es, der den alten Ansitz nach 1596, nachdem aufständische Bauern, die das Anwesen besetzt hatten, abgezogen waren, zum Schloß erweiterte und im Stile der Zeit umbaute. Das damals entstandene Schloß besaß erheblich mehr Türme als heute und wirkte erheblich wehrhafter. Am Hauptgebäude waren es vier Ecktürme und zwei weitere Türme jeweils in der Mitte der Längsseite, dazu der Innenhofturm. Hinzu kamen die gänzlich verschwundenen Türme der äußeren Befestigungen. Die sieben Türme des Hauptgebäudes und die acht Türme der Umfassungsmauer, davon einer ein Torturm, sind auf einem Stich von Georg Matthäus Vischer aus dem Jahr 1674 zu sehen. Nebengebäude umgaben einst ringförmig das Schloß; diese sind alle verschwunden, das letzte, der Pferdestall, erst in der Mitte des 20. Jh.

Im Jahre 1601 wurde Schloß Mühlgrub erneut verkauft, diesmal von Georg Wuecherer an Christoph Strutz von Haiding und Etzlsdorf, Eisenobmann und Landschreiber im Land ob der Enns. Bereits 1602 ging Mühlgrub an den Steyrer Bürger Achatz Fenzl und seinen Bruder Hans Fenzl. Diese kauften etwa auch um diese Zeit die Herrschaft Feyregg. Achaz übernahm Feyregg, Hans Mühlgrub. Hans hatte nur einen Sohn, Georg Achaz Fenzl, der unvermählt blieb und kurz nach seinem Vater starb. Dessen Schwester Elisabeth Fenzl heiratete Wolfgang Jakob von Katzianer und erhielt 1633 das Schloß als Heiratsgut. Als Eleonora Isabella Katzianer heiratete, verkaufte 1658 Siegmund Ferdinand von Katzianer Schloß und Herrschaft an deren Ehemann, Hans (Johann) Veit von Gera, der aber noch im selben Jahr das Zeitliche segnete. Im Jahr 1659 erwarb das Stift Schlierbach unter Führung des Abtes Balthasar Rauch (amtierte 1645-1660) von dessen Erben am 4.9. das Schloß und die Herrschaft Mühlgrub.

Das Kloster hatte zur Zeit seiner Gründung noch keinen Grundbesitz in der Welser Gegend. Erst um 1400 kamen einzelne Höfe an das Kloster. Größerer Zuwachs erfolgte erst nach seiner zweiten Gründung 1620 in der Mitte des 17. Jh. Neben der Herrschaft Mühlgrub mit mehreren zugehörigen Höfen in Vitzing (Gunskirchen) und Bergerndorf (Thalheim) kam am 1.1.1660 noch die Herrschaft Hochhaus-Messenbach mit Besitz in Kößlwang hinzu. Schlierbach erwarb Hochhaus und Messenbach in Vorchdorf mit beiden Schlössern von Preisgott Graf von Kuefstein. All diese Zukäufe waren Teil der Politik des Abtes Balthasar Rauch, die wirtschaftliche Grundlage des Klosters zu expandieren, Besitz und Untertanen zu sammeln und damit zukünftige Einkünfte sicherzustellen, die letztendlich dem Neubau des Klosters zugute kommen sollten. Seit 1706 bestand eine Brauerei in den Wirtschaftsgebäuden des Schlosses Mühlgrub, die vom Kloster verpachtet wurde.

Das aus Holz geschnitzte und farbig angestrichene Wappen über dem Quaderportal gehört jedoch zu einem späteren Abt, zum Schlierbacher Abt Konstantin Frischauf (das Wappen wird in den Sekundärquellen oft falsch zugewiesen). Er wurde am 15.4.1724 geboren; sein Geburtsname war Georg Frischauf. Sein Vater war der Mühlenbesitzer Wolfgang Frischauf. Georg, nun Konstantin, legte am 11.11.1744 im Stift Schlierbach die Profeß ab. Danach studierte er Theologie in Graz, im Stift Rein und in Wien. 1749 hatte er seine Primiz. Im Stift übernahm er die Ämter des Novizenmeisters, des Subpriors und des Priors, zuletzt die eines Kooperators in Wartberg und ab 1771 die des Pfarrers in Wartberg. Konstantin wurde als 9. Abt am 5.11.1772 unter Leitung des Abtes von Rein, Gerhard Schobinger, gewählt und am 15.11.1772 durch den Generalvikar Rainer Kollmann im Stift Zwettl zum Abt geweiht und infuliert.

Konstantin Frischauf leitete das Stift als Abt bis 1803 und war eine umstrittene und problematische Gestalt. Unter ihm kam es zu einem wirtschaftlichen und personellen Niedergang des Klosters, aber es überlebte. Schuld daran war der Josephinismus, die Zeit, in der Kaiser Joseph II., welcher der Aufklärung nahestand, die staatliche Organisation über die bisherige Eigenständigkeit kirchlicher Institutionen stellte. In dem Maße, wie die Souveränität des Staates in den Vordergrund gestellt wurde, konnten nur solche kirchliche Institutionen überleben, deren Tätigkeiten nützlich für das Staatswesen waren. Die meisten Klöster wurden aufgehoben, nur wenige konnten überleben, wenn sie sich in der Seelsorge in den erheblich vermehrten Pfarreien engagierten. Diesen Weg wählten Schlierbach und sein Abt. Das Kloster war nicht länger dem Bistum Passau unterstellt, sondern der neuen Diözese Linz, und es hatte sich um vier neue Pfarren zusätzlich zu kümmern, die schon unter Maria Theresia als neue Seelsorgestationen entstanden. Joseph II. schuf nun konsequent ein durchorganisiertes Pfarrei-Netz und verlangte eine pastorale Ausrichtung der verbleibenden Klöster. Das war teuer, weil das Kloster auch für die nötigen Neubauten aufkommen mußte.

Abt Konstantin Frischauf war beileibe kein guter Wirtschafter, er hatte im Bereich wirtschaftlicher Führung des Klosters eklatante Mängel, er betraute ungeeignete Mitarbeiter mit Aufgaben, denen sie nicht gewachsen waren, und er unterstützte mit Klostermitteln großzügig bedürftige Verwandte. Er begann seine Amtszeit mit einem soliden Reinvermögen von 49664 fl., eine durch und durch solide finanzielle Basis des Stifts. Das Ergebnis war jedoch, daß Schlierbach kräftig in die roten Zahlen rutschte und Notverkäufe getätigt werden mußten. Personalschwund machte ihm zu schaffen: Während seiner Amtszeit halbierte sich der Personalstand. Zwischen 1780 und 1795 konnte nicht eine einzige Neuaufnahme eines Novizen verzeichnet werden. 1782 wurden zeitliche Gelübde verboten. Das klösterliche Leben kam zum Erliegen; das Chorgebet fand nicht mehr statt. Konstantin Frischauf war eigentlich mehr Administrator als Abt, und er unterzeichnete auch mit beiden Begriffen. Dieser Blutleere seiner Amtszeit entspricht auch das Fehlen von Inful und Krummstab im Wappen. Oben in der Mitte ist lediglich ein lockiger Engelskopf zu sehen; unten schmückt eine groteske Maske den vielfach zu Voluten ausgezogenen Rahmen.

Pikant war die Mitarbeit des Abtes in der geistlichen Filialkommission in Linz zur Aufhebung der Klöster. Er wurde am 7.11.1782 durch kaiserlichen Entschluß Mitglied in dieser Kommission und hatte so die undankbare Aufgabe bekommen, gemeinsam mit dem Klosteraufhebungskommissär Valentin Eybel den josephinischen Klostersturm mitzutragen und über die Aufhebung von Klöstern zu entscheiden. Diese Mitgliedschaft in der Kommission war die ideale Position, um sich zwischen alle Stühle zu setzen. Er rettete quasi sein eigenes Kloster auf Kosten anderer, obwohl er selbst sogar die Aufhebung angeboten hatte, und dennoch verfiel das Stift Schlierbach während seiner Amtszeit in Siechtum. Beinahe wäre das Stift Schlierbach 1801 eine Militärkaserne geworden, nachdem 1799 bereits 250 Soldaten einquartiert worden waren. Glücklicherweise konnte dieser Plan in letzter Minute verhindert werden. Erst 1802 war Schluß mit den Aufhebungen: Kaiser Franz hatte verfügt, daß kein weiteres Stift oder Kloster mehr aufgehoben werden dürfe. Da war Abt Konstantin schon ein alter, kranker Mann, der am 30.7.1803 verstarb. Aber er hat wenigstens noch das Ende der Aufhebungsorgie erlebt, was ihm als gewisse Genugtuung wirklich gegönnt sei.

Das Wappen von Abt Konstantin Frischauf ist geviert mit Herzschild, Feld 1 und 4: aus einer liegenden Mondsichel wachsend eine Madonna mit Kind als Himmelskönigin mit Krone und Zepter, für das als "Aula Beatae Mariae Virginis" gegründete Kloster Schlierbach, Feld 2: eine auf einer Felsenspitze stehende Gemse, Feld 3: ein Springbrunnen mit Fontäne, Herzschild: ein gleichschenkliges Kreuz, mit dem Majuskelbuchstaben "S" verschränkt, hier alle Enden dreilappig, für das Stift Schlierbach. Die Authentizität der Farbgebung wäre noch zu verifizieren. Im Stift Schlierbach sind Vergleichswappen auf mehreren Gemälden der Kunstsammlung zu finden, so auf einer Stiftsansicht aus dem Jahr 1774 von Leopold Müller und auf einer Federzeichnung aus dem Jahr 1776 von Andreas Imler, beide mit Idealansichten des Stifts.

Die klösterliche Herrschaft auf Schloß Mühlgrub endete in der Mitte des 19. Jh. Das Schloß Mühlgrub wurde vom Stift wieder an bürgerliche Eigentümer veräußert, nämlich an Gottlieb und Anna Pepöck, die den Brauereibetrieb hier aufnahmen und schließlich die Immobilie erwarben. Um 1870 wurden die Wehrmauern und alle Türme bis auf drei abgetragen (der Rundturm an der Nordecke bekam im Zweiten Weltkrieg einen Bombentreffer, so daß nach Verzicht auf einen Wiederaufbau nur noch zwei Türme übrigblieben). Im Jahr 1891 kam Mühlgrub an Hans und Maria Haager. Diese kamen aus Schwanenstadt und waren zuvor schon im Brauereiwesen tätig. Hans Haager wandelte den vorindustriellen Betrieb in eine moderne Dampfbrauerei um und mechanisierte die Bierproduktion. 1921 kam der Besitz an den aus Niederbayern stammenden Wilhelm Fein und seine Ehefrau Maria, geborene Haager, 1954 an deren Kinder Hubert und Marianne Fein, die die Brauerei bis 1986 betrieben. Hubert Fein und Anna Fein verkauften das Anwesen 2000 an den heutigen Eigentümer, Walter Striegl.

Liste der Äbte und Administratoren von Schlierbach (unter Hervorhebung des hier mit Wappen vertretenen Abtes):

Literatur, Quellen und Links:
Burgen-Austria: http://www.burgen-austria.com/archive.php?id=690
Schloß Mühlgrub:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Mühlgrub
Geschichte des Schlosses:
http://www.schloss-muehlgrub.at/chronik.php
Katharina Ulbrich: Bauernhöfe, Mühlen, Sölden, Häuser in Pfarrkirchen, 2008
Brauerei Mühlgrub:
http://www.forumhall.at/2013/04/brauerei-muhlgrub-geschichte-erinnerungsstucke-zeitzeugen-2/
Schloß Mühlgrub:
http://www.pfarrkirchen-badhall.at/system/web/zusatzseite.aspx?detailonr=218034599&menuonr=218577832
Schloß Mühlgrub:
http://burgenkunde.at/oberoesterreich/muehlgrub/muehlgrub.htm
Walter Aspernig: Der Besitz des Klosters Schlierbach in und um Wels, in: 20. Jahrbuch des Museal-Vereines Wels 1975/76, S. 118 ff., S. 129-132 - online:
www.ooegeschichte.at/uploads/tx_iafbibliografiedb/JbMusVer_Wels_1975_20_0118-0132.pdf
Stift Schlierbach: http://www.stift-schlierbach.at/
Stift Schlierbach:
http://kulturgueter.kath-orden.at/zisterzienserstift-schlierbach
Stift Schlierbach:
https://de.wikipedia.org/wiki/Stift_Schlierbach
P. Ludwig Keplinger: Zisterzienserstift Schlierbach, christliche Kunststätten Österreichs, Nr. 313, Verlag St. Peter, Salzburg, 3. Auflage 2009
Florian Franz Zeller: Geschichte des Stiftes Schlierbach, Schlierbach 1920
P. Ludwig Keplinger: Die Zisterzienser in Österreich, hrsg. von der Österreichischen Zisterzienserkongregation, Salzburg 2004
P. Ludwig Keplinger (Hrsg.): 650 Jahre Stift Schlierbach, Schlierbach 2005
Alois Egger: Die Abtei Schlierbach in Oberösterreich, in: Sebastian Brunner: Ein Cisterzienserbuch. Geschichte und Beschreibung der bestehenden und Anführung der aufgehobenen Cisterzienserstifte in Österreich-Ungarn, Deutschland und der Schweiz, Würzburg, Woerl 1881, S. 414-420. Online:
https://archive.org/stream/Ein_Cisterzienserbuch_Geschichte_und_Bes#page/n451/mode/2up
Hannes Etzlstorfer: Die Kunstsammlungen des Stiftes Schlierbach - Allgemeiner Überblick, in: P. Ludwig Keplinger (Hrsg.): 650 Jahre Stift Schlierbach, Schlierbach 2005 - online:
http://www.cistopedia.org/fileadmin/user_upload/abbeys/S/Schlierbach/650_Jahre_Stift_Schlierbach_-_Etzlstorfer_-_Kunstsammlungen_-_Allgemeiner_ueberblick.pdf und www.cistopedia.org/fileadmin/user_upload/abbeys/S/Schlierbach/650_Jahre_Stift_Schlierbach_-_Etzlstorfer_-_Kunstsammlungen_-_Beschreibender_Katalog.pdf
Friedrich Höller: Die Abtei Schlierbach zur Zeit des Abtes Konstantin Frischauf (1772-1803), in: 44. Jahresbericht des Stiftsgymnasiums Schlierbach 1980/81
Übersicht über die Literatur zu Schlierbach:
http://www.cistopedia.org/index.php?id=2792
Georg Clam Martinic: Burgen und Schlösser in Österreich, Edition Zeitgeschichte, Landesverlag im Veritas Verlag, Linz 1991, Topsa-Verlag, Wien 1998, ISBN 3-85001-679-1, S. 241
Oskar Hille: Burgen und Schlösser von Oberösterreich, Ennsthaler Verlag, Steyr, 1992, ISBN 3-85068-323-0, S. 114.

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