Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2249
Stadt Wels (Oberösterreich)

Der Wasserturm

Der Wasserturm ist ein historischer Turm im Verlauf der Stadtbefestigungen und steht in der Minoritengasse am Mühlbach. Er wurde aber erst in der Renaissancezeit 1577-1579 errichtet. Anders als seine Lage an der Stadtmauer und die Reihe von Schlüssellochscharten vermuten läßt, diente er nie Verteidigungszwecken. Wenn man die Bauzeit bedenkt, wäre eine solche Wehrarchitektur zudem völlig veraltet gewesen. Maurermeister Wolfgang Khranlachner baute diesen Turm vielmehr im Auftrag des Stadtkammeramtes, um die Stadt Wels mit Trink- und Löschwasser zu versorgen. Mittels eines vom Augsburger Brunnenbaumeister Jörg Wagner und vom Welser Uhrmacher Clement Rensch im Innern des Turmes eingebauten Pumpwerkes wurde Wasser aus dem Mühlbach in einen Hochbehälter gepumpt, von dem aus dann die städtischen Brunnen und die wenigen an das Rohrleitungssystem angeschlossenen Stadthäuser per Schwerkraftleitung gespeist wurden. Der Turm wurde mehrfach restauriert, in den 1880er-Jahren, 1927 und zuletzt 1954/55, wobei jeweils auch die Malereien aufgefrischt wurden. Der Turm ist heute innen bis auf eine kaputte Pumpe leer.

Die wuchtige Eckquaderung des Turmes ist nur aufgemalt. Die je sechs (2:2:1:1) Fensteröffnungen sind mit Holzläden verschlossen und mit gemalter Scheinarchitektur geschmückt. Unter dem obersten Stockwerk befindet sich an drei Seiten umlaufend ein ebenfalls gemalter Wappenfries, der die einzelnen Besitzungen der Habsburger in der zweiten Hälfte des 16. Jh. aufzeigt. Diese Malereien wurden von Maler Niclas Linkh angefertigt. Auf jeder der drei bemalten Seiten befinden sich acht Wappenschilde, insgesamt also 24.

Ostseite, linker Teil: Das Wappen des Herzogtums Niederösterreich (Österreich unter der Enns) zeigt in Blau fünf (2:2:1) goldene Adler; das Wappen für das Herzogtum Burgund ist innerhalb eines roten Schildbordes fünfmal von Gold und Blau schrägrechtsgeteilt, hier umgekehrte Farbreihenfolge (Alt-Burgund); das Wappen des Herzogtums Oberösterreich (Österreich ob der Enns) ist gespalten, rechts in Schwarz ein goldener Adler, links dreimal gespalten von Silber und Rot, und das Wappen für das Herzogtum Kärnten ist gespalten, rechts in Gold übereinander drei schwarze, rotbewehrte, schreitende Löwen, links in Rot ein silberner Balken.

Ostseite, rechter Teil: Das Wappen des Herzogtums Steiermark zeigt in Grün ein silbernes Pantier, aus dessen Körperöffnungen rote Flammen hervorkommen; das Wappen für die gefürstete Grafschaft Tirol hat in Silber einen roten Adler mit goldenen Kleestengeln und goldener Bewehrung; das Wappen für die Grafschaft Feldkirch (heute Vorarlberg) zeigt in Silber eine rote Kirchenfahne mit drei Hängeln und drei Ringen, und das Wappen für das Herzogtum Krain ist silbern mit einem golden gekrönten, blauen Adler mit rot-golden geschachter Brustspange.

Südseite, linker Teil: Das Wappen des Königreichs Dalmatien zeigt in Blau (nicht Rot wie hier) drei (2:1) goldene Löwenmasken; das Wappen für das Königreich Böhmen ist rot mit einem gekrönten silbernen Löwen mit doppeltem Schwanz; das Wappen für das Königreich Ungarn ist geviert, Feld 1 und 4: siebenmal rot-silbern (hier umgekehrt) geteilt (Alt-Ungarn), Feld 2 und 3: in Rot auf grünem Dreiberg ein silbernes Patriarchenkreuz, Neu-Ungarn, und das Wappen für den Römisch-deutschen Kaiser enthält in Gold einen schwarzen, golden bewehrten und rot gezungten, golden nimbierten Doppeladler mit einem gespaltenen Brustschild, rechts in Rot ein silberner Balken, Erzherzogtum Österreich, links in Rot ein goldenes Kastell, Königreich Kastilien.

Südseite, rechter Teil: Das Wappen des Heiligen Römischen Reiches zeigt in Gold einen schwarzen Adler; das Wappen für das Königreich Sizilien ist schräggeviert, oben und unten in Gold eigentlich vier rote (nicht fünf wie hier) Pfähle, rechts und links in Silber (nicht Gold wie hier) ein schwarzer Adler; das Wappen für das Königreich Kastilien zeigt in Rot ein goldenes Kastell, und das Wappen für das Erzherzogtum Österreich ist rot mit einem silbernen Balken.

Auf der Westseite befinden sich noch (ohne Abb.) die Wappen für die Obere Lausitz, für Niederschlesien, für die Markgrafschaft Mähren, für die Windische Mark, sowie für Triest, die Grafschaft Görz, das Herzogtum Schwaben und die Landgrafschaft Elsaß.

Literatur, Quellen und Links:
Sehenswürdigkeiten in Wels: https://de.wikipedia.org/wiki/Wels_(Stadt)#Schlösser_und_Häuser
Digitaler Architekturführer Wels:
http://www.wels.at/multimedia/wels/html/architekturfuehrer/stadtrundgang/archindex_rundg.htm
Wasserturm:
http://www.wels.at/multimedia/wels/html/architekturfuehrer/entstehungsjahr/renaissance/wasserturm/wasserturm.htm
Holter, Trathnigg, Wels von der Urzeit bis zur Gegenwart. 25. Jahrbuch des Musealvereines Wels 1984/85, 2. Aufl., Wels 1986, S. 140
Franz Gall, Österreichische Wappenkunde: Handbuch der Wappenwissenschaft, 3. Auflage, Böhlau Verlag, Wien 1996, ISBN 3-205-98646-6

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