Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2257
Steyr (Oberösterreich)

Das Untere Burgtor in Steyr

Von der Altstadt aus erreicht man über die Enge Gasse, die den Weg vom Stadtplatz aus nach Norden fortsetzt, linkerhand das untere Burgtor, durch das der Weg nach scharfer Kehre über die Berggasse zum Schloßplateau bergauf geht. Die Bebauung zwischen Enger Gasse und Berggasse wird hier sehr schmal, so daß sie am Kopfende auf eine Fensterachse reduziert ist. Zwischen dem Kopfende des Hauses und dem Schloßfelsen ist das spitzbogige Tor aufgespannt. Haus und Tor sind reich mit Malereien geschmückt, darunter auch einer Darstellung des Schlosses und der Stadt vor der barocken Umgestaltung. Vor allem sieht man hier gut das ursprüngliche Aussehen des Römerturmes mit steilem Dach.

 

Die Ansicht von Schloß und Stadt wird flankiert von zwei barhäuptigen Gerüsteten. Der optisch linke trägt einen goldenen Schild mit dem schwarzen Doppeladler des Reiches, dessen roter Brustschild mit einem silbernen Balken belegt ist (Erzherzogtum Österreich). Das Motiv wiederholt sich als Ganzes auf dem Banner. Der optisch rechte hat auf seinem goldenen Schild den schwarzen Königsadler, der Brustschild ist geviert, Feld 1 und 4: in Rot ein silberner Balken (Erzherzogtum Österreich), Feld 2 und 3: fünfmal blau-golden schräggeteilt (Alt-Burgund, roter Bord fehlt). Das Motiv dieses Brustschildes wiederholt sich auf dem Banner. Die gleichen Bannerträger sind auch auf dem mit der Jahreszahl 1489 bezeichneten Stadttor der historischen Malerei dargestellt. Es handelt sich dabei um das alte Ennstor, das 1489 errichtet wurde, als Kaiser Friedrich III. die Stadt Steyr durch den kaiserlichen Festungsbaumeister Martin Felser neu befestigen ließ. Ursprünglich war wohl eine Stadtgründungslegende dargestellt gewesen mit zwei kämpfenden Brüdern, die jeder die Stadt an einer anderen Stelle gründen wollten. Daraus wurden dann irgendwann Ritter mit den Wappen der relevanten Herrscher jener Zeit. Bei den dargestellten Wappen handelt es sich um die von Kaiser Friedrich III. (optisch links) und von König Maximilian (optisch rechts). Links am Haus sind beide Herrscher in vollem Ornat zu sehen, wo auch die Wappen wiederholt werden. Dieses Ennstor wurde 1864 abgebrochen, um den Verkehr am Ennsufer besser fließen lassen zu können. Dieses Ennstor ist Träger der ursprünglichen Freskomalerei gewesen. Nach dem Abbruch wurde die Malerei zunächst durch den bäuerlichen Maler Kestenberger auf die Wand des städtischen Mauthauses in der Haratzmüllerstraße übertragen, um wenigstens dieses Wahrzeichen zu bewahren. Doch auch da verfiel das Fresko bald, und so beauftragte die Stadt den akademischen Maler Otto Götzinger, die liebgewonnenen Figuren der beiden Ritter auf den Torbogen zum Schloßberg in Freskotechnik zu übertragen, quasi als Ersatztor. Das neue Gemälde entstand 1949 und wurde 1979 restauriert.

Während die vorgenannten Ritter, Banner und Wappen nur gemalt und an dieser Stelle nicht authentisch sind, ist das eigentliche Schmuckstück dieses Tores, das fürstlich-lambergische Wappen oben in der Mitte über der gemalten Burg, plastisch ausgeführt und von großer Qualität. Drei unterschiedliche Schilde werden 2:1 unter einem Fürstenhut und auf einem beiderseits hochgerafften Wappenmantel zusammengestellt.

Der Schild unten in der Mitte ist das Wappen der von Lamberg; dieses ist geviert, Feld 1 und 4: gespalten, rechts dreimal silbern-blau geteilt, links ledig und rot (Stammwappen), Feld 2 und 3: in Gold eine schwarze Bracke mit goldenem Halsband (erloschene von Podwein). Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: FstA Seite: 132 Tafel: 158-161, Band: Un Seite: 356 Tafel: 269, Band: Mä Seite: 66 Tafel: 52, Band: OÖ Seite: 166 Tafel: 50, Band: OÖ Seite: 752 Tafel: 152-153, Krai Seite: 12 Tafel: 11, Band: NÖ1 Seite: 259 Tafel: 133 sowie im Aschaffenburger Wappenbuch, Tafel 81 Seite 199. Zu diesem Wappen gehören zwei Helme, auf dem rechten mit rot-silbernen Decken zwei Büffelhörner, das rechte blau und mit einem silbernen Balken belegt, das linke rot, beide außen mit je 6 natürlichen Pfauenfedern besteckt (Stammkleinod), auf dem linken mit schwarz-goldenen Decken eine schwarze Bracke mit goldenem Halsband sitzend (erloschene von Podwein).

Die Aufnahme des Wappens Podwein (Pöttwein) beruht auf der Ehe zwischen Wilhelm II. v. Lamberg (-1397) und Diemuth von Podwein, Erbtochter von Nikolaus von Podwein. Die Familie teilte sich unter deren Söhnen in drei Hauptlinien mit Namen Rothenbühel-Harbach (begründet von Jacob von Lamberg), Sauenstein (Krainer Linie, begründet von Georg von Lamberg) und Ortenegg (begründet von Balthasar von Lamberg). Die Orteneggsche Hauptlinie teilte sich wiederum, darunter in die Linien Greifenfels (in Kärnten, begründet von Raymund von Lamberg), Lichtenwald (begründet von Joseph von Lamberg), Ottenstein (begründet von Johann Albert von Lamberg) und die fürstliche Linie mit ihren Seitenzweigen (begründet von Georg Sigismund von Lamberg). Die Krainer Linie teilte sich in den Ast zu Sauenstein und Poppendorf und in den Ast zu Stein-Guettenberg (Guttenberg). Die Linie Rothenbühel-Harbach erlosch 1689.

Durch Verfügung von Kaiser Friedrich III. vom 6.2.1489 wurden die von Lamberg Pfandinhaber von Ortenegg im Bezirk Gottschee in der Krain. Am 12.1.1524 gab es den Reichsfreiherrenstand für die vier Brüder Joseph (1489-20.10.1554), Melchior (-1550), Caspar III. und Wolfgang von Lamberg (1483-1550), Kinder von Georg I. von Lamberg zu Ortenegg, als "von Lamberg Freiherr zu Ortenegg und Ottenstein". Am 17.2.1544 gab es zu Prag den Reichs- und erbländisch-österreichischen Freiherrenstand auch noch für Christoph von Lamberg, Bischof von Seckau, und Ambros, Domherr in Salzburg. Jacob von Lamberg, Landeshauptmann in Krain, bekam am 6.12.1557 zu Wien den erbländisch-österreichischen Freiherrenstand mit abweichendem Prädikat "von Lamberg Freiherr zum Stain und Guettenberg". Die Linie Rothenbühel-Harbach erhielt am 18.2.1597 den Freiherrenstand.

Johann Maximilian von Lamberg Freiherr zu Ortenegg und Ottenstein (28.11.1608-12.12.1682) und dessen Bruder Johann Wilhelm von Lamberg-Amerang (-1647) bekamen am 5.9.1641 zu Regensburg den Reichsgrafenstand verliehen mit der Anrede "Wohlgeboren". Dabei wurde ihr Wappen gebessert, indem der Herzschild mit dem Wappen der della Scala aufgelegt wurde; und auch ein dritter, entsprechender Helm kam in der Mittelposition hinzu (s. u.). Die drei Bracken in Herzschild und auf dem mittleren Helm werden abweichend vom Della-Scala-Wappen schwarz gesprenkelt gezeichnet, was 1707 hinsichtlich des Herzschildes nicht beibehalten wurde. Die Bracke des mittleren Helmes ist nun gekrönt und bleibt es auch 1707.

Die beiden Brüder Johann Raimund von Lamberg-Greifenfels (10.2.1625-) und Johann Ludwig von Lamberg-Greifenfels (9.2.1627-3.3.1703) Freiherren zu Ortenegg und Ottenstein auf Greifenfels, sowie deren Verwandte aus der Ottensteiner Linie, Johann Albrecht, Johann Georg (1636-1692), Leopold Joseph, Karl Adam (-1689), Franz Sigmund (-1713, kaiserlicher Kämmerer Hofkriegsart und Generalfeldwachtmeister), und deren Verwandte aus der Linie Rothenbühel-Harbach, Georg Gottfried (kaiserlicher Kämmerer, Deutschordensritter und Landkomtur), Johann Weikhard, außerdem aus der Linie Stein-Guettenberg Johann Georg, Johann Raimund und Johann Ludwig, außerdem aus der Ottensteiner Linie Sigmund Albrecht, bekamen am 10.11.1667 zu Wien den Reichs- und erbländisch-österreichischen Grafenstand verliehen mit dem Titel "Hoch- und Wohlgeboren". Dabei wurde ihnen der Titel eines Erblandstallmeisters in der Krain und in der Windischen Mark bestätigt.

Das Wappen von 1667 sieht ähnlich aus wie das 1641 verliehene, allerdings ohne den Herzschild und nur mit zwei Helmen. Abweichend ist die jeweils rechte Spalthälfte der Felder 1 und 4 fünfmal blau-silbern geteilt, nicht dreimal silbern-blau wie 1641, außerdem ist aus der Bracke in den Feldern 2 und 3 und auf dem linken Helm ein Windhund geworden.

Am 6.6.1671 gab es zu Laxenburg den Reichs- und erbländischen Grafenstand mit dem Titel "Hoch- und Wohlgeboren" für Georg Seyfried von Lamberg aus der Lichtenwalder Linie. Dabei wurde ihm die Würde eines Erbstallmeisters in der Krain und in der Windischen Mark bestätigt. Diese Linie erlosch aber bereits mit seinem Enkel Joseph Felix Adam am 17.5.1795; letzterer war Dompropst.

Am 27.10.1697 bekam Leopold Joseph von Lamberg, Sohn des Johann Franz, Freiherr auf Ortenegg und Ottenstein, zusammen mit seinem Bruder Franz Sigmund, kaiserlicher Kämmerer und Hofkriegsrat, nochmals ein Grafendiplom für Reich und Erblande, auch wenn sie bereits seit 1667 Grafen waren.

Das Haus Lamberg-Sauenstein führt ein abweichendes Wappen (Wappenvermehrungs-Diplom von 1494 für Christoph von Lamberg von Kaiser Maximilian I.), Hauptschild wie beschrieben, Herzschild rot mit auffliegendem, silbernem, golden gekröntem Kranich, Helm 1 (Mitte): der Kranich, Helm 2 und 3 wie beschrieben.

Stifter der später fürstlichen Linie war Georg Sigmund von Lamberg, welcher 1607 das böhmische Inkolat erhielt, der Herr auf Stockern, Kitzbühel und Amerang und seit 1619 auch Pfandherr der Herrschaft Steyr war. Er titulierte als kaiserlicher Oberhofmeister und Landeshauptmann in Österreich ob der Enns. Er war dreimal verheiratet, wobei die dritte die Schlüsselehe mit der della Scala war. Ihrer beider Söhne waren die vorerwähnten, bereits 1641 mit Reichsgrafenstand und Wappenbesserung begünstigten Johann Maximilian und Johann Wilhelm. Nur Johann Maximilian Graf von Lamberg Freiherr zu Ortenegg und Ottenstein (28.11.1608-12.12.1682), zu Stockern und Amerang, bekam aufgrund seiner Stellung als kaiserlicher Geheimer Rat, Kämmerer und Gesandter am Spanischen Hof am 15.3.1653 zu Regensburg den Titel "Hoch- und Wohlgeboren" und am 18.5.1663 zu Laxenburg das böhmische Inkolat. Er war 1648 Gesandter beim Westfälischen Frieden, 1675-1683 Obristhofmeister, 1661-1675 Obristkämmerer, Herr und Landstand in Steyr.

Die nächste Stufe erklomm des letztgenannten Enkel, Leopold Matthias Graf von Lamberg (23.2.1667-10.3.1711), kaiserlicher Geheimer Rat und Obersthofmeister, denn er bekam am 1.11.1707 zu Wien den Reichsfürstenstand in der Primogenitur verliehen und wurde am 11.7.1709 in das Reichsfürstenkollegium aufgenommen. Weil er bei seinem Tod keine männlichen Nachkommen mehr hatte und damit keinen Erben, gab es am 22.5.1711 ein Diplom, welches als Rechtsnachfolger seinen Vater bestimmte und auch die Übertragung des Fürstentitels auf seinen Vater, damit diesem nach dessen Tod im Jahr 1712 der Bruder des 1707 gefürsteten Leopold Matthias, nämlich Franz Anton Fürst von Lamberg Landgraf zu Leuchtenberg (30.9.1678-23.8.1759) nachfolgen konnte. Diesem folgte 1759 sein Sohn Johann Friedrich Joseph Nepomuk Fürst von Lamberg (24.2.1737-15.12.1797) aus zweiter Ehe nach, mit dem die Nachkommenschaft des Franz Joseph von Lamberg im Mannesstamm erlosch.

Mit der Erhebung 1707, die den gesellschaftlichen Gipfel der Familie darstellte, ging eine Wappenbesserung einher. Das fürstliche Wappen ist prinzipiell identisch mit dem gräflichen von 1641 (aber ohne die Sprenkelung der Bracken im Herzschild), wird aber vom kaiserlichen Doppeladler mit zwei übereinander zwischen den Häuptern schwebenden Kopfbedeckungen, einem herzoglichen Hut und einer kaiserlichen Krone, unterlegt. Der Doppeladler ist nicht nimbiert. Es wird ferner im Vergleich zum Wappen von 1667 die ursprüngliche Farbabfolge in der vorderen Spalthälfte der Felder 1 und 4 wiederhergestellt. Dazu bekam Leopold Matthias Fürst von Lamberg die Titel "Hochgeboren" und "Unser Oheim und Fürst". Am 25.7.1708 bekam er das Oberst-Erblandjägermeisteramt in Österreich ob der Enns, am 24.5.1709 ein nochmaliges Reichsfürstendiplom und am 10.7.1709 die formelle Belehnung mit der Landgrafschaft Leuchtenberg.

Danach gingen 1797 alle Besitzungen, Titel und der Reichsfürstenstand auf Carl Eugen Maria Max Franz Xaver Joseph Adam Leopold Johann Nepomuk Franz de Paula Graf von Lamberg-Kunstadt (1.4.1764-11.5.1831) über, k. k. Kämmerer, Sohn von Maximilian Joseph Graf von Lamberg-Kunstadt (22.11.1729-23.6.1792), Enkel von Carl Leopold Anton Joseph Graf von Lamberg-Kunstadt (22.1.1704-8.7.1739), Urenkel von Carl Benedict Graf von Lamberg-Kunstadt (27.5.1675-9.10.1721), Ururenkel von Caspar Friedrich Graf von Lamberg-Kunstadt (1648-1686), Urururenkel von Johann Maximilian Graf von Lamberg Freiherr zu Ortenegg und Ottenstein (28.11.1608-12.12.1682), mit dem der Anschluß an die Hauptlinie wieder geschafft ist, denn letzterer war einer der Söhne von Georg Sigismund Freiherr von Lamberg-Amerang und Johanna della Scala.

Dieser Fürst Carl Eugen ist der Stammvater des späteren fürstlichen Hauses. Er war vermählt mit Friderica Sophia Theresia Antonia Charlotte Walburga Prinzessin zu Oettingen-Oettingen u. Oettingen-Wallerstein (3.3.1776-17.7.1831), und ihm folgte sein Sohn nach, Gustav Joachim Emanuel Carl Friedrich Joseph Johann Nepomuk Vincenz Fererius Ernest Fürst von Lamberg-Kunstadt (21.12.1812-3.2.1862), welcher Katharina Hradeck (Katerina Hrádková, 8.12.1824-10.12.1889) heiratete, die Tochter des Schaffers von Cejkovy, Václav Hrádek. Dieser Fürst leitete durch ein paar unschöne Ereignisse den Abgesang der Familie ein: 1832 hatte er sich am Attentat auf Kronprinz Ferdinand beteiligt, eine riesige Dummheit, wegen der er vor Gericht gestellt wurde. Er wurde mit einem Heiratsverbot belegt, mit ihm sollte die fürstliche Familie aussterben. Eigentlich hatte er Glück, daß er überhaupt mit dem Leben davonkam und 1834 das Erbe seines Vaters antreten konnte. Nach seiner Amnestierung (noch größeres Glück) im Jahr 1854 heiratete er jedoch am 6.1.1855 seine Geliebte, die er 1840 kennengelernt hatte, die nächste große Dummheit. Zuvor hatten sie bereits acht uneheliche Kinder; es folgte ein ehelicher Sohn. Es wurde zwar nur eine morganatische Ehe, war aber dennoch eine gesellschaftliche Unmöglichkeit. Das war eine gesellschaftliche und aufgrund der herausragenden Stellung der Fürstenfamilie auch eine politische Katastrophe, denn sie war eine zwar hübsche, aber absolut unstandesgemäße Ehefrau. Deshalb verlor die Familie den Fürstentitel und den Besitz. Und, schlimmer, die Familie wurde praktisch gesellschaftlich geächtet. Der Ausschluß aus der Standesgesellschaft brachte den Verlust der Erbfolge für die Herrschaft Steyr mit sich. Sowohl der Fideikomiß Steyr als auch der zu Schichowitz enthielt die Regelung, daß der Besitz an den ältesten Sohn aus standesgemäßer Ehe vorgesehen sei und daß uneheliche Kinder als Erben ausgeschlossen seien.

Deren Sohn war Gustav Wilhelm Emil Graf von Lamberg-Kunstadt (13.9.1841-1886), der kinderlos starb. Er hatte zwar einen Bruder, Karl Wenzeslaus Emil von Lamberg-Kunstadt (24.2.1845-1906), dem aber am 4.2.1887 durch ein Erkenntnis (eine Form juristischer Entscheidungen) des k. k. Verwaltungsgerichtshofes expressis verbis die Führung des für erloschen erklärten Fürstentitels abgesprochen wurde, weil er aus einer nicht standesgemäßen Ehe entstamme, ebenso zuvor schon seinem Bruder Josef Friedrich Emil Graf von Lamberg-Kunstadt Freiherr von Ortenegg und Ottenstein (26.5.1856-3.4.1904), dem einzigen ehelichen Sohn des Skandalpaares, der schon 1878 als Erbe ausgeschlossen worden war, weshalb das fürstliche Haus hier endete.

Die Herrschaft Steyr gelangte an Rudolf Graf von Lamberg aus einer anderen Linie.

 

Der Schild heraldisch rechts oben zeigt in silbernem Feld einen blauen Balken und steht für die Landgrafschaft Leuchtenberg. Das hier nicht dargestellte Kleinod wäre zu blau-silbernen Decken ein wachsender Mannesrumpf in blauem Gewand mit goldenen Knöpfen und ebensolchem Kragen, auf dem Haupt ein blauer, silbern gestulpter spitzer Hut, der an der Spitze mit aus einer goldenen Krone hervorkommenden Straußenfedern besteckt ist, einer blauen zwischen zwei silbernen (nach Otto Hupp, Münchener Kalender 1909). Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: BayA1 Seite: 114 Tafel: 115, Band: FstB Seite: 19 Tafel: 41 und im Band: FstB Seite: 19 Tafel: 41. Ferner wird es abgebildet im Scheiblerschen Wappenbuch auf Folio 474. Es gab noch ein vermehrtes Wappen, gespalten: rechts Grafschaft Hals, links Stammwappen.

Die Familie besaß Landbesitz in der Oberpfalz (mit den vier Ämtern Leuchtenberg, Pfreimd, Wernberg und Mißbrunn), war aber als fürstlich anerkannt mit Sitz und Stimme auf den Reichstagen. Mit ca. 220 km² war das Gebiet einerseits überschaubar, andererseits damals das größte Territorium in Bayern, das weder den Wittelsbachern noch einem geistlichen Fürstentum zuzurechnen war. Die Familie erlosch mit dem Landgrafen Maximilian Adam von Leuchtenberg am 4.11.1646, worauf die Landgrafschaft an die bayerischen Herzöge fiel. Dem Anspruch lag eine Ehe zwischen Albrecht VI. Herzog von Bayern (13.4.1584-5.7.1666) mit Mechtildis von Leuchtenberg (24.10.1588-1.6.1634) zugrunde, denn Mechtildis, Tochter von Georg Ludwig Landgraf von Leuchtenberg (27.7.1563-24.4.1613) und Maria Salome Markgräfin von Baden-Baden (1.2.1563-30.4.1600), war die Tante von Maximilian Adam von Leuchtenberg. Fortan trugen die bayerischen Herzöge den Titel Herzog von Bayern-Leuchtenberg. Danach kam die Landgrafschaft 1650 durch Gebietstausch an Maximilian I. Kurfürst von Bayern (17.4.1573-27.9.1651), der seinerseits dafür die Reichsgrafschaft Haag hergab. Maximilian gab die Landgrafschaft an seinen Sohn weiter, Maximilian Philipp Hieronymus von Bayern Landgraf von Leuchtenberg (30.9.1638-20.3.1705). Dieser war seit dem 24.4.1668 mit Mauricette Febronie de La Tour d'Auvergne Princesse d'Evreux (12.4.1652-20.6.1706) vermählt und kinderlos. Leuchtenberg fiel an seinen Neffen Maximilian II. Maria Emanuel Kurfürst von Bayern (11.7.1662-26.2.1726). Soweit schien die Weitergabe innerhalb des bayerischen Herrscherhauses vorgezeichnet, aber es kam etwas dazwischen.

Maximilian II. Maria Emanuel von Bayern war seit 1679 Kurfürst. Im Verlauf des Spanischen Erbfolgekrieges wechselte er jedoch die Fronten und ging eine Allianz mit den Franzosen ein. Er war Generalstatthalter der Niederlande, und als solcher gab er die spanischen Festungen an die französische Armee. Ein militärischer Vorstoß in habsburgische Interessensphären endete fatal, und nach der Niederlage in der Schlacht von Höchstädt am 13.8.1704 mußte Maximilian Emanuel Bayern verlassen. Er floh in die Niederlande. Schlimmer noch: Über ihn wurde am 29.4.1706 die Reichsacht verhängt, desgleichen über seinen Bruder, der Kurfürst von Köln war; Bayern wurde besetzt. In den Friedensschlüssen zu Rastatt und Baden wurde seine Wiedereinsetzung als Kurfürst von Bayern durchgesetzt; am 7.9.1714 wurde er restituiert. Als also Maximilian Emanuel in die Reichsacht kam, war damit auch der Posten als Landgraf von Leuchtenberg vakant. Zunächst wurde 1708 Leopold Matthias Sigismund Graf und später Fürst von Lamberg (23.2.1667-10.3.1711) mit der Landgrafschaft belehnt, nach dessen Tod sein Vater, Franz Joseph I. Graf und später Fürst zu Lamberg, Freiherr von Ortenegg und Ottenstein (29.10.1637-2.11.1712). Nach dessen Tod fiel die Landgrafschaft 1712 wieder zurück an Bayern. Erst 1808 kam es zur Auflösung des bis dahin eigenständigen Territoriums, das nun im Königreich Bayern aufging. Die von Lamberg hatten also genau von 1708 bis 1712, vier Jahre lang, den Titel eines Landgrafen von Leuchtenberg. Die Landgrafen dürfen nicht verwechselt werden mit den Herzögen von Leuchtenberg. Im Jahre 1817 wurde dieser Titel - ohne entsprechendes Territorium - für den im Fürstentum Eichstätt herrschenden Eugène de Beauharnais, Schwiegersohn des Königs Maximilian I. Joseph von Bayern, neu geschaffen. In deren Wappen fand aber auch das Feld der Landgrafen von Leuchtenberg Eingang.

Der Schild heraldisch links oben zeigt in Rot zwei silberne, aufspringende, einander zugewandte Hunde, meistens Windspiele, mit goldenen Halsbändern, die zwischen sich eine aufrechte silberne Leiter mit vier Stufen halten, und steht für die della Scala (von der Leiter). Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu rot-silbernen Decken ein wachsender silberner Brackenrumpf zwischen einem goldenen Flug. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: FstA Seite: 132 Tafel: 160-161, ferner im Band: BayA1 Seite: 19 Tafel: 15.

Dieses Geschlecht ist identisch mit den Scaligern (Scaligeri), die im 13.-14. Jh. eine wichtige Rolle in Oberitalien spielten und von 1260 bis 1387 Stadtherren (Podestà del Popolo) von Verona waren, nachdem sie es geschafft hatten, das befristete Amt in ein erbliches umzuwandeln, indem sie sich als militärische Anführer (Capitano del Popolo) gegen die Guelfen die entsprechende Machtbasis geschaffen hatten. Der berühmteste ist sicherlich Francesco (Cangrande I.) della Scala (1291-22.7.1329), ein Feldherr, der in der Blüte seines Lebens und auf dem Höhepunkt seines militärischen Erfolges nach erfolgreicher Einnahme von Treviso einem Digitalis-Anschlag zum Opfer fiel. Es ist ein redendes Wappen, denn Scala bedeutet nichts anderes als Leiter. Umgekehrt wurden die später ergänzten Hunde zum Ursprung der Bezeichnung Cangrande, großer Hund. Letztlich scheiterte die Familie an der Gegenwehr der anderen Stadtstaaten Norditaliens, insbesondere Mailands, und an der Expansion Venedigs. Ihre Herrschaft endete mit der Flucht von Antonio della Scala 1387. Die Seerepublik besetzte 1400 Verona. Guglielmo della Scala konnte 1404 mit militärischer Hilfe aus Carrara für ganze 8 Tage die Herrschaft über Verona wieder erlangen. Auch er fand den Tod durch einen Giftanschlag. Seine Witwe floh mit den Kindern an den Hof des deutschen Kaisers Sigismund von Luxemburg.

Nachdem die Familie aus Oberitalien vertrieben worden war, ließ sie sich in Bayern unter der eingedeutschten Form "von der Leiter" nieder. Johann von der Leyter führte im Markgräflerkrieg gegen Albrecht Achilles von Brandenburg niederbayerische Truppenteile in der Schlacht von Giengen an und wurde danach 1462 von Herzog Ludwig IX. dem Reichen von Bayern-Landshut zum Ritter geschlagen. Familienmitglieder nahmen Ämter in Bayern an und wurden Pfleger in Ingolstadt, Schärding und Julbach.

Der Konflikt mit Venedig verließ die Familie nicht, zumal er in die territorial expansiven Interessen von Kaiser Maximilian I. paßte. Maximilian bestätigt im Jahr 1500 den della Scala ihren Anspruch auf das Generalvikariat über Verona und Vicenza und wollte ihnen 1508 sogar den Anspruch abkaufen, was aber nicht in die Interessen der della Scala paßte. 1508-1511 kam die Seerepublik zum Schrecken der Fernhändler sogar in die Reichsacht. Maximilian führte 1508-1516 Krieg gegen Venedig, das unterlag und Territorien verlor. Die della Scala hatten wenig davon, daß ihre Interessen nun Interessen des Reiches waren. Vielmehr erlitten sie im Landshuter Erbfolgekrieg, in dessen Verlauf sie auf der Seite des Münchner Herzogs Albrecht V. und Kaiser Maximilians standen, schwere Verluste, die 1508 mit der Herrschaft Wald an der Alz entschädigt wurden. Die vorher im Besitz der Herren von Laiming befindliche, im Landshuter Erbfolgekrieg zerstörte Burg Amerang kam 1522 an die della Scala, die in die alte gotische Burg einen trapezförmigen Arkadenhof im Stil der Renaissance einbauten.

Der vorletzte Skaliger im Mannesstamm war Hans Warmund della Scala (-24.5.1592). Ihm folgte als letzter der Familie Hans Dietrich della Scala (25.6.1571-25.10.1598) zu Amerang, Eisolzried und Wald an der Alz, bayerischer Regentschaftsrat in Landshut, der im Alter von 27 Jahren starb. Seine Schwester Johanna della Scala (2.5.1574-1654/55), die Erbin von Schloß Amerang, hatte in erster Ehe Sigismund Graf von Dietrichstein, Freiherr von Hollenburg, Finkenstein und Thalberg geheiratet und in zweiter Ehe am 25.11.1607 Georg Sigismund Freiherr von Lamberg, Landeshauptmann im Land ob der Enns, der 1598 das Erbe der Herren von der Leiter in Bayern übernahm. Die Freiherren und Grafen von Lamberg besaßen Amerang bis 1821, dann kam es durch Heirat an die Freiherren von Crailsheim, die auch heute Eigentümer sind.

Die von Lamberg legten in der Regel das Scaligerwappen als Herzschild ihrem angestammten Wappen auf; diese Wappenbesserung wurde am 5.9.1641 zu Regensburg festgelegt. Dazu wurden dann drei gekrönte Helme geführt, Helm 1 (Mitte): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein wachsender, silberner, golden gekrönter und rotgezungter Brackenrumpf zwischen einem goldenen Flug (della Scala), Helm 2 (rechts): auf dem Helm mit blau-silbernen Decken ein Paar Büffelhörner, rechts dreimal silbern-blau geteilt, links rot, außen mit je fünf Pfauenfedern besteckt (Stammhelm), Helm 3 (links): auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken eine wachsende schwarze Bracke mit goldenem Halsband (erloschene von Podwein).

Um die Komposition aus den drei Schilden ist die Collane des Ordens vom Goldenen Vlies gelegt, mit abhängendem Widderfell und Gliedern aus abwechselnd funkensprühenden Steinen und Feuerstählen. Aus der Familie wurden folgende Mitglieder Ordensritter (mit Jahr ihrer Aufnahme):

Johann Maximilian war der Sohn von Georg Sigismund Freiherr von Lamberg-Amerang (1568-1630/1631) und Johanna della Scala (2.5.1574-17.8.1644). Er hätte also das Wappen der della Scala bereits ab 1641 führen dürfen. Nicht aber hätte er das Wappen der Landgrafschaft Leuchtenberg führen dürfen, deswegen scheidet er als Träger dieser Komposition aus. Leopold Matthias Sigismund Fürst von Lamberg wurde 1708 mit der Landgrafschaft Leuchtenberg belehnt, und nach seinem Tod 1711 folgte ihm sein eigener Vater Franz Joseph I. Fürst zu Lamberg, der ihn um anderthalb Jahre überlebte, nach. Diese beiden führten den Leuchtenberger Schild zu Recht. Als der letztgenannte jedoch 1712 starb, ging Franz Anton Fürst von Lamberg leer aus, denn die Landgrafschaft Leuchtenberg fiel im Zuge der Frieden von Rastatt und Baden wieder zurück an das Kurfürstentum Bayern, und der jeweilige bayerische Herrscher führte seitdem den Titel Landgraf von Leuchtenberg zusätzlich zu all seinen anderen Titeln. Wie die Wappen am Schloß jedoch zeigen, hat auch Franz Anton noch nach 1720 den Leuchtenberger Schild als Anspruchswappen beibehalten, nur als er das Schloß barockisierte, war er noch nicht Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies.

Literatur, Quellen und Links:
Ritterfresko: https://steyrerdenkmal.wordpress.com/category/kleindenkmal/page/16/
Ritterfresko: Steyrer Kalender 1950
Lamberg: Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983
Lamberg:
http://www.austroaristo.com/adelslexikon/4161-lamberg.html
Lamberg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Lamberg_(Adelsgeschlecht)
Lamberg: Zacharias Bartsch, Steiermärkisches Wappenbuch (1567), Facsimile-Ausgabe mit historischen und heraldischen Anmerkungen von Dr. Josef v. Zahn und Heraldische Besprechung von Alfred Ritter Anthony v. Siegenfeld, Graz u. Leipzig, Ulrich Mosers Buchhandlung (J. Meyerhoff) 1893, Seite 63 Tafel 66
Graf Jaroslav von Thurn und Hohenstein: Die Grafen von Lamberg, Frhrn zu Stein und Guttenberg, in: Monatsblatt der Gesellschaft Adler, 1896, S. 9 ff.
Franz Gall, Österreichische Wappenkunde, Verlag Böhlau, Wien 1977.
Genealogie Lamberg:
http://genealogy.euweb.cz/lamberg/lamberg1.html - http://genealogy.euweb.cz/lamberg/lamberg1.html - http://genealogy.euweb.cz/lamberg/lamberg1.html - http://genealogy.euweb.cz/lamberg/lamberg2.html - http://genealogy.euweb.cz/lamberg/lamberg3.html - http://genealogy.euweb.cz/lamberg/lamberg4.html - http://genealogy.euweb.cz/lamberg/lamberg5.html - http://genealogy.euweb.cz/lamberg/lamberg6.html - http://genealogy.euweb.cz/lamberg/lamberg7.html - http://genealogy.euweb.cz/lamberg/lamberg8.html - http://genealogy.euweb.cz/lamberg/lamberg9.html
Leuchtenberg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Landgrafen_von_Leuchtenberg - https://de.wikipedia.org/wiki/Landgrafschaft_Leuchtenberg - https://de.wikipedia.org/wiki/Herzog_von_Leuchtenberg
Maximilian II. Emanuel von Bayern:
https://de.wikipedia.org/wiki/Maximilian_II._Emanuel_(Bayern)
Abhandlung über die Geschichte der Landgrafschaft Leuchtenberg, von den ältesten Zeiten bis auf das Absterben Maximilian Josephs, Kurfürstens in Baiern und Landgrafens zu Leuchtenberg, 1778,
https://books.google.de/books?id=969DAAAAcAAJ
Christoph Maier: Geschichte der Landgrafen und Herzoge von Leuchtenberg, 1841
https://books.google.de/books?hl=de&id=eddCAAAAcAAJ
Karte der Landgrafschaft Leuchtenberg um 1450:
http://www.uni-regensburg.de/Fakultaeten/phil_Fak_III/Geschichte/1450g.jpg
Leuchtenberg: Otto Hupp, Münchener Kalender 1909
Scheiblersches Wappenbuch (Bayerische Staatsbibliothek Cod. icon. 312 c)
Siebmacher-Bände wie angegeben
Wolf Weigand: Die Skaliger in Bayern. In: Aus dem adeligen Leben im Spätmittelalter. Die Skaliger in Oberitalien und in Bayern, hrsg. von Manfred Treml unter Mitarbeit von Fritz Armbruster und Wolf Weigand, Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur 12/86), ISBN 3-9801-342-2-9, 160 S.
Die Herren von der Leyter (Skaliger) in Bayern 1400-1511, Artikel in der Altbayerischen Heimatpost, 62. Jahrgang, Nr. 46 vom 8.11.2010
Scaliger:
http://www.skaliger.de/index.php
Die Scaliger:
https://de.wikipedia.org/wiki/Scaliger
Amerang:
https://www.schlossamerang.de/15/
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Gustav Joachim von Lamberg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Joachim_von_Lamberg
Roman Sandgruber: Lamberg - der ökonomische und politische Niedergang eines Adelshauses in der ersten Hälfte des 20. Jh., in: Geschichte und Identität: Festschrift für Robert Kriechbaumer zum 60. Geburtstag, hrsg. von Franz Schausberger, Böhlau-Verlag, Wien 2008, 504 S., ISBN 978-3-205-78187-5, S. 85-91,
https://books.google.de/books?id=L4Z568v6D2MC

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