Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2275
Stein an der Donau (zu Krems, Niederösterreich)

Landesfürstliches Mauthaus (Steiner Landstraße 84) in Krems-Stein

Ein tadellos restauriertes Renaissancehaus befindet sich in der Steiner Landstraße 84. Es handelt sich bei dem dreistöckigen Anwesen um das ehemalige landesfürstliche Mauthaus. Die vierachsige Fassade ist asymmetrisch. In der zweiten Achse von links befindet sich der Eingang, vor dem zwei mächtige, balusterartige Kandelabersäulen den bis ins zweite Obergeschoß reichenden Flacherker abstützen. Am Erker befindet sich die Datierung des Gebäudes auf das Jahr 1536. Im Kern ist das Haus jedoch älter; es wurde nur zu diesem Zeitpunkt im Stile der Renaissance umgebaut, wobei Säulchen, Grotesken, Delphine, Fabelwesen, vegetabiler Dekor und Arabesken, Fächerrosetten, Wappen und Medaillons dem Formenkanon der Zeit entsprechen. In der rechten Achse befindet sich im Erdgeschoß ein großes Rundbogentor, welches im Scheitel auf 1579 datiert ist. Die ganz rechts befindliche Fensterachse ist breiter als die anderen, wohingegen die linken Fensterachsen schmäler und symmetrisch in Bezug auf den Erker sind. Über dem zweiten Obergeschoß verblendet eine hohe Attika das Schopfwalmdach. Die geschwungene, in der Mitte eingeknickte Giebellinie läuft zu beiden Seiten zu einem Portraitmedaillon aus, welches links König Ferdinand I. und rechts Königin Anna zeigt. Das 1943/44 wiederhergestellte Gebäude wurde 1975 restauriert, wobei die Freskomalereien zum Vorschein kamen, die Nischen, Blendfelder und Säulen vortäuschen. 2002 wurde eine erneute Restaurierung der polychrom gefaßten Fassade und der Fresken durch die Firma Jörg Riedel im Auftrag der Familie Haberl durchgeführt.

 

Das Mauthaus ist durch Wappen in den Bogenfeldern (Lunetten) über den Fenstern des Flacherkers als landesfürstlicher Besitz gekennzeichnet. Die auf Handel und Donauschifffahrt erhoben Maut war für den Landesherrn eine wichtige Einnahmequelle. 1536 waren Karl V. Kaiser und Ferdinand I. römisch-deutscher König, und entsprechend dieser Rangordnung sind die beiden Wappen übereinander angebracht.

Wappen über dem Erkerfenster im ersten Obergeschoß: Der Mittelschild ist geviert, Feld 1 und 4: siebenmal von Rot und Silber geteilt, Königreich Ungarn, Alt-Ungarn, Feld 2 und 3: in Rot ein golden gekrönter silberner Löwe mit doppeltem Schweif, Königreich Böhmen. Der Herzschild ist gespalten, rechts: in Rot ein silberner Balken, Erzherzogtum Österreich, links: in Rot ein goldenes Kastell, hier ein einfacher goldener Zinnenturm, Königreich Kastilien. Unter Mittel- und Herzschild liegt der Schild des römisch-deutschen Königtums, in Gold ein schwarzer, einköpfiger Adler. Auf diesem Rückschild ruht eine Königskrone; zwei Löwen dienen als Schildhalter. Um den Rückschild ist die Kette des Ordens vom Goldenen Vlies gelegt. Der Bogen wird oben rechts und links eines in der Mitte sitzenden und ein Täfelchen mit der Jahreszahl 1536 haltenden Puttos von zwei phantasievollen, beinlosen, schlangenartigen Wesen mit aufgerissenem Rachen und hochgerollter Stirnlocke begleitet.

Wappen über dem Erkerfenster im zweiten Obergeschoß: Fast ähnlich, aber nicht gleich ist diese Komposition: Der Mittelschild entfällt; der Herzschild ist gespalten, rechts: in Rot ein silberner Balken, Erzherzogtum Österreich, links: fünfmal von Gold und Blau schrägrechts geteilt, Herzogtum Burgund, hier ohne Bord. Unter dem Herzschild liegt der Schild des Kaiserreichs, in Gold ein schwarzer Doppeladler. Auf diesem Hauptschild ruht eine Kaiserkrone; zwei Greifen dienen als Schildhalter. Um den Hauptschild ist die Kette des Ordens vom Goldenen Vlies gelegt. Der Bogen wird oben ebenfalls von zwei schlangenartigen Fabelwesen mit aufgerissenem Rachen begleitet.

Im rechten Teil der Fassade ist über einem Fenster dieses Wappen zu sehen: Nach Befund in rot-silbern geteiltem Schild über einem grünen Dreiberg zwei schräggekreuzte, goldene (?), gestürzte Schwerter (Zuordnung unbekannt, Hinweise willkommen. Tinkturen evtl. nicht verläßlich, in anderen Farben wäre es z. B. das Wappen Tegernbeck). Der Schild ist vor eine Fächerrosette gesetzt und wird von zwei geflügelten Putten gehalten. Auf dem Bogen befinden sich erneut zwei dieser schlangenartigen Wesen, diesmal mit nach oben eingerolltem Oberkieferfortsatz. Zwei Delphine sind in der Zentralfläche des Gebälks darunter dargestellt.

In einem anderen Bogenfeld ist dieses Medaillon zu sehen mit dem Portrait des Apostels Paulus und der Umschrift: "SANCTVS PAVLVS APOSTOLVS DOMINI NOSTRI IESV CHR(ISTI)". Oben wird der Bogen in der Mitte von einer doppellagigen Rose verziert, zu deren Seiten eine weitere Variante der Fabelwesen den Bogen entlang gelegt ist.

Literatur, Quellen und Links:
Liste der Baudenkmäler: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_denkmalgeschützten_Objekte_in_Krems-Stein
Krems an der Donau:
https://de.wikipedia.org/wiki/Krems_an_der_Donau
Stein an der Donau:
https://de.wikipedia.org/wiki/Stein_an_der_Donau
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Mauthaus:
http://geschichte.landesmuseum.net/index.asp?contenturl=http://geschichte.landesmuseum.net/kunst/kunstdetail.asp___ID=836595697

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