Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2263
Neubrunn (Landkreis Würzburg, Unterfranken)

Schloß Neubrunn

Am oberhalb des Ortskernes gelegenen Schloß Neubrunn kann man heraldische Spuren aus der Zeit finden, als Neubrunn Mainzer Besitz war, also zwischen 1484 und 1655. Im Jahr 1484 fand der Neubrunn betreffende Gebietstausch zwischen dem Deutschen Orden und dem Kurfürstentum statt, nachdem bereits am 9.4.1483 Tauschverhandlungen verabredet worden waren. Das Schloß wurde Sitz der Amtmänner. Im Jahre 1655 endete die Mainzer Herrschaft über den Ort, der nun an das Fürstbistum Würzburg kam. Johann Philipp von Schönborn verkaufte am 30.9.1655 (Kaufbrief) Neubrunn und Böttigheim quasi an sich selbst, nur in anderer Funktion, weil er zu der Zeit in beiden Hochstiften Fürstbischof war. Diesmal war es kein Gebietstausch, sondern der Gegenwert wechselte in Form von Geld den Besitzer: 80000 Taler oder 120000 fl. waren die Orte nach einer Einschätzung vom 19.5.1655 wert. Die Übergabe der Stadt erfolgte am 30.9.1655: Suikard von Sickingen, kurmainzischer Amtmann, übergab, und Johann Hartmann von Rosenbach, der Würzburger Domdekan, übernahm die Stadt.

Die Befestigungen des Schlosses sind jedoch älter. Bereits am 16.12.1323 hatte König Ludwig IV. gen. der Bayer Neubrunn Stadtrechte verliehen mit dem Recht auf Befestigung. Das dreigeschossige Wohnhaus des Schlosses mit seinem hohen Satteldach wurde um 1380 errichtet. Der Deutschmeister Konrad von Egloffstein erhielt 1397 von König Wenzel den Auftrag, das Schloß mit einem Zwinger zu umgeben und den Ort zu befestigen. Die polygonal angelegte Ringmauer mit Rundtürmen, die Teil der Ortsbefestigung Neubrunn war, und die Grabenanlage stammen aus dem 14./15. Jh. Der Verteidigungsfall trat 1461 ein, als Graf Johann III. von Wertheim am 9.11. Neubrunn mit seinen Rittern überfiel; das Schloß konnte erfolgreich gehalten werden.

Nach der Säkularisierung kam das Schloß über das Großherzogtum Toscana 1814 in den Besitz des Königreichs Bayern, und 1895-1929 befand sich hier eine Außenstelle der Landesforstverwaltung. 1938 kaufte die Gemeinde Neubrunn das Schloß. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam hier ein Altenheim hin als Ersatz für das zerstörte Würzburger Bürgerspital. Außerdem dienten die Gebäude als Erholungsheim für Stadtkinder. 1963-1977 war das Schloß ein Mobilmachungsstützpunkt der Bundeswehr. Seit 1983 wird das Schloß vom Markt Neubrunn zur privaten Nutzung als Wohngebäude vermietet. Das Schloß ist daher nicht zu besichtigen.

Über eine steinerne Brücke erreicht man von Norden her das Torhaus. Hinter dem Tor steht rechts das in die Zeit der Spätgotik reichende Wohnhaus, links ein paralleler Trakt geringerer Höhe. Links des Tores befindet sich in die Mauer eingelassen das Wappen des Mainzer Fürstbischofs Berthold von Henneberg (regierte 1484-1504) und rechts desselben das Wappen des Mainzer Fürstbischofs Johann Schweikhard von Kronberg (regierte 1604-1626). Die beiden Darstellungen sind stilistisch sehr ähnlich, und beide wurden vermutlich zeitgleich angefertigt, also hinsichtlich des erstgenannten Fürstbischofs nachträglich, zumal der Stil der Darstellung nicht zu seiner Regierungszeit paßt. Es handelt sich vielmehr um eine Erinnerung an den ersten Mainzer Fürstbischof, der von Neubrunn Besitz ergriffen hatte. Das Tor selbst trägt die Jahreszahl 1617, was in die Amtszeit des zweiten mit einem Wappen vertretenen Fürstbischofs paßt.

Das Wappen des Mainzer Fürstbischofs Berthold von Henneberg (Abb. unten links) ist geviert, Feld 1 und 4: in Rot ein achtspeichiges, silbernes Rad, Erzstift Mainz, Feld 2 und 3: Grafen von Henneberg-Römhild, erneut geviert, Feld a und d: Colonna, in Rot eine goldgekrönte silberne Säule, Feld b und c: gefürstete Grafschaft Henneberg, in Gold auf grünem Dreiberg eine schwarze Henne mit rotem Kamm und ebensolchem Kehllappen. Auf der ovalen Kartusche ruht die Inful, schrägrechts dahinter ist das gestürzte Schwert zu sehen, schräglinks der Krummstab.

 

Das Wappen des Mainzer Fürstbischofs Johann Schweikhard von Kronberg (Abb. oben rechts) ist geviert, Feld 1 und 4: in Rot ein silbernes, achtspeichiges Rad, Erzstift Mainz, Feld 2 und 3: Familienwappen Kronberg, erneut geviert: Feld a: in Rot eine goldene Krone, Feld b und c: in Silber vier (2:2) blaue Eisenhütlein, Feld d: ledig und rot. Auf der ovalen Kartusche ruht die Inful, schrägrechts dahinter ist der Krummstab zu sehen, schräglinks das gestürzte Schwert.

Literatur, Quellen und Links:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Band Bistümer
Die Wappen der Hochstifte, Bistümer und Diözesanbischöfe im Heiligen Römischen Reich 1648-1803, hrsg. von Erwin Gatz, erstellt von Clemens Brodkorb, Reinhard Heydenreuter und Heribert Staufer, Schnell & Steiner Verlag 2007, ISBN 978-3-7954-1637-9
Schloß Neubrunn: http://wuerzburgwiki.de/wiki/Schloss_Neubrunn
Neubrunn:
https://de.wikipedia.org/wiki/Neubrunn_(Unterfranken)
Baudenkmäler in Neubrunn:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmäler_in_Neubrunn
Geschichte von Neubrunn:
http://www.1200jahre-neubrunn.de/GeschichteZehnder.html
August Gehrsitz und Johannes Schreiber: 1150 Jahre Neubrunn - ein Heimatbuch, 1965
Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Baudenkmäler in Neubrunn, Nr. D-6-79-164-19
Walter Schilling: Die Burgen, Schlösser und Herrensitze Unterfrankens, Echter-Verlag GmbH, Würzburg 2012
Hinweistafel des Vereins für Kultur und Heimatpflege am Objekt

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