Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2273
Stein an der Donau (zu Krems, Niederösterreich)

Holzingerhof (Steiner Landstraße 88) in Krems-Stein

Der Holzingerhof befindet sich in Stein an der Donau in der Steiner Landstraße 88, rechts neben dem Holzingerhaus. Es wird auch nach seiner Nutzung als ehemaliges Brauhaus bezeichnet. Das zweistöckige Haus besitzt im Erdgeschoß ein Rundbogenportal mit Diamantquaderung und im Obergeschoß Steingewändefenster aus dem frühen 17. Jh. Hinter dem wuchtig wirkenden Tor liegt eine tonnengewölbte Einfahrt, von der aus man in die Erdgeschoßhalle gelangt. Hinter diesem Vorderhaus ist ein L-förmiger Seitenflügel angesetzt, der sich mit einem von ca. 1600 stammenden, vierachsigen Arkadengang über Segmentbogennischen zum Hof hin öffnet.

Auf dem Schlußstein des Portalbogens ist das polychromierte Wappen von Christoph Holzinger d. J. angebracht, der das Haus 1608 von den Polheimern erworben hatte. Christoph Holzinger war Salzamtsverweser in Krems und Stein. Er war von Kaiser Rudolph II. am 4.1.1605 zusammen mit seinem Bruder Georg Christoph Holzinger, Fähnrich im Althannschen Regiment, aufgrund geleisteter Kriegsdienste gegen die Türken und auf Empfehlung des Michael Adolf Freiherrn von Althann in den rittermäßigen Adelsstand erhoben worden. Das Diplom wurde in Prag ausgestellt. Bereits 1595 hatten die beiden Brüder ein erstes Wappen zum Dank für ihre Waffentaten verliehen bekommen. Danach waren noch weitere Verdienste hinzugekommen; so hatte sich Georg Christoph Holzinger, der im Gegensatz zu seinem 1595 ausgeschiedenen Bruder bei der Truppe verblieben war, 1604 bei der Abwehr der türkischen Belagerung von Gran ausgezeichnet. Ferner wurden Verdienste der Brüder bei gefährlichen Verhandlungsmissionen zu den Türken honoriert, die zum Frieden von Zsitvatorok führten. Christoph Holzinger wurde außerdem von Rudolph II. mit Erlaß vom 2.3.1607 mit dem Titel eines Hofdieners ausgezeichnet.

Ein Schriftband über dem Wappen trägt den Spruch "DEVS OMNIA REGIT" - Gott lenkt alles. Die Datierung befindet sich auf den nach oben eingerollten unteren Enden des Schriftbandes: 1609. Das Wappen ist nach Befund geviert, Feld 1 und 4: in Schwarz auf einem Dreiberg ein aufspringender, naturfarbener Hirsch mit einem goldenen Stern zwischen den Vorderläufen, Feld 2 und 3: in Rot ein goldener Schräglinksbalken, auf dem gekrönten Helm mit rechts schwarz-goldenen und links rot-goldenen Decken ein wachsender, naturfarbener Hirsch mit einem goldenen Stern zwischen den Vorderläufen zwischen einem schwarz-rot geteilten Paar Büffelhörner. Das hier angebrachte Wappen sieht anders aus als das frühere am Holzingerhaus links neben diesem Anwesen, was an der zwischenzeitlich erfolgten Erhebung in den Ritterstand mit Wappenbesserung liegt. Dennoch ist das Wappen abweichend von der Literatur dargestellt.

In der Literatur wird das Wappen abweichend vom Befund beschrieben. Im Siebmacher Band: NÖ1 Seite: 200 Tafel: 96 wird das Holzinger-Wappen mit der Jahresangabe 1605 wie folgt abgebildet: Geviert, Feld 1 und 4: in Schwarz auf einem grünen Dreiberg ein aufspringender, naturfarbener Hirsch, mit den Vorderläufen einen goldenen Stern haltend, Feld 2: silbern-rot dreimal schräglinks geteilt, Feld 3: golden-schwarz dreimal schräglinks geteilt, auf dem gekrönten Helm mit rechts schwarz-goldenen und links rot-goldenen Decken ein wachsender, naturfarbener Hirsch mit einem goldenen Stern zwischen den Vorderläufen zwischen einem Paar Büffelhörner, das rechte golden-schwarz dreimal schräglinks geteilt, das linke silbern-rot dreimal schrägrechts geteilt. Die Siebmacher-Blasonierung weicht davon ab und gibt nicht das Gezeichnete wieder ("durch 2 Schräglinksbalken geteilt und zwar das 2. in S. durch 2 r., das 3. in G. 2 # Balken"). Im Rietstap/Rolland sind die Proportionen anders; es wird ein geteilter Balken abgebildet.

Christoph Holzinger hatte mit dem seinem ersten Haus benachbarten Anwesen seinen Steiner Besitz arrondiert. Das waren aber nicht seine einzigen Immobilien in Stein, außerdem kaufte er auch auf dem anderen Donauufer zu: Dort erwarb er die vor den Mauern von Mautern gelegene Janaburg (Geierburg), die 1576 von Sebald Janer errichtet worden war. Es handelte sich um einen Freihof, und am 15.7.1624 bekam Christoph Holzinger von Kaiser Ferdinand II. einen Privilegienbrief, der die Vorrechte, die früher mit diesem Hof verbunden waren, auf den neuen Eigentümer übertrug. Ferner erwarb Christoph Holzinger das Recht, sich nach seiner neuen, standesgemäßen Residenz zu benennen und auch an seine Nachkommen und Erben das Prädikat "von Janaburg" weitergeben zu dürfen. Als Christoph Holzinger von Janaburg 1628 starb, verkaufte seine Witwe Regina den Holzingerhof im Jahre 1629. Über die Tochter Susanna gelangte der Freihof Janaburg an Christophs Schwiegersohn Andreas Püringer von Pirkenau.

Christophs Bruder Georg Christoph wurde ein wenig in die Wirren und Verwirrungen des Dreißigjährigen Krieges hineingezogen: Im Jahre 1620 kämpfte er in der Schlacht am Weißen Berg als Hauptmann auf der Seite der böhmischen protestantischen Stände. So geriet er in Kriegsgefangenschaft. Er wurde jedoch 1621 durch einen kaiserlichen Erlaß begnadigt und diente schon bald darauf als Hauptmann im kaiserlichen Heer.

Ferner wird im Siebmacher ein vermehrtes Wappen von 1630 angegeben mit einem zweiten Helm, auf einem roten, hermelingestulpten Hut (Erzherzogshut) auf grünem Dreiberg eine natürliche Tanne, davor zwei schräggekreuzte Fähnchen, das rechte schwarz-golden-schwarz gestreift, das linke rot-silbern-rot gestreift. Dieses bekam Georg Christoph von Holzinger verliehen, ein Zeichen, daß der Fehltritt von 1620 vollumfänglich verziehen war.

Die Familie erlosch in Bezug auf die Abkömmlinge Christophs mit Josefine von Holzinger, die am 18.5.1838 Alois Graf Terlago de Fortis geheiratet hatte. Die ältere Linie der Familie erlosch am 28.12.1901 mit Dr. jur. Ferdinand Eduard Reichsritter von Holzinger, Landgerichtsvizepräsident in Wien.

Literatur, Quellen und Links:
Liste der Baudenkmäler: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_denkmalgeschützten_Objekte_in_Krems-Stein
Krems an der Donau:
https://de.wikipedia.org/wiki/Krems_an_der_Donau
Stein an der Donau:
https://de.wikipedia.org/wiki/Stein_an_der_Donau
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Oliver Fries, Alexandra Sagmeister und Ronald Kurt Salzer, Das Holzingerhaus in Stein an der Donau. Wohn- und Repräsentationskultur eines Bürgerhauses im Lichte von Bauforschung, restauratorischer Befundung und historischer Quellenforschung. In: Das Waldviertel, 63/2014, S. 132-150 (eigentlich über das Nachbarhaus, aber mit vielen Hintergründen zur Familie).

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