Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2276
Stein an der Donau (zu Krems, Niederösterreich)

Epitaphien an der St.-Nikolaus-Kirche in Krems-Stein

Die katholische Pfarrkirche St. Nikolaus besitzt etliche in die Außenmauern eingelassene Epitaphien mit Wappendarstellungen, von denen einige nachfolgend vorgestellt werden. Bei dieser nachfolgend abgebildeten, hervorragend gearbeiteten Grabplatte fehlt eine namentliche Zuordnung. Im unteren Bereich der Platte befindet sich lediglich die Inschrift mit der allgemeinen Einsicht der Sterblichkeit des Menschen: "MORS NEMINI PARCIT HODIE MICHI (= MIHI) CRAS TIBI VADO MORI SICVT AD HEBREOS NONO CAPI ET QVEMADMODVM STATVTVM EST HOMINIBVS SEMEL MORI ZC". Entsprechend ist die Platte auch mit vielen Symbolen der Vergänglichkeit versehen; oben sind zwei Totenschädel in den Zwickeln, unten links ist eine Sanduhr zu sehen, und der Putto unten rechts sitzt sogar auf einem Schädel.

 

Das Wappen als solches läßt sich als das vermehrte Wappen der Familie Tege(r)nbeck oder Dege(r)nbeck identifizieren. Deren Wappen wird im Siebmacher Band: BayA3 Seite: 107 Tafel: 70 behandelt. Das Stammwappen war golden-schwarz geteilt mit zwei schräggekreuzten, gestürzten Schwertern über einem goldenen Dreiberg, auf dem gekrönten Helm mit schwarz-goldenen Decken ein wachsender Mannesrumpf mit langem schwarzem Haar und gestutztem Bart in golden-schwarz gespaltenem Gewand mit Knöpfen in verwechselten Farben, auf dem Kopf eine schwarz-golden gewundene Binde mit abflatternden Enden.

Die Familie stammt aus dem bayerischen Vilsbiburg. Im Jahr 1487 wird dort ein Georg Tegernbeck genannt, Kämmerer und Bürger, 1551 ein Caspar Degernbeckh, und 1571 ein Hans Degernbeckh, der ein Leprosen- und Siechenhaus stiftete. 1593 taucht ein Hanns Degernbeckh als Besitzer eines Hauses in Landshut auf. Das Stammwappen taucht in der Klosterkirche von Raitenhaslach auf. Die Familie stellte mit Johannes Tegernbeck (-1493) einen Abt des Klosters St. Emmeram in Regensburg, dessen Grabplatte auch mit seinem Wappen geschmückt ist.

Hier sehen wir dagegen das vermehrte Wappen, das seit 1544 geführt wurde, d. h. seit Johann Tege(r)nbeck von Kaiser Karl V. mit Diplom vom 15.11.1544 zu Brüssel den Reichsadelsstand mit Wappenbesserung und Blauwachsfreiheit verliehen bekam. Es ist geviert, Feld 1 und 4: blau-golden geteilt mit einem rotbewehrten und ebenso gezungten Löwen in verwechselten Farben, Feld 2 und 3: golden-schwarz geteilt mit zwei schräggekreuzten, gestürzten Schwertern über einem goldenen Dreiberg, auf dem gekrönten Helm mit rechts blau-goldenen und links schwarz-goldenen Decken ein wachsender, goldener, rotgezungter und ebenso bewehrter Löwe, der in der erhobenen rechten Vorderpranke eine Pfauenfeder hält, zwischen einem Flug, der beiderseits golden-schwarz geteilt und mit den schräggekreuzten, gestürzten Schwertern über dem goldenen Dreiberg belegt ist. Der Dreiberg auf den Flügeln wird im Siebmacher nicht abgebildet, ist hier auf der Platte aber klar zu erkennen.

 

Die nächste hier vorgestellte Platte (Abb. oben und unten) trägt die Inschrift: "Under dißem Stein Ruehet Neben Ihrem Anderten (= zweiten) Eheherrn Froschmayr Die Woll Edle Frau Sabina Polixena Widlin geborne Arthouerin von Schützenberg zum Freyen Scheibenhoff so alhier zu Stain den Achten Januarii An(n)o 1678 im 48sten Jahr Ihres Alters gestorben deren und allen C(h)ristgläubigen Seelen Gott die Ewige auferste(h)ung genediglich verleichen wolle Amen". Sabina Polyxena Arthofer hatte also zweimal geheiratet und verstarb am 8.1.1678.

Das Wappen ist das der Familie Arthofer; es wird im Siebmacher Band: NÖ1 Seite: 13 Tafel: 8 erläutert. Das einfache Wappen von 1554 ist gespalten, rechts in Blau ein goldener, rotbewehrter Greif, links in Silber drei oben jeweils dreimal gezinnte Sparren, auf dem blau-golden-rot-golden bewulsteten Helm mit rechts blau-goldenen und links rot-goldenen Decken ein wachsender, goldener, rotbewehrter Greif. Im Jahre 1554 bekamen die Brüder Leonhard und Johann Baptist Arthofer von Kaiser Ferdinand I. den Adelsstand und dieses erste Wappen verliehen.

Das vermehrte Wappen von 1601, das wir hier auf der Platte sehen, ist durch ein rotes, tatzenendiges Fadenkreuz (vgl. im Siebmacher ein einfaches Balkenkreuz erheblicher Dicke) geviert, Feld 1 und 4: in Gold ein schwarzer Schrägbalken, Feld 2: in Silber drei oben jeweils dreimal gezinnte Sparren, Feld 3: in Blau ein goldener, rotbewehrter Greif, auf dem gekrönten Helm mit rechts blau-goldenen und links rot-goldenen Decken ein wachsender, goldener, rotbewehrter und golden gekrönter Greif. Der in der Inschrift genannte Edelsitz der niederösterreichischen Familie war der Scheibenhof oberhalb Krems und Stein. Der Scheibenhof wurde 1672 in ein Fideikommiß umgewandelt. Dieses Wappen erhielt Johann Ehrenreich Arthofer, Sohn des vorgenannten Leonhard Arthofer, der 1601 in den Ritterstand erhoben wurde. Von ihm stammen die Söhne Johann Elisäus, Georg Christian und Hans Paul ab. Die nicht immatrikulierte Familie erlosch vermutlich mit dem Kanoniker des Stifts Thierstein, Honorius Arthofer.

 

Diese Platte (Abb. oben) ist für den am 13.7.1549 verstorbenen Gabriel Lamprechtshauser, Brückenmaut-Einnehmer in Stein. Die Inschrift lautet: "HIE(R) LI(E)GT BEGRABEN DER EDL(E VND) VEST(E) GABRIEL LAMPRECHTZHAVSER WEILENT RÖ KHY MT (der römisch-kaiserlichen Majestät) CZ PRVCKHMAVTNER ALHIE ZV STAIN DER GESTORBEN IST DEN XIII IVLII IM MDXLVIIII DEM GOT(T) GNAD(E)". Der Wappenschild zeigt ein auf einem Boden (Grund) hockendes Eichhörnchen mit einer Nuß in den Vorderpfoten. Das Wappen wird im Steirischen Wappenschlüssel S. 230 erwähnt, aber ohne Tinkturangaben, dafür mit der Angabe des Auftauchens des Wappens in den Jahren 1464 und 1472.

 

Diese Platte (Abb. oben) ist für den 1477 verstorbenen Martin von Trennbach. Die Inschrift im oberen Bereich lautet: "Anno d(omi)ni M cccc und im lxxvii Iar an .... Nach Bartholomei starb der Edel und veste Merten von Trenbach dem got(t) genadig sei". Bei dieser Familie handelt es sich um niederbayerischen Uradel aus dem Stammhause Obertrennbach bei Eggenfelden, der zu Trennbach, Burgfeld (Burckfeld, Burgfried) und Schwent (Schwendt) ansässig war. Sie teilte sich in viele Linien, die nach ihrem Besitz wie folgt untergliedert sind: Es gab einen älteren und einen jüngeren Hauptstamm. Der jüngere Hauptstamm teilte sich in die Hauptäste Massing und Kürnstein. Der Hauptast Massing teilte sich in die Linien Massing und Altenbeuern; letztere teilte sich in die Stämme Altenbeuern, mit den Ästen Altenbeuern und Dornberg, und Massing. Der Hauptast Kürnstein teilte sich in die Linien Kürnstein und Mailing; letztere untergliederte sich in etliche weitere Äste und Speziallinien, darunter die Linien Mailing, Sallach, Altenbeuern, Waldberg, Burgfried, St. Martin, Weinern, Neuburg am Inn, Neubau, Helsperg, Wolfsegg und Waldberg.

Das Wappen der von Trennbach wird beschrieben im Siebmacher Band: NÖ2 Seite: 399 Tafel: 188, Band: BayA1 Seite: 187 Tafel: 190. Weiterhin wird es im Wappenbuch des churbayrischen Adels, Band 1 - Bayerische Staatsbibliothek, BSB Cgm 1508, auf Bild 57 abgebildet. Es ist geviert, Feld 1 und 4: in Silber ein roter Drachenkopf (Drachenrumpf), im schnabelartigen Rachen einen schrägrechts gestellten goldenen Stab haltend, Feld 2 und 3: schwarz-golden geteilt, oben drei goldene Rauten balkenweise (Intobler). Auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein roter Drachenkopf (Drachenrumpf), im Schnabel einen goldenen Stab, der zu beiden Seiten rechtwinklig nach oben abknickt und an gekrönten Enden je einen Pfauenstoß trägt. Hier auf der Platte ist nur ein einziger Helm dargestellt. Das Wappen wird aber auch mit einem zweiten Helm geführt, auf dem linken Helm mit golden-schwarzen Decken ein wachsender Mannesrumpf in goldenem Gewand, auf dem bärtigen Kopf ein goldener Hut, dessen schwarzer Stulp mit drei goldenen Rauten belegt ist, oben gekrönt und mit einer schwarzen und einer goldenen Straußenfeder besteckt. Das Wappen wurde später nach dem Erlöschen der Familie von den von Tattenbach übernommen, die ihr eigenes Wappen als Herzschild auflegten.

 

Das zentrale Wappen der Platte wird von vier kleinen Schildchen in den vier Ecken begleitet. Markant ist heraldisch oben links der Schild der Schwentner (Abb. oben links, bez. "Schwentt", Siebmacher Band: BayA1 Seite: 180 Tafel: 184) mit dem verschobenen Pfahl, der silbern in rotem Feld geführt wird. Heraldisch unten links ist das Wappen der von Ebs (von Eps, Abb. oben rechts), in Silber ein roter Sparren (Siebmacher Band: BayA1 Seite: 35 Tafel: 31, Scheiblersches Wappenbuch Folio 371). Dieser Schild ist in seinem unteren Bereich stark beschädigt.

 

Die Eltern waren gemäß der Trennbach-Chronik im Niederösterreichischen Landesarchiv Ortolff von Trennbach und Amalie von Ramseiden; die Großeltern waren der gleichnamige Ortolff von Trennbach und Madlen von Schwentner (Schwentt) väterlicherseits und Martin ("Marthan") von Ramseiden und Anna von Ebs (Ebbs) mütterlicherseits. Heraldisch rechts unten befindet sich der Wappenschild der von Ramseiden ("Ramseyd...", Abb. oben rechts), in Rot ein silberner Drachenkopf (Siebmacher Band: Salz Seite: 53 Tafel: 22). Die Urgroßmutter väterlicherseits war Elsbeth Pergerin; sie führte in rot-schwarz geteiltem Schild einen sechszackigen, mit zwei Spitzen auf der Teilung gelegten, goldenen Stern (Siebmacher Band: BayA3 Seite: 1 Tafel: 1). Das Wappen heraldisch oben rechts (Abb. oben links) zeigt aber weder das großväterliche Trennbach-Wappen noch das vorgenannte, sondern einen aufspringenden Steinbock der von Poxau ("Pochssau", in Blau ein silberner, golden behufter aufspringender Bock, Siebmacher Band: BayA1 Seite: 105 Tafel: 104), Hinweise zum Bezug zum Probanden willkommen. Mit jeweils einer von Poxau waren nach der Trennbach-Chronik Heinrich von Trennbach und Ortlieb von Trennbach verheiratet, die nicht Großeltern des Probanden waren.

 

Die nächste Platte (Abb. oben) trägt die Inschrift: "In Gott Ruehet alhier Der Khayserlichen aniezo Ihrer Churfürstlichen Dürchleücht in Bayrn Pfandschafftweis Innhabenten Wasser Mautt Stain Beschawers Jacoben Lachawizers Anderte (= zweite) Ehefrauw Jüstina gebohrnne Dollerin welche den 25. Julii Anno 1654 Selig verschieden Gott wolle derselben und unß allen genedig vnd Barmherzig sein Amen". Das von Justina Lachawitz, geb. Doller hier geführte Wappen ist nicht in den Standardsammlungen enthalten. Es ist geviert mit Herzschild, Feld 1 und 4: einwärts ein gekrönter, doppelschwänziger Löwe, der in seiner erhobenen Vorderpranke pfahlweise einen Pfeil hält, Feld 2 und 3: ein Schräglinksbalken, Herzschild: eine Lilie oder Gleve. Das Wappen wird ohne Oberwappen dargestellt, Hinweise zu Tinkturen und Literaturstellen willkommen.

Diese Platte (Abb. oben: Ausschnitt) wurde für Eustachius Engelhardt und Johann Markgraf angefertigt. Die Inschrift lautet: "Alhie ruehet in Gott der Edl(e) und veste Herr Eustachi(us) Eng(e)lhardt des In(n)er(e)n Raths und Senior Wie auch gewester Stattrichter und Burgermaister beeder kays(erlicher) Stätt(e) Crembs und Stain welcher den 28 May 1682 seines alters 65 Jahr sellig verschi(e)den. Alhie ruehet in Gott der Edl(e) und veste Herr Johan(n) Marggraff des In(n)er(e)n Raths und Senior wie auch gewester Stattrichter und Burgermaister beeder kays(erlichen) Stätt Crembs und Stain welcher den 25 Martii 1666 seiner alters 63 Jahr sellig verschi(e)den". Das Wappen Engelhardt ist ein redendes mit einem geflügelten Engel und zugleich ein Hinweis auf das Richteramt mit der zweischaligen Balkenwaage in der linken Hand des Engels und mit einem erhobenen Schwert in der Rechten. Das andere Wappen zeigt einen aufspringenden Hirsch, von einem schräglinks gestellten Pfeil durchstoßen. Die Wappen sind beide nicht in den Standardsammlungen enthalten; Hinweise zu Tinkturen und Literaturstellen willkommen.

 

Laut Inschrift handelt es sich bei dieser Platte, die rechts des Kircheneingangs seitlich der Treppe angebracht ist, um das Wappen Pleystainer (Pleysteiner): "Der Ed(e)l hans pleystainer alhie Begrabe(n) ist gestorb(e)n im 1520 ia(h)re am 16 tag des hornung dem got(t) genad Amen". Das hier gewendet dargestellte Wappen für den am 16.2.1520 verstorbenen Hans Pleystainer, das nicht in den einschlägigen Sammlungen verzeichnet ist, zeigt im Schild einen Löwen, auf dem bewulsteten Helm eine wachsende Jungfrau mit einem geflochtenen Kranz im lang herabfallenden Haar, aus dem Kranz fünf Rosen hervorkommend, in der Rechten einen Rosenzweig haltend, die Linke an den Wulst fassend. Ausführung und Detailreichtum (vgl. z. B. die plastische Helmdecke und die Putten im oberen Bereich) machen diese Platte zu einer künstlerisch herausragenden Arbeit. Angaben zu Tinkturen und Literaturnachweisen willkommen.

Literatur, Quellen und Links:
Liste der Baudenkmäler: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_denkmalgeschützten_Objekte_in_Krems-Stein
Krems an der Donau:
https://de.wikipedia.org/wiki/Krems_an_der_Donau
Stein an der Donau:
https://de.wikipedia.org/wiki/Stein_an_der_Donau
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Peter Käser: Abt Johannes Tegernbeck - ein geborener Vilsbiburger, 2014
http://www.museum-vilsbiburg.de/fileadmin/user_upload/dateien/Texte/Abt_JohannesTegernbeckh.pdf
Gabriel Lamprechtshauser:
http://www.mrfh.de/1581
Trennbach-Chronik im Niederösterreichischen Landesarchiv, Signatur: HS StA 0327: http://www.noela.findbuch.net/php/view.php?ar_id=3695&link=485320537441x3# S. 184v/185r

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