Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2255
Steyr (Oberösterreich)

St. Michael in Steyr (Michaelerkirche)

Die Vorstadt-Pfarrkirche St. Michael steht im Stadtteil Steyrdorf am Nordufer des Flusses Steyr unweit von dessen Einmündung in die Enns. Die hohe, dreigeschossige Zweiturmfassade der in Nord-Süd-Richtung ausgerichteten Kirche steht äußerst wirkungsvoll etwas erhöht auf einer künstlichen Terrasse am Ende einer kurzen Straße in Verlängerung der Steyr-Brücke. Die Lage hätte nicht wirkungsvoller gewählt werden können, denn vor der Kirchenfassade treffen sich mit der Kirchengasse, der Schlüsselhofgasse und der Steyrbrücke zugleich die wichtigsten damaligen Verbindungen mit dem Stadtplatz sowie mit den Städten Wels, Linz und Enns.

Diese 1635-1677 errichtete Kirche wurde vom Jesuitenorden gebaut, der 1630 bereits eine Niederlassung in Steyr gegründet und 1632 ein Gymnasium eröffnet hatte. Diese Kirche war Teil einer barock-enthusiastischen Neugründungsserie sakraler Bauten, einer Phase, in der in Steyr noch zwei weitere katholische Kirchen neu entstanden, die Dominikanerkirche und die Kirche der Cölestinerinnen. Rechterhand bildet das ehemalige dreiflügelige Jesuitenkolleg, das 1678 bis 1680 erbaut wurde und heute das Bundesrealgymnasium beherbergt, eine markante Ergänzung der sich am Tabor staffelnden Silhouette dieses Stadtteils. Diese architektonische Selbstinszenierung war zugleich auch Symbol des triumphierenden Katholizismus, den die Bürger von Steyr wirkungsvoll und dominant vorgesetzt bekamen.

Die Blütezeit der Jesuiten, die 1551 von Ferdinand I. nach Österreich geholt worden waren und mit der Gegenreformation erstarkten, wähnte in Steyr nur kurz, denn am 21.6.1773 befahl Papst Clemens XIV. die Auflösung des Ordens. Danach wurde St. Michael 1784 zweite Pfarrkirche von Steyr, und die gegenüberliegende gotische Spitalskirche wurde profaniert und als Pfarrhof umgebaut. Die Michaelerkirche wurde 1877-1885 im Stil der Zeit renoviert und noch einmal 1989, wobei etliche der gutgemeinten Änderungen des 19. Jh. im Sinne einer guten Denkmalpflege wieder rückgängig gemacht wurden.

 

Über dem Eingangsportal in der Hauptfassade ist das Wappen der Fürsten von Eggenberg angebracht. Die Verbindung zwischen St. Michael und den Fürsten von Eggenberg entstand über Hans (Johann) Ulrich Fürst von Eggenberg, Herzog von Krumau, Graf von Adelsberg (1568-18.10.1634), Sohn von Seyfried Freiherr von Eggenberg (1526-1594) und Anna Benigna Freiin Galler von Schwanberg. Das Wappen hat aber eine Form, wie sie ab 1647 gültig ist und kann daher frühestens seinem Sohn Johann Anton I. Fürst von Eggenberg, Herzog von Krumau, Graf von Gradisca (1610-19.2.1649) zugeordnet werden.

Hans (Johann) Ulrich Fürst von Eggenberg war dem für die Steyrer Niederlassungsgründung verantwortlichen Jesuitenpater Bernhard Graf Thannhausen freundschaftlich und auch verwandtschaftlich verbunden, denn der Fürst hatte Sidonia Maria von Thannhausen geheiratet. Der Fürst trug erheblich zur Finanzierung des Baus der Kirche bei. Auch Pater Bernhard Graf Thannhausen verwendete sein Erbteil für die Klostergründung des Jesuitenordens in Steyr, ebenso halfen Grafen Sigismund von Lamberg finanziell, und auch Kaiser Ferdinand gab 8000 fl.

Natürlich war der vorgesehene Raum in Steyrdorf vorher mit Bürgerhäusern dicht bebaut, und Kaiser Ferdinand II. verlangte 1630 von der Stadt Steyr, elf Häuser in der Nähe des Bürgerspitals räumen zu lassen und den Jesuiten als Bauplatz zu übereignen. Bis 1632 konnte der Orden die Immobilien übernehmen, die 1634 abgerissen wurden. Die hausinterne Grundsteinlegung zum Bau der Michaelskirche fand am 11.6.1635 statt; die offizielle und feierliche zu Ehren des Kirchenpatrons am Michaelstag, am 29.9.1635, durch den Garstener Abt Anton Spindler. Im Jahre 1647 war die Kirche so weit fertig, daß Gottesdienste gehalten werden konnten, und die Einweihung durch den Passauer Weihbischof Ulrich Grappler von Trappenburg fand am 8.12.1648 statt. Aber erst 1677 waren die beiden Türme vollendet, und diese Jahreszahl steht am Portal. 1766-1770 wurden die Türme noch einmal erhöht.

Das monumentale Eingangsportal aus dem Jahre 1677 trägt die Inschrift HIC DEUM ADORA - Bete an diesem Ort Gott an. Das Figurenprogramm umfaßt die Gottesmutter mit dem Jesuskind in einer Nische, flankiert von den Aposteln Petrus und Paulus. Ganz oben über dem Portal ist das maximal vermehrte Wappen der Fürsten von Eggenberg zu sehen, das in dieser Form ab 1647 geführt wurde. Es ist einmal geteilt und zweimal gespalten mit Herzschild, Feld 1: in Silber fünf (2:1:2) goldenbebutzte rote Rosen (Herrschaft und Fürstentum Krumau, ab 1622), Feld 2: golden-blau geteilt mit einem aus einer liegenden silbernen Mondsichel sich erhebenden silbernen Ankerkreuz darüber (Grafschaft Gradisca, ab 1647), Feld 3: in Rot ein golden gekrönter und bewehrter silberner Adler (Herrschaft Aquileja, ab 1647), Feld 4: blau-rot gespalten mit einem golden gekrönten silbernen Adler (Grafschaft Adelsberg, Postojna, ab 1619), Feld 5: in Blau ein aufrechter goldener Anker (Herrschaft Pettau, Ptuj, ab 1622, mal mit Ankerstock, mal ohne und nur mit Ring, so auch hier), Feld 6: in Rot ein silbernes achtspeichiges Rad (Radkersburg, Herrschaft Radgona), manchmal Feldfarbe abweichend auch als golden angegeben, Herzschild: in Silber eine goldene Laubkrone zwischen drei (2:1) im Dreipaß gestellten, auf die Krone zufliegenden, goldengekrönten schwarzen Raben (Vögeln, Adlern), die Krone gemeinsam mit ihren Schnäbeln haltend (Stammwappen Eggenberg).

Das Wappen wird hier mit einem Fürstenhut geführt. Theoretisch könnten alternativ zu dieser letzten, umfangreichsten Entwicklungsstufe des Eggenberg-Wappens insgesamt sieben gekrönte Helme geführt werden:

Literatur, Quellen und Links:
Adolf Bodingbauer: Steyr, St. Michael, hrsg. von der Pfarre St. Michael in Steyr, 1992, PEDA-Kunstführer Nr. 058/1992, Kunstverlag PEDA, Passau, ISBN 3-927296-55-4
Adolf Bodingbauer: Chronik der Pfarre Steyr-St. Michael (1785-1985), in den St.-Michaels-Briefen Nr. 1, 3 und 7, 1984 und 1985
Josef Ofner: Kunstchronik der Stadt Steyr, 6. Fortsetzung, in den Veröffentlichungen des Kulturamtes der Stadt Steyr, Heft 30, April 1972, S. 53-55 und 57-59
Dehio, Oberösterreich, Wien 1958, S. 330-331
Alfred Raab-Luftensteiner: Gründung und Entfaltung des Jesuitenkollegiums Steyr, in den Veröffentlichungen des Kulturamtes der Stadt Steyr, Heft 34, November 1978, S. 39-63
Michaelerkirche:
https://de.wikipedia.org/wiki/Michaelerkirche_(Steyr)
Michaelerkirche:
http://www.steyr.at/system/web/zusatzseite.aspx?menuonr=218378016&detailonr=219045927
Amtsblatt der Stadt Steyr Nr. 3/1971

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