Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2269
Amorbach (Landkreis Miltenberg, Unterfranken)

Fürstlicher Marstall Amorbach

Nördlich des Abteiensembles liegt am Freihof der Marstall, ein klassizistisches Gebäude, dessen vier Flügel einen langgestreckten, leicht trapezförmig sich nach Osten verengenden Innenhof einschließen. Hier waren erst Pferde und Kutschen des Fürstenhauses Leiningen untergebracht, später wurde es zum Betriebshof für den automobilen Fuhrpark. Im Jahr 1923 wurde hier im Marstall sogar die erste Tankstelle Amorbachs erbaut. Zum Freihof hin liegt im Westen der Hauptbau mit Werksteingliederungen, mit dem Portal im leicht risalitartig vorgezogenen Mittelteil und je drei Achsen pro Seitenteil. Das Tor wird auf jeder Seite von vier Blendbögen im Bereich des hohen Erdgeschosses flankiert. Das Mezzaningeschoß besitzt 2 x 3 Lunettenfenster. Nord- und Südflügel beginnen als Seitentrakt des Hauptgebäudes zweistöckig und werden dann niedriger als schlichte, eingeschossige Flügelbauten mit Satteldach fortgesetzt, und im Osten schließt ein zweigeschossiger Walmdachbau mit Zwerchhaus und großem Lunettenfenster über der Durchfahrt das Ensemble zur Debonstraße hin ab. In diesem Gebäude, dem Haupttorhaus, lag früher die Schmiede; jetzt sollen Ladengeschäfte und eine Vinothek Leben in das alte Gebäude bringen und im Obergeschoß Büros Einzug halten. Der 1818 erbaute Marstall wurde 2011-2012 vom Fürstenhaus aufwendig renoviert. Die bisher dort untergestellten Shagya-Araberpferde des Fürstenhauses zogen dafür in andere Ställe in der Nähe der Reithalle. Geplant ist, zukünftig die Remisen für Oldtimer zu nutzen. Der Innenhof des fürstlichen Marstalls wird auch für öffentliche Veranstaltungen wie Theateraufführungen oder den Weihnachtsmarkt zur Verfügung gestellt.

Ein einziges Wappen ist an der Außenseite des Marstalles zu finden, an einem Halbkreisfenster der Südwand. Es zeigt das Wappenbild der Fürsten von Leiningen, die in Blau drei (2:1) silberne Adler führen. Ein Oberwappen fehlt. Schlüsselfigur ist Marie Luise Victoria Herzogin von Sachsen-Coburg-Saalfeld (17.8.1786-16.3.1861), die Tochter von Franz Friedrich Anton Herzog von Sachsen-Coburg-Saalfeld (15.7.1750-9.12.1806) und Augusta Carolina Sophia Gräfin Reuss-Ebersdorf (19.1.1757-7.11.1831). Sie hatte zweimal geheiratet. In erster Ehe vermählte sie sich mit Emich Carl Fürst zu Leiningen (27.9.1763-4.7.1814), wodurch sie nach Amorbach kam. Für ihren Ehemann war das die zweite Ehe. Ihrer beider Sohn war Carl Friedrich Wilhelm Emich Fürst zu Leiningen (12.9.1804-13.11.1856), der das Fürstenhaus fortsetzte, denn der einzige Sohn aus Emich Carls erster Ehe war früh gestorben. Außerdem hatte das Paar noch eine Tochter, Anna Feodora Augusta Charlotte Wilhelmine Prinzessin zu Leiningen (7.12.1807-23.9.1872).

Nach dem Tod ihres ersten Mannes heiratete die verwitwete Marie Luise Victoria am 29.5.1818 in Coburg Edward Augustus Duke of Kent and Strathearn, Prince of Great Britain (2.11.1767-16.3.1820). Dieser gab den Bau des Amorbacher Marstalls in Auftrag und ließ dafür sogar eigens Architekten und Handwerker aus England kommen. Das Paar wohnte zunächst knapp ein Jahr lang in Amorbach, zog dann aber im April 1819 nach London, wo es 1819 eine Tochter bekam, Victoria, die spätere Queen Victoria. Der Herzog von Kent, der die Leiningen-Witwe geheiratet hatte, war nämlich der Sohn von George III., König von Großbritannien und Irland, König von Hannover (4.6.1738-29.1.1820). Nach diesem wurden erst seine Brüder König, George IV. und dann William IV., und als letzterer 1837 starb, ging die Thronfolge auf seine Tochter Victoria über.

Literatur, Quellen und Links:
Siebmachers Wappenbücher
Liste der Baudenkmäler:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmäler_in_Amorbach#Amorbach
Marstall:
http://www.fuerst-leiningen.de/de/_sehenswert_marstall.html
Artikel von
Sabine Balleier zur Renovierung des Marstalls im Main-Echo: http://www.main-echo.de/regional/kreis-miltenberg/art3999,3071511
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9

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