Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2260
Steyr (Oberösterreich)

Grabplatten und Epitaphien außen an der Stadtpfarrkirche

1. Platte:
Die Inschrift zu diesem Wappen lautet: "ALHIER IN DI(E)SER GRUFT RUEHET DER EDLE HERR GOTTLIEB HOFFMANN GEWESTER STATTRICHTER ALHIER WELCHER ANNO 1662 DEN 16 JULY IN DEN 77 IAHR SEINES ALTERS IN GOTT SELIGKHLICH VERSCHI(E)DEN ANBEI AUCH DES(S)EN EHEFRAU MARIA EIN GEBOHR(E)NE MURERIN WELCHE GESTORBEN ANNO 1659 DEN 23 FEBRUARI IHRES ALTERS IN 58 IAHR DI(E)SEN VND VNS AL(L)EN WOL(L)E DER AL(L)ERHO(E)GSTE AM IENEN TAG EIN FRO(EH)LICHE VRSTENDT VERLEICHEN AMEN".

Der einstige Steyrer Stadtrichter Gottlieb Hoffmann führte ein geviertes Wappen, Feld 1 und 4: einwärts ein gekrönter Löwengreif (Adlerkopf und Adlerflügel, aber keine Adlerklauen, sondern vorne auch Löwenfüße), Feld 2 und 3: einwärts auf einem Boden stehend ein Geharnischter, in der ausgestreckten Rechten drei Pfeile haltend, die Linke eingestemmt. Die Helmzier läßt ein wachsendes geflügeltes Tier erkennen, dessen mittlere Partei zerstört ist, gut erhalten ist der Flug. Hinweise zu Tinkturen und Literaturnachweisen willkommen.

 

2. Platte:
Die nachfolgend abgebildete Grabplatte ist für Johann Adam von Baumgarten ("Paumbgarthen"). Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Bay Seite: 69 Tafel: 75. Der Hauptschild ist geviert, Feld 1 und 4: in Gold ein aufspringender, naturfarbener Bär mit einem Prügel (Baumstamm mit Aststümpfen) in den Tatzen, Feld 2 und 3: in Rot ein silberner Pfahl. Der gekrönte Herzschild ist golden mit einem schwarzen Adler (im Siebmacher als gekrönt beschrieben). Das Kleinod auf dem gekrönten Helm mit rechts schwarz-goldenen und links rot-silbernen Decken ist der Bär mit Prügel aus Feld 1. Der Verstorbene war bayerischer Stadtrichter.

 

3. Platte:
Die nächste Platte ist für den "PRAENOB STRENUUS ET CLARISSUMVS DOMINUS MATTHIAS ABELE DE LILIENBERG COMES PALATINUS IUD ADVOCATUS POETA SECRETARIUS AC CAES MAIEST CONSILIARIUS ET AULAE HISTORICUS...".

Das Wappen von Matthias Abele von Lilienberg (17.2.1618-29.10.1677) ist geviert mit Herzschild, Feld 1 und 4: silbern-schwarz in vier Reihen zu je vier Feldern geschacht (Schachner), Feld 2 und 3: silbern-rot geteilt mit einem gekrönten Greif in verwechselten Farben (Viechter), Herzschild: silbern-schwarz geteilt mit einer Lilie in verwechselten Farben (Stammwappen von Abele). Zu diesem Wappen gehören zwei gekrönte Helme, Helm 1 (rechts): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein wachsender, golden gekrönter, rot-silbern geteilter Greif, Helm 2 (links): auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein ebensolcher Greif, beide mit ihren Vorderklauen zwischen sich eine schwarz-silbern geteilte Lilie gemeinsam über einem grünen (silbernen) Berg haltend.

Das Familienwappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Stei Seite: 1 Tafel: 1-3 und in Band: NÖ1 Seite: 1 Tafel: 1. Das Wappen hat angefangen mit einer silbernen Lilie in schwarzem Feld, auf dem schwarz-silbern bewulsteten Helm mit schwarz-silbernen Decken eine silberne Lilie zwischen zwei schwarzen Büffelhörnern, nach dem Siebmacher Steiermark jede Mündung der Büffelhörne noch zusätzlich mit einer silbernen Lilie besteckt. So erhielt es Peter Abele aus dem Breisgau, Teilhaber von Bergwerken zu Kitzbühel, zu Worms 1495 mit einem Wappenbrief. Sein Sohn Jobst Abele bekam am 12.12.1547 von Kaiser Ferdinand III. zu Augsburg einen Adelsbrief. Geändert wurde bei der Wappenbesserung nur der Helm, statt eines Stechhelms ist nun ein Bügelhelm vorhanden. Peters anderer Sohn, ebenfalls Peter mit Namen, wurde Prior und Prälat im Kloster Niederaltaich (in Niederalteich an der Donau). Ebenso gab es einen Adelsbrief am 12.6.1647 für Christoff (Christoph Ferdinand) Abele (1592-20.2.1648) auf Fuchsberg in Oberösterreich mit einem Wappen mit kleinen Änderungen: Silbern-schwarz geteilt mit einer Lilie in verwechselten Farben, auf dem gekrönten Helm mit schwarz-silbernen Decken eine schwarz-silbern geteilte Lilie zwischen zwei schwarzen Büffelhörnern. Auch hier sind die Mündungen der Büffelhörner in Band: NÖ1 Seite: 1 Tafel: 1 ohne, in Band: Stei Seite: 1 Tafel: 3 mit Lilien in den Mündungen dargestellt.

 

Christoph Ferdinands Söhne, die Brüder Christoff (Christoph Ignaz, Jurist), Matthias (ebenfalls Jurist, s. u.) und Johann Carl (kaiserlicher Hofkriegssekretär) von Abele bekamen am 30.5.1653 zu Laxenburg den Ritterstand mit dem Prädikat "von Lilienberg" nebst einer Wappenvermehrung mit dem eingangs beschriebenen Ergebnis. Als Rückschild für das Stammwappen wurde das mütterliche Wappen der von Schachner-Viechter genommen. Das Viechter-Wappen war wohl früher ein redendes, nun wurde das "Viech" in einen Greif gebessert. Am 5.11.1665 bekam Matthias Abele von Lilienberg von Kaiser Leopold I. das Prädikat "von und zu Lilienberg Erbherr auf Hacking".

Das Wappen für Christoff (Christoph Ignaz) Abele von Lilienberg (19.5.1628-12.0.1685) wurde später noch zweimal gebessert. Der Schild blieb bis auf das nun schwarz-silberne Schach. Sein freiherrliches Wappen vom 5.10.1673 hat nach der Herren-Matrikel die erste Helmzier abgewandelt; dieser rechte Greif ist golden gekrönt, schwarz und mit einem silbernen Balken belegt. Sein gräfliches Wappen vom 11.11.1684 hat drei gekrönte Helme, Helm 1 (Mitte): auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken eine schwarz-silbern geteilte Lilie (Band: NÖ1 Seite: 1 Tafel: 1) bzw. dieselbe zwischen zwei schwarzen Büffelhörnern, die in den Mündungen mit je einer silbernen Lilie besteckt sind (Band: Stei Seite: 1 Tafel: 1-3), Helm 2 (rechts): auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein schwarzer, golden gekrönter Adler, belegt mit einem silbernen Balken (Band: NÖ1 Seite: 1 Tafel: 1) bzw. ganz schwarz (Band: Stei Seite: 1 Tafel: 1-3), Helm 3 (links): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein golden gekrönter, roter Greif wachsend, belegt mit einem silbernen Balken. Er nannte sich Reichsgraf Abele Freiherr von und zu Lilienberg, Edler Herr auf und zu Hacking, Schillerau, Wintersbach, Engelmannstein, Laab und Blumenegg. Er war kaiserlicher Wirklicher Geheimer Rat und Hofkammerpräsident, Hofpfalzgraf. Er bekam den Landstand in Tirol am 22.10.1665, in Kärnten am 3.11.1666, in Krain am 19.2.1666 etc. Die gräfliche Linie erlosch bereits 1685 mit seinem Tod. Es gibt noch ein Wappen von 1708, das genauso aussieht wie das zuletzt beschriebene, aber der Helm 3 trägt einen rot-silbern geteilten Greifen.

Zurück zu Matthias Abele von und zu Lilienberg: Der Sproß aus einer ursprünglich schwäbischen Familie, die sich 1547 in der Steiermark niedergelassen hatte, war der Sohn eines Hofkammersekretärs, der geadelt worden war. Matthias Abele studierte Philosophie in Graz und Jura in Wien, wo er auch zum Doctor iuris utriusque (s. Inschrift: IUD) promoviert wurde. Erst hatte er 1641-1643 eine Position am Wiener Stadtgericht, dann war er 1644-1646 für die niederösterreichische Regierung tätig, danach 1646-1648 als Stadtschreiber in Krems, und 1648 wechselte er nach Steyr, um als Jurist für die Innerberger Eisengewerkschaft zu arbeiten, deren Obersekretär er 1658 wurde. Im Jahr 1671 wurde er kaiserlicher Rat und Hofhistoriker (Hofhistoriograph), bzw. wie die Inschrift ihn nennt: AULAE HISTORICUS. Aufgrund seiner schriftstellerischen Tätigkeit nennt ihn die Inschrift ferner POETA. Matthias Abele von und zu Lilienberg war seit 1652 Mitglied der Fruchtbringenden Gesellschaft.

Matthias Abele von und zu Lilienberg war dreimal verheiratet, in erster Ehe mit Maria Magdalena Prevenhuber, in zweiter Ehe am 5.5.1644 in Wien mit Barbara Katharina Waldner und in dritter Ehe mit Anna Christina Panz. Von seinen Kindern wurde Johann Baptist als Bruder Seraphin Benediktinermönch und Pfarrer in Losenstein. Er hatte noch einen zweiten Sohn, Johann Christoph Carl, und eine Tochter, Katharina. Johann Christoph Carl wurde mit Testament vom 2.2.1683 von seinem Onkel Christoph Ignaz zum Erben berufen. Deshalb gab es für ihn am 4.8.1708 von Kaiser Joseph I. ein Diplom, das ihm den Freiherrenstand übertrug. Die Nachkommen dieses Freiherren von Abele wandten sich nach der Krain und nach Ungarn.

4. Platte:
Die nächste hier vorgestellte Platte befindet sich in der westlichen Vorhalle. Sie ist für Paul Pannz (Panz). Die Inschrift lautet: " HIE(R) RVEHET IN GOTT DER WO(H)LEDLE HERR PAVL PANNZ (DER) RO(E)M(SCH) KAY(SERLICHEN) MAY(ESTAET) DIENER WELCHER EINER LÖBL(ICHEN) HAUBT G(E)WERGCKHSCHAFFT VORGEHER AMBT ALHIE ZV STEYR 16 IAHR(E) LOBWIERDIG BEDIENDT HAT SO IN GOTT SEELIGKHLICH ENTSCHLAFFEN DEN 23 MARTY DES 1661 IAHR".

Die Familie Pantz/Panz/Pannz war traditionell im Eisen- und Stahlgeschäft tätig, vor allem in der Steiermark, in Krain und in Kärnten. Kaiser Ferdinand II verlieh am 7.9.1622 in Wien den Brüden Panz zu St. Gallen in der Steiermark, wo Christoph Panz Hammermeister war, ein "bürgerlich Wäppel" mit dem Pantier der Steiermark, was bei dem Familiennamen als redendes Symbol naheliegend war. Am 1.7.1624 erhob der gleiche Kaiser die Brüder Christian, Sebastian, Jakob, Paul und Philipp in den Adelsstand und verlieh ihnen dieses Wappen als Anerkennung ihrer Verdienste um das Hüttenwesen. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Kä Seite: 187 Tafel: 21. Es ist geviert, Feld 1 und 4: in Schwarz eine goldene Lilie, Feld 2 und 3: in Rot ein einwärtsgerichtetes, silbernes Pantier. Auf dem gekrönten Helm mit rechts schwarz-goldenen und links rot-silbernen Decken ein silbernes Pantier zwischen einem rechts von Gold und Schwarz und links von Rot und Silber geteilten Flug.

 

5. Platte:
Die nächste Platte ist für den am 29.12.1685 im Alter von 51 Jahren verstorbenen Matthias Lenger. Die Inschrift lautet: "D(EVS) O(PTIMVS) M(AXIMVS) HIC OSSA QVIESCVNT EXCELLENT(ISSIMI) D(OMINI) MATTHIAE LENGGER ERVDITIONE ATQVE EXPERIENTIA CLARISSIMI INCLITORVM D D STATVVM SVPERIORIS AVSTRIAE MEDICI ORDINARII QVI POSTQVAM FELICI CVRA MORBOS AB HVMANIS CORPORIB SAEPIV PROFLIGASSET LONGA TANDEM TABE CONSVMPTVS INGENTI SVI DESIDERIO RELICTO OB INGENII VIRTVTISQVE PRAESTANTIAM MORTI CEDERE COACTVS FVIT 29 DECEMBRIS MDCLXXXV AETATIS SVAE LI".

 

Das Wappen ist geviert, Feld 1 und 4: einwärts ein Löwe, der in seinen Vorderpranken einen sechszackigen Stern hält, Feld 2 und 3: drei Schrägbalken, auf dem gekrönten Helm ein fünfzackiger Stern oben zwischen einem Flug. Hinweise zu Tinkturen und Literaturnachweisen willkommen.

6. Platte:
Diese Platte befindet sich in der westlichen Vorhalle. Sie ist für Adam Hoffmann von Grünbühel und Strechau (1523-8.9.1573), Erblandhofmeister in der Steiermark, Burggraf von Steyr, Kämmerer und Landrat in Oberösterreich, und für seine erste Ehefrau. Die obere Inschrift lautet: "Hie(r) li(e)gt begraben der wo(h)lgeborene herr herr Adam Hoffman(n) Freyherr zu Gruenpuchl und Strecha(u) Erblandchoffmaister ...Steyr ... Rath der gestorben ist den 8. septembris im 1573 Ja(h)r seines Alters 50 Jahr 4 Monate 8 Tage Des(sen) seelen Gott der Alm(a)echtig(e) gn(a)edig und Barmhertzig wol(lle) sein und ihm ain fro(eh)liche Auferstehung verleihen amen." Die untere Inschrift lautet: "Hie(r) li(e)gt begraben die hoch und Wo(h)lgebor(e)n(e) Gräfin und Frau Frau Elisabeth Hoffman(n)in zu Gruenpuchl und Strecha(u) gebor(e)ne Gräfin zu Salhm des wo(h)lgebor(e)nen herrn herrn Adamen Hoffman(n) Freyherrn Liebs(t)er g(e)mahel die gestorben ist zu Steyr den 18. Marty anno 1557 Ja(h)r ihres Alters 32 Ja(h)r Derer se(e)ll(e) Gott der Almächtige g(n)edig und Barmhertzig wol(le) sein und ihr ain fr(o)e(h)liche auferstehung verleichen amen."

 

Das Wappen von Adam Hoffmann von Grünbühel und Strechau (1523-8.9.1573) ist geviert mit Herzschild, Feld 1 und 4: in Gold ein schwarzer, aufspringender, golden gekrönter Steinbock (Stammwappen Hoffmann), Feld 2 und 3: in Rot eine goldene Getreidegarbe (Wappen Pichler, vgl. Adams Großmutter), Herzschild: in Blau ein gekrönter goldener Löwe. Dazu werden drei gekrönte Helme geführt: Helm 1 (Mitte): auf dem Helm mit blau-goldenen Decken ein wachsender, golden gekrönter, goldener Löwe mit Pfauenfedern am Rücken, Helm 2 (rechts): auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken ein schwarzer, wachsender, golden gekrönter Steinbock (Hoffmann), Helm 3 (links): auf dem Helm mit rot-goldenen Decken eine goldene Garbe (Pichler). Das Wappen der 1730 im Mannesstamm erloschenen Hoffmann von Grünbühel und Strechau wird in seinen verschiedenen Entwicklungsstufen beschrieben im Siebmacher Band: NÖ1 Seite: 192 Tafel: 91, Band: OÖ Seite: 125 Tafel: 37 und Band: SchlA2 Seite: 50 Tafel: 33; außerdem wird es bei Zacharias Bartsch in seinem Steiermärkischen Wappenbuch auf Seite 42, Tafel 20 abgebildet. Die Entwicklung wird ausführlich im Kapitel über das Hoffmannsche Freihaus in Wels diskutiert.

Das zweite Wappen auf der optisch rechten Seite gehört zu Adams erster Ehefrau, Elisabeth von Salm (1520-18.3.1557). Sie war die Tochter von Nikolaus Graf von Salm-Neuburg (1458-4.5.1530) und Elisabeth von Rogendorf. Elisabeth von Salm heiratete in erster Ehe Christoph Graf von Sankt Georgen und Bösing. Nachdem sie 1543 zur Witwe wurde, heiratete sie erneut, diesmal Adam Hoffmann. Ihr Wappen zeigt in rotem, mit goldenen Kreuzchen bestreutem Feld zwei silberne, aufrechte, gebogene und voneinander abgekehrte Salme, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken auf einem Turnierhut zwei gestürzte, silberne Salme.

7. Platte:
Diese Platte für Johann Christoph Plautz trägt die nur teilweise erhaltene Inschrift: "Ihrem lieben Söhnlein Johann (Chri)stoph Plautzen welcher den 14. .... 1632 alhier zu Steyr geboren .... 7 Monat und Acht tag erraicht....dem Schöpfer sein liebstes..... (Eigen)tumb aufgeben und .... (be)graben hat, haben ....(El)teren dise gedächtnis .... den 24. July 16...". Wir sehen das Ehewappen der Eltern, heraldisch rechts das Wappen Plautz. Dieses Wappen finden wir im Steyrischen Wappenschlüssel auf S. 64, und im Siebmacher wird im Band: Klö Seite: 8 Tafel: 15 ein Abt von Kloster Seitenstetten aus der Familie beschrieben. Der Schild ist rot mit zwei silbernen Balken, darüber ein in drei Reihen schwarz-golden geschachter Schrägbalken. Auf dem gekrönten Helm mit rechts rot-silbernen, links schwarz-goldenen Decken ein wachsender, rot gekleideter Mannesrumpf mit einer Kaiserkrone auf dem Kopf und silbernen Knöpfen auf der Brust (die im Siebmacher Klöster die Form von Rosen haben). Das zweite Wappen ist geviert, Feld 1 und 4: ein aufspringender Hirsch, Feld 2 und 3: ein Hifthorn mit einem einmal überkreuzten Band, auf dem Helm vermutlich ein Paar Büffelhörner, Hinweise zu Identität und Tinkturen willkommen.

8. Platte:
Diese Platte ist für Sebald Händl, gestorben 4.12.1588. Die Inschrift im oberen Teil der Platte lautet: "Hie(r) li(e)gen begraben der Ed(e)l und Ehrnvest Sebaldt Handl gewester Raths Burger alhie(r) zu Steyr welcher im 63 Ja(h)r seines Alters in Christo dem Herrn entschlaffen ist den 4 Decembris im 1588 Ja(h)r Und dan(n) Barbara Haiderin sein eheliche Hausfraw so auch hernach gott sellig ... den tag des Monats .... im ..... (Datum offen gelassen) Ja(h)r Christi denen baiden eheleuten der Al(l)m(a)echtige Gott ein fro(eh)liche auferstehung verleichen wolle Amen".

Das Wappen Händl ist ein redendes, denn es zeigt in Schild und Helmzier jeweils auf einem Dreiberg stehend einen Hahn. Ein passendes Wappen findet sich im Siebmacher für die Händl von Gobelsburg, zu Edlhof auf Krummnußbaum zu Lantzendorf, von Ramingdorf und Piberbach im Band: OÖ Seite: 92 Tafel: 32; diese führen in Schwarz auf einem grünen Dreiberg einen silbernen Hahn mit rotem Kamm und ebensolchem Lappen, ebenso das Kleinod zu schwarz-silbernen Decken, vgl. auch Siebmacher Band: NÖ1 Seite: 153 Tafel: 74.

Die Händl waren Steyrer Bürger und Hammermeister zu Weyr. Die Familie teilte sich mit Sebastian und Gotthard Händl in zwei Linien. Sebastians Linie saß später zu Braittenbruck. Nach dem Erlöschen ging Braittenbruck an die von Starhemberg. Unser Sebald Händl hier stammt aus Gotthards Linie. Gotthard Händl, Bürger von Steyr und Hammermeister zu Weyr, hatte drei Söhne, Hanns, Sebald und Wolfgang. Alle drei, die jeweils eine Unterlinie gründeten, wurden am 24.9.1571 von Kaiser Maximilian II. in den Adelsstand erhoben. Die von Hanns ausgehende Linie erwarb die Herrschaften Gobelsburg und Krummnußbaum in Niederösterreich. Am 14.5.1653 erfolgte eine Erhebung in den Reichsfreiherrenstand als Freiherren von Gobelsburg. Die von Sebald ausgehende Linie erwarb das Gut Haindorf und übernahm von der ersten Linie Gobelsburg. Die dritte Linie, die von Wolfgang ausging, erwarb Ramingdorf in Niederösterreich. Diese Linie erhielt 1588 eine Adels- und Wappenbestätigung. Alle drei Unterlinien sind erloschen, zuletzt die dritte am 25.5.1766.

 

Die Linien führten z. T. vermehrte Wappen: Die Händl zu Braittenbruck hatten ein geviertes Wappen, Feld 1 und 4: in Rot (!) einwärts auf einem grünen Dreiberg ein silberner Hahn mit rotem Kamm und ebensolchem Lappen (variiertes Stammwappen), Feld 2 und 3: in Schwarz ein goldener Balken, von drei (2:1) goldenen Sternen begleitet, auf dem gekrönten Helm mit rechts schwarz-goldenen und links rot-silbernen Decken ein silberner Hahn mit rotem Kamm und ebensolchem Lappen zwischen einem schwarzen, beiderseits mit einem goldenen Balken belegten Flug.

Die Händl von Ramingdorf hatten ebenfalls ein geviertes Wappen, Feld 1 und 4: in Schwarz einwärts auf einem grünen Dreiberg ein silberner Hahn mit rotem Kamm und ebensolchem Lappen (Stammwappen), Feld 2 und 3: In Silber auf einem grünen Boden vier grüne Pfeffer-Bäume nebeneinander (Pfefferl von Piberbach), zwei gekrönte Helme, Helm 1 (rechts): auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein silberner Hahn mit rotem Kamm und ebensolchem Lappen (Stammkleinod), Helm 2 (links): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein wachsender Greis in langem, rotem, silbern aufgeschlagenem Gewand mit silberner Leibbinde und goldener Kopfbinde, in der Rechten ein silbernes Rad haltend, die Linke eingestemmt.

Die Händl von Gobelsburg hatten seit 1653 ein geviertes Wappen mit Herzschild: Feld 1 und 4: in Gold eine fliegende, naturfarbene (schwarz-silberne) Schwalbe, Feld 2 und 3: in Silber ein schwarzer Eber, Herzschild: in Schwarz auf einem grünen Dreiberg ein silberner Hahn mit rotem Kamm und ebensolchem Lappen (Stammwappen). Dazu wurden drei gekrönte Helme geführt: Helm 1 (Mitte): auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein silberner Hahn mit rotem Kamm und ebensolchem Lappen (Stammkleinod), Helm 2 (rechts): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein wachsender Greisenrumpf in roter Kleidung, auf dem Kopf ein hoher, goldener, rotgestulpter Hut mit abfliegender silberner Binde, Helm 3 (links): auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein wachsender schwarzer Eber.

9. Platte:
Bleiben wir noch ein bißchen bei den Händl: Wolfgang Händl und seine zweite Frau, Anna Schwab, haben dieses Epitaph, das sich in der westlichen Vorhalle befindet, für den jung verstorbenen Sohn Berchtold errichten lassen. Die Inschrift nennt "Der E(h)rsam und Vest Wolfganng Händl Ratsbürger zu Steyr hat dises Epitaph ... selbst Auch seine eheliche Hausfrau Anna geporne Schwabin.... errichten lassen."

Wolfgang Händl (-7.12.1595) war dreimal verheiratet, zunächst mit Sabina Lerochin, dann mit Anna Schwab, und schließlich mit Potentiana Pfefferl zu Piberbach, der Tochter von Michael Pfefferl zu Piberbach und Weyr, Bürgermeister in Steyr. Wolfgangs jüngster Sohn aus der dritten Ehe, ebenfalls Wolfgang (-27.8.1625) mit Namen, Herr von und zu Ramingdorf, pflanzte die Linie fort und erbte von seiner Mutter die Güter Biberbach und Weyr im Traunviertel. Seine Schwester trug ebenfalls den Namen Potentiana wie ihre Mutter. Sie heiratete Hanns Fenzl zu Grueb und übernahm nach ihres Bruders Tod die genannten Güter.

 

Am Epitaph sehen wir heraldisch rechts das Händl-Wappen wie zuvor beschrieben und heraldisch links das Schwab-Wappen. Der Siebmacher Band: Bg1 Seite: 16 Tafel: 15 beschreibt das Wappen dieser ebenfalls aus Steyr stammenden Familie offensichtlich unzutreffend als "In Gold ein blau gekleideter Bergknappe mit goldenen Aufschlägen und Kragen, aus grünem Dreiberg hervorwachsend, einen Stein in der Hand." Das muß nach diesem sorgfältig gehauenen Steine korrigiert werden in: Aus einem Dreiberg hervorwachsend eine Frau mit langem, offenen Haar, in der ausgestreckten Rechten eine Fackel haltend, die Linke eingestemmt, auf dem bewulsteten Helm die Frau mit Fackel wachsend.

10. Platte:
Der Text dieses Epitaphs lautet: "HIE(R) LI(E)GT BEGRABEN DER E.........BEIS IHERONIMVS ZVMBHERVM ....... ER ZV STEIR DER GESTORBEN IST DES TAGS AM 1 MAY 1547 IA(H)R VND BARBARA SEIN ERSTE HAVSFRAV IST GESTORBEN AM ERSTEN TAG IANVARY IM 1530 IA(H)R VND WOLFGANG SEIN ELTER SVN AVCH BVRGER HIE ZV STEIR LI(E)GT ZV KREMBS IST GESTORBEN DEN 5 TAG NOVEMBRIS IM 1551 IA(H)R ".

Die Platte ist also für Hieronymus Zumbherum (-1.5.1547), Ratsbürger zu Steyr 1512, Bürgermeister 1522-1532, ein sehr reicher venezianischer Kaufmann, und für seine Frau Barbara Zumbherum (-1.1.1530) und für den ältesten Sohn Wolfgang (-5.11.1551), der aber in Krems begraben liegt. Der Name Zumbherum wird auch Zuvernum oder Zuvernumb geschrieben. Das Wappen läßt sich unter der Schreibweise Zumerum (Zuvernumb) im Siebmacher Band: Bg1 Seite: 20 Tafel: 20 finden. Eine weitere Darstellung des Schildes mit Schraffuren für die Tinkturen ist in den Annales Styrenses 1740 zu sehen. Der Schild zeigt in Silber einen blauen Schrägrechtsbalken, der mit einer goldenen Mondsichel belegt ist, der so nach der Figur gelegt ist, daß seine Spitzen zur unteren Begrenzung des Balkens weisen. Der Schild, der eingerollte Ränder mit einer Roßstirnschildform kombiniert, wird von drei (1:2) Putten gehalten. Die Schildform spiegelt den Bezug des Verstorbenen zu Italien wider, wo diese Schildform gebräuchlich ist. Eine Helmzier wird nicht dargestellt. Nach der Abb. im Siebmacher wäre das Kleinod ein beiderseits mit dem Schildbild belegter Flug. Rechts unten im Inschriftenfeld ist noch ein einzelner Schild mit einer Hausmarke zu sehen. Im oberen Teil der Platte thront Christus als Weltenrichter auf dem Regenbogen.

 

Literatur, Quellen und Links:
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Katalog der Grabdenkmäler von Rainer F. Schraml, in: Rudolf Koch, Bernhard Prokisch: Stadtpfarrkirche Steyr, Verlag W. Ennsthaler, Steyr, 1993
Matthias Abele von Lilienberg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Matthias_Abele_von_und_zu_Lilienberg
Kurt Vancsa: Matthias Abele von und zu Lilienberg, in: Neue Deutsche Biographie, Bd. 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 14, online:
http://daten.digitale-sammlungen.de/0001/bsb00016233/images/index.html?seite=32
Josef Kraßler: Steirischer Wappenschlüssel, Veröffentlichungen des Steiermärkischen Landesarchives Graz Nr. 6, 1968, 349 S.
Annales Styrenses:
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Annales_Styrenses_1740_-_Zuvernumbisches_Wappen_II.jpg

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