Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2266
Herzogenaurach (Landkreis Erlangen-Höchstadt, Mittelfranken)

Stadtmauertürme Herzogenaurach

Das Herrschaftsgut Herzogenaurach wurde 1021 von Kaiser Heinrich II. dem Bamberger Hochstift geschenkt. Es gehört also sozusagen zu dessen territorialer "Basisausstattung" ab der Gründung. Erst war die Ansiedlung nur als "Uraha" = Aurach bekannt; erst 1158 wird daraus unter Bezugnahme auf den einstigen Sitz des Herzogs Ernst von Schwaben "Auracum ducis". Die eingedeutschte Form mit dem Zusatz "Herzogen-" taucht erstmals 1320 auf. Eine erste Stadtmauer, die innere Befestigung, entstand nach der Erlangung der Stadtrechte um 1300. Das befestigte "oppidum Hertzogenawrach" wird 1348 im Rechtsbuch Friedrichs von Hohenlohe beschrieben. Die äußere Befestigung entstand im 15. Jh., nachdem sich die Stadt entsprechend vergrößert hatte und 1450 der Bamberger Fürstbischof Anton von Rotenhan die Erlaubnis zu Befestigungserweiterung gegeben hatte. Herzogenaurach blieb bis zur Säkularisierung eng mit dem Hochstift Bamberg verbunden und war eine wichtige südliche Grenzstadt. Erst als dieses unter Napoléon 1803 aufgelöst wurde, wurde die Stadt 1804 Preußen (preußische Truppen waren schon 1762 im Siebenjährigen Krieg eingefallen) zugeschlagen, dann aber 1810 an das Königreich Bayern abgetreten. Im Jahr 1825 begann man mit dem Abbruch der Stadtmauern. Glücklicherweise überlebten die beiden malerischen Türme.

 

Zwei mächtige Türme der ehemals inneren Befestigung sind erhalten geblieben: Der fünfgeschossige und auf quadratischem Grundriß errichtete Fehnturm (Hauptstraße 19, Abb. oben) im Osten der Altstadt ist 28 m hoch und wurde im 13. Jh. errichtet (vgl. Buckelquader mit Saumschlag) und spätmittelalterlich überformt. Der ursprüngliche Zugang war ein Hocheingang; erst 1731-1733 wurde der ebenerdige Zugang gebrochen. Im Erdgeschoß ist das Mauerwerk 2 m stark. Der Turm flankierte das Niedere Tor der inneren Stadtbefestigung. Seinen Namen trägt der Turm nach der Familie Fehn oder Vehn, die lange Zeit die Gastwirtschaft neben dem Turm betrieb. Er trägt ein Pyramidendach und besitzt vier Scharwachtürmchen. Nachdem der Turm als Verteidigungsanlage bedeutungslos geworden war, diente er als Gefängnis und seit 1908 als Stadt- und Heimatmuseum, weswegen er auch Museumsturm genannt wird. Der Turm kann im Rahmen von Stadtführungen besichtigt werden. An einem modernen schmiedeeisernen Ausleger ist das Stadtwappen befestigt.

Das Stadtwappen von Herzogenaurach zeigt in Gold einen rotbewehrten und rotgezungten, schwarzen Löwen, überdeckt von einer silbernen Schrägleiste und ist damit identisch mit dem alten Hochstiftswappen. Bereits die ältesten Stadtsiegel aus den Jahren 1343 und 1351 zeigen den Bamberger Löwen. Zwischendrin gab es einige inhaltliche Änderungen. Es gibt aus dem 17. Jh. Darstellungen, in denen dem Löwenschild ein rotes Tatzenkreuz unterlegt wurde als Hinweis auf die Templer-Kommende. In der Zeit von 1819-1836 wurde die silberne Schrägleiste weggelassen, um sich symbolisch von der geistlichen Herrschaft zu emanzipieren. Danach kehrte man wieder zum traditionell überlieferten Bild zurück, mit der historisch korrekten Schrägleiste.

 

Der 180 m vom Fehnturm entfernt im Westen der Altstadt stehende Türmersturm (Hauptstraße 47, Abb. oben) schützte einst das Obere Tor der inneren Stadtmauer. Er ist genau wie der Fehnturm mit vier Scharwachtürmchen versehen, die aber hier alle eine Uhr tragen. Die Bauart ist dem ersten Turm sehr ähnlich; auch hier finden wir die Buckelquader mit Saumschlag. Am Turm kann man noch die Spuren der einst hier vorhandenen Zugbrücke und des Fallgatters erkennen. Das Dach des Turmes konnte dendrochronologisch auf das Jahr 1386 datiert werden, wobei die barocke Laterne erst 1724 aufgesetzt wurde. Hier befindet sich das auf 1653 datierte Stadtwappen in die seitliche Mauer eingelassen. Eine Inschriftentafel nennt das Jahr 1573.

Literatur, Quellen und Links:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Band Städte
Hinweistafeln an den Objekten
Herzogenaurach: http://frankenwiki.de/index.php/Herzogenaurach - https://de.wikipedia.org/wiki/Herzogenaurach
Baudenkmäler in Herzogenaurach:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmäler_in_Herzogenaurach
Klemens Stadler: Deutsche Wappen, Bd. 4, Bremen 1965, S. 73
Klemens Stadler: Die Wappen der oberfränkischen Landkreise und Gemeinden, in: Die Plassenburg, Schriften für Heimatforschung und Kulturpflege in Ostfranken 20, Kulmbach 1963, S. 174
Eugen Schöler: Fränkische Wappen erzählen Geschichte und Geschichten, Beiträge zur Genealogie, Heraldik, Kultur und Geschichte 1, Neustadt a. d. Aisch 1992, S. 149, 150
Wappengeschichte:
http://www.hdbg.eu/gemeinden/web/index.php/detail?rschl=9572132
Fehnturm:
http://www.heimatverein-herzogenaurach.de/index.php?option=com_content&task=view&id=75&Itemid=64 - http://www.herzogenaurach.de/de/stadtinfo/innenstadt-erleben/der-innere-stadtrundgang/fehnturm.html
Türmersturm:
http://www.heimatverein-herzogenaurach.de/index.php?option=com_content&task=view&id=70&Itemid=65 - http://www.herzogenaurach.de/de/stadtinfo/innenstadt-erleben/der-innere-stadtrundgang/tuermersturm.html

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